Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Sinngedichte.

Sechstes Buch.

(1)
Kurzweilen.

                   

Andre moegen Glaeser stürzen; andre mögen Hund' anbeten;
Andre mögen näschig geilen, da bey Grethen, dort bey Käthen;
Mögen Glück auf Blätter bauen, mögen stündlich Kleider wandeln,
Mögen bey der Sonnenthüre Stein, Bein, Glas und Fäden handeln,
Mögen sich leibeigen geben ihrer Lüste tollen Grillen:
Meine Lust soll immer bleiben mich mit Dichterey zu stillen.

(2)
Jahreszeiten.

                   

Jm Lenzen prangt die Welt mit zarter Jungferschaft;
Jm Sommer ist sie Frau, mit Schwangerseyn verhaft;
Wird Mutter in dem Herbst, giebt reiche Frucht heraus;
Jst gute Wirthinn, hält, im Winter, sparsam Haus.

(3)
Von der Phyllis.

                   

Eines Morgens schaut ich gehen
Phyllis vor den Rosenstrauch,
Da sie, nach gewohntem Brauch,
Seine Zierden sahe stehen.
Damals konnt ich nicht vergleichen
Welches unter ihnen wohl,
Weil sie beid' an Schönheit voll,
Von dem Siege sollte weichen.
Ob die Phyllis angenommen
Von den Rosen ihre Zier,
Oder ob vielleicht von ihr
Solche solchen Schein bekommen,
War gar übel zu entscheiden;
Denn ich hatt in ihren Glanz
Mich vertiefet gar und ganz,
Mußte nur die Augen weiden.
Endlich hab ich doch erfahren,
Als der Sonne goldnes Rad
Traf den letzten Tagesgrad,
Daß die Rosen Diebe waren.
Weil sie Phyllis wollen gleichen,
Und mit ihrer Wangen Schein
Ganz von Einer Farbe seyn,
Mußten sie gar bald verbleichen.

(4)
Ein Brief.

                   

Dein Brief begrüßte mich, mein Brief begrüßt dich wieder.
Nun wissen wir, von uns liegt keiner todt danieder.

(5)
Ein junges Mädchen und ein alter Greis.

                   

Ein guter Morgen ward gebracht in einer guten Nacht,
Die aber keine gute Nacht hat gutem Morgen bracht.

(6)
An eine fürstliche Person.

                   

Fürstinn! Jhr geht, wie es billig, inner Gold und Seiden her;
Dennoch seh ich, als die Kleider, nichts an Euch, das schlechter wär.

(7)
Rückkunft vom Freunde, Ankunft zur Freundinn.

                   

Da, wo ich itzo war, da war mir herzlich wohl,
Wohl wird mir wieder seyn, wohin ich kommen soll;
Gunst ohne Falsch war hier, dort ist Lieb ohne List;
Hier ward ich sehr geehrt, dort werd ich schön geküßt;
Beym Freunde war ich jetzt, zur Freundinn komm ich nun;
Hier that der Tag mir Guts, dort wird die Nacht es thun.

(8)
Bittre Liebe.

                   

Lieben ist ein süßes Leiden,
Wenns nicht bitter wird durch Scheiden.
Bittres will ich dennoch leiden;
Daß ich Süßes nicht darf meiden.

(9)
Die deutsche Sprache.

                   

Jst die deutsche Sprache rauh? Wie, daß so kein Volk sonst nicht
Von dem liebsten Thun der Welt, von der Liebe lieblich spricht?

(10)
Auf die Pulchra.

                   

Dreyerley vergöttert dich: Daß du bist so wunderschön;
Und so wunderkeusch; und daß beide Ding beysammen stehn.

(11)
Gasterey.

                   

Gemäßigte Trachten,
Vermiedene Prachten,
Bekannte Gesellen,
Geräumige Stellen,
Vertrauliche Schwänke,
Beliebtes Getränke,
Sind Stücke, die Gäste
Befinden fürs beste.

(12)
Hunger und Liebe.

                   

Der Hunger und die Liebe sind beide scharfer Sinnen;
Sie finden leichtlich Mittel ihr Futter zu gewinnen.

