Friedrich Gerstäcker
Tahiti
Friedrich Gerstäcker

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Konsul Pritchards Gefangennahme

Trommeln wirbelten, und Patrouillen zogen in finsteren Trupps mit raschen Schritten durch die von der Morgensonne freundlich beschienene Stadt. Die Insulaner standen bestürzt in kleinen Gruppen zusammen, und die Mädchen liefen neugierig hin und her und horchten, was vorgefallen war. Die Veränderung im Verhalten der Fremden war so überraschend, daß keiner sprach oder lachte. Wenn sie sich ihnen näherten, wurden sie barsch zurückgewiesen. Von den verschiedenen Schiffen landete Boot an Boot, vollgedrängt mit Bewaffneten, die verschiedene Häuser der Königin am Strand beschlagnahmten. Sie wurden zu richtigen kleinen Festungen ausgebaut.

Gerüchte liefen durch die Stadt, daß gestern eine Waffenladung in der Mativaibai auf schlaue Weise an Land geschmuggelt war. Man hatte nicht nur einzelne Stücke, ein Bajonett und andere Kleinigkeiten, sondern auch ein ganzes Paket englischer Musketen in einem dort vor Anker liegenden Kutter gefunden. Als man gegen Morgen den Strand mit Fackeln absuchte, fand man den ermordeten französischen Posten. Viele Personen wurden verhaftet. Die vielen Soldaten genügten schon, um die sorglose Stimmung der Eingeborenen zu zerstören und ihnen in einem grellen Licht zu zeigen, in welchem Verhältnis sie zu den fremden Eindringlingen standen.

Die Häuptlinge traten zusammen und schickten Boten zu den Missionaren, um Verhaltensmaßregeln zu erhalten. Die geistlichen Herren fühlten aber, daß ihr Regiment zumindest für den Augenblick ausgespielt war. Nur Mr. Pritchard protestierte nach wie vor gegen ein solches Verfahren. Die Franzosen kümmerten sich aber nicht um ihn. Ihre Flagge wehte bereits von fünf oder sechs besetzten Häusern. Die Soldaten durchzogen nicht nur die Stadt, sondern setzten sich am oberen und unteren Teil fest. Sie legten das Gewehr zur Seite und griffen zu Hacke und Schaufel. Nicht nur auf der kleinen Insel Motuuta wurden Verschanzungen aufgeworfen, sondern zum Erstaunen der Einwohner auch um die Stadt selbst. Gräben und Erdwälle entstanden, als ob man sich gegen die Berge und das benachbarte Land vor einem Angriff schützen wollte.

Die Franzosen wußten, wie schlecht ihre Lage in der von allen Seiten eingeschlossenen Stadt würde, wenn sie von gut bewaffneten Eingeborenen angegriffen wurden. Deshalb versuchte man gleich mit durchgreifenden Maßnahmen allen derartigen Versuchen entgegenzuarbeiten. Strenge war geboten, und den Franzosen lag besonders daran, die Mörder der Wache zu bekommen oder zumindest ihre Spur zu finden. Es hieß mit Bestimmtheit, daß sie in das Haus eines der protestantischen Missionare, vielleicht sogar in das des englischen Konsuls führen würde. Mr. Pritchard war ihnen mit seiner offenen Predigt ja schon lange Zeit ein Dorn im Auge. Zu den ersten Maßnahmen des französischen Kommandanten gehörte es auch an diesem Morgen, René Delavigne zu verhaften. Auf seinem Grundstück waren die Waffen ausgeladen worden, auf seinem Kutter hatte man ein Paket Gewehre gefunden. Ob er davon wußte oder nicht, mußte die Untersuchung ergeben. Der Kutter wurde von der Regierung beschlagnahmt und für den französischen Küstendienst requiriert. Sadie erschrak, als an dem Morgen, wo sie Tahiti verlassen wollte, ihr Mann von Bewaffneten abgeführt wurde. Aber sie faßte sich rasch und fügte sich in alles. Sie wußte, daß René an den Vorfällen unschuldig war und natürlich bald wieder freigelassen werden mußte. Aber René wurde nicht allein verhaftet, sondern auch der kleine Mi-to-na-re. Er hatte schon bei Sonnenaufgang versucht, das in der Nacht umstellte Haus zu verlassen. Dabei wurde er von den Wachen festgenommen.

