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Endlich sah er einen Bauer, der seine Ochsen auf der Straße dahertrieb. Er konnte sich nicht enthalten und rief ihn an: »He, Freund! jetzt kommen gute Tage! was sagt Ihr dazu? nicht wahr, der Herzog hat sich brav gehalten?« – Der Bauer sah ihn grämlich an: »Was weiß ich?« brummte er, »hott, Roter!« – und mit einem Schlag der Peitsche trieb er seine Tiere gegen das Feld.

»Dem ist gestern auch umsonst gepredigt worden!« rief Heinrich und lachte ärgerlich.

»So gibt's noch viele!« versetzte der Schmied, »die meisten verstehen gar nicht, was das Ding bedeuten soll, und die's verstehen, glauben nicht daran.«

»Auch Ihr, mein Freund,« sagte Heinrich, »scheint kalt dabei zu bleiben.«

»Sie sind noch jung, Herr Vikarius!« erwiderte sein Begleiter, »und in der Jugend hat man viel Glauben und viel Vertrauen. Ich aber bin, wenn Sie mir's gleich nicht ansehen, über die Sechzig hinaus, und wenn es auch Ernst wäre, daß es anders kommen sollte, so muß ich doch sagen wie jener Bauer: Was will ich davon? Was geht's mich an?«

»Wie?« rief der Reiter eifrig, »Ihr wollt gleichgültig dagegen sein? das ist nicht lobenswert! Kommen denn die Früchte einer rechten Staatsverwaltung nicht auch Euch zu gute? Ihr werdet sie genießen und wollt es nicht anerkennen?«

Ein bitteres Lächeln spielte um den Mund des Schmieds. »Was genießt ein alter Mann, der allein steht in der Welt?« sagte er. »Mir kann man nichts Gutes und nichts Böses mehr tun. Ja, wenn meine Söhne noch lebten, dann freute ich mich vielleicht. Aber sie sind dahin, und der Herzog kann mir sie mit all seinen guten Vorsätzen nicht wiedergeben.«

»Armer Mann!« sagte Heinrich teilnehmend, »habt Ihr keine Kinder mehr?«

»Wir wollen das nicht aufrühren,« versetzte der Schmied und sank in sein düsteres Schweigen zurück.

Im nächsten Dorfe fand Heinrich ebenfalls nicht die festliche Stimmung, die seine erregte Phantasie heute auf das ganze Land übertrug. Er kam zu einer Fensterszene: Zwei Eheleute zankten sich, wobei das Weib sichtlich bemüht war, den Streit ins Öffentliche zu spielen und ihren Mann vor den Nachbarn an den Pranger zu stellen. Der Schulz, ein stattlicher Mann mit eingeseiftem Gesichte, das Rasiermesser in der Hand, mischte sich darein und rief, als seine gütlichen Ermahnungen nicht anschlagen wollten, nach dem Büttel; unsere Reisenden setzten ihren Weg fort, Heinrich lachend, zugleich aber auch von allerlei minder idealischen Gedanken über seinen künftigen Wirkungskreis heimgesucht.

In der Seele seines Begleiters, wenn sie von einem Ereignis berührt wurde, schien nur eine Saite anzuklingen. Er sagte dumpf vor sich hin: »Herr Schultheiß, das könnte mein Christian jetzt auch sein, und schwerlich täten unter ihm solche Unordnungen vorfallen.«

»War er so geschickt?« fragte Heinrich.

»Das will ich meinen!« rief der Schmied lebhaft, »er war der beste Rechner, den man weit und breit finden konnte, eine Hand schrieb er, wie gestochen, und es mochte vorfallen, was nur wollte, für alles wußt' er Rat.«

Ein tiefer Atemzug folgte diesen Worten. Heinrich fühlte, daß dem alten Manne das starre Herz aufzutauen begann, er bemerkte, daß er ihn verstohlen von der Seite ansah und vielleicht Vergleichungen anstellte, die ihn an seinen Verlust mahnten; er hütete sich, seinen Mitteilungsdrang durch unzeitige Fragen zu stören und ritt langsam den Berg hinauf, der jetzt vor ihnen lag.

Nach einer Weile klopfte er den Hals des Pferdes wiederholt, denn er hatte bemerkt, daß das dem alten Manne wohl tat. Dann lobte er das Tier: »'s ist ein tüchtiger Paßgänger,« sagte er, »und an seinen dicken Wampen merkt man, daß er gute Tage hat.«

»Er hat sein gutes Fressen und wird nicht stark angestrengt,« sagte der Schmied.

»Besorgt Ihr ihn selbst?« fragte der Reiter.

»Wer anders?« versetzte jener, »ich hab' ja niemand. Wenn mein Christian noch da wär', dem könnte ich ihn getrost überlassen – wiewohl, es geht ihm auch so nichts ab.«

»Verstand sich Euer Christian auf Pferde?«

»Wie keiner! das war ja eben sein Unglück.«

»Wie so?«

»Er hatte eine Glückshaut, was man so sagt, und gewann bei jedem Spiel; versteht sich, bloß Kleinigkeiten. Also weil um jene Zeit zu Stuttgart gar stark in der Lotterie gespielt wurde, sagte er eines Tages zu mir; ›Vater, der Rapp' ist den Winter über zu viel gestanden, gebt ihn mir, ich will ihn einmal recht ausreiten.‹ – ›Wo willst denn hin?‹ sagt' ich. – ›Nach Stuttgart möcht' ich auch einmal,‹ sagt er, ›und dann könnte ich ja ein paar Sechsbätzner in der Lotterie probieren; da gewinnt man Haus und Hof auf einen Zug, das wär' doch kein übler Spaß!‹ – Mir war's nicht recht, aber was wollte ich machen? er war mein Lieblingskind, und ich wußt', daß er sein Aug' auf ein Mädchen geworfen hatte, die hätt' ich ihm gern gegönnt, denn sein Bruder war schon verheiratet. Also ließ ich ihn ziehen, aber ich spürte eine wunderliche Angst dabei. Nun war's dazumal nah daran, daß der Krieg mit Preußen ausbrechen sollte, und der Oberst Rieger –«

»Der nachher auf Hohentwiel gefangen saß?« unterbrach ihn Heinrich.

»Ja, denn Gott ist hie und da gerecht! Nun, der ritt eben spazieren und begegnete meinem Sohn. Der Bursche, eitel, wie er war, macht allerhand Faxen mit seinem Roß und flankiert vor dem Obersten hin und her. Wie das der Oberst sieht, daß er ein so guter Reiter war und ein prächtiger, wohlgewachsener Bub' dazu, denkt er: dich muß ich haben! und reitet ihm nach bis vors Landschaftshaus.«

»Was hatte denn aber Euer Sohn dort zu tun?« fragte Heinrich.

»Ei, dort hatten sie ja die Lotterie,« sagte der Schmied.

»Wie? im Landschaftshause?«

»Ja, im Landschaftshaus!«

»O Greuel!« rief Heinrich.

