Ulrich von Lichtenstein
Frauendienst
Ulrich von Lichtenstein

 << zurück weiter >> 

Dreißigstes Capitel.

Ulrich wird wieder frei, er singt das Lob seiner Frau
und endigt sein Buch mit guten Rathschlägen für Frauen und Männer.

Nun war Graf Meinhard von Görtz vom Kaiser als Herr in das Steierland gesendet. Da der edle Mann mein Gefängniß erfuhr, war es ihm von Herzen leid; er kam mit vielen Herren nach Frauenburg und machte mich ledig, und mußte aber meine beiden Söhne zum Pfande lassen und auch zwei Kind und meine Burg. Alle die habe ich nachher ausgelöst, ich will verschweigen wie, und will nur von Frauen sagen. Ich genaß von meinen Nöthen, hatte aber starkes Gut verloren: nun, was drum? habe ich doch meinen hohen Muth behalten.

 
50)
           

Fraue, meiner Freuden Fraue,
Fraue mein über alles das ich han,
Wenn ich Schöne schaue
Und mich eure Augen lachen an,
So werde ich so herziglichen froh,
Daß mein Muth steht für die Sonne hoh.

Weiblich Weib, von eurer Güte
Bin ich werden hochgemuth,
Nu ist mein Leib in Ungemüthe
Kommen, dafür sollt ihr mir wesen gut,
Lachet mich mit spielenden Augen an,
So muß all mein Trauern gar zergahn.

Lachen eurem rothen Munde
Schöne steht und euren Augen licht,
Da freut es mich von Herzens Grunde,
So daß man aus meinen Augen sicht
Freuden-Thau vor Herzenliebe gahn,
Wenn mich Mund und Augen lachen an.

In dem Herzen mein versiegelt
Hab' ich euern reinen süßen Leib,
Mit der Stete also verriegelt,
Daß daraus ihn nimmer Maget noch Weib
Mag verdringen weder Nacht noch Tag,
Ihr seid die an der meine Freude immer lag.

Mich freut die viel süße Unmüße,
Daß ich euch soll immer dienend sein,
Euer Mund, der kann so süße
Sprechen, daß er freut das Herze mein,
Eure minniglichen süßen Wort
Sind gar meiner hohen Freuden Hort.

Die Lied sang ich, da mancher vor Raube in Steier und Oestereich unfroh ward. Meine herzeliebe Fraue bezwang mich so, daß man mich sah in Freuden sein, wie es auch im Lande zuging. Ihr zu Dienst sang ich wieder die Lied.

 
51)
       

Ein Mann bedarf wohl Sinne,
Der eines werthen Weibes Hulde will
Verdienen und ihre Minne,
Wohl muß er haben Tugende und Fuge viel,
Ungefüges Mannes Werben
Muß fürwahr gar verderben,
Wenn dem Gefügen wird gelohnet hoch.

Wenn so von dummen Weibe
Gar ungefügen Manne Lieb geschicht,
Das gebiert ihrer beider Leibe
Doch in die Länge Herzens-Wonne nicht,
Seine Unsitt muß sich ihr verleiden,
So geht es an ein Scheiden,
Ihr beider Liebe hat ein Ende schier.

Und soll ich nicht erwerben
Mit Dienste die viel liebe Fraue mein,
So muß mein Leib verderben
Gar sonder Wank, so stete will ich sein,
Wohl kann nimmer Lieb von Weibe
Geschehen meinem Leibe,
Als von der Guten, die ich zur Frauen han.

Die mag mich fröhlich machen,
Sie ist meines Herzens Freude-Lehre also,
Das ihr viel süßes Lachen
Mir ofte brachte mein Gemüthe hoh,
Ihre Geberde, ihre Schöne, ihre Güte,
Ihr weiblich gut Gemüthe
Hat Tugenden viel ohn' alle Missethat.

Und wenn ich wünschen sollte
Ein Weib mir selber nach dem Willen mein,
Wie ich sie haben wollte,
Die mußte geleich gar meiner Frauen sein
An dem Leibe, an dem Muthe,
Die Reine, Süße, Gute,
Thut mir also, daß ich bin hochgemuth.

