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VI.
Durch das Land der Zukunft.

Das weitausschauende britische Weltreich hat seine Klauen rechtzeitig, schon in den Anfängen unserer neueren Kulturrichtung, auf unermeßliche Gebiete des Erdballs gelegt und hat sie festgehalten, trotz blutiger Kämpfe und Aufstände und trotzdem in manchen dieser Gebiete scheinbar »nichts zu holen war«. Das funkelndste Kleinod im britischen Kolonialschatz ist Ostindien mit seinen fünf Millionen Quadratkilometern Land und 315 Millionen Bewohnern. Es gibt keine Spezerei und keine Frucht auf Erden, die eine heiße Sonne aus jenen gesegneten Länderstrichen nicht hervorlockte, und es gibt kein Erz und keinen Kristall, den der Boden des indischen Kaiserreiches nicht enthielte. Was aber etwa hier noch fehlen möchte, das liefern dem Mutterlande Australien mit Neu-Seeland, Tasmanien und Neu-Guinea, die acht Millionen Quadratkilometer umfassen, Britisch-Afrika mit mehr als 5¾ Millionen Quadratkilometern, Südamerika, Hongkong, Fidji und die übrigen Kolonien.

Im Norden aber liegt ein Land, das einst vielleicht alle übrigen englischen Dependenzen, selbst Indien, in den Schatten stellen wird, das ist das unermeßliche britisch-amerikanische Reich, das Kanada und Columbia umfaßt und fast zehn Millionen Quadratkilometer mißt. Im Süden reicht es hinab bis zum 43. Grad nördlicher Breite, nach oben erstreckt es sich endlos in die Gebiete des Eismeeres, wo in unermessenen, von den Weißen noch unerforschten Gebieten neben dem Eskimo einzig der Polarbär und die großen Meersäuger herrschen. Stetig aber und unaufhaltsam setzt der zivilisierte Mensch seinen Fuß weiter vor nach Norden und ringt der Wildnis, der Prärie und den Bergen Gebiet um Gebiet ab, sie für sich und seine Nachkommen in Heimstätten zu verwandeln.

Jetzt eben, so scheint es, sind die Schlüssel zu jenem ungeheuren Reservat gefunden worden, das die Natur einer noch ungeborenen Menschheit aufbewahrt hat. An der großen, noch herrschenden Lehre der Entwicklung wird man irre, wenn man die Geschichte und Geschicke der Völker und Rassen überschaut. Vielmehr scheint es, als ob jede Rasse einer bestimmten Weltepoche entwicklungsfähig angepaßt sei und mit ihr untergehen müsse, wenn eine neue Epoche mit neuen Völkern aus dem Schoß der flutenden Zeit emportaucht. Jahrhundertelang haben die Indianer in jenen Gebieten, deren Entwicklungsmöglichkeiten ohne Grenzen sind, als unumschränkte Herren gelebt, aber über Pfeil und Bogen, das flüchtige Wild zu erjagen, sind sie nicht hinausgekommen. Erst der weiße Mensch brachte ihnen das Brot und die Büchse – und den Untergang. Nicht das Feuerwasser, nicht die Grausamkeit der Bleichgesichter hat sie hingerafft, – sie mußten weichen, weil sie als letzte Spitzen einer früheren Erdepoche in eine neue hineinragten. Ihre Lebenszeit war zu Ende. Denn wie für Blumen und Tiere und Menschen, ja, wie für die Sterne am Firmament, so gibt es auch für die Völker und Rassen Geburt, Blüte, Alter und Tod. Werden auch unsere Nachkommen einst einer neuen, glücklicheren Menschheit weichen müssen, für die all unsere gepriesenen Errungenschaften, die Eisenbahn und der Schnelldampfer, das Luftschiff und die drahtlose Telegraphie, nichts bedeuten als die kindlichen Versuche eines barbarischen Zeitalters?! …