»Der Herzog hatte damals die Lotterie an sich gezogen, weil sie viel Geld abwarf, und die Landschaft fragte er nicht lang, ob ihr's recht sei. Nachher, als die Sache gar zu schandbar wurde und die Leut' auch nicht mehr recht setzen wollten, verbot er's gar schwer und bedrohte jeden mit dem Tollhaus, der noch in eine Lotterie setzen würde. – Nun, also der Oberst geht hinein und setzt auch und bemerkt, daß mein Christian eine Ambe gewinnt. ›Du hast Glück, Junge!‹ sagt er und klopft ihn auf die Achsel, ›willst du's einmal mit mir versuchen? Hier setz' ich drei Dukaten, gewinnst du, so sind sie dein, verlierst du, so bist du mein; die Gamaschen würden dir auch nicht übel anstehen!‹ – Der Oberst Sieger war ein Mann – wer dem widersprach, der war unglücklich auf zeitlebens; auch standen viele vom Militär dabei, die versammelten sich gleich um ihn. Ein Tisch wurde herbeigerückt, ein Offizier zieht Würfel aus der Tasche. ›Fang an!‹ ruft der Oberst; mein Bub' nimmt die Würfel zitternd und wirft – achtzehn! Jetzt wirft der Oberst rasch, deckt den Hut auf den Wurf und ruft; ›Neunzehn! du bist Soldat, fort!‹ und eh' er's Maul auftun konnte, war er abgeführt und unter den Exerzierstock gebracht. Seinen Gewinst mußte er mit seinen Kameraden und Offizieren teilen, und mir schickte er noch ein paar Gulden mit einem kläglichen Brief. Herr! das geschah vor einer großen Menschenmenge, und niemand wagte ein Wort für ihn zu sprechen. Ich lief nachher zu Pontio und Pilato, aber eh' einer eine Hand in der Sache regte, war der Krieg ausgebrochen, mein Christian marschierte mit dem Herzog nach Böhmen, und ich hab' ihn nicht wieder gesehen.«

»Großer Gott!« rief Heinrich, »aber von dieser schreienden Ungerechtigkeit hat der Herzog gewiß nichts gewußt.«

Ein Tisch wurde hebeigerückt, ein Offizier zieht Würfel aus der Tasche ...

»Mag sein!« sagte der Schmied, »aber daß mein ältester Sohn erschossen wurde, das geschah auf seinen Befehl.«

»Erschossen?«

»Der Herzog hatte nicht genug Truppen, als der Krieg zwischen dem Reich und der Krone Preußen losbrach. Er hatte an drei Millionen Livres von der Krone Frankreich bezogen, und statt ein Heer dafür aufzustellen, hatte er das Geld verbraucht – was weiß ich? Die italienischen Sängerinnen und Tänzerinnen werden's wissen. Wie nun der französische Kommissär kommt und sagt: ›So, jetzt will ich mir die Leute besehen!‹ so ist nichts da als ein paar Regimenter. Zwar der Herzog wußte sich gleich zu helfen. Er hielt den Franzosen ein paar Tage mit Komplimenten hin und setzte alle Schneider in Bewegung, bis ein paar tausend Monturen fertig waren; dann sagte er zu ihm: ›Jetzt wollen wir Heerschau halten, wenn's gefällig ist.‹ Drauf reiten sie hin, ein Regiment marschiert auf, macht seine Faktion, und nur ums Eck herum, wechselt die Montur wie der Wind, und so geht's fort, bis die ganze Waffenmacht vollzählig war und auch kein Mann fehlte. Der Franzos merkt den Pfiff wohl, war aber galant und sagte nur: ›Es ist doch wunderbar, wie die Schwaben einander ähnlich sehen.‹«

Heinrich mußte lachen, der Schmied aber sagte finster: »Lachen Sie nicht, es kommt gleich anders. Die Gaukelei half für den Augenblick, aber nachher mußte man Ernst machen. Und das ward ein bitterer Ernst. Jetzt suchte der Oberst Rieger Leute für die leeren Monturen und zog im Land herum und verübte Dinge, die ihm auch bis an den jüngsten Tag nicht vergeben werden können. Wie er meinen Christian gekriegt hatte, so machte er's auch mit anderen. In die Wirtshäuser ging er und nahm die jungen Bursche hinter dem Glas weg. Nachts ließ er sie aus dem Bett reißen, wo er einen wußte, den er brauchen konnte. Da sind manche Eltern kinderlos geworden. Aber es war immer noch nicht genug: nun erließ man ein Ausschreiben, daß alle Vagabunden, alle Aushauser, darunter auch verheiratete, schlechte Haushälter, kurz alles Lumpengesindel eingeliefert werden solle. Zum Totschießen, dachte der Herzog, sind sie gut genug. Da wurden die Menschen gejagt wie die wilden Tiere im Wald. Und kaum war mein Christian mit dem Vortrab abmarschiert, so traf das Unglück auch meinen anderen Sohn, den Peter. Auf den hatte der Förster schon von früher her einen Span. Der hätte nämlich seine Magd, er wußte wohl warum, gern mit Ehren unter die Haube gebracht und ließ sie meinem Peter, noch in seinem ledigen Stand, antragen. Der aber schlug sie aus mitsamt ihrer Aussteuer, denn er hatte schon eine andere gewählt, und wenn auch das nicht gewesen wär', so hätt' er den Abtrag von des gestrengen Herrn Tisch doch nicht mögen. Darum wurd' ihm der Förster spinnefeind, suchte ihm einen Fuß zu stellen, wo er konnte, und bracht's auch dahin, daß mein Sohn ein paarmal gestraft wurde, wegen Lumpereien, und größtenteils unschuldig. Aber das gab eine gute Unterlage: denn wie das Ausschreiben kam, bracht' ihn der Förster, weiß Gott! durch Angebereien dran, daß er als ein Tunichtgut unters Militär geschleppt wurde. Ich gleich her, fang' einen Prozeß an, freilich mit schlechten Hoffnungen, aber währenddem wendet sich das Blatt. Die Soldaten, wie's endlich drauf und dran kam, waren fuchsteufelswild. Die meisten staken gezwungen in ihren Kollettern, und dann hielt man damals die Sache für einen Religionskrieg. ›Für den römischen Antichrist lassen wir uns nicht aufopfern!‹ schrieen sie, ›wir fechten nicht gegen den Beschützer des lutherischen Glaubens‹ – das war der König in Preußen, oder wenigstens galt er dafür. ›Wenn's je gefochten sein soll, so gehen wir zu ihm!‹ sagten sie, und es lief nachher auch eine große Menge zu ihm über. Damals bekam's dem Herzog übel, daß er katholisch war, aber dem Land bekam's noch übler. In der Kaserne zu Stuttgart brach der Aufruhr aus, und der Herzog mußte über Kopf und Hals aus Böhmen zurück. Aber bis er Ruhe gestiftet hatte, war ihm die Hälfte des Militärs davongelaufen. So kam auch mein Peter zurück, er glaubte, er könne sich heimlich halten; den Tag über schweifte er in den Wäldern umher, und des Nachts schlich er sich ins Dorf und schlief zu Haus. Das wurde dem Förster verkundschaftet; der läßt eines Nachts das Haus umstellen und fängt sein Wild im Bett. Aus Gnade, wie es hieß, wurde der Deserteur nicht bestraft, sondern bloß wieder unter sein Regiment gebracht. Mein Sohn war ein blöder Bub' sonst, aber damals, als er abgeführt wurde, ballte er die Hände und sagte zu mir: ›Lebt wohl, Vater! Ihr seht mich nicht wieder, denn entweder schieß ich mich vor den Kopf oder – einen anderen!‹ Der Förster aber lachte höhnisch dazu. Indessen war die Armee wieder vollzählig gemacht worden, durch welche Mittel, können Sie sich denken. Damals fehlte es um ein Haar, so wär' eine Rebellerei im ganzen Württemberger Ländlein ausgebrochen. Vielleicht hat es nur an einem Anführer gemangelt.«

»Aber die Landschaft? der Ausschuß?« warf Heinrich ein.

