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2. Hwangshihkang und seine Missionswerke.

Unser Heim. – Bei den Christenlehre-Kindern. – In des Heilands Schule. – Des Heilands Herzenslieblinge. – Schwester «Doktor». – Kommet alle zu mir! ... – Auf christlichen Liebespfaden. – Vorwärts oder aufwärts? – Neue Jugend. – Die Kraftzentrale. – Beim Pfarrherrn der Gelbsteinlagune. – Franziskanische Lebenshaltung. – Im Bereich der Schnörkeldächer. – Mutter Erde und Schwester Wasser.


Trauertage gehen auch vorbei, besonders schnell für den Christen, dem selbst in tiefster Leidensnacht ein heller Horizont am Himmel lacht: das Morgenrot der Ewigkeit. Beten, Opfern, Säen und Hoffen, das ist das Los der Missionäre; Gottes Gnade allein gibt Wachstum und Gedeihen.

Das wird uns ein Rundgang durch die verschiedenen Missionswerke zeigen, die im wesentlichen überall dieselben sind. Allerdings ist unsere Missionsstation erst im Werden, geht aber langsam der Vollendung und dem Vollbetrieb entgegen.

Unser Heim!

Wie schon angedeutet, gehört sie zur Apostolischen Präfektur Jetzt Apostol. Vikariat unter demselben, am 17. Sept. 1930 zum Bischof geweihten Oberhirten Msgr. S. Espelage.Wuchang, die mit rund zweieinhalb Millionen Einwohnern und etwa 4 000 Christen seit 1925 von dem Vikariat Hankow abgetrennt und den amerikanischen Franziskanern (von Cincinnati) anvertraut wurde. Ihr erster Oberhirte wurde Msgr. Sylvester Espelage, der lange Jahre bei seinen italienischen Mitbrüdern in Hankow gewirkt und eine reiche Erfahrung gesammelt hatte.

Anfangs hatten italienische Kanossianerinnen hier gewirkt, sich aber infolge der Teilung und der Kriegsgefahren zurückgezogen. Bald darauf kam Einquartierung der roten Truppen, die einen großen Teil der Gebäude besetzten und jämmerlich zurichteten. Die andern Häuser blieben nur verschont, weil die Mission in aller Eile einen christlichen Arzt und eine Familie hineinsetzte. Desgleichen hielt auch der Ortsmissionär, trotz der lästigen Nachbarschaft, in seinem Hause treue Wacht über seine bedrohten Schäflein, obwohl in all der Zeit die Kirche geschlossen blieb und die Glaubensverbreitung darniederlag.

Nach dem Abzug der roten Mieter, die den Zins wohl lange schuldig bleiben werden, ließ Msgr. Espelage die Anstalten notdürftig wieder einrichten und bat unsere Genossenschaft dringend, ihm die für Hunan bestimmten Schwestern, die wegen des Bürgerkrieges ihr fernes Ziel nicht erreichen konnten, zu überlassen.

Eine schönere Lösung der schwierigen Lage, die beide Parteien mit Dank und Freude als gottgewollt begrüßten, und welche sofort die volle Billigung Roms erhielt, hätte sich kaum finden lassen.

Am 18. Januar 1928 nahmen unsere sechs Erstlinge feierlich Besitz von ihrem neuen Heim, überglücklich, endlich eine Stätte zu haben, wo sie ihren apostolischen Eifer, den das lange Warten nur gesteigert, betätigen konnten. Kurz darauf erhielten sie aus der Heimat eine willkommene Verstärkung von zwei Mitschwestern. An Arbeit fehlte es nicht, mußte doch alles von vorn begonnen werden.

Die Gebäulichkeiten, in europäischem Stil, sind ziemlich geräumig, mit einem Stockwerk und einem Unterbau, aber nach chinesischem Brauch – wohl auch wegen des hohen Grundwassers – ohne Keller.

Die Wohnung der Schwestern ist für dortige Verhältnisse sogar sehr gut und hat den großen Vorteil, ein Oratorium zu besitzen, das durch ein vergittertes Fenster direkt mit dem Chor der Missionskirche in Verbindung steht, ein liebes trautes Plätzchen, wo die Missionärin nach schwerer Arbeit im Amte Marthas mit Maria zu den Füßen des Meisters betend und lauschend sich erholen kann.

Bei den Christenlehr-Kindern!

Das Katechumenat, das rund 30 Plätze für Interne hat, wurde zuerst eröffnet. Hierhin senden die Missionäre aus den entlegenen Ortschaften die Katechumenen, Mädchen und Frauen, behufs rascher und gründlicher religiöser Schulung und Vorbereitung auf die Taufe.

Wir können uns in der christlichen Heimat, wo auch der Nichtkatholik auf Schritt und Tritt, er mag wollen oder nicht, mit den Glaubenswahrheiten in Berührung kommt und sich allmählich doch eine ansehnliche Kenntnis derselben erwirbt, weil er sich der nun einmal bestehenden christlichen Atmosphäre nicht entziehen kann, kaum eine Vorstellung machen von dem weiten Weg, den ein Neubekehrter im Heidenland durchlaufen muß, bis er die ewigen Wahrheiten hinreichend erlernt und begriffen und so die Gewähr für einen christlichen Wandel bietet, um zur Taufe zugelassen werden zu können.