(13)
Die Lockfinke.

                   

Nicht zu weit von meinem Singen
Liegen Netz und falsche Schlingen.
Die vor mir hier hat gelogen,
Hat mich, wie ich euch, betrogen.
Jch, die ich gefangen sitze,
Bin nur meinem Herren nütze.
Die da will, die mag verfliegen,
Die nicht will, die laß sich kriegen.
Wenn nur ich die Kost erwerbe,
Gilt mirs gleich viel, wer verderbe.

(14)
Auf die Anna.

                   

Bey einem Kranken wachen bis Morgens drey bis vier,
Sagt Anna, muß ich lassen, es geht nicht mehr mit mir;
Bey einer Hochzeit tanzen bis Morgens drey bis vier,
Kann Anna noch wohl schaffen, da geht es noch mit ihr.

(15)
Schädliche Liebe.

                   

Lieben läßt nicht lange leben,
Lange leben läßt nicht lieben.
Wer dem Leben ist ergeben,
Muß das Lieben sparsam üben.
Wem das Lieben will behagen,
Muß des Lebens sich entsagen.

(16)
Vergängliche Gesellschaft.

                   

Ein guter Freund, ein reiner Wein, und auch ein klares Glas
Die waren neulich um mich her; wie lustig war mir das!
Hör aber was darauf geschieht: das klare Glas zerbricht,
Der reine Wein verraucht, der Freund fällt schmerzlich in die Gicht.

(17)
An einen Bräutigam.

                   

Wenn du die Braut ins Bette rufst, so wehrt sie sich beym Bitten;
Nicht bitte! denn sie hat schon selbst viel vom Verzug erlitten.

(18)
Auf die Floja.

                   

Floja wär ein schönes Weib, könnte Floja sich nur schämen;
Denn sie würde von der Scham eine schöne Röthe nehmen.

(19)
Der Frühling.

                   

Da der Himmel gütig lachet,
Da die Erd ihr Brautkleid machet,
Da sich Feld und Wiese malen,
Da der Bäume Häupter stralen,
Da die Brunnen Silber gießen,
Da mit Funkeln Bäche fließen,
Da die Vögel Lieder singen,
Und die Fische Sprünge springen,
Dir vor Freuden alles wiebelt,
Da mit Gleichem Gleiches liebelt:
O so muß vor trübem Kränken
Bloß der Mensch die Stirne senken,
Weil von solchen Frühlingslüsten
Mars erneuert sein Verwüsten,
Mars, der dieß für Lust erkennet,
Wenn er raubet, schindet, brennet.

(20)
Wunsch an eine Dame.

                   

Gott geb dir alles Gute, und mich dir noch dazu:
Dann hab ich alles wieder, und habe mehr als du.

(21)
Küsse.

                   

Amor saß jüngsthin betrübet,
Weil sein Bogen mißgeübet,
So doch selten sich begiebet.
Sahe drauf zwey Mündlein ringen,
Hörte süße Küsse klingen:
Da hub Amor an zu springen.

(22)
Gewissen.

                   

Wo du Lust zur Wollust fühlest, kannst du sie am besten büßen,
Wenn du dir ein Mädchen zulegst, ein schön Mädchen, — das Gewissen.

(23)
Von der Aristea.

                   

Aristea, du bist schön. Allen Leuten macht dich hold
Zier am Leibe, Zucht im Sinn, und im Beutel eignes Gold.

(24)
An die Kunstgöttinnen.

                   

Jhr, ihr süßen Zuckermädchen, ihr, ihr zarten Pindustöchter,
Seid nicht wie die andern Jungfern, die da treiben ein Gelächter,
Wenn ein haarbereifter Buhler, wenn ein gichtgekränkter Freyer
Jhnen anzeigt seine Flammen, ihnen anstimmt seine Leyer.
Jhr, ihr Schönen, ihr, ihr Lieben, habet Lust an reinen Sinnen,
Wollt am ersten die beglücken, wollt am liebsten liebgewinnen,
Die durch vieler Jahre Wissen, die durch vieler Jahr Erfahren
Jnnerlich sich schön und munter, sich am Geiste neu bewahren.