Damals lebten alle in Steier und in Oesterreich traurig. Die Reichen thaten einander Leid, sie pflegten nur des Raubes, der Frauendienst lag darnieder, die Jungen waren ungemuth. Was aber alle auch thaten, ich war froh und sang meiner Frauen diese Lied:

 
52)
       

Was darumme? Ist verschwunden
Uns der Sommer: des mag werden Rath,
Seine Zeit wird wohl wieder funden;
Ich klage, daß die Welt so übel staht,
Daß nu trauert manniches Leib,
Der froh sollte sein durch gute Weib.

Freude und Zucht hat fast ein Ende,
Junge und Alte sind nicht wohlgemuth,
Gott den großen Kummer wende,
So das noch die Reichen werden gut,
Die sieht man ungutlich leben,
Trauer hat ihnen ihr groß Uebel gegeben.

Mich nimmt Wunder, daß die Jungen
Und die Reichen trauern bei ihrer Zeit:
Was hat sie dazu bezwungen,
Daß ihnen Weib noch Jugend Freude leiht?
Nu seid traurig und unfroh!
Mir steht durch ein Weib mein Muth hoh.

Die hat sich wohl behütet
Und bewahrt vor aller Missethat,
Ihr Leib nur so gütlich gütet,
Daß mein Muth von Schulden hohe staht,
Sie ist so recht gütlichen gut,
Daß ihre Güte mir gibt hohen Muth.

Durch die Reinen, Süssen, Guten,
Herzelieben werthen Frauen mein,
Will ich mit den Wohlgemuthen
Immer gerne hohes Muthes sein,
Ihr ist lieb, daß ich bin froh,
Davon steht mir mein Gemüthe hoh.

Als ich diese Lied gesungen, dacht ich: da die Welt so unfroh ist, wie sollen denn Frauen leben? Gern möchte ich ihnen rathen. Um ihnen Rath zu geben, sang ich diese Lied:

 
53)
       

Ich will um die Fraue mein
Guten Weiben rathen einen Rath,
Daß sie froh bei Zuchten sein,
Zucht bei Freuden Fraue schöne staht,
Welch Weib ist mit Züchten hochgemuth,
Die hat Ehren viel und ist ihr gut.

Gütlich soll ein jeglich Weib
Gerne thun, das ist wahr, das weibet wohl,
Die wohl bekleiden will ihren Leib,
Die soll thun ihr Herze der Güte voll,
Güte ist wohl das beste Frauengewand
Das an Weibes Leib je ward gewandt.

Welch Weib gütlich lachen kann
Schöne mit Züchten, hat die rothen Mund,
Die mag einem werthen Mann
Seufzen bringen aus des Herzens Grund,
Gut Geberde Frauen schöne staht,
Wohl ihr die bei Güte Schöne hat.

Wenn ein gut Weib minnen will,
Die soll minnen, daß ihr recht gezieme,
Falscher Minne der ist nu viel,
Davon soll sie bedenken wen sie nehme,
Der ihrer Ehren hüte und stete sei,
So daß er gegen sie sei Wankes frei:

Welch Mann sich vor Missethat
Hat behütet und behüten will,
Wenn ein Weib zu dem Liebe hat,
Der Leib darf sorgen nimmer viel,
Er ist ihrer Ehren froh, das weiß ich wohl,
Biedre Mann gut Weib bedenken soll.

Ein gut Weib die sollte die
Haben lieb, die mannlich sind gemuth,
Wer große Unthat begangen nie,
Der ist werthen Weibe zum Freunde gut,
Welch Mann seiner Ehre hüten kann,
Dem soll ein Weib ihre Ehre trauen an.

Welch Vertraun meine Fraue zu mir hat,
Das leiste ich ihr, wie ich am besten kann,
Ich beging nie Missethat,
Gegen sie ich nie falschen Muth gewann,
Sie ist mir lieber danne mein eigner Leib.
Das ist mein Recht, sie ist ein weiblich Weib.

