Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Sinngedichte.

Zehntes Buch.

(1)
Von meinen Reimen.

                   

Sind meine Reime gleich nicht alle gut und richtig,
So sind die Leser auch nicht alle gleich und tüchtig.

(2)
Auf den Fuscus.

                   

Fuscus lachet seiner Sachen,
Lachet nicht, wenn andre lachen:
Drum macht Er, nicht seine Sachen,
daß die andern mit ihm lachen.

(3)
Böses.

                   

Böses soll man bald vergessen, doch vergißt sichs schwerlich bald;
Gutes stirbet in der Jugend, Böses wird hingegen alt.

(4)
Hofschminke.

                   

Viel küssen, wenig herzen,
Arg meynen, höflich scherzen,
Dieß ist des Hofes Spiel,
Man spielt es täglich viel.

(5)
Worte.

                   

Das hat der Mensch voraus vor allen andern Thieren,
Daß er, wovon er will, kann Wort und Reden führen.
Fürwahr wir brauchen itzt rechtschaffen diese Gabe,
Es scheint, daß unser Thun sonst nichts als Worte habe.

(6)
Unbeständige Arbeit.

                   

Wer immer nichts vollbringt, und fängt doch vieles an,
Wird in Gedanken reich, im Werk ein armer Mann.

(7)
Auf den Vagus.

                   

Vagus hat sich, Glück zu fangen, immer hin und her gewagt,
Ungewiß ob ihn das Glück, oder er das Glücke jagt.

(8)
Fürstenfreundschaft.

                   

Weil Fürsten Menschen sind, und weil der Menschheit Bestes
Die wahre Freundschaft ist, (wovon man nicht viel Festes
Bey hohen Häuptern spürt;) so ists natürlich Ding,
Daß auch ein Fürstensinn nach diesem Gute hieng;
Am Wählen fehlt es nur. Sie pflegen die zu kiesen,
Die mit getheilter Zung und krummen Knie sich wiesen.
Bey welchem freyes Wahr, der Freundschaft Seele, wohnt,
Der bleibt vor ihrer Gunst gar sicher und verschont.

(9)
Der Welt Süßbittres.

                   

Welt giebt ihren Hochzeitsgästen erstlich gerne guten Wein;
Und schenkt ihnen sauern Lauer, wenn sie schon bethört sind, ein.

(10)
Hofspeise.

                   

Bey Fürstentafeln geht was auf, und wie der Zettel weist,
So werden Zungen immer mehr, als Herzen da gespeist.

(11)
Bauern.

                   

Die Bauern sind so listig, und sind gleichwohl so grob? —
Sie sinnen nur auf Eines, und halten auch darob.

(12)
Grabschrift einen Beutels.

                   

Hier liegt ein Beutel, der ist todt, die Seel ist ihm entwichen;
Das Leben wird, thu Geld darein, bald wieder in ihn kriechen.

(13)
Ein altes Weib.

                   

Alte Weiber sind die Sträuche drauf vor Zeiten Rosen stunden:
Ob die Rosen sind verblichen, werden doch die Dörner funden.

(14)
Auf den Fallmundus.

                   

Fallmundus leuget, was er sagt, und stets, und aller Orten;
Das macht er will kein Sklave seyn von seinen eignen Worten.

(15)
Auf den Oenophilus.

                   

Der Hering ist Oenophilus, das Meer das ist der Wein;
Denn jener kann nicht einen Tag von diesem trocken seyn.

(16)
Venus in der Muschel.

                   

Venus ward aus einer Muschel, wie man schreibt, geboren:
Drum hat Frauenzimmer Perlen sich zum Schmuck erkohren.

(17)
Von der Bella und Varna.

                   

Bella ist ein schwarz Magnet, der das Eisen an sich zeucht;
Varna ist ein weiß Magnet, der das Eisen immer fleucht:
Bella liebt nicht, wird geliebt; Varna liebt, wird nicht geliebt;
Jene giebt nicht, wenn sie nimmt, diese nimmt nicht, wenn sie giebt.

