Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Sinngedichte.

Erstes Buch.

(1)
Von meinem Buche.

                   

Daß mein Buch, sagt mir mein Muth,
Noch ganz böse, noch ganz gut.
Kommen drüber arge Fliegen,
Bleibt gewiß Gesundes liegen,
Und das Faule findet man;
Kommen aber Bienen dran,
wird das Faule leicht vermieden,
Und Gesundes abgeschieden.

(2)
Der May.

                   

Dieser Monath ist ein Kuß, den der Himmel giebt der Erde,
Daß sie jetzo seine Braut, künftig eine Mutter werde.

(3)
Steuer.

                   

Wo Venus weiland saß und den Adonis küßte,
Wuchs Gras und Blum hervor, war gleich die Gegend wüste.
Wo Bacchus weiland gieng, da wuchsen lauter Reben,
Und jeder dürre Strauch mußt eitel Trauben geben.
Kanns nicht die Steuer auch? Ein wohlversteurter Grund
Soll geben desto mehr, je mehr er wüste stund.
Wer weiß ob jenes war; wer weiß ob dieß kann seyn?
Dort glaube wer da will; hier giebts der Augenschein.

(4)
Ueber das Fieber einer fürstlichen Person.

                   

Unsre Fürstin lieget krank. Venus hat hat ihr dieß bestellt,
Die, solange jene blaß, sich für schön nun wieder hält.

(5)
Schlachten.

                   

Es bleibt in keiner Schlacht itzt vierzigtausend Mann.
Was Hannibal gekonnt, ist keiner, der es kann?
Es ist ja unser Mars zum Schießen abgericht?
O, schießen kann er zwar — stehn aber will er nicht.

(6)
Grabschrift eines lieben Ehegenossen.

                   

Leser, sieh! Erbarme dich dieses bittern Falles!
Außer Gott, war in der Welt, was hier liegt, mir alles.

(7)
Hoffnung.

                   

Auf was Gutes, ist gut warten;
Und der Tag kömmt nie zu spat,
Der was Gutes in sich hat.
Schnelles Glück hält schnelle Fahrten.

(8)
Spanien.

                   

Spanien liegt, wie ein Säugling, an der Ost- und Westenbrust
Jndiens; wie viele Länder hätten zu der Speise Lust!

(9)
Junger Rath.

                   

Bey Hofe gilt der junge Rath, als wie ein junger Wein;
Wiewohl er Darmgicht gerne bringt, doch geht er lieblich ein.

(10)
Auf den Thraso.

                   

Thraso rühmte seine Wunden,
Die er im Gesicht empfunden,
Als er rüstig, wie ein Held,
Sich vor seinen Feind gestellt.
Ey! sagt' einer, daß dir nicht
Dieses mehr schimpft dein Gesicht,
So enthalt dich, wenn du fliehst,
Daß du nicht zurücke siehst!

(11)
Eine Schönhäßliche.

                   

Jch kenn ein Frauenbild, das wäre völlig schön,
Nur daß der Schönheit Stück' in falscher Ordnung stehn.

(12)
Frey leben, gut leben.

                   

Wer andern lebt, lebt recht; wer ihme lebt, lebt gut:
Weil jener andern wohl, ihm übel der nicht thut.
Wohl diesem, dem zugleich die Freyheit ist gegeben,
Bald recht, bald gut, wann, wie und wem er will, zu leben!

(13)
Auf einen glücklichen Schelm.

                   

Dir sey, sagst du, bald gewährt,
Was du kannst und magst verlangen:
Schade, daß du nie begehrt,
Daß du möchtst — am Galgen hangen!

(14)
Von Jobs Weibe.

                   

Wie kam es, daß, da Job sonst alles eingebüßet,
Was ihm ergetzlich war, er nicht sein Weib gemisset?
Es steht nicht deutlich da, warum sie übrig blieb;
Allein ich schließe fast — er hatte sie nicht lieb.

(15)
Die unartige Zeit.

                   

Die Alten konnten fröhlich singen
Von tapfern deutschen Heldendingen,
Die ihre Väter ausgeübet.
Wo Gott, nach uns, ja Kinder giebet,
Die werden unsrer Zeit Beginnen
Beheulen, nicht besingen können.

(16)
Auf einen Ehrgeizigen.

                   

Alle Menschen gönnen dir, daß du mögest Cäsar werden;
Doch mit drey und zwanzig Wunden niederliegend auf der Erden.

(17)
Auf den Glorilus.

                   

Jhr rühmt die kühne Faust? Ey rühmt den schnellen Fuß,
Der mir, sagt Glorilus, die Faust erhalten muß.