(25)
Ungleiche Ehe.

                   

Der junge Schnee der Haut kam zu dem Schnee der Haare,
Auf daß mit jenem der auf eine Zeit sich paare.
Das Paaren gieng wohl an; doch ward man zeitig innen,
Der Hautschnee der war Glut, der Haarschnee mußte rinnen.

(26)
An einen Freund.

                   

Weil du mich, Freund, beschenkst mit dir,
So dank ich billig dir mit mir;
Nimm hin deßwegen mich für dich:
Jch sey dir Du, sey du mir Jch.

(27)
Von des Marcus Töchtern.

                   

Seyd lustig, seyd lustig, sprach Marcus, ihr Kinder!
Jch Alter bin lustig, seyd ihr es nicht minder.
Ey, Vater, ey wisset, das beste Gelächter
Jst, daß Jhr uns Männer gebt: sagten die Töchter.

(28)
Die Liebe brennt.

                   

Die Fische lieben auch. Mag Wasserliebe brennen?
Kein Fisch bin ich, und sie sind stumm: wer wills bekennen?

(29)
An die Venus.

                   

Die Sonne geht zu Bette, die halbe Welt ist blind:
O Venus, nun wird sehend dein sonst so blindes Kind.

(30)
Ein Kuß.

                   

Die süße Näscherey, ein lieblich Mündleinkuß
Macht zwar niemanden fett, stillt aber viel Verdruß.

(31)
Von einer Biene.

                   

Phyllis schlief: ein Bienlein kam,
Saß auf ihren Mund, und nahm
Honig, oder was es war,
Koridon, dir zur Gefahr!
Denn sie kam von ihr auf dich,
Gab dir einen bittern Stich.
Ey wie recht! Du, fauler Mann,
Solltest thun, was sie gethan.

(32)
Das Weib schweige.

                   

Weiberlippen sind geschaffen
Mehr zum Küssen, als zum Klaffen.

(33)
Die Weltfreundschaft.

                   

Jch will nicht Damon seyn, die Welt darf auch nicht werden
Mein Pythias, wir sind von zweierley Geberden:
Mein Sinn steht aufgericht, die Welt geht krumm gebückt;
Mein Sinn ist ungefärbt, die Welt ist glatt geschmückt;
Mein Mund hat Eine Zung, ich kann nicht Warmes hauchen
Und Kaltes auch zugleich, die Welt pflegt Ja zu brauchen,
Wie Nein, und Nein wie Ja; denn ihre Zunge bricht
Die schöne zwischen Mund und Herz gepflogene Pflicht.

(34)
Frauenminze.

                   

Frauenminze heilt viel Leid,
Wer sie braucht mit Maaß und Zeit.

(35)
Die Liebe.

                   

Liebe darf nicht malen lernen, weil sie nicht die Farben kennt,
Weil sie Blaues oft für Rothes und für Weißes Schwarzes nennt.

(36)
Ursprung der Bienen.

                   

Jungfern, habt ihr nicht vernommen,
Wo die Bienen hergekommen?
Oder habt ihr nicht erfahren,
Was der Venus widerfahren,
Da sie den Adonis liebte,
Der sie labt' und auch betrübte?
         Wann im Schatten kühler Myrthen
Sie sich kamen zu bewirthen;
Folgte nichts als lieblich Liebeln;
Folgte nichts als tückisch Büdeln,
Wollten ohne süßes Küssen
Nimmer keine Zeit vermissen;
Küßten eine lange Länge,
Küßten eine große Menge,
Küßten immer in die Wette,
Eines war des Andern Klette.
Bis es Venus so verfügte,
Die dieß Thun sehr wohl vergnügte,
Daß die Geister, die sie hauchten,
Jmmer blieben, nie verrauchten;
Daß die Küsse Flügel nahmen,
Hin und Her mit Heeren kamen,

Füllten alles Leer der Lüfte,
Wiese, Thal, Berg, Wald, Feld, Klüfte,
Paarten sich zum Küssen immer,
Hielten ohne sich sich nimmer,
Saßen auf die Menschentöchter,
Machten manches Mundgelächter,
Wenn sie sie mit Küssen grüßten,
Wenn sie sie mit Grüßen küßten.