Die Umrisse der Erde sind jetzt entdeckt, der Wettlauf nach den Polen verliert seine Bedeutung, aber die innere Erforschung des Planeten, der uns durch den Raum trägt, wird noch manches Menschenalter in Anspruch nehmen. Das britische Riesenreich Kanada gehört zu jenen Gebieten, die noch Millionen von Quadratkilometern unerforschten Geländes umfassen. Die großen Provinzen Kanadas, jede ein gewaltiges Reich für sich: Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan und Alberta, sind alle nach Norden offen und verlieren sich ins Grenzenlose. Das nördliche Quebec, von der Baffinsbay im Westen und von Labrador im Osten begrenzt, ist unbekanntes Land, an die Ränder all dieser Reiche pocht mit seinem Eisgeklirr das Polarmeer. Wälder, Berge, Prärien, Seen und Flüsse sind gedrängt voll von jagdbarem Wild – der Eisbär, die Robbe und der Wal hausen im Norden, südlicher streifen noch der Grislybär und der schwarze Bär ungestört durch den Urwald, der Elch, der Hirsch, das Reh, Wildschafe und Waldziegen, Antilopen und Biber sind noch nicht von der vorrückenden Bodenkultur verdrängt, in Myriaden beleben Wildgänse, Enten und Pelikane die Seen und Sümpfe, der Reichtum der Gewässer aber ist für viele kommende Generationen unerschöpflich.

In wirtschaftsgeographischen Werken außeramerikanischen Ursprungs ist Kanada immer noch das Stiefkind – »ein großer Teil dieser Besitzungen,« heißt es, »ist menschenleer und starrt von nie tauendem Eis und ewigem Schnee.« Ueber der Wahrheit dieser Darstellung ist vergessen worden, daß die Kultur von Süden her in den letzten fünfzig Jahren stetig vorgerückt ist und ungeheure Gebiete der Prärie, die bis dahin, der starken Winterkälte wegen, als unbewohnbar galten, zu Kornkammern umgeschaffen hat. Manitoba, Saskatchewan und Alberta sind schon jetzt, selbst in nördlicheren Teilen, Länder von hoher Fruchtbarkeit. Welche Schätze, ausreichend für Jahrhunderte, der Boden an Kohle und Erzen, welchen Vorrat die unermeßlichen Wälder an Holz bergen, werden erst kommende Geschlechter feststellen können.

Heute leben in Kanada nicht mehr als sieben Millionen Menschen, in einem Jahrhundert wird die Zahl sich verzehnfacht haben, aber schon in fünfundzwanzig Jahren wird dieses Reich des amerikanischen Nordens der Welt Rätsel zu raten aufgeben; nur der Menschen und des Kapitals bedarf es noch, um die Füllhörner der Natur zu öffnen und einen solchen Segen hervorsprudeln zu lassen an Brotfrucht und Obst, an Vieh und Jagdwild, an Kohle, Erzen und Holz, daß die Weltwirtschaft mit der wachsenden Unabhängigkeit des amerikanischen Kontinents in eine neue Phase eintreten wird.

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Auch ohne Vorkenntnisse und ohne allgemeine Weltinteressen merkt der Reisende in Kanada, daß er sich in einem Lande der Zukunft befindet, dessen Tore eben jetzt weit geöffnet sind. Wie das Land selbst, so sucht jede Provinz, jede Grafschaft, jede Stadt – und eine »Stadt« ist schon in die Erscheinung getreten, wo zehn Ansiedler ihrer Blockhüttenversammlung einen Namen geben – für sich Reklame zu machen und Menschen heranzuziehen. In Millionen von Exemplaren flattern die Reklameschriften durchs Land. Auch ist es vielleicht verkehrt, diesen gebundenen Flugblättern den Namen von Reklamenschriften zu geben, ihr Charakter ist wenigstens ernst und wichtig genug. Da heißt es in einer Broschüre, die alle kanadischen Siedlungen aufzählt:

 

»Renown in Saskatchewan. 104 Meilen von Regina. Bevölkerung 50 Köpfe. Rund herum in der Prärie weitere 500 Köpfe. Wir besitzen ein Kaufhaus, ein Holzgeschäft, ein Restaurant, aber es fehlen uns ein Arzt, ein Drogist, Grobschmied, Hotel, zweites Kaufhaus und Getreide-Elevator. Bei uns blüht der Getreidebau. Großartige Chancen für Heimsucher.«

 

