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Sinngedichte.

Eilftes Buch.

(1)
Von meinen Gedichten.

                   

Jch schreibe kurze Sinngedichte; um dadurch minder schlimm die Bösen
Zu machen, und zu höhern Pflichten mich desto eher abzulösen.

(2)
Gewaffneter Friede.

                   

Krieg hat den Harnisch weggelegt, der Friede zeucht ihn an;
Wir wissen was der Krieg verübt, wer weiß was Friede kann?

(3)
Auf den Gengmundus.

                   

Gengmundus lobt sich selbst, es lobt ihn auch die Welt:
Wenn er das Wort führt, Er, Sie, wenn er inne hält.

(4)
Seelenhandel.

                   

Jedes Land hat sein Gewerb, sein Gesuch und seinen Wandel:
Die die gegen Norden sind machte reich der Seelenhandel. .

(5)
Zweyfüßige Esel.

                   

Daß ein Esel hat gespracht, warum wundert man sich doch?
Geh aufs Dorf, geh auf den Markt: — o sie reden heute noch.

(6)
Auf die Amea.

                   

Amea ist so wunderhübsch, daß Schwangere sich segnen:
Es geht nicht ab ohn Mißgeburt, sobald sie ihr begegnen.

(7)
Zahlungsfristen.

                   

Es ist zwar eine Frist zu zahlen ausgeschrieben,
Mit Undank aber ist zu zahlen frey geblieben.

(8)
Auf den Justus.

                   

Justus lernet die Gesetze: nun er alle kann,
Meynt er, keines unter ihnen geh ihn selber an.

(9)
Verleumder.

                   

Wer mit Weiberschwerdtern haut, schadet nicht des Leibes Leben,
Kann hingegen schnöden Tod unsrer Ehr und Leumuth geben.

(10)
Haben und Gehabt.

                   

Haben ist ein reicher Mann, und Gehabt ein armer Mann;
Das aus Haben wird Gehabt, ist oft Haben Schuld daran.

(11)
Das begrabene Deutschland.

                   

Wir mußten alle Völker zu Todtengräbern haben,
Bevor sie Deutschland konnten recht in sich selbst vergraben.
Jetzt sind sie doppelt sorgsam den Körper zu verwahren;
Damit nicht neue Geister in solchen etwan fahren,
Und das erweckte Deutschland nicht wiederum, wie billig,
Auch seine Todtengräber sey zu bestatten willig.

(12)
Auf den Alastor.

                   

Alastor brüllet wie ein Leu. — Jst grösser als ein Leu, —
Er ist ein Hirsch! Wie sehr er tobt, so trägt er doch auch Scheu.

(13)
Hofglieder.

                   

Was dient bey Hof am meisten?
Der Kopf? — Nicht ganz: die Zunge.
Was dient bey Hof am treusten?
Das Herz ? — O nein: die Lunge.

(14)
Auf den Baldus.

                   

Baldus führet alle Sachen, die er führet, aufs Verschieben;
Will sie bey dem Weltgerichte dann auf einen Tag ausüben.

(15)
Abgedankte Soldaten.

                   

Was werden die Krieger, gewöhnet zum Wachen,
Nun Friede geschlossen, ins Künftige machen?
Sie werden, des Wachens nicht müßig zu gehen,
Sehn wie es zu Nachte bey Schläfern wird stehen.

(16)
Auf den Veit.

                   

Veit gieng mit einem Herren schwanger, eh der ward reif, da kam sein End:
Jch weiß nicht ob er diesen Erben auch hat bedacht im Testament.

(17)
Die Aerzte.

                   

Jhr Aerzte seyd wie Götter, sagt heimlich zu dem Kranken:
Du mußt zur Erde werden! und er muß noch wohl danken.

(18)
Tugend.

                   

Tugend ist nicht allen nütze: wenn sich Thais schämen will
Hat sie noch von guten Nächten, noch von gutem Lohne viel.

(19)
Die Furcht.

