Julius Wolff
Das schwarze Weib
Julius Wolff

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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Schon wenige Tage nach Florian Geyers Ausritt von Heilbronn begann Judikas Prophezeiung, die sie mahnend zu ihm ausgesprochen hatte, sich zu erfüllen. Rat und Geschlechterherren, mit den Gegnern der Bauern in geheimer Verbindung stehend und auf baldige Hilfe von Ulm hoffend, trugen das nur kurze Zeit in Scheu gesenkte Haupt schon wieder höher, seit sie die starke Hand des ritterlichen Mannes nicht mehr über sich fühlten. Die Herren glaubten, mit seinem Stellvertreter im Befehl, dem einfachen, schlichten Ehrenfried Kumpf, der ein tüchtiger Bauernführer, aber kein redegewandter Vermittler und kluger Ergreifer von wirksamen Maßregeln war, leichter fertig werden und ihn mit einem selbstbewußten, hochfahrenden Auftreten einschüchtern zu können. Sie machten Schwierigkeiten bei Verabfolgung der ausbedungenen Lieferungen und ließen sich durch Ehrenfrieds Drohungen nicht beirren, in der Voraussetzung, daß er es nicht wagen, die strengen Weisungen seines obersten Hauptmannes eigenmächtig zu überschreiten, und dieser selber nicht nach Heilbronn zurückkehren würde. Ehrenfried war in einer mißlichen Lage, denn auf ihm ruhte eine schwere Verantwortlichkeit, der er nicht gewachsen war. Die Unterführer, mit denen er sich beriet, drängten zu einem entschiedenen Vorgehen gegen die in Erfüllung ihrer übernommenen Verpflichtungen säumige Stadt, und dasselbe tat Judika, der er seine Not klagte und die sich bereit erklärte, die Verantwortung Florian gegenüber tragen zu wollen. Machte er dann Anstalten und erließ er Befehle, seine Forderungen mit Gewalt durchzusetzen, so kamen ihm die weisen Herren vom Rate mit listigen Vorstellungen und Versprechungen, gaben scheinbar und in Kleinigkeiten auch wirklich nach, aber in der Hauptsache blieb es bei einer teils versteckten, teils offenen Widersetzlichkeit.

Da ereignete sich eines Tages etwas höchst Überraschendes. Judika, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die von Bauern besetzten Torwachen täglich mehrmals zu besichtigen, begegnete dabei einem soeben zur Stadt hereinschreitenden, ärmlich gekleideten Landmann, der, als ob er von der Arbeit in den Weinbergen käme, ein großes Bündel Pfähle, woran man die Reben bindet, auf dem Rücken trug und deshalb als unverdächtig an der Wache vorbeigelassen wurde. Zufällig schaute Judika ihm ins Gesicht, stutzte, besann sich einen Augenblick und vertrat ihm dann stracks den Weg mit der Anrede: »Schweppe! wo kommt Ihr her?«

Der Mann erschrak, geriet sichtlich in Verlegenheit und stotterte: »Ich – ich kenn' Euch nicht.«

»Aber ich Euch!« sagte Judika. »Was habt Ihr in Heilbronn zu suchen? Heda!« rief sie einigen Bauern zu, »nehmt den einmal in die Wachstube und durchsucht ihn! es ist der Reitknecht des Ritters von Gemmingen; ich habe ihn oft mit seinem Herrn auf Schloß Weinsberg gesehen.«

»Ihr irrt Euch, Ihr irrt Euch!« beteuerte der Mann ängstlich, »ich heiße Ritzhaupt und bin aus Neckargartach.«

»Komm nur mal 'rein!« lachten die Bauern, »wir wollen dir Haupt und Hals ritzen, Junkerknecht, so du nicht beichtest.«

Sie schleppten ihn in die Wachstube, und Judika folgte. Dort hieß es: »Nun bekenne freiwillig, was du hier zu schaffen hast, sonst legen wir dich auf die Leiter und strecken dich so lange, bis du losdrückst.«

Er schwieg. Die Bauern durchsuchten und befühlten ihn am ganzen Leibe und entdeckten dabei einen in sein Lodenwams eingenähten Brief an den Bürgermeister von Heilbronn. Judika erbrach ihn, las ihn und rief: »Ah! Verrat, Verrat! tückischer Verrat!« Dann machte sie die Bauern mit dem Inhalt des Briefes, der aus Ulm und vom Ritter von Gemmingen im Auftrage des Truchseß von Waldburg geschrieben war, bekannt. Er lautete dahin: der Rat möchte sich noch einige Tage gedulden, bis eine Abteilung des schwäbischen Bundesheeres zu seiner Hilfe herankäme, er solle die Bauern in der Stadt zu halten suchen, damit man sie fangen und niedermachen könnte, vor allem sollte er Florian Geyer und das schwarze Weib, die Hofmännin, nicht entwischen lassen. sondern sie einkerkern und dem schwäbischen Bunde ausliefern.