» Heimsucher« – das ist denn auch das große Wort im erwachenden Kanada. Der Heimsucher wird gesucht, der den Boden für sich und seine Nachkommen in Ackerland umwandelt, Millionen von Ackern Landes werden frei an die Heimsucher vergeben, und der Kapitalist wird gesucht, der für den Abbau der Mineralschätze und für die Errichtung von Fabriken, Sägemühlen, Bergwerken eintritt. Wer hier nicht auf sich warten läßt, das ist die Bank, die sofort ihr Geschäft aufmacht – und sei es in einer Scheune – wenn auch nur drei Ansiedler beisammen sind.

Am energischsten für die Erschließung des Reiches ist die Canadian Pacific-Eisenbahngesellschaft eingetreten. Sie hat nicht nur, bis jetzt fast konkurrenzlos, das weite Land zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean mit einem Netz von Eisenbahnlinien überzogen und durch eigene Schiffe zwischen England und Kanada einerseits, Britisch-Columbia und Japan anderseits den europäischen Verkehr nach Ostasien teilweise über Kanada geleitet, nein, sie hat unermeßliche Länderstrecken des Heimatlandes in ihren Besitz gebracht, besiedelt sie und sichert sich auf diese Weise die wachsenden Frachten. Auf ihren Strecken hat sie eigene Hotels errichtet, in Jagdgebiete hat sie durch Schiffs- und Eisenbahnverkehr Bresche gelegt – kurz, sie hat einen großen Teil des Landes für Ansiedler, Jäger und Touristen erschlossen.

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Als ich eines Morgens in Montreal dem Vizepräsidenten dieser weltumzirkelnden Gesellschaft gegenübersaß, damit dieser Gentleman seine Weisheit in mein Ohr träufle, um mich zu befähigen, Kanada im richtigen Geiste zu besichtigen, hörte ich zum ersten Male zu meinem Staunen, daß Reisende, die aus Kanada in die Vereinigten Staaten übergehen wollen, eine Kopfsteuer zu zahlen haben. »Aber Sie, werter Herr,« fügte der Gentleman hinzu, »werden gewiß von dieser Formalität befreit werden.« Der mächtige Funktionär telephonierte alsbald mit dem Vertreter der Vereinigten Staaten, allein dieser Gent wollte von einer solchen Behandlung der Angelegenheit nichts wissen, – ich müsse mich ihm persönlich vorstellen.

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1. Ehepaar auf Tahiti bei der Arbeit

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2. Kokosnußpflücker auf Rarotonga

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Tahiti: Blick auf die Lagune

Alsbald saß ich in der Office des amerikanischen Beamten. Ein freundlicher, korrekter Herr, der, wie es die englisch redende Höflichkeit erfordert, ganz leise und biegsam sprach. »Also dies sind Ihre Papiere? Danke!« »Wie heißen Sie?« »Wohin reisen Sie?« »Wo wohnen Sie?« »Sind Sie verheiratet?« »Leben Ihre Eltern noch?« »Wie heißt Ihre Frau?« »Wo wohnt sie?« »Haben Sie Kinder?« »Wie alt?« »Zehn und acht Jahre?« »Sind die Kinder verheiratet?« »Lebt Ihre Schwiegermutter noch?« »Wie viele Male waren Sie schon verheiratet?« »Bigamist sind Sie natürlich nicht – Sie verstehen, weil es Mormonen in unserem Lande gibt.« »Wann wollen Sie Amerika verlassen?« – – Na, und so weiter. Ich hatte die größte Angst, er würde mich auch fragen, auf welches Pferd ich zuletzt in Europa gewettet hätte. Das wäre mir peinlich gewesen, denn es rangierte natürlich unter » ferner liefen«.

Aber schließlich war das Verhör zu Ende. Der Beamte hatte sich von meiner Unschuld überzeugt. »Es ist klar,« sagte er, »daß Sie kein Einwanderer, sondern wirklich ein Weltreisender sind. Ich befreie Sie von der Kopfsteuer – reisen Sie mit Gott. Good bye!«

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Mit diesem Segen also bestieg ich in Montreal den »großen Ueberländer«, nämlich den »Imperial Limited, der in fünf Tagen und fünf Nächten zwischen Montreal und Vankouver (sprich: »Montreaol« und »Wänkuv'r«) den Kontinent durchquert.

