Ulrich von Lichtenstein
Frauendienst
Ulrich von Lichtenstein

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Fünfundzwanzigstes Capitel.

Eine neue Fahrt,
auf welcher Ulrich als König Artus schöne Ritterschaft treibt.

Einleitung des Herausgebers.

(»Es findet sich hier im Manuskript eine Lücke von wenigstens sechs oder acht Blättern, das eine Blatt bricht mit dem ersten Verse des 37. Gedichtes ab, es ist zu vermuthen, daß die Gedichte 38 und 39, die sich unter Ulrichs letztern in der Sammlung des Manesse finden, bald nachher von ihm gesungen sind, weil sie nicht im Pergament-Codex erscheinen. Aus dem Zusammenhange sieht man, daß der Ritter, um seiner Frau zu dienen, wieder eine Fahrt ausgeschrieben hat; wie er das erste Mal als Königin der Minne erscheint, so tritt er jetzt als König Artus auf, der vom Paradiese kommt, um die Tafel-Runde wieder herzustellen: jeglicher Ritter, der Mitglied dieser Gesellschaft werden will, muß, ohne zu fehlen, drei Speer auf den König verstechen, dann erhält er Zutritt und wird nach einem der Tafel-Runder genannt. Wir finden ihn auf dem nächsten Blatt des Manuskriptes schon mitten auf seinem Zuge.«)

Auch legte ich einen Halsberg an, von festem leuchtendem Stahl, scharlachroth war mein Wappenrock, mit einem gelben Zendal gefurret, seine Länge schwang bis auf die Erde, über den Knien war er mit Borten gezegelt und meisterlich gegattert: über dem Wappenrock führte ich einen Gürtel, des Borten war grün, und mit Gold beschlagen, an meinem Busen sah man ein köstlich Heftlein von Gold. Da zog man mir mein Roß her, das war wohl verdecket mit Scharlach, die Decke reichte bis auf den Huf, sie war dem Wappenrock gleich gesurret und mit Borten reich gegattert.

Ich saß auf das Roß und band den Helm zu Haupt, der war mit einer goldnen Welle geziemirt, um die ging ein Kranz von Scharlach, die Zegel schwankten bis auf die Fenster. Dann nahm ich den Schild zu Halse, er war dem Wappenrocke gleich von Scharlach und reich mit Borten gegattert, er hing voll Schellen, die lauten Klang von sich gaben.

Darnach reichte man mir ein großes Speer, und gegen mich kam Herr Conrad von Stretwich, der nie Rittesthat beging, denn er warb immer um Gut, das Lob der Frauen kümmerte ihn nicht, sein Tyost war aber doch gut genug, sein Roß brachte ihn mir so nahe, daß er mit seinem Tyost meinen Helm an das Kinn stach, von beiden Speeren fielen die Splitter.

Dann kam gegen mich ein rechter biedrer Mann, der war so leuchtend geziemirt, daß Ferasis Anschewin es nicht schöner sein konnte, noch Adroffel von Persia, er war zu Maßen dumm und zu Maßen klug, zu Maßen arg und zu Maßen milde, zu Maßen traurig und froh, darum pries ihn alle Welt, in Engels Weise kam er gegen mich, sein Name war Conrad von Surowe: da nahm ich auch mein Roß mit Sporen, der Tyost fehlte nicht, sondern wurde ritterlich geritten, die Choller an beiden Halmen wurden zerstoben, ich sah nie einen schönern Tyost, die Speere kluben sich bis auf die Hände, und die Splitter flogen hoch.

Nun kam ein junger Mann, Herr Christan von Puks, so schnell gegen mich, daß ich kaum ein Speer fassen konnte, von seiner Eil verfehlte er mich, ich stach ihm durch seinen Schild. Dann band ich meinen Helm ab.

