Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Neuntes Kapitel.
Der Besuch am Krankenbett

Dies also jenes Haus des Meisters, welches der Sandmoll noch in so später Stunde aufsuchte. Indem er an der Schenke vorüberging, warf er, aus den verquollenen Augen, einen scheuen, schnellen Blick in die hellstrahlenden Fenster; er sah den rothen Konrad, im Spiel mit dem Vagabonden, sah des Meisters Margareth, auf- und abwandelnd vor dem Hause, mit gerungenen Händen – und wie er es sah, gurgelte er vor Vergnügen.

In demselben Augenblick bildete sich ein Gedanke bei ihm aus, der schon einmal, auf dem Rückweg von der Galgenfichte, flüchtig in ihm aufgestiegen war. Herr von Lehfeldt hatte ihn beauftragt, für einen Mann zu sorgen, der den Vagabonden in heimliche Aufsicht nähme; diesen Mann jetzt hatte er gefunden: Niemand anders sollte es sein als Konrad. Dem Spiel mit Leidenschaft ergeben, von häuslichen Sorgen gepeinigt, in ewiger Geldnoth, mußte Konrad, darüber war kein Zweifel, mit Begier jede Gelegenheit zur Verbesserung seiner Lage ergreifen, zumal eine so bequeme. Das fortdauernde Elend (wir haben es bereits gesagt), verbunden mit dem schlechten Beispiel seiner Kameraden, hatte Konrad verdorben; ein Tagewerk, wo er nichts weiter zu thun gehabt hätte, als mit dem tollen Heiner in Wirthshäusern und Schenken herumliegen, Branntwein zechen mit ihm und den Zuhörer abgeben für seine tollen Reden, kam bei ihm eben an den rechten Mann. Auch war es dem Sandmoll nicht unbekannt, daß zwischen dem Fabrikarbeiter und dem Landstreicher eine geheime, eifersüchtige Abneigung bestand; war Heiner also wirklich der gefährliche Mensch, für den Herr von Lehfeldt ihn hielt, und ließ aus seinen Reden sich in der That etwas Strafbares nachweisen, so durfte er gewiß sein, daß wenigstens Konrad nichts davon verschwieg.

Und endlich war dies ein neuer Faden, den der Sandmoll mit dem Hause des Meisters anknüpfte. Hielt der Meister auch keinen persönlichen Verkehr mit seinem Eidam, so lebte er doch unter einem Dache mit ihm; Konrad, einmal an das Aufpassen und Angeben gewöhnt, mußte bald auch einen trefflichen Kundschafter abgeben über den Meister selbst.

Der Alte, wie er mit diesem Plane fertig war, gurgelte vor Vergnügen noch ein zweites Mal; dann schritt er auf das Haus des Meisters zu.

Die Thür desselben war noch geöffnet; auch hinter den Fenstern auf der Seite des Meisters brannte noch Licht.

Er selbst war nicht daheim. Seit er von dem Commerzienrath, so zu sagen, in Bann gethan war, wagten, wie schon erwähnt, die kleinen Handelsleute der Umgegend nicht mehr, in seine Behausung zu kommen; er selbst jetzt mußte, wie ein Stück fertig war, damit herniedersteigen ins Thal und von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, nach einem Käufer suchen für dieselbe Waare, um welche die Abnehmer sich ehemals gedrängt hatten. Das waren die bittersten Gänge für den armen Meister; nicht nur daß er jedesmal krank und erschöpft davon zurückkehrte, sondern auch schon vorher, während der Arbeit, lag der Gedanke an die Kränkungen, die er dabei ertragen, die Demüthigungen, denen er sich dabei aussetzen mußte, auf ihm wie ein Alp. Gern hätte Reinhold ihm diese lästige Handelsschaft abgenommen. Aber dem jungen Mann fehlten die Bekanntschaften, die der Meister allenfalls noch aus frühern Zeiten her besaß und die auch gegen ihn sich mit jedem Monat schwieriger erwiesen. Immer weiter mußte er seine Wanderungen ausdehnen, immer demüthiger seine Worte, immer niedriger seine Preise stellen – und konnte mit alledem doch nicht verhindern, daß die Käufer, die ihm endlich noch für schlechtes Geld seine gute Waare abnahmen, sich obenein noch den Anschein gaben, als sei es ein Almosen, das sie ihm damit erwiesen. – Auch jetzt war er auf einer derartigen Reise begriffen; schon der zweite Tag war es, seit er von Hause entfernt, und in dumpfer Angst, ohne Arbeit, ohne Brot inzwischen, wartete die Familie seiner Rückkunft.