In der annähernd gleichen Zeit reist man von England nach Amerika. Die Reise zu Schiff ist angenehm, aber sie bringt jeden Tag aufs neue den Anblick von Himmel und Meer. Die lange Eisenbahnreise ist unangenehm, aber sie gleicht mit ihrer unablässigen Abwechslung, mit ihren » Stops«, hier um eine Farm zu besichtigen, dort um einen See, um einen Berg zu besuchen, den Phantasien eines bunten Traums. In seiner Breite ist das Reich in drei streng verschiedenartige Landschaften getrennt. Im Osten ein unermeßliches Netz von Binnenseen, unterbrochen von wilden Felspartien und Wäldern, in denen die Fichte, die Eiche, die Birke vorherrschen; in den zentralen Provinzen die Prärie, weit und wellenförmig wie das Meer, Korn- und Grasländer bis an den fernsten Horizont; im Westen aber die wilde Großartigkeit der Rockey Mountains, des kanadischen Felsengebirges, hinter dessen letzten Schroffen der Stille Ozean winkt.

Aus der zweisprachigen, halbfranzösischen Stadt Montreal scheidet man nicht ungern; die Einheimischen mögen mit Recht stolz auf die Hauptstadt Quebecs sein, dem Fremden bietet die Stadt wenig. Voll Erwartung fährt man ins Land, das seine Ouvertüre in Gestalt eines Seen- und Waldkomplexes voranschickt. Durch Holz-, Seen- und Jagdgebiet braust der Zug. Eine bleibende Erscheinung ist die schwache Bevölkerung. Meilen und Meilen nichts als stiller, felsumsäumter Wald, in dem Biber, Bär und Elch hausen, die Seen wie stille, zum Himmel aufschauende Augen, die Flüsse voll geflößten Holzes. Der Charakter der Landschaft erinnert an das laurentische Land, mit dem er verwandt ist. Aus dem großen Wald- und Jagdland Ontario eilen wir nach Manitoba mit der zweitgrößten und bedeutendsten Stadt des Reiches, Winipeg, und total veränderter Landschaft. Korn-, Wiesen- und Grasland und die noch unberührte Steppe, die berühmte Prärie, wechseln nun unablässig miteinander ab. Hier und in der Provinz Saskatchewan sind die großen Kornkammern des Nordens und die reichsten Möglichkeiten für die Zukunft. Freilich ganz baumlos ist die Steppe, im Sommer dem Sonnenbrand preisgegeben, im Winter hartem Frost und wilden Stürmen, aber die hohe Kälte ist trocken in diesen Gegenden und wird von Mensch und Vieh leicht ertragen. Bis an den fernen Horizont dehnt sich stundenlang die Prärie, einzig belebt von Millionen possierlicher Präriehunde; aber unter den Händen des Menschen verändert sie rasch ihren Charakter, sie wird zum Weideland, auf dem Tausende von Rindern und Pferden ihre Nahrung finden, und zum Acker, auf dem das tägliche Brot der Menschen wächst.

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Irgendwo in der Provinz Saskatchewan, nicht weit von Regina, braust der Zug durch die Nacht dahin. Von meinem Lager aus sehe ich durch das offene Fenster oben die Sterne blinken und unten das dunkle Schwarz, das die Prärie gleich einem Mantel einhüllt. Die rollende Stadt schläft. Da taucht in der Ferne tief am Horizont ein Lichtbogen auf, der rasch zur Höhe hinansteigt und alsbald über einen großen Teil des Nordhimmels verbreitet ist. Auf einen Ellenbogen gestützt, schaue ich wundernd in die Erscheinung. Kann es der Abglanz des Nordlichts sein? Ist es ein Licht aus dem Kosmos, das auf die Erde herabstrahlt? Städte – Siedlungen, die diesen Namen verdienen, gibt es hier nicht, und wäre es der Fall, nur Paris oder London vermöchten einen solchen Lichtschein durch die Nacht zu entsenden.

