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Sinngedichte.

Viertes Buch.

(1)
Reimdichterey.

                   

Wenn ich Reime wo geschrieben,
Schrieb ich mir sie, mich zu üben.
Wenn sie andern wo belieben,
Sind die andern auch geschrieben.

(2)
Auf die Plausilla.

                   

Plausilla trägt sich hoch, dieweil sie etwas schön.
Wie würde sie so hoch, wär sie nur ehrlich, gehn!

(3)
Auf den Klepax.

                   

Klepax legt sich nie ungestohlen nieder;
Was er Reichen stiehlt, giebt er Armen wieder.
Gott wird reichen Lohn ihm hingegen geben,
Daß er hoch erhöht wird in Ketten schweben.

(4)
Gezwungene Soldaten.

                   

Wer seufzend zeucht in Krieg, ist kein gar gut Soldat:
Was dünkt dich nun von dem, den man gezwungen hat?

(5)
Auf die Corinna.

                   

Corinna hat den Mann zwey Jahr lang nicht gesehen;
Und brachte doch ein Kind? — Durch Wechsel ists geschehen.

(6)
Trinkkunst.

                   

Wer einen guten Trunk vermag, hat der denn einen Ruhm?
Ja, wenn er trinkt, daß doch Vernunft behält das Meisterthum.
Bey Hofe nützt ein solcher Kopf, der also trinken kann,
Daß er entdeckt, sich selbsten nicht, vielmehr den fremden Mann.

(7)
Die Welt und der Kasten Noah.

                   

Des Noah Wunderschiff' ist ähnlich unsre Welt,
Weil sie mehr wilde Thier als Menschen in sich hält.

(8)
Jungfernthränen.

                   

Ein Wasser ist mir kund, das den, der drein nur blickt,
Mehr als der stärkste Wein in Unvernunft verzückt:
Der Liebsten Thränen sind, die oft den klügsten Mann
Bethören, daß er Schwarz von Weiß nicht sondern kann.

(9)
Hofhunde.

                   

Heuchler und Hunde belecken die Teller;
Jene sind Schmeichler und diese sind Beller;
Diese bewahren, bey denen sie zehren;
Jene verzehren die, welche sie nähren.

(10)
Das Schwerdt.

                   

Ohn Ursach sollen wir nie zucken unsern Degen,
Ohn Ehre sollen wir ihn drauf nie niederlegen.

(11)
Auf den Scävus.

                   

Scävus wird mit Ewigkeit immer in die Wette leben:
Tugend wird das Alter nicht, Bosheit wird ihm solches geben.

(12)
Rechtserlernung.

                   

Wenn einer will das Recht studiren,
Muß er fünf Jahre dran verlieren:
Das Recht, das Krieg itzt eingeführet,
Wird in fünf Tagen ausstudiret.

(13)
Auf einen Hörnerträger.

                   

Der Lieb ist nichts zu schwer, pflegt Corniger zu sagen:
Drum ist ihm auch nicht schwer aus Liebe Hörner tragen.

(14)
Der Mann des Weibes Haupt.

                   

Der Mann ist seines Weibes Haupt.
Wer weiß ob Virna solches glaubt?
Sie spricht: Was solln zwei Häupter mir?
Jch wär ja sonst ein Wunderthier.

(15)
Degen und Schild.

                   

Welch Waffen hat mehr Nutz, der Degen oder Schild? —
Frag erst, ob Schützen mehr, ob mehr Verletzen gilt? —
Verletzen dämpft den Feind, und Schützen sichert mich. —
Jst Feind gedämpft, wer ist dann sicherer als ich?

(16)
Die Worte gelten, wie Geld.

                   

Worte gelten in der Welt
Viel und wenig, wie das Geld:
Was vor Zeiten schelmisch hieß,
Heißet ehrlich, bringt Genieß.

(17)
Auf die Flora.