Katholisches Denken und Leben, das uns von Kindheit auf in Familie, Schule, Kirche und unserer ganzen Umgebung mühelos zuteil ward, eine Gnade, für die wir Gott vielleicht noch nie recht gedankt, eben weil wir sie nicht recht begriffen, die man aber im Heidenlande verstehen und schätzen lernt: das alles muß dem Neuchristen, der in ganz andern Ideen, Götterkult und Dämonenfurcht, Erdenstreben und Sinnenleben, in einer durch Laster verpesteten Umwelt, aufgewachsen und angesteckt worden, erst durch religiöse Belehrung und sittliche Erziehung vermittelt werden. Es ist eine Riesenaufgabe, die jedem menschlichen Bemühen trotzte, würde nicht die Gnade Gottes die Hauptarbeit leisten.

Das Katechumenat bietet hierzu die günstigsten Bedingungen. Schon der bloße Aufenthalt in einer wohlgeordneten Missionsstation mit den schönen Gottesdiensten, der Umgang mit Altchristen, das Beispiel der Missionäre und überhaupt die ganze Umgebung, das alles wirkt zusammen, die Neulinge zu guten Christen umzugestalten.

Jeden Morgen ist Unterricht im Katechismus, für die Fortgeschrittenen in der biblischen Geschichte. Da fast alle des Lesens unkundig sind, so muß ihnen Satz für Satz vorgesagt, erklärt und wiederholt werden, soundsovielmal ...

Da sitzen denn die Schülerinnen, von 12 bis 60 Jahren und darüber, ringsumher, und schreien laut ihre Lektionen, jede für sich, ohne sich um die Nachbarin zu kümmern, wie es in den alten chinesischen Schulen Brauch ist.

Die jüngeren erfassen es schnell, aber bei den armen Alten, die eine solche Kopfarbeit nie geleistet, ist es oft ungeheuer schwer und erfordert eine Jobsgeduld sowohl bei der Schülerin als auch bei der Lehrerin. Letztere geht von einer zur andern, hilft und erklärt und ermutigt.

Am Nachmittag werden die Gebete einstudiert, die ziemlich umfangreich sind; denn sie umfassen unter andern ein langes Morgen- und Abendgebet, die Vorbereitungs- und Danksagungsgebete für Beicht und Kommunion, eine Kreuzwegandacht und die üblichen Litaneien.

Natürlich können Ausländerinnen erst nach Jahren direkt den Unterricht geben und werden, trotz guter Beherrschung der Sprache, sich auch dann noch einheimischer Gehilfinnen bedienen, weil diese am besten sich der Denkart ihrer Landsleute anpassen können. Die Schwestern aber behalten stets die Aufsicht.

Sie erziehen und bilden auch einheimische Jungfrauen als Katechistinnen aus, welche Gruppen von Katechumenen, die nicht ins Katechumat kommen können, in ihren Dörfern unterrichten.

Diese letztere Methode geht zwar etwas langsamer, hat aber den Vorteil, daß je nach der Zahl der Katecheten mehrere Neuchristengemeinden gleichzeitig bearbeitet werden können, und zwar billiger, weil die Leute in ihren Familien leben und nur zum Unterricht und zu den Gottesdiensten zusammenkommen, was übrigens auch die Katechumenen von Hwangshihkang und der nächsten Umgebung tun. Im Katechumenat hingegen muß die Mission meist für deren ganze Verpflegung aufkommen. Doch läßt es sich für einzelstehende Katechumenen kaum anders machen.

Die Dauer dieser Vorbereitungs- und Probezeit hängt natürlich wieder von den einzelnen Zöglingen und Umständen ab. Der Missionär, der die Oberleitung hat und durch öftere Kontrolle und Examen den Eifer immer wieder anstachelt, hat das letzte Wort in dieser Sache. Er entscheidet, ob sie reif sind für die Taufe, die gewöhnlich den Abschluß bildet. Unter günstigen Verhältnissen genügen 6-10 Monate, worauf sie in ihre Heimat zurückkehren, um andern Platz zu machen.

Des Heilands Herzenslieblinge.

Das zweite Werk ist das Findelhaus, das in China alsbald im Schatten einer jeden größeren Mission entsteht und sich rasch bevölkert.

Der Heide schätzt das Leben eines Kindes äußerst gering, weil es nach seiner Ansicht noch seelenlos, also kein vollständiges Menschenwesen ist. Kranke und gebrechliche Kinder werden leicht ausgesetzt aus abergläubischer Angst, deren Tod innerhalb des Hauses würde den Bewohnern Unglück bringen.

Besonders schlimm sind die kleinen Mädchen dran, die wegen der entrechteten Stellung ihres Geschlechtes und ihres spätern vollständigen Uebergangs in den Besitz der Schwiegereltern im eigenen Heim als unbeliebte Gäste, «unnütze Mäuler», empfangen werden. Sie sind nicht erbberechtigt, und wo nur weibliche Nachkommen vorhanden sind, da fühlt sich der Vater kinderlos und sieht Haus und Hof in die Hände anderer männlicher Verwandten übergehen.

