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Sinngedichte.

Achtes Buch.

(1)
An den Leser.

                   

Leser, dir steht frey zu richten über mich, Und andern stehet frey zu richten über dich. Wie du dein Urtheil nun von andern dir begehrest, So siehe daß du mir mein Urtheil auch gewährest.

(2)
Die Ehre.

                   

Die Ehre kennet keinen Obern; wer ihr zum Nachtheil was gebeut,
den fürchte nicht, wenn dich dein Leben zum Schutz der Ehre nicht gereut.

(3)
Zuversicht auf Menschen.

                   

Wer sein Glück auf Menschen baut, hat es ganz vergessen,
Daß in kurzem diesen Grund Wurm und Schlange fressen.

(4)
Von dem Probus.

                   

Probus thu gleich was er thu; nimmer taugt doch, was er thut.
Jst er denn so böser Art? — Nein, sein Richter ist nicht gut.

(5)
Eitelkeit.

                   

Nimm weg die Eitelkeit von allen unsern Werken,
Was wird dir übrig seyn und gültig zu vermerken?

(6)
Auf den Morus.

                   

Morus hat viel Geld und Gut? Muß dabey doch hungrig fasten?
Ey! der Teufel, und nicht Er, hat die Schlüssel zu dem Kasten.

(7)
Leben und Tod.

                   

Der Tag hat große Müh, die Nacht hat süße Ruh:
Das Leben bringt uns Müh, der Tod die Ruhe zu.

(8)
Goldkunst.

                   

Aus dem kalten Nordenloche kam der Handgriff Gold zu kochen;
Da die Künstler für ihr Kupfer kamen deutsches Gold zu suchen:
Deutsches Blut, mit deutscher Asche wohl vermischet, konnte machen,
Daß zu Gold den Künstlern wurden Glaube, Treu und alle Sachen.

(9)
Gemeinschaft bringt Verachtung, sonderlich Fürsten.

                   

Wo viel Gemeinschaft ist, ist Ansehn nicht gemein;
Wo nicht mehre Ansehn ist, wird schwerlich Folge seyn;
Wo Folge sich verliert, kann Ordnung nicht bestehen;
Wo Ordnung nicht besteht, muß Wohlfahrt untergehen.

(10)
Ein unruhiges Gemüth.

                   

Ein Mühlstein und ein Menschenherz wird stets herumgetrieben;
Wo beides nichts zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben.

(11)
Christliche Liebe.

                   

Ptochus lag in tausend Nöthen,
Die ihn drängten bis aufs Tödten.
Sollte Christenliebe haben,
Sich zu retten, sich zu laben:
Ließ sie hin und wieder suchen,
Weil sie sich itzt sehr verkrochen;
Ließ sie suchen bey Gerichten,
Fand sie aber da mit nichten;
Mußte hören, daß man sagte:
Was das sey, wonach er fragte?

(12)
Auf den Honoratus.

                   

Obs recht, obs ehrlich sey, was Honoratus thut,
Daran gedenkt er nicht. Jhm dünket alles gut,
Was gut zum Schmausen ist. Was soll man von ihm sagen?
Er hat das Recht im Maul, er hat die Ehr im Magen.

(13)
Auf den Stilpo.

                   

Jn deines Weibes Almanach steht, Stilpo, allewege:
Trüb, Ungestüm, Platzregen, Sturm, Wind, Hagel, Donnerschläge.

(14)
Ehestand.

                   

Wer im Sommer Blumen sammelt, sammel aber sonst nichts ein,
Ey wovon will der im Winter ruhig, satt und muthig seyn?
Wer beym Freyen bloß auf Zierden, Prangen, Stolz und Großthun denkt,
Was wird der für Tröstung finden, wenn ihn großer Unfall kränkt.

(15)
Hoffnung und Geduld.