Instinktiv schlüpfe ich in die Kleider, durcheile den langen schlummernden Zug und gewinne an seinem Ende die offene Plattform. Da ist der Zug schon ganz nahe. Die Prärie steht in Flammen! Meilen- und meilenweit nach Norden brennt die Prärie. Die Feuerlinie, die mit den Wendungen des Zuges ihre Richtung dann und wann zu ändern scheint, ist nicht abzusehen. Die Luft über dem Brande vibriert in taghellem Glanz, der den Rauch als Spiegel benutzt. Unten zischt und knattert es wie von einem Massen-Kleingewehrfeuer. Die Feuerlinie, die nun ganz nahe an den Zug herantritt, gleicht einer Kette lebender Wesen. Brausend und zischend und mit immenser Geschwindigkeit eilen rasselnde Feuerschlangen aus der Linie hervor und züngeln im Grase hin; langsam folgt die Gesamtlinie den eilenden Vorposten.

Durch das Dunkel fliehen gewiß Tausende von Tieren vor dem Brande her. In einsamen Gehöften ist sicherlich alles wach; alle Hände sind beschäftigt, einen dreifachen Graben und dreifache Wälle aus umgeschaufelter Erde rings um die bedrohte Heimstätte aufzurichten.

Der Zug eilt vorüber. Langsam verlischt rückwärts der Feuerschein. Nur ein schwacher Lichtbogen steht noch am Horizont. Jetzt versinkt auch er. Nur die Sterne funkeln oben; auf der schweigenden Prärie liegt wieder dunkle Nacht.

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Der herzerhebendste Teil der Reise durch dieses Zukunftsland ist die Fahrt durch das Felsengebirge, die kanadische Schweiz, und den Alpen gleichen ja auch die Rockey Mountains. Riesenhäupter, firn- und eisgekrönt, ragen aus den unendlichen Bergketten gen Himmel, der Zug, meilenweit durch dämmerige Snow-Sheds, klobige Holztunnel, fahrend, die im Winter Sicherheit gegen Lawinenfall bieten, erklimmt Höhen von über 5000 Fuß. Doch nur in der Formation sind die »Rockies« den Alpen verwandt, im übrigen hinkt jeder Vergleich. Durch die ganzen Rockies geht eine wilde, vulkanische Großartigkeit, die Natur hat sich gleichsam überstürzt in der Schöpfung von gewaltigen Gletschern, unendlichen Strömen, Seen hoch oben über den Wolken und einem noch ganz unermessenen Reichtum an Kohle und Erz, die frei zu Tage treten, an Naturgasen und Wäldern.

Zwei Tage lang steigt und klettert der Zug durch das Gebirge, bald unter Feldern von Schnee, bald an grünen überhängenden Gletscherbändern entlang – Laggan, Field, Banff, Calgary, Mount Stephan, Mount Hector, die Zehngipfelkette – – zu viel der herrlichen Punkte, um sie in der Schilderung festhalten zu können.

Es wird mehrerer Menschenalter bedürfen, um diese kanadische Schweiz ganz zu erobern.

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In der Nähe der Küste verließ ich endgültig den großen Ueberländer und fuhr, zuerst mit der Northern, dann mit der Southern-Pacific-Eisenbahn südwärts, immer südwärts. In der unteren Hälfte Oregons fühlte man das Verlangen, die warme Kleidung mit leichterer zu vertauschen. Fichte, Eiche und Birke lugten nicht mehr so häufig zum Fenster herein, stolz grüßte von den Bergen der Sierra Newada die Zeder und mit seinen immergrünen Fahnen winkte der Manzanita-Busch. Gleich einem weißen Phantom schaute der gewaltige Mount Chester aus seiner Höhe von 13 000 Fuß herab. Das Goldland Kalifornien öffnet sich. Wie bläuliche Schleier, so fliehen ganze Wälder von Pflaumenbäumen vorüber, dichte Haine, schwer belastet mit Aepfeln, Trauben, Birnen und Apfelsinen. Die Palme taucht auf und steht träumend im Sonnenbrand. Schon winkt von fern, meerumspült, die Wunderstadt am Goldenen Tore: San Franzisko.


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