                   

Die Furcht sagt nur sehr selten wahr,
Leugt meistens, wo nicht immerdar.

(20)
Poeterey.

                   

Was nützt Poeterey? Sie stiehlt die Zeit zu sehr.
O! schnöde Sorg und Pracht und Herrlichkeit noch mehr.

(21)
Lustdiener.

                   

Schlafen, essen, trinken, spielen, tanzen und spazieren,
Sonst um nichts, als nur um dieses, Fleiß und Sorge führen,
Die bey Hofe dieß verrichten rühmen Dienst und Treu;
Geben nicht, sie nehmen Dienste, sag ich, ohne Scheu.

(22)
Essen und Trinken.

                   

Wenn der Brauch, wie zuzutrinken, also wäre zuzuessen,
Meyn ich daß man mehrern Leichen würde müssen Särge messen.

(23)
Fremde Kleider.

                   

Fremde Kleider schimpfen uns: weil sie aber so gemein,
Jst alleine der ein Narr, ders nicht will mit andern seyn.
Frommer Sinn in fremder Tracht bringet alles wieder ein.

(24)
Gewalt.

                   

Unbedacht ist bey Gewalt: Wer Gewalt hat, scheint zu denken,
Nachwelt werd ihm aller Frech gar vergessen, oder schenken.

(25)
Einfältige Jungfrauen.

                   

Jungfern, wenn sie mannbar sind, wollen dennoch gar nicht wissen,
Was ein Mann sey für ein Ding, wie ein Mann sey zu genießen:
Weil sie aber meistens doch lieber jung' als alte nehmen,
Fehlt es nicht, sie haben Wind, was dabey sey für Bequemen.

(26)
Verdächtige Dienste.

                   

Geht Freundschaft und Gevatterschaft hinein ins Amtmanns Haus,
So nett gewiß des Herren Nutz zur Hinterthür hinaus.

(27)
Finsterniß.

                   

Die Finsterniß ist gut, weil sie viel Sünden stillet;
Die Finsterniß ist arg, weil sie viel Sünden hüllet:
Ein jedes Ding ist gut, bos ist ein jedes Ding,
Nicht an sich selbst, nach dem ein jeder es begieng.

(28)
Die Mittel zur Gesundheit.

                   

Hunger haben, müde seyn,
Würzt die Speise, schläfert ein.

(29)
Himmel und Erde.

                   

Der Mann soll seyn der Himmel, das Weib will seyn die Erde:
Daß Erde von dem Himmel umfangen immer werde,
Daß Erde von dem Himmel sich stets erwärmet wisse,
Daß Erde von dem Himmel den Einfluß stets genieße.

(30)
Auf den Piger.

                   

Jmmer ist der Tag zu lang, immer dir zu kurz die Nacht,
Piger; weil mit Nichtsthun Tag, Nacht mit Schlaf wird zugebracht.

(31)
Ein Glaube und kein Glaube.

                   

Deutschland soll von dreyen Glauben nunmehr nur behalten Einen;
Christus meynt, wenn Er wird kommen, dürft Er alsdann finden keinen.

(32)
Besonnenheit.

                   

Willst du einen Wächter haben, der vor Schaden wacht?
Nimm dir einen an zum Diener Namens Wohlbedacht.

(33)
Freundschaft.

                   

Freundschaft ist ein theurer Schatz: immer hört man von ihm sagen,
Selten rühmt sich einer recht, daß er ihn davon getragen.

-

(34)
Der Tod.

                   

Der Tod ist unser Vater, von dem uns neu empfängt
Das Erdgrab, unsre Mutter, und uns in ihr vermengt;
Wenn nun der Tag erscheinet und die bestimmte Zeit,
Gebiert uns diese Mutter zur Welt der Ewigkeit.

(35)
Ordentlicher und unordentlicher Verderb.

                   

Unordnung warf uns hin, und Ordnung läßt uns liegen:
Das Steuern thut uns dieß, und jenes that das Kriegen.

(36)
Auf den Nepos.