Ich ritt gegen Eppenstein, wo Herr Leutfrid auf dem Plan hielt, als ein reicher Mann geziemirt, ich hatte ihn Kalokreiant genannt, da rief der Reiche: hier kommt der werthe König Artus und will mich zu Hause heimsuchen, reicht mir ein starkes Speer, denn ich will ihn so empfangen, daß die Spritzeln hoch fliegen, er will an mir seiner Frauen dienen, drum soll unser Tyost gut werden. Ich sprach: Ich freue mich, daß Herr Leutfrid der Tyoste begehrt! Da band ich meinen Helm auf, zwei Speere wurden sehr gut verschwandt; dann ritten wir mit Freuden nach Chrabak auf den breiten Anger, wo meine Herberge bereit war. Auf einem blumigen Felde waren zwei Gezelte und vier Hütten aufgeschlagen, da waren wir die Nacht freudenreich, und als der andere Tag kam, zogen dort und hie geziemirte Ritter zu uns.

Wir hatten eine Messe vernommen, darauf wappnete ich mich und wollte reinen Frau dienen, ich band den Helm auf und nahm ein Speer in die Hand. Da ward ritterlich getyostiret, und mancher Puneis ward künstlich geritten. Ich habe in diesem Buche schon viel von Tyost gesagt, darum will ich es kürzen, wo ich nur kann, und will die nicht nennen, die ihren Frauen da schöne dienten. Ehe ich sieben Speer verstach, waren schon dreizehn Speer auf mir verstochen. Darnach ritt ich von dannen, und dichtete diese ritterlichen Lied.

 
40) Eine Ausreise.
       

Ehrengehrende Ritter, laßt euch schauen,
Unter Helmen dienen werthen Frauen,
Wollt ihr die Zeit vertreiben
Ritterlich,
Ehrenreich
Werdet ihr von guten Weiben.

Ihr sollt hochgemuth sein unter Schilde,
Wohl gezogen, kühne frech und milde,
Thut Ritterschaft mit Sinnen,
Und seid froh,
Minnet hoh,
So mögt ihr Lob gewinnen.

Denket an der werthen Weibe Grüßen,
Wie sie das kann guter Frauen süßen,
Wen Frauen-Mund wohl grüßet,
Der ist gewährt
Was er begehrt,
Seine Freude ist ihm gesüßet.

Wer mit Schild vor Schanden sich will decken,
Muß den Leib zu schwerer Arbeit strecken,
Des Schildes Amt gibt Ehre,
Ihm ist bereit
Würdigkeit,
Sie muß aber kosten sehre.

Mannlich Herze findet man bei Schilde,
Zaglich Muth muß sein dem Schilde wilde,
Nackt ist wer falsch gegen Weibe
Wer ihr hat
An der Statt
Wo man Schild hält vor dem Leibe.

Nu her, Schilde, man soll mich heute schauen,
Dienen meiner herzelieben Frauen,
Ich muß ihre Minne erwerben,
Und ihren Gruß,
Oder ich muß
Gar in ihrem Dienste sterben.

Ich will sie mit Dienste bringen inne,
Daß ich sie mehr denne mich selber minne,
Auf mir muß Speer erkrachen,
Nu gebt her,
Mir das Speer;
So zwinget mich ihr Lachen,
    Das kann sie süße machen.

Die Lied wurden viel gesungen, und dabei mancher Tyost ritterlich geritten. Wir zogen nun gegen Prucke, wir sungen und waren froh. In der Nacht blieben wir zu Prucke, und als der lichte Tag kam, wappnete ich mich. Da kam auf mich geritten mein Herr Herman von Chrotendorf und rannte mich ritterlich an, also that auch Herr Diermar von Mure, die beiden verstachen vier Speer und ich ihrer fünf. Hernach bestunden mich noch acht.