Dann sang ich die Lied meiner Frauen:

 
54)
       

Wohl her alle, helfet singen
Weibes Lob, das ich stets gerne sang,
Thut ihr das, Euch mag gelingen,
Wie mir noch nie wohl an ihnen gelang,
Doch gelaubet, daß ihr Zwingen
Biedren Mann auf hohen Muth stets zwang.

Man soll Frauen wohl gedenken,
Wer das thut das ist ein gut Gedank,
Und ihnen dienen sonder Wanken,
Das wird wohl gelohnet sonder Wank,
Niemand soll sie mit Worten kränken,
Denn ihr Lob kann nimmer werden krank.

Mau sieht mich in hohem Muthe,
Durch ein Weib bin ich viel hochgemuth.
Die viel Reine, Süße, Gute
Ist vollkommen schön und dazu gut,
Ihre gute weiblich Ehren-Hüte
Hat ihren Leib vor Wandel behüt.

Wohl ihrem kleinen rothen Munde,
Immer selig sei ihr süßer Mund,
Sollte ich den in kurzer Stunde
Küssen hundert tausend Stund,
Wenn ich sie in dem Willen funde
Das wär' meiner hohen Freuden Fund.

Tugenden hab' ich an ihr funden
Mehr als ich ihrer je an Weibe fand,
Davon bin ich ihr gebunden,
Minne mich ihr mit der Stete band,
Drum ist Trauern mir verschwunden,
Von ihrer großen Güte mir das schwand.

Die Lied waren meisterlich und sinnreich ihre Reime, darum sang sie mancher gern, die Weise war nicht lang, sie waren gut zu tanzen und wurden auch viel getanzt.

Nun dachte ich, wenn eine Fraue sich klar machen wollte, daß sie immer schön wäre, so konnte ich keine Farbe erdenken, die ihr so gut ansteht, als die Güte, darüber und zum Lobe des schönen Leibes meiner Frauen sang ich die Lied:

 
55)
       

Fleuch, fleuch Trauern von uns ferre
Aus dem Lande balde,
Hoher Muth, dein rechter Herre,
Der kommt mit Gewalte,
Junge und Alte
Hebst du unhoch, wohin du kehrest,
Da du Niemand ehrest.

Hoher Muth der bringet Ehre
Uns von Weibes Güte,
Er ist aller Tugenden Lehre,
Gott ihn uns behüte,
Hoch Gemüthe
Lehret Frauen dienen schone
Nach ihrem süßen Lohne.

Will eine Fraue schöne bleiben
Gerne stetiglichen
Die soll sich mit Güte reiben,
Stete feste unterstreichen,
Ehren reichen
Muß sie von den Farben immer,
Sie verderben nimmer.

Weib und Frauen in einer Wete
Soll man gerne schauen,
Wo eine Frau unweiblich thäte,
Wer möchte der vertrauen?
Werthen Frauen
Steh't wohl, daß sie gütlich güten
Und ihrer Ehren hüten.

Guten Weiben will ich immer
Dienen sonder Wenken,
Von dem Muthe komm' ich nimmer,
Wie möcht' ich gedenken Sie zu kränken?
Da an ihnen steht all' meine Ehre
Und an Niemand mehre?

Mein Muth muß von einem Weibe
Hoher Freuden reichen,
Ihrem viel reinen süßen Leibe
Kann ich nichts verglichen
In den Reichen,
Sie ist die beste in meinem Muthe
Und fürwahr die Gute.

In des Herzens Grunde schone
Blüht mir hoch Gemüthe,
Das gibt mir ihr Leib zu Lohne
Mit ihrer süßen Güte,
Gott behüte
Mit ihren Leib, ihre Schöne, ihre Ehre,
Sie ist meiner Freuden Lehre.

Nach diesen Lieden gedachte ich, wie man wohl den Weiben könnte in ihre Herzen sehen, und zum schwachen Lob der Weiber und meiner Frauen sang ich die Lied:

 
56)
       

Wisset alle, daß ich kann
Guten Weiben in das Herze sehen,
Was Ihr Leib hat Kleider an,
Dadurch kann ich alle ihre Tugende spähen,
Hat eine Fraue Missethat irgend in ihres Herzens Schrein,
Die thun mir bekannt die Augen mein.