(18)
Tod und Schlaf.

                   

Tod ist ein langer Schlaf; Schlaf ist ein kurzer Tod:
Die Noth lindert der, und jener tilgt die Noth.

(19)
Eine Heldenthat.

                   

O That, die nie die Welt, dieweil sie steht, gesehen!
O That, die, weil die Welt wird stehn, nie wird geschehn!
O That, die Welt in Erz und Zedern billig schreibt,
Und, wie sie immer kann, dem Alter einverleibt!
O That, vor der hinfort die allerkühnsten Helden,
Was ihre Faust gethan, sich schämen zu vermelden!
Vor der Achilles starrt, vor der auch Hektor stutzt,
Und Herkules nicht mehr auf seine Keule trutzt!
Hört! seht! und steigt empor! Macht alle Löcher weiter!
Dort ziehen Helden her, dort jagen dreyßig Reiter,
Die greifen kühnlich an — ein wüstes Gärtnerhaus,
Und schmeißen Ofen ein, und schlagen Fenster aus.

(20)
Lebensbedürfniß.

                   

Was thut und duldet nicht der Mensch um gut Gemach,
Wiewohl er mehr nicht darf, als Wasser, Brodt, Kleid, Dach!

(21)
Krieg und Wein.

                   

Soldaten und der Wein, wo die zu Gaste kommen,
Da ist Gewalt und Recht dem Wirthe bald benommen.
Der Wirth wirft diesen zwar zum Hause leicht hinaus,
Jen' aber räumen weg den Wirth und auch sein Haus.

(22)
Trauen.

                   

Einem trauen, ist genug;
Keinem trauen, ist nicht klug:
Doch ists besser, keinem trauen,
Als auf gar zu viele bauen.

(23)
Wittwenschaft.

                   

Als Pallas ward von Troja weggenommen,
Jst Troja bald in sein Verderben kommen:
Ein Haus, woraus ein redlich Weib verschieden,
Bleibt von dem Glücke mehrenteils vermieden.

(24)
Wahl eines Freundes.

                   

Der sey dir nicht erkiest,
Wer Freund ihm selbst nicht ist:
Wer Freund ihm selbst nur ist,
Der sey dir nicht erkiest.

(25)
Verleumder.

                   

Wer schmäht, und Schmähung hört, dem sey zur Straf erkohren,
Daß der werd an der Zung, und der gehenkt an Ohren.

(26)
Steuer.

                   

Wie weise man den Salomo sonst achtet,
So hat er doch nicht alles recht betrachtet,
Weil er der Dinge Zahl, die nimmer satt,
Die Steuer nicht noch beygesetzet hat.

(27)
Gestorbene Redlichkeit.

                   

Man lobt die Redlichkeit, sieht aber keine nicht.
Die Todten ist man auch zu loben noch verpflicht.

(28)
Uebereiltes Freyen.

                   

Leicht ist Liebe zu bekommen;
Leicht ist auch ein Weib genommen:
Die bekommen bald zur Stund',
Das genommen ohne Grund,
Heißt zur Reue die bekommen,
Heißt zur Strafe das genommen.

(29)
Das Land in der Stadt.

                   

Wer nach dem Lande jetzt will auf dem Lande fragen,
Der irrt. Mars hat das Land längst in die Stadt getragen.

(30)
Johannes der Täufer.

                   

Nicht recht! nicht recht! würd' immer schreyn
Johannes, sollt er wieder seyn.
Doch käm' er, rieth ich, daß er dächte,
Wie viel er Köpf in Vorrath brächte.

(31)
Bilder.

                   

Wo Bilder in der Kirch ein Ärgerniß gebären,
So muß man Kirchengehn auch schönen Weibern wehren.

(32)
Krieg und Hunger.

                   

Krieg und Hunger, Kriegs Genoß,
Sind zwey ungezogne Brüder,
Die durch ihres Fußes Stoß
Treten, was nur stehet, nieder.
Jener führet diesen an;
Wenn mit Morden, Rauben, Brennen,
Jener schon genug gethan,
Lernt man diesen erst recht kennen;
Denn er ist so rasend kühn,
So ergrimmt und so vermessen,
Daß er, wenn sonst alles hin,
Auch den Bruder pflegt zu fressen.

(33)
Auf den Lindus.

                   

Lindus ward einst im Gelag oft mit Worten angestochen,
Gleichwohl aber hat er sich noch mit Wort noch That gerochen:
Sondern gieng zur Stub hinaus, kam bald wiederum herein,
Sprach: ich hielt nur Rath mit mir, ob ich wollte böse seyn.

(34)
Mäßigkeit.