                   

Flora wünschet, daß ihr Mann sich mit einer andern paare.
Dieses thut nicht jedes Weib. — Stille nur! sie meynt die Baare.

(18)
Gesundheit.

                   

Wer am Leibe von Gebrechen, im Gemüth von Lüsten frey,
Dieser kann sich billig rühmen, daß er ein Gesunder sey

(19)
Keuschheit.

                   

Keuschheit ist ein Balsam, Weiber sind ein Glas:
Jener ist sehr köstlich, gar gebrechlich das.

(20)
Von dem Gilvus.

                   

Albinus saß voll Muth mit Singen und mit Lachen;
Da Gilvus dieses sah, sprach er: du hast gut machen,
Du nimmst das dritte Weib; die erste die mir lebt,
Die hat auch noch nicht Lust, daß man sie mir begräbt.

(21)
Gewissenhafter Krieg.

                   

Mars ist ein Gewissensmann,
Nimmt sich sehr der Menschheit an:
schlägt er Menschen häufig nieder,
Zeugt er Menschen häufig wieder.

(22)
Auf den Furvus.

                   

Furvus denkt sich groß zu bauen; legt den Grund von solchen Stücken,
Die er andern durch Verleumden weggezogen hinterm Rücken.

(23)
Einfalt und List.

                   

Da Lamm und Fuchs nach Hofe kam,
Geschah es, daß man beide nahm;
Den Fuchs, der nachmals oben saß,
Das Lamm, davon ein jeder fraß.

(24)
Fröhlicher Tod.

                   

Es ist ein fröhlich Ding um aller Menschen Sterben:
Es freuen sich darauf die gerne reichen Erben,
Die Priester freuen sich, das Opfer zu genießen,
Die Würmer freuen sich an einem guten Bissen,
Die Engel freuen sich, die Seelen heimzuführen,
Der Teufel freuet sich, im Fall sie ihm gebühren.

(25)
Vom Morus.

                   

Morus war in hohen Ehren, wagte was er hatt' auf Ehr.
Als er alles nun verprachtet, als er nichts sonst hatte mehr,
Wollt' er Ehre selbst verpfänden: hatte nirgend kein Gehör.

(26)
Auf den Quadruncus.

                   

Quadruncus sticht sehr oft gelehrte Männer an.
Schon hieraus hör ich es, daß er gewiß nichts kann.

(27)
Würde.

                   

Der centnerschweren Bürde
Von Hoheit und von Würde
Wird ämsig nachgetrachtet.
Die Last wird nicht geachtet. —
O! drunter nicht zu schwitzen,
Nur weich darauf zu sitzen,
Zu sorgen nicht, zu prangen,
Darauf ists angefangen!

(28)
Auf die Prisca.

                   

Prisca pflegt, nach alter Art, stillen Mundes stets zu seyn,
Saget nur: ich weis es nicht; saget: ja, und saget: nein.
Weißt du, was dahinter stecket? Weil sie zu verhandeln stehet,
Fürchtet sie, daß nicht dem Kleeblatt ihrer Zähn ein Blatt entgehet.

(29)
Auf den Grittus.

                   

Grittus sollte Hochzeit machen, und es kam was anders drein;
Denn er lud ihm unversehens, rathet was? — Gevattern ein.

(30)
Wer auf viel zu sehen, kanns leicht versehen.

                   

Portia giebt Antwort drum,
Daß sie aus dem Mann nichts macht:
»Geht man erst mit vielen um,
»Giebt man nicht auf Eines Acht.

(31)
Täglicher Tod.

                   

Weil ihr Priester, daß man täglich sterben solle, Lehren gebet,
Sterb ich täglich, sagte Mopsus, alldieweil mein Weib mir lebet.

(32)
Die Pasiphae.

                   

Freundinn des Ochsen, Pasiphae, höre,
Wie man dir böslich stahl weiland die Ehre!
Ueblich ists heute noch: artige Kinder
Wählen zu Männern, bald Esel, bald Rinder.