Der Sandmoll, der sehr wohl die geöffnete Thür bemerkte, hätte füglich geradewegs hineinschreiten können. Doch fand er es seinen Neigungen angemessener, über die niedrige Einfassung des Gärtchens hinwegzuschlurfen und, mit seinen schweren, plumpen Füßen, die armen kleinen Pflänzchen niederstampfend, von außen in das erleuchtete Zimmer hineinzulauschen.

Dem Fenster gegenüber stand das Bett der kranken Lene; sie lag mit dem Gesicht herwärts, die Augen an die Decke gerichtet, und zählte, in qualvoller Sorge, die Minuten, die ach, so langsam schlichen …

In der Mitte des Zimmers, in dem engen Raum, welchen die beiden Webstühle frei ließen, zunächst unter der Kienfackel, die ihr flatterndes Licht grell durchs Zimmer warf, saß Reinhold. Bevor der Vater aus dem Erlös der letzten Arbeit Garn mitbrachte zur neuen, mußte der Webstuhl nothgedrungen feiern. Mit gutem Gewissen daher hatte Reinhold die Abwesenheit des Meisters benutzen mögen für jene Untersuchungen und Studien, die ihm so theuer waren und die er doch unter den Augen des Vaters nicht treiben durfte. Das Reißbret auf seinen Knieen, die Bücher zu seinen Füßen, das saubre kleine Modell neben ihm zeigten deutlich, in welche Speculationen er sich vertieft hatte. Der blödsinnige Großvater, in kindischer Geschäftigkeit, stand bald hinter ihm und sah, mit großer Ernsthaftigkeit, auf Zeichnungen und Zahlen, von denen sein armer getrübter Geist doch längst nichts mehr verstand; bald, mit ganz vorsichtigen Schritten, das Nachdenken seines Enkels nicht zu stören, trippelte er an das Bett der Kranken, beugte sich über sie, nickte ihr und strich mit leisen, leisen Fingerspitzen die Deckel glatt; dann wieder kauerte er sich in seine Ecke und knüpfte, mit verwundertem Kopfschütteln, Strohhalme aneinander …

Sandmoll, das Gesicht dicht an die Scheibe gepreßt, konnte dies Alles mit größter Bequemlichkeit übersehen. Ob er seine Freude daran hatte oder ob es ihn ärgerte, wissen wir nicht zu sagen; nur jedenfalls, je länger er hinsah, je mehr verzerrte, in widerwärtigem Grinsen, sich sein unförmliches Angesicht. Jetzt auf einmal hob er den Stock in die Höhe, schwang ihn einige Mal in die Luft und dröhnend dann ließ er ihn gegen die Scheibe fallen …

Die Kranke fuhr mit einem lauten Schrei in die Höhe, ihre Augen, wie sie das entsetzliche Antlitz hinter der Scheibe erblickten, verdunkelten sich …

Das hat sie weg, knurrte der Sandmoll und zog, vor Behaglichkeit, die Schultern noch einmal so hoch. Dann endlich, mit einer letzten scheußlichen Geberde ins Fenster hineinwinkend, trat er in das Zimmer.

Daß sein Besuch nicht angenehm war, das ließ sich merken. Reinhold, der der kranken Lene beigesprungen war, sah ihn, mit stummem Kopfnicken, halb fragend, halb unwillig, an. Die Kranke selbst hatte sich gegen die Wand gekehrt, mit fest zusammengepreßten Augen. Nur der Alte, in kindischer Gutmüthigkeit, trippelte, mit vielem Neigen und Bücken, hinter dem Sandmoll her und becomplimentirte sich mit seinem Schatten.