                   

Nepos richtet nach der Sonn allen Rath und alle That:
Wenn es früh, so wird er jung, und geht unter, wenn es spat;
Denn er denket nur auf das, was er heute darf und hat.

(37)
Auf eine wollüstige Person.

                   

Wärst du nicht ein Mensch geworden, Lieber, wozu wärst du tüchtig? —
Nur zur Sau: die lebt zum Fressen, und ist unnütz sonst und nichtig.

(38)
Hofgunst.

                   

Wer treu den Hofe dient, verdient doch lauter Haß.
Wie so? Wem man viel soll, vor diesem wird man blaß.

(39)
Leid und Freude.

                   

Jst ein Böser wo gestorben:
Traure, denn er ist verdorben.
Jst ein Frommer wo verschieden:
Freu dich! denn er ist im Frieden.

(40)
Thorheit.

                   

Unter Thieren ist kein Narr. Affen treiben Gaukeleyn;
Ader dieß ist Ernst und Art, ist nur Thorheit nach dem Schein.
Bleibt dabey, daß nur der Mensch bey Vernunft ein Thor kann seyn.

(41)
Kleider.

                   

Was ists, was uns bedeckt, und gleichwohl auch entdeckt?
Das Kleid bedeckt den Mann und weist was in ihm steckt.

(42)
Das Herz.

                   

Gott giebt uns, an Leib und Seele, so viel Schätze, so viel Gaben,
Will für Gaben, will für Schätze, bloß nur unsre Herzen haben:
Wir zwar nehmen Schätz und Gaben, lassen aber Schätz und Gaben
(Nicht der Schätz und Gaben Geber) unsre ganzen Herzen haben.

(43)
Das Kreuz.

                   

Gottes Kelch ist bitter trinken, sonderlich der letzte Grund;
Bösen ist das letzte Saufen, Frommen erster Trunk vergunnt.

(44)
Mütterliche Liebe.

                   

Die Mutter trug im Leibe das Kind drey Viertheil Jahr;
Die Mutter trug auf Armen das Kind weils schwach noch war;
Die Mutter trägt im Herzen die Kinder immerdar.

(45)
Gegenwärtige und verlorne Tugend.

                   

Tapfre Leute sieht der Neid gern begraben,
Ausgegraben, wenn sie nicht mehr zu haben.

(46)
Geld.

                   

Der Menschen Geist und Blut ist itzo Gut und Geld:
Wer dieß nicht hat, der ist ein Todter in der Welt.

(47)
Christliche Liebe.

                   

Liebe kaufte neulich Tuch, ihren Mantel zu erstrecken:
Weil sie, was durch dreyßig Jahr Krieg verübt, soll alles decken.

(48)
Hundestreue.

                   

Hunde lecken fremden Schaden: Menschen sind viel minder treu!
Jeder muß ihm selber rathen, Fremde tragen leichtlich Scheu.

(49)
Zuwachs der Diebe.

                   

Diebe, die der Krieg gesät, läßt der Friede reichlich finden,
Und der Henker mäht sie ab; wird in Hanf die Garben binden.

(50)
Auf den Nigricanus.

                   

Kein Mensch kann zweyen Herren dienen. Hiezu weiß Nigricanus Rath,
Der seinen Gott auf seiner Zunge, den Teufel in dem Herzen hat.

(51)
Hofleben.

                   

Von dem Leben an den Höfen hab ich manchmal viel gelesen: —
O das Lesen ist mir besser, als das Selber da gewesen.

(52)
Zornurtheil.

                   

Wo der Zorn der Richter ist, hat Gerechter schon verspielt:
Weil der Zorn nicht auf das Recht, sondern auf die Rache zielt.

(53)
Rathen.

                   

Wer andern Rath ertheilt giebt wider sich den Rath:
Denn Zorn erfolgt für Dank, wenn Rath gefehlet hat.

(54)
Poeten.

                   

Es helfen große Herren Poeten zwar zum Leben,
Die aber können jenen, daß sie nicht sterben, geben.

