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Siebenter Gesang.
Alarich und Stelico.

Was gleicht dem Graun bei nahenden Gewittern,
Wenn am Taÿgetus Gewölke schwebt,
Wenn bang die Zweige der Platane zittern,
Und bang die trauernde Cypresse bebt?
Beschleunigt wird die Heimkehr von den Schnittern,
Und wie der Sturm sich auf dem Meer erhebt,
Beeilt das Schiff sich, daß es Land erreiche,
Der Vogel sucht sein Nest – der Blitz die Eiche.

So zog ein Sturm herauf vom Abendlande,
Der Weheruf um Hellas war so laut,
Wie wenn man hoch in einem Häuserbrande
Ein Kind umgeben von den Flammen schaut.
Und wieder ward und jetzt vom Tiberstrande
Des Krieges Führung Stelico vertraut,
Daß jene durch die Kunst geweihten Städte
Sein Schwert doch räche, wenn auch nicht errette.

Der Feldherr Roms mit Fußvolk und mit Rossen
Erreicht zu Schiff die Nähe von Corinth;
Die Gothen werden im Gebirg umschlossen,
Ein Kampf mit Hunger und mit Durst beginnt.
Dort wo der Lorbeer und die Myrthe sprossen,
Wo murmelnd sich des Peneus Quell besinnt,
Ob er die Flur, die er durchschlängelt, fliehe,
Ob tiefer noch in Berg' und Wälder ziehe?

Ein heilig Land – hier legten an der Grenze
Die Griechen ehmals ihre Waffen ab,
Und wanden um den Helm und Speer die Kränze
Vom Oelbaum, den es hier in Fülle gab.
Und Stelico? Die Flöten und die Tänze,
Die Rosen und der rebumlaubte Stab,
Und die zu frühe Siegeshoffnung schlingen
Sich um ihn her mit tausend Zauberringen.

Und während er den Gegner rings umgangen,
Im waldigen Gebirg, durch das er flieht,
Mit Wällen einschließt, und ihn so gefangen,
Von jedem Ausweg abgeschnitten sieht,
Wie Alles nun die Freude nach den langen
Entbehrungen in ihre Arme zieht,
Gewährt er sich's und theilt die Festlichkeiten,
Die ihm zu Ehren Stadt an Stadt bereiten.

Wie jenen Helden, den zu sich gewunken
In ihrem Zauberhain der Elfen Spiel,
Daß Schild und Speer aus seinem Arm gesunken,
Ja daß er selbst in tiefen Schlaf verfiel,
Von Blumenduft und süßen Klängen trunken;
So zog ihn von dem kriegerischen Ziel
Der Zauberreiz, der jenem Land noch eigen
Selbst unter Asche blieb, in seine Reigen.

Sie baten ihn, den Gothen abzujagen,
Was von den heil'gen Werken alter Kunst
Als Raub durch jene war davongetragen
Und noch verschont von Beil und Feuersbrunst,
Und auf sein Lächeln sagten sie mit Klagen:
»Nur einmal neigte sich des Himmels Gunst
Dem Werk der Menschen, was davon verloren,
Wird so vollendet nie mehr neugeboren.«

Und als er eingeholt von jenen Chören,
Wie Göttern einst sie jauchzten in Athen,
Sich von dem Flehn der Heiden ließ beschwören,
Gin Schauspiel im Odeon anzusehn.
»Wie?« rief er da, »die Masken soll ich hören?
Ich ein Barbar und Kriegsmann? Mag's geschehn!
Wohlan, laßt über dem geheimnißvollen
Gebild des Traums den Vorhang sich entrollen.«

»Da noch nicht Alles Staub und Asche decken,«
Erwiedern sie darauf, »so wollen wir
Die Wogen der Orchestra dir erwecken,
In menschlicher Gestaltung zeige hier
Die Liebe sich, und dort die Furcht, der Schrecken;
Uraltes Leid erscheine neu vor dir,
Gewalt'ger wird, als je die Welt gesehen,
Geschick und menschliches Gemüth erstehen.«

Und eine Thür sprang auf, in Angeln knarrend,
Die Thymele umstand der Alten Chor,
Antigonen und Oedipus erharrend,
Und dieser nun erblindet trat hervor,
Gestützt auf seine Tochter, vor sich starrend,
Den Stab in seiner Rechten und beschwor
Den Fremden nun, zu nahn dem heil'gen Orte,
Und murmelnd sang dazu der Chor die Worte:

»Dieß Haus, der Schauplatz einst von allem Großen,
Und jeder Ehrfurcht vor der höchsten Macht,
Wohl weißt du, daß sich seine Thore schloßen
Für alle Zeit, und nimmer weicht die Nacht.
Doch Worte, wie sie hier von Lippen floßen,
O könnten sie, nochmals zurückgebracht,
Ein Echo wach in deiner Seele rufen,
Wir wankten nicht umsonst auf diese Stufen.

