Ulrich von Lichtenstein
Frauendienst
Ulrich von Lichtenstein

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Fünfzehntes Capitel.

Ulrich empfängt fröhliche Botschaft.
Vor Wien zieht ihm der von Lengenbach schön entgegen,
sie reiten in Wien ein, die vier und zwanzigste Tagereise.

Als der Tag erschien, ward ich wonniglich gekleidet in weiße Frauenkleid; niemals trug ich schöner Gewand, denn ich wußte wohl, daß ich an dem Tage manches süße Weib sehen würde. Als mein Gesinde bereitet war, hub ich mich von dann, der biedere Mann von Gors, mein Kammerer führte mich am Zaum und ging zu Fuß, er hatte sich schön gekleidet. Ich ritt auf die Straße für Malansdorf, da begegnete mir ein Knecht, den ich wohl kannte, mein Bote; ich freute mich, als ich ihn gegen mich reiten sah. Der Höf'sche neigte mir züchtiglich, ich verschwieg aber mein Danken gegen ihn, ich ritt ihm vorüber, er ritt mir nach und sang ein Lied, womit er kund that, daß er mir gute Botschaft brachte. Das Lied klang mir in mein Herze und that mir inniglichen wohl.

Ihr sollt sprechen: willkommen!
Der Euch Mähre bringet, das bin ich,
Alles das Ihr habt vernommen
Das ist gar ein Wind, Ihr fraget mich,
Ich will den Lohn, ist meine Mähre gut,
Ich sage Euch wohl, was Euch sanfte thut.

Ich dachte her und hin, wie ich ihn sprechen möchte, ohne daß es Jemand merke; da nahe bei der Straße lag eine schöne Aue, dahin ritt ich, mein Kammerer sagte, daß mir Niemand folgen möchte; sogleich kam mein kluger und höfischer Bote zu mir, ohne daß es Jemand gewahr wurde. In die Aue ritt ich selb fünfe; und stieg nieder auf das Gras, ich ging allein in die Aue, wo ich meinen Boten empfing, ich sprach, du sollt mir willkommen sein. Er sagte: der Gruß ist mir für solche Botschaft zu geringe, kniet Ihr nicht vor mir nieder, so kehre ich mit meiner Botschaft gleich wieder zurück. So wie er die Rede sprach, sah er mich vor seinen Füßen knien, als ob ich mein Gebet spräche. Er sprach: nun steht auf, es hat noch Niemand so hohen Preis getragen, der nicht froh werden müßte, wenn man ihm solche Mähre brächte. Euch gibt Willkommen Eures Herzens Maienschein, die hieß Euch minniglich grüßen, und spricht, sie sei herzlich froh, wenn Ihr freudenreich seid, sie entbietet Euch, daß sie hohes Gemüthe durch Eure Würdigkeit trage, sie nehme Theil an Eurer Ehre und rechne es sich zum eignen Heil, was Euch Ehre geschieht, denn Ihr habt um sie diese Fahrt gethan. Sie hat dieß Fingerlein Euch zu Liebe hergesandt, das hat sie mehr als zehn Jahr an ihrer weißen Hand getragen.

Da ich das Fingerlein empfing, kniete ich auf meine Knie nieder und küßte es wohl hundert mal, womit ich ihm meine Liebe kund that, ich sprach: o wohl mir! dieß kleine Fingerlein soll mir immer hohen Muth geben, und gegen alles Trauern gut sein, so lange ich lebe: o wohl mir der wonnevollen Gabe! meinem Herzen muß dieß kleine Fingerlein lieb sein, ich liebe es mehr als alles, was ich habe oder nur gewinnen kann: o wohl mir, daß ich je geboren ward, und daß ich sie zur Fraue erkohren habe, das reine, süße, selige Weib, sie ist meines Herzens Freudenschein, was ich ihr nur immer dienen kann, das hat sie mir so wohl belohnt! Kein Mann trägt so hohes Lob, ihm wäre die Würdigkeit genug, die mir heute geschehen ist.