(18)
Hofleute.

                   

Mancher ist bey Hof ein Herr, taugte Bauern nicht zum Scholzen;
Wer daselbst die Pferde putzt, ist der stolzeste von Stolzen.

(19)
Genießleute des Friedens.

                   

Wer hilft, nun Friede wird, bey solcherley Verwüsten
Sich wohl am ersten auf? — Die Henker und Juristen.

(20)
Auf den Honoratus.

                   

Honoratus steiget hoch, ohne Grund, nur wie ein Rauch;
Denn je höher dieser steigt, desto mehr verschwindt er auch.

(21)
Wissenschaft aus dem Bernhardus.

                   

Theils sucht man Wissenschaft nur bloß zu schlechtem Wissen;
Und dieses dient dahin den Vorwitz nur zu büßen.
Theils sucht man Wissenschaft, damit man sey geehrt;
Und dieses thun nur die, die Eitelkeit bethört.
Theils sucht man Wissenschaft, damit man was verdiene,
Und dieses schlägt nur aus zu schändlichem Gewinne.
Theils sucht man Wissenschaft dem Nächsten zum Genieß;
Und dieses ist ein Werk, das wahre Lieb uns hieß.
Theils sucht man Wissenschaft, für seinen Geist zu sorgen;
Und dieß dient, daß man nicht darf fremde Weisheit borgen.

(22)
Auf den Pseudo.

                   

Mir sagt Pseudo halb sich zu, einem andern auch so viel,
Und das Herz behält er ihm. — Nehm ihn gar, wer immer will.

(23)
Auf den Chrysophilus.

                   

Sehr reich bist du und auch sehr karg, Chrysophilus? Mich dünkt,
Daß Gold, wenn es gefangen liegt, nicht mehr als Eisen bringt.

(24)
Verheißungen.

                   

Wer mit viel Verheißen zahlet,
Zahlt mit Gelde, das man malet.

(25)
Nachdrückliche Worte.

                   

Daß der Sinn es redlich meyne, haben wir nur Ein Gemerke,
Wenn nicht Worte bleiben Worte, sondern Worte werden Werke.

(26)
Man wags.

                   

Wer nichts auf Glücke wagt, stellt alles nur auf Rath,
Jrrt oft so sehr als der gewaget alles hat.

(27)
Auf den Friedenshasser Veit.

                   

Veit trägt zum Frieden Haß, zum Kriege trägt er Liebe;
Das macht, der Friede henkt, der Krieg beschenkt die Diebe.

(28)
An die Frauen.

                   

Krieg hat der Männer Zahl gemindert,
Und Menschenwachsthum sehr verhindert:
Jhr Weiber sollt, hier Rath zu schaffen,
Die Sinnen recht zusammenraffen,
Und euch fein rund und kurz erklären,
Ob ihr stets Zwilling' wollt gebären,
Sonst oder Männern nicht verargen,
Daß sie nicht nur mit Einer kargen.

(29)
Der Ausgang.

                   

Wohl berathen, gut gerathen, bringt dem Rathe Ehr und Huld;
Wohl berathen, mißgerathen, setzt den Rath doch außer Schuld.

(30)
Kopfstrafe.

                   

Die Haare sind ein Wald, der einen Berg bedeckt,
Die Sinnen sind das Wild, das drunter sich versteckt;
Die wüten manchmal so, daß dann ein Jäger kommt,
Der Wild, der Berg und Wald auf Einen Streich hinnimmt.

(31)
Auf den Nasatus.

                   

Nasatus ist ein großer Herr, schickt ins Quartier und meldt sich an:
Lakay, Trompeter ist er nicht; wer denn? die Nase kömmt voran.

(32)
Dichter.

                   

Dichter pflegen arm zu seyn? — Arm sind die mit nichten,
Die sich selber Geld und Gut, Ruhm und Hoheit dichten.

(33)
Von dem Cornus.