Wo blüht der Lorbeer noch, wo grünt die Myrthe?
Auf allen Höhen raucht der Tempelbrand,
Und meine Hand, ach daß ich dich bewirthe,
Schöpft nur noch Thränen am Ilissus Strand.
Bist du nicht Theseus? auf, o Held, umgürte
Mit deinem Schwerte dich, befrei' dein Land!
Sieh', wie sich vom Gebirg, gleich Hagelschauern,
Verwüstung wälzt, erlege die Centauern!«

Verhallend rollten des Gesanges Wogen
In weite Fernen hin. – »Sie rufen mich!«
Rief Stelico, von Locken wild umflogen.
Dann sprang er auf und neigte sich und wich,
Als wie von unsichtbarer Hand gezogen,
Als wie vom Traum erwacht, zurück. »Auch ich,
Wie dieser Greis hier,« rief er, »war erblindet,
Doch nun ihr Schatten dieser Nacht – entschwindet!«

Entschlossen, nun mit einem raschen Schlage,
Mit einer Schlacht zu endigen den Krieg,
Verläßt er ohne Säumniß die Gelage,
Und glaubt damit schon sein den schwersten Sieg;
Doch in derselben Nacht noch, nach dem Tage,
An dem er so gefaßt zu Rosse stieg,
Ward im Gebirg, dem Dunkel nur entschleiert,
Von seinem Feind ein andres Fest gefeiert.

Es war im Frühjahr, in dem ersten Maie,
Wo dicht wie Wolken Stern an Stern sich drängt.
Da ward beim Neumond in der Gothen Reihe,
Auf steilem Fels von Feinden eingezwängt,
Gefeiert eine Nacht der Waffenweihe,
Die Jugend mit dem ersten Schwert umhängt;
Den Vogelflug befragten dann die Greise
Nach Väterbrauch und alter Nordlandsweise.

Und auf den Schilden hoch emporgehoben
Ward Alarich, den so das Volk erkührt
Zu seinem König, und mit Treugeloben
Ward von den Speeren an sein Haupt gerührt,
Den Grund der Erde stampfend, wiehernd schnoben
Die Hengste, ihm am Zügel vorgeführt,
Er griff des einen Mähn' und rief: »Ich schwöre,
Daß ich für alle Zeit euch angehöre.

Der uns gefangen wähnt' in seiner Schlinge,
Liegt selbst gefesselt in der Lüste Band,
Und über seinem Heere liegt die Schwinge
Des tiefen Schlafs, jetzt nehmt das Schwert zur Hand,
Geweiht dem Rettungskampfe, jedes dringe
Durch eines Römers Brust, und dieses Land,
Das uns zum Leichentuche sollte werden,
Werd' uns ein zweites Vaterland auf Erden.«

Zurück blieb nicht der Wunde, nicht der Kranke,
Und in das Trinkhorn goß der Kampfgenoß
Mit seinen Freunden Blut zum Weihetranke.
Dann wand' auf finstrem Pfad sich Heer und Troß
Den Berg hinab, und warf sich in die Flanke,
Und mitten durch die Römer hoch zu Roß,
Eh' die sich noch gefaßt, war durchgedrungen
Der Gothenzug im Schutz der Dämmerungen.

Und eilig vor bis in Epirus Schluchten
Stürmt Alarich, und siegt, indem er flieht.
Besetzt die Burgen längs der Meeresbuchten,
Und droht nun selbst illyrischem Gebiet.
Rasch folgte Stelico den kühnen Fluchten,
Und jeder Morgen, jeder Abend sieht
An jenen wald'gen Höhn und tief gelegnen
Bergseen Berittne sich im Kampf begegnen. –

Schon kühlte sich im Laub der Lorbeerzweige
Ein schwüler Tag, da horch, ein Echo schallt,
Und es begegnen auf dem Felsensteige
Zwei Reiter sich; der eine, von Gestalt
Ein Riese, spricht: »Ich folg' dem Fingerzeige
Des Schicksals nur, und mir gebietet Halt
Kein andrer Ruf, doch kommt es mir gelegen,
Wünscht mich Byzanz zum Frieden zu bewegen.

Die Wege nach Italien stehn mir offen.
Mich dort zu sehn, ich weiß, euch liegt daran,
Denn schwer hat Griechenland mein Zug betroffen,
Und hier wagt sich kein Gegner mir zu nahn.
Doch eines will und kann und darf ich hoffen,
Erkennt mich als Illyriens König an!
Wollt ihr, so soll kein Schwertstreich mehr geschehen,
Und ewiger Friede zwischen uns bestehen.«

»Es gilt,« entgegnete nach einem Zaudern
Der Höfling aus Byzanz, indem er denkt,
Der Ehrgeiz Stelicos, vor dem wir schaudern,
Ist dann nach einer andern Bahn gelenkt.
»Es gilt, leb' wohl – denn sieh', indeß wir plaudern,
Hat sich der Sonnenball ins Meer gesenkt.
Illyrien ist dein, wir sehn uns wieder;«
Und eilig ritt er nach der Ebne nieder.