Judika war empört, und die Bauern gerieten in solche Wut, daß sie den Überbringer des Schreibens auf der Stelle ermordet hätten, wenn ihn Judika nicht geschützt hätte. »Haltet ihn in festem Gewahrsam,« befahl sie, »wir werden wohl noch mehr von ihm erfahren. Das Weitere besorg' ich.«

Nun eilte sie zu Ehrenfried Kumpf, teilte ihm das Geschehene mit und riet ihm, doch in sehr gebieterischer Weise, sofort die Ratsglocke läuten, auch sämtliche Zunftmeister in die dadurch einberufene Ratsversammlung bestellen zu lassen und selber mit einigen Rotten bewaffneter Bauern im Sitzungssaale zu erscheinen; sie würde dort sein und das Wort führen.

Die Ratsherren verwunderten sich höchlich, plötzlich zu einer außerordentlichen Sitzung berufen zu werden, über deren Veranlassung ihnen schlimme Ahnungen aufstiegen. Am meisten erschrocken war der Bürgermeister, als er das ohne seinen Befehl ertönende Läuten der Ratsglocke hörte, und als man nun sowohl die Zunftmeister in Waffen sich zum Rathause begeben, als auch mehrere Rotten von Bauern dorthin marschieren sah, geriet die ganze Einwohnerschaft in Aufruhr. Schnell verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß ein Kundschafter des schwäbischen Bundes, ein als Bauer verleideter Junker, gefangen wäre. Alt und jung strömte aus allen Gassen zum Markte, wo sich bald eine große neugierige und aufgeregte Menge von Bürgern und Bauern staute.

Kaum war eine Viertelstunde vergangen, da saßen Bürgermeister und Ratsherren auf ihren Stühlen, sich beklommenen Gemütes fragend, was das geben würde. Auch die Meister und viele andere Mitglieder der Zünfte sowie Ehrenfried Kumpf mit mehreren Unterführern und einer stattlichen Schar Bewaffneter waren zur Stelle, so daß der Saal gedrängt voll war.

Judika, Gemmingens Brief in der Hand, trat mitten vor den Tisch des Rates, dem Bürgermeister gegenüber. Sie war sehr bleich und begann mit vor Erregung bebender Stimme: »Bürgermeister und Ratmannen! ich habe euch durch den Ruf eurer Glocke versammeln lassen und auch die ehrbaren Zunftmeister herbestellt, um euch in deren Gegenwart ins Gesicht zu sagen: Bürgermeister und Rat von Heilbronn, ihr seid eidbrüchige Verräter!«

Da fuhren sie zusammen wie von einem Schlage getroffen. Die meisten saßen starr und stumm. Einige aber sprangen von den Stühlen auf und schrien: »Was soll das heißen? Was untersteht sich das schwarze Weib? Wo ist der Stadthauptmann mit den Knechten?« und wollten hinaus. Die Zunftmeister aber wiesen sie zurück: »Nicht von der Stelle! hier kommt niemand hinaus und niemand herein!«

Ehe es dem Bürgermeister gelang, den betäubenden Lärm zu stillen, hob Judika die Hand hoch und gebot mit lauter Stimme: »Ruhe verlang' ich! das Wort hab' ich!«

Da schwieg alles, und Judika fuhr fort: »Bürgermeister und Rat! ihr habt euch und eure Stadt dem Ritter Florian Geyer in den evangelischen Bund gelobt, und nun hört diesen Brief, den wir einem in Verkleidung eingeschlichenen Boten des schwäbischen Bundes abgenommen haben, die Antwort auf ein Bittschreiben von euch um Hilfe gegen uns Bauern!«

Sie las den Brief laut vor und schloß dann: »Herr Bürgermeister, ich frage Euch: was habt Ihr darauf zu erwidern?«

Die Gesichter der Ratsherren waren lang geworden; in bestürztem Schweigen saßen die auf ihrer Hinterlist Ertappten da und rührten sich nicht. Nur die wenigen dem Handwerkerstande angehörigen Mitglieder des Rates erhoben sich, aufgebracht über den hinter ihrem Rücken angesponnenen Verrat, und gesellten sich zu ihresgleichen im Saale, den Zunftmeistern, unter denen sich eine unmutsvolle Bewegung mit Ausdrücken des Abscheus und der Verwünschung kundgab.

Der Bürgermeister aber, ein bejahrter Herr von entschlossenem Aussehen, ermannte sich und erwiderte mit strenger Amtsmiene: »Jungfrau Hofmännin, wer gibt Euch das Recht, mich so zu fragen? wo ist Eure Vollmacht dazu?«

»Hier steht sie in Wehr und Waffen!« rief Judika mit der Hand im Kreise auf die sie rings umgebenden bewaffneten Bauern zeigend. »Wollt Ihr mit Eurer Antwort so lange warten, bis ich Euch meine Vollmacht fühlen lasse?«

»Laßt mich den Brief einsehen,« sprach er in gemäßigterem Tone.