War der Storch verständig und hat schon einen ersten Stammhalter gebracht, der allein den Ahnen Opfer bringen darf, und gar noch andere Brüderchen ihm zugesellt, so darf auch hie und da ein Mädchen kommen: 5 Buben und 3 Mädels, das wäre das Ideal des auf Nachkommenschaft stolzen Chinesen.

Aber wehe, wenn der tolle Vogel schon gleich beim erstenmal einen Mißgriff tut und in seiner Dummheit gar fortfährt und nur Mädchen bringt, oder deren zuviele bringt, dann ist der Geburtstag ein Trauertag für die Familie, ein Leidenstag für die Mutter, und wird nur zu oft auch zum Todestag für die Neugeborene, gilt sie doch, obwohl unschuldig und unbewußt, als die Urheberin all des Grolls und Grams und muß verschwinden, je eher, je besser, meist im Wasser, oder durch Aussetzen bei einbrechender Nacht. Der Heide sieht kein Verbrechen in diesem Kindermord, es war ja doch «nur ein Mädchen» ...

Im allgemeinen muß aber anerkannt werden, daß meist die Not – Armut und Schande – mitverantwortlich ist. Kann eine Heidin ihre Last anders loswerden, so wird sie der natürlichen Mutterliebe gehorchen und das Kind zu erhalten suchen, indem sie es heimlich in die Nähe christlicher Wohnungen niederlegt oder zur Mission bringen läßt. Natürlich sind dort solche Geschenke immer willkommen, und um den Eifer der Finder und Ueberbringer wachzuhalten, wird gewöhnlich ein Trinkgeld gegeben.

Das sind die Gründe, warum in China so viele Mädchenwaisenhäuser entstehen.

Auch uns wurden trotz der anormalen Zustände in kurzer Zeit eine stattliche Anzahl solcher Findlinge zugetragen. Zwar sterben die meisten schon bald nach ihrer Einlieferung an den ausgestandenen Leiden, aber sie empfangen durch die hl. Taufe den Paß für den Himmel. Tausende und Zehntausende werden jährlich fürs ewige Leben gerettet und sind am Throne Gottes mächtige Fürsprecher für jene, denen sie ihr ewiges Glück verdanken. «Und schon das allein,» machte ein alter Missionar geltend, «rechtfertigte und lohnte die Entsendung von Missionärinnen.»

Aber nicht alle sterben, sondern es gelingt sorgfältiger Pflege, manche zu erhalten und großzuziehen und dadurch die Ausbreitung der Kirche zu fördern und zu festigen. Doch wir werden später noch mit vollentwickelten Waisenanstalten bekannt werden und dann deren Wirken und Wichtigkeit eingehender darlegen Siehe unten V. 2. Das Leben in Glücksheim..

Hwangshihkang hat einstweilen nur eine Krippenanstalt mit 30 Insassen, von denen manche noch von Ammen oder mit der Flasche mühsam ernährt werden müssen. Eine Anzahl indes läuft schon munter umher und bildet die Freude der Schwestern, denen sie mit kindlicher Liebe anhangen, wohl fühlend, welch treu sorgende Mütter ihnen der göttliche Kinderfreund gesandt hat.

Schwester «Doktor»!

Vom Kinderhaus kommen wir ins Dispensarium oder die Armenapotheke. Dort ist schon Großbetrieb, ohne daß es vieler Reklame bedurft hätte. Durchschnittlich 100 Patienten sprechen täglich vor, eine Zahl, die den Neid des berühmtesten Professors erregen könnte.

Und sie kommen von nah und fern, arm und reich, Bauer und Bürger, Soldat und Räuber, mit allen möglichen Leiden, auch Unheilbare, Blinde, Krüppel, sogar Einbildungskranke ... wie überall.

Allen soll die fremde Doktorin mit ihren Wunderarzneien helfen. Und allen hilft sie; denn in einem Land, wo die Gesundheitspflege dem Volke noch ein verschlossenes Buch ist, wo moderne Aerzte (außer in wenigen großen Städten ) noch nicht zu finden sind, und wo Zauberer, Kurpfuscher und Salbenköche unbehelligt ihr Handwerk treiben und nur zu oft die Uebel noch verschlimmern, da kann eine gutgeschulte Krankenschwester doch manchen Schaden fernhalten, manche schmutzige Wunde reinigen, manches Leiden beheben, vielen Kranken Linderung, allen Hilfesuchenden aber Trost und Liebe spenden.

Sie wird oft selber staunen über ihre unerwarteten Erfolge, seien sie nun die Frucht erworbener Fertigkeit oder das Ergebnis felsenfesten Vertrauens seitens ihrer Kunden, oder endlich, was nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist, das Werk einer besonderen Berufsgnade, die derjenige ihr verleiht, der das Heil aller will und seinen Jüngern ausdrücklich die Gabe der Krankenheilung mit auf den Weg gegeben hat Vgl. Luk. 9, 2. – Matth. 10, 8. – Mark. 6, 13 und bes. 16, 18.. Wo sollten in der Tat diese Gottesworte sich besser bewähren als bei einer Missionärin, führt sie doch in ihrem Bereiche das Werk des Heilandes fort, der die körperlichen Gebrechen heilte, um die noch kränkeren Seelen für die Heilsgnade empfänglich zu machen. So ist auch die Krankenfürsorge in der Mission ein gutes Mittel, die Heiden auf den Weg des Heils zu lenken.

