Paul Ernst
Prinzessin des Ostens
Paul Ernst

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Julian und Celia

In dem dichten Wald wohnte Celia mit der Alten. Sie hatten ein ganz kleines Häuschen, in welchem eine Küche war mit einem sehr großen schwarzen Rauchfang, und dann zwei ganz kleine Kämmerchen, in deren Fenster wilde Rosen hineinrankten. Wilde Rosen rankten auch an dem Zaun, welcher den Garten umgab. An der Seite plätscherte ein Bächlein über runde Steine. Am Morgen, am Mittag und am Abend kringelte lustig der hellblaue Rauch aus dem Schornstein in die klare Luft über ihnen, die ringsum begrenzt wurde durch die unbewegten Buchenwipfel.

Celia saß im Schatten vor der Haustür, deren obere Hälfte geöffnet war, man konnte in die dämmerige Küche hineinsehen. Sie hielt in der einen Hand den Rocken, und mit der anderen ließ sie die Spindel lustig tanzen. Ein Huhn hatte sich im Sande halb vergraben, wo ein Streifen Sonne war, es streckte das eine Bein von sich und blinzelte dumm mit den Augen. Unter dem vorspringenden Dach hingen allerhand Kräuterbündel zum Trocknen. Ganz weit aus dem stillen Wald her läutete die Glocke der weidenden Kuh.

Celia wußte, daß Dornröschen sich an einer Spindel gestochen hatte und dann in Schlaf verfallen war mit dem ganzen Hof, und daß dann die Rosen um das Schloß herumgewachsen waren. Sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn sie und die Alte in Schlaf fielen, und die wiederkäuende, liegende Kuh ihre Augenlider zufallen ließ, und die Hühner und der Hahn, und ihr Zeisig im Bauer, der immer sang »diddel diddel diddeleldätsch«, denn mehr konnte er nicht. Dann würden die wilden Rosen immer weiter ranken, und im Herbst säßen Hagebutten an ihnen, und die wilden Rosen würden über das Strohdach mit seinen dicken Moosklunkern wachsen, und über den Schornstein. Im Schornstein hingen vier Speckseiten, aber weil die Mäuse auch schliefen, so konnten sie nicht an die Speckseiten gehen. Sie selber aber läge dann auf ihrem weißbezogenen Bettchen, das nach Salbei duftete, und dann käme der Königssohn herein. Wie mußte der aussehen? Erstens mußte er eine silberne Rüstung haben und gelbe Haare und blaue Augen, und sein Schwert mußte heißen ... Lerchenzauber mußte es heißen. Und dann mußte er eine Geige haben, und vor ihrem Bett fing er an zu geigen, und da wachte sie auf, und der Zeisig, und die Kuh, und die Alte; ihm aber fielen beim Geigen die gelben Locken übers Gesicht. Dann sprang sie in die Höhe von ihrem Bettchen, denn sie war ja ganz angezogen, und der Königssohn hob sie hinter sich auf sein weißes Rößlein, das hieß ... Schwalbenflug hieß es. Und wenn er vor seinem Schloß ankam, da trat seine Mutter heraus mit einem großen Bund Schlüssel im Gurt und rief: »Ei, was hast du dir für eine liebe Braut mitgebracht, nun wollen wir aber auch gleich Hochzeit machen.« Und dann wurde acht Tage lang gesotten und gebacken und gebraten und geschmort, und dann wurde Hochzeit gemacht, und sie selber war die Frau des Königssohnes und trug das große Bund Schlüssel am Gurt. Dann bekam sie auch ein Kind ... ja, das sollte heißen: Liebestrost. Das hatte von ihm die gelben Locken und von ihr die dunkeln Augen und war so wunderschön, daß alle Leute stehen blieben, wenn es vorbeiging. Sie hatte es aber auch lieb! Jeden Abend badete sie es, und keine fremde Hand durfte es berühren. Ach, wie das sein mußte, wenn sie es so in der Badewanne hatte, und es zappelte mit den Beinchen und Ärmchen und krähte vor Vergnügen, und dann wurde es abgerubbelt mit einem großen Tuch, da sah nur noch das Köpfchen heraus. Und dann schlief es so fromm und hatte die Händchen gefaltet, denn sowie es nur sprechen konnte, da betete es auch schon, weil es der liebe Gott so lieb hatte. Ach, und Kleidchen hatte es! Nein, da war ein ganz großer Schrank voll: Mit Silber gestickte und mit Gold gestickte, und mit Pelz besetzte und mit Sammet besetzte, und so viel Wäsche! Zweimal den Tag zog sie ihm ein frisches Hemdchen an. Ja, armer Leute Kinder haben das nicht!