»Da!« und sie krachte mit hartem Schlage der Hand das Schriftstück vor ihn hin auf den Tisch.

Der Bürgermeister las und sagte darauf: »Hier steht nichts davon, daß dies eine Antwort auf ein Bittschreiben von uns wäre. Wir haben keine Hilfe vom schwäbischen Bunde verlangt.«

»Auch noch leugnen?!« rief Judika mit rollenden Augen. »Ein Wink von mir, und ihr liegt einer nach dem anderen auf der Leiter unter peinlicher Frage!«

»Und wenn es nun so wäre, wenn wir euch ungebetene Gäste los sein wollten, könnt Ihr's uns verdenken?« sprach der Bürgermeister entschieden. »Heilbronn ist eine freie Reichsstadt, die nicht von Bauern regiert sein will.«

»Reichsfrei? nein, vogelfrei wie der Verfemte auf der Landstraße ist sie von diesem Augenblick an, und ihr Regiment ist eine Gesellschaft bundbrüchiger Verräter!« brauste Judika zornglühend auf. »Ihr wollt den Ritter Florian Geyer und mich dem schwäbischen Bunde ausliefern? Wir werden euch dem Henker ausliefern und ihm zurufen: Köpfe ab den Schelmen! Wenn ich nicht wüßte, daß eure Mitbürger anders denken als ihre – hochwohlweise Ehrbarkeit, so ließe ich das Nest an allen vier Ecken in Brand stecken, daß von der freien Reichsstadt nichts als ein Haufen Trümmer übrigbliebe. Habt ihr nicht bedacht, ihr hochmütigen Stadtjunker, daß ihr mit eurer Niedertracht eure Hälse daran setztet und nicht allein euch, sondern auch eure Mitbürger in Tod und Verderben brachtet? Was sagt ihr dazu, Bürger von Heilbronn?« wandte sie sich zu den Umstehenden. »Wenn euch der schwäbische Bund mit seinen junkerlich und pfäffisch gesinnten Machthabern überzuckt, so ist es auch mit dem letzten Rest eurer bürgerlichen Freiheit zu Ende und mit eurem evangelischen Glauben erst recht, und das habt ihr dann eurem Rate zu danken!«

Starkes Murren und entrüstete Ausrufe wurden unter den Handwerksmeistern laut, die schon eine sehr drohende Haltung annahmen. Den Ratsherren ward bang zumute, denn sie kannten die feindliche Gesinnung der Zünfte gegen sich und wußten auch, daß die Bauern mit Mord und Brand nicht lange fackelten. Voll Grimm und in zitternder Scheu blickten sie auf Judika, die hoch aufgerichtet, viele der Männer überragend, als freiheitstolze Rächerin des Eidbruches vor ihnen stand und eine Sprache gegen sie führte, wie man sie in Heilbronn noch von keinem Kaiser gehört hatte.

»Was wollt Ihr nun von uns?« nahm noch der Unverzagteste von ihnen, der Bürgermeister, wieder das Wort.

»Jawohl, das möchten wir wissen,« wagten einige Ratsherren ihm schüchtern beizustehen.

»Was ich von euch will? das fragt ihr noch?« sprach Judika hohnlachend. »Euch allen Regiments, Gebietens und Verbietens hier in der Stadt entübrigen, das will ich!«

»Wir sind der erwählte Rat und haben unser verbrieftes Stadtrecht, das uns in unserer obrigkeitlichen Gewalt schützt und stützt,« erwiderte der Bürgermeister.

»Mit eurer Gewalt ist's aus; ihr seid abgesetzt! herunter von den hohen Stühlen!« rief Judika. »Ihr ehrbaren Zunftmeister übernehmt das Regiment der Stadt! wählt euch selber aus euren Reihen Bürgermeister und Rat und macht mit denen da, was euch gut dünkt! Einen aber muß ich haben, der mir mit seinem Kopfe für die anderen haftet, dort den Bürgermeister! Nehmt ihn, ihr Bauern, und werft ihn in den Turm! Ritter Florian Geyer mag über sein und ihrer aller Schicksal entscheiden.«

Nun entstand ein wilder Tumult. Die Ratsherren sprangen auf und scharten sich um ihr Oberhaupt, aber die Bauern drangen auf sie ein, griffen sich den Bürgermeister heraus und führten ihn ab. Die Ratsherren wurden aus dem Saale mehr hinausgeworfen als geschoben, und als dies geschehen war, rief der Obermeister der Weingärtner, der größten Zunft in Heilbronn, dem Zunftmeister der Bäcker zu: »Hans Flux, übernimm du den Vorsitz und leite unsere Wahl von Bürgermeister und Rat!«

Draußen auf dem Markte wurden die Verstoßenen mit lautem Hohngeschrei empfangen, und schadenfrohes Volk zog johlend und pfeifend mit dem Bürgermeister und den ihn umgebenden Bewaffneten zu dem Turm, in welchem er eingesperrt wurde und in welchem vor sechs Jahren der Rat den Ritter Götz von Berlichingen kurze Zeit gefangen gehalten hatte.