Mancher schöne Frauen sicht,
Der doch nimmt ihrer Güte wenig wahr,
Deren bin ich einer nicht,
Ich kann all' ihre Tugenden merken gar,
Soll den Frauen jemand wohl sprechen, das soll thun mein Mund,
Denn mir sind ihrer Güte Wunder kund.

Mir sind alle ihre Tugenden gar
Und ihre Güte völliglich bekannt,
Davon hab' ich dreißig Jahr
In ihrem Dienst ritterlich verschwandt,
Hab' ich irgend missethan gegen den guten Dienst, das ist mir leid.
Des bin ich zur Buße ihnen viel bereit.

Wie ich in ihres Herzens Grund
Alle ihre Tugenden sonders möge spähen,
Das will ich Euch machen kund,
So daß ihr die Wahrheit müsset sehen,
Mit Gedanken ihre Sitte und ihren Muth betrachte gar,
Damit ich ihr Heimliches alles erfahr,

Was eine Fraue Tugenden hat,
Die muß aus ihres Herzens Grunde gahn,
Wie der Saft aus Wurzen gaht,
In viel manche Blumen wohlgethan,
Die Weibheit muß sein getreue, davon ehret Frauen Leib
Da wo man sie nennet weiblich Weib.

Ich hab' meiner Frauen Leib
Und ihr Herze funden Wandels frei,
Ich ersah nie weiblich Weib
Der so hohe Tugenden wären bei,
In ihrem Herzen kann mein Sinn nichts erfinden noch erkennen,
Was man ihr nicht muß Tugenden nennen.

Da ich erst ihre Rede vernahm
Und ich in ihr reines Herze sach,
Da fand ich Zucht, weiblich Scham,
Davon spreche ich noch was ich da sprach,
Das mir nie Weib gefiele bas, sie ist keusche, stete gut,
Schöne hochgeborne, weiblich gemuth.

Die Lied gefielen manchen; daran dachte ich, wie das reine Herz eines guten Weibes dem Himmelreich zu vergleichen ist, in keins der beiden soll ein sündhafter Mann kommen, davon und ihr zu Dienst und Ruhm sang ich die Lied.

 
57)
     

Wohl mich, wohl mich des, daß ich da hab' funden
Auf der Erden ein Himmelreich!
Davon ist mir all mein Trauern gar verschwunden,
Nie nichts ward so wunniglich,
Da ist Genaden also viel,
Daß ich dahin mit Dienste immer werben will.

Meiner Frauen Tugende-reiches Herz ich meine,
Das ist so gar Wandels frei,
Und fürwahr so rechte lauterlichen reine,
Daß ihm nichts wohnt als Tugende bei,
Darinn lieget Selden-Hort,
Mancher Freuden Hochgezeit ist dort.

Weiblich Zucht und weiblich Güte sind darinne,
Keusche, Treue, Stetigkeit,
Dazu wohl gemuthen werthen Weibes Sinne,
Um das Herze hat als Kleid
Gott gethan, so minniglichen Leib,
Das man sie von Wahrheit nennet weiblich Weib.

Wohl muß immer mich mit Rechte verlangen
In das reine Himmelreich,
Da dasselbe Himmelreich befangen
Hat ein Leib so minnigleich,
Der nie Wandel-Mahl gewann,
Er ist keusche, schöne, gut, lieblich gethan.

Nie nicht ward so lieblich Schönes auf Erden gar
Als ihr minniglicher Leib,
Sie ist mir in dem Herzen immer, ich spreche wahr,
Lieber viel dann alle Weib,
Sie mag mir gelauben wohl,
Davon dien' ich ihr mit Treuen als ich soll.

Sie ist des Herzens und des Leibes mein gewaltig.
Dazu alles das ich han,
So ist meine Treue gegen ihr so mannigfaltig,
Daß ich ihr das Gutes gann
Danne mir selber, das ist also,
Mich thut ihre Gebehrde ofte froh.

Schauet wie der Hausen an der Donaue Grunde
Lebet von des Rohres Süße gar,
Also lebe ich wohl von der Luft aus ihrem Munde,
Endlichen meine Jahr,
An ihr steht meiner Freude Leben,
Des hat sie mir mit ihrer Güte Wunder gegeben.

