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Sinngedichte.

Zweytes Buch.

(1)
Von meinem Buche.

                   

Kündig ists, daß in der Welt
Sich zum Guten Böses finde.
Wäre nur mein Buch gestellt,
Daß beym Bösen Gutes stünde!

(2)
Hoheit hat Gefahr.

                   

Auf schlechter ebner Bahn ist gut und sicher wallen:
Wer hoch gesessen hat, hat niedrig nicht zu fallen.

(3)
Lobsucht.

                   

Wer um Lobes Willen thut
Das, was löblich ist und gut,
Thut ihm selbsten, was er thut,
Thut es nicht, dieweil es gut.

(4)
Tadler.

                   

Wem niemand nicht gefällt, wer alles tadelt allen,
Wer tadelt diesen nicht, und wem kann der gefallen?

(5)
Nutzen von großer Herren Freundschaft.

                   

Gut trinken und gut essen,
Des Unrechts ganz vergessen,
Sich selbsten nimmer schonen,
Nie denken ans Belohnen:
Dies sind die eignen Gaben,
Die Herrenfreunde haben.

(6)
Drohungen.

                   

Ein Fluß verräth durch Rauschen sich, daß er sehr tief nicht lauft;
Ein Bote, daß er müde sey, wenn er sehr schwitzt und schnauft:
Wer allzusehr mit Worten pocht, giebt deutlich an den Tag,
Daß seine Lunge ziemlich viel, das Herze nichts vermag.

(7)
Wein, der Poeten Pferd.

                   

Jhrer viel sind zwar beflissen,
Sich am Helikon zu wissen;
Ob sie nun gleich ziehn und ziehn,
Kommen sie doch langsam hin:
Denn ihr bestes Pferd ist heuer
Viel zu seltsam und zu theuer.

(8)
Eine gleiche Heyrath.

                   

Cacus hat ein Weib genommen, die ist ihm in allem gleich:
Häßlich, böse, faul und diebisch, geil, versoffen und nicht reich.

(9)
An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Helden.

                   

Jhr Klugen, deren Faust die Feder ämsig führet
Zu klagen dessen Tod, der an die Wolken rühret
Durch Thaten ohne Gleich, durch Thaten, die der Welt
Des Himmels kurze Gunst hat einzig vorgestellt,
Zum Eigenthum zwar nicht, zum Wunder aber allen,
So weit der Titan leucht; der Muth mag euch entfallen,
Daß dieß, wo Götterlob genug zu schaffen hat,
Die Feder enden soll und ein papiernes Blatt.
Laßt ab! Hier wird dem Fleiß gar wenig Frucht gegönnet;
Klagt nichts so sehr, als dieß, daß ihr nicht klagen könnet.

(10)
Weinfreundschaft.

                   

Die Freundschaft, die der Wein gemacht,
Wirkt, wie der Wein, nur Eine Nacht.

(11)
Der Henker und die Gicht.

                   

Der Henker und die Gicht verschaffen gleiche Pein,
Nur er macht kleine lang, sie lange Leute klein.

(12)
Aufrichtigkeit.

                   

Ja soll Ja, und Nein soll Nein,
Nein nicht Ja, Ja Nein nicht seyn;
Welcher anders reden kann,
Jst noch Christ, noch Biedermann.

(13)
Wanderschaft der Leute und der Güter.

                   

Man sagt, man lieset viel, wie daß, vor langen Jahren,
Zu Zeiten ein ganz Volk aus seinem Sitz gefahren
Und neues Land gesucht. Hinfüro wird man sagen
Was anders: wie man sah gar oft in unsern Tagen,
Vom Land' Holz, Stein, Zinn, Bley, Gold, Silber, Kupfer, Eisen,
Fleisch, Brod, Trank, und was nicht? — hin in die Städte reisen.

(14)
Saumsal.

                   

Anfang hat das Lob vom Ende:
Drum macht der, daß man ihn schände,
Der in allen seinen Sachen
Nimmer kann ein Ende machen.

