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Zehntes Kapitel.
Die Fähre.

Gleich hinter der Stadt Fort Smith überschreitet man die genau von Norden nach Süden laufende Grenze des Staates Arkansas. Von da bringen zwei Tagereisen am Arkansas hinauf an den Vereinigungspunkt dieses Stromes mit dem südlicheren Kanadian, welcher letztere Fluß in früheren Zeiten seiner westlichen Richtung wegen von Expeditionen und Karawanen, deren Ziel die Handelsstadt Santa Fé in Neu-Mexiko war, dem aus mehr nördlicher Richtung kommenden Arkansas vorgezogen wurde.

Von Fort Smith aus, wo die ununterbrochene Urwaldung ihr Ende erreicht, bis noch eine gute Strecke über jenen Vereinigungspunkt hinaus, dehnen sich nach allen Seiten wahrhaft paradiesische Landstriche aus. Paradiesisch durch die wunderbare Abwechselung von Wald, Wiese, kleineren fließenden Gewässern und vereinzelten malerischen Gebirgsgruppen. Bewohnt sind diese Länderstrecken von den Stämmen der Choctaws, Chickasaws, Cherokesen, Delawaren, Kreeks und Schawanoes, die nach Abtretung der ursprünglichen Jagdgründe an die Vereinigte Staaten-Regierung hier ihre unveräußerlichen Reservationen angewiesen erhalten haben.

Die landschaftlichen Schönheiten gewinnen durch die Ansiedelungen der genannten Indianer. Diese rücken nämlich nicht gern in Kolonien zusammen, sondern leben familienweise, durch kleinere und größere Zwischenräume voneinander getrennt, je nachdem Prärieland, Waldung und nie versiegendes Wasser in ihrer Gemeinsamkeit nicht nur ihrem Geschmack entsprechen, sondern auch dem Ackerbauer und Viehzüchter gewissen Vorteil bieten. Und ein freundlicherer Schmuck ist kaum denkbar, als die grauen Blockgehöfte und die mittelst gespaltener, übereinander geschichteter Holzriegel einfach hergestellten Einfriedigungen. Pferde und Rinder beleben die ausgedehnten Wiesen, braune, schwarzhaarige Menschen die Umgebung der schattig gelegenen Heimstätten. Die farbigen Männer und grauen sind in einer Weise bekleidet, die man als eine Vermischung des indianischen Geschmackes mit den: der Weißen bezeichnen möchte. Namentlich gelangt bei ihnen die Vorliebe für grelle Farben zum Ausdruck, gerade als gelte es, einen recht auffälligen Kontrast zu der heiter grünen, üppigen Vegetation wie den grauen Baulichkeiten herzustellen.

Die verhältnismäßig zahlreichen Ackerwirtschaften und die davon abhängige Verwertung der Erzeugnisse haben zunächst Veranlassung zur Herstellung von Verkehrswegen gegeben. Sie sind aber krumm und gewunden, je nachdem die ersten Bahnbrecher Richtungen verfolgten, in denen die Wagenräder am leichtesten rollten. Nur in der Nachbarschaft der Kreuzungspunkte größerer Gewässer, namentlich des Kanadian und Arkansas, mußte von dieser bequemen Art der Straßenherstellung Abstand genommen werden. Auch Fähren wurden hier und da angelegt, und die bestanden aus plump gebauten Prahmen, die, mittelst Laufschlingen an ein über den Strom gespanntes Tau befestigt, durch eine einfache Vorkehrung es jedem ermöglichten, sich selbst überzusetzen. Fährleute waren also überflüssig.

Nur auf einer Stelle, ungefähr zwanzig englische Meilen oberhalb der Vereinigung des Kanadian mit dem Arkansas, wo auf beiden Ufern des ersteren zahlreiche Wege und Fährten zusammenstießen, hatte sich auf dessen linkem Ufer ein Fährmann niedergelassen. Doch ob Wagen, Reiter oder Fußgänger übergesetzt zu werden wünschten: für das eine wie für das andere mußte in Ermangelung eines Bootes der Prahm in Benutzung genommen werden.