Noch schied ich ohne Gesellen, daß keiner der Tafelrunde Statt gewann; denn nur wer sonder Fehlen drei Speer mit mir verstach, der sollte das Recht haben, zur Tafelrunde zu sitzen. So ritt ich gewappnet gegen Chapfenberg, da hatte sich durch Frauenbitte Herr Lanzelot von Spiegelberg geziemirt, Herr Heinrich war sein rechter Name, der hielt mit aufgehobnem Speer, ich band auch meinen Helm auf und nahm das Roß mit Sporen, aus beiden Helmen sprang das Feuer, die Speere zersplitterten, und man gab uns zwei neue, wir fehlten wieder nicht, und hierauf geschah der dritte Tyost, daß ich ritterlich an seinem Helm ein Speer verstach, er aber fehlte mein, das that dem Hochgemuthen leid, und er band seinen Helm ab.

Ich nahm das vierte Speer in die Hand, da kam gegen mich Herr Ortolf von Chapfenberg, er verstach ritterlich sein Speer, und das meinige fehlte auch nicht, den zweiten Tyost verfehlten wir beide, und die Speere blieben ganz. Ich ward schnell entwappnet und ritterlich gekleidet.

Dann ritt ich mit hohem Muthe nach Chrugelach, wo ich die Nacht blieb. Am andern Morgen sang ein Pfaffe eine schöne Messe, hierauf bestund mich Herr Iwein, sein rechter Name war Erchenger, und sein Haus hieß Landesere, ich und Herr Iwein verstachen, ohne zu fehlen, sechs Speer. Herr Erchenger und mancher gute Ritter ritten nun mit mir über den Semernick mit frohem Muthe, wir blieben die Nacht zu Glogentz, und am andern Morgen zog uns Herr Segremors zu, sein rechter Name war Herr Alber von Arnstein, ein tadelsfreier Ritter, er ward als ein Freund von mir empfangen, da sprach er: König Artus, ich bin zu Euch gefahren und will, daß Ihr mich mit den Speeren grüßen sollt, drei Speer will ich mit Euch verstechen. Ich sprach: das seid Ihr von mir gewährt. Ich wappnete mich sogleich, und wir zogen auf das Feld und nahmen zwei starke Speer, die vom Tyost nicht ganz blieben; da riefen wir beide: Speere her! die wir auch schnell empfingen. Da wurde künstlich geritten, wir verschnitten beide Koller und beide Halsen ward ein Mahl, die Tyost thät uns beiden weh. Die dritte Tyost wurde so geritten, daß wir fast auf einander stießen, so nahe kamen wir, wir verstachen so, ohne zu fehlen, sechs Speer. Dadurch wurde er mein Geselle und gewann eine Statt an der Tafel-Runde.

Da kam Herr Heinrich von Buseke, den bestand auf meine Bitte Herr Lanzelot von Spiegelberg, beide Speere zerkrachten und fehlten nicht. Da wurde noch viel getyostiret, was ich hier alles verschweigen will, dann zogen wir gegen Neuenkirchen, wo viele Ritter waren und wo sich ein schönes Ritterspiel erhub. Das Tyostiren währte bis auf den Abend; als es finster wurde, räumten die Ritter das Feld. In meinem Gezelte hatte ich gutes Gemach, und als es wieder Tag wurde, (es war Sonntag) hörte ich eine Messe, darnach band ich ein neues Banner an, so gefärbt wie mein Schild: dem Banner führte man unsre Säumer nach, bei ihnen hörte man Paukenschlag und Flötenton, darnach zog man hinter einem anderen Banner unsre Roß, viel Knechte ritten hinter den Rossen, die führten starke Schäfte, nach den Knechten folgte das dritte Banner, hinter welchem mehr als hundert schön gekleidete Ritter ritten, je zween und zween, darnach ritt ich und bei mir Herr Nikola von Lebenberg, den hatte ich Tristan genannt. Viele Fiedelere ritten mit uns, deren Saiten hoch gezogen waren. So zogen wir nach der Neustadt über das Steinfeld.