Kommet alle zu mir! ...

Sehen wir näher zu. Ueber dem Tore steht in großen chinesischen Lettern der Name der Firma: «Haus der barmherzigen Liebe», der besagt, daß hier die katholische Karitas wohnt und waltet. An den Türpfosten hängen Holztäfelchen mit den Besuchsstunden: täglich von 8–12 und von halb 3 bis halb 6 Uhr für jedermann geöffnet.

Schon ist alles belagert. Rechts und links führen je eine Türe von außen in die zwei Warteräume, für Männer und Frauen getrennt, wie die chinesische Sitte es erfordert. Auf hölzernen Bänken lassen sie sich nieder und sehen sich um. An den Wänden hängen große Bilder: die Krankenheilungen Jesu, Szenen aus der Bibel, von der Erschaffung und Erlösung; dazwischen auf langen hängenden Streifen Schriftstellen, die Seligkeiten usw.

Ein freundlicher, älterer Katechist empfängt die Besucher, erkundigt sich teilnahmsvoll nach ihrer Krankheit, nach ihrer Familie, nach den Ernteaussichten, nach dem Geschäftsgang ... Dann lenkt er auf die Religion über, erklärt die fremden Bilder und Sprüche, spricht vom großen Himmelsherrn, dem Vater aller, von seinem Gesetz der Liebe, das die «Siudau» (Ordensfrau) bewog, aus fernen Landen hierherzukommen, allen Gutes zu tun – Ihm zuliebe ... Sie hören und staunen. Noch sind sie nicht gläubig, aber der Same ist ausgestreut.

Da geht die Tür auf. Die Siudau erscheint selbst, die berühmte Doktorin, von allen mit Ehrfurcht betrachtet. Der nächste Patient wird in den Verbandraum gelassen, wo, auf Tischen und Bänken, Binden und Schüsseln und Töpfe und blitzblanke Instrumente bereit sind. Im Hintergrunde sieht man durch die offene Türe die Apotheke, einen großen Glasschrank mit Pokalen und Schachteln und Flaschen und Gläsern in bunten Farben. Der bloße Anblick dieser Wunderdinge wirkt schon wie ein Zauber.

Die Siudau, bei all ihrer Größe, Weisheit und Würde, ist voll Herablassung und Güte. Mit milder Hand reinigt sie die ekeligsten Geschwüre, schaltet und waltet wie die Gesandte einer höheren Macht.

Sie empfiehlt ihnen wohl auch, den Vater im Himmel anzurufen, von dem alles Gute komme ... Und ihre einheimischen Assistenten unterstützen sie und säen Samenkörner in empfängliche Herzen, und die Patienten ziehen von dannen, am Leibe erleichtert, in der Seele bereichert; und das Gebet der Säerin begleitet sie und erfleht den Gnadentau von oben.

Viele kommen wieder, der Same keimt und wächst allmählich und gedeiht, oft bis zur Taufe, zu seiner Zeit. So wird dem Evangelium der Weg gebahnt, wohin immer die Besucher die Kunde tragen von all dem Schönen und Großen, das sie gesehen und gehört und erlebt.

Unter den Scharen der Bresthaften, die täglich zur Mission strömen, gibt es manche, die einer eingehenderen Pflege bedürfen, oder die schon dem Tode verfallen, aber noch nicht genug unterrichtet sind. Sollte man diese ihrem Schicksal überlassen, ungetauft? Es wäre zu hart für ein Apostelherz. Darum wurde neben dem Dispensarium als Ergänzung ein kleines Hospiz eröffnet mit etwa 30 Plätzen, wo diese Armen ein Unterkommen und durch sachgemäße Pflege Genesung oder aber nach beschleunigtem Religionsunterricht durch die hl. Taufe das ewige Heil finden. Kaum einer weist diese letzte Gnade von sich.

Auf christlichen Liebespfaden.

Die Hauskrankenpflege oder -besuche sind eine natürliche Ergänzung der eben geschilderten Tätigkeit. Denn viele Leidende können nicht selbst den Weg wagen und drängen ihre Angehörigen, bei den fremden Wunderdoktorinnen Rat und Hilfe zu holen. Durch Verabreichung irgend eines harmlosen Mittels könnte in Einzelfällen zwar der Bittsteller befriedigt werden, aber der Hauptzweck der Karitas wird wohl besser erreicht, wenn die Schwestern bereit sind, selbst an das Krankenlager zu gehen. Ist das eine Ehre, eine Gunst! Es geht nicht ohne Pomp ab: die ganze Nachbarschaft wird mobil gemacht, alle Tanten und Basen treten an, die hohen Gäste würdig zu empfangen, zu begrüßen und – zu beobachten.