Eine ziemlich geräumig und sorgfältig erbaute Blockhütte bildete die Wohnung des Fährmanns. Ein Blockstall gewährte zur ungünstigen Jahreszeit zwei Kühen und drei Pferden eine Zufluchtsstätte, außerdem für gewöhnlich zahlreichen Hühnern, Enten und Perlhühnern. Ein mäßig großer, fest eingefriedigter Garten mit kräftigen jungen Obstbäumen und Gemüsebeeten stieß hart an die Rückseite des kleinen Heimwesens; an den Garten dann wieder ein größeres Maisfeld, auf dem bei dem unerschöpflichen Reichtum des Bodens Jahr für Jahr das erforderliche Futter für den Viehstand, wohl auch etwas darüber zum Verkauf, gewonnen wurde. Und zur Feldarbeit blieb dem Fährmann ja Zeit genug, indem oft Tage vergingen, an denen der Prahm nicht ein einziges Mal in Anspruch genommen wurde, mochten immerhin andere Tage den Ausfall wieder ausgleichen. Es erzeugte überhaupt den Eindruck, als ob der Fährmann sein Gewerbe als eine Nebenbeschäftigung betrachtete, oder vielmehr als ein Mittel, nicht gänzlich ohne einen bestimmten Zweck dahin zu vegetieren. Auf alle Fälle war bei Gründung des Fährhauses die wilde und doch liebliche Naturumgebung maßgebend gewesen. Und lieblich war sie durch die wunderbar schönen Gruppen, zu denen mächtige Nußbäume, Eschen, Tannen und Sykomoren sich auf den Ufern, den nahen Hügeln, wie auf einer etwas stromabwärts gelegenen Insel zusammendrängten, während Hasel-, Sumach- und Sassafrasgesträuch, durchwebt mit wilden Reben, das Unterholz bildete. Lieblich auch durch den glänzenden Spiegel des schnell fließenden Kanadian und die zahlreiche kleine Vogelwelt, die aller Enden sang und zwitscherte. Das Wilde der Szenerie bestand dagegen aus den durch Hochwasser und Regengüsse zerrissenen hohen Ufern, auf deren Abhängen nur stellenweise dorniges Gerank seine Wurzeln in das feste Erdreich zu senken vermochte; ferner aus gestrandeten Treibholzstämmen mit perückenähnlichem Grasbehang auf den emporstarrenden, schwarzen Ästen und Zweigen.

Ein Hohlweg führte zu der Fähre hinab. Die dazu gehörende Hütte lag gegen dreißig Fuß höher, als der Stromesspiegel, und weit genug von dem Uferrande zurück, um eine grüne Rasenfläche, die durch mehrere, von der Axt verschont gebliebene Waldbäume beschattet wurde, als Vorplatz frei zu lassen. Eine gewaltige Sykomore, vom Sturm gelockert, war so niedergebrochen, daß der Stamm, noch von einigen Wurzeln gehalten, zur Hälfte auf dem Vorplatz rastete. Der übrige Teil, von dem bis auf den Hauptast das ganze Gezweig entfernt worden war, ragte dagegen weit auf das Strombett hinaus. Da nun, wo der Stamm sich ursprünglich teilte und der Rest eines Astes einen festen Halt bot, war das über den Strom reichende Tau befestigt worden, an dem der Prahm hinüber und herüber lief. –

Ein heißer Sommertag neigte sich seinem Ende zu; die Sonne hatte indessen immerhin noch einige Stunden zu scheinen. Es war eben die Zeit eingetreten, in der die Wärme nicht mehr lästig war und alle Geschöpfe aufatmeten, als auf der anderen Seite des etwa zweihundert Ellen breiten Stromes das von einer heiseren Stimme ausgestoßene »Hol über!« erscholl.

Und abermals hieß es durchdringend: »Hol über!« und nach kurzer Pause in unverkennbar fremdländischem Englisch:

»Hol über in des Henkers Namen, wenn das Fährhaus überhaupt noch 'nen Strohhalm mehr wert ist, als 'ne Vogelscheuche!«

Wiederum verrann eine Minute in Schweigen, und der Fremde, auf einem schönen, kräftigen Apfelschimmel beritten, war eben im Begriff, eine neue Aufforderung hinüber zu schreien und sie wahrscheinlich mit noch ernsteren Schmähungen zu begleiten, als hinter der Hütte hervor vom Garten her eine schlanke Mädchengestalt auf den Vorplatz trat. Ihr auf dem Fuße folgte ein ungewöhnlich großer, schwarzer Bär so bedächtig, als hätte er getrachtet, die breiten Tatzen genau in die Fährten seiner Herrin zu stellen. Anstatt sich in dem Hohlwege nach dem Wasser hinunter zu begeben, schritt sie nach dem Uferrande hinüber. Kurz vor diesem schwang sie sich gewandt nach dem Stamm der verwitterten Sykomore hinauf, und ohne ihre Bewegungen zu mäßigen oder zu beschleunigen, setzte sie ihren Weg auf dem Stamm bis an dessen äußerstes Ende fort, wo eine ganz kurze, stumpfe Vergabelung ihren Füßen einen etwas breiteren Halt gewährte, sie also oberhalb des Strombettes beinahe frei in der Luft schwebte. Auch der Bär war gemächlich nach dem Stamm hinaufgestiegen, wo er sich behaglich hinsetzte und das junge Mädchen beständig in den Augen behielt.