Der Gothe sah ihm nach: »So theuer zahlen
Die Feigen ihr verrätherisches Spiel,
Sie fürchten mich und mehr noch den Vandalen,
Dem sie sich anvertraut. Das stolze Ziel
Des Stelico sind nicht allein die Strahlen
Der Gunst, worin er Anfangs sich gefiel,
Er geht auf dunklerm Pfad als ich den meinen,
Um das zu sein, was seine Herrscher scheinen.«

Die steinigten, gewundnen Wege traten
Der Gothe und sein Roß, und als sie sich
Den waldumschatteten Gezeiten nahten,
Des Tages späte Dämmergluth entwich,
Vergoldend noch des Berges letzte Saaten,
Der Schakal heulte, Falk und Eule strich,
Da sah der Held aus eines Eichbaums Zweigen
Sich drei Gestalten sanft herniederneigen.

Drei Jungfrau'n schienen sie, und auf und nieder
Im Reigen schwebend, leicht und wechselweis,
Und tauchten jetzt zurück und kamen wieder,
Und schloßen miteinander einen Kreis.
Das flatternde Gewand um ihre Glieder
Erschien halb dunkle Nacht, halb hell und weiß;
So woben sie, und spannten von den Pfaden
Zu Wolkenhöhn hinüber ihren Faden.

Des Rosses Zügel hielt der Siegesreiche
Erstaunt und rief: »Seid ihr es, die ihr webt?
Ihr Nornen seid noch, webt noch um die Eiche?
Sprecht, wenn vor eurem Blick die Zukunft schwebt,
Sprecht, ob ich je das ew'ge Rom erreiche?
Sprecht, ob ihr Sieg vor meinem Tod mir gebt!«
Und Eine rief herab: »Sieg über Heere,
Sieg über Ströme, über Land und Meere.«

»Walkyre du, o schwebe nicht von hinnen,
Sag' mir, eh denn ich fiel am Tag der Schlacht,
Werd' ich ein Reich noch für mein Volk gewinnen?«
Er rief's, da bäumte sich sein Roß mit Macht,
Und sieh, wie Nebel schienen zu zerrinnen
Die Schwingen um sie her im Grau'n der Nacht,
Indem sie sanft an seine Stirne hauchte,
Und wie es schien, zur Fluth hinuntertauchte.

»Ihr riefet mich zu neuen Heereszügen,«
Spricht Alarich zu sich, »ja auf, nach Rom!
Es winkt der Lorbeer auf den Aschenkrügen,
Erhabner als Byzanziums Hippodrom.
Nicht Hellas, nicht Illyrien genügen
Der Gothen hohem Ruhm. Am Tiberstrom
Die ew'ge Stadt, die heiligste hienieden,
Der Himmel selbst, sie selbst ist uns beschieden.«

Bald donnert, wo den Berg die Waldung krönte,
An Istriens Gestad der Aexte Schlag,
Wo Vogelsang und Quellgemurmel tönte,
Da ward aus stiller Nacht ein lauter Tag.
Die stolze Tann' und hohe Fichte stöhnte,
Die Buche stürzte, und am Boden lag,
Was Sturmwind und den Jahren Trotz geboten,
Indeß im Höhlengrund die Feuer lohten.

Die Säge fährt durch's Mark der alten Eiche,
Das Beil durchdringt der Esche schlanken Baum,
Und Pferde ziehn die dichtbelaubte Leiche
Der Ulme nach dem Strand, im öden Raum
Beseufzt der Wind die ausgestorbnen Reiche,
Und ruft den Geist des Waldes auf im Traum;
Der Mast erzählt auf hoher See den Wogen,
Wie kühn er einst als Tanne sich gebogen.

War so der Haine Stolz in Staub gesunken,
So schwankten bald die Segel auf der Fluth,
Und spät in Nacht, wenn Alles schlummertrunken,
Dann schlug der Esse feuerhelle Wuth
Zum Himmel auf, die Hämmer sprühten Funken,
Und wie Cyklopen in der Feuergluth,
So schweißten beim Gebläs' der Flammenspeisen
Die Riesenkinder glühend Erz und Eisen.

Indeß sah durch den abgeschlossnen Frieden
Sich Stelico im Innersten verletzt,
Von seinem treuen Heere sich geschieden,
Und jeder Würde, jeder Pflicht entsetzt.
»Und er, der stets den Kampf mit mir vermieden,
Mein stolzer Gegner,« ruft er, »sieht sich jetzt
Für alles das vergossne Blut zum Lohne
Verherrlicht durch Illyriens Königskrone!«

Er fährt sogleich mit seinen letzten Schiffen
Nach Rom zurück; »Honorius, nur dein
War dieses Herz, mein Schwert war nur geschliffen
Für deine Feinde, sprich, wer schlich sich ein,
Und höhnte mein?« Honorius ergriffen
Von Schreck und Reue sprach: »Ein Edelstein
Ist deine Treue, wolle sie bewahren,
Und sei mit uns in Freuden und Gefahren.«

Bestärkt ward das gegebne Wort aufs Neue,
Als bald hernach noch durch Marias Hand,
Der Tochter Stelicos, ein Bund der Treue
Ihn innigst mit Honorius verband.
Als am Altar in demuthvoller Scheue
Die Jungfrau knieend lag, und als ihr wand
Das Diadem der Priester in die Locken,
Da zuckte durch des Helden Brust Frohlocken.

