Friedrich Gerstäcker
Tahiti
Friedrich Gerstäcker

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33. Der Angriff auf Papeete

Durch das Absegeln zweier Kriegsschiffe nach den Marquesas-Inseln war die französische Macht in Papeete sehr geschwächt worden. Auch Lebensmittel wurden knapper, da die feindlich gesinnten Eingeborenen natürlich nichts mehr lieferten. Außerdem wurden die den Feranis freundlich gesinnten Insulaner von ihnen gehindert, weiter Lebensmittel in die Stadt zu bringen. Die Befestigung von Papeete war gut und stark, aber zu ausgedehnt für die schwache Besatzung. Die verschiedenen Bastionen konnten nicht alle gleich stark verteidigt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt mußten die Franzosen eine wirkliche. Schlacht vermeiden, wenn sie nicht unbedingt erforderlich wurde. Eine der Expedition nachgeschickte Verstärkung hatte die Patrouille ja erreicht und war mit ihr glücklich zurückgekehrt. Die zweite Abteilung zur Unterstützung der Patrouille von Lefevre geriet aber gleich hinter der Stadt in einen Hinterhalt und mußte sich mit Verlusten in die Stadt zurückziehen. Dadurch wurde die kleine Garnison in Alarm gesetzt.

Im Kaffeehaus des Franzosen Victor waren mehrere Offiziere versammelt. Auch René hatte sich hier eingefunden. Er saß aber still und allein, hatte die Arme auf der Brust verschränkt und lauschte der Schilderung Adolphes.

»Diable!« rief einer der älteren Offiziere. »Die Burschen machen Ernst, und wir sollten unseren Wein hier genießen. Wer weiß, ob nicht gleich die Lärmtrompete uns wieder an die Posten ruft. Die Soldaten werden knapp, aber die Offiziere sind noch knapper. Wenn sie noch ein paar von uns wegputzen, müssen wir Unteroffiziere einstellen.«

»Wißt ihr schon, daß die ›Jeanne d'Arc‹ ebenfalls in den nächsten Tagen absegeln wird?« sagte Bertrand.

»Das fehlt noch! Aber doch wohl nicht eher, bis andere Schiffe als Ersatz eintreffen! Wenn man wenigstens den Rücken frei hätte, dann könnte man einer Horde bewaffneter Insulaner schon die Stirn bieten! Springen sie uns aber über die Wälle, und wir haben kein Schiff hier, das ein paar Kugeln herüberwerfen und uns im schlimmsten Fall an Bord nehmen kann, dann sind wir alle verloren.«

»Wein her, Victor, aber rasch, es wird uns nicht mehr viel Zeit bleiben!« rief ein junger Artillerieoffizier, der eben in das Zimmer trat. Er fiel auf einen Stuhl und warf seine Mütze auf den Tisch. »Tod und Teufel, ich glaube, die roten Kanaillen kommen uns über den Hals!«

»Was gibt's, Lucon? Neue Nachrichten? Ist Lefevre zurück?«

»Weder etwas zu sehen noch zu hören von ihm! Ich möchte nicht in seiner Haut stecken!« rief der Neuankömmling. Er goß sich ein Wasserglas so hastig voll Wein, daß es überlief. »Aber einen Gefangenen haben sie eben gebracht, der in Papeete spionierte und von Sammelstellen bei Point Venus und der östlichen Seite berichtete. Wir haben jetzt selber Spione nach beiden Richtungen geschickt. Sobald sie das bestätigen, gibt's Arbeit.«

»Was fehlt dir heute, René?« sagte Adolphe, der sich jetzt zu ihm gesetzt hatte. »Donnerwetter, reiß dich aus deinen trüben Gedanken und sei endlich einmal wieder ein Mann!«

»Das ist vergebliche Mühe!« lachte Bertrand, der auch zu ihnen kam und glaubte, daß Adolphe ihn überreden wollte, in französische Dienste einzutreten. »Er hat den Geschmack am Handwerk verloren. Er wird hier ruhig sitzen und zusehen, während wir uns draußen mit dem Feind herumschlagen.«

»So weit wird's nicht kommen, die Eingeborenen sind gutmütiger Natur. Wenn ihr ihnen Raum zum Atmen gebt, lassen sie euch gern in Frieden.«