         Aber Neid hat scheel gesehen;
Und Verhängniß ließ geschehen,
Daß ein schäumend wilder Eber
Ward Adonis Todtengräber.

         Venus, voller Zorn und Wüthen,
Hat gar schwerlich dieß erlitten.
Als sie mehr nicht konnte schaffen,
Gieng sie, ließ zusammenraffen
Aller dieser Küsse Schaaren,
Wo sie zu bekommen waren,
Machte draus die Honigleute,
Daß sie gäben süße Beute,
Daß sie aber auch darneben
Einen scharfen Stachel gäben,
So wie sie das Küssen büßen
Und mit Leid ersetzen müssen.

         Sag ich dieses einem Tauben,
Wollt ihr Jungfern dieß nicht glauben:
Wünsch ich euch, für solche Tücke,
Daß euch Küssen nie erquicke!
Glaubt ihrs aber, o so schauet,
Daß ihr nicht dem Stachel trauet!

(37)
Jugend und Alter.

                   

Jugend liebt und wird geliebt, Alter liebt und wird verlacht.
Liebe nimmt so leichte nicht Liebe, die nicht Liebe macht.

(38)
Auf die Blandula.

                   

Blandula, du Jungfer Mutter, kannst so schöne Kinder bringen?
Lieber treibs als ein Gewerbe, mancher wird dir was verdingen.

(39)
Gastzahl.

                   

Mit sieben Gästen
Gehts fast am besten.
Der achte Gast
Wird eine Last.

(40)
Der Liebe Märtyrerthum.

                   

Buhler sind zwar Märtyrer oft so gut als einer,
Martern aber sich nur selbst; darum preist sie keiner.

(41)
Händekuß.

                   

Jungfern, euch die Hände küssen,
Pflegt euch heimlich zu verdrießen;
Weil man läppisch zugewandt,
Was dem Munde soll, der Hand.

(42)
Köstliches Wasser.

                   

Wasser, die die Alchymisten brennen, sind gar hoch geacht;
Höher Thränen, die die Bräute gießen in der ersten Nacht.

(43)
Auf die Nivula.

                   

Nivula brennt ihrer viel:
Jeder der sie sieht, der will
Dies und das an sie verwagen.
Was für Nutzen wird es tragen?
Was sie gab, das bleibt ihr doch;
Wer es hatte, sucht es noch.

(44)
Ein Kuß.

                   

Giebt Clara einen Kuß, solls viel gegeben seyn.
So oft sie einen giebt, so nimmt sie einen ein.

(45)
Wittwer und Witwen.

                   

Wär Freyen Dienstbarkeit, wär nicht was Freyes dran,
So gienge keine Frau, kein Mann mehr diese Bahn.
Sie gehen aber drauf oft mehr als zween Gänge.
Wär gar nichts Gutes dran, man miede ja die Menge.

(46)
An die Rhodia.

                   

Rhodia, geh nicht ins Feld! Werden Bienen deiner innen,
Wird sich dein Gesicht und Mund ihrer nicht erwehren können;
Werden lassen Ros' und Klee, werden alle Blumen lassen,
Werden deinen Honig nur, werden deinen Zucker fassen.

(47)
Geliebte Sachen.

                   

Springet in der Schale Wein,
Spielen kluge Saiten rein,
Fallen süße Küsse drein,
Kann man herzlich lustig seyn.

(48)
Frage.

                   

Wie willst du weiße Lilien zu rothen Rosen machen?
Küß eine weiße Galathee: sie wird erröthend lachen.

(49)
Ein honigsüßer Schlaf.

                   

Ein Honig ist der Schlaf: als Chloe diesen aß,
Geschahs daß was, (ich glaub, es war ein Bienlein,) saß
auf ihrer schönen Haut. Sie hats nichts achten wollen;
Doch wie man nunmehr merkt, so ist sie sehr geschwollen.

(50)
Farbe der Schamhaftigkeit.