»Die Landschaft?« rief der Schmied höhnisch, »die gab Vorstellungen ein und blieb warm und breit dabei sitzen. – Der Herzog brachte seine Truppen nicht weiter als bis Geislingen, da entstand schon wieder eine Meuterei. Diesmal war mein Sohn unter den Rädelsführern. Ich hatte gleich Wind davon, ließ den Braunen satteln – der Rappe war samt meinem Christian unters Militär gekommen – und ritt, was ich konnte, nach Göppingen. Da konnt' ich hängen und füsilieren sehen nach Herzenslust. Ich tat einen Fußfall vor dem Herzog und bat um Gnade für mein einziges Kind; ich wollte erzählen, durch welche Schurkereien man es soweit gebracht habe, aber der Herzog ließ mich nicht ausreden. ›Ihr seid alle Rebellen!‹ rief er und sah fürchterlich dabei aus; ›ich will euch Bauern meinen Ernst zeigen! von euch geht der Ungehorsam aus, ihr habt diese verführt, jetzt sehet zu, wie sie's büßen!‹ – Herr Gott im Himmel, vor meinen Augen ward mein Sohn erschossen. Kann er mir ihn durch Ausschreiben, durch Predigten wieder lebendig machen? Nicht einmal den kleinen Trost hab' ich gehabt, daß mein Feind bestraft wurde. Man wies mir endlich die rechten Wege, ich lief zum General von Werneck und zum Herrn von Gemmingen, der damals geheimer Referendarius war; die zogen auch mit dem Lager, sie versprachen mir, eine Untersuchung anzuordnen, aber was half's? sie mußten nach Böhmen, und das End' vom Lied war – denn es liefen viel dergleichen Klagen ein –, daß der Herzog alle Beamte verwarnen ließ, sie sollten sich nicht durch übertriebenen Diensteifer zu Ungerechtigkeiten verleiten lassen. So kam ich zerknirscht nach Haus und nahm meines Sohnes Wittib und sein Kind zu mir. Das Kind starb bald darauf, die Mutter aber hat mich verlassen und einen anderen geheiratet. Der Förster hat im Rausch den Hals gebrochen, aber was hilft mich das? Ich bin jetzt eben allein in der Welt. – Ja, Herr, ich hab' etwas verdient, es brennt mich etwas auf der Seele, aber die Strafe ist doch allzu hart über mich gekommen.«

Er schwieg und ging in sich gekehrt weiter. Heinrich fühlte sich das Herz durch die Erzählung zusammengeschnürt. Keiner sprach ein Wort. Endlich richtete der Schmied sich auf; er mochte die Stimmung des Jünglings fühlen, vielleicht wünschte er auch, allein zu sein. »Wenn Sie das Pferd besser angreifen wollen, Herr Vikarius,« redete er ihm zu, »so dürfen Sie's nur sagen. Ich kann wohl nachkommen.«

»Wo treffen wir aber zusammen?« sagte Heinrich, »ich bin wenig bekannt in Stuttgart.«

»Im ›Hirsch‹ ist die geistliche Herberge, aber die jüngeren Herren kehren gewöhnlich im ›Adler‹ ein,« versetzte der Schmied.

»Gut, also im ›Adler‹!« rief Heinrich. Er grüßte freundlich zum Abschied und trieb das Pferd an. Trotzdem, daß es sehr hart trabte, ritt er eilig vorwärts, um der beengenden Nähe des Unglücks, das er nicht mildern konnte, zu entkommen; erst als der Schmied weit hinter ihm war, brachte er das Tier wieder in den vorigen rüstigen Schritt und überließ sich trüben Gedanken über den Lauf der Welt.