                   

Cornus will bey Hofe dienen: — Hat er etwann sondre Gaben? —
Solche nur, wie die besitzen, welche Händ und Füße haben. —
Gar genug! der ist der Beste. Sieht man dort auf was von innen,
Jst es nur allein der Magen; denn man achtet keine Sinnen.

(34)
Falsch im Niedern, falscher im Höhern.

                   

Wer im Geringen bübelt, wo man nicht viel gewinnt,
Wird mehr in Sachen vortheln, die mehr genießlich sind.

(35)
Das neue Jahr.

                   

Abermals ein neues Jahr! Jmmer noch die alte Noth! —
O das Alte kömmt von uns, und das Neue kömmt von Gott.
Gottes Güt ist immer neu, immer alt ist unsre Schuld.
Neue Reu verleih uns Herr und beweis' uns alte Huld.

(36)
Hofnarren.

                   

Daß gern ein Fürstenhof an Narren fruchtbar sey,
Bleibt wahr; doch sind daselbst von solchen meistens zwey:
Der eine, den der Fürst nach Willen stets vexirt,
Der andre, der nach Lust am Seil den Fürsten führt.

(37)
Auf die Lupa.

                   

Lupa scheinet immer lustig, geht in steter Mummerey:
Denn wer ihr Gesicht sieht, glaubet, daß er eine Larve sey.

(38)
Feile Ehre.

                   

Weiland mußte man um Ehre wachen, bluten, schwitzen, schnaufen;
Nunmehr ist sie zahmer worden, läßet sich um Münze kaufen.

(39)
Wahrheit und Lügen.

                   

Die Wahrheit ist ein Oel, die Lügen Wasser; schwimmt
Doch endlich oben auf, wie viel man Wasser nimmt.

(40)
Gold aus der neuen Welt.

                   

Wie so viel des goldnen Staubes hat die neue Welt gestreuet!
Wie so wenig ist erschienen, deß die alte Welt sich freuet!
Denn das Gold der neuen Welt macht, daß alte Welt sehr narrt,
Ja es macht, daß alte Welt ganz in ihrem Blute starrt:
Denn auf Prachten, denn auf Kriegen, pflegt man allen Schatz zu wagen;
Arme Christen zu versorgen will die ganze Welt nichts tragen.

(41)
Von mir selbst.

                   

Dem Besten gleich zu gehn das bild ich mir nicht ein;
Hoff aber besser doch als Böse noch zu seyn.

(42)
Eine Rede.

                   

Gute Reden sind wie Jungfern, die man nach der Größe nicht,
Die nach Schönheit, nach Geschicke, nach Verstand man gerne richt.

(43)
Auf den Pätus.

                   

Pätus, du und auch dein Weib lebet stets in Einem Willen:
Jedes will das andre sehn ehestens sein Grab erfüllen.

(44)
Unterschied.

                   

Was Einem Recht ist, Freund, ist nicht dem andern Recht;
Sonst war des Herren Frau auch für des Herren Knecht.

(45)
Auf die bekreidete Lucida.

                   

Lucida, du schöner Schwan, dran zu tadeln keine Feder, —
Wenn du nur nicht, wie der Schwan, drunter decktest schwarzes Leder!

(46)
Liebesarbeit.

                   

Die bey der Lieb zu Arbeit stehn,
Die wird man fast beständig sehn
Der andern Arbeit müßig gehn.

(47)
Hofedienst.

                   

Nicht denke, daß du was verdienen solltest können:
Bey Hofe lohnt man nicht, was kömmt, das kömmt durch Gönnen.

(48)
Lob und Ehre.

                   

Wer Ruhm und Ehr erlangen will, das leckerhafte Gut,
Hat sonst kein anders Mittel nicht, als nur Gehirn und Blut.

(49)
Unschuld.

                   

Wer nicht selbsten kann betriegen,
Wird gemeiniglich betrogen;
Wer nicht andre kann belügen,
Wird gemeiniglich belogen.