Welch ausgezeichnete Gelegenheit aber bietet sich da, sich neue Bekannte und Freundinnen zu gewinnen, dem apostolischen Sämann den Boden zu bereiten ... Und wie oft gelingt es, sterbende Kinder zu entdecken und zu retten, besonders bei den oft wiederkehrenden Seuchen, die eine wahre Seelenernte bringen.

Leider können diese Krankenbesuche, die soviele Türen und Herzen öffnen, aus Mangel an Arbeitskräften nur selten gemacht werden, zumal eine Schwester nie ohne Begleiterin ausgehen darf.

Ursprünglich waren nur die eben beschriebenen Werke vorgesehen, die trotz der Unterstützung einheimischer Hilfskräfte sieben Schwestern überreiche Beschäftigung bieten.

In Aussicht genommen für später bleibt eine Arbeitsschule, ein sog. Ouvroir, für Mädchen und junge Frauen aus dem gewöhnlichen Volke. Im Weiterverlauf unserer Reise werden wir dieselben auf größeren Missionsstationen öfter antreffen, wie schon in Shanghai, und dann eingehender darüber berichten Siehe unten III, Missionswerke in Changsha..

Vorwärts oder aufwärts?

Die Forderungen der Neuzeit nötigten uns indes schon gleich eine andere Tätigkeit in unser Programm aufzunehmen, nämlich eine höhere Töchterschule, und zwar für Mädchen der besseren Stände, aus Bürgers-, Kaufmanns- und Beamtenkreisen.

Zum besseren Verständnis müssen wir hier die Stellung der Frauen im alten China etwas näher beleuchten.

Wie bei allen nichtchristlichen Völkern war und sind sie entwürdigt und entrechtet. Man denke nur an die oben beschriebene Behandlung unerwünschter Mädchen. Trotz seiner sonst hohen Kultur schaltet sie der Chinese ganz vom öffentlichen Leben aus und bannt sie an den häuslichen Herd als ihren auschließlichen Wirkungskreis. In besseren Familien bewohnen sie sogar einen abgelegenen Raum und dürfen nicht einmal mit den männlichen Hausgenossen speisen, obwohl sie Küche und Haushalt besorgen.

Der Gatte wird nie mit seiner Frau ausgehen oder vor Fremden mit ihr reden. Muß er sie vor andern erwähnen, so wird er nicht von «seiner Frau» sprechen, sondern gebraucht eine Umschreibung wie «die im Hause» oder «das billige Innere», im besten Falle «die Mutter meines Kindes», – während sie von ihm als «ihrem Hausherrn» spricht.

Ein Bursche führt auch keine Braut heim, sondern «seine Mutter nimmt sich eine Schwiegertochter ins Haus».

Diese und ähnliche Redensarten weisen auf die niedrige Stellung hin, die das Heidentum dem Weibe zuweist. Indes hat diese Zurückgezogenheit und Abgeschlossenheit der Frauen und Mädchen, die ein Mann ohne grobe Verletzung des Anstandes weder anreden noch irgendwelcher Beachtung würdigen darf, trotz ihrer Uebertriebenheit doch manche Lichtseite, die auch in unsere christliche Kultur besser hineinpassen würde als Flirt und Ball und Bubikopf.

Nur das Christentum weist da die goldene Mitte und erhebt die Frau zu ihrer gottgewollten Stellung als ebenbürtige Gefährtin des Mannes. Erst die hochgebenedeite Jungfrau und Mutter Maria hat dem Weibe die von Eva verlorene Würde und Weihe wiedergegeben und für alle Zeiten und alle Stände das reinste, herrlichste Vorbild ihres Geschlechtes aufgestellt.

Wir haben ausdrücklich vom «alten» China gesprochen, dessen Sitten und Gebräuche noch tief und lange in der breiten Masse des Volkes weiterleben werden. Aber es ist nicht zu leugnen, daß zurzeit eine gewaltige Gärung im Gange ist und allmählich neue Ideen und Einrichtungen sich durchringen.

Eine Forderung der Neuerer ist auch die Emanzipation der Frauenwelt und infolgedessen die Errichtung von Mädchenschulen. Noch fehlt es dem Staate an Mitteln, die Volksschule allgemein durchzuführen, an der die armen Klassen wenig Interesse haben.

Aber die besseren Kreise sind sich der Wichtigkeit der Schulbildung bewußt. Leider bietet ihnen der neutrale Staat nur die liberale vom Ausland übernommene Laienschule. Wie sehr aber eine des religiös-sittlichen Inhaltes beraubte Erziehungsmethode die weibliche Herzens- und Charakterbildung benachteiligt, braucht nicht bewiesen zu werden. Bei heidnischen Mädchen sind deren Früchte so abschreckend und ekelerregend, daß der gerade Sinn des Volkes sich davon abwendet und seine Töchter mit Vorliebe den katholischen Schwestern anvertraut, wohl wissend, wie ein angesehener Chinese sich ausdrückte, daß sie dort nicht verdorben werden, sondern nur Edles und Gutes lernen, das ihnen in jeder Lebenslage nützlich sein wird.

Neue Jugend!

So gibt es bereits in vielen größeren Städten blühende katholische Erziehungsanstalten, die sich der Gunst der vornehmsten Kreise erfreuen. Es handelt sich um gehobene Schulen, deren Lehrmittel und Einrichtung europäisch gehalten sind, mit modernen Bildungsfächern und fremdem (meist englischem) Sprachunterricht, wie das amtliche Schulprogramm es vorschreibt.