Versöhnter jetzt mit jedem bittren Loose,
Das List und Argwohn über ihn verhing,
Erschien es ihm, als blüh' die holde Rose,
Die seine Hand dahingab mit dem Ring,
Was sie für ihn stets war, als dornenlose,
Auch in des Herrschers Hand, der sie empfing,
Und so mit Stolz und Wonne sah er wallen
Die Hochzeit nach des Kaiserhauses Hallen. –

Wie sich im Glanz der Freudenfeste sonnte
Das schöne Mailand, wie so stolz es schien!
Die Stadt, die sich mit Rom vergleichen konnte!
Nun war vor allen ihr der Kranz verliehn.
Die Tritons-Brunnen und Bellerophonte,
Versprühten Quellen und ein Baldachin
Schien das Gewölbe der voll Pracht bemalten
Gemächer, die von Gold und Marmor strahlten.

Doch Alles übertraf an Pracht und Glanze
Die kaiserliche Villa – meilenweit
Glich um das Landgut einem Blüthenkranze,
Mit See und Wald der Gegend Lieblichkeit.
Auf bunter Flur sprang junges Volk im Tanze,
Es fehlte nie an Lust und Fröhlichkeit,
Der Hirt blies die Schalmei, der Winzer hüpfte
Auf Rebenlaub, durch das die Eidechs schlüpfte.

Die Aussicht von des Hauses jedem Flügel
Gewährte rings ein Bild voll Reiz und Licht,
Ein fern Gebirg, des Sees azurner Spiegel,
Ein Hain, worin mit Pan Diana spricht;
Und auf dem Hofraum liegt der Stille Siegel,
Das nur ein Springquell murmelnd unterbricht,
Und hie und da ein Lachen und ein Mäckern,
Wenn Kinder mit der jungen Ziege schäckern.

Honorius kostet hier noch immerwährend
Der Hochzeitmonde wonnevolle Lust,
Der jungen Gattin Angesicht verklärend,
Und freudetrunken seines Glücks bewußt.
Und jeden Tag dem süßen Traum gewährend,
Vergaß er einer Welt an ihrer Brust,
Und lebte selige Olympiaden
Fern, fern von Rom, an Cyprias Gestaden.

Doch einstmals, da noch tief im Schlummer lagen
Die Zinnen der erhabnen Stadt, da schien
Ein drohender Komet den Himmelswagen
Bis vor die Thore Roms heranzuziehn,
Und wie ein Drache, der um sich geschlagen,
Sah fremd herab vom Himmelsbaldachin
Ein Flammenschweif, wie Flügel auf Gewändern
Und Fahnen in den fernen Morgenländern.

Und eine Kunde war verbreitet worden,
Ravenna schon sei Alarich genaht;
Von dort, wo wüthend Schneesturm bläst, vom Norden
Erblickte Roms geängstigter Senat
Den Würger nahn, der Hirt und Heerde morden,
Und niedertreten werde Frucht und Saat.
Man hörte Tag und Nacht die Wagen rollen,
Von Tausenden, die noch entfliehen wollen.

Honorius, beschäftigt bei den Netzen,
Als Meleager angethan zur Jagd,
Kam eben, um ein Eberwild zu hetzen,
Aus seinem Forst hervor, als unbefragt
Ihm ein Senator bleich und voll Entsetzen
Entgegensprang und rief: »Es sei gesagt:
O Herr, dein Rom und alles ist verloren,
Des Nordens Hannibal steht vor den Thoren!«

Der Jüngling ließ von jähem Schreck betroffen
Aus seiner schwachen Hand das Jagdgeräth;
Er rief: »Ist keine Rettung mehr zu hoffen? –
Erhört kein Heil'ger unser Hülfsgebet?«
Ein Weg, ward ihm zur Antwort, ist noch offen,
Der Weg zur Flucht, noch ist es nicht zu spät;
Und kaum war dieses Wort gesagt, so jagen
Die Straße Läufer her und Roß und Wagen.

Und Stelico erscheint, und unerschrocken
Und festen Schrittes naht er sich, und spricht:
»Zu weit ließ sich von seinem Muth verlocken
Der trotz'ge Feind, der unsern Frieden bricht.
Du Sohn des Zeus, du spannst am Weiberrocken,
Doch schnell erkennst du deine Herrscherpflicht;
Wir würden, was uns lieb ist, schlecht bewachen,
Dürft' Liebe hier uns ehrvergessen machen.