(33)
Ein unbescheidnes Weib.

                   

Jn des Unglücks Rock hat sich der gekleidet,
Der ihm nahm ein Weib, das Vernunft nicht leidet.

(34)
Jungferschaft.

                   

Jungferschaft die ist ein Garten, Jungfern sind die Blumen drinnen;
Manche giebt für Bienen Honig, manche giebet Gift für Spinnen.

(35)
Auf den Udus.

                   

Als Udus Morgens früh wollt' aus nach Weine gehen,
Da fand er diesen Spruch an seiner Thüre stehen:
Es steht dieß Haus in Gottes Hand,
Versoffen ists und nicht verbrannt.

(36)
Die schamhaftige Zeit.

                   

Sie sey sonst wie sie will die Zeit,
So liebt sie doch Verschämlichkeit:
Sie kann die Wahrheit nackt nicht leiden,
Drum ist sie ämsig, sie zu kleiden.

(37)
Auf den Brennus.

                   

Brennus dienet seinem Herrn, hat ihm selbsten zu befehlen;
Und man will ihm seinen Herrn dennoch zu den Narren zählen.

(38)
Weiberhüter.

                   

Ohne Noth wird die bewacht,
Die auf Unzucht nie gedacht.
Nur vergebens wird bewacht,
Die auf Unzucht hat gedacht.

(39)
Aerzte und Poeten.

                   

Dich, Apollo, ruft der Arzt, dich, Apollo, ruft der Dichter;
Wem du vor erscheinen sollst, darf es einen rechten Richter. —
O der Arzt ist auch ein Dichter, macht die Krankheit oftmals arg,
Daß der Kranke, der genesen, sey zum Schenken minder karg.
Was er gröblich oft versah, that allein der Krankheit Stärke,
Wo er aber gar nichts half, that er wahre Wunderwerke.
Hat, Apollo, dieser Dichter dich gerufen, komme bald.
Jener hat nichts zu versäumen, Krankheit aber braucht Gewalt.

(40)
Auf den Varill.

                   

Jn Klugheit ist er Narr, in Narrheit ist er klug:
Ein Kluger und ein Narr hat am Varill genug.

(41)
Die Lügen.

                   

Daß mehr als Hurerey
Das Lügen Sünde sey,
Jst wahr; denn dieses fuhr
Stets wider die Natur,
Und das pflegt insgemein
Naturgemäß zu seyn.

(42)
Verständiger Krieg.

                   

Um klug und wirthlich Volk scheint Mars sich zu bemühen:
Er wirbt die Jungen itzt in Schulen und bey Kühen.

(43)
Auf den Brutus.

                   

Brutus zog mit vollem Beutel, daß er Wissenschaften lerne;
Kam auch wieder; und was wußt er? — daß sein Geld blieb in der Ferne.

(44)
Verleumder.

                   

Die Mücken singen erst, bevor sie einen stechen;
Verleumder lästern drauf, indem sie lieblich sprechen.

(45)
Auf die männliche Virosa.

                   

Wie daß Virosa denn noch keinen haben kann? —
Ein Mann bedarf ein Weib; ein Mann darf keinen Mann.

(46)
Achtmonathliche Geburt.

                   

Jm achten Monden bracht ein Kind Sirona; und die Leute zählen?
Weil Buch sie selbst gehalten hat, so frag auch sie; ihr wird nichts fehlen.

(47)
Auf den Trullus.

                   

Trullus zeucht sich aus dem Kriege, will nicht länger Wache stehn;
Nimmt ein Weib; wird, will ich glauben, Wachestehen nicht entgehn.

(48)
Auf den Picus.

                   

Picus nahm die dritte Frau, immer eine von den Alten:
Wollte, meyn ich, ein Spital, schwerlich einen Ehstand halten.

(49)
Auf den Futlus.

                   

Futlus soll mit seinem Feinde, wie man sagt, den Degen messen;
Spricht, er hätte diese Kunst vor gelernt und itzt vergessen.