(55)
Begierden.

                   

Begierden sind ein hartes Pferd, das seinen Reiter reitet,
Wenn nicht Vernunft sein Maul versteht und recht den Zügel leitet.

(56)
Die Wahrheit.

                   

Bey Hofe sagt man nicht von Wahrheit allzuviel:
Es will nicht, wer da darf; es darf nicht, wer da will.

(57)
Wohlthat.

                   

Die Wohlthat und das Gute, das wir dem andern schenken,
Jst sattsam uns vergolten, wenn andre dran gedenken.

(58)
Verheißungen.

                   

Dein Ja soll seyn ein Pfand, bey dem sich sicher weiß,
Wer sein Vertrauen dir geliehn auf dein Verheiß.

(59)
Todesfurcht.

                   

Wer Sterben ängstlich fürchtet, der höre meinen Rath:
Er lebe wohl. Was bleibet, wovor er Grausen hat?

(60)
Reime aus dem Stegereif.

                   

Auf Einem Fuße stehn und hundert Verse schmieden,
Das hab ich nie gekonnt, und bins auch wohl zufrieden,
Daß ich es noch nicht kann. Ein Pilz wächst Eine Nacht,
Die andre fällt er hin, drum wird er schlecht geacht.
Des Bacchus süßer Saft, worauf Poeten pochen,
Muß erst durch Sonn und Zeit zahm werden und wohl kochen.
Das Wasser, das mit Macht aus allen Ritzen quillt,
Hat seinen Nutz zwar auch, nur daß es wenig gilt.

(61)
Ehre.

                   

Wenn Ehr und Eigennutz in einer Sache streiten,
So siehe daß du stehst der Ehr an ihrer Seiten.

(62)
Verleumdung.

                   

Daß ein Frommer dich geschmähet, trau nicht leichtlich auf Bericht;
Daß ein Böser dich geschmähet, wundre dich darüber nicht.

(63)
Reichthum.

                   

Viel haben nicht; nicht viel bedürfen machet reich:
Wenn ihr nicht habt, was ihr nicht dürft, was fehlet euch?

(64)
Heucheley.

                   

Die Redlichkeit ist Gold, die Heucheley ist Erde:
Zu suchen die aus der, darf Kunst und hat Beschwerde.

(65)
Bücherstube.

                   

Dieses ist ein Todtengrab, und die Todten reden gar:
Zeigen was entfernet ist, sagen was geschehen war.

(66)
Ein Rath.

                   

Kennt ein Rath nicht seinen Fürsten, und der Fürst nicht seinen Rath:
Räth sichs übel, folgt sichs übel, und der Rath kömmt nicht zur That.

(67)
Sittsamkeit.

                   

Je heller Feuer brennt, je minder Feuer raucht:
Je mehr bey einem Witz, je mehr er Glimpf gebraucht.

(68)
Ein menschlich Vieh.

                   

Mancher weiß nicht durch Vernunft rühmlich sich zu weisen;
Sucht darum durch Unvernunft sich uns anzupreisen.

(69)
Lobgeiz.

                   

Wer hungrig ist auf Lob, ist gern an Tugend leer.
Die Tugend hat genug, darf Lob nur ohngefähr.

(70)
Ein versoffen Weib.

                   

Ein Weib, das gerne trinkt, speyt unversehens aus
Jhr Ehr und gut Gerücht, und endlich Hab und Haus.

(71)
Gelehrte Leute.

                   

Die Gelehrten sind nicht gerne von den Alten und den Rothen;
Denn sie sind in allen Zeiten untermischet mit den Todten.

(72)
Auf den Niger.

                   

Niger schickte seine Ohren auf den Markt, da kauften sie
Einen Titel: Einen ärgern Schelm, als Nigern, sah man nie.

(73)
Eine schöne Frau.

                   

Meistens sind nur schöne Weiber nütze bey der Nacht;
Jhre Werte sind bey Tage Müßiggang und Pracht.