Das Wässerlein plätscherte, und das Hühnchen kakelte leise im Halbschlaf. Die Buchen standen ruhig mit ihren weißen Stämmen, immer tiefer in den Wald hinein. Ameisen liefen kreuz und quer; wenn sie sich begegneten, befühlten sie sich mit den Hörnern; sie trugen emsig allerhand Dinge oder wusselten eilfertig herum, als wenn sie wichtige Bestellungen zu machen hatten. Zuweilen halfen sie sich auch beim Schleppen und zerrten dann ihre Last hin und her; sie schleppten, was ihnen gerade einfiel, und wohin es ihnen gerade gut schien, bergauf und bergab, und zuletzt ließen sie es liegen.

Sie war ganz bestimmt nicht die Tochter der Alten, obwohl sie immer Mutter zu ihr sagen mußte. War das ein Scheusal! Und ganz gewiß war die auch eine Hexe. Celia hatte sich immer schon vorgenommen, aufzupassen des Abends, wenn die Alte durch den Schornstein ausfahren würde, denn das glaubte sie ganz bestimmt, daß sie das tat; er war schon ganz glänzend geworden inwendig. Aber sie schlief immer über dem Warten ein, und wenn sie aufwachte, dann schien schon die Sonne auf ihr Bettchen und die Vögel sangen und die Alte stand keifend vor ihr und schalt sie Langschläfer.

Wer konnte wissen, woher sie stammte! War es denn nicht schon vorgekommen, daß so eine Alte ein Kind geraubt hatte mit seinem Badezuber, und wie das Mädchen groß ist, kommt einmal ein Ritter vorbei, der kehrt bei ihnen ein, und dem soll das Mädchen die Füße waschen. Da erkennt der Ritter das Wappen auf dem Badezuber, und merkt, daß das Mädchen sein gestohlenes Schwesterchen ist. Wenn sie nun auch so einen Bruder hätte, der sie holte, und eine Mutter, und einen Vater!

Die Spindel war doch manchmal, als wenn sie lebendig wäre! Manchmal hatte sie gar keine Lust und dann war sie wieder so fleißig! Ob das wohl alles für ihre Aussteuer bestimmt war, was sie jetzt spann? Aber was sollte sie denn hier wohl für einen Mann kriegen! Einen Köhler? Sechs Tage ist er schwarz und den siebenten ist er ungewaschen. Des Sonntags rasiert er sich, und in der Woche wachsen ihm die Stoppeln. Und dann sollte sie wohl jeden Tag Köhlersuppe kochen, und dem Köhler seine Kinder warten! Nein, da dankte sie denn doch!

Eine runde Wiese war im Wald, da wuchs Frauenschuh und Mannskraut, und unter den Baumstumpfen wohnte das kleine Volk mit seinen Schätzen. Wenn sie da einmal einem vom kleinen Volk begegnete, und der gab ihr dann etwas von seinem Gold! Dafür kaufte sie sich drei Kleider, eins wie die Sonne, eins wie der Mond, und eins wie die Sterne. Mit denen ging sie dann weg, und dann würde sie schon einen Königssohn kriegen. Nicht wahr, wenn man so groben Nessel und Warp anhat, wer soll einen da wohl nehmen!

Und als die Alte nach Hause kam mit ihren Kräutern, da hatte sie natürlich wieder zu keifen, daß Celia nicht genug gesponnen hatte in der Zeit. Und sie hatte doch immer an einem Fleck gesessen! Aber diesmal hatte die Alte noch etwas anderes vor. Sie schickte Celia in ihr Kämmerchen, damit sie ihren besten Staat anziehen solle. Celia dachte sich wohl schon weshalb, aber sie sagte nichts und tat, als ob sie von nichts wisse.

* * *

Der Ritter Julian von Montabel wohnte in einem Schloß, das sich ganz spitz auf einem steilen Felsen erhob. Weithin nach drei Seiten dehnte sich eine Hochebene, welche von ärmlicher Heide bedeckt war. Am Fuß der steilen Bergwand zog der Strom, und dann streckte sich ein lächelndes Gefilde hin. Hier saßen reiche Bauern, die von oben ganz klein aussahen. Tiefgehende Wolken streiften die Spitze des Burgturms, und über das Land unten gingen oft die Schatten der Wolken, und in Streifen lag auf ihm der Sonnenschein.