                   

Hoffnung ist ein fester Stab
Und Geduld ein Reisekleid,
Da man mit durch Welt und Grab
Wandert in die Ewigkeit.

(16)
Jsts nicht gut, so wirds gut.

                   

Böse Leute mögen trotzen, fromme Christen stille leben:
Schafeswolle kömmt im Himmel, Wolfeslocken nur daneben.

(17)
Das Mittel.

                   

Wenn das Beste nicht zu haben, nehme man für gut das Gute;
Auch für lieb, ists nicht ein tapfrer, dennoch mit dem frohen Muthe.
Wem die Flügel nicht gewachsen, kann die Wolken nicht erreichen;
Wem des Adlers Augen fehlen, muß der Sonne Stralen weichen.

(18)
Schein der Freyheit.

                   

Die Freiheit ist ein Strick, womit man Freyheit fängt;
Je mehr man sie bedrückt, je mehr man ihrer denkt.

(19)
Dankbarkeit gegen die Schweden.

                   

Was werden doch für Dank die Schweden um ihre Kriege haben? —
Wir wünschen, daß Gott ihnen gebe, so viel als sie uns gaben!

(20)
Hofleute.

                   

Leute, die bey Hofe dienen, dünken sich, als andre, mehr;
Mich bedünket, der, der dienet, weiche dem, der frey ist, sehr.

(21)
Von dem Crispus.

                   

Crispus ist gereist, ist munter, ist gelehrt; — und wird veracht? —
Ey! der neue Musterschneider hat ihm noch kein Kleid gemacht.

(22)
Erinnerungen.

                   

Große Herren wollen niemals gern Erinnerung ertragen:
Wie dem Bileam, muß ihnen oft ein Esel Wahrheit sagen.

(23)
Auf den Pseudo.

                   

Pseudo leugt so ungemein,
Daß ich ihm nicht glauben kann,
Zeigt er, wenn er leugt, gleich an,
Daß es nichts als Lügen seyn.

(24)
Auf den Bulpinus.

                   

Dein Herz ist ein Castell, hat gar viel Außenwerke,
Bulpinus; wer drein kömmt, hat nicht gemeine Stärke;
Wer drein noch kommen wär ist keiner, wie ich merke.

(25)
Die Furcht.

                   

Der Tod, vor dem der Mensch so fleucht und so erschrickt,
Währt an ihm selbst so lang, als lang ein Auge blickt.
Des Todes Furcht ist Tod, mehr als der Tod; der Tod
Verkürzt, was ihn vergällt, die Furcht, die schlimmste Noth.

(26)
Der Köhlerglaube.

                   

Was die Kirche glauben heißt, soll man glauben ohne Wanken? —
Also darf man weder Geist, weder Sinnen, noch Gedanken.

(27)
Wiedervergeltung.

                   

Für Güt nicht Gutes geben, ist keine gute That;
Für Böses Böses geben, ist ein verkehrter Rath;
Für Gutes Böses geben, ist schändliches Beginnen;
Für Gutes Gutes geben, gebühret frommen Sinnen;
Für Böses Gutes geben ist recht und wohl gethan,
Denn daran wird erkennet ein ächter Christenmann.

(28)
Lebenssatz.

                   

Viel bedenken, wenig reden, und nicht leichtlich schreiben,
Kan viel Händel, viel Beschwerden, viel Gefahr vertreiben.

(29)
Fürstengeschenke.

                   

Fürstengaben sind wie Bäche, stürzen immer gegen Thal;
Treffen so nur, wie sie treffen, ohngefähr und ohne Wahl.

(30)
Hand und Finger, ein Vorbild brüderlicher Einigkeit.