(74)
Die Kinderkrankheit, der Frosch.

                   

Udus wird gewiß den Frosch unter seiner Zunge haben,
Den er immer fort und fort muß mit etwas Nassem laben.

(75)
Auf den Magnulus.

                   

Die Fackel unsrer Zeit wird Magnulus genannt? —
O sie ist nur von Pech, und hat noch nie gebrannt.

(76)
Die Stadt.

                   

Der Sack, worein der Krieg, was er gestohlen hat,
Hat alles eingepackt, wo war er ? — Jn der Stadt.

(77)
Treue Hofdiener.

                   

Wer den Herren um hilft stoßen, dieser ist ein treuer Diener;
Wer den Herren auf hilft heben, dieser gilt nicht einen Wiener.

(78)
Auf die Vulpia.

                   

Vulpia weint um den Mann, weinet Tag und weinet Nacht;
Nur daß ihrer Seufzer Wind bald die Thränen trocken macht.

(79)
Ungeschickte Diener.

                   

Bauern, wenn die Messer fehlen, stecken Holz in ihre Scheiden:
Herren mögen dumme Köpfe gern in Ehrenämter kleiden.

(80)
Leumuth.

                   

Ehre darf nicht großen Riß, so bekömmt sie solch ein Loch,
Das man, wenn man immer stopft, nimmer kann verstopfen doch.

(81)
Ein Geiziger.

                   

Wenn ein Geiziger gestorben, hebt sein Schatz erst an zu leben:
Jeder will bey diesem Kinde willig einen Pathen geben.

(82)
Gefahr.

                   

Gefahr der Ehre gleicht:
Folgt dem, der vor ihr weicht.

(83)
Auf den Lurcus.

                   

Lurcus spricht: Es ist nicht löblich einen loben ins Gesichte.
Recht; viel minder ist es löblich, daß man einen hinten richte.

(84)
Auf den Bardus und Mopsus.

                   

Mopsus hat gar nichts verstanden, ob er gleich sehr viel gehört;
Bardus hat gar wohl studieret, dennoch ist er nicht gelehrt.

(85)
Vergebliche Sorge.

                   

Sorgen, und doch nichts ersorgen,
Heißt, was nicht zu zahlen, borgen.

(86)
Auf den Duplus.

                   

Duplus ist ein Spiegelmann: was man sieht das hat kein Seyn,
Sieht zwar wie ein Biedermann, aber hat nur bloß den Schein.

(87)
Alexander der Große.

                   

Den Alexander hieß man groß?
Er war ein großer — Erdenkloß.

(88)
Auf den Tetrus.

                   

Du bist ein feines Kind, hängst an Erynnis Brust;
Des Neides blaue Milch ist, Tetrus, deine Lust.

(89)
Freundeshülfe.

                   

Danke Gott, wer Hände hat, daß er selbst sich kann versorgen.
Der, der selbst nicht Hände hat, kann sie wahrlich nirgends borgen.

(90)
Sterben.

                   

Ob Sterben grausam ist, so bild ich mir doch ein,
Daß lieblichers nichts ist, als das Gestorben seyn.

(91)
Geiz.

                   

Wer Gold, ihm nicht zum Brauch, der Welt zum Dienste, nützet,
Hat das, was der hat, der im Stollen Gold besitzet.

(92)
Undank.

                   

Dem, der Haß und Undank leidet, einem solchen trau ich zu,
Daß er redlich sich verhalte und mit Treu das Seine thu.

(93)
Fürstliche Kleidung. Hiob XXVIII, 14.

                   

Gerechtigkeit, das Kleid, und Recht, den Fürstenhut,
Wer diese beide trägt, derselbe Fürst steht gut.

(94)
Menschliche Unvollkommenheit.

                   

Daß wir unvollkommen sind wenn wir dieß erkennen,
Kann man dieß Erkenntnis schon eine Beßrung nennen.

(95)
Einfältiges Gebet.