»Ja, hast du das auch gemerkt?« sagte Bertrand lachend. »Die Eingeborenen sind gut, dagegen habe ich nichts. Aber die hinter ihnen stecken, die ihnen ständig in die Ohren schreien, daß der liebe Gott in Gefahr wäre, und ihnen Greuel erzählen, denen ihre Seelen entgegengehen, wenn sie dem Feind das Feld des Glaubens überlassen. Das sind die Hetzer, die die Glut immer wieder neu schüren. Wenn es Männer wären, denen man mit dem Schwert entgegengehen könnte, gut, aber es sind Weiber in langen Röcken mit ihren salbungsvollen, langweiligen Gesichtern und den weißen Läppchen unter dem Kinn! Sie tun demütig und erbärmlich dabei, verdrehen die Augen und falten die Hände und sehen so weich und schwammig aus, als ob ihnen Butter nicht im Mund zerginge. Aber gib ihnen einmal die Gewalt, und mit einer gläubigen Schafherde hinter sich sieh zu, wie ihnen der Kamm schwillt! Giftkröten!« Mit einem leise gemurmelten Fluch leerte er das Glas auf einen Zug.

»Sie sind es auch, von denen die Eingeborenen immer wieder in neue Auseinandersetzungen verwickelt werden. Hast du mir nicht selbst erzählt, René, daß ohne die Hilfe des Atiuers der Häuptling Aonui dein Blut vergossen hätte?««

»Zum Teufel, ja!« sagte René und runzelte die Stirn. »Wenn mir jemand den Degen noch einmal gegen die Insulaner in die Hand drücken könnte, dann wäre es die Hoffnung, dem schleichenden Halunken damit einen Schlag zu versetzen.«

»Wer weiß, Delavigne, ob wir nicht Ihre Hilfe noch früher in Anspruch nehmen«, sagte der junge Artillerieleutnant. »Wir sind so schwach, daß wir bei einem allgemeinen Sturm der Eingeborenen die Wälle nicht richtig besetzen können und die Geschütze nicht vollständig bemannen. Sie werden sich wahrscheinlich nicht ruhig ins Kaffeehaus setzen und Ihren Wein trinken wollen, während wir draußen Arme und Köpfe brauchen, um die Stadt und die Frauen und Kinder vor dem Einbruch der Horden zu sichern. Selbst die Herren Belard und Brouard haben heute dem Gouverneur ihre Hilfe angeboten und darum gebeten, ganz über sie zu verfügen. Sie werden sich doch nicht von Monsieur Brouard ausstechen lassen.«

»Ist es wirklich so schlimm? Ich habe immer geglaubt, Bertrand und Adolphe reden mir nur zu, damit ich wieder in den Dienst eintrete.«

»Ich glaube, die Missionare haben es René angetan. Wer weiß, ob er nicht noch als Mitonare selbst die armen Heidenkinder mit dem heiligen Wasser wäscht!« sagte einer der Offiziere.

»Ich werde euch zeigen, wie ich noch fechten kann!« sagte René erbost. »Ich hatte meine Gründe, nicht freiwillig gegen die Eingeborenen zu ziehen. Aber wenn es so mit der Stadt steht, treiben sie mich dazu. Ihrer Güte verdanke ich es nicht, daß ich noch lebe. Solange ich hier noch auf Tahiti lebe, will ich wenigstens dafür sorgen, sie mir vom Hals zu halten. Ob ich mich dabei wie ein Mitonare oder wie ein Franzose benehmen werde, mögen die Herren nachher beurteilen.«

»Bravo, Delavigne, bravo!« rief es von allen Seiten, und die meisten der jungen Offiziere sprangen auf und schüttelten ihm die Hand. In dem Augenblick ertönte draußen ein Horn – das Alarmsignal. Mützen und Waffen aufgreifend wurden die Gläser rasch noch einmal vollgeschenkt und geleert. Dann stürmten sie zu ihren Posten. Der Aufstand der Eingeborenen war kein bloßes Gerücht. René behielt gerade noch Zeit, um sich dem Gouverneur als Freiwilliger zu melden. Da kam schon von Point Venus her die Meldung, daß sich die Insulaner dort in einer Verschanzung festgesetzt hätten. Von da aus hatten sie bereits einige Häuser von Insulanern niedergerissen, die den Franzosen freundlich gesinnt waren. Eine Patrouille, die sich ihnen entgegenstellte, wurde zurückgeworfen.