Bis dahin mochte der Fremde sich durch die seltsame Erscheinung gefesselt fühlen. Sobald diese aber die Hände auf dem Rücken zusammenlegte und ruhig zu ihm hinübersah, wuchs seine Ungeduld wieder und abermals schrie er: »Hol über in des Teufels Namen!«

Die junge Bewohnerin des Fährhauses antwortete nicht, sondern fuhr fort, den Reiter, so gut es aus der Ferne gehen wollte, prüfend zu betrachten. Zum Beweise ihres Gleichmutes versetzte sie den sie tragenden starken Ast in Schwingungen, deren jede einzelne sie kopfüber in die Tiefe hinab zu senden drohte. Sie bewahrte indessen das Gleichgewicht, als wären ihre kleinen nackten Füße mit dem abgerundeten Holz verwachsen gewesen. Ein Rock von ungebleichter Leinwand, unten herum mit einem mehrfachen Besatz von roten: Wollenband benäht, mit Rücksicht aus die Jahreszeit das einzige Hauptbekleidungsstück, fiel von ihren Hüften faltig bis auf gute Handbreite oberhalb der zierlichen Knöchel nieder. Den Oberkörper dagegen, die Schultern und Arme bis beinahe zu den Ellenbogen schützte ein weites, leichtes Hemde von blauem Kalikot, das um den Hals anschloß. Ein breitrandiger Hut von grobem Strohgeflecht bedeckte das zuversichtlich getragene Haupt.

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Die junge Bewohnerin des Fährhauses fuhr fort, den Reiter prüfend zu betrachten.

Große blaue Augen, geschützt von langen, dunklen Wimpern und eben solchen Brauen, belebten ein kindlich weich abgerundetes Gesichtsoval mit fein geformter gerader Nase und schwellenden Lippen. Selbstvertrauen und Unerschrockenheit offenbarten sich in den durch atmosphärische Einflüsse leicht gebräunten, reizvollen Zügen. Diese erhielten sogar einen gewissen Ausdruck des Trotzes durch das bis beinah zu den Brauen niederfallende Stirnhaar, wie durch die Gewohnheit, hin und wieder die Brauen etwas näher zusammen zu schieben. Man brauchte indessen nur einen Blick in die klaren, fröhlichen Augen zu werfen, um zu entdecken, daß in ihnen ausschließlich kindlicher Frohsinn, gepaart mit ruhiger Überlegung, vielleicht auch einige mutwillige Launen wohnten. Das Haar der Schläfen war zusammen mit der übrigen Fülle am Hinterkopf in einen einfachen Knoten verschlungen worden, aus dem es in einer goldig glänzenden, blonden, dicken Strähne niederfiel.

»Hol über, in der Hölle Namen!« rief der Fremde auf dem jenseitigen Ufer wiederum, und sich aus dem Sattel schwingend, führte er seinen Schimmel an den Fluß, um ihn zu tränken. »Wo 'ne Fähre ist, muß jemand sein, der zum Rechten sieht, oder der Prahm möchte ebensogut aufs Trockene geschleppt und als Waschfaß benutzt werden!«

»Ein Deutscher, nach seinem holperigen Reden zu schließen,« sprach die anmutige junge Person gelassen vor sich hin, und um ihre Gemütsruhe noch augenfälliger zu machen, versetzte sie den schweren Ast in stärkere Schwingungen. Dann mit heller, melodischer Stimme zu dem Fremden hinüber, der offenbar keinen günstigen Eindruck auf sie ausübte: »Ich sah schon früher unverzagte Männer durch den Strom reiten und dazu lachen, wenn das Wasser ihnen über dem Kopf zusammen zu schlagen drohte! Dies ist nämlich eine Privatfähre! Wenn es uns nicht paßt, rühren wir keinen Fuß! Zwingen kann uns niemand!«

»Ich verlang's nicht umsonst!« schrie der Fremde zurück, »um den Strom zu kreuzen, müßte ich seinen Boden kennen! Also flink, Mädchen! Mach' den Prahm los und schaff' ihn herüber, oder ruf' jemand, der das Ding zu steuern versteht!«

Die junge Person runzelte die Brauen und sann ein Weilchen nach. Anstatt eine Antwort zu erteilen, kehrte sie sich auf der winzigen Fläche um, und langsam schritt sie auf dem gefährlichen Stege ans Ufer zurück. Durch einen leichten Stoß mit dem Fuß veranlaßte sie den Bären, von dem Stamm herunter zu kugeln, und von ihm gefolgt begab sie sich in den Hohlweg und zum Wasser hinab, wo der Prahm, durch das schlaffe Tau gehalten, angekettet lag. Während die kundigen kleinen Hände den Ring von dem Pfahl lösten, bestieg auch der mit solchen Fahrten offenbar vertraute Bär das schwerfällige Fahrzeug; aber da dieses nur mit dem Vorderteil den Erdboden leicht berührte, also beinah frei schwamm, kostete es das kräftige junge Mädchen keine große Mühe, durch Ergreifen des Taues und langsames Ziehen den unförmlichen Kasten in Bewegung zu setzen. Dann wanderte sie hin und her, hin mit leeren Händen, zurück mit ganzer Körperschwere sich gegen das fest gepackte, triefende Tau lehnend. Doch ob hin, ob her: in ihren Fußtapfen folgte pünktlich das schwarze Ungetüm.