Da sprach mein Bote: Ihr sollt nicht länger bei mir sein, sondern schnell nach Wien fahren, Gott schütze Euch dort, denn die sind sehr muthesreich, die Euer dort mit den Speren warten. Ich sprach: lieber Bote, du sollst ohne Angst sein, wie könnte mir jetzt Leides geschehen, da ich weiß, daß mir meine Frau gnädig ist? Wären ihrer auch jeglicher Drei, so getraue ich sie jetzt mit den Speeren zu bestehen.

So schied ich als ein hochgemuther Mann von meinem Boten, ich dachte, ich will denen Ungemach fügen, die sich hie gegen mich wappnen. Ich ging zu meinen Pferden; einer von meinen Knechten sprach: wo seid Ihr denn gewesen, Fraue? Ihr könnt lange Blumen lesen. Ich sprach: Ich habe ein Blümelein gebrochen, daß mein Herz immer froh sein muß; nun reite hin und sage den Rittern, daß sie sich schnell wappnen, ich will meiner Frauen wieder mit Speereskrach dienen, sprich zu ihnen, daß mir der Muth zu Freuden steht.

Als der Bote zu den Rittern kam, riefen sie alle: Harnisch her! Sie ziemirten sich, so wie auch ich mich schöne ziemirte; ich nahm ein starkes Speer, da sah ich den biedern Mann von Horschendorf gegen mich kommen, der gern mit seiner Tyost ein Fingerlein von mir verdient hätte, zehn Speere verstach ich auf ihn, er aber verfehlte jeden Tyost, worüber er sehr zornig war, mit seinem zehnten Tyoste stach er meinem Rosse durch das Haupt, daß es kaum davon genas, das that dem Biedern leid. Ich saß auf ein ander Roß, um mehr zu stechen, als Herr Wolfker von Gors, mein Kammerer, zu mir kam und sprach: es soll nicht sein, ich lasse Euch hie nicht mehr stechen. Um seine Bitte ließ ich es. Ich entwappnete mich und legte weiblich Gewand an mich, und so ritt ich gegen Wien mit achtzig Rittern. Ich war hochgemuth, ich freute mich meiner Frauen und des kleinen Fingerleins, das sie mir gesandt hatte.

Da ritt mir auf der Straße der ritterliche Thumvogt entgegen, man führte vor ihm ein Banner, weiß und roth gehalbirt, darnach zogen fünfzig Armbrust-Schützen hinter ihm, die trugen alle ihre Armbrüste empor, vor ihnen gingen fünfzig Laufpferde, alle schön und schnell, mit türkischen Sätteln; denen folgten fünfzig wohlgekleidete Knappen, je zween und zween, jeglicher von ihnen führte ein Speer; nach diesen folgte wieder ein Banner, so gefärbt wie das erste, diesem nach zog man fünfzig Rosse und eben so viel Schilde, neu und leuchtend, der obere Theil war Weiß und Blau, der niedre Gold, unter diesem Wappen holte ihr Herr oft den Dank der Frauen. Darnach führte man drei hundert starker Speer, alle Knechte neigten mir und zogen schöne vor mir über: darnach sah man fünfzig Ritter in schönen grünen Mänteln reiten, von denen ich wohl empfangen wurde und denen ich höflichen Dank sagte, ihr Geschmeide klang laut, in dem sie zogen. Nach ihnen ritt der biedre Thumvogt, er trug einen Mantel von Scharlach, darüber einen Hut von Pfaufedern, köstlich mit Perlen geziert, sein Rock war von einem grünen Pfelle, manches Thier von Gold darein gestickt, welches glänzte, an seinen Beinen hatte er zwei schwarze Hosen, ein starkes Pferd trug ihn, das sanft ging, ich habe weder eh noch nachher so schönes Pferd gesehn. Als er zu mir kam, sprach der Hochgemuthe höflich: Venus, viel edle Königin, seid mir willkommen, was ich Euch dienen kann, thu ich mit rechten Treuen gerne. Ich neigte ihm und hieß ihm sagen, daß ich ihm mit Treuen ein holdes Herze trüge, da er durch seine Würdigkeit mir dienen wolle, so stiege dadurch sein Preis so höher. Er sprach: ich will Euch immer dienen, leihet mir Euer Marschalk-Amt, dessen ich mich gern heut unterwinden möchte; ich wollte in der Stadt herbergen, und ich rathe Euch, laßt jeden Ritter von Euch hie Herberge nehmen. Ich sprach: was Ihr gebietet, lieber Marschalk, das soll sein, denn jeder Dienst, den Ihr mir thut, behagt mir wohl, und was Ihr mir Ehren entbietet, damit bereichert Ihr Euch selbst.