Auch wir mußten uns auf Drängen der Notabein des Ortes entschließen, eine solche Schule mit Unterricht im Englischen in Angriff zu nehmen. Sie wurde bald nach dem chinesischen Neujahr (Februar 1930) eröffnet und war gleich vollbesetzt, vielfach von Ueberläuferinnen aus der Stadtschule.

Natürlich wird Schulgeld erhoben und gern bezahlt, denn was in China nichts kostet, ist auch nicht geschätzt. Den zahlungsunfähigen Schülerinnen wäre übrigens eine höhere Bildung weniger nützlich als die ihren Verhältnissen angepaßte Volks- und Arbeitsschule. Ja, die aus falsch verstandener Güte zugelassenen ärmeren Zöglinge würden die Schule erniedrigen und in Mißkredit bringen, die Töchter besserer Familien fernhalten und so den erstrebten Zweck vereiteln; denn der hauptsächlichste Nutzen für das Bekehrungswerk liegt darin, daß die Mission Sympathien gewinnen kann in der höheren Bevölkerungsschicht, wohin die gewöhnlichen Propagandamittel nicht reichen.

Wenn vorläufig auch nur wenige dieser Schülerinnen bis zur Taufe gelangen, so werden doch die meisten im Herzen christlich, und alle werden zeitlebens freundschaftlichen Verkehr mit ihren Lehrerinnen pflegen, deren Religion hochachten und in Schutz nehmen. Ihre Verwandten und Freunde werden dadurch der Kirche gewogen, wodurch dem Glaubensboten der Weg bereitet und Türen erschlossen werden, an die er sonst nicht herangekommen wäre.

Man braucht diese modernen Zöglinge der Missionsschule nur zu beobachten, und man wird die Ueberzeugung gewinnen, daß sie in Zukunft auch ein Wort mitreden werden und sich nicht mehr vom sozialen Leben abschließen lassen; denn sie sind intelligent und strebsam. Sämtliche haben mit der alten Unsitte der verkrüppelten Füße gebrochen, was schon bezeichnend ist, und gehen stolzen Schrittes einher, recht sauber gekleidet, jedoch äußerst anständig, in weiten Hosen, die unter den langen Röcken bis auf die Knöchel hervorragen. Die Haare sind schön gekämmt und geflochten, wohl auch mit Blumen geziert; Hüte und Stelzschuhe sieht man nicht. Ihr Auftreten ist bescheiden, zurückhaltend, züchtig, Männern gegenüber sogar scheu, wie die chinesische Sitte es fordert: lauter Lichtseiten, die man leider nicht immer unter den Studentinnen des christlichen Europa findet. – In der Schule natürlich und unter sich sind sie voll ungezwungener Heiterkeit.

siehe Bildunterschrifr

Msgr. Trudojans; P. Bruno van Weert; P. Tiburtius Cloots; P. Rupert Finaerts, Opfer des Kommunismus in China –

siehe Bildunterschrifr

Flußpartie in Hunan

Sind wir in unsern Ausführungen über die verschiedenen Zweige weiblicher Missionstätigkeit scheinbar über den Rahmen eines einfachen Reiseberichtes hinausgegangen, so dürften sie dem Leser, der nicht bloß Unterhaltung, sondern auch Belehrung sucht, doch nicht unwillkommen sein.

Würde er auch nur, wie es uns erging, über den engen Gesichtskreis der Heimat hinausgehoben, ein besseres Verständnis für die unermeßlichen Nöten der fernen Missionen, nicht zuletzt für den Bedarf an apostolischen Arbeiterinnen gewinnen, so würden wir mit Dank gegen Gott wenigstens einen unserer wärmsten Wünsche erfüllt sehen.

Nach der Besichtigung unserer Anstalten ziemt es sich, auch dem P. Missionär einen Besuch zu machen. Seine Wohnung liegt jenseits der Kirche, die den Mittelpunkt der Missionsanstalten nicht nur im äußeren, sondern mehr noch im geistigen Sinne, darstellt.

Die Kraftzentrale.

Dort wohnt der Weltenmissionär im stillen Tabernakel, sich sehnend nach den armen Heidenseelen, für die Er am Kreuz geblutet. Dort schöpft sein Apostel Mut und Kraft in schweren Stunden, wenn er sich einsam fühlt im fremden Land, wenn Gefahren drohen ringsum und die Last der Hirtensorgen sein armes Herz bedrückt.

Dort glüht bei Tag und Nacht das Heilandsherz und sprüht geheimnisvolle Funken, die das Herz der Missionärin mit heiliger, opferfreudiger Karitas entflammen.

Dort brennt das Ewige Licht und sendet seine Gnadenstrahlen wie ein himmlischer Leuchtturm hinaus in die stürmische Nacht des Heidenlandes, und weist denen, so in Finsternis und Todesschatten irren, den Weg der Wahrheit und des Lebens.