                   

Jeder Finger an der Hand
Hat sein Maaß und seinen Stand.
Jeder hilft dem andern ein,
Keiner will sein eigen seyn.
Brüder, die des Blutes Pflicht
Hat in Einen Bund gericht.
Sagt, was wollen die sich zeihn,
Wenn sie eigennützig seyn?
Wenn sie das gemeine Heil
Messen nach dem eignen Theil?
Wenn nur jeder darauf denkt,
Was den andern Bruder kränkt?
Wenn der andre steigen will
Hin auf den, der niederfiel?
Weiten will ich, all ihr Thun
Wird auf Misgriff nur beruhn.

(31)
Verstand.

                   

Witz, der nur auf Vortheil gehet, ist nicht Witz, er ist nur Tücke.
Rechter Witz übt nur was redlich, weiß von keinem krummen Stücke.

(32)
Friedenskrieg.

                   

Wer durch Waisen überwunden,
Hat noch lange nicht gesiegt:
Friedenmachen hat erfunden,
Daß der Sieger unterliegt.

(33)
Abwechselung.

                   

Andern gehet auf die Sonne, wenn sie uns geht nieder.
Wenn sie andern niedergehet, kömmt sie zu uns wieder.
Was uns Gott nicht heute schenkte, kann er morgen schicken,
Kann uns, was er heute schickte, morgen auch entrücken.

(34)
Hofgunst.

                   

Kein Begehrtes je verwiedern,
Kein Verwiedertes begehren,
Hiedurch pflegt die Gunst der Niedern
Bey den Hohen fortzuwähren.

(35)
Herr und Knecht.

                   

Wer andern dient, ist Herr, so fern er fromm sich hält:
Wer andrer Herr ist, dient, wenn er sich sündlich stellt.

(36)
Die Gerechtigkeit.

                   

Daß Gerechtigkeit bestehe, muß man Köpfe dazu haben,
Theils die kluge Leute führen, theils der Henker giebt den Raben.

(37)
Heuchler.

                   

Wer nicht höret, hat nicht Heuchler: wer die Heuchler denkt zu hassen,
Mag zwar ihnen Thor und Thüre, nur nicht Ohren offen lassen.

(38)
Von einer Wittwe.

                   

Eine Wittwe gieng zur Trau; nahm itzt ihren vierten Mann.
Als die Zeit zum Schlafengehn auch nun endlich kam heran,
Sprach sie: ach ich armes Kind! hätt ich dieses eh bedacht!
Niemand, niemand hätte mich mehr zu diesem Schritt gebracht!
Doch sie gieng, war gar getrost; und das Kind, das sie gebar
Kaum in zwanzig Wochen drauf, wies wie sie vergeßlich war.

(39)
Eine Gasterey.

                   

Man lud mich jüngst zu Gaste: der Magen gieng mit mir;
Doch war er mir nichts nütze, den Milz bedurft ich hier.

(40)
Die Gicht.

                   

Wer sich üben will im Fühlen,
Mag mit Gicht ein wenig spielen.

(41)
Angezogene Schrift.

                   

Wenn der Hausherr, wenn die Diebe kommen wollten, eigen wüßte;
Würd er wachen: sagt ein Priester, als der Bischof ihn begrüßte.

(42)
Freyheit.

                   

Wer seinem Willen lebt, lebt ohne Zweifel wohl;
Doch dann erst, wenn er will nicht anders, als er soll.

(43)
Ueberfluß.

                   

Der Ueberfluß hat keinen Feind, der ärger ist, als er:
Jn kurzem führt er über sich den Mangel selber her.

(44)
Abfall.

                   

Es ist ein Wunderding: wer zehn, wer zwanzig Jahr,
Und länger, nicht gewußt, was rechter Glaube war,
Wenn der vom ersten tritt, und nimmt den andern an,
Daß der bald alles weiß, und andre lehren kann!
Mich dünkt, Gunst, Ehre, Macht, Gemach und gute Bissen
Die stärkten ihm das Hirn; — nicht aber das Gewissen.

(45)
Auf den Udus.