Wir benützen diese Pause, um dem Leser das wenige, was von dem Jüngling zu wissen nötig ist, mitzuteilen. Sein Enthusiasmus, seine Unkenntnis des Lebens und die Biegsamkeit seines Wesens hätten es verraten, wenn wir es auch nicht schon angedeutet hätten, daß er ein württembergischer Magister war. Heinrich Roller erblickte in einem Pfarrhause in der Nähe des alten Städtchens Nürtingen das Licht der Welt, ungefähr vierundzwanzig Jahre vor den Begebenheiten, die ihn jetzt in die Residenz führten. Als der Erbe einer geistlichen Dynastie, die ihren Ursprung in gerader Linie bis in die Reformationszeit zurückführen konnte und deren genealogische Tabellen in den eigenhändig geführten Kirchenbüchern der seit zwei Jahrhunderten vom Vater auf den Sohn übergegangenen Gemeinde bestanden, war der Knabe schon in der Wiege dem Dienst des Herrn geweiht. Ein strenger Präzeptor in Nürtingen, dem die Eltern, mit betrübtem Herzen der Notwendigkeit gehorchend, das einzige Kind in Kost und Unterricht vertraut hatten, gab dieser Weihe die gehörige Applikation, und so war es denn das erste große Ereignis in seinem Leben, daß er im zehnten Jahr eine Reise nach Stuttgart machen durfte; aber nur ein flüchtiger Blick auf die Wunder der Hauptstadt war ihm vergönnt, denn das »Landexamen«, die erste Vorprüfung, die über seine Befähigung zum geistlichen Stand entscheiden sollte, nahm daselbst alle seine Sinne ausschließlich in Anspruch. Jedes Jahr kehrte er dahin zurück und bestand fünf solcher Prüfungen. Das günstige Ergebnis derselben war, daß sein Leben jetzt neun Jahre lang eine Schule der Prüfung sein sollte, sofern die Klostererziehung ihre Zöglinge von Anfang bis zum Schluß des Bildungslaufes aus einem Examen in das andere trieb. Diesen begann der vierzehnjährige Knabe in dem geschichtlich denkwürdigen Kloster Maulbronn. Obgleich nämlich die Eltern ein mäßiges und für ihren Stand, den Stand der Armut und Demut, sogar beträchtliches Vermögen besaßen, so herrschte doch bei der Wahl ihrer Erziehung die letztere Eigenschaft vor, die den Vater bestimmte, seinem Sohne den Genuß von Herzog Christophs theologischen Instituten, welchen auch er das Glück seines Lebens verdankte, zu verschaffen. Von Maulbronn aus machte der junge Heinrich, mit Empfehlungen seiner Eltern versehen, die ein entferntes Verwandtschaftsrecht geltend machten, spärliche, der strengen Klosterklausur abgerungene Besuche im Illinger Pfarrhause, und wenig ahnte er damals, daß das achtjährige rosige Mädchen, das er über den gelehrten Gesprächen mit dem Vater kaum bemerkte, einst eine entscheidende Bedeutung für sein Leben gewinnen würde. Diese Besuche wurden nach zwei Jahren durch seine Versetzung in ein höheres unter den sogenannten »niederen« Klöstern abgebrochen. Noch zwei Jahre, und der hoffnungsvolle Alumnus war für die Universität reif geworden, von deren Glanz er doch wenig genoß, da das alte, zum protestantischen Oberseminar umgeschaffene Augustinerkloster, in der gewöhnlichen Umgangssprache »das Stift« geheißen und unter diesem Namen vorzugsweise bekannt, ihn in seine ehrwürdigen Hallen aufnahm und mit mütterlicher Behutsamkeit vor jeder profanen Berührung bewahrte. So war er denn nun ein Mitglied jenes eigentümlichen Menschenschlages geworden, auf den von jeher die Augen der Welt, auch im fernen Auslande, mit einer gewissen Verwunderung gerichtet waren; denn wohin wäre nicht der württembergische Stiftler gedrungen? Wie die Schweiz ihre junge Mannschaft hinaussandte, um verschiedenen Herren zu dienen und in verschiedenen Heeren zu streiten, so zogen auch diese schwäbischen Magister, in Kraft und äußerer Form den alten Landsknechten nicht ganz unähnlich, scharenweise in die Fremde, suchten als Hofmeister oder als öffentliche Lehrer ihr Unterkommen und trafen oft, wie jene, als rüstige Streiter in öffentlichen Kämpfen, besonders unter den vielfarbigen wissenschaftlichen Panieren, hart aufeinander. Heinrich studierte in den ersten Jahren die Philosophie, und seine Arbeiten zogen ihm unter den Vorstehern des Instituts den Ruf eines aufgeweckten und in der Weltweisheit bewanderten Kopfes zu; nach Verlauf dieser Periode wurde er Magister und ging vorgeschriebenermaßen zur Gottesgelahrtheit über. Was er hierin geleistet, übergehen unsere Quellen mit bedenklichem Stillschweigen; dafür melden sie uns jedoch desto mehr von gewissen Liebhabereien, die man dort mit dem Kunstausdruck »Allotria« zu bezeichnen pflegte, und die wir auf das kürzeste kennbar machen, wenn wir die Namen Shakespeares, Lessings und des eben damals glanzhell aufsteigenden Gestirnes Goethe nennen. Diese Dichtung auf die Ästhetik, die im Tübinger Stift zu allen Zeiten eine geheime Kirche um sich versammelt hat, gehörte zu den verpöntesten und mußte vor dem streng dogmatischen Geiste der Anstalt sorgfältig verborgen gehalten werden, so daß unser Weltkind kaum zur Not einen Deckmantel für sie unter der weitläufigen Rubrik psychologischer Studien fand. Sein Kursus endete übrigens ziemlich friedlich, und er verließ nach Verlauf von fünf Jahren das Stift, an dessen Pforten er etwas verwundert in eine ganz neue und unbekannte Welt ohne bestimmten Lebenszweck hinaussah.

Jetzt fühlte er erst lebhaft den Verlust seiner Eltern, die inzwischen gestorben waren, und in seiner Einsamkeit erfaßte ihn eine wunderbare Sehnsucht, das Kloster noch einmal zu sehen, in dem er als Knabe und angehender Jüngling seine anmutigste Zeit verlebt hatte. Erst beinahe auf der Reise an die badische Grenze fiel es ihm ein, daß er in jener Gegend ja noch Verwandte habe; zwei Stunden vor Maulbronn machte er halt und wurde im Illinger Pfarrhaus aufs liebreichste aufgenommen. In der Gesellschaft seines schönen Mühmchens pilgerte er nach dem geliebten Kloster, besuchte in den Wäldern und an den Seen die Plätze seiner Jugenderinnerungen, und bei einem Anlasse, wo der ganze Strom seines Gemüts unwillkürlich hervorbrach und das Mädchen zu rührender Teilnahme hinriß, geschah es zu seiner eigenen Überraschung, daß sein unstet umherschweifender Geist auf einmal bei diesem lauteren Herzen vor Anker ging. So sehen wir ihn denn auf dem Wege, die äußere Bestätigung zu dem inneren Abschluß einzuholen, und haben allem menschlichen Dafürhalten nach die Aussicht, mit dem nächsten Kapitel das Punktum hinter den frühzeitigen Schluß einer allzu einfachen Liebesgeschichte zu machen.

Hofmarschall: Serrenissimus -

Kabale und Liebe.

Unser Held wurde aus seinen Träumereien auf eine unangenehme Weise aufgeschreckt.

Er ritt eben durch einen der Waldstriche, welche von dem Hügelzuge herablaufen, den Herzog Karls Lustschloß Solitüde bekränzt, und war im Begriff, den Weg zu kreuzen, der in schnurgerader Linie von demselben nach Ludwigsburg geht, als ihm auf einmal ein sonderbarer Ton sausend und pfeifend am Ohr vorüberfuhr. Es war nichts anderes als eine abgeschossene Kugel, denn im gleichen Moment gelangte der Knall eines Gewehrs zu ihm, das sich hinter seinem Rücken gegen ihn entladen hatte. Sein Pferd machte einen Satz; er blickte erschrocken rückwärts und sah einen weiter im leichten Jagdröckchen, das bis oben zugeknöpft war; dies mußte der Schütze sein, denn er nahm soeben die noch rauchende Flinte von der Wange und setzte sein Pferd in Galopp gegen unseren Helden. Dieser riß das seine herum und begegnete ihm.

Im gleichen Moment gelangte der Knall eines Gewehrs zu ihm.

»Was soll das heißen?« rief er zornig, »schießt man auf offener Straße nach einem Reisenden?«

»I sach', Er is 'n rechter Hasenfuß,« rief der Unbekannte mit fränkischem Akzent und die Worte rasch hervorstoßend, – »daß Er meint, ich hab' Ihn für 'n Hasen gehalten! Da, sperr oculos! Was liegt dort?«

Heinrich folgte mit den Augen seinem Fingerzeig und erblickte wirklich einen unglücklichen Lampe, der mitten in dem Unternehmen, über die Straße zu setzen, von seinem Geschick ereilt worden war und nun in den letzten Zuckungen am Boden lag. Gleichwohl konnte er nicht umhin, dem Fremden, aus dessen Tone er abnahm, daß derselbe nicht seinesgleichen, sondern entweder etwas Besseres oder etwas Schlechteres sein müsse, derbe Vorwürfe zu machen, welchen er, da sie wenig zu wirken schienen, eine zornige Drohung beifügte.