Auf seinem hellbraunen Pferdchen streifte der Ritter Julian oft durch die öden Heideländereien, wo zuweilen ein Kiebitz ihn schreiend umflatterte, während am Himmel zerrissene Wolken jagten. Er dachte an ein sonniges Land mit heller Luft, wo die Häuser weiß leuchteten. Hier, wo er war, blühte die violette Heide, und gelber Ginster glänzte, es waren Lachen braunen Wassers und verkrüppelte Tannen, und zuweilen schwankte der Boden unter den Hufen des Pferdes. Soweit er blicken mochte am Horizont, es war kein Mensch zu sehen, er war allein auf seinem Pferde.

An eine Jungfrau dachte er, die mußte dunkles Haar haben und dunkle Augen. Mitten im Wald mußte er sie treffen, und sie mußte ihn ansehen. In einem Gang schritt er neben ihr, wo zu beiden Seiten Rosen blühten, und indem sie ging, sah die Spitze ihres Fußes unter ihrem Gewand hervor. Schweigend gingen sie, und sie hatte den Kopf gesenkt, er aber fühlte im Gesicht, daß die gleiche Luft vor ihnen war und zwischen ihnen. Ja, Vögel sangen wohl auch, aber das war alles anders. Er hätte nur so immer gehen mögen neben ihr, wenn er gedurft hätte.

Aber er hatte Furcht vor ihr, daß sie ihn für aufdringlich halten würde, und daß er ihr dadurch überhaupt widerwärtig werden konnte. Vielleicht, wenn er mit ihr hätte sprechen können, aber er wußte nicht, was er hätte sagen sollen. Und es war ja auch am schönsten so, still neben ihr zu gehen zwischen den blühenden Rosen.

Es war einmal ein fahrender Sänger auf dem Schloß gewesen, welcher viele Liebeslieder vorgetragen hatte. Er hatte sich geschämt in der Seele des Fremden, von solchen Dingen zu sprechen. Aber was er selber fühlte, das war ja doch etwas ganz anderes wie Liebe, und trotzdem war es ihm schwer zu Sinn, wenn er dachte, daß das Mädchen etwas davon merken sollte, daß er sie gern hatte, und er würde sich absichtlich zu andern gehalten haben, wenn sie dagewesen wären.

Überhaupt schien es ihm zumute, als sei er verliebt, während er doch gar kein Mädchen wußte. Grundlos traurig war er, daß er hätte weinen mögen, aber die Traurigkeit saß nicht tief, und es war ihm auch nicht ernst mit ihr. Und dann dachte er, daß er doch so jung war, und daß er jetzt gerade die allerschönste Zeit des Lebens vor sich hatte. Wenn er nur nicht so schüchtern gewesen wäre, dann hätte er schon allerhand verliebte Abenteuer haben können, das wußte er wohl; die Zofe seiner Mutter hatte ihn doch ganz ersichtlich aufgemuntert; aber dann hatte er sich immer wieder gedacht, er deute diese Zeichen falsch, und außerdem hatte er sich auch geschämt.

Ja, wenn er einmal eine Jungfrau fand, die so ganz hoch stand, wie eben nur die Frauen stehen, und die von solchen Dingen gar nichts wußte, und zu der er nur immer aufsah, wie zu der Jungfrau Maria, da war es doch gut, wenn er sich reingehalten hatte von allen Leichtfertigkeiten; es war überhaupt schon schlimm, daß er an solche Dinge dachte, und an die verliebten Augen der Zofe. Überhaupt war die ja älter wie er.

Aber indem kam ihm die Erinnerung, wie er die Zofe einmal auf der Treppe getroffen hatte, als sie sich das Strumpfband festzog. Sie hatte schnell den Rock über das Bein geschlagen, als sie ihn bemerkte, und sich aufgerichtet, aber ihm war doch das Bein in der Erinnerung geblieben, und der Busen, den er von oben gesehen hatte, unter dem Nacken mit den krausen Härchen und dem Streifen, wo die Haut weißer wurde unter dem Braungebrannten. Ein eigenes Gefühl überkam ihn, wie von Schwindel, und als ob er Ohrensausen habe und das Herz ihm stehen bliebe. Er ärgerte sich aber und schämte sich solcher Erinnerungen.

Er hatte sich doch schon ein ganz genaues Bild gemacht von der Dame, die er einmal verehren würde. Was mußte die empfinden, wenn sie von solchen Gefühlen wußte bei ihm! Das war doch eine tödliche Kränkung für sie! Und noch dazu war es nur eine Zofe, an die er dachte!