(50)
Ein Trost.

                   

Eine Fürstinn starbe noch in bester Jugend,
War am Stande Fürstinn, Fürstinn auch an Tugend.
Jeder der sie kannte, obs gleich nichts gegolten,
Hat des Todes Raubsucht dennoch sehr gescholten.
Einer klagte weinend, daß er fast zerflosse:
Ach sie ist gefallen, Babylon, die große!

(51)
Ein Rath wie der Feind zu schlagen.

                   

Wien hat den Feind aufs Haupt geschlagen;
Doch Fuß hat Haupt hinweg getragen:
Man schlag ihn, rath ich, auf den Fuß,
Damit er liegen bleiben muß.

(52)
Auf den Vanus.

                   

Vanus wird zu schön gestraft, der es doch zu grob verschuldet:
Seine Straf ist eine Frau, zwar voll Runzeln, doch verguldet.

(53)
Des Bardus Traum.

                   

Bardus träumt, er wär ein Pfarr,
Wachend war er sonst ein Narr;
Ob ihm träumt, er wär ein Narr,
Würd er wachend doch kein Pfarr.

(54)
Auf die Casca.

                   

Casca ist so teuflisch bös', und ihr Mann spricht doch: mein Schatz?
Wisse nur, der Teufel hat gern bey alten Schätzen Platz.

(55)
Hans und Grete.

                   

Hansen dienet keine Magd,
Außer seiner alten Greten;
Weil es keine mit ihm wagt,
Die sich scheut vor Kindesnöthen.

(56)
An das Frauenvolk.

                   

Lieben Weiber, laßt mir zu, daß ich sag, ihr seid wie Nüsse;
Diesen ist in zarte Haut eingehüllt des Kernes Süße,
Drauf folgt ein gar harter Schild, und zuletzt die bittre Schal;
So seid ihr, ihr Weiber, auch meistens, doch nicht allzumal:
Weil ihr Jungfern seid und bleibt, seid ihr gar von linden Sitten,
Wenn ihr Weiber worden seid, muß man schlagen oder bitten,
Daß die Herrschaft Männern bleibt; wenn sich Schmutz und Alter weist,
O wie bitter wird es dem, der mit euch sich schwärzt und beißt.

(57)
Die Thais.

                   

Thais sagt, daß ihres Liebsten Bildniß sie im Herzen trage;
Unterm Herzen, will ich glauben; denn so sagt gemeine Sage.

(58)
Weiberschmuck.

                   

Der Schmuck der zarten Frauen steht nicht im Haare flechten.
Drum lassen sie sie fliegen zur linken und zur rechten.

(59)
Auf den Porus.

                   

Porus setzt für gute Freunde mancherley Gesundheit ein,
Bald in Biere, bald in Weine, bald in starkem Branntewein.
Als er seine nun verloren, fiel er in die tiefsten Sorgen;
Keiner wollt ihm eine schenken, noch verkaufen, noch auch borgen.

(60)
Auf Simpeln.

                   

Simpel ist des Weibes Weib,
Sie ist ihres Mannes Mann:
Zweifelt nun wohl jemand dran,
Daß zwey machen Einen Leib?

(61)
Hofleute.

                   

Der zu Hause sog die Klauen, will bey Hofe weidlich prassen;
Die noch wieder hungern werden, muß man sich nur füllen lassen.

(62)
Franzosenfolge.

                   

Narrenkappen samt den Schellen, wenn ich ein Franzose wär,
Wollt ich tragen; denn die Deutschen giengen stracks wie ich einher.

(63)
Die tapfere Wahrheit.

                   

Ein tapfrer Heldenmuth ist besser nicht zu kennen,
Als wenn man sich nicht scheut, schwarz schwarz, weiß weiß zu nennen,
Und keinen Umschweif braucht und keinen Mantel nimmt,
Und allem gegengeht, was nicht mit Wahrheit stimmt.

