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Kapitel XXXII.
Von den wahren und falschen Ideen.

§ 1. Philal. Da Wahrheit und Falschheit nur den Urteilen zukommt, so folgt daraus, daß, wenn man Ideen wahr oder falsch nennt, in ihnen ein Urteil oder eine stillschweigende Behauptung enthalten ist. § 3. Es besteht alsdann die stillschweigende Voraussetzung, daß sie mit irgend etwas übereinstimmen (§ 5), vor allem mit dem, was andere mit dem betreffenden Namen (wenn sie z. B. von der Gerechtigkeit reden) bezeichnen, ferner mit dem, was wirklich vorhanden ist (wie dies z. B. beim Menschen, nicht aber beim Centauren der Fall ist), oder schließlich mit der Wesenheit, von der die Eigenschaften der Sache abhängig sind; – und in diesem Sinne sind die Ideen, die wir uns gewöhnlich von den Substanzen machen, falsch, wenn wir uns gewisse substantielle Formen erdenken. Übrigens wäre es besser, die Ideen richtig oder unrichtig als wahr oder falsch zu nennen.

Theoph. Man könnte, glaube ich, die wahren oder falschen Ideen in diesem Sinne verstehen, aber da diese verschiedenen Bedeutungen miteinander nicht übereinstimmen und nicht bequem unter einen allgemeinen Begriff gebracht werden können, so ziehe ich es vor, die Ideen mit Rücksicht auf eine andere stillschweigende Behauptung, die sie sämtlich in sich schließen – nämlich die Behauptung der Möglichkeit des Gegenstandes –, wahr oder falsch zu nennen. So gefaßt sind die möglichen Ideen wahr und die unmöglichen falsch.


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