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Geschnatter.

(Im Frauen-Abteil zwischen Görlitz und Breslau.)

Zugwechsel. Drei Damen verstauen ihr Handgepäck in den Netzen des Personenzuges. Freudige Überraschung.

Herrjeh! – Sie kommen mir ja so bekannt vor, – sind Sie nich ...? und Sie! – aber freilich, wir sind ja zusammen in Chemnitz auf Schule gegangen, – Gott, wie die Welt klein is, so trifft man sich wieder! wo reisen Sie denn hin? – nach Breslau, zur Ausstellung, da bin ich von Verwandten eingeladen, – und ich doch auch – und ich auch, – wie sich das trifft, – wohnen Sie denn noch immer in Chemnitz? – I wo, ich bin in Kottbus verheirat', mein Mann heißt Jeschke; – und ich in Iserlohn, mein Mann heißt Kröbsch, – und ich in Flöha, mein Mann heeßt Nippold.

Ich hab' auf'm Bahnhof in Görlitz noch schnell e Täßchen Kaffee getrunken, – ich doch auch, – ich auch, merkwürdig, daß wir uns da nich schon gesehen haben.

Bei uns in Kottbus trinken wir den Kaffee stärker.

Bei uns in Iserlohn nehmen wir mehr Milch dazu.

Bei uns in Flöha kochen mer'n heeßer.

Komisches Gebäck haben se hier; bei uns in Kottbus backen se de Semmeln viel größer.

Bei uns in Iserlohn nehmen se mehr Weizen dazu.

Bei uns in Flöha ist das Gebäck knuspriger.

Is doch hübsch, so zu reisen, man sieht doch was von der Gegend. Und die vielen Schornsteine da drüben; scheint 'ne Fabrikstadt zu sein.

Bei uns in Kottbus sind auch Fabriken, mehrschtens Spinnereien für Kammgarn und Wolle. – Bei uns in Iserlohn sind's mehr Messingfabriken. – Bei uns in Flöha mehr in Dachpappen.

Seh'n se bloß, Frau Jeschke, da drüben, auf der Chaussee, die Menge Jungens mit de bunten Fähnchen: Ob se hier schon Schulferien haben? – Bei uns in Kottbus fangen die Schulferien erst in vierzehn Tagen an. – Bei uns in Iserlohn schon in acht Tagen. – Bei uns in Flöha am 12. Juli.

Wollen wir nicht die Kupeefenster ein bißchen runterlassen? es is so stickig hier, ich krieg's schon mit'm Schwitzen!

Bei uns in Kottbus wird's ooch manchmal eklig heeß. – Bei uns in Iserlohn bloß im Sommer um Mittag. – Bei uns in Flöha geht Sie immer e kiehles Liftchen.

Es kommt aber 'ne Menge Ruß durch de Fenster, seh'n Se bloß, das macht orntlich Flecke auf de Bluse, das kriegt man nachher gar nicht mehr raus.

Bei uns in Kottbus reinigt man das chemisch. – Bei uns in Iserlohn geben wir's in de Dampfwäscherei. – Bei uns in Flöha machen mer das zu Hause mit Terpentin und heeß Wasser. Jetzt müssen wir aber wirklich zumachen, draußen gewittert's und ich hab so Angst vorm Donner. Wenn's nur nicht wo einschlägt!

Bei uns in Kottbus schlägt's sehr oft ein. Erst vorige Woche is'n Dachstuhl abgebrannt.

Bei uns in Iserlohn kann das gar nicht vorkommen, unsre Feuerwehr is ausgezeichnet.

Bei uns in Flöha haben wir davor Blitzableiter.

Ich bin doch sehr neugierig auf Breslau; – ich auch; – ich auch; – da soll doch so ein schönes altertümliches Rathaus sein ...

Bei uns in Kottbus ...

Bei uns in Iserlohn...

Bei uns in Flöha ...


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