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Werdegang eines Künstlers.

Man nannte ihn ›eine Hoffnung‹ und einen ›Woller‹; namentlich seit von ihm eine werdende Kuh in Öl auf die Ausstellung gekommen war, die die eine Hälfte der Beschauer für eine Nymphe in Marmelade und die andere Hälfte für einen zerplatzten Hummer gehalten hatte; bis es sich herausstellte, daß es eine rote Krawatte zwischen zwei Hingerichteten war. Erst nach acht Tagen entdeckte man, daß das Bild verkehrt hing. Als man es richtig hängte, ergab sich die wahre Absicht des Künstlers, der ein Korallenriff im Spreewald gemeint und dieses Riff durch eine Pyramide von Zigarrenkisten sehr täuschend dargestellt hatte.

Er rang sich damals vom Impressionismus über den Kubismus hinweg zum Expressionismus hindurch, wandte sich aber, nachdem diese ismen innerlich überwunden waren, dem Unsinnpressionismus zu. Dabei fesselte ihn auch das Prinzip, menschliche Gliedmaßen als Würste darzustellen, der sogenannte Salamismus. Von mehreren Pariser unanimistischen Cerebristen stark beeinflußt, entschloß er sich, den Salamismus mit dem Dekadentismus auf der Linie eines pointillistischen Perversismus zu verschmelzen, um so das ihm vorschwebende Ideal des inkohärenten Skandalismus zu erreichen. Aber es ging ihm ähnlich wie Saul, der seines Vaters Eselinnen suchte und ein Königreich fand. Unser Maler suchte ein künstlerisches Königreich und fand den Asinismus zugleich mit dem Ultraklerismus, worauf er als das Haupt dieser Schule von mehreren Kunst-Klerikons lobend erwähnt wurde.

Noch war seine Entwickelung nicht abgeschlossen; und je mehr er sich über den Nonsensismus und Exkrementismus (mit teilweisen Stationen bei einem mißverstandenen Drecklektizismus) zum Futurismus evolutionierte, desto deutlicher erkannte er das wahre Heil im Plusquamperfektismus. In dieser Krisis wurde er Freibluffmaler mit einem leisen Anhauch von Stieselismus. Allein der Zufall wollte, daß er um die nämliche Zeit die Hauptwerke der neurömischen Praekafferaeliten kennen lernte (so besonders den geschundenen Tintenfisch auf dem Parnaß von Beppo Dromedari), und diese Anregungen führten ihn zu einem geläuterten Infamismus, der sich bekanntlich vom Antipixismus ebenso unterscheidet, wie der Porkismus vom Klimbimismus. Den Halluzinismus streifte er nur flüchtig, um sich desto lebhafter als überzeugter Gummizellist dem Misepeterismus und dem Botokudismus in die Arme zu werfen. Schon damals wurden seine Gemälde als die eines ganz hervorragenden Zwangsjaquisten gewertet, und einige Kritiker traten dafür ein, daß er im Gebiete des Brägokliterismus an die bedeutendsten Impotisten, Paroxisten und Exkalkulisten des Jahrhunderts heranreiche.

Heute gilt unser genialer Held als der anerkannte Führer der Tintesoffisten, und es ist bezeichnend, daß auch die Vertreter des Bestramplismus wie des Außerdasismus ihn für sich reklamieren. Seinen Bildwerken wird fast durchweg der Ehren-Scheusaal angewiesen; er selbst aber ist bescheiden geblieben, er verschmäht Medaillen und Ernennungen, nimmt vielmehr als Kunstmaler nur den einen Titel in Anspruch: Kunstmalheur!


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