Mein Wort zum Pfand, Augustus, auf so lange
Verbürg' ich deiner Städte Sicherheit,
Bis ich mit deinem Heer zurückgelange,
Das mein im Norden harrt zum Kampf bereit.
Es sei dein Herz vor keiner Zukunft bange,
Erschrick nicht vor den Schrecknissen der Zeit,
Nicht zu entfliehn, die Schwerter gilt's zu schärfen,
Anstatt uns an die Feinde wegzuwerfen.

Es schwang die Furcht nur ihre schwarzen Flügel
Mit Graun umsäumt, und flog umher und trug
Die Schrecken über unsre sieben Hügel.
Herr! Deine Mauern sind noch fest genug,
Vertraue mir und meiner Faust die Zügel!«
So sprach der Held, und seine Rechte schlug
An seinen Panzer, daß er wiederhallte;
Die Furcht entfloh, als dieses Echo schallte.

Er fährt nun, wo die schattigen Gestade
Des Oelbaums blühn, die Fluth des Comersees
In einem kleinen Boot hinauf, gerade
Den Alpen zu, und achtet nicht des Schnees,
Und nicht der ungebahnten Felsenpfade,
Und nicht des Sturms und keines Winterwehs,
Er sieht die Höhen des Hercynerhaines,
Und kommt zum Quell der Donau und des Rheines.

Hier aber sieht er alles umgestaltet;
NAME="PA243">Wo Roms Erobrerschritt mit Blut gedüngt,
Wo eisern sein Gesetz im Land gewaltet,
Da hatte sich der Stamm im Volk verjüngt,
Und das ihm aufgedrungne war veraltet,
Wie doch die Wurzel durch ein Bauwerk dringt,
Ob sie der Stein auch ausschloß, wenn am Ende
Die Mauern morsch sind und gesprengt die Wände.

Sobald die Zügel nach und nach erschlafften,
Womit es stark die Völker niederzwang,
Da schlossen die sich in Genossenschaften
Und Bünde sich zusammen, in dem Drang
Nach Eintracht, daß sie Schutz damit sich schafften.
Was nie noch unter einem Joch gelang,
Ward nun erreicht, und hatte durch die freie
Vereinigung den Inhalt höh'rer Weihe.

Erst klagte man's in Liedern nur den Todten,
Dann sprachen Blicke stumm, und alles doch,
Dann gingen Nachts von Hof zu Hofe Boten,
Und brachten Ringe, fragten: »Schlaft ihr noch?«
Bis endlich auf den Höh'n die Feuer lohten,
Und alles griff zum Schwert, und brach das Joch.
Wie man vereint gelitten und gestritten,
Draus wurden Rechte nun und neue Sitten.

Erst sind es Zeichen nur und Spruch und Weisen,
Doch lebt darin das innerste Gemüth,
Und deutet an mit schüchternen und leisen
Gedanken das, was in der Tiefe glüht.
So wenn im Frühling noch in kleinen Kreisen
Die Sonn' am Himmel glänzt, und was nun blüht,
Nur anzeigt, daß noch unter tiefer Hülle
Verborgen ruht des Jahres ganze Fülle. –

Der Berge jäher Grat, vom Wald umzogen,
Biegt sich zum Seegestad herab und schließt
In seinen Wolkenarm die düstern Wogen,
In die der Sturzbach schäumend sich ergießt,
Und See um See, und Fels um Fels gebogen,
Schläft einsam fort, und keine Zeit verfließt,
Und wird nur an den himmelhohen Jochen
Vom Donner der Lawinen unterbrochen.

Dem See zu schritten Männer durch's Gestäude,
»Hol' über Fährmann!« riefen sie gen Land;
Der Schiffer fuhr herüber, und als Beide
Das Boot bestiegen, stieg ein Feuerbrand
Vom andern Ufer auf; – auf Berg und Weide
Lag Nacht, das Boot flog um die Felsenwand,
Und als es jenseits angelandet, schritten
Die Reisigen dem Berg zu nach den Hütten.

Ein groß Gehöft umweidete die Heerde,
Und ihr Geläut durchhallte manchesmal
Die stille Nacht, da grasten junge Pferde,
Dort stiegen Hirten noch herauf vom Thal,
Kalt war der Gruß und frostig die Geberde;
So ritten sie auf einem Felspfad schmal
Am Abgrund hin, bis in der Morgenstunde
Ein Thurm vor ihnen lag im Tannengrunde.

Geschützt durch Wall und Gräben war die Warte,
Tief unten schoß der Waldbach schäumend hin,
Und zu dem Volk umher, das seiner harrte,
Sprach Stelico: »Ihr seht, daß ich es bin.
Ich ruf euch noch einmal um Roms Standarte!
Wer zieht mit mir?« – Doch nicht ein Mann erschien.
»Was ist das? Rhätier! ihr werdet wollen, –
Werd' ich mein Aufgebot erzwingen sollen?

Doch halt! fürs Erste sollt ihr uns bewirthen.
Noch stehn die Burgen Roms; es gehe jetzt
Und schlacht', uns fügsam einer von euch Hirten
Der Heerde stärksten Stier!« – Da rief es: »Wetzt
Euch selbst das Messer, eure Ketten klirrten
Schon allzu lang! Es ist ein Ziel gesetzt
Dem Herrschgelüst!« Rasch trat bei diesem Worte
Ein Mann mit Speer und Hunden durch die Pforte.