                   

Mein Tisch der darf mich nicht um Uebersatz verklagen:
Der Gurgel eß ich nicht, ich esse nur dem Magen.

(35)
Glücke wäget die Freunde.

                   

Böses Glück hat diese Güte,
Daß die ungewissen Sachen
Uns gewisse Freunde machen;
Daß man sich vor denen hüte,
Die nicht die sind, die sie scheinen,
Sondern unser Gut gut meinen.

(36)
Soldatenzucht.

                   

Pescennius, ein römscher Kaiser,
Der Kriegzucht ernster Unterweiser,
Der hat, als etwan neun Soldaten
Den Bauern einen Hahn verthaten,
Die That an ihnen viele Wochen
Bey Wasser und bey Brodt gerochen.
Jtzt schadets nicht, ob Ein Soldate
Neun Bauern gleich sied oder brate;
Eh als er trocknes Brodt sollt' essen,
Möcht er ein ganzes Dorf voll fressen.

(37)
Die Vernunft.

                   

Gott gab uns die Vernunft, dadurch uns zu regieren;
Wir brauchen die Vernunft, dadurch uns zu verführen.
Du, Mensch, bekamst Vernunft, lebst viehisch gegen dich;
Das Vieh hat nicht Vernunft, lebt menschlich gegen sich.

(38)
Neid.

                   

Tugend ist des Neides Mutter: Um der lieben Mutter wegen,
Sie zu haben, lasse keiner ihm das Kind in Weg was legen.

(39)
Nachgeben.

                   

Wer halbes Recht hat eingeräumet, der räume lieber ganzes ein:
Wer schon des Halben Herr geworden, der will es auch des Ganzen seyn.

(40)
Auf den Marcus.

                   

Marcus macht ein Testament, tröst sein Weib mit letztem Willen;
Sie macht auch ein Testament, ihren erstlich zu erfüllen.

(41)
Mächtige Diener.

                   

Den großen Elephanten führt oft ein kleiner Mohr:
Und großen Herren schreibet sehr oft ein Bauer vor.

(42)
Vom Curtius.

                   

Curtius und seine Frau leben wie die Kinder:
Spielen, wie die Kinder thun, kratzen sich nicht minder.

(43)
Die Gicht.

                   

Die Gicht verbeut dir Wein zu trinken,
Sonst mußt du liegen oder hinken.
Mich dünkt, es ist ein groß Verdruß,
Wenn übers Maul regiert der Fuß.

(44)
Beute.

                   

Was man dem Feind entwandt, das heiße, meynst du, Beute?
Nein; was der Bauer hat, und was die Edelleute,
Was man auf Straßen stiehlt, was man aus Kirchen raubt,
Das heißet Beut, und ist bey Freund und Feind erlaubt.

(45)
Die Sünde.

                   

Menschlich ist es, Sünde treiben;
Teuflisch ists, in Sünde bleiben;
Christlich ist es, Sünde hassen;
Göttlich ist es, Sünd' erlassen.

(46)
Auf die Albella.

                   

Albella, wärest du gleich nur ein kalter Stein,
Würd' ein Pygmalion dein Buhler dennoch seyn.
Du lebst, und bist so klar; was sollt' es Wunder seyn,
Wenn ein Pygmalion durch dich wird selbst ein Stein?

(47)
Zagheit.

                   

Wäre Schild und Harnisch gut
Vor die Zagheit, Furcht und Schrecken;
Könnt' ein Spieß und eisern Hut
Tapferkeit und Muth erwecken:
Ey, was hätten die für Zeit,
Die dergleichen Waffen schlügen!
Würd ihr Gold doch, glaub ich, weit
Alles Eisen überwiegen!

(48)
Dienstfertigkeit.

                   

Jch kann nicht jedem thun, was er von mir begehrt;
Auch mir wird selber nicht stets was ich will gewährt.

(49)
Poetengötter.

                   

Poeten die sollen die Götter nicht nennen,
Die Christen verlachen, nur Heiden bekennen.
Wird ihnen nur Venus und Bacchus geschenket,
Jch wette, daß keiner der andern gedenket.

(50)
Grabschrift einer schwangern Frau.

                   

Hier liegt ein Grab im Grab, und in des Grabes Grab
Was Welt noch nie gesehn, ihm auch nicht Namen gab.
Das Grab begrub zuvor, eh Grab begraben war; —
Zwey Gräber sind nur Eins, und Eine Leich ein Paar.

(51)
Trunkenheit.

                   

Wen sein Schicksal heißt ertrinken,
Darf drum nicht ins Wasser sinken:
Alldieweil ein deutscher Mann
Auch im Glas' ersaufen kann.