»Schau mal, der hat Herz!« rief der Unbekannte und betrachtete ihn mit einer Mischung von Wohlgefallen und Spott, »aber hat Er auch Waffen? Wie? Ich sag', 's ist unvernünftig, ohne Waffen im Wald mit einem wildfremden Menschen Händel anzufangen, der einen solchen unschätzbaren Langfinger aufzuweisen hat.« – Bei diesen Worten richtete er sein Gewehr gegen unseren Helden, welcher bemerkte, daß es eine sehr fein gearbeitete Doppelflinte war. »Ja,« fuhr der Schütze fort und weidete sich an der Verlegenheit des jungen Mannes, dem es jedenfalls nicht ganz wohl zu Mute war, »ich hab' noch einen Schuß übrig. Wie, wenn ich jetzt sagen wollte: La bourse ou la vie?«

Er rückte dem künftigen Pfarrer von Illingen auf den Leib, dieser aber gab augenblicklich seinem Roß beide Sporen, daß es sich hoch aufbäumte und mit den Vorderfüßen über das Pferd des Fremden herzufallen drohte. Mit einem leichten Satze jedoch war das wohldressierte Tier, ehe sein Herr die Zügel ergreifen konnte, auf die Seite entwichen und tanzte zierlich um das schwerfällige Ackerpferd herum.

»Er is 'n verfluchter Kerl!« rief der andere, indem er sein Pferd zur Ruhe brachte, »hätt' ich doch nicht geglaubt, als Er so kopfhängerisch einhertrottierte und ich Ihm die Mucken zu vertreiben dachte, daß ein solcher Paladin in Ihm steckt. Wie heißt Er denn?«

Unser Freund glaubte in dem Ton dieser Frage eine gewisse Insolenz zu finden, auch empörte es ihn, daß er beständig mit Er angeredet wurde. Er erwiderte ziemlich trotzig: »Wenn man Euch danach fragt, so sagt nur, Ihr wüßtet's nicht!« – Dies war eine von den diplomatischen Phrasen, die er im Stift gelernt hatte.

»Hoho,« rief der Fremde, »der Junge hat den Teufel im Leibe!«

Es klang aus diesen Worten etwas so Gebieterisches heraus, daß unser Held geraten fand, seinen Ton zu ändern. »Kenn' ich Sie doch auch noch nicht!« setzte er etwas einlenkend hinzu.

»Na, für was hält Er mich denn?« fragte der Unbekannte und stemmte den Arm in die Seite.

Heinrich musterte ihn von Kopf bis zu Fuße. Er schien in mittleren Jahren zu sein, hatte ein paar sehr lebhafte blaue Augen, eine edel geformte Nase und von Natur um den Mund etwas ungemein Weiches, dem aber ein Zug von gebieterischem Trotze das Gleichgewicht hielt. Das durch eine enggeschnürte Halsbinde stark hervorgetriebene Gesicht war wie mit einer bläulichroten Kruste überzogen, was ihm einen Anschein von derber Gesundheit gab; man mochte glauben, es sei durch Strapazen und Unbilden der Witterung so abgehärtet. Heinrich wurde durch das verschossene grüne Jagdkleid, das kleine abgetragene Hütchen, welches tief in die Stirne gedrückt war, und die rauhen gelben Handschuhe, die der Reiter trug, in seiner Vermutung bestätigt. »Ich hoffe, nichts dabei zu riskieren,« begann er zögernd.

»Kurz und gut!« unterbrach ihn der andere, »wie komm' ich Ihm vor?«

»Wie einer, der mit dem Herzog halbpart macht,« fuhr Heinrich heraus, indem er auf den erlegten Hasen deutete.

»Also für einen Wilddieb hält Er mich?« rief der Fremde und brach in ein gellendes Gelächter aus.

Heinrich sah ihn etwas verblüfft an, aber ehe er eine Erwiderung geben konnte, sprengte auf einem Waldpfad von der Rechten ein anderer Reiter daher, ein junger Mann in Jagdkleidung; er zog den Hut tief herunter, als er vor dem Unbekannten hielt, und fragte: »Befehlen Eure Durchlaucht nach Ludwigsburg?«

»Höll und Teufel!« dachte Heinrich und vergaß in diesem Augenblick seines künftigen Berufes, welcher sich nicht mit derlei Zitationen vertrug. »Da hab' ich einen feinen Bock geschossen!« – Er stieg ab und bat sein verkanntes Staatsoberhaupt, so gut er konnte, um Entschuldigung; denn Herzog Karl war es selbst, welchen eine kleine Jagdstreiferei hier mit unserem geistlichen Reiter, der ihn noch nie in dieser Nähe gesehen, zusammengeführt hatte.

»Rat' mal, Fritz,« wandte sich der Herzog zu seinem Jäger, »was mir der Patron da für ein Kompliment gemacht hat. Für einen Wilddieb hat er mich gehalten.«

Trotz des untertänigen Respekts konnte doch der Diener das Lachen nicht unterdrücken.

»Er ist ein schlechter Menschenkenner,« fuhr der Herzog gegen Heinrich fort, dessen Bestürzung ihn belustigte, »das müßt' ein vermaledeit frecher Wilddieb sein, der so aussehen wollte wie ich! Paß Er einmal auf, ich will Ihm die Nativität besser stellen: bei meinem fürstlichen Wort, ich sag', in Seiner Redingote steckt ein Magister!«

Heinrich mußte dies zu seiner Demütigung bejahen, und der Herzog war sehr vergnügt über den Erfolg seines physiognomischen Scharfblickes. »Nun, und zu welchem Zwecke hat Er Seine Lenden gegürtet?« fragte er. »Ich meine, was ist Seine Mission?«

»Sie lautet an das herzogliche Konsistorium, dem ich ein Schreiben zu überbringen habe,« antwortete Heinrich.

»Nun, das ist jedenfalls so gut wie an mich,« sagte der Fürst. »Also geb Er's nur her.«

Heinrich griff nach seiner Brieftasche, um das Schreiben hervorzulangen. Der Herzog, als er dies sah, rief dem Jäger zu: »Ruf das Gefolge zusammen! Auf die Solitüde zurück! Ich komme nach.«

Der Jäger, der sich inzwischen umgesehen hatte, hob ökonomisch beflissen den geschossenen Hasen vom Boden auf, dann setzte er, davonreitend, sein Horn an den Mund, und bald ertönten lustige Antworten von verschiedenen Seiten her.

Karl nahm jetzt das Schreiben, das ihm Heinrich schon eine gute Weile hingehalten hatte. »Was zum Henker!« rief er, indem er die Aufschrift las. »Er ist unter einem unglücklichen Stern geboren. Vorhin hielt Er mich für einen Wilddieb und jetzt für irgend eine Expeditionsrätin.«

»Ich bitte untertänigst um Vergebung,« stotterte unser armer Freund, nahm Lottchens Brief mit ängstlicher Schnelligkeit zurück und händigte dem Herzog das wenigstens dreimal größere Schreiben des Pfarrers ein. Karl erbrach das Schreiben, und eine Wolke flog über sein Gesicht, als er die Unterschrift des Pfarrers von Illingen las. Eine peinliche Erinnerung schien ihn ergriffen zu haben, die er mit einer raschen Frage unterbrach: »Wie, Er hat in Tübingen studiert und kennt mich nicht?«

»Ich war noch nicht droben,« entgegnete Heinrich, »als Eure Durchlaucht der Universität die Gnade eines längeren Besuches gönnten.«