                   

Karmesinroth hält man werth,
Reines Weiß wird sehr begehrt,
Purpur hat gar hohen Ruhm,
Gold wünscht man zum Eigenthum:
Billiger wird hoch geacht
Farbe, die die Tugend macht.

(51)
Ein Briefkuß.

                   

Phyllis schickte Thyrsis zu durch ein Brieflein einen Kuß:
Unterwegens ward er kalt, bracht' ihm so nicht viel Genuß.
Drum so schrieb er: wenn sie wollte, sollte sie zwar schriftlich grüßen,
Jmmer aber selber kommen, wann sie wollt', und mündlich küssen.

(52)
Von der Galathea.

                   

Als man, zarte Galathea, einen alten Greis dir gab,
Sprach die Stadt: man legt den Todten in ein alabastern Grab.

(53)
Ein thierischer Mensch.

                   

Lupula will keinen lieben,
Der Vernunft zu sehr will üben;
Weil ihr besser der gefällt,
Der sich etwas thierisch stellt:
Wer da kann wie Tauben herzen,
Wer da kann wie Spatzen scherzen,
Wer wie Hähne buhlen kann,
Jst für sie der rechte Mann.

(54)
Wittwentrost.

                   

Meinen Mann hat Gott genommen, den er gab, wie ihm beliebt;
Ey! ich will ihn wieder nehmen, wenn er mir noch Einen giebt.

(55)

.

Die Liebe und der Tod

                   

Tod und Liebe wechseln öfters ihr Geschoß;
Jenes geht auf Junge, dieß auf Alte los.

(56)
Auf die Dubiosa.

                   

Dubiosa gieng zur Beicht
Traurig, und mit Recht vielleicht.
Als der Pfarr fragt' ohngefehr,
Ob sie eine Jungfer wär',
Sprach sie: ja, ich armes Kind!
Aber wie sie heuer sind.

(57)
Küssen.

                   

Bienen küssen schönen Blumen, und die Blumen bleiben schön:
Schöne Jungfern, laßt euch küssen, Schönheit wird euch nicht vergehn.

(58)
Auf die Cerinna.

                   

Cerinna ist so zart, so sauber, wie wie weißes Wachs gezieret. —
Jn dieses Wachs hat jüngst ein Künstler ein schönes Kind bossiret.

(59)
Die Liebe.

                   

Nenne mir den weiten Mantel, darunter alles sich verstecket. —
Liebe ists, die alle Mängel gern verhüllt und fleißig decket.

(60)
Jn der Person eines Wittwers.

                   

Bringt Lieben etwan Lust, bringt Lust von Liebe sagen:
Bringt beides dennoch mir nichts, als nur Bitterkeit.
Was andern Herzens Wonn, ist mir nur Herzens Leid;
Denn meine Lieb ist längst ins Grab hinein getragen.
Wiewohl wer recht geliebt, pflegt nichts darnach zu fragen;
Er liebet fort und fort, und hat erst ausgeliebt,
Wenn ihm sein Ende selbst des Liebens Ende giebt.
Die Liebe war nicht stark, die sich verzehrt von Tagen.
Jch liebe weil ich bin. Die nicht mehr ist, zu lieben,
Erfodert ihre Treu; ihr Werth ist ewig werth,
Daß mehr als nur von ihr mein Mund kein Wort begehrt,
Mein Sinn sonst keine Lust; hieran will ich mich üben.
Geht dieses Lieben gleich bey andern bitter ein,
Soll mir um Liebe doch lieb auch das Bittre seyn.

(61)
Von vier Hirtinnen.

                   

Chloris, Doris, Jris, Ciris, liebten Einen Hirten alle;
Jhm zu weisen mit dem Werke, daß er jeder wohlgefalle,
Krönte Chloris ihn mit Blumen; Doris bracht ihm Honigschnitte;
Jris grüßet' ihn mit Lächeln; Ciris faßt' ihn in die Mitte,
Küßte seinen Mundrubin. Jhm behagte nur das Küssen,
Und er überließ der Ciris Krone, Honig, und das Grüßen.

(62)
Vergnüglichkeit.

                   

Wer ihm immer läßt begnügen,
Den kann Glück nie recht betriegen;
Alles falle, wie es will:
Das Vergnügen ist sein Ziel.

