Sagen aus Westfalen
Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Der Eichbaum zu Strohen

Auf einem Brink bei Meer zu Strohen in Hellern stand lange Zeit ein alter Eichbaum, bei dem es nicht recht geheuer war. Alle Blätter und alles Holz, das herunterfiel, ließen die Bauern liegen, und jeder hütete sich, von dem Baume etwas abzuhauen. Aber einmal hieb doch der älteste Sohn des Hofes, der sich vor nichts fürchtete, von dem Baume einen Ast ab und legte ihn abends auf das Herdfeuer. Am andern Morgen aber lag in der Asche des verbrannten Holzes ein großer, schwarzer Hund. Er wich nicht von der Stelle, bis die Leute die ganze Asche zusammengesucht und unter den Eichbaum gebracht hatten. Von dieser Zeit an hat kein Bauer wieder von dem Baume etwas abgehackt, ja nicht einmal das Gras unter ihm abgemäht, aus Furcht, der Hund könnte wiederkommen.

Einmal aber war ein Zwillingspaar, das geriet darüber in Streit, wer nach des Vaters Tode den Hof erben solle. Von Worten kam es zu Taten, und sie erschlugen einander unter jener Eiche. Dafür wurden sie in den Baum verwiesen und trieben in ihm ihren Spuk.

 


 


 << zurück weiter >>