(15)
Hausregiment.

                   

Ein jeder ist Monarch in seines Hauses Pfälen;
Es sey denn, das sein Weib sich neben ihm will zählen.

(16)
Welschland.

                   

Das welsche Land heißt recht ein Paradies der Welt:
Weil jeder, der drein kömmt, so leicht in Sünden fällt.

(17)
Auf den Harpax.

                   

Harpax stahl hier ohne Scham,
Lief in Krieg, entlief dem Strange;
Wär auch da vielleicht nicht lange,
Thät es nicht sein guter Nam.

(18)
Nicht zu muthig, nicht zu furchtsam.

                   

Noch frech wagen,
Noch weich zagen,
Hat jemals gar viel Nutz getragen.
Wohl bedacht,
Frisch vollbracht
Hat oft gewonnen Spiel gemacht.

(19)
Anzeigungen des Sieges.

                   

Seyd lustig, ihr Krieger, ihr werdet nun siegen!
Die Kriegesverfassung wird dießmal nicht trügen.
Die Waffen, um euere Lenden gebunden,
Sind neulich aus Häuten der Bauern geschunden;
Die Mittel zu Stiefeln, Zeug, Sattel, Pistolen,
Sind ritterlich neben der Straße gestohlen;
Die Gelder, zur Pflegung vom Lande gezwungen,
Sind rüstig durch Gurgel und Magen gedrungen;
Die Pferde, vom nützlichen Pfluge gerissen,
Des Brodtes die letzten und blutigen Bissen,
Die führen und füllen viel Tausend der Wagen,
Die Huren und Buben zu Felde mit tragen.
Daß Reiter nun wieder ein wenig beritten,
Sind Adern und Sehnen dem Lande verschnitten;
Ein Fürstenthum ist in die Schanze gegeben,
Die Handvoll von Reitern in Sattel zu heben.

(20)
Adel.

                   

Hoher Stamm und alte Väter
Machen wohl ein groß Geschrey;
Moses aber ist Verräther,
Daß der Ursprung Erde sey.

(21)
Ein gnadseliger Diener.

                   

Fürsten werfen oft auf Einen alle Sach und alle Gunst;
Fehlt nun der, so sind verloren alle Mittel, alle Kunst.
Alles kann verrathen Einer, Einer kann nicht allem rathen;
Gut ist, was viel Augen lobten, leicht ist, was viel Hände thaten.

(22)
An den wohlthätigen Gott.

                   

Gott, wo nehm ich Dank, der ich so viel genommen
Von Wohlthat, die mir ist zu Hause häufig kommen
Durch deine Gütigkeit? Thust du nicht noch mehr Wohl,
So weiß ich keinen Rath, wie ich recht danken soll.

(23)
Heutige Weltkunst.

                   

Anders seyn, und anders scheinen;
Anders reden, anders meynen;
Alles loben, alles tragen;
Allen heucheln, stets behagen;
Allem Winde Segel geben;
Bösen, Guten dienstbar leben;
Alles Thun und alles Dichten
Bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.

(24)
Das Beste in der Welt.

                   

Das Beste, was ein Mensch in dieser Welt erstrebet,
Jst, daß er endlich stirbt, und daß man ihn begräbet.
Die Welt sey, wie sie will; sie hab auch, was sie will:
Wär Sterben nicht dabey, so gälte sie nicht viel.

(25)
Auferstehung der Todten.

                   

Wer nicht glaubt das Auferstehn, dem ist ferner wohl erlaubt,
Daß er glaube, was er will, wenn er auch gleich gar nichts glaubt.

(26)
Grabschrift der Frömmigkeit.

                   

Frommes liegt in Grabes Nacht;
Böses hat es umgebracht.
Frevel erbte seine Habe,
Tanzt dafür ihm auf dem Grabe.

(27)
Das menschliche Alter.

                   

Ein Kind weiß nichts von sich; ein Knabe denket nicht;
Ein Jüngling wünschet stets; ein Mann hat immer Pflicht;
Ein Alter hat Verdruß; ein Greiß wird wieder Kind:
Schau, lieber Mensch, was dieß für Herrlichkeiten sind!