An künstlerischem Schmuck ist da nicht viel zu schauen, es ist eine schlichte Missionskirche, die zudem schon schwere Tage der Verfolgung und Vereinsamung gesehen; doch ist alles zur Feier des Gottesdienstes Nötige vorhanden, und, was die Hauptsache ist, es wird dort viel gebetet.

Jeden Morgen und Abend versammeln sich die Christen zum gemeinschaftlichen Gebet. An Sonn- und Festtagen sind außerdem noch viele andere Andachten, Rosenkranz, Kreuzweg usw.

Die Schwestern besorgen die Altarwäsche und den Schmuck und verschönern den Gottesdienst durch Gesang, zu dem auch die Einheimischen sich gerne anleiten lassen.

Beim Pfarrherrn der Gelbsteinlagune.

Das Pfarrhaus ist äußerlich zwar im Stil der andern Gebäude gehalten, aber sehr verwittert und im Innern ganz arm, ohne Dielen, ohne Schmuck, nur spärlich möbliert, ein echtes Franziskanerheim. Der Missionär, der nach China zieht, muß auf viele Bequemlichkeiten der Heimat verzichten. Für einen Amerikaner muß dieser Wechsel doppelt schwer sein.

Die auf Außenstationen arbeitenden Patres sind meist noch schlechter dran, logieren und leben wie die Landbewohner. Das schwerste Opfer ist aber das Alleinsein, fern von Mitbrüdern, das beständige Hin und Her der Wanderseelsorge, oft ohne Kapelle, in armen Hütten und Höhlen.

Die Schwestern hingegen haben den großen Vorteil, immer in einer Genossenschaft zusammen zu sein, wo sie ihre klösterlichen Uebungen halten und trotz mancher Entbehrungen und aufreibender Arbeit sich häuslicher und heimischer einrichten können.

P. Leo Ferrary empfängt uns recht freundlich. Tiroler von Geburt, wanderte er, erst fünf Jahre alt, mit seiner Familie nach Amerika aus, wo er in den Orden trat und als junger Priester auf ein schönes Wirkungsfeld – er war Professor – verzichtete und als Freiwilliger nach China zog.

Er hat seither wenig ruhige Tage gehabt, und wäre die Leidensgeschichte seiner Mission uns nicht bekannt, die weißen Haare des erst siebenunddreißigjährigen Mannes würden es verkünden. Doch davon spricht er nicht. Trotz aller Enttäuschungen bewahrt er einen gesunden Optimismus und schaut mutig in die Zukunft, sicher, daß der Endsieg Gottes sein wird. In dieser franziskanischen Losschälung, gepaart mit kindlichem Gottvertrauen, ist die Wurzel seiner ungewöhnlichen Seelenruhe, die ihn auch in den größten Gefahren nicht verläßt.

Für seine Schutzbefohlenen ist er ein guter Vater, ein kluger Berater, ein treuer Hirte, dem alle mit Ehrfurcht und Vertrauen entgegenkommen. –

Wir haben unsern Rundgang beendigt und einen kleinen Einblick in den Missionsbetrieb gewonnen. Aber er wäre lückenhaft, würden wir nicht auch ein Wort beifügen über das materielle Leben.

Franziskanische Lebenshaltung.

In der Mission gilt als erstes Prinzip, sich nach den Landesverhältnissen zu richten und den Lebensunterhalt an Ort und Stelle zu beschaffen. Die armen Missionäre im Innern müssen, nach evangelischer Regel (Luk. 10,8) essen, was ihnen vorgesetzt wird, also chinesische Kost. Darum gehört zu einem guten Chinamissionär auch ein guter Magen ...

In den größeren Orten, besonders an Verkehrsstraßen, könnte man zwar allerlei ausländische Konserven und Lebensmittel haben, aber zu ungebührlichen Preisen.

Die Missionärinnen nun sind in der glücklichen Lage, durch ihre Kenntnisse in Garten und Küche die Lebenshaltung selbst mit Landesprodukten fortschrittlicher zu gestalten, was auch manchem erschöpften Missionär zugute kommt.

So haben unsere Schwestern schon gleich mit Kaninchenzucht begonnen und einen Geflügelhof angelegt mit Hühnern und besonders vielen Enten, beinahe 100 Stück. Der Unterhalt ist billig – etwas Reisabfälle –, denn jeden Morgen wackeln sie zum nahen See, wo es allerlei Sumpfpflanzen und andere Nahrung gibt, und abends kehren sie wohlgenährt heim.

Dann wurden, besonders im Hinblick auf die Krippenanstalt, zwei Ziegen angeschafft. So gibt es billiges Fleisch und reichlich Eier, sogar zum Einlegen und zu Dauerteigwaren, während der Garten das ganze Jahr hindurch Gemüse liefert, wodurch große Ersparnisse erzielt werden.

Im Bereich der Schnöckeldächer.

Noch erübrigt uns, eine kleine Ausschau in die nächste Umgebung zu halten, da ja die Missionstätigkeit sich nicht ausschließlich innerhalb der Mauern abspielt.

Unsere Anstalten liegen außerhalb, aber in unmittelbarer Nähe der Stadt Hwangshihkang, die langgestreckt sich flußaufwärts hinzieht. Sie mag etwa 30 000 Einwohner zählen und bietet an Gebäuden und in ihrem ganzen Aeußeren nichts Besonderes, wie die chinesischen Städte überhaupt, von denen es heißt, wer eine gesehen, der habe alle gesehen.