Da kam ein Bote mir entgegen, der sprach: viel lieber Herr, Euch heißet Gott willkommen der werthe Fürst aus Oesterreich, er entbietet Euch, daß er sich Eurer Ankunft freut und Euch immer zu Dienste bereit ist, er danket Euch, daß ihr aus dem Paradies in sein Land gefahren seid und wollte gern mit Euch hie drei Speer verstechen, damit er eine Statt zur Tafelrunde erwerbe und Euer Gesinde sei. Ich sprach: sage deinem Herrn, wenn er mein Gesinde sein will, so wird ihm jede Gabe gewährt, die er von mir fodert, ich gebe ihm, was er will, Burgen, Leute und Land, nichts will ich ihm versagen, und was er auch von mir empfangen mag, so habe ich drum nicht desto minder.

Der Rede wurde da viel gelacht. Der Bote ritt gegen Lichtenwerde zum Fürsten, der ging ihm vor das Thor entgegen und fragte: hast du den König Artus gesehen? – »Ja, Herr, er leiht und gibt Euch, was Ihr nur wollt und spricht, er sei so reich, daß er doch nicht minder habe, was Ihr auch von ihm empfangt, man führt wohl tausend Speer mit ihm, er und die Seinen sind köstlich gekleidet, und wollt Ihr sein Gesinde sein, so will er, wie er spricht, Euch reich an Gut machen.

Da sprach der Fürst Friederich: wir mögen wohl beide reich werden, wie arm ich auch gegen den König bin, theilt er mit mir und ich mit ihm. Indem sah man uns schön zu der Neueustadt ziehen, freudig und hochgemuth, mancher Ritter kam ritterlich gegen uns und grüßte uns freundlich. Der Schenk Heinrich von Habechsbach kam mir mit vierzig Rittern entgegen, und mit ihm sein theurer Bruder, Herr Ulrich; als mich Herr Heinrich ersah, sprach der Biedre: Gott will kommen, König Artus, ich sehe wohl, daß die Minne in Eurem Herzen Haus hält, denn sie läßt Euch selten ruhen, sie gibt Euch viel Unmuße, drum müßt ihr Ziel der Tyoste sein, als ich zu jüngest von Euch kam, sanget ihr gute neue Lied, davon sprach eins, das Euer Herz hoch sprünge und an Eure Brust stieße, das ist die Lust zur Ritterschaft, das kann ich nun wohl verstehn. Der Rede ward da gelacht.

Zwei gute Ritter ritten da gegen mich, die man weithin lobte, Herr Wernhart und Herr Heinrich, die Brüzel wurden sie genannt, um ihre Mannheit hatte sie der werthe Fürst Friederich von Oesterreich, mein Herr, des Gutes reich gemacht; Herr Wernhart und Herr Heinrich grüßten uns da züchtiglich, sie sprachen: Gott weiß wohl, König Artus, daß wir uns freuen, daß man Euch in dieses Land hergesendet hat, davon ist uns alles Trauern benommen. Ihnen folgten mehr als zwanzig Ritter, wovon uns jeder gern sah. Als ihr Gruß ein Ende hatte, kam uns entgegen der mannliche Herr Heinrich von Lichtenstein, ein tapfrer Degen, den man aber nicht um seine Milde loben konnte, denn er war ein karger Mann; er kam selb zwölfte uns entgegen, die elf folgten ihm um seine Mannheit, und hätte er sich der Milde angenommen, so wäre sein Lob in allen Landen breit geworden, das versäumte er aber durch seine Kargheit.

Von Missowe der biedre Mann ritt uns auch entgegen, er führte vierundzwanzig Ritter in schönen Kleidern mit sich, die uns alle freundlich grüßten. Nach dem Gruße ritt eine Schaar gegen uns, die der werthe Fürst aus Oesterreich als Gesinde zu sich genommen hatte, das eine war mein Herr Trostelin, das andre der tugendreiche Herr Ulrich von Hutensdorf, der dritte Herr Ebran, ein übermüthiger zorniger Mann, der vierte war von Schwarzersee der höf'sche Ulrich von Sahssendorf, die grüßten uns alle ritterlich, so that auch der werthe Stier von Lhassendorf, darnach der kühne Prunrich von Toblich, Herr Wichand von Spitze, Herr Eckehard Bosche, der Schenke Dietrich von Dobrach, Herr Friedrich von Witiginsdorf, Herr Leupold und auch Herr Sifrid von Medlich, Herr Drusliep und Herr Leupold von Heimenburg, Herr Zlawat von Falkenstein, der Pfaffe von der Frienstadt, und ein höf'scher Ritter der der Span hieß, Herr Sifrit Rebestock, Herr Dietmar von Schönenkirchen, Herr Leutolt von Tobel, mein Herr Patschmann von Patscha. Nach diesen grüßte uns ein ungefügiger mannlicher Mann, Herr Leidegast von Sahssen, der hieß wohl mit Recht Leidegast, da ihm alle Zucht sogar fehlte. Alle diese Ritter hatte der hochgemuthe Fürst Friederich von Oesterreich als Gesinde zu sich genommen.