(28)
Der Tod.

                   

Wer sich nicht zu sterben scheut, und sich auch nicht schämt zu leben,
Dieser sorgt nicht, wie und wann er der Welt soll Abschied geben.

(29)
Höflichkeit.

                   

Die Höflichkeit ist Gold: man hält sie werth und theuer;
Doch hält sie nicht den Strich, taugt weniger ins Feuer.

(30)
Stärke und Einigkeit.

                   

Tapferkeit von außen, Einigkeit von innen,
Macht, daß keiner ihnen mag was abgewinnen.

(31)
Reiche Verwüstung.

                   

Da dieses Land war reich vor Jahren,
Da glaubten wir, daß Bettler waren.
Nun dieses Land, durch langes Kriegen,
Bleibt menschenleer und wüste liegen,
Jst Steuer gar nicht zu bereden,
Man sey nun arm von so viel Schäden.

(32)
Aufrichtigkeit.

                   

Wer wenig irren will, er thu gleich, was er thu,
der schweife nicht weit um, er geh gerade zu.

(33)
Hofe Gedächtniß.

                   

Was man an den Höfen fehlet,
Das wird lange da gezählet:
Morgen denkt man kaum daran,
Was man heute wohl gethan.

(34)
Unheilsame Krankheit.

                   

Mancher Schad ist nicht zu heilen durch die Kräuter aller Welt:
Hanf hat viel verzweifelt Böses gut gemacht und abgestellt.

(35)
Ein Alter.

                   

Ein alter Mann wird zwar veracht,
Der aber doch der Jungen lacht,
Die ihnen selbst ein Lied erdichten,
Das man dann auch auf sie wird richten.

(36)
Glück und Neid.

                   

Die das Glücke stürzen will, hat es gerne vor erhoben;
die der Neider schwärzen will, pflegt er gerne vor zu loben.

(37)
Auf die Portia.

                   

Portia schont ihrer Augen; einen kleinen schlechten Mann
Siehet sie nur über Achsel, sieht sie mit Verachtung an.
Kleine Schrift vexirt die Augen, daß man übler sehen kann.

(38)
Wohlthat.

                   

Die Wohlthat übel angewandt,
Wird Uebelthat gar wohl genannt.

(39)
Wissenschaft.

                   

Dem Fleiße will ich seyn, als wie ein Knecht, verhaft,
Damit ich möge seyn ein Herr der Wissenschaft.

(40)
Vergebliche Arbeit.

                   

Weiß die Haut des Mohren waschen,
Trinken aus geleerten Flaschen
Jn dem Siebe Wasser bringen,
Einem Tauben Lieder singen,
Auf den Sand Palläste bauen,
Weibern auf die Tücken schauen,
Wind, Luft, Lieb' und Rauch verhalten,
Jünger machen einen Alten,
Einen dürren Wetzstein mästen,
Osten setzen zu dem Westen,
Allen Leuten wohl behagen,
Allen, was gefällig, sagen;
Wer sich das will unterstehen,
Muß mit Schimpf zurücke gehen.

(41)
Der Tugend Lohn.

                   

Durch Ehr und reichen Lohn kann Tapferkeit erwachen;
Doch Ehr und reicher Lohn kann Tapferkeit nicht machen.

(42)
Die beste Arzeney.

                   

Freude, Mäßigkeit und Ruh
Schleußt dem Arzt die Thüre zu.

(43)
Auf den Veit.

                   

Veit hat ein wohlberathnes Haus, und in dem Hause siehet man
Jn großer Meng ein jedes Ding, was man — im Finstern sehen kann.

(44)
Die menschliche Unbeständigkeit.