(50)
Steuerschätzung.

                   

Jn unserm Land ist alles, ja auch das Nichts geschätzt;
Wir sind den Alchymisten an Kunst weit vorgesetzt!
Sie machen Geld aus Kupfer; wir geben Geld so gar
Von dem was gar kein Wesen und kaum ein Name war.

(51)
An einen Tyrannen.

                   

Friß die Schafe selbst: (eine gute List!)
So erfährst du nicht daß der Wolf sie frißt.

(52)
Auf den Fastus.

                   

Du, Fastus, machst dich groß, ein jeder schätzt dich klein: —
Die Elle, die dich mißt, wird, glaub ich, deine seyn.

(53)
Das Dorf.

                   

Mein Gut besucht ich nächst: das Feld war voller Segen;
Sonst war mirs nicht so gut als in der Stadt gelegen.
Mein Tisch der war ein Brett. Mein Bette konnte gehen Ein Wagen..
Jch hatte frommen Trank Wasser.. Zur Speise hatt ich stehen
Ein Kind, ein solches Kind, worüber, wanns geboren,
Die Mutter fröhlich singt Ein Ey.. Jch hatte mir erkohren
Den Platz, der zur Musik den ersten Grund uns giebet Die Tenne.
Und dennoch war mir wohl, und alles fiel geliebet,
Weil Ruh mir wohlgefiel. Das Zanken der Parteyen,
der Ueberlauf des Volks, des Hofes Schwelgereyen,
Verleumdung, Neid und Haß, Druck, Heucheley und Höhnen,
Die ausgeschmückten Wort und fälschliches Beschönen
Die hatten hier nicht Statt. Hier war ich ganz mein eigen,
Und konnt all meine Müh zu meinem Besten neigen.
O Feld! o werthes Feld! Jch will, ich muß bekennen,
Die Höfe sind die Höll, der Himmel du, zu nennen!

(54)
Fremde Hülfe.

                   

Man sollt' uns Hülfe thun: Da nahm man ein Gebiß,
Das man in unser Maul uns zu beschreiten stieß;
Man ritt uns hin und her, man ließ uns keine Ruh,
Und rief dabey, man ritt uns unsrer Wohlfahrt zu.
Die Wohlfahrt, die es war, war aber so bewandt,
Daß, eh man sie gefühlt, man uns zu Lager rannt'.

(55)
Arztwasser.

                   

Aerzte bauen ihre Mühlen an die Menschenflüsse;
Selten giebt es Wassermühlen, die man so genieße.

(56)
Geizige Geistliche.

                   

Viel dienen dem Altar,
Wahr ists, und bleibt auch wahr;
Doch dünkt mich gleichwohl auch,
Altar sey manchmal Bauch.

(57)
Auf den Varius.

                   

Varius thu was er thu, dennoch kann er nichts vollenden;
Eh er erstes hat gethan, hat er anders schon in Händen.

(58)
Verehrungen.

                   

Nicht gar nichts, und nicht alles, und auch von Allen nicht
Soll Gab und Ehrung nehmen der, den man drum bespricht.

(59)
Hofproceß.

                   

Bey Hof ist der am besten in seiner Sache dran,
Der, eh er wird verklaget, klagt lieber andre an;
Wer hier am ersten klaget, der trägt die Siegesfahn.

(60)
Die Weiber.

                   

Will man Weiber Gänse nennen, da die Weiber doch nicht fliegen,
Mag man es: theils weil sie schnattern, theils in Gänsefedern liegen.

(61)
Die Mode.

                   

Was ist die Mode für ein Ding? Wer kennt sie von Gesicht?
Jch weiß nicht wer sie kennen kann: sie ist ja angericht
Nie morgen wie sie heute war. Sie kennt sich selber nicht.

(62)
Das karge Alter.

                   

Alter hilft für Thorheit nicht: Alte sollen morgen sterben;
Wollen dennoch heute noch, das vergraben, dieß erwerben.