Judika gab den Bauern den Befehl, keinen Ratsherrn aus der Stadt hinauszulassen, und machte sich dann auf den Heimweg, von der harrenden Menge mit stürmischen Jubelrufen begrüßt und zu ihrer Wohnung begleitet. –

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel war das Strafgericht auf den Rat niedergefahren und die Umwälzung im Regiment der Stadt vollzogen. Die Zünfte waren obenauf, und die Bürger erkannten, die einen mit kaum verhaltener Wut, die anderen mit Genugtuung und Freude den starken Willen und die große Macht dieses schwarzen Weibes, das in Florian Geyers Abwesenheit unbeschränkt in der Stadt herrschte und den ritterlichen Befehlshaber mit so außerordentlicher Kraft und Entschlossenheit vertrat und ersetzte.

Dennoch wünschte Ehrenfried Kumpf die Rückkehr des Feldhauptmanns mit Ungeduld, nicht bloß Heilbronns wegen. Vom fränkischen Heere war eine sehr beunruhigende Botschaft gekommen mit der Aufforderung an Florian zum schleunigen Anschluß, weil man seiner Streitkräfte in Franken, wo sich schwere Wetter um das Bauernheer zusammenzogen, dringend bedurfte. Man hatte beschlossen, Würzburg zu besetzen und den Frauenberg zu stürmen, um damit den größten Widerstand der Ritterschaft und der Fürsten in Franken zu brechen und zugleich in der starken Festung einen Halt- und Stützpunkt für weitere Unternehmungen zu gewinnen. Schon war aber das schwäbische Heer mit bedeutender Macht im Anzuge und führte mit sich, was man »der Bauern Tod« nannte, – eine zahlreiche Reiterei. So stand also in Franken eine große Entscheidung bevor, die dem ganzen Kriege eine unvermutete Wendung geben konnte, und alle Welt sah dem unausbleiblichen Zusammenstoß mit Spannung entgegen.

Judika befand sich nach ihrer kühnen Tat, obwohl durchaus zufrieden mit ihrem Erfolge, in bedrückter Stimmung, hielt sich, weil sie jetzt ihrem Hauswirt, dem ratsverwandten Herrn Uffsteiner so wenig wie möglich begegnen mochte, meist still in der Einsamkeit ihres, übrigens sehr behaglich eingerichteten Zimmers und wußte selber nicht recht, ob sie sich mehr nach dem Geliebten oder mehr nach Kampf und Getümmel sehnte. Immer und immer mußte sie an Florian denken, aber so beseligt sie durch seine Liebe war, und so sehr auch ihre Liebe zu ihm ihr Herz erfüllte, war dies doch ein Element in ihr, gegen dessen Übermacht sie sich manchmal wehren zu müssen glaubte, weil es sie von der Aufgabe, der sie ihr Leben zu widmen beschlossen hatte, abzog und ihr die bisherige Stetigkeit und Unbefangenheit raubte. Sie gehörte jetzt nicht mehr allein sich selbst und ihrem Volke, sondern ihre Gedanken und Wünsche hingen nun auch mit unlösbarer Gewalt an dem Manne, den sie liebte, und sie fühlte sich in ihrem Gewissen darüber beunruhigt, daß ihr Herz nun geteilt war und nicht mehr wie früher lauter und selbstlos nur für die Freiheit schlug. War sie noch würdig, den Bauern voranzuziehen und sie zu Tapferkeit und Ausdauer zu spornen? Wenn sie ihnen jetzt zurief: »Vorwärts! ihr kämpft für eure Freiheit!« so fügte das eigene Gewissen höhnisch hinzu: und für dein Glück! auch für deine Liebe hetzst du sie in den Tod! Darüber grübelte sie oft stundenlang und ward irr an sich selber. Der aber, dessen Schicksal durch die Bande der Liebe mit dem ihrigen in den gleichen Zwiespalt verstrickt war und der ihr mit Wort und Tat ein leuchtendes Vorbild auf dem Wege treuer Pflichterfüllung hätte sein können, war fern, und noch niemals hatte er, der tröstliche Klang seiner Stimme, der strahlende Blick seiner Augen ihr so gefehlt wie in diesen Tagen der Unsicherheit ihrer selbst.