So näherte sie sich dem jenseitigen Ufer bis auf etwa zwanzig Ellen; dort hielt sie mit ihrer Arbeit inne. Der Prahm drängte noch einige Fuß nach vorn, bevor er zum Stillstand gelangte, worauf sie neben dem Tau auf der Schutzwehr Platz nahm, und die Ellenbogen auf die Knie stützend, die gebräunten Hände auf die blühenden Wangen gelegt, betrachtete sie den Fremden ernst. Hatte dieser schon vorher durch sein polterndes Wesen keinen günstigen Eindruck auf sie ausgeübt, so fühlte sie jetzt, da sie seine groben, gedunsenen Züge mit dem weißgemischten roten Vollbart genauer zu unterscheiden vermochte, sich angewidert. Kein Wunder daher, wenn sie schwankte, der unheimlich schauenden Räubergestalt Zutritt zu sich zu gewähren. Mit um so größerem Wohlgefallen betrachtete sie dafür den Apfelschimmel, der, obwohl abgetrieben und ermüdet, ein ausgesucht schönes Bild bot.

Als der Fremde gewahrte, daß das Mädchen ihn mit so viel Aufmerksamkeit prüfte und an nichts weniger zu denken schien, als ihn und sein Pferd überzusetzen, prägte sich Erstaunen in seinem verwitterten, breiten Gesicht aus. Sei es nun, daß dessen eigentümliches Wesen ihn befremdete oder das reizvolle Antlitz, das ruhig unter dem etwas verschobenen Hut hervorsah, ihn fesselte: genug, auch er verhielt sich eine Weile schweigend, bevor er in die Worte ausbrach: »Wenn du glaubst, daß es mir eine besondere Freude ist, hier zu stehen und zu warten, bis es dir gefällt, mir den Weg freizugeben, so irrst du verdammt!«

Ohne ihre Stellung zu verändern, erwiderte die Angeredete gleichmütig: »Und wenn es Ihnen nicht gefällig ist, mich wie eine Lady zu behandeln, so mögen Sie bis an den jüngsten Tag warten, bevor Ihnen jemand herüber hilft. Nur Strolche reden in Ihrer Weise.«

Der Rotbärtige stierte auf das Mädchen, wie zweifelnd, ob eine neue rohe Bemerkung am Ort: er mochte indessen erwägen, daß er dadurch seinen Zweck am wenigsten fördere, und versetzte: »Der Henker sieht 'nem Frauenzimmer in Hemdärmeln und ohne Schuh' und Strümpfe an, ob 'ne Lady dahinter steckt. Mit der Red' ist's ein anderes; die gibt den Ausschlag, und da bitte ich höflich, mich nicht länger warten zu lassen.«

»Gut genug klingt das,« hieß es mit unerschütterlicher Gemütsruhe zurück, »da Sie aber einmal meine Mißstimmung wachgerufen haben, können Sie nicht erstaunen, wenn ich Bedingungen stelle, bevor ich meinen Prahm mit Ihnen und dem schönen Pferde beschwere.«

»Jede vernünftige Bedingung soll mir recht sein,« warf der Strolch heiser lachend hin, »und so schießen Sie los.«

Das Mädchen sann einige Augenblicke nach und antwortete geschäftsmäßig: »Zunächst berechnen wir für Ihre Person fünfundzwanzig Cent und für das Pferd doppelt so viel.«

»Ein hoher Preis, aber ich lege gern noch zehn zu, wenn es endlich von dannen geht.«

»Keinen Cent mehr, keinen weniger,« versetzte das Mädchen gelassen, »wir handeln hier nicht, nehmen nichts geschenkt, verschenken auch nichts.«

»Ein stolzes Wort; aber damit geht die Zeit hin. Das weitere bereden wir ebensogut im Prahm.«

»Besser jetzt, da ich noch freie Hand habe, als nachher, wenn's zu spät ist,« erklärte das Mädchen frostig. »Also fünfundsiebenzig Cent, und die legen Sie da drüben zwischen die beiden schmalen Balken.«

»Soll ich das Geld nicht in Ihre Hand legen? Sie fürchten mich wohl?«

»Ich fürchte überhaupt niemand,« antwortete die hübsche Führerin des Prahms, und wie zur Bekräftigung ergriff sie mit der einen Hand das Ohr des vor ihr sitzenden Bären. »Es ist indessen meine Gewohnheit, mir die Leute drei Schritte vom Leibe zu halten. Eine weitere Bedingung ist, daß Sie selber den Prahm nach dem jenseitigen Ufer hinüberziehen.«

»Bezahlen und arbeiten obenein?« fragte der Strolch, abermals widerwärtig lachend.