»Viel besser wär's,« sprach Stelico, »ihr bötet
Die Hand zum Gruß auf eurem Berg dem Gast,
Daß nicht noch Blut der Alpen Wiese röthet.«
Der aber rief: »Den hab' ich stets gehaßt,
Der mir die Hände reicht, womit er tödtet.
Eh' grüne dieser Esche trockner Ast, –
Ich sag' mich ab und los von eurem Bunde;«
Und heulend schlugen an die beiden Hunde.

Schon zückte Stelico sein Schwert, da wandte
Der Waidmann ihm beim Licht die Blicke zu,
Und Jener, ehe noch der Freund sich nannte,
»Wie,« rief er, »Audogar! du bist es, du?«
»Ja, ich,« sprach der, »und wisse, daß mich sandte
Das ganze Volk. Es gönn' die Segensruh'
Der Herrscher uns in Rom, wir sind entschlossen,
Kein Tropfen Blut mehr wird für ihn vergossen.

Von diesen Bergen bis zum Donaustrande
Sind alle Gaue frei, am Rhein, am Meer
Ist einig alles Volk, sind alle Bande
Des Jochs zersprengt, steht alles unter Wehr.
Hab' freien Abzug Jeder, der im Lande
Noch Roms ist, doch auf Nimmerwiederkehr!«
»Halt! Audogar,« rief Stelico, »nicht weiter,
Blick' um mich her, da stehen meine Streiter.«

Er sprach's, und aufschlug eine Feuersäule,
Die prasselnd ins Gehöft der Hirten brach,
Jetzt hörte man des Bergvolks Schlachtgeheule,
Das Echo rief's im tiefen Abgrund nach.
Da klang das Schwert, da donnerte die Keule.
»Hieher, herauf,« rief's, »löschet auf die Schmach!«
»Auf!« rief die Kriegsschaar Stelico's dagegen,
»In Fesseln lasset uns die Hirten legen.«

»Hörst du's,« sprach Stelico. »Ich hör's und reiche,«
Gab Audogar zur Antwort, »Tapfrer, dir
Die Hand zum Frieden nochmals, und ich weiche
Mit Bitten nicht von dieser Stelle hier.
Gib du das Beispiel in dem Römerreiche,
Daß höher steht als Blut- und Ländergier
Der ernste Schwur, ein freies Volk zu achten,
Das sich nicht unterjochen läßt und schlachten.

Denn siegt ihr auch, ihr siegtet nur auf Stunden;
Das ganze Land stund auf. Doch höre jetzt;
Gedenk' des Bluts, das von Germaniens Wunden
Seit alter Zeit des Cirkus Sand genetzt,
Gedenk' der Schaaren, die man dann gebunden
Wie Heerden wegtrieb, und zum Heer gehetzt,
Bald gegen Afrika, bald gegen Parther –
Gedenk' des Hohns und der Besiegten Marter.«

»Mein Audogar,« sprach Stelico, »mir theuer
Wie nur ein Sohn, da steh' ich ja besiegt,
Ja euer sei die Erde, euer – euer
Bleib Jeder, den die Mutter hier gewiegt!«
»Flammt auf!« rief Audogar, »ihr Freudenfeuer,
Frei sind die Höh'n, um die der Adler fliegt!«
Mit Ernst und einem Blick, der stumm nur klagte.
Nahm aber Stelico das Wort und sagte:

»Hieher komm! hier auf diese Felsenplatte,
Von wo man fernhin in die Thale sieht,
Hier höre mich, auch Stelico einst hatte
Ein Vaterland, wo fänd' ich sein Gebiet?
Dort haust der Sueve, dorthin zog der Katte,
Der Cimbre dort, der Rugier dort; mich zieht
Dahin mein Loos, wo mich aus Wort und Blicken
Der Arglist Garne tausendfach umstricken.

Sieh', wie das Dunkel schon die weiten Thäler
Umhüllt, und wie auch hier das Grau'n der Nacht
Herandringt, und der Berge Riesenmäler
In Schatten hüllt, und erst recht steinern macht.
So herrscht sie überall, und schmal und schmäler
Wird jeder Lichtkreis; stets rang eine Macht,
Daß in Vergessenheit Geschlechter kamen,
Und ausgelöscht sind ganzer Völker Namen.

So hat sie auch in Nacht den Stamm verborgen,
Dem ich entsprossen bin, und mich gestellt
Auf mich allein, und unter Müh'n und Sorgen,
In einer fremden, mir verhaßten Welt.
Du lebe wohl, dir glänzt ein schöner Morgen
Im Volke, das der Freiheit Tag erhellt,
Mich aber wirst du nie mehr wiederschauen.«
Sprach's, schied, und ritt hinweg im Dämmergrauen.