Aber angenehm oder nicht, was fragte der Sandmoll danach? Mit grober Geberde schob er Reinhold bei Seite, ergriff einen Schemel und pflanzte sich, die Kranke unverwandt anstarrend und seine greulichsten Gesichter dazu schneidend, dicht ans Bett.

Reinhold zuckte schweigend die Achseln, führte den Großvater sanft in seine Ecke und setzte sich zurück zu seinen Büchern.

So war die Gesellschaft geraume Zeit beisammen, ohne daß ein Wort verlautete.

Endlich mochte es dem Sandmoll doch zu langweilig werden. Er streckte die Füße noch weiter auseinander, tippte mit den langen schwarzen Fingern keck auf die Decke:

Nun, sagte er, Jungfer Lene? Gefällt Euch mein Gesicht nicht mehr, daß Ihr so aufschreit? Oder dachtet Ihr, es wäre Jemand anders und wollt' Euch holen?

Die Kranke bebte innerlich vor Aufregung und Angst; die Anstrengung, mit welcher sie dieselbe niederkämpfte, zog ihr einen Krampf zu, der sie fast zu ersticken drohte.

Sobald sie sich wieder erholt hatte: Ah, sagte der Sandmoll mit gleichgiltiger Stimme, Ihr macht's nimmer lang, mit Euch geht's zu Ende, gebt Acht; nächstens schneiden sie das Korn – und wenn sie den Hafer einbringen, seid Ihr todt.

Reinhold, dem dies Gespräch unerträglich zu werden drohte, mischte sich in dasselbe. Es geht leidlich mit der Tante, sagte er, mit einer Stimme, der man deutlich anhörte, welche Gewalt er sich that, ruhig zu bleiben: und wenn das warme Wetter anhält, so hoffen wir, soll sie recht bald wieder auf den Beinen sein.

Der Alte drehte sich halb um und ließ, voll teuflischer Bosheit, seine kleinen Augen über den Jüngling funkeln.

Seid Ihr auch da, Junker? sagte er in geringschätzigem Ton: ei seht doch! Und wie lieb er sie hat, die gute Tante! Nicht wahr? das ist eine einzige Tante, die Tante Lene! Solch eine Tante gibt es nicht mehr auf der ganzen Welt! Meint Ihr! gibt es? wandte er sich an die Kranke selbst, indem er seine Frage mit unheimlichem Gelächter begleitete.

Gewiß nicht, antwortete der Jüngling statt ihrer mit Herzlichkeit und neigte sich über die abgezehrte, bleiche Hand der Armen: und ich ehre sie wie eine Mutter.

Wie eine Mutter! wiederholte Sandmoll und röchelte vor Vergnügen: Warum gerade wie eine Mutter, Junker? Aber es ist köstlich, Jungfer Lene, nicht wahr? ganz köstlich, sag' ich! Ah, ah, es geht doch nichts über ein kindliches Gemüth, meint Ihr nicht auch?

Lene erwiderte leise den Händedruck des Neffen. Ich danke für Ihre Nachfrage, Herr Inspector, sagte sie …

Nämlich Herr Inspektor war der Titel, mit dem der Sandmoll sich am Liebsten nennen hörte. Er hatte natürlich nicht den mindesten Anspruch darauf; aber für die mannichfachen Verrichtungen, die ihm oblagen, schien es dem Publicum des Dorfs der passendste, und so hatte er sich gleichsam von selbst gebildet …

Ich danke, sagte sie mit mildem, begütigendem Ton und wendete sich zum Sandmoll, ohne jedoch ihr Auge zu ihm zu erheben, für Ihre Nachfrage, Herr Inspektor. Eine arme Kranke, wie ich, hat freilich wenig Hoffnung mehr. Aber ich bete täglich zu Gott, daß er mir Kraft gibt – und allen guten Menschen, setzte sie mit einem unbeschreiblich rührenden Ausdruck hinzu, auch für Euch, Herr Inspector, bet' ich, ganz gewiß, auch für Euch.