»Sie muten mir zu, Sie zu bedienen?«

»Ich vermute, daß ich für mein Geld übergesetzt werden muß, ohne selber 'ne Hand anzulegen.«

»So warten Sie, bis der Fährmann heimkehrt; das mag bis in die Nacht hinein dauern.«

Ein Fluch schwebte dem räuberähnlichen Gesellen auf den Lippen. Er mäßigte sich indessen, und sich hinter dem Ohr kratzend, bemerkte er gedehnt: »Wer soll meinen Gaul so lange halten? Der steht nämlich nicht allein. Da ist auch die Teufelsbestie, die jagt ihm Scheu ein. Sie sehen, wie er schon unruhig ist.«

»Um des Gaules willen halte ich ihn selber, und mit Pferden weiß ich umzugehen. An die Teufelsbestie gewöhnt er sich in einer Minute.«

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»Gut, junge Lady, ich geh' auf alles ein, nur bitten möcht' ich, jetzt ein Ende damit zu machen.«

Das Mädchen erhob sich und ergriff das Tau. Gleich darauf knirschte der Vorderteil des Prahms auf den Sand, und vorsichtig führte der Strolch den ängstlich schnaubenden Schimmel an Bord.

»So,« sprach er mit einem tückischen Grinsen, »so weit wären wir, und vermutlich zeigen Sie sich jetzt etwas willfähriger.«

»Tommy, antworte du dem Herrn,« entgegnete das Mädchen, und eine kaum bemerkbare Handbewegung belehrte den Bären.

Dieser richtete sich auf die Hintertatzen auf, daß Mann und Roß erschrocken zurückprallten.

»Bei Gott, Frauenzimmer, ich schieße die Bestie über den Haufen,« rief der Strolch aus, und er war gezwungen, seine Aufmerksamkeit zwischen dem gutmütig dareinschauenden Bären und dem ängstlich stampfenden Pferde zu teilen.

»Wenn sie Ihnen Zeit dazu läßt,« entgegnete das Mädchen spöttisch. »Tommy, komm zurück: wir haben nur Scherz gemacht,« und es wies das folgsame Tier nach dem äußersten Ende des Prahms hinüber. Dann, nachdem der Strolch ihm grollend die Zügel gereicht hatte, nahm es wieder auf dem Bord des Prahms Platz. »Der Friede ist geschlossen,« sprach es dabei, »und Sie mögen zeigen, was Sie leisten können. Ziehen Sie nur recht regelmäßig, nicht stoßweise, oder Sie erleben, daß der Prahm kippt, und wir liegen bis über den Kopf im Wasser.«

»Schöne Aussichten,« meinte der Strolch sauersüß grinsend, ergriff aber das Tau, »so viel lassen Sie sich indessen gesagt sein, daß eben nur ein Frauenzimmer von Ihrer Sorte dazu gehört, mich willig zu machen. Liegt sonst nicht in meiner Statur, anderer Leute Befehle auszuführen.«

»Das seh' ich Ihnen an. Aber ich möchte bitten, das Geld da zwischen die Balken zu legen.«

»Nicht für fünfundsiebenzig Cent bin ich Ihnen gut?« fragte der Strolch höhnisch, zog jedoch das Geld aus der Tasche, warf es auf die bezeichnete Stelle und begab sich wieder an die Arbeit.

»Nicht für einen Cent,« lautete die kaltblütig erteilte Antwort; »Sie wären nicht der erste, der ohne Zahlung davonginge.«

»Wären Sie ein Mann, so lägen Sie jetzt im Wasser,« fuhr der Strolch grimmig auf.

»Unsinn. Ich lasse mich nicht einschüchtern.«

»Kein Unsinn, junge, barfüßige Lady. Doch reden wir von anderen Dingen. Da hörte ich unten im Süden, der Fährmann am Kanadian sei ein Deutscher und vor fünfzehn, sechzehn Jahren hier zugezogen.«

»Ein Deutscher, aber einer von der allerbesten Art,« bestätigte das Mädchen mit unverkennbarem Stolz, »kein Lump, wie sie haufenweise herüberkommen.«

»Sie sind nicht seine Tochter?«

»Als Fremder fragen Sie ziemlich viel. Aber immerhin: ich nenne ihn Vater.«

»Ich darf mich wohl nach seinen: Namen erkundigen?«

»Weshalb nicht? In meinem Belieben steht es ja, ihn zu nennen oder zu verschweigen. Damit Sie indessen nicht wähnen, er müsse sich seines Namens schämen: Charon heißt er.«

Der Strolch ließ in seiner Arbeit eine Pause eintreten, schüttelte den Kopf und bemerkte zweifelnd: »Charon? Charon? Da will ich des Teufels sein, wenn der Name deutsch klingt.«

»Ein deutscher so gut wie ein englischer, französischer, lateinischer oder griechischer – aber davon verstehen Sie nichts.«

»Es käme drauf an.«

Um die blühenden Lippen des Mädchens zuckte Mutwille. »Wissen Sie, was eine Unterwelt ist?«

»Ich vermute, ein Ort, wohin die meisten Menschen schon bei lebendigem Leibe gehören, nämlich 'ne Art Hölle.«

»Nicht ganz. In die Unterwelt gehen die Seelen aller Menschen, und was da aus ihnen wird, erfahren Sie früh genug. Vor dieser Unterwelt fließt ein ekelhaft schlammiger Strom. Über den müssen alle Seelen hinüber, und das besorgt ein alter Fährmann mittelst eines Bootes. Dieser Mann heißt also Charon, und von dem stammt der Besitzer dieser Fähre in gerader Linie ab,« und schärfer prägte sich bei den letzten Worten an Bosheit grenzender Mutwille um den lieblichen Mund aus.