Wie häßlich das überhaupt war, daß wir mit diesen gemeinen Trieben ausgestattet sind. Und die meisten Menschen gaben ihnen nach! Oder man mußte ins Kloster gehen.

Zuweilen, wenn er an solche Dinge dachte, graute ihm doch vor dem Leben. Wenn er seinen Vater ansah, dann dachte er, daß der gute alte Mann doch auch einmal jung gewesen war, und wahrscheinlich hinter den Dienerinnen hergegangen. Das war ihm ganz schwer, wenn er sich so etwas vorstellte. Und dann dachte er, daß seine Mutter ihn doch geboren hatte und doch das alles hatte durchmachen müssen mit seinem Vater. Zuweilen war es ihm, als wenn alle Menschen nur Tapeten seien, hinter denen etwas ganz Furchtbares und Entsetzliches verwese.

Ja, er dachte wohl, daß er hinaus in die Welt mußte, unter Menschen. Aber wenn er einmal zwischen fremde Leute kam, so saß er stumm zwischen ihnen und war wohl höflich und freundlich gegen sie, aber sie waren ihm gleichgültig und er wußte nicht, was er mit ihnen anfangen sollte. Sie fragten und er antwortete, aber das war alles ganz fremd an ihm und er konnte sich gar nicht denken, daß er davon etwas lernen sollte. Er wußte auch, daß sie ihn auslachen würden, wenn sie wüßten, was er bei sich dachte.

* * *

Als er sich damals der Hütte näherte, wo Celia mit der Alten wohnte, hatte Celia bereits ihren besten Putz angetan, saß vor dem dämmernden Hauseingang und spann. Große goldene Ringe trug sie in den Ohren und einen Kamm im Haar, in welchem edle Steine funkelten. Ihr rotes Jäckchen war mit Gold bestickt, und ihr tiefblauer Kleiderrock trug unten einen fingerbreiten Goldstreifen. Der Ritter kam aus dem Wald mit seinem hellen Antlitz und hielt betroffen sein Pferd an.

Celia erhob sich und ging ihm entgegen. Er sprang von seinem Rößlein, und als er sie nun so nahe erblickte, mit dem zaghaften Gehaben, ward ihm so weh ums Herz, daß er ohnmächtig hinsank. Celia beugte sich über ihn, und ihre Tränen flossen ihm ins Gesicht. Die Alte richtete ihn auf und gab ihm etwas zu riechen, daß er wieder zu sich kam. Dann nahm ihn Celia an die Hand und setzte sich mit ihm auf die Bank unter den Rosenbusch, wahrend die Alte das Pferd besorgte.

Sie wußten nicht, was sie einander sagen sollten, und deshalb schwiegen sie lange. Dann brachte die Alte Milch und Brot heraus und sie aßen zusammen. Als er sich aufs Roß schwang, grüßte er Celia und die Alte, und dann ritt er fort.

Fort ritt er durch den Buchenwald, der sich wölbte, und durch die bienenübersummte Heide. Er dachte an Celia mit Angst. Er wußte nicht, was er fürchtete, aber seine Angst um sie war groß, und als er nach Hause kam, wunderten sich seine Leute über sein verstörtes Gesicht.

Am anderen Tage kam er wieder zu dem Hüttchen; drinnen wirtschaftete die Alte und vor dem Eingang saß Celia in ihrem roten Jäckchen, hielt den Rocken und ließ die Kunkel tanzen. Aber als er zum zweiten Male neben ihr saß auf dem Bänkchen, und sie einem Vogel zusahen, welcher ernsthaft sein Schnäblein öffnete und sang, da fühlte sie eine sonderbare Beklommenheit in sich. Sie hatte ihm die Hand nicht wieder gegeben seit jenem ersten Mal, wo sie ihn zu ihrem Häuschen führte, und sie saßen wieder stumm nebeneinander wie damals. Es war ihr, als müsse sie immer weiter von ihm wegrücken. So saßen sie, und nach einer Stunde seufzte er tief auf, bestieg sein Pferd und ritt ab. Und als er ritt, war seine Angst noch größer geworden wie das erste Mal. So war es viele Tage hintereinander. Sie wurde immer scheuer und furchtsamer, und er ängstigte sich immer mehr um sie.