Der Sandmoll glotzte sie frech an. Ich bin kein guter Mensch, sagte er nach einer kleinen Pause, ich bin ein Verworfener, ein Ungeheuer, ein Scheusal, war's nicht so? Die Krankheit, vermuth' ich, hat Euch das Gedächtniß zusammengeschrumpft; aber ich – ah, ich, ich habe ein vortreffliches!

Gott erhalte es Euch, erwiderte Lene, zu allen guten Dingen: und auch dafür will ich beten.

Beten? spottete der Alte: seit wann geht es denn so fromm her im Hause des Meisters? Seit Herr Leonhard im Hirtenhause sitzt, hat er seine Weisheit etwa vergessen? Es wäre besser, fuhr er fort, indem er mit einer zufälligen Handbewegung den Mantel zurückstreifte, daß das Schild auf seiner Achsel sichtbar ward, es würde weniger gebetet hier im Hause, aber besser gezahlt. Es ist viel Gesindel hier im Dorf, der Teufel weiß es, aber Ihr seid von dem ärmsten. Ich muß Geld haben, Geld! rief er plötzlich und stampfte mit dem Stock auf den Boden: ich habe die Versprechungen satt, man nimmt mich von obenher selbst bei den Ohren – Geld, fromme Schöne!!

Eine verlegene Pause folgte. Durch das laute Sprechen war der alte Blödsinnige aus seinem Winkel hervorgelockt worden, in ehrerbietiger Entfernung stehend, betrachtete er den glitzernden Messingbeschlag an dem Stock des Sandmoll: etwas so Merkwürdiges, schien es, hatte er noch nie gesehen.

Der Vater, sagte Reinhold endlich, ist nicht zu Hause …

Und der Schwager auch nicht, fiel Sandmoll mit schadenfrohem Gelächter ein: Ah, das ist ein Schwager! der versteht es, ah! Geht hinüber, geht hinüber, Junker, und lernt von ihm! Der hat Haufen Geld vor sich, so groß, und Eure schöne Schwester, ah, die hat schon die ganze Schürze voll, sie kann es schon gar nicht mehr tragen, ah!

Der Spott war um so bittrer, als in demselben Moment die Aermste in der Thür erschien. Aber sobald sie den Alten erblickte, verschwand sie wieder.

Ihr habt gehört, wiederholte Reinhold mit etwas nachdrücklicher Stimme, daß der Vater nicht zu Hause ist …

Ich hab' es gehört, ja, antwortete der alte Falschmünzer, dem beides, die Angst der Kranken, die in fieberhaften Zuckungen neben ihm lag, und die wachsende Ungeduld des Jünglings gleiches Vergnügen zu machen schien: und was noch mehr ist, ich hab' es auch gesehen. Oder meint Ihr, sagte er, und stieß mit dem langen Stock zwischen die Bücher und Papiere, die Reinhold vor sich ausgebreitet hatte: ich wüßte nicht, daß Ihr diesen Kram einpacken müßt, so lange der Alte zu Hause ist, Junker?

Reinhold konnte seinen Aerger über die spöttische Anrede, deren der Sandmoll sich unausgesetzt gegen ihn bediente, nicht länger unterdrücken. Ich bitt' Euch, sagte er, wenn Ihr mit mir sprecht, Herr Inspector, nennt mich bei meinem Namen …

Bei seinem Namen, jauchzte der Alte und ließ die Finger knacken, daß die Kranke im Bett stöhnend auffuhr: ah, ah, bei seinem Namen! Habt Ihr's gehört, Jungfer Lene? Ein köstlicher Junker das! ein charmanter Junker!