Der Strolch war stehen geblieben und betrachtete die holde Erscheinung mit einem Gemisch von Verwunderung und Spott.

»Bei Gott, Sie verstehen's, Märchen auszudenken,« sprach er verdrossen; »Sie sollten sich indessen Jüngere und Dümmere aussuchen, um ihnen derartigen Blödsinn anzuhängen.«

»Kein Märchen; das werden Sie erfahren, wenn Sie selber erst vor dem Schlammfluß stehen und der Fährmann Ihnen seinen Obolus – etwa fünfzig Cent – abfordert, gerade so wie hier. Besitzen Sie kein Geld, so mögen Sie zusehen, wo Sie bleiben, ebenfalls gerade wie hier. Und hinüber müssen alle: Kinder wie Greise, rechtschaffene Menschen und Gauner, Pferdediebe und Mörder – abermals wie hier. Auch wir machen keinen Unterschied, schon allein, weil mein Vater Charon von jenem ältesten aller Fährleute abstammt.«

Tückisch spähte der Strolch in die großen blauen Augen des Mädchens, um zu erforschen, ob die bösen Bezeichnungen etwa gegen seine Person gerichtet gewesen. Er faßte sich aber schnell und fragte wie beiläufig: »Woher wissen Sie das so genau?«

»Weil Vater Charon selber es mir anvertraute, und über dessen Lippen kam noch nie eine Unwahrheit. Er ist überhaupt ein sehr gelehrter Gentleman; was ich weiß, habe ich von ihm.«

»Charon, Charon,« wiederholte der Strolch kopfschüttelnd, und er griff wieder nach dem Tau, »freilich, in diesem Lande können die Menschen sich nennen, wie's ihnen gefällt. Alle Tage anders, ohne daß die Polizei viel darnach fragt. Charon – hm, wenn Sie mir so viel verrieten, erfahre ich wohl noch mehr, das heißt, um die Zeit 'ne Kleinigkeit mit Reden auszufüllen. Bin sonst nicht neugierig, möcht' aber doch wissen, wie 'ne junge Lady gerufen wird, die eine so unerschrockene Natur besitzt, wie nur je ein Mann, der gewohnt ist, mit Messer und Pistolen zu hantieren, und die 'nen ausgewachsenen Bären karessiert, wie 'nen Schoßhund.«

»Und mir scheint, als hätten Sie einen besonderen Zweck, mich auszuforschen,« erwiderte das Mädchen, und etwas schärfer suchten die fröhlichen hellen Augen in dem verwitterten Räubergesicht; »wie würden Sie darüber denken, wenn ich mit Ihnen ähnlich verführe?«

»Bei Gott, ich würde ehrlich Rede stehen.«

»Aber nicht erwarten, daß ich alles glaubte?«

»Das stände in Ihrem Belieben,« versetzte der Strolch, und er schickte sich zu einem neuen Zuge an, »richte ich 'ne Frage an Sie, so ist's keine andere, als sie jeder Ihrer Nachbarn gern beantwortete. Ich mein', solch herzhaftes Frauenzimmer kann nicht heißen wie andere Menschen.«

»So sollen Sie nicht länger im Dunkeln bleiben,« erklärte das Mädchen mit Überlegenheit. »Zunächst heiße ich Frühlingstau –«

»Frühlingstau?« warf der Strolch unwirsch ein, »nun ja, Sie können nicht anders. Sie müssen die Leute narren.«

»Nichts weniger, als das. Alle braunen Menschen, die auf viele Tagereisen im Umkreise leben, nennen mich so, und ich höre es gern von ihnen.«

»Warum gerade Frühlingstau?«

»Da müssen Sie meine Freunde selber fragen. Außerdem führe ich den Namen Molly, und mehr zu wissen tut Ihnen nicht not.«

»Nur noch eins: wie ist's möglich, daß solch' grimmige Bestie sich bei Ihnen so wunderbar anfreundete?«

»Das ist mein Geheimnis. Verrate ich Ihnen das, so sind Sie ebenso klug, wie ich, und lange dauert's nicht, bis Sie mit einem Dutzend Bären, Panthern und Wölfen hinter sich das Land durchstreifen.«

In diesem Augenblick knirschte der Prahm auf dem Ufersande.