Und als ob ihren Betrachtungen und Zweifeln neue Nahrung zugeführt werden sollte, geschah es, daß sie einen unerwarteten Besuch erhielt. Frau Brigitte Rohrbach, Jäckleins Mutter, war aus Böckingen gekommen und verlangte Judika zu sprechen. Die beiden kannten sich. Frau Brigitte hatte Judika in den Jahren, wo diese in dem Dorfe lebte, schätzen gelernt und lieb gewonnen, und auch Judika hatte sich zu der verständigen und rechtschaffenen Frau, die in ihrem Wesen nichts von der Leidenschaftlichkeit und Roheit ihres Sohnes hatte, stets hingezogen gefühlt und sich ihres wohlmeinenden Rates und Schutzes zu erfreuen gehabt. So war ihr der Besuch der lieben Alten herzlich willkommen, obwohl sie eine gewisse, ahnungsvolle Beklemmung empfand, was die Mutter des von ihr abgewiesenen Bewerbers zu ihr führen mochte.

Frau Brigitte, eine stattliche Matrone mit grauem, fast weißem Haar, traurig und doch freundlich blickenden Augen und unzähligen Falten und Fältchen im gramüberhauchten Gesicht, schien selber verlegen, wie sie den eigentlichen Zweck ihres Kommens vorbringen sollte. Fragen nach dem gegenseitigen Befinden und Erkundigungen Judikas nach dem Stande der Wirtschaft und dem Ergehen einzelner Dorfbewohner leiteten das Gespräch ein und schleppten es hin, bis die Bäuerin endlich damit herausrückte. »Ich komme wegen meines Sohnes, meines armen Jäcklein, liebe Judika.«

»Warum arm?« fragte Judika, »fehlt ihm etwas?«

»Ach ja! ihm fehlt viel, ihm fehlt alles,« seufzte Brigitte, »er macht mir Kummer und Sorge.«

»Habt Ihr ihn denn in letzter Zeit gesehen?«

»Ja,« erwiderte die Frau, »er hat mich in Böckingen besucht, ehe er von Weinsberg weiterzog, wohin, wollt' er mir nicht sagen. Er wandelt schreckliche Wege, und wenn ich ihm folgen wollte, brauchte ich nur den Blutspuren nachzugehen, die er überall zurückläßt.«

»Wir führen Krieg, Frau Brigitte,« sprach Judika ernst, beinah streng, »und wenn wir unsere Feinde nicht töten, so töten sie uns. Habt Ihr es schon vergessen, was Ritter und Junker all die Jahre her gegen das arme Bauernvolk verschuldet haben?«

»Wohl wahr, wohl wahr!« nickte Brigitte, »aber so grausam blutig brauchte es doch dabei nicht herzugehen, daß viele Tausende von Unschuldigen Hab und Gut und Leib und Leben verlieren. Mir stockt das Herz, wenn ich von all den Plünderungen und greulichen Verwüstungen höre. Zu Räubern und Mordbrennern sind die Bauern geworden, und von allem der Schlimmste soll Jäcklein sein, wenn sie ihn kriegen, ist er verloren.«

»Wenn wir unterliegen, sind wir alle verloren,« sagte Judika mit dumpfem Tone.

»Ich hab' ihn mir vorgenommen und ihm ins Gewissen geredet,« fuhr die Alte fort; »er hörte mich auch eine Weile ruhig an, saß stumm und starr da, die Lippen aufeinander gepreßt wie in stiller Verzweiflung. Mit einem Male liefen ihm ein paar dicke Tränen über die Backen; er sprang auf und rief: ›Mutter, du weißt nicht, was hier inwendig in mir bohrt und frißt!‹ Ich sah ihn erschrocken an. ›Was ist's?‹ frug ich, ›sprich dich aus, mein Sohn! Deiner Mutter kannst du alles sagen.‹ Er rannte in der Stube wie besessen hin und her und zuckte und würgte und antwortete nicht. ›Ist's der Tod des Helfensteiners, der dir keine Ruhe läßt?‹ frug ich weiter. ›Nein! nein! die Judika! die Judika!‹ schluchzte er und schlug sich die Hände vors Gesicht. Seit seiner Kindheit hab' ich ihn nicht weinen sehen als manchmal in Ausbrüchen der höchsten Wut; diesmal aber kam's ihm aus dem Herzen, er war wie innerlich zerrissen und zerbrochen und jammerte mich in tiefster Seele, Judika!« schloß die schwer bekümmerte Mutter und sah die ihr gegenüber Sitzende mit einem bangen Blick erwartungsvoll an.

»Ich kann ihm nicht helfen,« sagte Judika nach einem kurzen Schweigen.