                   

Sein' Eigenschaft und Art bekam ein jedes Thier,
Und wie sie einmal war, so bleibt sie für und für.
Der Löwe bleibt beherzt; der Hase bleibet scheu;
Der Fuchs bleibt immer schlau; der Hund bleibt immer treu:
Der Mensch nur wandelt sich, vermummt sich immerdar,
Jst diese Stunde nicht der, der er jene war.
Was dient ihm denn Vernunft? Sie hilft ihm fast allein,
Daß er kann mit Vernunft recht unvernünftig seyn.

(45)
Der Aerzte Glück.

                   

Ein Arzt ist gar ein glücklich Mann:
Was er bewehrtes wo gethan,
Zeigt der Geneste jedem an:
Sein Jrrthum wird nicht viel erzählet;
Denn hat er irgendwo gefehlet,
So wirds in Erde tief verhehlet.

(46)
Ueber den Tod eines lieben Freundes.

                   

Mein ander Jch ist todt! O ich, sein ander Er,
Jch wünschte, daß ich Er, er aber Jch noch wär.

(47)
Geld.

                   

Wozu ist Geld doch gut?
Wers nicht hat, hat nicht Muth;
Wers hat, hat Sorglichkeit;
Wers hat gehabt, hat Leid.

(48)
Rechtshändel.

                   

Wer sich einläßt in Processe, wer sich einläßt in ein Spiel,
Jeder muß hier etwas setzen, wenn er was gewinnen will;
Doch geschieht es auch, daß mancher nichts gewinnt, und setzt doch viel.

(49)
Triegereyen.

                   

Krummes mag man wohl verstehen,
Krummes aber nicht begehen.

(50)
Eine reiche Heyrath.

                   

Wer in Ehstand treten will, nimmt ihm meistens vor
Drein zu treten, ob er kann, durch das goldne Thor.

(51)
Die graue Treue.

                   

Da man, schon zur Zeit der Alten,
Reine Treu für grau gehalten:
Wunderts euch in unsern Tagen,
Daß sie schon ins Grab getragen ?
Daß nicht Erben nach ihr blieben,
Drüber ist sich zu betrüben.

(52)
Auf den Lychnobius.

                   

Lychnobius zählet viel Jahre, viel Wochen,
Noch lebt er die Woche nicht einigen Tag;
Er säufet bey Nachte, so viel er vermag,
Und stecket des Tages im Bette verkrochen.

(53)
Schalksnarren.

                   

Ein Herr, der Narren hält, der thut gar weislich dran; —
Weil, was kein Weiser darf, ein Narr ihm sagen kann.

(54)
Auf den Bibulus.

                   

Es torkelt Bibulus, ist stündlich toll und voll: —
Der Weg zur Höll ist breit: er weiß, er trifft ihn wohl.

(55)
Hofdiener.

                   

Jch weiß nicht, ob ein Hund viel gilt,
Der allen schmeichelt, keinem billt?
Ein Diener, der die Aufsicht führet,
Und Augen nur, nicht Zunge rühret,
Thut nicht, was seiner Pflicht gebühret.

(56)
Geistlicher und weltlicher Glaube.

                   

Man merkt, wie gegen Gott der Glaube sey bestellt,
Nur daraus, wie man Glaub und Treu dem Nächsten hält.

(57)
Selbsterkenntniß.

                   

Willst du fremde Fehler zählen, heb an deinen an zu zählen;
Jst mir recht, dir wird die Weile zu den fremden Fehlern fehlen.

(58)
Weltgunst.

                   

Die Weltgunst ist ein Meer;
Darein versinkt, was schwer;
Was leicht ist, schwimmt daher.

(59)
Die Zeiten.

                   

Wer sagt mir, ob wir selbst so grundverböste Zeiten
Verbösern, oder ob die Zeiten uns verleiten?
Der Tag, daran ein Dieb dem Henker wird befohlen,
Hätt ihn wohl nicht gehenkt, hätt er nur nicht gestohlen.

(60)
Die Gnade.

                   

Das Warm ist Menschen mehr, als Kaltes, angeboren;
Den Fürsten sey die Güt mehr als die Schärf erkohren.

(61)
Die viehische Welt.