»Streifen Sie den Ring über den Pfosten da,« befahl Molly. Dann nahm sie das Geld, und das Pferd seinem Herrn zuführend, sprang sie, gefolgt von dem Bären, ans Ufer. Bevor es dem Strolch gelungen war, samt seinem Schimmel festen Boden zu gewinnen und den Prahm anzuketten, stand sie oben auf dem federnden Baumast, von wo aus sie mit kaltem Gleichmute auf ihn niedersah.

»Charon, Charon,« wiederholte der Strolch immer wieder, während er Zaum, Sattel und die an diesem befestigten Gepäckstücke ordnete, »zum Henker mit allen Namen. Ich selber führte mindestens zehn verschiedene in meinem Leben. Verdammt! Die Beschreibung paßt nicht recht auf ihn; aber der Mensch ändert sich mit der Zeit. Wunderbar wär's, träfe ich nach den vielen langen Jahren hier 'nen alten Bekannten. Wir werden ja sehen –«

Bei dem letzten Wort hob er den Fuß in den Bügel, und sich in den Sattel schwingend, folgte er dem Hohlwege nach, der ihn bis in die Nähe des Fährhauses brachte. Dort hielt er an. Wie von ernsten Zweifeln befangen, starrte er vor sich auf den Sattelknopf nieder. Nach kurzem Sinnen richtete er sich indessen wieder auf, und mit den unbewußt gesprochenen Worten: »So mag's gehen. Versucht muß alles werden,« kehrte er sich wieder dem noch immer auf seiner Warte stehenden Mädchen zu. »Hallo, Miß Frühlingstau!« rief er aus, »ich komme einen weiten Weg. Hat der Schimmel auch 'nen festen Trunk getan, so fehlt ihm doch ein ordentliches Futter dazu. Kann ich für Geld und gute Worte ein Dutzend Maiskolben, und für mich selber 'n Stückchen Brot und 'ne Scheibe gebratenen Speck erhalten?«

»Bisher so eilig, haben Sie plötzlich viel Zeit,« antwortete Molly, von heimlichem Mißtrauen beschlichen. »Aber damit Sie es wissen: für Geld gibt es hier nichts. Wir halten kein Wirtshaus. Reiten Sie eine Stunde weiter, da hat ein Kreek eine Art Ausspannung eingerichtet; der gibt Ihnen gegen bare Zahlung manches. Wir hier helfen nur für gute Worte aus, wo es nottut.«

»Das wäre noch dankenswerter,« rief der Räuber zurück, und trotz seiner fünfzig und einiger Jahre schwang er sich mit einer gewissen Leichtigkeit von dem Pferde; »bei Gott, dankenswert, obschon ich gern nach Gebühr dafür gezahlt hätte. Aber für umsonst und aus den Händen einer herzigen jungen Lady obenein, soll's uns doppelt behagen, mir und dem Schimmel.«

Molly hatte ihren luftigen Standpunkt verlassen und sich dem Strolch bis auf zehn Schritte genähert. Sein unbeholfenes Kompliment schien sie überhört zu haben. Hegte sie in diesem Augenblicke doch nur Teilnahme für das Pferd, das, nachdem es abgezäumt und der um seinen Hals geschlungene Lasso auseinander gerollt worden, auf dem kurzen Rasen des Vorplatzes eifrig zu rupfen begann.

»Das arme Tier hat wirklich Hunger,« bemerkte sie nach einer Pause mit ihrer gewohnten ruhigen Zuversicht, »und einige hartkörnige Maiskolben vom vorigen Jahr ist es ebenfalls wert, gleichviel in wessen Stall oder auf wessen Weide es seine letzte Mahlzeit hielt,« und als sei es zufällig geschehen, suchte sie des Fremden Augen. Scharfsinnig entdeckte sie, daß dieser ihren Blicken auswich und sich abermals an den Satteltaschen zu schaffen machte, dann fuhr sie fort: »Ja, einige ausgesucht schöne Maiskolben; doch auch dafür habe ich meine Bedingungen, wie sie in diesem Teile des Landes nicht überraschen können, zumal ich hier auf mich allein angewiesen bin. Also: hier bleiben Sie bei Ihrem Pferde, versuchen nicht etwa, mein Haus zu betreten. Wagen Sie es dennoch, so geschieht es auf Ihre eigene Gefahr. Denn bevor Sie einen Fuß auf die Schwelle setzen, hat Tommy Sie an der Kehle, und dann hört meine Gewalt über ihn auf. Solch wilde Bestien, mögen sie so zahm sein, wie sie wollen: haben sie erst Blut geleckt, so sind sie nicht mehr zu besänftigen.«

»Jede Bedingung nehme ich an,« entgegnete der Räuber, und aus seiner Stimme tönte hervor, daß er es ernst meinte, »ja, jede, jedoch nicht aus Furcht vor dem Tier, dem ich auf zwei Schritte mit Bequemlichkeit das Gehirn aus dem Schädel blase,« und er schlug mit der Hand auf die in seinem Gurt steckenden Pistolen, »sondern weil Unsitte und Wildheit nicht in meiner Natur liegen. Lieber schösse ich mir selber 'nen Finger ab, bevor ich solcher jungen Lady ein Stirnrunzeln abzwänge.«

Molly zuckte die Achseln.

