Sagen aus Westfalen
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Der Kärrner zu Gesicke in Westfalen

In der Stadt Gesicke in Westfalen kam ein Kärrner zur Abendzeit in ein Wirtshaus und wollte gern darin übernachten. Die Wirtin aber sagte, sie könne ihn nicht beherbergen, weil für die Nacht viel vornehme Leute im Anzuge wären. Der Kärrner entschloß sich darauf, im Wirtsstalle zu bleiben und legte sich dort auch sogleich nieder. Weil er aber nicht einschlafen konnte, so merkte er, wie Teufelsgäste in altmodischen Kleidern ankamen. Denen wurden stattliche Traktamente vorgesetzt, Essen und Trinken, und waren lustig. Sie schmierten sich alle mit einer Salbe, die auf dem Tische stand, und verschwanden darauf durchs Fenster. Als sie fort waren, ging der Kärrner in die Stube, aß von der dastehenden Speise, schmierte sich auch mit der Salbe und befand sich gleich darauf im Weinkeller einer vornehmen Stadt. Da erkannte ihn die Tochter der Wirtin aus Gesicke, welche auch da war, und gab ihm eine rote Mütze, die er aufsetzen sollte. Er trank aber zu viel des Weines, vergaß der roten Mütze, die er in der Tasche hatte, und blieb im Weinkeller liegen. Am Morgen ward er ertappt und vor Gericht geführt, da erzählte er den ganzen Handel. Darauf zog er die rote Mütze hervor, setzte sie auf und flog davon.

 


 


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