                   

Udus säuft den ganzen Tag. Wird er drüber wo besprochen,
Spricht er: einen halben Tag hab ich mich am Durst gerochen,
Und den andern halben Tag sauf ich darum wieder an,
Weil mich leicht der böse Durst tückisch überfallen kann.

(46)
Jungfern.

                   

Gute Bißlein bleiben selten in der Schüssel liegen:
Jungfern bleiben selten sitzen, wenn sie nur was tügen.

(47)
Die Armuth.

                   

Die Armuth ist mit dem insonderheit begabt,
Daß sie, wohin sie kömmt, hat, was sie hat gehabt.

(48)
Jungfrauschaft.

                   

Ein glühend Eisen in der Hand,
Ein unverletzter Jungfernstand,
Jst leichtlich nicht zu tragen allen:
Man lässet beides gerne fallen.

(49)
Ergetzlichkeit.

                   

Ey wie Schad ists um die Zeit, die mit Reimen ich verspiele! —
Uebler aber reimte sichs, wenn mit Nichtsthun sie verfiele.
Eine Ruh für Leib und Sinn läßt man einem jeden zu.
Jeder ruhe, wie er will; ich beruh in dieser Ruh.

(50)
Die lateinische Sprache.

                   

Latein hat keinen Sitz noch Land, wie andre Zungen. —
Jhm ist die Bürgerschaft durch alle Welt gelungen.

(51)
Lohn und Strafe.

                   

Besser, Gutes nicht belohnen,
Als des Bösen wo verschonen.

(52)
Lob und Schande.

                   

Wen nicht zum Guten zeucht das Preisen,
treibt nicht vom Bösen das Verweisen.

(53)
Auf den trunkenen Veit.

                   

Man warf den Veit die Trepp hinab: Veit schickte sich darein,
Sprach: Hätt es nicht ein Mensch gethan, so hätts getan der Wein.

(54)
Beute aus dem deutschen Kriege.

                   

Was gab der deutsche Krieg für Beute?
Viel Grafen, Herren, Edelleute.
Das deutsche Blut ist edler worden
Durch den geschwächten Bauerorden.

(55)
Ein Fürstenrath.

                   

Wer ist, der seinen Rath dem Herren redlich giebt?
Der, den sein Fürst? — Nein der, der seinen Fürsten liebt.

(56)
Worte.

                   

Man giebt den Weibern Schuld, daß ihre Worte leichter,
Als leichte Blätter sind: daß ihre Sinnen seichter,
Als Regenbäche sind. — O Männer könnens auch!
Viel Worte, wenig Herz ist ihr gemeiner Brauch.

(57)
Das Glück.

                   

Unglück herrschet so die Welt, daß man auch sein Toben,
Daß es noch nicht ärger ist, muß man mit Danke loben.

(58)
Vergessen.

                   

Schweigen ist nicht jedem leicht. Doch ists leichter noch, verschweigen
Als vergessen solche Dinge, die uns zu Gemüthe steigen.

(59)
Auf die Gilvula.

                   

Man vergleicht dich einer Lilge, Gilvula: Jch laß es seyn! —
Nur die gelbe, nicht die weiße, bilde dir hierunter ein.

(60)
Auf die Ardella.

                   

Alles was Ardella thut, thut sie, weil es Ruhm gewähret;
Doch je mehr sie Rühmens macht, desto mehr sie Ruhm entbehret.

(61)
Vergnüglichkeit.

                   

Seines Lebens und der Welt kann am besten der genießen,
Der das Große dieser Welt nicht mag kennen, nicht mag wissen.

(62)
Ein Lobsprecher.

                   

Wer andre loben will, muß selbsten löblich seyn,
Sonst trifft das Loben leicht mit Schänden überein.

(63)
Amt einer Ehefrau.

                   

Herrschen nicht, und auch nicht dienen, freundlich, hülflich, tröstlich seyn,
Dieses ziemet sich den Weibern, ist ihr Amt und Ruhm allein.

(64)
Bildnisse.