                   

Die Einfalt im Gebet ist großer Witz vor Gott;
Genug wer ihm vertraut und nennet bloß die Noth.

(96)
Eingeborne Diener.

                   

Wahr ists, daß von fremden Bäumen man doch Früchte haben kann:
Wer die Früchte samt den Bäumen eigen hat, ist besser dran.

(97)
Die Gelegenheit.

                   

Der Will ist zwar ein Reisemann, der da und dort hin will:
Spannt ihm Gelegenheit nicht vor, so kömmt er nicht ans Ziel.

(98)
Leichtgläubigkeit.

                   

Wer gar nichts glaubt, glaubt allzuwenig; wer alles glaubt, glaubt gar zu viel;
Behutsamkeit hilft allen Dingen: im Mittel ist das beste Ziel.

(99)
Salz und Kreuz.

                   

Das Kreuz und auch das Salz sind beide gleich und gut:
Des faule Fleisch dämpft dieß, und das den wilden Muth.

(100)
Auf den Morus.

                   

Morus ist zwar wohl kein Narr, nur daß Manchem Wunder nahm,
Daß er alles stieß heraus, was ihm in die Backen kam.

(101)
Zustand.

                   

Beßres Glücke könnt ich leiden; kömmt es nicht? ich bin vergnügt;
Wenn sichs nur mit mir nicht ärger, als ich itzt es habe, fügt.

(102)
Auf den Leporinus.

                   

Leporinus jagt mit Hunden, Vetter Hasen nachzusetzen:
Kennten ihn die Hunde besser, würden sie ihn selber hetzen.

(103)
Auf den Flavian.

                   

Ein Spiegel ist dein Herz, du guter Flavian:
Es nimmt die Bildungen von jeder Schönheit an.

(104)
Auf den Firmus.

                   

Firmus ist ein treuer Buhler, ist wie die Magneten,
Die sich nie von einem Sterne zu dem andern drehten.

(105)
Eine reiche Alte.

                   

Reich und häßlich liebt man halb: —
Jst Aarons goldnes Kalb.

(106)
Auf den Siccus.

                   

Siccus ist ein frommer Mann; und es ist die Sage,
Daß er (wenn er nichts mehr hat) faste manche Tage.

(107)
Auf den Narribertus.

                   

Gut macht Muth. Wenn Narribertus nur zwey Thaler bey sich hat
Weiß er durch das Thor zu gehen keinen Raum und keinen Rath.

(108)
Ein ungesalzen Gastgebot.

                   

Kein Wunder ists, daß sich daselbst ein Ekel findt,
Wo Wirth, wo Kost, wo Gast nicht recht gesalzen sind.

(109)
Waschhaft.

                   

Ein Plaudrer stiftet Haß, pflegt Freundschaft zu verstören.
Wer nichts verschweigen kann, soll billig auch nichts hören.

(110)
Ein Mensch des andern Wolf.

                   

Meine Dienste: sagt die Welt. — Deine Dienste sind so gut,
Liebe Welt, als wie der Dienst, den der Wolf den Lämmern thut.

(111)
Leib und Seele.

                   

Jst die Seele Wirth, und der Leib ihr Haus:
Wie daß dieses denn jenen oft jagt aus?

(112)
Ein geschminkter Freund.

                   

Ptochus rufet seinen Freund in der Noth um Beyschub an:
Dieser schickt ihm Hülfe zu, spannet aber Krebse dran.

(113)
Trunkenbolde.

                   

Die, die immergerne trinken, müssen nicht sehr weit gedenken:
Wenn sie jetzt getrunken haben, soll man ihnen wieder schenken.

(114)
Auf den Knospus.

                   

Knospus hat zwey tausend Gulden auf sein Lernen angewandt.
Wer dafür ihm funfzehn zahlet, zahlet mit gar reicher Hand.

(115)
Soldaten.

                   

Brod und Wasser giebt man Sündern, die am Galgen sollen büßen:
Waren Krieger denn noch ärger? denn sie mußten es oft missen.

(116)
Ein Freund.