Selbst auf die Gefahr hin, Papeete für den Augenblick zu sehr von Truppen zu entblößen, mußten die Feinde aus dieser Stellung in unmittelbarer Nähe der Stadt vertrieben werden. Mit winselndem Trommelschlag und schmetternden Trompeten sammelten sich die Franzosen in der Nähe des Missionsgebäudes und rückten dann in dichten Kolonnen dem Feind entgegen.

Der Platz hieß Harpape, wo sich die Eingeborenen festgesetzt hatten. Fast sah es so aus, als wollten sie ihre Feinde dort hinausziehen und sie dann von allen Seiten überfallen. Die Franzosen hielten sich aber in geschlossenen Kolonnen und trieben die Eingeborenen aus ihren Schanzen heraus. Dann zogen sie sich wieder nach Papeete zurück. Kanonendonner verkündete ihnen, daß der Feind auch die Stadt selbst angegriffen hatte.

Bei der Erstürmung der Harpape-Schanzen in unmittelbarer Nähe eines Missionshauses hatten die Insulaner selbst den Missionar McKean erschossen.

Aus dem Hautauetal her kamen die Eingeborenen, die Lefevre und seine Abteilung getötet hatten. Nach dem leichten Sieg wagten sie einen Angriff auf die Stadt. Die Truppen kehrten gerade rechtzeitig zurück, um die schon erschöpfte Besatzung gegen die immer wiederkehrenden wütenden Angriffe der Insulaner zu schützen. Selbst der Sonnenuntergang setzte den Überfällen kein Ende. Unter dem Schutz der Dunkelheit versuchten die Eingeborenen immer wieder, die schwächsten Punkte zu überrumpeln, bis ein paar zwischen sie abgefeuerte Raketen und über sie geworfene Leuchtkugeln sie in den sicheren Wald zurücktrieben.

René hatte sich an diesem Tag mehrfach ausgezeichnet. Er hatte auch einige Streifwunden erhalten, die ihn aber nicht vom Kampf abhielten. Das herzliche Betragen seiner Kameraden tat ihm wohl, es erweckte wieder die alten, fröhlichen Erinnerungen aus früheren Tagen. Mit dem Bewußtsein, nur sein Leben zu verteidigen, kam wieder der fröhliche Jugendübermut auf, und er war wieder ganz der alte Abenteurer. Während der gesamten Nacht mußten Patrouillen bis an die Außenwerke gehen, und mit dem dämmernden Morgen schmetterten auch schon wieder die Alarmhörner und wirbelten die Trommeln. Das Gewehrfeuer von den Dickichten gegenüber der Verschanzung begann, und der Donner schweren Geschützes von den Wällen brach prasselnd in Guiavenbusch und Orangenhain hinein und trieb den Rauch in schwerfälligen Massen in die Niederung.

Die Franzosen hatten die Wälle so gleichmäßig wie möglich besetzt, und der kleine Dampfer unterstützte sie dabei von der Seeseite nach besten Kräften. Trotzdem gelang es mehrmals den verschiedenen Trupps, bis in das Innere der Verschanzungen vorzustürmen, wo sie manche der den Franzosen ergebenen Häuptlinge und andere Insulaner erschlugen. Sie versuchten auch, das französische Missionsgebäude zu erstürmen. Ohne auf das Feuer der Geschütze und die Verwüstung in ihren Reihen zu achten, stürmten sie dem an Waffen überlegenen Feind trotzig entgegen. Oft mußten die Alarmsignale der französischen Truppen in solchen Fällen Hilfe für die bedrohten Punkte herbeirufen. Zum Glück für die Besatzung versäumte es der Feind, solche massiven Angriffe an mehreren Punkten gleichzeitig zu unternehmen. Papeete wäre sonst unrettbar verloren gewesen. Hartnäckig blieben die Eingeborenen bei ihrer alten Art des Angriffs und konnten ihr Ziel nicht erreichen.

Aber auch die kleine Besatzung wurde mehr und mehr entkräftet, und so mancher Blick suchte verzweifelt den Horizont nach der heiß ersehnten Hilfe ab.