                   

Große Herren geben Bildniß wohlgeprägt nach allem Leben,
Wenn sie ihre Hofemägde manchmal ihren Dienern geben.

(65)
Auf die Anna.

                   

Anna hat die Jungferschaft für den Ehestand erkiest,
Weil sie keiner, auch geschenkt, anzunehmen Willens ist.

(66)
Die deutsche Sprache.

                   

Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen:
Kann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, güteln, kürmeln, lachen.

(67)
Liebe zur Kunst.

                   

Wer Lust zu lernen hat dem mangelt immer was:
Jtzt will er wissen dieß, itzt will er wissen das.

(68)
Ein böser Zahler.

                   

Der mir funfzig Gülden soll, waget zwanzig Gülden dran,
Daß er meine Zahlung nur länger noch verzögern kann.
Seht doch, wie er auf Gewinn sich versteht, der schlaue Mann!

(69)
Nehmen.

                   

Wenn das Weib ihr einen Mann, wenn der Mann ein Weib ihm nahm,
Weil sie beide Nehmer sind, wer denn ists, der was bekam?
Ey das Weib! denn die empfängt, träget Bürden ohne Scheu,
Leget ab, und kommet wieder, holet mehr, und trägt auf neu.

(70)
Auf die Blinca.

                   

Blinca kann die Malerkunst, hat sich selbst gemalet;
Und ihr Bild das bleibt ihr doch, obs gleich mancher zahlet.

(71)
Auf den Pravus.

                   

Sicher wäre zwar bey Juden Pravus, denn er ist ein Schwein;
Weil er aber auch ein Ochse, würd er doch nicht sicher seyn.

(72)
Die eiserne und goldene Zeit.

                   

Die Zeit ist eisern bey dem Volke, die Zeit ist golden bey Gerichten:
Das was der schwere Pflug erpflügt, geht alles auf Gehorsamspflichten.

(73)
Auf den Runcus, einen beliebten Hofmann.

                   

Runcus ist echt eckigt grob:
Hat doch lauter Lieb und Lob.
Recht! es müssen starke Gaben
Keine schwache Liebe haben.

(74)
Ein verdächtiger Richter.

                   

Jst ein Esel zu erstreiten: ey so suche dir zur Hand
Einen Richter, der nicht selber diesem Esel anverwandt.

(75)
Schminke.

                   

Wenn sich Weiber schminken,
Jst es als ein Winken,
Daß man aufgenommen,
Wolle man ja kommen.

(76)
Von dem Cajus.

                   

Cajus hat ein zierlich Weib. Schade nur, es geht die Sage,
Daß sie jede Woch im Jahr feyre sieben Feyertage!

(77)
Liebhabende.

                   

Ein Kranker hat nicht Witz, der seine Krankheit liebt:
Ein Buhler raset so, der sich der Lieb ergibt.

(78)
Güter.

                   

Daß man ohne Sorge lebe, sorgt man stets um Gut und Geld,
Das doch den, der es ersorget, immerdar in Sorgen hält.

(79)
Amt der Obrigkeit.

                   

Wie kömmt es, da sie säugen sollen,
Daß Obrigkeiten fangen wollen?

(80)
Zorn.

                   

Wo Zorn nimmt Ueberhand, da steigt ein Nebel auf,
Der den Verstand verblendet und wehrt ihm seinen Lauf.

(81)
Von dem Machiavell.

                   

Mancher schilt auf diesen Mann, folget ihm doch heimlich nach:
Giebt ihm um die Lehre nicht, giebt ihm um die Oeffnung Schmach.

(82)
Kunst und Geschicke.

                   

Wissenschaft und Höflichkeit paaren sich nicht immer:
Oefters ist ein hölzern Haus, wo ein goldnes Zimmer.

(83)
Ein Hofmann.