»Ich traue niemand,« sprach sie kaltblütig; »gut ist gut und besser ist besser. Ich will Ihnen daher lieber gleich erklären, daß ich Sie keine Sekunde aus den Augen verliere. Reizen Sie das Tier und Sie begegnen seinem Angriff mit einer Pistolenkugel, so schieße ich zuerst Ihr schönes Pferd tot, und sind Sie damit noch nicht zufrieden, Sie selber; und mit der Büchse weiß ich ebensogut umzugehen, wie mit dem Prahm da unten. Betrachten Sie das offene Fenster meines Hauses. Von ihm aus überwache ich Sie ununterbrochen.«

»Wer auf rechten Wegen wandelt, braucht sich nicht einschüchtern zu lassen,« versetzte der Räuber mit einem heimlichen Auffunkeln in seinen tückischen Augen, »nur um eins bitte ich noch: halten Sie die Bestie ein wenig abseits, oder der Gaul verschluckt sich im Schreck an den drei ersten Maiskörnern. Sehen Sie, wie er die Ohren schärft und das schwarze Vieh mißtrauisch betrachtet.«

»Ängstigen Sie sich nicht,« erwiderte Molly im Davonschreiten, »halten Sie selber Frieden, so kümmert Tommy sich weder um Sie noch um das Pferd. Er ist ein guter Junge; sanft wie ein Lamm, wenn man ihn nicht reizt oder ich selber ihn nicht zu Hilfe rufe.«

»Noch ein Wort, schöne junge Lady!« rief der Räuber dem Mädchen nach, »mein Name ist Adams! Ich nenn' ihn, damit Sie nichts Arges von mir denken. Fragen aber möcht' ich, nachdem ich so viel Wunderliches erlebte, ob Sie jedem Fremden mit so 'ner zweifelhaften Freundlichkeit begegnen.«

Molly war stehen geblieben und antwortete nachlässig über die Schulter: »Ich seh' mir meine Leute an. Wie die in den Busch hineinrufen, schallt's zu ihnen heraus. Ob Sie Adams heißen oder wie dessen Sohn Kain, kümmert mich wenig,« und sorglos schritt sie auf die Hütte zu.

Gleich darauf verschwand sie in der offenen Tür, wogegen der Bär sich davor auf den Rücken warf und mit allen äußeren Zeichen des Behagens sich wälzte. Schließlich ergriff er mit den langen Krallen der Vordertatzen einen Strohhalm, um ihn spielend zwischen die Zähne zu schieben und wieder hervorzuziehen.

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Adams, wie der räuberhafte alte Geselle sich nannte, hatte sich ebenfalls auf den Rasen geworfen und die letzten Windungen des Lassos in den Bereich seiner Hände gelegt. Den Kopf auf die Fäuste stützend, überwachte er argwöhnisch den Bären, der mit der Harmlosigkeit eines jungen Hundes sich auf seine Art vergnügte und weder ihn noch das Pferd beachtete.

Nach kurzer Zeit erschien Molly wieder im Freien. Vor sich in der aufgenommenen Schürze trug sie die Maiskolben, in einem an ihrem Arme hängenden Körbchen von kunstlosem Weidengeflecht Brot und einige Schnitten gebratenes Fleisch. Indem sie an dem Bären vorbeischritt, reichte sie ihm eine in Syrup getauchte Kruste. Zugleich bedeutete sie ihn, als er sich anschickte, ihr zu folgen, durch einen Stoß mit dem zierlichen Fuß, zurückzubleiben.

Bei Adams eingetroffen, der es sich auf dem Sattel bequem gemacht hatte, schüttete sie zuerst dem Pferde die goldgelben Kolben vor; dann erst kehrte sie sich jenem zu.

»Das ist für Sie,« sprach sie, die Speisen aus dem Körbchen nehmend und ihm darreichend, »sollte Vater Charon heimkehren, bevor Sie aufgebrochen sind, so mag er Ihnen noch einen Trunk mit auf den Weg geben,« und ohne ein Wort der Erwiderung oder des Dankes abzuwarten, schlug sie den Rückweg ein.

»Hallo, Miß Frühlingstau!« rief Adams ihr nach, »ein gutes Wort von Ihnen hätte mir die Mahlzeit noch besser gewürzt!«

»Ich habe keine guten Worte zu verschwenden,« antwortete Molly, die kaum noch ihren Widerwillen zu verheimlichen vermochte, geringschätzig, »für mich gibt es Besseres zu tun, als Fremden die Zeit zu vertreiben. Sollte Tommy zudringlich werden, so rufen Sie mich.« Dann verschwand sie im Inneren der Hütte, aus der alsbald das Geräusch ins Freie drang, mit dem sie zwischen den Küchengeräten hantierte.


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