Ins Hüfthorn stieß er dann, und über Wogen
Erklang der Schall, und über Berg und Thal;
Auf allen Höhn, von Burg zu Burgen flogen
Die Flammen auf, und gaben ein Signal;
Und sieh', heran aus ihren Besten zogen
Die letzten Krieger Roms, daß ihre Zahl
Italiens Legionen noch ergänze,
Und schirme gegen Alarich die Grenze.

Die Märkte, wo so lang ihr Recht gegolten,
Die Straßen, über deren Quaderstein
So lang die Räder ihrer Wagen rollten,
Die Güter voller Heerden, Korn und Wein,
Die Bauten, welche ewig dauern sollten,
Die Städte an der Donau und am Rhein,
Sie wurden alle schutzlos nun, und stunden
Den Sueven auf, den Franken und Burgunden.

Im Eilschritt ging es nach den Alpenpässen,
Und mit hin zog in einer langen Flucht,
Was unter Rom einst Amt und Land besessen,
Und Schutz gehabt; des Elends ganze Wucht
Lag über dieser Menge. Todtenblässen
Und Händeringen waren nun die Frucht
Von Willkür und Erpressung seit den Tagen,
Als seinen blut'gen Zins das Land getragen.

Anstatt der Ruthenbündel und der Beile,
Die einstens vor ihm her ein Liktor trug,
Trieb jenen Prätor selbst jetzt an zur Eile
Des Sueven Schlachtbeil, der in Trümmer schlug
Den Prunk und Schmuck der Villen. – Meil' auf Meile
Zog so das Heer; auf einmal stockt der Zug;
Und sieh', hoch auf den Felsen über ihnen
Ist plötzlich ein Gefürchteter erschienen.

»Will's Winter werden, da sie südwärts kehren
Die räuberischen Dohlen,« rief herab
Vom Felsen Radagast, »doch soll verwehren
Den Durchzug euch ein ungeheures Grab,
Und Steine sollen dann die Nachwelt lehren,
Was Rache heischt, und was sich hier begab.«
Den Worten folgt in tausend Wiederhallen
Der Seinen Jubel von den Höhen allen.

Die Höhen rings erschienen uneinnehmbar,
Die Schlucht, durch die der steile Weg sich bog,
Kaum speerlang breit, und oben unbezähmbar
Stund Mordlust, die schon ihre Waffe wog.
Da ward zugleich ein Donnerruf vernehmbar,
Der Aller Blicke nach der Höhe zog,
Dem Radagast g'enüber auf der Klippe
Rief Audogar, den Schild vor seiner Lippe:

»Soll Friede zwischen uns bestehn, – ich lange
Hier zu der Flücht'gen Schutze meinen Speer
Von diesem bis zu jenem Felsenhange, –
Und was indeß darunter von dem Heer
Hindurchziehn kann, sei frei vom Untergange.«
Da lachte Radagast und rief: »Nicht mehr?
Beim Odin! dieß muß ich dir zugestehen,
Ein solches Joch hab ich noch nie gesehen.«

Ihm schien, kein Arm, und wär' er gleich dem Stahle,
Vermöchte je, den schweren Speer beim Schaft
So lang gestreckt erhalten ob dem Thale,
Bis unten durch der Zug sich fortgerafft;
Doch wie den Balken mit der Wageschale
Der Cherub einst emporhält, so voll Kraft
Hielt Audogar die Lanze von den einen
Hinüber zu den andern Felsgesteinen.

»Gut, denk' ich, kommt ihr durch durch diese Schlünde,
Ich folg' euch bald,« rief Radagast, er war
Der Lenker der vereinten Völkerbünde,
»Seit diesem Tag erwächst euch mehr Gefahr,
Als ihr geglaubt, – hört, was ich euch verkünde;
Dem Thor und Wodan einen Sühnaltar
Mach ich aus Rom, und an der Tiber Fluthen
Soll sein ein Weideplatz für meine Stuten.«

»O wag' es nicht!« rief Audogar entgegen,
»Begnüge dich, da nun das Joch zerbrach,
Das über unsrem Land so lang gelegen.
Gib nicht der Rache, nicht der Raubgier nach!
Die Götter folgen nicht auf bösen Wegen.«
Er schwieg, doch was der Warnung Stimme sprach,
Von Fels zu Felsen war es laut erklungen;
Indeß das Heer war unten durchgedrungen.

Mit Blicken voll Verachtung sah sie ziehen
Vom Felsen aus der grimme Radagast.
Die Römer dankten Gott auf ihren Knieen,
Doch Stelico gab keine Stunde Rast.
Er sieht mit Ungeduld die Zeit entfliehen,
Denn schon hat Alarich, nachdem in Hast
Sein Marsch die Alpen von Friaul durchschnitten.
Den Tessin und die Adda überschritten.