                   

Wer redlich ist im Herzen und mit dem Munde frey,
Der wisse, daß bey Hofe er nicht behäglich sey.
Wie man ihm vorgesaget, so sagt der Papagey:
Wer gelten will bey Hofe, der trete diesem bey.

(84)
Die Poeten.

                   

Ueber seinen Schatten springen,
Kann dem Leichtsten nicht gelingen:
Dichtern aber kanns gelingen,
Ueber ihren Tod zu springen.

(85)
Auf die Vanula.

                   

Vanula will einen Schönen, Edeln, Tapfern, Klugen, Reichen,
Wohlgereisten, Wohlbesprachten, Wohlgewachsnen ohne Gleichen:
Nun der Wunsch kömmt zum Gewähren, fällt viel ab von diesem Willen,
Und den Mangel aller Stücke muß allein — die Thorheit füllen.

(86)
Ein reicher Geizhals.

                   

Verres ist ein lastbar Esel, nicht ein reicher Mann;
Denn nur bloß zum Säcketragen nahm das Glück ihn an.

(87)
Der wohltätige Gott.

                   

Gott macht Gutes, Böses wir:
Er braut Wein, wir aber Bier.

(88)
Die gastfreyen Schlesier.

                   

Weiland waren wir bekannt, daß wir rühmlich gastfrey waren;
Wie denn? daß wir diesen Ruhm und Gebrauch itzt schimpflich sparen? —
Gäste haben Haus und Wirth ganz vertilgt bey diesen Jahren.

(89)
Auf den Fungus.

                   

Fungus Maul ist eine Mühle, die gar gäng in ihrem Lauf;
Mahlet Witz kaum eine Handvoll, schüttet Wort ein Malter auf.

(90)
Auf die Jungfer Lusthold.

                   

Laternen trägt man auf den Gassen, im Hause braucht man sie nicht sehr:
Bey Leuten ist Lusthold züchtig; im Winkel fragt sie nichts nach Ehr.

(91)
Braut und Bräutigam.

                   

Für die Jungferschaft der Braut gab ein Bräutgam seine:
Sie, wie drauf inne ward, hatte selber keine.
Daß er nicht im Handel möcht übervortheilt seyn,
Gab sie ihm die Mutterschaft morgens oben drein.

(92)
Von der Casca.

                   

Wie daß ihr doch, daß Casca starb, die Schuld dem Arzte gebt!
Sie hat sich durch so lange Zeit zu Tode selbst gelebt.

(93)
Die Saat der Wahrheit.

                   

Wer bey Hofe Wahrheit säet, erndtet meistens Misgunst ein:
Wächst ihm etwas zu von Gnade, wirft der Schmeichler Feuer drein.

(94)
Menschenliebe.

                   

Gott sollst du mehr als dich, wie dich, den Nächsten lieben;
Wenn Eine Liebe bleibt, so sind sie beide blieben:
Denn Gott und Nächsten knüpft ein unauflöslich Band;
Wer sich hier trennen will, der hat sich dort getrannt.

(95)
Die Begierden.

                   

Solche Räthe, die sich kleiden in des Fürsten Kleid und Zierden,
Leiden selten andre Räthe. — Welche sind es? — Die Begierden.

(96)
Friede und Krieg.

                   

Ein Krieg ist köstlich gut, der auf den Frieden dringt;
Ein Fried ist schändlich arg, der neues Kriegen bringt.

(97)
Hofregel.

                   

Non mihi sit servus medicus, propheta, sacerdos.
Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß Trank und Essen
Sey nach Ordnung und Vermögen eingetheilt und abgemessen.
Fürsten wollen keinen Diener, der da will zuvor verkünden,
Was auf ihr verkehrtes Wesen für Verderben sich wird finden.
Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß ihr Gewissen
Sich von allen Uebelthaten kehren soll zu ernstem Büßen.

(98)
Auf den Klepax.

                   

Klepax, der so manches Thier in den Magen hat begraben,
Hat nun auch ein warmes Grab inner einem frommen Raben.