»Ach ja!« sagte Karl dazwischen, »damals haben wir vielen Spaß gehabt.«

Nach dieser kurzen Anspielung auf einen vierzehntägigen Besuch, wobei er gleichsam als Gast in den Sälen der Wissenschaft geweilt und die neue Würde eines Rector magnificentissimus angenommen hatte, überschüttete der Herzog, als ein äußerst fragseliger Fürst, den jungen Mann mit einer Unzahl von Fragen, welche zugleich geeignet waren, demselben, wie man sagt, auf den Zahn zu fühlen, nach den Zuständen der Universität und nach seinem eigenen Bildungsgange. Heinrich beantwortete die Fragen in angemessener Kürze, wobei er sich namentlich von seinem guten Genius warnen ließ, von seinen ästhetischen Liebhabereien allzuviel zu verraten. Der Herzog, der es bei jener Rekognoszierung der Tübinger Eberhardina wohl hauptsächlich auf vorteilhafte Beobachtungen für seine Akademie abgesehen haben mochte, ließ sich wiederholt und ausführlich über das dortige Wesen berichten und nahm die Auskunft, die Heinrich ihm gab, mit sichtbarer Zufriedenheit auf, welche dadurch erhöht wurde, daß dieser sich durch die Art der Fragen mitunter bewegen ließ, heitere Schwänke einzustreuen. In seiner jugendlichen Unbefangenheit wurde es ihm nur halb bewußt, daß die Anekdoten, die ihn der Herzog aus gelehrten und bürgerlichen Kreisen zu erzählen nötigte, mit ihrer Spitze immer in das beliebte Kapitel der menschlichen Schwachheiten ausliefen, und daß gerade diese Seite der Unterhaltung den welterfahrenen Fürsten am meisten belustigte, zumal zwischen der alten Landesuniversität und seiner persönlichen Schöpfung große Eifersucht bestand.

»Nun,« sagte er endlich, nachdem er mehrmals laut gelacht hatte, »um übrigens auf Seine Angelegenheit zu kommen, so ist Ihm die Bitte in Gnaden gewährt; aber ich will Ihm was sagen,« fuhr er fort und ließ sein Auge wohlgefällig auf dem Jüngling ruhen, »besinn Er sich eines Besseren, und laß Er die Pfarre fahren. Was will Er im Klerus versauern? Bleib Er bei mir! Er hat ein offenes munteres Wesen, und das gefällt mir. Er ist noch jung, kann noch was lernen, sich brauchbar machen. Ich will Ihn anstellen, und dann hängt es nur von Ihm ab, sich sein Glück zu schmieden. Was sagt Er dazu?«

»Eure Durchlaucht –« stammelte Heinrich mit klopfendem Herzen.

»Morgen abend um sechs Uhr komm Er zu mir auf die Solitüde,« rief der Herzog, »da wollen wir sehen, was mit Ihm anzufangen ist!« – Er grüßte mit der Hand und sprengte in den Wald hinein.

Heinrich blieb stehen und sah lange wie betäubt nach der Stelle, wo der Fürst gehalten. »Merkte er mir denn an, daß ich nur mit halbem Herzen den Weg zur Kanzel einschlug?« sagte er leise vor sich hin. »Ich glaubte es doch vor mir selbst verheimlicht zu haben.«

– Da seid Ihr eben recht am Ort.
– Aufrichtig, möchte schon wieder fort.

Goethe, Faust.

Der geistliche Ritter hatte endlich den letzten Hügelvorsprung erreicht, und das Ziel seiner Reise, das er seit jenen unfreiwilligen gelehrten Besuchen kaum einmal berührt hatte, lag zu seinen Füßen. Er ritt die Galgensteige hinunter, auf deren Gipfel noch der eiserne Käfig des während Herzog Karls Unmündigkeit hingerichteten Finanzministers Süß hing, und hielt durch das Seetor seinen Einzug in die Stadt. Er ritt die Seegasse hinauf, wandte sich dann links, ritt unter dem Schloßbogen durch, gelangte zur Stiftskirche und schlug ein enges Gäßchen ein, das ihn auf den Markt führte. Dort stand der »Schwarze Adler«. Aber er würde ihn schwerlich gefunden haben, wenn ihm der Schmied nicht vorher den Weg deutlich beschrieben hätte. Dieser Hauptgasthof von Stuttgart wurde durch ein großes Gebäude, die öffentliche Bibliothek, verdunkelt, welche unregelmäßig auf dem freien Platze vor ihn hingepflanzt war. Neben ihr stand das Herrenhaus. Nur ein schmaler Raum war zur Anfahrt am Gasthofe gelassen; Heinrich ritt vor und war augenblicklich bedient. Er stieg die Treppe hinauf und kam in das Wirtszimmer, das durch einen hölzernen Verschlag in zwei Gemächer abgesondert war. In der plebejischen Abteilung saßen Fuhrleute und Bauern, welche ihr Dasein für Ohr und Nase gleich fühlbar machten, in dem kleineren, den »Honoratioren« geweihten Raume, wohin sich unser Held begab, fand er ebenfalls Gesellschaft, welche, nach der Konversation zu schließen, aus Schreibern und niederen Hofbeamten bestand. Die Mittagsstunde, nach der alten Uhr, war vorüber, und Heinrich forderte etwas zu essen. Der flinke Wirt, der, ohne ihn je gesehen zu haben, ihn ganz wie einen guten alten Bekannten behandelte, rückte ihm einen Stuhl zu der Gesellschaft, und unser Held, der lieber allein gewesen wäre, mußte sich diese Ehre gefallen lassen, wenn er sich keiner Unhöflichkeit schuldig machen wollte. Er wurde übrigens nicht belästigt, niemand sprach ein Wort mit ihm, überhaupt ging es für den Augenblick ziemlich stille her, und er konnte wohl bemerken, daß er hier unter den sogenannten guten Kunden sei, welche, wenn die soliden Mittagsgäste aufgestanden und ihrer Pflicht entgegengeeilt sind, sich erst recht festsetzen und aus Zeitersparnis den Nachmittag mit dem Abend verbinden. Doch konnte er nicht lange beobachten, man trug ihm ein schmackhaftes Essen auf, das er mit jugendlichem Appetit verzehrte; ein paar Gläser Wein versetzten ihn in jene Träumereien, wozu er von Natur so geneigt war; die seltsamen Abenteuer seiner kurzen Reise, die Erwartungen und Hoffnungen, die er darauf bauen konnte, schwellten seine Phantasie, und er war geraume Zeit für die Außenwelt verloren, bis diese, nachdem sie sich erst stillschweigend an ihn gewöhnt hatte, in ihrer Weise sich seiner bemächtigte.

Er fand sich in eine eben auftauende Zunft von weingrünen Lebemännern geraten, die sich in lustigen Possen miteinander ergingen, skandalöse Anekdoten erzählten und gewaltig dazu tranken. Da sie ihn in die Unterhaltung zogen, indem sie ihre Witze und Erzählungen teilweise an ihn richteten, so zwang er sich, nicht duckmäuserisch zu erscheinen, und hörte aufmerksam zu; auch waren ihm Land und Leute, unter welchen er in klösterlicher Einsamkeit aufgewachsen war, noch so fremd, daß alles, was er sah und hörte, wenigstens den Reiz der Neuheit für ihn hatte. Einige Stunden ergötzte er sich an den derben Spässen, welche aufgetischt wurden, und so verfloß ihm der Nachmittag bis zu Anbruch der Dämmerung; endlich aber glaubte der dicke Wirt ein gewisses Unbehagen an ihm wahrzunehmen und zeigte sich väterlich für die gute Laune seines Gastes besorgt.