                   

Ein rinderner Verstand, und kälberne Geberden,
Dabey ein wölfisch Sinn, sind bräuchlich itzt auf Erden.
Das Rind versteht sich nicht, als nur auf Stroh und Gras:
Ein Mensch läuft, rennt und schwitzt bloß um den vollen Fraß.
Ein Kalb scherzt, gaukelt, springt, eh es das Messer fühlet:
Ein Mensch denkt nie an den, der stündlich auf ihn zielet.
Der Wolf nimmt, was ihm kömmt, ist feind dem Wild und Vieh:
Was Mensch und menschlich ist; ist frey vor Menschen nie.

(62)
Dank wird bald krank.

                   

Dankbarkeit, du theure Tugend,
Alberst bald in deiner Jugend:
Drum macht deine kurze Frist,
Daß du immer seltsam bist.

(63)
Weiberverheiß.

                   

Wer einen Aal beym Schwanz und Weiber faßt bey Worten,
Wie fest er immer hält, hält nichts an beyden Orten.

(64)
Verdacht.

                   

Argwohn ist ein scheuslich Kind: wenn es in die Welt nur blickt,
Solls nicht schaden, ist es werth, daß man es alsbald erstickt.

(65)
Freunde.

                   

Freunde muß man sich erwählen
Nur nach wägen, nicht nach zählen.

(66)
Auf die Rasa.

                   

Einen Trostspruch aus der Bibel hatte Rasa ihr erwischet,
Daß man ewig dort mit Abram, Jsaak und Jakob tischet;
Freuet sich auf beßre Speisen, als man hier erjagt und fischet.

(67)
Liebhaber.

                   

Die Liebe treibt ins Elend aus,
Die, welche sie belohnet.
Denn der ist nie bey sich zu Haus,
Der in der Liebsten wohnet.

(68)
Der verfochtene Krieg.

                   

Mars braucht keinen Advocaten,
Der ihm ausführt seine Thaten.
Keinem hat er was genommen,
Wo er nichts bey ihm bekommen;
Keinem hat er was gestohlen,
Denn er nahm es unverhohlen;
Keinen hat er je geschlagen,
Der sich ließ bey Zeiten jagen;
Was er von der Straße klaubet,
Jst gefunden, nicht geraubet;
Haus, Hof, Scheun und Schopf geleeret,
Heißt ein Stücke Brodt begehret;
Stadt, Land, Mensch und Vieh vernichten;
Heißt des Herren Dienst verrichten;
Huren, saufen, spielen, fluchen,
Heißt dem Muth Erfrischung suchen;
Endlich dann zum Teufel fahren,
Heißt — den Engeln Müh ersparen.

(69)
Aerzte und Räthe.

                   

Ein Arzt hilft krankem Leib', ein Weiser kranker Zeit.
Der erst' ist noch zur Hand, der ander ist gar weit.

(70)
Geschminkte Weiber.

                   

Damen, die sich gerne schminken,
Lassen sich wohl selbst bedünken,
Daß Natur an ihren Gaben
Müsse was versehen haben.
Drum wer wählen will, der schaue,
Daß er nicht der Farbe traue!

(71)
Der Hunger.

                   

Mir ist ein Gast bekannt, der bringt durch freches Plagen,
Daß ihn sein sein frommer Wirth soll aus dem Hause jagen:
Wenn dieser es nicht thut, wird der nicht eh gestillt,
Als bis man Gast und Wirth in Eine Grube füllt.

(72)
Laster sind zu strafen, Personen sind zu schonen.

                   

Nicht die Personen auszurichten,
Die Laster aber zu vernichten,
Hat jeder mögen Reime dichten.

(73)
Auf den Ruhmreich.

                   

Ruhmreich ist ein Tausendkünstler; was er will muß ihm gelingen;
Kann er eines, glaub ich alles: über seinen Schatten springen?
Oder, ist ihm dieses lieber; pfeifen und zugleich auch singen?

(74)
Auf den Senecio.