Da ging wie ein elektrischer Schlag ein Ruf durch das ganze Lager: »Ein Segel! Ein Segel am Horizont!«

Aber auch die Eingeborenen glaubten, jetzt endlich Hilfe aus England zu erhalten. Sie waren fest davon überzeugt, daß die Franzosen hier im Stich gelassen wurden. Ihre wichtigsten Anführer waren an diesem Tag der wilde Fanue und Pompey, der Afrikaner. Er war es besonders, der die Insulaner immer wieder mit einem wilden Jubelschrei zum neuen Angriff führte. Zehnmal zurückgeschlagen und aus vielen Wunden blutend, schien ihm das alles nur ein fröhliches, wildes Spiel zu sein. Singend und lachend flog er ihm wieder entgegen. Im Osten von Papeete hatte die schon todesmatte Besatzung eben einen solchen Angriff zurückgeschlagen, bei dem nur ein furchtbarer Kartätschenschuß den Ausschlag gegeben hatte. René und Adolphe hatten hier zusammen gekämpft. Besonders René sah dem Feind mit Todesverachtung entgegen und hatte mit so unübertroffener Tapferkeit gekämpft, daß ihm Gouverneur Bruat selber das Kreuz der Ehrenlegion auf die Brust heftete und ihn an Stelle seines gefallenen Vorgesetzten zum Hauptmann ernannte.

»Du bist nun einmal ein Glückskind, René!« lachte Adolphe und klopfte ihm auf die Schulter. »Aber du hast es verdient. Ich setze mein Leben auch nicht besonders hoch an, aber mich so zwischen die wilden Haufen der Feinde in die Bajonette und Speere zu werfen, fiele mir nicht ein, und ich bin nicht verheiratet.«

Am anderen Ende der Stadt begann plötzlich unregelmäßiges Schießen, ehe René antworten konnte. Die französischen Signalhörner ertönten. Der Gouverneur kam selbst herangesprengt und rief schon von weitem: »Hauptmann Delavigne, mit Ihrem Trupp vor, so rasch Sie können, unser Missionshaus ist schon genommen! Es gilt, den Feind wieder zurückzuwerfen, oder Papeete ist verloren!«

Damit sprengte er an den Schanzen entlang, um weitere Hilfstruppen zusammenzuziehen. Im Sturmschritt lief René mit seinen Leuten zum Kampfplatz. Es war höchste Zeit. Ein wilder Schwarm mit dem alten Fanue an der Spitze hatte die Schanzen eingenommen und das Missionsgebäude in Brand gesteckt.

Hier kommandierte Bertrand, der nach dem Tod des Ersten Leutnants der »Jeanne d'Arc« befördert wurde. Die ganze Macht der Insulaner schien wieder auf diesen Punkt konzentriert zu werden, während der größte Teil der französischen Besatzung noch vom letzten Angriff an der Ostseite Papeetes stand. In das Prasseln des Feuers und das Knattern der Schüsse mischte sich Pompeys Jubelgeschrei, der hier die Krieger auf der linken Flanke anführte, während Utami das Zentrum befehligte. Im wilden Siegestaumel trieben sie ihre Feinde aus einer Hecke der Gärten in die andere und wollten offensichtlich sich zu einem Platz durchschlagen, wo die Franzosen ein Arsenal angelegt hatten und ziemlich viel Munition und Waffen lagerten.

Auf dem Grundstück, das von einem Holzzaun eingefaßt war, hielten die Franzosen wieder stand und verteidigten sich tapfer gegen die Übermacht. Viele der Eingeborenen kämpften hier auf ihrer Seite, darunter auch Ule, der eingeborene Richter und Besitzer des Grundstückes. Da brach Fanue rechts durch den Zaun. Von zwei Bajonetten getroffen, schlug er die Feinde trotzdem zu Boden und sprang auf Ule zu. Seine Krieger drängten nach und lenkten die Soldaten von ihm ab. Er griff den Richter und trug ihn mit Triumphgeschrei in seine Truppe. Es war wohl seine Absicht, ihn als Gefangenen mit in die Berge zu nehmen, aber die Wut seiner Leute ließ keinen Aufschub der Rache zu. Alle warfen sich auf ihn und bohrten ihre Waffen in seinen Körper. Dadurch wurde ihre Aufmerksamkeit vom Angriff abgelenkt, die Franzosen hatten sich wieder gesammelt. Mit Bertrand an der Spitze räumten sie den Platz bis an den Zaun. Neue Massen drängten aber nach, und die kleine Mannschaft hätte den Platz nicht länger behaupten können, wenn nicht in diesem Augenblick René mit seiner kleinen Schar dem Feind mutig in die Flanke gefallen wäre. Das neue Angriffssignal von einer anderen Seite ließ sie stutzen. Dann wichen sie dem erneuten Angriff Bertrands aus, um nicht im Rücken von einer vielleicht größeren Macht umzingelt und abgeschnitten zu werden.