Immer war mein Herz unruhig und begierig wie ein Federspiel, es wollte bei meiner Frauen sein; davon sang ich die Lied:

 
58)
       

Weicht zurücke, laßt der Guten
Neigen mich, die Tugende hat,
Der viel reiniglich Gemuthen
Leib beging nie Missethat,
Sie ist ein Weib gar Wandels frei,
Davon ist sie mir viel lieber denne was sei.

Zu dem reinen süßen Weibe
War das sehnende Herze mein,
Ofte gerne aus meinem Leibe,
Bei der Guten wollte es sein,
Es fährt gegen sie spielende so,
Sam es hin zu der Guten wolle springen hoh.

Wann die Gute mich anlachet
Minnefarben ich dann bin,
Gleich mein Herze sich ausmachet
Und will zu ihr springen hin.
Durch die Brust ist seine Begier
Von der großen Herzenliebe gegen ihr.

Sollte ich der Minniglichen
Ein Wort küssen in den Mund,
So sähe man mich freudenreichen
Heute und immer zu aller Stund,
Ich wollte es so küssen ihr,
Daß sie minnefarb vom Kusse würde schier.

Ich wollte aus ihrem rothen Munde
Küssen, was mir thäte wohl
Immer in des Herzens Grunde,
Ihr Mund ist der Süsse voll,
Die für Trauern Freude gibt,
Wisset, daß der in ihrem Munde Wunder liegt.

Küssen ist der Minne Rose,
Da sie reitzet Wonne mit,
Wann sie mit der Liebe kose
Ist nach ihrer viel süßern Sitt,
So that nimmer nichts so wohl
Als das eine, das man nennen nimmer soll.

Gerne ich von demselben spreche,
Was es Wonnen und Freude leiht,
Wenn ich meine Zucht nicht bräche,
Ich nannt' es Freuden Hochgezeit
Und der Minnen Lohn, also,
Daß es viel manches reines Herze machet froh.

Ich rathe Euch, Frauen, daß Ihr Euch jetzt mehr vor den Mannen hütet, als sonst, ihre Zucht ist fast todt, die Füge haben sie vergessen, und wenige wollen der Treue pflegen: wenn ihr auch wem getreue Liebe geben wollt, so sollt Ihr Euch erst bedenken, daß es Euch nachher nicht gereut, denn übereilte Liebe bringt Reue. Bedenkt, daß mancher Mann die Weiber zu betrügen weiß und es für Kunst hält, einen solchen solle alle Weiber hassen. Ein sinnig Weib wird mir folgen und der jähen Begier widerstreben, die Weib sollen nicht jähe gewähren, jähe Liebe ehrt weder Weib noch Mann, und weder Weiben noch Mannen ziemt ungetreuer Muth.

Ich will Euch fünf Dinge bekannt thun, die höchsten und besten, die je ein Mann gewinnen kann, und die ihm sanft thun. Das erste sind die reinen Weib: das zweite gute Leibnahrung; die zwei sind zu Freuden sehr gut; so freut sich auch der Mann an schönen Rossen und gutem Gewande, auch schön Geziemire thut ihm wohl. Wer alle diese fünf Dinge hat, der trägt mit Recht hohen Muth und ist ein reicher Mann.

Noch weiß ich vier Dinge, wonach alle Leute werben: welch weiser Mann ihrer nur eins werben will, der mag viel davon gewinnen; alle vier hat noch keiner gehabt, drum ist es Unsinn, um alle vier zu werben, denn jedes thut dem andern Schaden.