Damit rannte der Thumvogt gegen Wien, und seine Schützen und Knappen folgten ihm eilig, seine Ritter blieben bei mir, und mit Freuden und Schimpf ward die Zeit vertrieben. Der Thumvogt beherbergte sich in der Stadt gewaltiglich, da war kein Bürger so reich, er mußte ihm die Herberge lassen; da das gethan war, bat er seine Leute, daß sie in der Stadt mit Züchten leben möchten.

Als meine Ankunft den Frauen gesagt war, da wurde manches köstliche Kleid angelegt, jegliche hatte den Neid, daß sie sich besser als die andre kleiden wollte, denn Frauen mögen jung oder alt sein, so haben sie gern viel Gewandes, will es auch manche nicht gern tragen, so freut sie doch der Besitz, daß sie nur sagen kann: wenn ich wollte, ich könnte mich wohl viel besser kleiden, als diese und jene.

Die Frauen waren zu Wiene gut gekleidet, als ich zu ihnen ritt, alle Gassen waren voll von Frauen, davon ward ich hochgemuth, von mancher ward ich freundlich empfangen. Vor meiner Herberge hatte ein biedrer Mann, Herr Hadmar von Chunringe meiner mit einer ritterlichen Schar gewartet, vor meiner Herberge war groß Gedränge von einem Buhurt, mit dem mich Herr Hadmar von Chunringe empfing. So ritt ich in meine Herberge. Da saß ich in einem Fenster, als ein Weib gekleidet, darum litten die Biedern Ungemach, denn die Rotten ritten hin und her und stießen einander in dem Buhurt.

Da hieß ich meinem Marschalk sagen, daß er sie bäte, es zu lassen. Da ließ man den Buhurt alsbald, und alle ritten in die Herberge.

Es war Abend geworden, und ich sandte nach meinem Boten, er kam alsbald, und ich entfernte mich mit ihm von den Leuten; als ich ihn zum zweiten Male empfing, sprach ich: du sollst mir abermals willkommen sein, sage mir die Wahrheit, wie sich meine Fraue gehabt; ist sie traurig oder froh? Mein Bote sprach: sie gehabt sich wohl und ist froh, sie sprach: was Euch Heiles geschähe, des freute sie sich, wahrlich, sie ist Euch hold, das hat sie Euch wohl erzeiget, daß sie von ihrer linden weißen Hand Euch das Fingerlein gesendet hat, das soll das Wahrzeichen ihrer Liebe sein. Ich sprach: das thut mir wohl, daß die Süße meine Dienste annimmt; rathe mir nun, Bote; wenn die Fahrt zu Ende ist, habe ich nach dem achten Tage zum Dienste meiner Frauen wieder turniren wollen, die Kost kümmert mich wenig, fünfzig Ritter sollen da im Turney meinen Schild tragen, sie sollen alle schöne nach meinem Schilde geziemirt sein, das soll zu Neuenburg geschehen: wahrlich, Bote, ich bin von dem Fingerlein so hohes Muthes, es muß mein Ende sein, oder ich diene ihr etwas, das ihr gefalle. Nun sprich, was ist dein Rath? »Herre, ich rathe Euch, womit ein Ritter dienen soll, dessen sollt ihr alles bereit sein, sie mag nachher wohl Euren Dienst belohnen, daß sie Euch Gnade thut; ich sage Euch, der Turney behagt mir sehr wohl, davon werdet ihr ehrenreich, er muß aller Welt gefallen, und Niemand soll ihn Euch verleiden.« – »Viel lieber Bote, ich bitte dich, wenn es sich fügen möge, so reite wieder zu meiner Frauen und bitte sie um ihre Würdigkeit, daß sie mir zu diesem Turney ihr Kleinod sende, wobei ich erkenne, daß sie meinen Dienst für gut hat.« – »Herr und Freund, ich reite dahin und werbe es, wie ich am besten kann.« – »Nun fahre hin, Gott müsse dein auf allen Wegen hüten.« –


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