»Armer Mitonare, ist von seinem freundlichen Atiu herüber gerufen, um Sorge und Not seines Glaubens wegen zu haben?« sagte Sadie traurig, als er der Patrouille folgen sollte.

Bruder Ezra schüttelte den Kopf und sagte:

»Glaube? Der Glaube hat wenig damit zu tun, Pudenia, und wir sollen glauben, und die Wi-wis wissen alles genau. Glauben, ja, eine schöne Sache mit einem bequemen Haus und viel Brotfrucht, aber nicht so in der Welt herumlaufen und das schwere Buch in der Tasche mitschleppen. Warum stecken sie Bodder Aue nicht ein?«

»Wer ist das?« sagte einer der französischen Soldaten, der genug von dem tahitischen Dialekt verstand, um den Sinn zu begreifen. »Wo ist der, den du eben genannt hast?«

»Bodder Aue?« sagte Mitonare, und der ihm eigene Zug drolligen Humors, der ihn auch in diesem Augenblick nicht verließ, spielte um seine Lippen, »Bodder Aue ist ein sehr guter Freund von mir auf Atiu, aber nicht hier. Wenn wir ihn haben wollen, können wir ihm einen Brief schreiben. Ich gehe wieder hinüber, wenn die Feranis keine Brotfrucht mehr für mich haben.«

»Also los jetzt, Bursche!« sagte der Soldat ärgerlich. »Wir haben lange genug getrödelt.«

Während man René noch Zeit ließ, ein paar Briefe an Bertrand und Herrn Belard zu schreiben, wurde der kleine braune Missionar unter den Spottreden der Soldaten über seine unsinnige Kleidung nach Papeete abgeführt. Mitonare blieb aber völlig kaltblütig. Er klemmte seinen linken Rockschoß, in dem die dicke Bibel steckte, unter den Arm, setzte seinen hohen Hut auf und schritt ehrbar und ernst zwischen den bärtigen Kindern eines anderen Landes, daß sich der Spott bei ihnen langsam abstumpfte. Unterwegs grüßte er die ihnen begegnenden Insulaner würdevoll.

René blieb nur wenige Stunden in Haft. Es war ihm leicht, durch seine Freunde zu beweisen, daß er den Nachmittag in Papeete verbracht hatte und erst lange nach Dunkelwerden nach Hause aufgebrochen war. Schwieriger wurde es, die Waffen an Bord des Kutters zu erklären. Daß er der Mission gehörte, machte die Angelegenheit nur noch verwickelter. Es ließ sich kaum denken, daß der junge Franzose, der mit den Offizieren auf freundschaftlichem Fuß stand, etwas gegen seine Landsleute plante. Trotzdem wollten die Behörden die Gelegenheit, die Mission selbst in die Untersuchung einzubeziehen, sich nicht entgehen lassen. Wer wußte denn, ob dabei nicht noch andere Dinge zutage kamen. Gern wurde die Bürgschaft der Herren Belard und Brouard angenommen. René wurde auf freien Fuß gesetzt, bekam aber die Auflage, Tahiti nicht zu verlassen, bis die Untersuchung abgeschlossen war.

Nicht so leicht sollte Bruder Ezra davonkommen. Trotz des Protestes der Missionare, die es als einen Eingriff in ihre Religion betrachteten, daß ein Missionar nur auf bloßen Verdacht aus seinem Amt gezogen wurde, blieb er in Gewahrsam. Auch der Konsul protestierte und bezeichnete den eingeborenen Missionar als englischen Bürger. Man gab ihm die Antwort, daß er sich vorsehen und von gefährlichen Demonstrationen fernhalten sollte. Die französischen Kriegsschiffe umsegelten oft die Insel Tahiti, kreuzten nach Imeo, und einige erhielten den Auftrag, die französische Flagge auf der Nachbargruppe der Gesellschaftsinseln, auf Huaheina, Bola-Bola, Raiatea und anderen aufzupflanzen.