.

(63)
Die Welt.

                   

Alles, alles überall
Jn der Welt, ist nichts wie Schall:
Denn all ihre Prachten
Sind, wie wir sie achten.

(64)
Wer kennt sein Glücke?

                   

So willst du glücklich seyn, so bitte, daß dir giebt
Gott selten was du willst und dir zu sehr beliebt.

(65)
Der Sonnen und des Menschen Untergang.

                   

Untergehn und nicht vergehn
Jst der Sonnen Eigenschaft:
Durch des Schöpfers Will und Kraft
Stirbt der Mensch zum Auferstehn.

(66)
Die jetzige Weltkunst.

                   

Die Weltkunst ist ein Herr, das Christenthum ihr Knecht:
Der Nutz sitzt auf dem Thron, im Kerker steckt das Recht.

(67)
Auferweckung vom Tode.

                   

Kann Frösche, Fliegen, Schwalben, Würmer, Schnecken,
Die Kaltes sterbte, Warmes wieder wecken:
So kann auch der, der alles dieß kann machen,
Noch wohl so viel, daß Todte wieder wachen.

(68)
Der jetzige Friede.

                   

Dreyßig Jahr und drüber noch hat gewährt das deutsche Kriegen:
Währt der Friede dreyßig Jahr, läßt ihm jeder wohl genügen.

(69)
Feinde der Traurigkeit.

                   

Jugend ist des Trauerns Feind, schickt dawider in das Feld
Buhlschaft, Wein, Musik, und Spiel, und den General, — das Geld.

(70)
Beschenkungen.

                   

Wer mit Gaben kämpfen will, und verlanget Sieg und Glücke,
Schieße nicht mit kleinem Loch, schieß aus einem groben Stücke.

(71)
Weisheit der Alten.

                   

Nimmt der Leib erst ab, nimmt Verstand recht zu:
Seele, scheint es, hat mehr vor Leibe Ruh.

(72)
Gemäßigte Strafen.

                   

Strafe soll seyn wie Salat,
Der mehr Oel als Essig hat.

(73)
Unverschämt.

                   

Dies sind Laster aller Laster: sich vor keinem Laster scheuen,
Sich der Laster selbst berühmen, und die Laster nicht bereuen.

(74)
Versuchen.

                   

Seine Schwachheit giebt an Tag,
Wer versucht und nicht vermag.
Wer ein Ding versuchen will,
Prüfe sich erst in der Still.

(75)
Poeten.

                   

Der Dichter sind genug: was sollen sie für Sachen
Denn nun durch ihren Geist berühmt und ewig machen?
Was gut ist das ist rar bey Dichtern und bey Sachen.—
Die Bösen mögen sich auch über Böses machen.

(76)
Hinterlist.

                   

Falschheit streicht sich zierlich an, ist auf Mäntel gar beflissen:
Wer nur will, der kennt sie bald; denn sie hinkt auf beiden Füßen.

(77)
Mehlthau.

                   

Mehrentheils, weil Krieg noch währte, fiel ein Mehlthau alle Jahr
Jn die zarte Jungfernblüte, der der Würmer viel gebar.

(78)
Auf die Clelia.

                   

Wahrheit kann nicht jeder hören. Clelia kann keine sehen:
Um den Spiegel, der ihr weiset daß sie schwarz sey, ists geschehen.

(79)
Auf den Thrax.

                   

Für Lauten und für Violinen hat Thrax den Pohlschen Bock erkohren,
Denn jene konnten ihm nicht füllen die hohen, weiten, tiefen Ohren.

(80)
Schminke.

                   

Wollt ihr euch, ihr Jungfern, schminken? Nehmet dieses zum Bericht;
Wählet Oele zu den Farben; Wasserfarben halten nicht.

(81)
Der Nisa Ehestand.

                   

Nisa nahm ihr einen Mann; — nein, man sagt, sie selber melde,
Sie besäße keinen Mann, sondern einen Sack mit Gelde.