Der blödsinnige Großvater, der natürlich nicht im Mindesten verstand, um was es sich handelte, stimmte in das Gelächter ein, indem er Reinhold zunickte und winkte, als ob er recht etwas Verständiges thäte …

Reinhold gerieth ernstlich in Zorn. Ich mag und will, rief er, Euer Junker nicht sein, Reinhold ist mein Name und der Name ist ehrlich, dächt' ich …

Mein Junker will er nicht sein! ah, ah, mein Junker! spottete der Falschmünzer: wie gefällt Euch das, Jungfer Lene, wenn das mein Junker wäre, he? Nein, nein, Junker, so hoch hinaus hat das Ungeheuer es nicht gebracht, das Scheusal, der Unmensch – ist das Lied so richtig, Jungfer? Aber laßt Euch sagen, fuhr er fort: es gibt verschiedene Junker, einige sind es vom Vater und einige von der Mutter: und vor Euch, Junker, hab' ich solchen Respect, daß ich glaube, Ihr seid es von allen beiden.

Reinhold stand auf. Es ist spät, Herr Inspector, sagte er, und da ich nicht denken kann, daß Euer Amt von Euch verlangt, daß Ihr noch um Mitternacht …

Aber der Alte hörte nicht. Auch er war aufgestanden und betrachtete mit hämischer Neugier Reinhold's Modelle und Zeichnungen: das ist was Schönes, sagte er, das gefällt mir, die schwarzen Räder da – wird das vielleicht ein Leichenwagen für Eure liebe Jungfer Tante?

Reinhold packte seine Papiere zusammen; er war entschlossen, dem unerträglichen Alten nicht mehr zu antworten.

Allein dieser schien hier auf ein Thema gekommen, das er nicht so bald wieder verlassen wollte. Ihr seid, sagte er, so ein erstaunlich gelehrter Mann, Junker, und habt vornehme Weisheit gelernt, sehr vornehme: so sagt mir, was ist angenehmer, wenn man tobt ist, zu Grabe getragen werden oder gefahren?

Indem der Sandmoll diese Frage that, hatte er sich umgekehrt und fixirte die Schwester des Meisters auf ihrem Schmerzenslager, mit Blicken, wie einer Klapperschlange.

Reinhold, trotz seines Vorsatzes, konnte den Einfall nicht unterdrücken. So viel ich weiß, sagte er, ist es nur in den großen Städten Mode, bei den Vornehmen, daß sie zu Grabe gefahren werden; wir armen Dorfleute müssen froh sein, wenn wir nur Schultern finden, die uns diesen letzten Dienst erweisen. Aber da Ihr so neugierig seid, Herr Inspektor, so erlaubt, daß ich Euch einen Rath ertheile: sterbt – und dann probirt es selbst.

Der Alte stellte sich, als hätte er den letzten Theil der Rede überhört. Es geht doch nichts, erwiderte er, über gelehrte Leute. Also blos die Vornehmen werden zu Grab gefahren? und wir armes Volk müssen froh sein, wenn man uns trägt? Nun seht, das freut mich recht: Eure liebe Jungfer Tante soll auch gefahren werden, ganz gewiß, fragt sie nur selbst – der Wagen wartet schon, ist's nicht so, Jungfer Lene? Ich hör' ihn schon poltern – macht Euch fertig, fertig, Jungfer Lene!!

Welcher Sinn sich auch mit diesen seltsamen Worten verband, es mußte ein entsetzlicher sein, das bewies der Ausdruck, mit welchem der Alte diese Worte hervorröchelte.

Lene warf die Arme gen Himmel: Barmherzigkeit! stöhnte sie: Barmherzigkeit, mein Gott …!

Margareth war zurückgekommen; sie sprach dem Bruder leis ins Ohr.

Herr Inspector, sagte Reinhold barsch und wies nach der Thür: es ist Mitternacht vorüber, meine Tante bedarf der Ruhe. Was Ihr auch mit meinem Vater zu sprechen habt, kommt morgen wieder; für heut, wie Ihr Euch wohl selbst überzeugt, erwarten wir ihn vergebens …

Aber indem er dies sagte, hörte er auch schon die bekannten Tritte auf der Schwelle; die Thür öffnete sich und der Meister selbst trat herein.


 << zurück weiter >>