Man sprach sogar davon, die unter dem Wind liegenden Cookinseln, zu denen auch Atiu gehörte, mit in Besitz zu nehmen und Garnisonen dort einzurichten. Aber die Schiffe hatten schon mit den Gesellschaftsinseln genug zu tun, und man wartete eine günstigere Zeit ab. In Papeete wurden feste Blockhäuser für Kasernen und Gefängnisse in unglaublich kurzer Zeit gebaut, Laufgräben um die Stadt gezogen, ein Damm als Brustwehr ausgehoben und Geschütze von den Schiffen an Land gebracht. Auch die kleine Insel im Eingang des Hafens wurde mit schwerem Geschütz versehen, weil sie die Haupteinfahrt völlig überwachte. Man befürchtete einen Überfall der Engländer, und das machte auch den Eingeborenen wieder Mut. Wenn ihre Freunde, die Beretanis, die Schiffe beschäftigen würden, dann könnten sie mit den Wi-wis im Lande fertig werden. Die Stimmung wurde so von Tag zu Tag feindseliger. Die Eingeborenen mußten große Mengen von Proviant und Früchten in der Stadt abliefern, die man ihnen gut bezahlte. Aber es zwang sie zu einer fremden und unbequemen Tätigkeit. Sie erkundigten sich deshalb bei ihren Missionaren, ob sie dazu verpflichtet wären, den französischen Soldaten Fleisch und Früchte zu bringen. Welche Antwort sie erhielten, ist nicht bekannt. Aber von da an weigerten sie sich, die Provisionen abzuliefern. Daraufhin erklärte sie eine Proklamation des Gouverneurs für Rebellen.

Neue Forderungen des Kommandanten nach Verpflegung wurden mit der scharfen Drohung verbunden, daß ernste Maßnahmen ergriffen würden, wenn dem Befehl nicht Folge geleistet würde. Besonders die Häuptlinge sollten für das Verhalten ihres Volkes verantwortlich gemacht werden. Auch den Missionaren wurde in nicht gerade freundlicher Weise eine Warnung übergeben, daß sie sich aus den politischen Verhältnissen des Landes heraushalten sollten. Anderenfalls müßten sie die Folgen direkt tragen. Die Proklamation, in der jeder Fremde, der gegen die Regierung sprach, augenblicklich verbannt wurde, wurde ihnen ins Gedächtnis gerufen. Daraufhin verließen mehrere Missionare Papeete und gingen nach Imeo, Bola-Bola oder Huaheina. Die meisten blieben auf ihrem Posten. Sie waren fest entschlossen, dem fremden Einfluß in jeder Hinsicht entgegenzuarbeiten.

Nach dem neuen Aufruf an die Häuptlinge wandten sie sich wieder an ihre Königin, um von ihr Verhaltensmaßregeln zu erhalten. Pomare war zwar nicht bereit, sich zu unterwerfen, war aber auch durch die Drohungen eingeschüchtert und wußte, daß sie nicht zu weit gehen durfte, ehe sich England entschieden hatte. Sie gab deshalb ausweichende Antworten und verwies sie sogar an Konsul Pritchard. Der teilte ihnen mit, daß er offiziell der Königin nichts raten könne, bevor er nicht Verhaltensbefehle aus London habe, und verwies sie an den Missionar Rowe.

Die Mehrzahl der Häuptlinge lehnte ihn aber als Führer ab. Vor allen anderen schwur Fanue, daß sie lange genug unter der Herrschaft der Priester gestanden hätten, und das sei ihr Fluch gewesen. Er verlangte eine Zusammenkunft der obersten Führer ihres Volkes. Konsul Pritchard unterstützte ihn und redete auch der Königin zu einzuwilligen. Er versuchte sogar, den Kapitän des kürzlich eingelaufenen Dampfers »Cormorant« dafür zu gewinnen, den Häuptlingen den Schutz seines Dampfers für eine freie Besprechung zu gestatten.

Am anderen Morgen war ein Plakat an den Häusern angeklebt. Darin wurden die Eingeborenen gewarnt, sich durch die Reden von irgend jemand gegen die bestehende Obrigkeit aufzulehnen. Mit schärfsten Strafen wurden alle bedroht, die etwas gegen die Franzosen unternehmen wollten. Namen wurden nicht genannt, aber der Ton war so entschieden, daß Bruder Rowe fühlte, daß sie für den Moment an die Grenze ihrer Tätigkeit gekommen waren. Entweder mußten sie sich eine Weile vom Schauplatz der französischen Herrschaft entfernen oder aber den Dingen ihren ungehinderten Lauf lassen. Um die Einzelheiten zu klären, suchte er Konsul Pritchard auf.