(52)
An einen kriegrischen Held.

                   

Als aus deiner Sinnen Stärke
Jupiter nahm ein Gemerke,
Daß du durch so kühnes Streiten
Würdest in den Himmel schreiten,
Sprach er: »Uns die Ehre bleibe!
»Dannenher ich einverleibe
»Diesen Held, nach Himmelsrechte,
»Jn der Götter alt Geschlechte;
»Denn er möcht aus eignen Thaten,
»Für sich selbst hieher gerathen.

(53)
Ein Vertriebener redet nach seinem Tode.

                   

Was mir nie war vergönnt bey meinem meisten Leben,
Das hat mir nun der Tod nach meinem Sinn gegeben;
Jch meyn ein eignes Haus, woraus mich keine Noth,
Kein Teufel, kein Tyrann mehr treibt, und auch kein Tod.

(54)
Ein babylonischer Gebrauch.

                   

Zu Babel wurden schöne Töchter auf freiem Markte feil gestellt;
Die Ungestalten aber nahmen zur Mitgift das gelöste Geld.
Sollt' ein so sonderbarer Handel auch unter uns im Schwange gehn,
So wär er gut für solche Freyer, die nur auf schnöde Münze sehn.
Jch aber stimmte diesem Brauche in einer andern Absicht bey,
Und meynte, daß allhier das Geben weit seliger als Nehmen sey.

(55)
Das trunkene Deutschland.

                   

Weit besser stands um Deutschlands Wohl,
Da Deutschland nur war gerne voll,
Als nun es triegen, buhlen, beuten,
Gelernet hat von fremden Leuten.

(56)
Hofstellungen.

                   

Es stecket Ja im linken, im rechten Backen Nein;
Ja, nein: dieß pflegt bey Hofe allzeit vermischt zu seyn.

(57)
Auf den Aulus.

                   

Aulus rühmt sich weit und ferne,
Allen Leuten dien er gerne;
Ja er dient, doch nimmt er Lohn,
Grösser als ein Dienst, davon.

(58)
Der Feind nicht zu verachten.

                   

Mit dem Feinde soll man fechten, vor dem Fechten ihn nicht schmähn;
Viel', die schmähten ungefochten, hat man fechtend laufen sehn.

(59)
Reichthum.

                   

Wer auf übrig Reichthum tracht,
Der wird weiter nichts erstreben,
Als, daß noch bey seinem Leben
Er ihm selbst ein täglich Sterben,
Und hernachmals seinen Erben
Ein erwünscht Gelächter macht.

(60)
Ein Ehrgeiziger.

                   

Wer viel Aemter will genießen,
Muß in sich viel Gaben wissen;
Oder muß auf Vortheil gehen;
Oder muß sie nicht verstehen.

(61)
Von den Steinen der Pyrrha und des Deukalions.

                   

Die Pyrrha und ihr Mann gestreut, was waren das für Steine?
Den Kieselstein warf sie, und er den Sandstein, wie ich meyne;
Denn dieser dient mehr zum Gebrauch, und jener mehr zum Scheine.

(62)
Kunst verstummt.

                   

Daß anitzt die Pierinnen,
Mars, vor dir nicht reden können,
Freu dich nicht! Es ist ihr Wille,
Ungehindert in der Stille,
Mit dem Recht sich zu berathen
Auf ein Urtheil deiner Thaten.

(63)
Sparsame Zeit.

                   

Der Mangel dieser Zeit hat Sparsamkeit erdacht;
Man taufet itzt auch bald, sobald man Hochzeit macht.

(64)
Gottes und des Teufels Worte.

                   

Es hat Gott durch sein Wort dieß runde Haus gebauet,
Und was man drinnen merkt, und was man draußen schauet:
Der Teufel hat ein Wort, wodurch er Vorsatz hat,
zu tilgen, was Gott schuf; und dieses heißt Soldat.

(65)
An die Annia.

                   

Mich dünkt, Annia ist niemals jung gewesen.
Jch habe nichts davon gehört, gesehn, gelesen.

(66)
Kleinmüthigkeit.

                   

Hoch kömmt schwerlich der, der doch
Wenig achtet, wenn er hoch.

(67)
Die Liebe.

                   

Wo Liebe zeucht ins Haus,
Da zeucht die Klugheit aus.

(68)
Auf den Hornutus.

                   

Hornutus las, was Gott Job habe weggenommen,
Sey doppelt ihm hernach zu Hause wiederkommen:
Wie gut, sprach er, war dieß, daß Gott sein Weib nicht nahm,
Auf daß Job ihrer zwey für eine nicht bekam!