                   

Weißt du, wer ein guter Freund wirklich ist und billig heißt? —
Der sich, wenn du ihn nicht siehst, deinem Namen Freund erweist.

(117)
Ein ausgeklärtes Gemüth.

                   

Besser als durch Aderlassen reiniget man sein Geblüte,
Wenn man schwere Sorgen meidet und sich freuet im Gemüthe.

(118)
Rathschläge.

                   

Dieses ist der beste Rath, den man kann zu Werke setzen:
Weisheit, die nicht wirken kann, ist für Thorheit nur zu schätzen.

(119)
Gerechtigkeit.

                   

Das Recht schleußt für die Armen sich in ein eisern Thor:
Schlag an mit goldnem Hammer, so kömmst du hurtig vor.

(120)
Die Wahrheit.

                   

Weil die Wahrheit harte klingt und zu reden schwer kömmt an,
Schont sie mancher, der sich fürchtet, sie verletz' ihm einen Zahn.

(121)
Frauenzimmer.

                   

Wer will der Weiber Tück erkunden und entdecken?
Sie sind geschmückt so schön! gehn in so langen Röcken!

(122)
Auf den Vanus, der mit großer Mühe nichts that.

                   

Herr Vanus ist ein Mann der nimmermehr kann ruhn:
Er müht sich, daß er schwitzt im leeren Garnichtsthun.

(123)
Das Urtheil des Paris.

                   

Daß Paris nicht recht klug im Urtheln sey gewesen,
Meynt jeder, der von ihm gehöret und gelesen:
Mich dünket immer noch, ihm fiele mancher bey,
Stünd ihm nur Helena dafür, wie jenem, frey.

(124)
Menschen sind Menschen.

                   

Trägt der Diener Menschenhaut, trägt der Herr ein Menschenhemde:
Herren ist das Fehlen auch, wie den Dienern, selten fremde.

(125)
Wollust und Schmerz.

                   

Das Letzte von der Hitze giebt Anfang auf den Frost,
Den Anfang auf das Trauern das Letzte von der Lust.

(126)
Ansehen.

                   

Das Ansehn wird erhalten, wenn jeder sich erweist
So wie sein Stand es fodert, und ihm sein Amt es heißt.
Wenn Kaufleut Edelleute und Pfaffen Krieger spielen,
Wird Ansehn keinem kennen, weil sie den Zweck verzielen.

(127)
Weiber sind Menschen.

                   

Ob Weiber Menschen sind? — Sie haben ja Vernunft,
Sie lieben fort und fort; denn wilder Thiere Zunft
Hegt nur zu mancher Zeit der süßen Liebe Brunft.

(128)
Hofwitz.

                   

Wer nicht bey den schlauen Höfen jedem Kopfe weiß zu kommen,
Der hat selber nicht nach Hofe was von Kopfe mitgenommen.
Wer da bey den schlauen Höfen jedem Kopfe weiß zu kommen,
Der hat nur den Kopf nach Hofe, das Gewissen nicht, genommen.

(129)
Das fromme Alter.

                   

Wenn die Wollust uns verläßt, dann kömmt uns die Andacht an:
Himmel hat den alten nur, Welt hat vor den jungen Mann.

(130)
Reformation.

                   

Jmmer dünkt mich, wer nichts hat, der mag glauben was er will;
Denn um seine Seligkeit müht sich keiner leichtlich viel.

(131)
Das neue Jahr.

                   

Ob das Jahr gleich alle Jahr sich gewohnt ist zu verjüngen,
Dennoch kann der Jahre Jugend Menschen nichts als Alter bringen.

(132)
Merkzeichen des Gemüths.

                   

Was an dem Manne sey, weist seiner Augen Schein,
Sein Amt, ein Beutel Geld, und dann ein Becher Wein.

(133)
Von meinen Reimen.

                   

Wo ich Reime schreiben soll die gefällig allen bleiben,
Leg ich meine Feder weg und begehre nichts zu schreiben.

*


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