(82)
Nutzfreunde bey Hofe.

                   

Werther hat sich der gemacht,
Der zur Küch ein Rind gebracht,
Als der einen klugen Rath
Da und dort gegeben hat.

(83)
Fromm und klug.

                   

Ein Frommer und ein Kluger die sind nicht immer Einer: —
Viel besser daß der Klugen, als daß der Frommen keiner.

(84)
Auf den Stilpo.

                   

Stilpo, du geschwinder Kopf, hurtig weißt du einen Rath,
Wie es hätte sollen seyn, wenn ein Ding gefehlet hat.
Weißt du, wie man diese nennt, die nicht früh klug, sondern spat?

(85)
Der Erde und des Wassers Hülfe.

                   

Die Erde speist das Wasser, das Wasser tränkt die Erde:
Damit der Mensch gespeiset, getränkt von beiden werde.

(86)
Göttliche Verordnung.

                   

Wer die Uhr gleich nicht versteht,
Merket dennoch wie sie geht:
Gottes Rath, den wir nicht kennen,
Jst doch immer gut zu nennen.

(87)
Verzeihung.

                   

Wie du giebst, giebt man dir. Gieb mir geneigten Blick:
Vielleicht versteht man dir auch ein versehnes Glück.

(88)
Wissenschaft.

                   

Viel wissen ist wohl schön; doch, wer zu viel will wissen,
Muß Ruh und gut Gemach, wohl Gut und Blut vermissen.

(89)
Jäger.

                   

Jhr Götter der Wälder, ihr Schützen, ihr Jäger,
Die Fürsten und Herren sind gütige Pfleger
Für eure Altäre, verehren so sehr
Die Pallas, den Phöbus, den Consus nicht mehr.

(90)
Kriegen.

                   

Schlechte Kunst ist Krieg erwecken:
Schwere Last ist Krieg erstrecken;
Große Kunst ist Krieg erstecken.

(91)
Rathschläge.

                   

Wer des Freundes treuen Rath nach dem Ausgang achten will,
Trete selber, wenn er kann, hart an das entfernte Ziel,
Wiß ihm selber einen Rath; darf des Freundes dann nicht viel.

(92)
Verwüstete Güter.

                   

Seinen Beutel baue vor, wer ein wüstes Gut will pflügen:
Wird das Gut erbauet seyn, wird der Beutel wüste liegen,
Wird sich kaum ums sechste Jahr wieder aus den Falten fügen.

(93)
Von der Nachtigall.

                   

Von Ferne bist du viel, und in der Nähe nichts;
Ein Wunder des Gehörs, ein Spotten des Gesichts:
Du bist die Welt; auch sie ist in der Nähe nichts.

(94)
Auf einen Aesopus.

                   

Es glänzet dein Verstand, Aesopus, weit und ferne;
Ey Schade nur! ihn faßt so schmutzige Laterne.

(95)
Thorheit.

                   

Es ist zwar selten klug wer nichts versteht und kann;
Doch minder wer sich selbst und seinen Witz zeucht an.

(96)
Fürsten und Festungen.

                   

Eine Festung und ein Fürst sehn sich an für eine Sache,
Die da stets darf Vorrath, Geld, Mannschaft und bestellte Wache.

(97)
Gutes.

                   

Was ist das, was die Welt nennt mit dem Namen gut?
Fast immer ist es das, was jeder will und thut.

(98)
Auf den Duplicius.

                   

Duplicius ist zwar ein Mann gar tüchtig unter Leute,
Nur Schade! seine rechte Hand steht an der linken Seite.

(99)
Das Wasser.

                   

Ob das Wasser, fragt man oft, die die Wasser trinken, nähret?
Nährt es nicht, so ists doch gut, daß es auch wie Wein nicht zehret.

(100)
Der Namenstag.

                   

Einen schlechten Namen hat, dessen Name durch das Jahr
Einen Tag, und sonsten nie, kundig und geehret war.