(64)
Hofdiener.

                   

Des Fürsten Diener sind also, wie sie der Herr will haben.
Sie arten sich nach seiner Art, sind Affen seiner Gaben.

(65)
Von dem Pravus.

                   

Es schrieb ihm Pravus an sein Haus:
Hier geh nichts Böses ein und aus.
Jch weiß nicht, soll sein Wunsch bestehn,
Wo Pravus aus und ein wird gehn?

(66)
Auf den Spurcus.

                   

Spurcus schenket guten Freunden; merkts ihr Freunde! wie ein Schwein,
Dem man giebt um Speckes willen, sollt ihr wieder nutzbar seyn!

(67)
Auf den Gurges.

                   

Gurges, dein beweglich Gut sah man längst sich wegbewegen;
Was noch unbeweglich war, wird sich ehstens gleichfalls regen.
Dieses macht der starke Wein, dessen Geist sich drinn befindet,
Daß sich alles so bewegt, regt, und endlich gar verschwindet.

(68)
Auf den Lügner Lullus.

                   

Wie gut wär Lullus doch zu einem Brillenglas!
Er macht das Kleine groß, aus Nichtes macht er Was.

(69)
Unverhofft, kömmt oft.

                   

Es kömmt oft über Nacht was sonst kaum kam aufs Jahr;
Es brachte heut ein Kind, die gestern Braut noch war.

(70)
Auf den Thraso.

                   

Thraso denkt, die Welt erschalle weit und breit von seinen Thaten,
Da sie hier doch keinem kundig. Soll ich helfen? soll ich rathen?
Tapfrer Thraso, geh zur Oder, schreib darein dein Thun und Wesen,
Dann wird man in wenig Tagen solches in der Ostsee lesen.

(71)
Auf den Technicus.

                   

Technicus kann alle Sachen
Andre lehren, selber machen:
Reiten kann er, fechten, tanzen;
Bauen kann er Stadt und Schanzen;
Stadt und Land kann er regieren;
Recht und Sachen kann er führen;
Alle Krankheit kann er brechen;
Schön und zierlich kann er sprechen;
Alle Sterne kann er nennen;
Brauen kann er, backen, brennen;
Pflanzen kann er, säen, pflügen,
Und zuletzt — erschrecklich lügen.

(72)
Auf den Filz.

                   

Hast du einen Rausch gehabt? Geh zu Filzen nur zu Gaste;
Denn auf einen starken Rausch nützet eine strenge Faste.

.

(73)
Auf den Cornulus.

                   

Mit zweyen Weibern hat sich Cornulus vermählet.
Die eine tröstet ihn, wenn ihn die andre quälet;
Die ein' erweist ihm Haß, die andre Lieb und Huld;
Die erste nenn ich nicht, die andre heißt Geduld.

(74)
Von dem Stella.

                   

Stella ist ein Handelsmann; Glücke lacht ihm ohne Wanken,
Kein Verlust betrifft ihn je; denn er handelt — in Gedanken.

(75)
Auf den Prädo.

                   

Prädo läßt sich lieber henken,
Eh er will an Wirthschaft denken;
Weil ihm dort ein Stündlein schwer,
Hier, das ganze Leben wär.

(76)
Auf den Fömininus.

                   

Aller Unfall, der da kömmt, bringt den Föminin zum Weinen;
Dieses macht, daß man ihn hält nur für Eine, nicht für Einen.

(77)
Festemacher.

                   

Waffenweich und ehrenfeste
War im Kriege vor das Beste;
Ehrenweich und waffenfeste
Jst im Kriege jetzt das Beste.

(78)
Die Verwüstung Trojens.

                   

Eine Stutt und Hengst haben Troja umgekehrt:
Nehmlich Helena, und der Griechen hölzern Pferd.

(79)
Auf den Phorbas.

