Sagen aus Westfalen
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Die Kartause bei Nottuln

In Nottuln geht auch die Sage von der Entstehung eines Klosters. Einer aus der Weinerbauerschaft bei Ochtrup, der früher längere Zeit in der Gegend von Nottuln wohnte, hat mir die Geschichte erzählt. Nicht sehr weit von dem Dorfe, in der Richtung auf Dülmen, so berichtete er, stand einst ein adeliger Hof. Der Sohn des Herrn war in den Krieg gezogen. Siegreich kehrte er in seine Heimat zurück. Es war Nacht und Mondschein, als er dem elterlichen Gut zuritt, dem Vater die frohe Kunde zu überbringen. Dieser sah den Reiter ankommen, wie er fast die Gräftebrücke erreicht hatte. Er glaubte nun, das sei der Feind, dem ein großes Heer nachfolge, die Burg zu vernichten. Und er schoß den Reiter tot. Am folgenden Morgen ging der Burgmann nach der Stelle hin, wo der fremde Reiter gefallen war. Da erkannte er, daß es der eigene Sohn war, den er erschossen. Und aus seinen Papieren entnahm der Vater die Nachricht von dem siegreichen Kampf. Er geriet in große Betrübnis; denn er hatte bloß diesen einen Sohn. Da hatte der Adelige keine Freude mehr an dem Gut, und er machte das Gelübde, seine ganze Habe dem zu geben, der ihm zuerst in den Weg laufe. Wie gesagt, so getan. Als dem Burgherrn ein Pater begegnete, reichte er diesem freundlich die Hand hin und redete ihn an. Der andere aber ist darob ganz verwundert gewesen. Was das zu bedeuten habe, er kenne ihn doch gar nicht. Da erzählte nun der Burgherr dem Pater, was geschehen sei und was er versprochen habe. Und ob er jetzt die Besitzung annehmen wollte. Das wollte der Pater wohl tun, und er hat daraus ein Kloster gemacht. Das ist noch jetzt die Kartause, die bei der Entschädigung der linksrheinischen Fürsten im Jahre 1803 an den Herzog von Croy kam.

 


 


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