Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Damen-Konversation.

Nur eine dünne Holztür trennt mich von meiner Nachbarin im Gasteiner Hotel. Wer sie ist, wie sie aussieht, wie sie heißt, ich weiß es nicht. Aber ich höre sie sprechen. Hält sie Monologe? memoriert sie eine Rolle? nein, sie unterhält sich mit einer zweiten Dame. Sie hat Besuch. Eine Konversation entspinnt sich. Nicht wie zwischen uns Männern, bei denen sich Frage und Antwort, Rede und Gegenrede durch Zäsuren abteilt; was wohl davon herrührt, daß wir Männer das Reden und Hören nicht zur einheitlichen Funktion zu verschmelzen vermögen. Die Damen verstehen das besser. Sie reden gleichzeitig, in einem Duett, das zum Unisono verschmilzt und sparen dadurch fünfzig Prozent ihrer kostbaren Zeit. Und das klingt so:

»Guten Tag, meine Liebe, – Guten Morgen, freue mich – nein, wie wohl Sie aussehn! – daß Sie sich blicken lassen, – denken Sie nur – was? Gastein! – mir bekommen die Bäder gar nicht – ist das nicht herrlich? und diese Radiumbäder! – ich habe die ganze Nacht kein Auge – ich bin schon beim fünften – zugetan, und so eine fliegende Hitze im Kopf – fünften Bad meine ganze Neuralgie losgeworden – ich bin wahrscheinlich zu lange im Bad geblieben, – mache schon jeden Tag große Touren, – oder das Wasser war zu heiß – war gestern mit einem Führer – ich dachte, der Schlag trifft mich – auf dem Gamskarkogel – und dann habe ich auch keinen Appetit mehr – er sagt, ich könnte ganz gut – zum Essen, alles widersteht mir – auf den Großglockner steigen, – ich kann eben die Höhenlage gar nicht – natürlich angeseilt – gar nicht vertragen – ich hätte lieber sollen nach Wiesbaden – und das Essen hier in der Germania – Wiesbaden gehen oder nach Kreuznach – ist wirklich ausgezeichnet – da hat man doch mehr ebene Spaziergänge – sechsmal am Tag könnt' man dinieren – ich werde wohl morgen wieder – das kommt von der Höhenlage – wieder abreisen – wissen Sie, zwischen tausend und elfhundert Meter das ist – wissen Sie vielleicht, wann der Vormittagszug – das ist überhaupt das Gesündeste – nach Salzburg hinunterfährt? – deswegen ist ja auch mein – und ob man in Salzburg – Schwager hier, Gastein bekommt ihm ausgezeichnet – gleich Anschluß nach München hat? – Und was der Wasserfall für eine liebliche – Nachts fahre ich nämlich prinzipiell nicht – liebliche Musik macht, ich kann mich gar nicht – na adieu, ich habe mich schon zu lange – satt dran hören, ich will mindestens noch – verplaudert; wenn nur das Wetter – noch drei Wochen hier bleiben – endlich einmal – ach Sie gehen schon? also auf – endlich einmal besser würde – auf Wiedersehen in Berlin!«


 << zurück weiter >>