»Kommen Sie, um mir zu erzählen, daß die Franzosen freundlich an uns an den Straßenecken gedacht haben?« sagte der Konsul zur Begrüßung mit einem eigentümlichen Lächeln um die feingeschnittenen Lippen.

»Allerdings, Bruder Pritchard«, erwiderte Mr. Rowe, mit in die Höhe gezogenen Augenbrauen und gefalteten Händen. »Die Sache wird bedenklich, und da die Papisten keine andere Autorität als ihre Waffen anerkennen, ist es an der Zeit, an einen anständigen Rückzug zu denken. Ich fürchte aber, daß gerade Sie dabei gefährdet sind.«

»Ach was, was können sie mir denn tun? Ich habe keinen offenen Aufruhr gepredigt, ich habe nur das gesagt, was ich als Konsul und als Mensch verantworten kann. Darüber können sie sich ärgern, aber sie dürfen nichts anderes gegen mich unternehmen, als von meiner Regierung zu verlangen, daß man mich abberuft. Das wird wohl auch geschehen, und vielleicht kommt statt des Befehls dann eine Flotte.«

Mr. Rowe schüttelte bedenklich den Kopf.

»Ich habe mich früher selbst solchen phantastischen Träumen hingegeben und alles versucht, um den Glauben daran bei den Insulanern aufrecht zu halten. Aber ich muß doch gestehen, daß ich jetzt anfange, mißtrauisch gegen meine eigenen Prophezeiungen zu werden. Seit der würdige Kapitän des ›Talbot‹ diese Ufer verlassen hat, tun diese nichtsnutzigen Feranis ungehindert, was ihnen gefällt. Einzelne Kriegsschiffe unserer Nation kommen, sehen sich die Sache an, hören auch geduldig zu, was wir ihnen klagen, und segeln dann wieder aus der Bai, ohne selbst einmal Joranna zu sagen. Ich kann gestehen, daß die Bibel von Alt-England zum erstenmal auf eine höchst befremdliche Weise im Stich gelassen wird.«

»Ich hoffe viel von der möglichen Einigkeit der Häuptlinge«, sagte der Konsul. »Es wird zumindest den Franzosen imponieren, und wir gewinnen Zeit. Graf Aberdeen hat mir für einen Gewaltschritt des Feindes feste Hilfe zugesagt. Er wird, er kann uns nicht im Stich lassen.«

»Willigt der Kapitän des ›Cormorant‹ ein, daß die Versammlung auf seinem Schiff stattfindet?«

»Ich habe schon seine halbe Zusage und will jetzt hinüberfahren, um die Zeit festzulegen.«

»Nehmen Sie sich in acht, Bruder Pritchard«, sagte der Missionar ernst. »Der Franzose kann Ihnen trotz aller Autorität noch einen Stein in den Weg legen. Die Plakate haben auf mich einen sehr niederschmetternden Eindruck gemacht. Ich kann mich irren, aber es kam mir vor wie eine Vorausentschuldigung gegen einen Gewaltakt. Die Leute sind wirklich zu allem fähig.«

»Aber klug genug, um zu wissen, wie weit sie England gegenüber gehen dürfen.«

»Wie weit? Das ist eine sehr unbestimmte Größe, auf die ich mich nicht verlassen möchte. Haben Sie nichts von Bruder Ezra gehört und was über ihn beschlossen ist? Ich habe mir größte Mühe gegeben, zu ihm zu kommen, wurde aber immer wieder abgewiesen.«

»Mir hat man auf meinen Protest gar keine Antwort gegeben«, erwiderte der Konsul. »Es scheint übrigens so, als wäre Bruder Ezra trotz der Bibel in seiner Tasche hartnäckig beim Leugnen geblieben. Wenn ich richtig unterrichtet bin, hält man ihn jetzt nur noch zurück, um ihn mit dem nächsten nach Atiu segelnden Kriegsschiff dort hinüber zu bringen.«

»Sie möchten uns alle auf ein Kriegsschiff bringen und zu einer entlegenen Insel schicken«, sagte Bruder Rowe.