                   

Phorbas gieng zu seinem Lieb. Als er kam zu deren Thür,
zittert er als wie ein Laub, wußte gleichwohl nicht wofür;
Hielt sich sonst für einen Mann; bis er, als er dachte nach:
»Ey mein Herze gab ich ihr, und sie gab mir ihres,« sprach.

(80)
Nisus und Nisa.

                   

Nisus buhlte stark um Nisa: Dieses gab ihr viel Beschwerden;
Wollt' ihn nicht; sie freyt ihn aber, seiner dadurch los zu werden.

(81)
Auf den Crispus.

                   

Da Crispus annoch unbekannt, hielt man ihn böse nicht, noch gut;
Nun er bekannt, weiß jedermann, den Schelm bedeckt der breite Hut.

(82)
Erbschaft.

                   

Vor, wenn naher Freund gestorben,
Erbten wir was er erworben.
Wer da wolle sterbe heuer,
Man erbt nichts, als seine Steuer.

(83)
Ein vernünftig Weib.

                   

Wer nach einem Engel freyt, trifft oft einen Teufel an.
Alles trifft, wer nur Vernunft an der Seite haben kann;
Denn Vernunft schmückt trefflich schön, denn Vernunft macht alles gut;
Und ein Engel wird das Weib, wenn sie wie ein Engel thut.

(84)
Auf den Veit.

                   

Jung, war Veit ein Biedermann; alt, ist Veit in Schelmenorden.
Wie des Lebens, so der Ehr ist er überdrüßig worden.

(85)
Gerüchte.

                   

Man saget selten was, es ist doch etwas dran;
An dem ist aber nichts, daß Mops ein ehrlich Mann.

(86)
Auf den Curiosus.

                   

Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat zu leben;
Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat zu geben;
Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer führt für Lehre;
Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat für Ehre.
Curiosus grämt sich nicht, hat nicht wohl das Brodt zu leben;
Curiosus grämt sich nicht, hat viel Schuld, und nichts zu geben;
Curiosus grämt sich nicht, glaubt von Gott gar keiner Lehre:
Curiosus grämt sich nicht, hat viel Schmach und wenig Ehre.
Eignen Kummer schickt er fort, kann ihn nicht im Hause leiden;
Fremden Kummer hält er an, kann ihn keine Stunde meiden.

(87)
Auf den Gulo.

                   

Gulo hat Gedärm im Kopf und Gehirn im Bauche;
Denn zu sorgen für den Bauch hat er stets im Brauche.

(88)
Auf die Rubida.

                   

Rubida ist voller Scham, niemand wird sie barfuß finden;
Doch der Mode kömmt es zu, daß die Brust ist ohne Binden.

(89)
Mars ein Roßtäuscher.

                   

Kömmt etwa Mars ein Pferd zu kaufen,
So fragt er bald: kanns auch wohl laufen? —
Will Mars ein Wetterennen wagen; —
Nein, nach sich her die Feinde jagen.

(90)
Auf den Glicus.

                   

Glicus möchte gerne wissen, ob sein Weib ihm treu;
Solches aber zu erfahren trägt er gleichwohl Scheu.

(91)
Auf den Koridon.

                   

Koridon war der Betrübtste
Unter allen Bauerknechten;
Denn der Teufel holt das Liebste,
Sprach er: Nisa starb mir nächten.

(92)
Auf den Jgnavus.

                   

Jgnavus ist ein wirthlich Mann, er sieht der Arbeit fleißig zu:
Und wenn er hiervon müde wird, so braucht er gerne seine Ruh.

(93)
Scherz und Schimpf.

                   

Flut, die nicht ersäuft, nur badet;
Schimpf und Scherz, der keinem schadet;
Glut, die wärmt, und nicht verbrennet;
Zucht, die rühret, und nicht nennet;
Wer nicht diese mag erdulden,
Sieht Verdacht von sondern Schulden.

(94)
Menschliche Erfindungen.

                   

Sehr selten wird gesagt, was vor nicht auch gesagt.
Man sagt, wie vor, auch noch: Veit schläft bey seiner Magd.