                   

Senecio hat eine Seuche, daran er sterben muß;
Es ist, wie ich berichtet worden, ein neunzigjährig Fluß.

(75)
Heutige Sitten.

                   

Wozu soll doch sein Kind ein Vater auferziehen
Bey so bewandter Zeit? Er darf sich nur bemühen,
Daß keine Scheu sein Sohn und kein Gewissen hat,
So ist schon alles gut, so wird zu allem Rath.

(76)
Von der deutschen Poesie.

                   

Was ist ein deutscher Reim? Deutsch kann ja jedermann. —
Drum ist mir lieb, daß ich auch kann, was jeder kann.

(77)
Klugheit und Thorheit.

                   

Jeder hat zu Hausgenossen, zwey sich gar nicht gleiche Gäste:
Einen Doctor, einen Narren; Diese speiset er aufs beste.
Braucht er nun nicht gute Vorsicht, hält er nicht den Narren ein,
Wird er öfter als der Doctor einst an der Thür und Fenster seyn.

(78)
Fleiß bringt Schweiß, Schweiß bringt Preis.

                   

Jedermann hat gerne Preis;
Niemand macht ihm gerne Schweiß.
Wer der Arbeit Mark will nießen,
Muß ihr Bein zu brechen wissen.

(79)
Geschminkte Freundschaft.

                   

Hände küssen, Hüte rücken,
Kniee beugen, Häupter bücken,
Worte färben, Rede schmücken,
Menynst du, daß dieß Gaukeley,
Oder ächte Freundschaft sey?

(80)
Lachende Erben.

                   

Die Römer brauchten Weiber, die weineten für Geld.
Obs nicht mit manchem Erben sich eben so verhält?

(81)
Gold und Lust.

                   

Der Mensch liebt Gold so sehr,
Und darf der Luft doch mehr.
Ein Dieb, der dieß bedenkt,
Wird selten aufgehenkt.

(82)
Auf den Crassus.

                   

Crassus hat gar bösen Ruf: aus dem bösen Ruf zu kommen,
Hat er ärgers Bubenstück als das erste, vorgenommen.

(83)
Hofkünste.

                   

Künste, die bey Hof im Brauch,
Faßt ich, dünkt mich, leichtlich auch;
Wollt' erst eine mir nur ein,
Nehmlich: unverschämt zu seyn.

(84)
Ein guter Koch, ein guter Rath.

                   

Bey Hofe ist ein guter Koch der allerbeste Rath,
Er weiß, was seinem Herren schmeckt, und was er gerne hat.
Er trägt verdecktes Essen auf, und Essen nur zur Schau;
Geußt Söder auf und Senf daran, die dienlich für den Grau;
Aufs Bittre streut er Zucker her, das Magre würzt er wohl;
Dem Herren werden Ohren satt, und ihm der Beutel voll;
Die Kammer geht zur Küche zu, die Wirthschaft in das Faß;
Die Kanzeley hält Fastenzeit; der lechzend' Untersaß
Mag laufen, kann er sitzen nicht: die ganze Policey
Wird Heucheley, Betriegerey und Küchenmeisterey.

(85)
Der Ruchlosen Freudenlied.

                   

Weil das Leben bey uns bleibt, brauchen wir das Leben;
Kommen wir im Himmel nicht, kommen wir daneben.

(86)
Armuth und Blindheit.

                   

Ein blinder Mann ist arm, und blind ein armer Mann:
Weil dieser keinen sieht, der keinen sehen kan.

(87)
Auf den Bloscus.

                   

Seh ich recht, so scheint es mir,
Bloscus sey ein Wunderthier.
Augen hat er, keine Stirne,
Einen Kopf, und kein Gehirne,
Einen Mund, und keine Zunge,
Wenig Herzens, viel von Lunge.
Kannst du besser sehn, so schau,
Ob er Ochs ist oder Sau.

(88)
An den Leser.

                   

Sind dir, Leser, meine Sachen mißgefällig wo gewesen,
Kannst du sie am besten strafen, mit dem sauern Nimmerlesen.

*


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