»Doch, Judika, doch!« sprach Brigitte, »du könntest ihm helfen, du allein, du könntest ihn zu einem anderen Menschen machen, wenn du ihn erhörtest und seine Frau werden wolltest. Dann käme er nach Hause, nähme sich der Wirtschaft an, die unter meinen alten, schwachen Händen immer mehr zurückgeht und schier verkommt, und ihr könntet ein sorgenloses, gutes Leben haben, ihr beiden zusammen.«

»Solange der Krieg währt, kann er nicht heimkommen, Frau,« erwiderte Judika. »Und auch dann, – sein Weib kann ich niemals werden, niemals.«

»Du hast dich dem Ritter Florian Geyer vertraut, ich weiß es wohl,« sagte Brigitte. »Aber was soll daraus werden, Judika? Zu deinem Heile wird es nicht ausschlagen. Du kannst ihn nicht glücklich machen und er dich nicht; nur gleich und gleich gesellt sich gut. Du bist auf einem Schlosse aufgewachsen, aber eine rechte Schloßherrin wirst du in deinem Leben nicht. Des Ritters Lehensleute werden dich nie als ihre Herrin anerkennen, ›sie ist auch nur eine von uns,‹ werden sie sagen, ›und nun tut sie stolz und groß und dünkt sich wunder was.‹«

»Wer sagt Euch, daß ich groß und stolz tun werde?« fuhr Judika auf.

»Und die anderen Ritter mit ihren Frauen werden dich erst recht nicht achten,« fuhr Brigitte fort, »sie werden dich über die Achsel ansehen, weil du nicht ihresgleichen bist. Und dann kommt bei ihm selber die Reue; er wird deiner überdrüssig werden, sich deiner schämen und dich verstoßen, und was wird dann aus dir? dann liegst du auf der Landstraße, schleichst am Bettelstab einher, verhöhnt und verspottet und verloren an Leib und Seele.«

»Sagt Ihr mir das alles in Jäckleins Auftrag?« fragte Judika finster.

»Nein, das nicht, er hat kein Wort davon gesprochen,« versicherte die Frau. »Aber ich sehe dein Unglück klar vor Augen. Du hast früher manchen guten Rat von mir angenommen, Judika; tu' es auch jetzt, eh' es zu spät ist! Laß ab von dem Ritter! jetzt hemmst du ihn in seinem Tun und in seiner freien Bewegung, und später wirst du eine lastende, schleppende Kette an seinem Leben, ein Makel an seinem Schilde, wenn er dich nicht schon vorher im Stich läßt, nachdem er sich an deiner Gunst gesättigt hat.«

»Frau Brigitte!« rief Judika empört, »ich lasse mir viel von Euch sagen, aber beschimpfen lasse ich mich nicht; ich kann Euch frei von Schuld und Sünde in die Augen sehen.«

»Heute – mag sein, aber wie lange noch? und wer glaubt dir's, der dich hier in solchem Hause wie eine Herrin wohnen sieht? ich, ja! denn ich kenne dich, aber die Bauern! meinst du nicht, daß sie munkeln von der Liebsten des Hauptmanns, die auszog, für Freiheit zu kämpfen und sich unterwegs einen Ritter einfing?«

»Wenn der Ritter zur Stelle wäre, würde er Euch die Antwort darauf geben,« sprach Judika stolz.

»Man weiß, was Ritterworte gelten, wenn Bauern damit abgespeist werden sollen.«

»Kennt Ihr den Ritter Florian Geyer?«

»Er ist ein Ritter, und das ist mir genug.«

»Mir ist es auch genug,« entgegnete Judika bestimmt, »und genug ist mir auch nun dieses Gespräch. Laßt uns von anderen Dingen reden, oder ich vergesse, wieviel Dank ich Euch schuldig bin.«

Aber Frau Brigitte ließ sich nicht abschrecken, sie nahm eine Hand Judikas in ihre beiden, schaute ihr so recht treuherzig in die Augen und sprach mit bewegter Stimme: »Judika, werde meine liebe Tochter! Du sollst es gut bei uns haben.«

»Ich kann nicht,« erwiderte Judika kopfschüttelnd, »ich liebe Euren Sohn nicht, fühle nichts für ihn als Abscheu und Grausen.«

»Du könntest ein christlich Werk an ihm tun, ihn bessern, ihn retten vom zeitlichen und ewigen Verderben,« fuhr Brigitte fort. »Er wird an deiner Seite, unter deinen Händen ein anderer Mensch werden, du kannst aus ihm machen, was du willst. Jetzt ist er aus Rand und Band, und in der Verzweiflung verschmähter Liebe wird er zum Wütrich und Unmenschen, dem nichts auf Erden mehr heilig ist.«

»Ich kann nicht, ich kann nicht!« rief Judika, außer sich von dem unaufhörlichen Drängen der hartnäckigen Bäuerin, und sprang auf. »Mein Herz gehört einem anderen, und mit ihm will ich leben und sterben. Die Entscheidung steht vor der Tür, bald wird alles gewonnen oder alles verloren sein.«

»Läßt du mich ohne Trost von dannen gehen?«

»Was Ihr von mir verlangt, ist unmöglich,« sprach sie.