Die Häuser sind einfach, ohne Stockwerk und architektonischen Schmuck und Stil, aus schwarzen Backsteinen oder Lehmziegeln, seltener aus Stein, gebaut. Nur die Dachfirsten weisen einige geschnörkelte Verzierungen, manchmal Drachenköpfe, kleine Statuen und dergleichen auf, die abergläubische Bedeutung haben und die bösen Einflüsse fernhalten sollen.

Die Geschäftshäuser, die sich in der langen, mit großen Steinplatten belegten Straße aneinander reihen, sind vorn offen und werden abends durch eine verstellbare Bretterwand geschlossen. Handwerker und Kleinhändler treiben ihr Geschäft auf offener Straße, oder vor den Häusern auf den steinernen Stufen, die den fehlenden Gehsteig ersetzen.

Der Verkehr mit Tragtieren, Schubkarren und Lastträgern ist sehr rege und geräuschvoll und wenig verlockend für Spaziergänger, es sei denn, wie bei uns, aus Wißbegierde.

Mutter Erde und Schwester Wasser!

In den Läden sieht man meist nur Bedarfsartikel des täglichen Lebens: Kleiderstoffe, Lebensmittel und die Landesprodukte der nächsten Umgebung, selten ausländische Waren.

An Industrie ist nur die Töpferei einigermaßen entwickelt, hie und da auch eine Färberei, die einheimischen Indigo verwendet. Blau, das früher für das gewöhnliche Volk allgemein vorgeschrieben war (gelb war dem Kaiser allein vorbehalten), ist trotz der republikanischen Modefreiheit noch immer die häufigste Farbe.

Das Land ist sehr fruchtbar und sorgfältig bebaut wie ein Garten. Außer den unter Wasser stehenden Reisfeldern, die jährlich zwei Ernten abwerfen, gibt es Getreide, besonders aber allerhand vorzügliche Gemüse, die feldmäßig gezogen werden.

Neben unsern heimischen Arten zieht man dort ganze Aecker Fenchel und Sellerie mit dicken zu Knollen erweiterten Blätteransätzen, eine Art sehr beliebten, scharf und bitter schmeckenden Riesenschnittlauch, «Kiutzä» genannt, prächtigen saftigen Weißkohl, «Beitzä», mit dichten aufrechtstehenden Blättern, ohne Kopfbildung, Eierfrüchte (Aubergines), eine Unmenge Zwiebeln und Knoblauch; Kartoffeln hingegen gedeihen schlecht.

Das Land ist durchzogen von einem Netz kleinerer und größerer Kanäle, welche die vielen Weiher und Seen untereinander und mit dem Strom verbinden und sowohl dem Transport als auch der Berieselung und Entwässerung dienen.

Die Ränder der Seen sind bis zu 3 Fuß Wassertiefe mit Lotos Lotos Nymphaea, blau, rot und weiß blühende Arten. bepflanzt, deren breite, auf dem Wasser liegende Blätter, überragt von den schönen Blüten, eine reizende Decke bilden. Aber der nüchterne chinesische Landmann baut sie weniger wegen des Schmuckes und der Augenweide, als vielmehr wegen der eßbaren Wurzelknollen. Letztere ähneln den Kartoffeln, sind aber härter und haben im Innern Hohlfächer. Obwohl geschmacklos, werden sie als feineres Gemüse verspeist und dementsprechend teuer bezahlt – weil es nun mal die Mode so will.

Gehen wir nun auf der andern Seite von der Mission stromabwärts, so gelangen wir auf dem schmalen Landstreifen, der sich zwischen dem hier bogenartig ausgebuchteten Flußufer und dem fast parallellaufenden Strande des Lotos-Sees hinzieht, in einer kleinen halben Stunde nach Shihhweiyao, wo uns gleich ein Gebäude auffällt, das genau im Stil der Mission gebaut ist. Dort wohnt ein Japaner, der die Ausbeutung der etwa 12 km entfernten Kupferlager leitet. Mittelst einer kleinen Bahn wird die rote Kupfererde an den Strom geschafft, verschifft und dann in Japan verhüttet. In diesen unruhigen Zeiten liegt fast beständig ein japanisches Kanonenboot davor, dessen Nähe auch der Mission wiederholt von Nutzen war.

Im Orte selbst befindet sich eine kleine Christengemeinde mit Kapelle und Schule, die von P. Leo betreut werden.

Etwa 2 km vom Flußufer entfernt erheben sich die ersten kuppenförmigen Hügel, die das Tal umsäumen, und allmählich im Hintergrund zum wildromantischen Gebirge sich erweitern.

Am Fuß desselben liegt die Kreisstadt Tayeh, volkreicher als Hwangshihkang, mit einem größern Postamt und einer Hauptmission, wo ein Pater residiert. Im Hinterland sind noch ein paar ähnliche Stationen – leider noch viel zu wenig für das Bekehrungswerk – deren Verkehr mit der Hauptstadt und der Außenwelt über Hwangshihkang geht.


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