Honorius blickt von eines Thurms Balkone
Aus Asta's Burg, um das die Gothen stehn,
Voll Sehnsucht nach dem Retter seiner Krone, –
»O sähen wir doch bald sein Banner wehn!«
Serena sprach: »Die Mutter mit dem Sohne
Erhört gewiß mein innigliches Flehn,
Er kehrt zurück für unser heißes Sehnen,
Der Seinen Trost, und zum Verderben Jenen.«

Die Höh'n herab kam Stelico geritten. –
Vom Heer Italiens, das die Stadt bewacht,
Die drüben liegt vom Feinde hart bestritten,
Trennt ihn der Strom, und rings der Gothen Macht.
Er sieht vom Uebergang sich abgeschnitten,
Denn ihre Feuer zeigen durch die Nacht
Ihm hier und dort ihr Lager, doch erhellen
Sie auch zugleich des Flusses seicht're Stellen.

Schon nah der Furt, schon dampft des Flusses Feuchte
Am Strand herauf von Morgenglühn erhellt,
Da sprengt ein Reiter auf ihn los: »Mich däuchte,
Nicht eitle Hoffnung hat mein Herz geschwellt,
Die Sonne selbst ward meines Weges Leuchte;
Du sagst, ich habe mich dir nie gestellt,
Durch Fliehn hab' Alarich dich überwunden,
Hier bin ich, haben wir uns nun gefunden?

Doch höre mich, es ist ein Wort erklungen,
Das Wort, warum von Nordens fernem Belt
Die Fluth der Völker kommt herangedrungen;
Die Axt, durch die das morsche Südreich fällt,
Die Axt in unsrer Hand ist schon geschwungen;
Was glaubst du, was von dieser Stadt mich hält?
Mich führt, o nicht ein Traumbild eitler Lüge,
Ein höh'rer Wille ruft, dem ich mich füge!«

»Illyriens Herrscher, König du der Gothen!
Du nennst Byzanz, allein man hatte dort
Die Waaren dir zu billig angeboten,« –
Entgegnet Stelico; »doch ich halt' Wort!
Ich halt' den Schild zum Schirme der Bedrohten,
Und dieses Schwert ist der Bedrängten Hort;
Wenn ihr gewähnt, man würd' euch wohl empfangen,
So seid ihr nicht des rechten Wegs gegangen.«

Da warf sein Roß zurück der Gothenkönig,
Warf seine schweren Eisenhandschuh' hin,
Und zeigte seine Faust, die hart und sehnig,
Und wie von Drachenblut gefestet schien.
»Bleib' nicht mehr,« rief er, »Roms in Treue fröhnig,
Reich' uns die Hand!« – »Laß mich hinüberziehn,«
Ruft Stelico, »wag' nicht, mich aufzuhalten,«
Und wirft die Lanze nach dem Helm des Balten.

Die Lanze fliegt mit sausendem Erzittern
Die Luft hindurch, zerspalten an dem Stahl
Der Streitaxt Alarichs, – zerknickt zu Splittern
Sinkt in den Sand die Waffe. »Römer Pfahl!« –
Lacht Alarich. – »Der Halm fällt vor den Schnittern,«
Ruft Stelico und zückt sein Schwert. »Zumal
Vor euch,« entgegnet Alarich, »dir segnen
Will ich dein Haupt, Knecht Roms, Blut soll es regnen.«

Und d'reimal mit den starken Armen schwingen
Die Helden ihre Waffen und bethau'n
Der Rüstung Glanz an Kette, Spang' und Ringen
Mit dunkelrothem Blut, wohin sie hau'n. –
Mit Waffen ringsum und mit Schreien dringen
Die Völker vor, dem Kampfe zuzuschau'n.
Doch Niemand darf zu nah'n den Kämpfern wagen,
So furchtbar sind die Streiche, die sie schlagen.

Mit gleicher Kraft, jetzt treffend, jetzt sich schützend.
Begegnen sich die Helden, Knauf auf Knauf
Trifft Schwert auf Schwert; da plötzlich hochaufspritzend
Quillt aus des Gothen Panzer Blut herauf.
Er wankt, und rasch den Augenblick benützend,
Setzt Stelico sein Pferd in vollen Lauf,
Er spornt es an den Strom, und hochgezügelt
Mit in die Fluth hinunter wie beflügelt.

Es schäumt die Fluth und braust in einer Wanne
Gesprengter Felsen auf, und wälzt das Eis
Mit Stamm und Ast der berggebor'nen Tanne
Geknickter Wipfel in den Wirbelkreis.
Da jagt das Roß empor mit seinem Manne,
Und jauchzend, da sie ihn gerettet weiß,
Stürzt hinter Stelico, den Pfeil am Bogen,
Die treue Schaar sich nach und in die Wogen.

»Zieh' hin,« ruft Alarich erstaunt, »es werde,
Wie dieses Stromes wilde Fluth, dir leicht
In jenem Rom, das du so schirmst, die Erde,
Wenn etwa nicht vorher dein Glück erbleicht.
Zieh' hin auf deinem schönen, stolzen Pferde
An jenen Hof, wo dich der Neid umschleicht;
Vielleicht, daß ich, wenn längst dein Stern gefallen,
Dich räche noch an jenen Falschen allen.«


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