Der Konsul griff seinen Hut und seine Handschuhe. »Ich gehe jetzt an Bord des ›Cormorant‹. Sie erfahren von mir gleich das Resultat.«

»Haben Sie schon ein Boot?«

»Es liegt an der Landung und wartet auf mich.«

»Dann will ich Sie nicht weiter aufhalten. Diese Versammlung ist jetzt sehr wichtig.«

»Wir bringen jedenfalls den Feind dazu, daß er sich entscheidet. Seien Sie etwa in einer Stunde hier in meiner Wohnung. Dann können wir den Häuptlingen mitteilen, wie die Sachen stehen.« Damit verabschiedete sich der Konsul und ging durch den Hofraum zur Ausgangstür. Als er zum Strand einbog, sah er zu seinem Erstaunen einen französischen Beamten, der von einigen Soldaten gefolgt auf ihn zusprang.

»Halt, Monsieur!« rief er ihm schon entgegen.

»Was wollen Sie?« sagte der Konsul erstaunt.

»Im Namen des Königs, Sie sind mein Gefangener!«

»Ich verstehe Sie nicht«, sagte der Konsul gleichgültig und wollte sich abdrehen. Der Franzose griff seinen Arm und winkte den Soldaten zu. Ohne seine Proteste zu beachten, brachten sie ihn in das Wachtlokal. Von dort aus wurde der Konsul ohne Rücksicht auf sein Amt zu einem schon bereitgehaltenen Gefängnis abgeführt.

Und Papeete blieb ruhig. Die Insulaner verstanden nichts von der Bedeutung oder Unverletzlichkeit des Vertreters einer europäischen Macht. Der Gefangene war ihnen immer mehr als Missionar denn als Konsul wichtig gewesen. Nutzen hatte er ihnen nicht gebracht. Daß es aber die Feranis wagten, einen Missionar ins Gefängnis zu bringen, überstieg ihre Begriffe. Erstmalig fürchteten die Häuptlinge für ihre eigene Sicherheit. Die Missionare erwarteten nach diesem Schritt nur noch Übles und wandten sich in ihrer Ratlosigkeit an die arme, selber hilfebedürftige Königin und an das Volk, das sie schützen sollte. Aber die Geduld des Volkes war noch nicht erschöpft, die Bereitschaft zu einem Krieg nicht gegeben. Man hatte einen französischen Soldaten ermordet, deshalb waren die Feranis böse und schickten eine Menge Soldaten an Land. Sie sperrten einen einheimischen und einen weißen Missionar ein. Das war vielleicht ungerecht, aber in ihren Augen keine Ursache für einen Krieg. Die Insulaner beschlossen jetzt ernster als je zuvor, mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben zu wollen. Obwohl einige unter ihnen, besonders Fanue, die Rache an den »Feinden des Vaterlandes« offen forderten, so verhielten sich doch die einflußreicheren wie Tati und Utami noch immer ruhig. Paofai und Hitoti verkehrten sogar öffentlich und freundschaftlich mit den Feranis.

Leutnant Hunt, der Befehlshaber des kleinen Kriegsschiffes »Basilisk«, und der Kapitän des »Cormorant« hatten allerdings augenblicklich gegen die Gefangennahme des Konsuls protestiert, konnten aber seine Befreiung nicht erreichen. Bald darauf hingen neue Plakate aus, in denen Mr. Pritchard indirekt die Verantwortung für den Mord an der Wache zugesprochen wurde. Auch als Ursache des trotzigen Betragens der Eingeborenen wurde er dargestellt.

Mit viel Mühe gelang es endlich dem Kapitän des »Cormorant«, die Freiheit des Gefangenen zu erreichen. Allerdings wurde zur Bedingung gemacht, daß er ihn an Bord seines Dampfers mitnahm und an keiner Insel der Nachbargruppen wieder an Land setzte. Die Franzosen betrachteten ihn als einzige Ursache der nicht unbedingten Unterwerfung der Insulaner. Durch seine Entfernung glaubten sie jedes Hindernis ihrer unbestrittenen Oberherrschaft beseitigt zu haben.


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