Der von Pompey geführte rechte Flügel sammelte sich aber rasch wieder. Der Neger erkannte kaum den Führer des kleinen Korps, als er sich ihm auch entgegenwarf.

»Hierher, Krieger!« schrie er mit einem gellenden Lachen und warf die schwarzen, muskulösen Arme hoch. »Hierher, und der Sieg ist unser!« Mit seinem riesigen Säbel führte er einen Hieb, vor dem sich René nur durch einen Sprung in Sicherheit bringen konnte. Ehe der Koloß aber einen neuen Schlag führen konnte, fuhr ihm die scharfe Klinge des geübten Fechters durch die Achselhöhle in die Brust. René sprang nach und faßte in dem Augenblick, wo der tödlich Verwundete zusammenzuckte, dessen Hand und entwand ihm den Säbel. Blitzschnell richtete er ihn gegen die nächsten Eingeborenen. Das war so schnell geschehen, daß die Krieger ihren Verlust erst begriffen, als der riesige schwarze Körper vor ihnen zusammenbrach und die Franzosen mit einem donnernden Hurra und gefällten Bajonetten auf sie eindrangen.

Der rechte Flügel wich, und das Jubelgeschrei der Franzosen füllte die Luft. Aus der Bai donnerte ein Kanonenschuß. Die schwere Kugel schwirrte über ihre Köpfe und traf einen starken Brotfruchtbaum dicht unter dem Wipfel. Das fremde Schiff war in die Bai eingelaufen, und von seinem Heck flatterte die dreifarbige Fahne.

Trotzdem konnte die Hilfe von dort noch immer zu spät kommen. Wenn auch der rechte Flügel durch den Tod ihres Anführers dem Angriff nachgab, so hielt doch Utami noch immer stand und drängte sogar mit Fanue erneut wieder vor. Jetzt wollten sie alles daransetzen, um das Arsenal zu erreichen und ebenfalls anzuzünden. Bertrand kam dabei zwischen die beiden Kolonnen, und der alte, tapfere Utami arbeitete sich mit seinem Säbel dichter an den Führer der Feranis heran. Er wollte dem Kampf mit dessen Tod ein Ende machen. Kleine Trupps der Franzosen langten jetzt ebenfalls auf dem Kampfplatz an und wurden von einzelnen Eingeborenengruppen empfangen. Sie wollten ihr Vorrücken verhindern und ihrer Hauptmacht ermöglichen, das Ziel zu erreichen. René hatte die Gefahr erkannt und entdeckte den alten Häuptling, dessen Einfluß auf die Insulaner er gut genug kannte. Jetzt setzte er alles darauf, ihn zu fangen. Es hätte kein besseres Mittel gegeben, um den Frieden mit den Eingeborenen zu erzwingen.

Auch Bertrand sah den alten Insulaner, der sich todesmutig seinen Weg freischlug. Ehen wollte er einen Stoß nach ihm ausführen, als ein vor ihm liegender, gestürzter Insulaner sein Bein ergriff und ihn zu Boden riß. Utami sprang vor und hob den Säbel, als René in Todesangst um den Freund schrie:

»Halt, Utami, hierher deinen Schlag, hier ist dein Feind!« Damit parierte er den Schlag und warf sich mit voller Gewalt gegen den Häuptling. Ein jäher Schmerz durchzuckte ihn, er hörte dicht neben sich den Knall einer Pistole, fühlte, wie der Gefaßte seinem Arm entglitt, und sah halb bewußtlos noch die über ihn gehaltenen Bajonette. Dann brach er zusammen.


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