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Kapitel III.
Von den Ideen, die wir durch einen einzigen Sinn erhalten.

Man kann nun die einfachen Ideen nach den Mitteln ordnen, durch die wir sie erfassen, denn dies geschieht entweder: 1. mittels eines Sinnes, oder 2. mittels mehr als eines Sinnes, oder 3. durch die Reflexion, oder 4. auf allen diesen Wegen, mittels der Sensation so gut wie mittels der Reflexion. Was diejenigen betrifft, die wir durch einen einzigen, für ihre Aufnahme speziell angelegten Sinn erhalten, so kommen uns das Licht und die Farben einzig durch die Augen zu; alle Arten Geräusch, Klänge und Töne durch die Ohren; die verschiedenen Geschmäcke durch den Gaumen und die Gerüche durch die Nase. Die Organe oder Nerven pflanzen diese Eindrücke zum Gehirn fort, und wenn das eine oder andere dieser Organe zerstört worden ist, können diese sinnlichen Empfindungen nur durch eine Hintertür sich einschleichen. Die wichtigsten Qualitäten des Tastsinns sind Kälte, Wärme und Widerstandsempfindung; alle anderen bestehen entweder in der Anordnung der sinnlich wahrnehmbaren Teile, die das Glatte und das Rauhe, oder in ihrer Verbindung, die das Feste, Weiche, Harte, Zerbrechliche ausmacht.

Theoph. Ich bin mit dem, was Sie sagen, im ganzen einverstanden, obgleich ich bemerken könnte, daß es nach der Erfahrung des verstorbenen Mariotte über den blinden Fleck, der sich beim Eintritt des Sehnerven in die Netzhaut findet, scheint, daß eher die Membranen als die Nerven die sinnliche Empfindung empfangen, sowie, daß es für das Hören und für den Geschmack eine Hintertür gibt, da die Zähne und der Scheitel dazu beitragen, einen Ton vernehmlich zu machen; daß ferner Geschmäcke in gewisser Art sich auch durch die Nase auffassen lassen, wegen des Zusammenhangs der Organe. Aber dies alles ändert hinsichtlich der Erklärung der Ideen im Grunde nichts. Was die Tastqualitäten betrifft, so kann man sagen, daß das Glatte oder Rauhe, und das Harte oder Weiche nur Modifikationen der Widerstands- oder Dichtigkeitsempfindung sind.


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