(101)
Reichthum.

                   

Wer zu sehr das Rothe liebt, kann das Gelbe selten haben;
Wes sich schämt, der wird nicht reich: Reichthum fodert freche Gaben.

(102)
Auf den Bibulus.

                   

Wie führet Bibulus die Sorge für sein Haus? —
Der Magen nimmet ein, die Blase giebet aus.

(103)
Die Arbeit.

                   

Arbeit ist der Sünde Fluch. Sollte Piger viel sich mühen,
Würd er auf sich viel Verdacht eines großen Sünders ziehen.

(104)
Der Apfelbiß.

                   

Adam mußt in Apfel beißen, konnt es nicht verbessern: —
Weil man noch in seinen Zeiten nichts gehabt von Messern.

(105)
Auf die Pura.

                   

Pura hält an ihrem Gott immer treu und fest;
Jst hingegen, wo sie kann, ihres Nächsten Pest.

(106)
Auf den Longus.

                   

Longus ist der andre Bias: was er bey und an sich träget,
Dieses ists was ihn ernähret und in weiche Betten leget.

(107)
Gespräch eines Pfarrers und Küsters.

                   

Ein Küster sprach: Herr Pfarr, sie bringen eine Leiche.
Der Priester sprach: Wohl gut! Jsts aber eine reiche?
Der Küster sprach: O nein! Der Priester sprach: des Armen
Deß hätte sich der Tod noch mögen wohl erbarmen.
Der Küster sprach: O ja! — Der Priester sprach: wir leben,
dem Tode seinen Zoll, früh oder spät, zu geben.

(108)
Verleumdung.

                   

Wer mich hasset, wer mich schimpft, dessen Bosheit giebt an Tag,
Daß ihm meine Redlichkeit wo zuwider laufen mag.

(109)
Narren und Kluge.

                   

Narren herrschen über Kluge? — Jhre Händel, ihre Sachen,
Die die Narren arg verwirren, müssen Kluge richtig machen.

(110)
Langes Leben.

                   

Langes Leben ist ein Segen, seinen Kindern giebt ihn Gott;
Jeder wünschet ihn zu haben: und er ist doch voller Spott.

(111)
Freundschaft.

                   

Alten Freund für neuen wandeln,
Heißt, für Früchte Blumen handeln.

(112)
Auf den Gulo.

                   

Gulo führt durch seine Gurgel täglich große Speisewagen,
Daß man meynt die Landesstraße geh vielleicht durch seinen Magen.

(113)
Auf den Planus.

                   

Planus ist so hoch gewachsen, daß er bis zur Sonne geht.
Für die Erd ists gar verderblich, weil er ihr im Lichte steht.

(114)
Ein Sperling.

                   

Der Sperling der ist unter Vögeln was unter Menschen ist der Bauer:
Jst ungeschickt, ist schlecht gezieret, hat Weizen lieb, ist gar ein Lauer.

(115)
Auf den Aerius.

                   

Wo wohnt Aerius? Wie ist sein Haus bestellt? —
Sein Haus hat keine Thür, es ist die ganze Welt.

(116)
Weibereifer.

                   

Weiber sind zum Zürnen hurtig; und ihr Zorn ist nicht zu sagen,
Wenn der Mann aus ihrer Küche Feuer will in fremde tragen.

(117)
Ehestand.

                   

Das Weib ist ihres Mannes Herz, der Mann des Weibes Haupt:
Daß eines einem andern lebt, ist keinem nicht erlaubt.

(118)
Zuläßiger Wucher.

                   

Ein Wucher bringet nicht Gefährde, —
Den Wirthe treiben mit der Erde.

(119)
Geborgte Haare.

                   

Frankreich trüget zwar die Schuld daß es manchem nimmt sein Haar;
Weiset aber wie man braucht das was eines andern war.

(120)
An den Leser.

                   

Leser, wie gefall ich dir? —
Leser, wie gefällst du mir?

*


 << zurück weiter >>