(63)
Ein geraubter Kuß.

                   

Was meynt ihr? Ein gestohlner Kuß sey minder angenehme? —
Der Kuß wird süßer, wenn man schaut, wie Sie so schön sich schäme;
Und was man leichtlich haben kann, ist selten gar bequeme.

(64)
Zuchthüter.

                   

Ein Hüter, der die Weiber vor Schand in Obsicht nahm,
War keiner nimmer treuer als tugendhafte Scham.

(65)
Jungfrauen.

                   

Jhr Jungfern hört mir zu! doch fasset die Geberden,
Und fangt durch meinen Ruhm nicht stolzer an zu werden.
     Die Jungfern sind ein Volk, das unter uns gestellt
Als Engel in der Zeit, als Wunder in der Welt.
Jch wüßte nicht, wer der, und wannen er entsprossen,
Und was für wilde Milch sein erster Mund genossen,
Der hier nur ernsthaft sieht, der hier nicht frohlich lacht,
Wenn ihm des Himmels Gunst die Augen würdig macht
Zu schauen diesen Glanz, zu merken diese Sonnen,
Wodurch der Menschheit Werth den höchsten Stand gewonnen,
Und so erleuchtet ist. Er ist nicht werth so gar,
Daß seine Mutter selbst je eine Jungfrau war,
Der sein' Geberde nicht zur Ehrerbietung neiget,
Sein Haupt aufs tiefste bückt, den Fuß in Demuth beuget,
Und giebt sich pflichtbar hin für einen eignen Knecht,
Für ein so liebes Volk und himmlisches Geschlecht.
     Jedoch merkt gleichwohl auch, ihr lieblichen Jungfrauen,
Jch meyne die, wo mehr auf That als Wort zu bauen,
Und, haltet mirs zu Gut, ich meyn auch meistens die,
Wo Winter nicht verbeut, daß Frühling nicht mehr blüh.

(66)
Von der Paulina.

                   

Eines Tages sprach ein Buhler um die Gunst Paulinen an:
Weil sie, sprach sie, meines Mannes, so befrage meinen Mann.

(67)
Poeterey.

                   

Wer durch Dichten Ruhm will haben, kann ihn nießen:
Wer durch Dichten Lust will haben, kann sie büßen:
Wer da denket reich zu werden durch das Dichten,
Der erdichtet was ihm kömmet gar mit nichten.

(68)
Ueber das Bildniß des nackten Cupido, welchen seine Mutter züchtigt.

                   

Was hat doch der liebliche Knabe verschuldet,
Weshalb er die Streiche der Mutter erduldet?
Er hat sich gesäumt, daß dem Ehestandsorden
Chlorinde zu langsam ist einverleibt worden.

(69)
Von einer Fliege.

                   

Eine Fliege war so kühn,
Seine sich vermessen hin
Auf des süßen Mündleins Roth;
Chloris schlug, und schlug sie todt.
Florus sprach: o wenn ich nur
Dürfte dieß erkühnen mich:
Dieser Schlag, ich hielt dafür,
Diente mehr, als schadte mir.

(70)
Küssen.

                   

Wer küssen will, küß auf den Mund, das andre giebt nur halb Genießen.
Gesichte nicht, nicht Hals, Hand, Brust; der Mund allein kann wieder küssen.

(71)
An eine Fürstinn.

                   

Die Welt hat den Geruch, wir haben hier die Blum:
Das Land hat, Fürstinn, Euch; die Welt hat Euern Ruhm.

(72)
Lustschmerzen.

                   

Feuer glänzet, mehr als Gold;
Doch verbrennt es sehr:
Thut uns gleich die Wollust hold,
Doch verletzt sie mehr.

(73)
Von meinen Sinngedichten.

                   

Was mein Sinn bisher gezeugt, und an Tag die Feder legte,
Steht dahin, ob mans verwarf, oder ob es jemand pflegte.
Taugt jemanden diese Zucht, kann sich noch Geschwister finden.
Daß sie werden schöner seyn, will ich mich doch nicht verbinden.

*


 << zurück weiter >>