Die alte Frau stand, Tränen in den Augen, mitten im Gemach und fingerte mit ihren knochigen Händen, als wollte sie sie falten und könnte nicht. Ihre Lippen bebten und suchten nach Worten, die sie nicht fanden. »Lebewohl!« sagte sie endlich, »möge es dich nie gereuen, was du zu tun gesonnen bist!«

Judika schloß sie in die Arme, ohne noch etwas zu erwidern, und dann ging Frau Brigitte traurig ihres Weges, den sie gekommen war.

Judika warf sich in einen Lehnstuhl; ihre Brust wogte in heftigster Erregung. Die Worte der Alten: »Jetzt hemmst du ihn in seinem Tun, und später wirst du eine Kette an seinem Leben, ein Makel an seinem Schilde sein« brannten ihr wie Feuer auf der Seele. Und man sollte sie für des Ritters Liebste halten, weil sie auf seine Anordnung, unter seinem Schutz in einem reichen Hause wohnte? Sie erschrak förmlich bei diesem Gedanken und in dem Gefühl, daß ihr Frau Brigitte die Augen geöffnet hatte über Dinge, die sie selber in ihrer sinnenden, sehnenden Liebe und im Bewußtsein ihrer Unschuld niemals in so peinlicher Beleuchtung gesehen hatte.

Um jenen unwürdigen Verdacht zu beseitigen, beschloß sie, das üppige Patrizierhaus sofort zu verlassen und sich in der bescheidensten Weise bei einem Handwerker einzuquartieren, und damit war sie über diesen Punkt schnell fertig und mit sich einig.

Viel schwerer drückte sie das, was ihr Brigitte wegen ihrer Liebe zu Florian vorgehalten hatte. Aber sie wußte es der guten Alten Dank, daß sie ihr die Wahrheit gesagt hatte, so wie es diese in ihrem ehrlichen, einfältigen Gemüt verstand und empfand, und nun wollte sie selber sich die Hand einmal aufs Herz legen, sich prüfen und sich klarmachen, ob sie im Recht war oder im Unrecht.

Von Florians Liebe war sie so heilig überzeugt wie von ihrer eigenen, und keine Bedenklichkeit, keine Verleumdung würde sie in ihrem Glauben an seine Treue wanken machen. Er, der so groß und frei Denkende, daß er nur einen Stand im Reiche gelten lassen wollte, der sollte sich jemals ihrer schämen, weil sie keine Edelgeborene war? Freilich, es hatte Zeiten gegeben, und sie lagen noch nicht so weit zurück, wo sie es selber für unmöglich gehalten hatte, des Ritters Gattin werden zu können, aber Florian hatte ihr diese bangen Zweifel vollständig aus der Seele verscheucht und von Stirn und Lippen weggeküßt. Durch seine Liebe fühlte sie sich erhöht und aus ihrer Niedrigkeit emporgehoben zu Ansehen und einer ihrer Erziehung entsprechenden Stellung, und in der großen Wertschätzung, die ihr Florian stets bezeigte, gewann sie Sicherheit und Selbstvertrauen, klagte nicht mehr wie früher über ein verfehltes Leben, sondern sah den Ehren und Freuden, die ihr an seiner Seite winkten, so froh und zuversichtlich entgegen, als oh sie ihr von Rechts wegen gebührten. Ritterliche Sitten kannte sie und wußte sich in ihren Formen zu bewegen, und daß sie auch wie eine Ritterfrau aussehen konnte, hatte ihr der Geliebte selber gesagt, als er sie in dem prächtigen Gewande einer Edlen überrascht hatte. O sie konnte mit ihrer schönen, überall Eindruck machenden Gestalt schon eine Schloßherrin abgeben, die jedem, auch noch so erlauchten Gaste den Ehrentrunk mit Anstand und Anmut kredenzen würde. Sollten sich Florians Standesgenossen und deren Frauen deshalb von ihm abkehren, weil sie von zweifelhafter Herkunft war, so würde sie dem Stolz auch allen Stolz entgegensetzen, über den sie mit Erfolg gebieten konnte, wenn sie wollte und wenn es nötig war. Und sollte sich Florian über eine ihm seitens anderer zur Schau getragene Nichtachtung seiner Gattin härmen, so sollte er dafür süßen Trost in ihren Armen finden, denn sie traute sich die Macht zu, ihn dauernd zu fesseln und zu beglücken.

War ein Irrtum in dieser Rechnung? würde ihr die Zukunft vielleicht nicht halten, was die Gegenwart mit schillernden Hoffnungen versprach? Forderte das Schicksal vielleicht doch von ihr das höchste Opfer, das ein Mensch zu bringen vermag, das Opfer ihrer Liebe? Sollte sie den Geliebten freigeben, ihn seines Wortes entbinden, weil er ohne sie, mit einer anderen glücklicher werden könnte als mit ihr? Nein, nimmermehr! sie war sein Glück wie er das ihre, und wenn sie ihn freigeben wollte, so gäbe er doch sie nicht frei.