Als aber seine Leute merkten, wie er von Tag zu Tag verfiel und blasser und magerer wurde, gingen sie ihm einst nach und merkten sein Geheimnis. Sie sahen die beiden, wie sie saßen und in den spielenden Schatten vor ihnen träumten, und wie er dann laut aufseufzte, sie mit liebreichem Blick anschaute, ihr und der Alten grüßend zuwinkte und fortritt. Da kamen sie zu der Meinung, daß ihn das Mädchen verhext habe und ihm heimlich die Seele aussauge, während sie bei ihm sitze.

Sie wollten ihm nicht wehe tun, und deshalb versuchten sie, ihm zuerst zu helfen, ohne daß er es merkte. Sie führten ihm angenehme Gesellschaft zu, die ihn zerstreuen sollte, sie ließen Musik machen und Lieder singen, dann gaben sie ihm allerlei geweihte Tränklein, die ihn von dem Zauber befreien sollten, aber er wurde nur immer trübsinniger und machte Tag für Tag den Ritt, von dem er so traurig zurückkam.

Zuletzt wurde er so schwach, daß er auch das Pferd nicht mehr besteigen konnte. Er lag auf seinem Bett und sah zu, wie die Sonnenstäubchen tanzten und wirbelten in einem Sonnenstreifen. Er ließ sich aus seinem Zimmer hinaustragen in das kleine schmale Gärtchen hinter der gezackten Mauer und sah an den hohen Himmel, und dachte, daß der Himmel auch über Celia sei.

Als ihn sein Vater so siech liegen sah, wurde er von Zorn ergriffen gegen das Mädchen, welches, wie er meinte, diese Krankheit verschuldet hatte. Und indem er alle Rücksicht nunmehr beiseite setzte, schickte er Leute aus, welche sie aufgreifen mußten und ihm bringen. Sie fanden sie allein in dem Häuschen, denn die Alte war seit ein paar Tagen verschwunden.

Auf der Burg baten sie der alte Ritter und der Kaplan, doch die Verzauberung Julians aufzuheben. Aber sie weinte nur und erklärte standhaft, daß sie keine Schuld habe. Der Ritter Julian stellte seinem Vater vor, wie sehr er das fremde Mädchen liebe, und flehte ihn an, sie ungekränkt zu lassen. Endlich erweichte er das Herz des alten Mannes, welcher seinen Einzigen vor seinen Augen dahinsterben sah. Der alte Ritter ging in das Turmstübchen, welches man Celia als Gefängnis gegeben hatte, und trug ihr die Hand seines Sohnes an, indem er ihr schilderte, in welcher verzweifelten Verfassung er sei.

Celia stürzten die Tränen aus den Augen, als sie das anhörte; aber wenn sie sich dachte, daß sie des Julian Weib werden solle, und daß sie mit ihm zum Altar treten müsse, und daß alle das wüßten, daß sie seine Braut sei, dann schämte sie sich, und es war ihr so, daß sie nicht ja sagen konnte. Sie schüttelte nur mit dem Kopf. Der alte Herr ging erzürnt von ihr und erzählte seinem Sohne den Erfolg seiner Werbung. Dieser erwiderte trübsinnig, daß er sich keinen anderen Ausgang gedacht habe, denn er sei ja viel zu gering für sie.

Und endlich konnte er den Zorn seines Vaters nicht mehr aufhalten. Es wurde auf dem Hofe ein Scheiterhaufen gebaut, auf welchem Celia als eine Hexe verbrannt werden sollte. Bevor sie zum Tode geführt werden sollte, brachte man sie noch vor das Bett des sterbenden Julian, welcher sie weinend begrüßte. Er machte sich Vorwürfe, daß er durch seine törichte Leidenschaft ihr Unglück verschuldet habe und nun durch sein Leiden gehindert sei, ihr beizustehen, denn er konnte sich nicht mehr von seinem Bett erheben. Sie aber tröstete ihn und sagte, die Alte habe ihr erzählt, daß der Tod auf dem Scheiterhaufen ganz leicht sei, weil man sofort durch den Rauch bewußtlos werde und ersticke. Dann bat er sie, bevor sie scheiden mußten, noch um eine einzige Gunst. Sie hatte ihm nur einmal ihre Hand gereicht, als sie sich zuerst gesehen hatten; nun solle sie ihm die Hand noch einmal geben, wo sie für ewig voneinander Abschied nehmen müßten. Da reichte sie ihm ihre mit Ketten beschwerte Hand, indem sie im Gesicht, den ganzen Hals hinab, rot wurde; und er drückte einen Kuß auf die Hand.


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