(95)
Das Jahr.

                   

Das Jahr ist wie ein schwangres Weib, gebieret uns viel Tage,
Zwar Männlein, doch der Weiblein mehr; zwar Freude, doch mehr Plage.

(96)
Zeitlich Gut.

                   

Was ist doch Ehre, Macht, Pracht, Schönheit, Lust und Geld?
Ein gläsernes Gepräng und Dockenwerk der Welt.

(97)
Richter.

                   

Jeder Richter heißt gerecht, und auch ungerecht hinwieder:
Dem gerecht, der obgesiegt, ungerecht dem, der lieget nieder.

(98)
Frühling und Herbst.

                   

Der Frühling ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wär,
Wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer.

(99)
Faulheit.

                   

Ein Ballon fleucht ungeschlagen nimmer, ob er gleich voll Wind:
Manche sind zu faul zu Ehren, ob sie gleich begabet sind.

(100)
Auf den Oscus.

                   

Oscus ist an Gelde reich, darf um gar nichts sorgen;
Außer wo er guten Rath und Verstand soll borgen.

(101)
Vom Mißbrauch der Singekunst.

                   

Was denkst du, lieber Gott? wenn itzo deine Christen
Jn deinem Hause dir nach ihres Ohren Lüsten
Bestellen Sang und Klang? Die krause Melodey
Wird angestimmt zum Tanz, zur süßen Buhlerey.
Der Andacht acht man nicht. Der geilen Brunst Gefieder
Erwächst, und steigt empor durch unsre frechen Lieder.
Der stille Geist ersitzt; wir hören viel Geschrey,
Die Einfalt weiß nicht recht, obs süß, obs sauer sey:
obs Thier, obs Menschen sind, die ohne Sinn so klingen;
Ob einer seufzen soll, ob einer so soll springen.
Man wiehert den Diskant, man brüllet den Tenor,
Man billt den Contrapunkt, man heult den Alt hervor,
Man brummt den tiefen Baß; und soll es lieblich klingen,
So klingt es ohne Wort, wird keine Meynung bringen.
Man weiß nicht ob es Dank, man weiß nicht ob es Preis,
Man weiß nicht ob's Gebet, und was es sonsten heiß;
Was denkst du, lieber Gott? wenn wir so sehr uns regen,
Und sagen doch gar kaum was uns ist angelegen?
Wir höhnen dich ja nur, wenn wir so zu dir schreyn,
Und was es sey, doch nicht verstanden wollen seyn.

(102)
Auf die Glissa.

                   

Glissa lieset gern in Büchern; Arnd, ihr liegt dein Paradies
Stets zur Hund, doch vor den Augen deine Bibel, Amadis.

(103)
Kostenordnung.

                   

Die Satzung, nach Gebühr zu zehren,
Kann itzo keinen mehr beschweren:
Man hört nicht, daß der viel verthat,
Dem man benimmt, was er nur hat.

(104)
Auf den Rappinus.

                   

Rappinus schenkt dem Herrn was er ihm vor entwandt,
Er nimmt es mit der linken, giebts mit der rechten Hand;
Drum wird er treuer Diener, nicht schlimmer Dieb genannt.

(105)
Auf den Coquinus.

                   

Freunde, nicht von gutem Sinn, Freunde nur von gutem Magen
Braucht Coquinus; denn er weiß weiter nichts als aufzutragen.

(106)
Soldatenwunsch.

                   

Die Krieger rufen, sie zu holen, den Teufel fleissig an:
Es fehlen ihnen Pferd' und Ochsen, sie brauchen Vorgespann.

(107)
Von meinen Reimen.

                   

Hat jemanden wo mein Reim innerlich getroffen,
Daß er zürnt und grimmig ist: ey so will ich hoffen,
Er wird sich, und nimmer mich, schelten für Verräther;
Weil er selbsten Kläger ist, wie er selbsten Thäter.

*


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