Also auch diese Sorge, daß ihre Liebe zu einem unheilschweren Verhängnis für sie und Florian werden könnte, schien ihr nichtig und verschwand in ihrem Denken und in den Gefühlen von Hingebung und Sehnsucht wie ein Regentropfen im wogenden Meere. Aber am Ende war der andere Vorwurf, den ihr Brigitte gemacht hatte, begründeter, der Vorwurf, daß sie Florian, so lange der Krieg noch dauerte, in seinen Unternehmungen hinderte und hemmte. Sie hatte sich selber schon die Frage vorgelegt, ob sie mit dem Bekenntnis ihrer Liebe nicht zu schnell gewesen wäre, ob sie nicht besser getan hätte, ihrem früheren Vorsatz treu zu bleiben, ihre Leidenschaft zu Florian im tiefsten Herzensgrunde zu verschließen und sich erst dann in die offenen Arme des Geliebten zu werfen, wenn der Sieg errungen und beiden nichts mehr im Wege war, sich ihres gegenseitigen Besitzes in Frieden zu erfreuen. Denn die Erwägung lag nahe genug, daß Florians Kraft und Wille durch die liebevoll sorgende Rücksichtnahme auf die Erkorene seines Herzens beeinträchtigt, mindestens beeinflußt werden könnte; und auf seine Entschiedenheit im Handeln, auf seine völlige Unabhängigkeit von allen nebensächlichen Dingen und Verhältnissen, die mit dem Kriege und seinen wahren Zielen nicht in unmittelbarem Zusammenhange standen, kam weit mehr an, als auf das Wohl und Wehe eines einzelnen jungen Weibes, das sich jeden Augenblick und ohne Schaden des Ganzen vom Schauplatze der Taten zurückziehen konnte. Florian hatte ihr mehr als einmal geraten, dem Kriegslärm fernzubleiben und den Ausgang in stiller Verborgenheit abzuwarten, bis er als Sieger käme, sie heimzuführen. Aber das hatte sie stets zurückgewiesen, weil sie mit dem Geliebten Kampf und Gefahren teilen und nicht von seiner Seite weichen wollte. Und nicht hemmen und hindern, sondern helfen und fördern wollte sie ihn, ihn begeistern und anfeuern, und gerade jetzt, wo eine große Entscheidung bevorstand, konnte von Entsagung und Rückzug keine Rede sein. Mit Florian Hand in Hand wollte sie dem Schicksal entgegengehen, und was es auch bringen mochte, Gedeihen oder Verderben, das brachte es beiden zusammen, nicht dem einen den Sieg und dem anderen den Tod.

So bereute sie nichts von dem, was sie getan hatte, wünschte nichts ungeschehen von dem, was ihr begegnet war, und fühlte kein Wanken und Schwanken mehr. Wie zwei Schildhalter, gleich stark und mächtig die in ihrer Vorstellung untrennbar verschlungenen Symbole der Freiheit und des Glückes hütend und schirmend, standen in ihrem Herzen auf der einen Seite die Lust zu Kampf und Sieg und auf der anderen die Liebe. –

Zwei Tage später kam Florian zurück, billigte und bestätigte lobend alles, was Judika in seiner Abwesenheit getan hatte, ihr nun mit ihren klug voraussehenden Bedenken recht gebend und sich seine Maßnahmen gegen den bundbrüchigen Rat vorbehaltend. Sehr verwundert aber war er, Judika nicht mehr in dem Hause des Geschlechterherren, sondern in der ärmlichen Wohnung eines Schuhmachers einquartiert zu finden. Sie erklärte ihm ihren Beweggrund zu diesem Wechsel, erzählte ihm von dem Besuch der Frau Brigitte Rohrbach und teilte ihm deren Mahnungen und Vorhaltungen, aber auch ihren Entschluß mit, sich niemals von ihm trennen zu wollen.

»Recht so, mein schwarzes Weib, du all mein Glück auf Erden!« sprach er und zog sie bewegt an seine Brust. »Wir beide sind eins, wir glauben aneinander und wissen, was wir aneinander haben, uns trennt nichts mehr. Sobald ich mit den Verrätern in ihnen gebührender Weise hier abgerechnet habe, rücken wir aus und ziehen in einen heißen Kampf, auf der Spitze des Schwertes schwebt der Erfolg, schwebt unsrer Liebe Los; wir wollen mutig dafür streiten!«

»Und eins versprich mir, Geliebter!« flehte sie, »laß mich an deiner Seite kämpfen bis zum letzten!«

»Es sei, wie du begehrst, meine Judika!« erwiderte er mit ernstem Ton und Blick.

Sie verstand es von jeher wunderbar, in seinen Augen zu lesen und seine geheimsten Gedanken sofort zu erraten, und so sagte sie jetzt zu ihm: »Es steht schlecht mit uns, Florian, nicht wahr? ich sehe dir's an, du hast böse Nachrichten.«

Er nickte nur, drückte ihr stumm die Hand und ging sorgenbeladen seines Weges.


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