Das eine ist: wer des Huld hat, in dessen Gewalt alles steht, was je wurde oder wird; wer seiner Huld ganz entbehrt, der ist ewiglich verloren. Das andre ist die Ehre. Das dritte Gemach. Das vierte, Gut. Nach diesen Vieren steht der Muth aller Lebendigen. Man findet manchen, der Gemach, Ehre und Gut läßt, um die Huld Gottes, dieser hat das beste Theil erkohren. Mancher läßt Gottes Huld, daß er hie Ehre habe, darum verschwendet er sein Gut und pfliget selten des Gemaches, ihm altert der Leib in Sorgen, und Mann und Weib loben ihn, es kommt ihm aber theuer, denn das muß mit Leid ein Ende haben. Mancher versäumt auch Gottes Huld und achtet auch die Ehre nicht, sucht auch kein Gemach, sondern vor allen diesen dreien liebt er das Gut und vermehrt es immer; dem ist hie und dort weh. Der vierten findet man auch viele, die wie die Schwein gemuthet sind, die Gottes Huld, Ehre und Gut um Gemach lassen: o pfui! wie verschwenden die ihre Zeit!

Außer diesen ist noch ein fünftes, das gibt uns Unheil und heißet das versäumte Leben; wer die viere alle haben will, der muß sie alle viere lassen, er versäumt sich hier und dort, er hat weder Mittel noch Anfang noch Ende. Derselben bin ich einer, ich verlebte meine Jahre so, daß ich um keines von ihnen die andern dreie nie verließ, ich wähnte, sie alle viere zu haben, und derselbe Wahn trüget und affet mich noch. An dem einen Tage will ich dem dienen der mir Seele, Leib und Sinn gegeben hat und alles, was ich nur habe, am andern Tage will ich als ein Mann Ehre erwerben, dann wieder Gut, am vierten will ich Gemach haben. Doch bin ich nicht so ganz thöricht, denn ich nehme das Beste daraus, daß ich einem Weibe diene, in deren Dienst ich noch ferner meine Seele wagen will, denn ohne Scherz habe ich den Glauben, daß der reine süße Gott um seine Tugend mir die Treue gedenkt, die ich gegen die Gute ohne Falsch trage.

Wollte Gott ihr süßen Weib, daß ich Euch doch das erwünschen könnte, daß, wenn eine von Euch einen Mann haben wollte, dessen Wille dann gegen diese so sein möchte, wie der meinige zu der, der ich diene und immer dienen will. Ich wünsche Euch ihr Frauen, daß Euer Leib mit Freuden lange lebe, und daß Euch Gott dort sein Reich verleihe. dagegen sollt Ihr mir mit lauterlichem Herzen wünschen, daß mir meine Fraue gnädig sei, Ihr sollt auch nicht vergessen, daß ich Euch mit süßen Worten stets gedient habe und Euer Lob singe, wie ich am besten kann. Wollte Gott, alle Mann wären Euch mit Treuen hold, wie ich, so wäre Freude in der Welt. Auch bitte ich Euch um Eure Würdigkeit, daß Ihr Gott um mich bitten mögt, damit er sich Euretwegen mein erbarme, daß er mir ein gutes Ende gibt und meine Seele mit Freuden hinfährt.

Dreiunddreißig Jahr war ich ritterlich Ritter gewesen, als man dieß Buch zuerst lesen hörte und ich es voll dichtete. Die Frauen können nun sehn, ob ich von ihrer Würdigkeit gesungen und gesprochen: achtundfünfzig Töne habe ich gesungen, die stehn hie drein, darin habe ich mich beflissen, gute Weib zu loben. Was ich in neuen Tönen jemals sang, das findet man hie in diesem Buche, ich will aber das Frauenlob noch nicht lassen; wer dann will, daß es auch hie steh, der schreibe es hinzu, wenn ich es gesungen habe, so hat er züchtiglich daran gethan.

Mein Heil sei ein Pfand der Wahrheit, daß ich dieß Buch darum gedichtet habe, weil meine Frau es mir nicht erlassen wollte, die reine Süße gebot es mir und ich habe ihr damit gedient: dürfte ich ihr verweigert haben, so hätte ich es nicht gethan, denn ich weiß wohl, daß es sich nicht geziemt, daß ich von mir selber so viele ritterliche That gedichtet habe: aber die Noth zwang mich dazu, der Befehl meiner Frauen, und was sie gebeut, muß ich thun.

Guten Weiben gehöre dies Buch, manches süße Wort habe ich ihne darinne gesprochen und Frauendienst sei es genannt.


 << zurück weiter >>