(99)
Doppelter Samson.

                   

Weil Onander Eselsbacken einen mehr als Samson trägt,
hört man, daß zwey tausend Maden er bey einem Käse schlägt.

(100)
Der weichende Krieg.

                   

Mars macht es gar zu arg, Mars tobt itzt gar zu sehr.
Der Teufel, wenn er weicht, stinkt, sagt man, desto mehr.

(101)
Auf die Virna eine gemeine Wittwe.

                   

Virna, der der Mann gestorben, klaget itzt, sie sey Niemandes;
Falls mit ihr gedienet wäre, will sie seyn des ganzen Landes.

(102)
Wiedergebrachte Jungferschaft.

                   

Der die Jungferschaft benommen,
Kann sie wiederum bekommen.
Wenn es ihr vielleicht gelingt,
Daß sie eine Tochter bringt.

(103)
David durch Michal verborgen.

                   

Die Michal legt ein Bild ins Bett, an Davids Statt,
Und dann zu seinem Haupt ein Fell von einer Ziegen:
Will mancher, wie ein Bild, im Bette stille liegen,
Giebt man ihm insgemein ein Fell das Hörner hat.

(104)
Wein.

                   

Guter Wein verderbe den Beutel, böser schadet sehr dem Magen;
Besser aber ists, den Beutel als den guten Magen plagen.

(105)
Nürnbergische Unterhandlung.

                   

Was zu Nürnberg wird gehandelt
Wird gewiß was Gutes seyn;
Denn gut Ding darf gute Weile.
Wo es sich zum ärgsten wandelt,
Und mit Hoffnung nicht trifft ein,
Gehe niemand Schuld der Eile.

(106)
Weisheitsliebende.

                   

Die in Sachen, die, wer weiß wo und was sind, witzig find,
Diese sind in denen Sachen, die vor Augen, oft ein Kind.

(107)
Auf den Arkas.

                   

Arkas ruft viel Hochzeitsgäste. — Woher hat er Geld genommen? —
O! es sollen nicht die Gäste, die Geschenke sollen kommen.

(108)
Nichts neues unter der Sonne. Pred. Gal. X, 7. 8. Jch sahe Knechte auf Rossen, und Fürsten zu Fuße gehn, wie Knechte. Aber wer eine Grube macht, wird selbst drein fallen u. s. w.

                   

Wie jetzt die Zeiten sind, so waren vor die Zeiten:
Denn Salomon sah auch auf Pferden Knechte reiten,
Hingegen Fürstenvolk zu Fuß wie Knechte gehen.
Die Grube fehlt nur noch. — Auch die wird man bald sehen.

(109)
Die Verleumdung.

                   

Wenn uns die Verleumdung schlägt,
Heilen gleich zuletzt die Wunden,
Wird, wie viel man Pflaster legt,
Immer doch die Narbe funden.

(110)
Die gute Sache.

                   

Jst jede Sache falsch, die etwan übel gieng:
Jst Christus Sache falsch, die ihn ans Kreuze hieng.

(111)
Beschenkungen.

                   

Wer durch Gaben bey dem Richter denkt zu helfen seinen Sachen,
Suche lieber durch das Schenken aus dem Feinde Freund zu machen.

(112)
Auf den Mopsus.

                   

Mopsus hat ein grob Verständniß, meynt es sey ihm trefflich nütz;
Denn was tölpisch dauert lange; stumpf wird leidlich, was zu spitz.

(113)
Auf den Nepos.

                   

Nepos geht in großem Kummer, aber nur bis an das Knie;
Weiter läßt er ihn nicht dringen, bis zum Herzen kömmt er nie.

(114)
Von meinen Reimen.

                   

Sind meine Reime richtig?
Sind meine Worte wichtig? —
Nur daß nicht beide nichtig;
Sonst sind sie gar tüchtig.

*


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