»Apropos!« sagte er, »für den Abend fehlt's Ihnen nicht an Unterhaltung; Herr Schikaneder aus Wien ist da mit seiner Truppe – aber halt! heut abend ist's nichts, da geben sie ein Trauerspiel, das wird Ihnen zu langweilig sein.«

Heinrich ritt unter dem Schloßbogen durch.

»Wie heißt es?«

Der Wirt lief nach dem Zettel und sagte: »Der deutsche Hausvater, vom Herrn von Gemmingen. Morgen müssen Sie dreingehen, morgen! da wird eine ganz neue Wienerposse gegeben!«

»Morgen hab' ich keine Zeit, ich muß einen Ausflug machen.«

»Wohin, wohin? meine Pferde stehen zu Diensten.«

»Ich danke, bergauf geh' ich lieber zu Fuß.«

»Solitüde vielleicht? Warum nicht? aber warten Sie bis Sonntag, da haben Sie Gesellschaft.«

»Kann nicht sein, ich muß morgen hinauf.«

»Aha, vielleicht ein Gesuch beim Herzog? aber morgen werden Sie nicht vorgelassen, es ist kein Audienztag.«

»Ich werde doch.«

»Gebe Ihnen mein Ehrenwort, Sie werden morgen nicht vorgelassen.«

»Und ich weiß aus guter Quelle,« versetzte Heinrich ungeduldig, »daß ich's werde.«

»Aha, das ist etwas anderes,« rief der Wirt und maß den jungen Mann mit neugierigen Blicken.

Dieser ließ sich den Weg nach dem Theater angeben und brach auf. Da fiel sein Blick auf den Schmied, der harrend unter dem Eingang stand. Heinrich schrak beinahe zusammen über den tiefen Ernst, der auf dem Gesichte des Mannes lag. Wie vieles hatte sich verändert, wie verschiedene Empfindungen und Stimmungen hatten in ihm abgewechselt, seit er ihn verlassen! bei diesem aber war die Stimmung gleich geblieben, man sah, es war noch derselbe Gedanke, der seine Stirne furchte, der Gedanke an seinen Verlust und seine Einsamkeit.

»Ach mein Freund! Euch hatt' ich ganz vergessen!« rief ihm Heinrich entgegen.

»Tut nichts,« versetzte er. »Nun, wie ist's? schon alles in Richtigkeit?«

»Noch nicht ganz, Ihr müßt allein heimreiten. Wie gut ist's nun, daß ich ein paar Kleidungsstücke aufgepackt habe! Sagt nur zu Hause,« flüsterte er ihm ins Ohr, »daß ich morgen Audienz auf der Solitüde habe, und – sie werden bald von mir hören.«

Er trug dem Wirte auf, den Mann zu verköstigen, und eilte fort. Der Schmied sah ihm kopfschüttelnd nach und hieß sein Pferd satteln.

Am Ende der Planie schimmerte unserem Freunde neben dem neuen Residenzschlosse das Lusthaus der alten Herzoge entgegen, welches für die italienische Oper und vorübergehend auch für das Schauspiel benützt wurde. Heinrich fand ein volles Haus, der seltene Genuß einer Vorstellung in deutscher Sprache hatte viele Zuschauer herbeigezogen. Als der erste Akt vorüber war, sah er sich um und suchte das Urteil des Stücks in den Mienen des Publikums zu studieren. Wie wurde ihm aber zu Mute, als er zwei ältliche Herren, routinierte Theatergänger, wie es schien, die in geringer Entfernung saßen, miteinander darüber reden hörte! »Es scheint,« sagte der eine zum anderen, indem er ihm eine Prise bot, »Sie sind von dem Schicksal des Hausvaters nicht sonderlich gerührt?« – »Nein,« versetzte der andere trocken, »denn erstens ist's nicht wahr, und zweitens geht's mich nichts an.« – Eine schluchzende Jungfrau, die vor ihnen saß, sah mit großer Verachtung rückwärts, Heinrich aber mußte sich Gewalt antun, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Zu seinem Schrecken trat er im Umwenden ziemlich hart auf einen Fuß, der sich sogleich zurückzog, und bat höflich um Entschuldigung, während er die seltsame Erscheinung, den Eigentümer des Fußes, mit einigem Erstaunen betrachtete. Es war ein Fremder, das sah man, fremd in Stuttgart, im Theater, ja in der Welt! Der zurückgeschlagene aufgehakte Rock und die hohen Stiefel gehörten den Tagen Karl Alexanders an, das eckige Gesicht irgend einer noch unentdeckten Insel, aber die Gutmütigkeit, womit der Mann auf die Entschuldigung entgegnete: »O, ich bin nicht so wehleidig!« die war nicht von dieser Welt. Heinrich fühlte sich gefesselt, er wußte nicht, wodurch; er stellte sich so, daß er den Fremden immer im Auge behielt; gerne hätte er ein Gespräch mit ihm angeknüpft, aber unter allen Tonarten wollte ihm keine passend scheinen, er wußte nicht, wo er den Mann »hintun« sollte. Die Berührung ergab sich jedoch von selbst; denn als nun der Vorhang sich wieder hob, da folgte der Fremde den Entwicklungen des Schauspiels mit einer Teilnahme und Innigkeit, wie man sie nur wahren Begebenheiten schenkt; man sah wohl, er war zum ersten Male im Theater; er vermochte nicht stumm zu bleiben, und aus den Bemerkungen, die er dann und wann an unseren Helden richtete, sprach eine Rechtschaffenheit und ein Mitgefühl, die ihm des Jünglings Herz gewannen. Er spielte aus voller Seele mit, und unseren Freund wollte es bedünken, er habe hier im Parterre noch ein besseres Bild eines deutschen Hausvaters gefunden als auf den Brettern.

Das Schauspiel war vorüber. Heinrich ging mit dem Fremden, der, lebhaft erregt, seine Teilnahme an dem Gesehenen aussprach, den alten Weg zurück, bis dieser auf einmal, seine Rede unterbrechend, sich die weitere Begleitung des jungen Mannes als eine allzu große Aufmerksamkeit verbat. Nun ergab es sich, daß beide dasselbe Ziel hatten, und unter Entschuldigungen und Versicherungen, deren Gepräge von der Freundschaft noch mehr als von der Höflichkeit stammte, traten sie im ›Schwarzen Adler‹ ein.

Dort saßen noch die Gesellen von heut nachmittag beisammen. Bei Heinrichs Ankunft entstand ein allgemeiner Jubel, der aber, wie er sogleich bemerkte, seinem Begleiter galt und von sehr zweideutiger Natur war. Der alte Herr wurde umringt und im Triumph an den Tisch gesetzt; man feierte ihn mit ironischem Pathos, ohne durch die ehrwürdige Treuherzigkeit, womit er die falsche Münze teils empfing, teils ablehnte, sich im geringsten rühren zu lassen.