(69)
Auf den Kunimundus.

                   

Kunimundus giebt sich an,
Manche Stunde seinen Mann
Zu bestehen. — Das ist viel! —
O es ist bedinget worden,
Daß er weder selbst ermorden,
Noch ermordet werden will.

(70)
Wahrheit.

                   

Fromme Leute klagen sehr, daß die Wahrheit sey verloren.
Suche, wer sie suchen will, aber nicht in hohen Ohren.

(71)
Des Krieges Raubsucht.

                   

Als Venus wollte Mars in ihre Liebe bringen,
Hat sie ihn blank und bloß am besten können zwingen.
Denn wär sie, wie sie pflegt, im theuern Schmuck geblieben,
Hätt er sie dürfen mehr berauben, als belieben.

(72)
Spieler.

                   

Spielen soll Ergetzen seyn?
Dieses seh ich noch nicht ein.
Glaubt ein Spieler, welcher viel
Eingebüßt, es sey ein Spiel?

(73)
Vorige und itzige Kriege.

                   

Was taugt der alte Krieg? Der neue Krieg ist besser;
Denn jener war ein Feind der Menschen, der der Schlösser:
Der erste machte leer der Menschen Leib vom Blut,
Und dieser fegt nur aus der Kasten altes Gut.

(74)
Ja.

                   

Viel Sprachen reden können steht einem Hofmann an —
Wer, was der Esel redet, der ist am besten dran.

(75)
Auf die Jungfer Dubiosa.

                   

Dubiosa ist sehr schön, reich, geschickt und sonst von Gaben,
Nur der Juden Hoher Priester könnte sie nicht ehlich haben.

(76)
Ein ehrliches Weib.

                   

Die Ehre ziert das Weib, ein ehrlich Weib den Mann:
Wer diesen Schmuck bekömmt, seh keinen andern an.

(77)
Zuversicht.

                   

Hat Gott mich ohne mich gebracht in dieses Leben,
Wird Gott das, was mir fehlt, mir ohne mich auch geben.

(78)
Plauderer.

                   

Wer immer sagt und sagt, und ist doch schlecht belehrt,
Sagt oft was nicht geschehn, und keiner sonst gehört.

(79)
Ein Proceß.

                   

Ein Kläger kam und sprach: Herr Richter, ich bekenne,
Beklagter soll mit thun, so viel als ich benenne.
Der Richter sprach: So schau, und giebs, Beklagter, hin;
So bist du los der Schuld, wie ich des Richtens bin.
Beklagter sprach: Jch kann zwar keine Schuld gestehen,
Doch geb ich Halbes hin, dem Zanken zu entgehen.
Wer besser richten kann, der richte drüber frey,
Wer unter dreyen hier der Allerklügste sey.

(80)
Die Zeit vertreiben.

                   

Laßt das Klagen unterbleiben,
Daß der Tod uns übereile:
Jeder sucht ja kurze Weile;
Jeder will die Zeit vertreiben.

(81)
Die Jugend.

                   

Wo Tugend Glück beherrscht, und Weisheit Unglücksfälle,
Hat Hochmuth kein Gehör, hat Unmuth keine Stelle.

(82)
Nicht zu viel.

                   

Ein rasches Pferd nur immer jagen,
Ein saubres Kleid nur immer tragen,
Den nützen Freund nur immer plagen,
Hat niemals langen Nutz getragen.

(83)
Das untreue Vermögen.

                   

Wie schelmisch ist das Geld! Ein jeder sinnt auf Geld,
Das dem doch, der es hat, nach Leib und Seele stellt.

(84)
Kunstdichter.

                   

Viel Helden hat es itzt, so hats auch viel Poeten.
Daß jene nun die Zeit nicht wie der Tod mag tödten,
Dazu sind diese gut; doch pflegen insgemein,
Wo viel Poeten sind, viel Dichter auch zu seyn.

(85)
Gemeine Werke.

                   

Kluge Leute thun zwar auch was die albernen beginnen,
Brauchen aber andre Art, andern Zweck und andre Sinnen.

(86)
Gewohnheit und Recht.

                   

Gewohnheit und Gebrauch zwingt oft und sehr das Recht:
Hier ist der Mann ein Herr der Weibes, dort ein Knecht.

(87)
Reime.

                   

Werden meine Reime nicht wohl in fremden Ohren klingen,
So bedenken Fremde nur, es geschah auch ihren Dingen.
Worte haben, wie die Menschen, ihr gewisses Vaterland,
Gelten da vor allen andern, wo sie lang und wohl bekannt.

*


 << zurück weiter >>