»Darf man nach Ihren Geschäften fragen, Herr Bürgermeister?« hob einer an, »oder soll ich's erraten? Gewiß haben Sie zu Nutz und Frommen gemeiner Stadt eine Negoziation bei unserer Regierung angeknüpft, um eine Kompagnie RRR zu bekommen.«

Nun wußte Heinrich, wo er seinen Mann hintun sollte; denn wohlbekannt war ihm die Stadt, welche, wie der Volkswitz ihr zur Last legt, das R nicht aussprechen kann; lag sie ja doch in der nächsten Umgegend der Universität, wo er so geraume Zeit gelebt hatte, und wenn er auch, ein gefangener Magister, nie drüben gewesen war, so hatte er doch genug von ihr reden hören.

Der Reichsbürgermeister von Reutlingen runzelte die Stirn, faßte sich aber zu einer munteren Erwiderung und sagte, indem er sich unter den Phäaken umsah, mit scharf schnarrendem R: »O ihr Herren, ich kann, wenn ich will, mein Laternle so gut ans Hirschhörnle hängen wie ihr, wiewohl mir bei allem Respekt vor dem Hirschgeweih der kaiserliche Adler lieber ist; aber wenn ich ein Kontingent für mein Alphabet von euch holen wollte, so würd' ich eher nach dem S und nach dem T fragen, nach dem Essen und Trinken nämlich; denn das sind eure Hauptartikel, von anderen Buchstaben nicht zu reden.«

»Sollen auch schon gute Geschäfte gemacht haben in diesen Artikeln,« versetzte sein Gegner hämisch, »oder ist es nur eine Erfindung, daß Serenissimus einmal den Reutlinger Magistrat eingeladen haben nach Tübingen und zu Ihro besonderem Vergnügen ganz betrunken heimgeschickt, auf jede Kutsche hinten ein Schwein aufgebunden?«

Der alte Herr war in einer üblen Lage; war es natürliche Seelengüte, war es Ungewohntheit einer anderen als anständiger und zuvorkommender Begegnung, er wußte auf einen Angriff dieser Art nicht gleich etwas zu erwidern und maß seinen Beleidiger mit ungewissen Blicken, das Gesicht von einer Purpurröte übergossen. Heinrich hielt es für die höchste Zeit, sich einzumischen. »Niemals,« rief er etwas unvorsichtig, »könne der Herzog etwas getan haben, was so tief unter seiner Würde wäre,« und zuletzt sagte er gerade heraus, wer dem alten Herrn etwas anhaben wolle, der habe es mit ihm zu tun. Die anderen lachten anfangs und hielten dies für einen neuen Scherz, umsomehr, als Heinrich, um abzubrechen, an den Bürgermeister allerlei Fragen über die Verfassung seiner Reichsstadt zu richten begann. Dieser lud ihn aufs freundlichste ein, dieselbe in Person zu beaugenscheinigen. Die lärmenden Gesellen, da sie bei fortgesetzter Unterredung sich in ihren Erwartungen getäuscht fanden, verstummten nach und nach und entfernten sich am Ende ganz; die unbekannte Größe, die morgen auf der Solitüde ihren Nennwert erhalten sollte (wovon der Wirt nicht unterlassen hatte, ihnen zu berichten), mochte ihnen einigermaßen imponiert haben.

Der alte Herr sprach, als sie allein beisammen sitzen blieben, sein Wohlgefallen an dem Jüngling offen aus und schalt eifrig über alle Neckereien und Hänseleien. »Es macht doch niemand Profession von diesem Handwerk,« rief er aus, »als Müßiggänger, die nichts Ordentliches zu tun noch zu denken haben. Wie schön wär's in der Welt, wenn alle Menschen Ehrenleute wären, die im Frieden miteinander leben wollten!«

Sie trennten sich spät von der Flasche, noch später von einander selbst.

Den anderen Morgen wurde Heinrich in aller Frühe geweckt: der Herr Bürgermeister von Reutlingen, hieß es, wolle durchaus nicht abreisen, ohne vorher noch einmal Abschied von ihm genommen zu haben. Dieser trat jetzt herein und entschuldigte sich treuherzig, daß er überlästig werde. Heinrich drückte ihm die Hand und wurde abermals dringend von ihm eingeladen, ihn doch so bald als möglich zu Hause zu besuchen. Nun war an keinen Schlaf mehr zu denken, er stand auf und machte einen Morgenspaziergang, auf dem er von einem Hügel herab die Stadt in frischer Beleuchtung vor sich liegen sah. Als er in den Gasthof zurückgelangte, war eben der Kaffee fertig geworden; er blieb im Wirtszimmer und trank eine Tasse, der muntere Wirt setzte sich zu ihm und unterhielt ihn, was unserem Helden wohl behagte, der indessen die Stunden vergehen lassen wollte, bis er schicklicherweise Amalien seinen Besuch machen konnte.

Der Wirt lenkte die Rede bald auf den Herzog und begann jämmerlich zu klagen, in wie mancherlei Nachteile die Residenzstadt durch diesen Herrn gestürzt worden sei. »Seit anno 64,« sagte er, »ist unsere Stadt so gut als ruiniert; wir taten alles, was wir konnten, den Herzog von dem Zug nach Ludwigsburg abzuhalten; vergebens: er war so erbittert, daß er nichts hören wollte; der Hof, die Kanzleien, alles mußte fort. Ludwigsburg ist reich geworden auf unsere Unkosten: großer Gott, was hat man dort für ein Geld verzehrt! Die Landschaft kann mir gestohlen werden, die ist an allem schuldig! was brauchte sie Händel anzufangen? sie hat doch nicht viel ausgerichtet.«

»Jetzt ist ja aber seit geraumer Zeit Stuttgart wieder die Residenz,« warf Heinrich ein.

»Ein schöner Profit!« rief der Wirt, »ja, die Kollegien sind wieder hier, und der Herzog meistenteils auch, seit er die Akademie ab der Solitüde, und das mit einem schönen Kostenbeitrag von der Stadt, hierher verlegt hat; aber er hat ja fast gar keinen Hof mehr, er lebt, als hätte er kaum tausend Gulden Rente zu verzehren. Und wie schnell ist's nur mit dem Militär zu Ende gegangen! Vielleicht hat er das dem Land zulieb getan, vielleicht hat er auch die Lust am Soldatenspiel verloren. Jedenfalls ist's nicht gut, auf die Launen und Leidenschaften eines großen Herrn zu spekulieren; die vergehen über Nacht, wie sie gekommen sind. Das halbe Militär, und verhältnismäßig noch viel mehr Offiziere als Gemeine, hat er abgedankt. Die gemeinen Soldaten liefen natürlich mit Freuden heim, aber die Offiziere waren angeführt und suchten da oder dort unterzukommen. Sie waren wahrhaftig nicht heikel, wenn's nur Brot gab; ich kenne einige, die einen beherzten Entschluß faßten und Handwerker wurden. Da drüben wohnt ein abgedankter Hauptmann – Sie können ihm ins Fenster sehen – der sich und seine Familie mit Filetstricken erhält. Und einen General können Sie herumgehen sehen – wenn er Ihnen auf der Straße begegnet, so pumpt er Sie um einen Sechsbätzner an.«


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