Da kam auch der, der allenthalben rechten Preis hat, Herr Ott von Hirslaue, der ritt selb achte gegen uns und grüßte uns höflich, sein Mund sprach immer in Züchten süße Wort. Da kam Herr Rapot von Falkenberg, der oft Gott an den Armen übersah, von ihm sprach man selten Gutes, denn er war ein übler zorniger Mann, er hatte viel geraubt und war seinem Herren unhold, selten war er unterthan den Herren des Landes, er trug ihnen keinen getreuen Muth, drum mußte er auch oft Ungemach leiden, man brach ihm oft seine Burgen, deshalb that er den Armen weh: als uns der üble Mann grüßte, lachte mancher darüber, daß sein Mund nie lächelte, damit thät uns sein Herz kund, daß er unbescheidene Sitte hätte. Dem Ueblen folgten neun Ritter, die ihm um sein Gut dienten. Welch Edelmann den Armen Leid thut, des Ehre und Seele ist verloren, der Edle soll sich über die Armen erbarmen, so erbarmt sich auch Gott über ihn.

Darnach grüßte uns mit Züchten der Herr Chol von Vrounhofen, der hatte so hochgemuth dem werthen Fürsten Friederich seinem Herren gedient, daß er ihn hatte reich gemacht, sechsundzwanzig gute Ritter führte er darum mit sich.

Nun will ich Euch einen Mann nennen, der mit Züchten hochgemuth war, kühne und milde, und den man immer als einen der besten nannte, drum war er mit Ehren alt geworden, er war auch den süßen Weiben hold, das war der biedre Waise Chadolt, der kam selb sechzehend uns entgegen, mit ihm ritt eine schöne Magd, die Frau Ehre in Oesterreich gesandt hatte. Die Magd warb eine hohe Botschaft, denn sie sagte uns, Frau Ehre habe sie hingesandt, zu Chrumbenaue in Böheim sollte eine Ritterschaft sein, wohin wir alle kommen sollten: der Dienstman der Frau Ehre, sprach sie, ist hie der Waise Chadolt, der will da seiner Frauen und der meinen dienen, von heute an dem vierzehenden Tage soll da ein gut Turnei sein, Herr Chadolt will sich in ein Foreis legen, und welcher Ritter da den Preis erjagt, dem will meine Fraue sich selber zum Lohne geben; nun wüßte ich gern, wer zu der Ritterschaft nach Chrumbenowe hinkommen will.

Da sprach der Schenk von Habechsbach: Jungfrau, ich komme dahin; wie sollte ich es versagen, da Ihr ein Bote der Ehre seid? Nun ward ein großer Schall, alle Ritter sprachen: Jungfrau, wir wollen dahin! da dankte ihnen die Magd.

Indem sah man uns schön durch die Neuenstadt reiten gegen Chezelinsdorf, da waren mir auf den Anger acht Hütten und vier Gezelt geschlagen, vor das Gezelt der Tafelrunde waren vier Banner gestoßen, daß keins die andern drang, denn sie waren Rosselaufes weit von einander, da herum war eine schöne Schnur gezogen, gelb und blau geflochten von Seide, zween hundert Speer waren dort und hie gestoßen, an jeglich Speer ein Fähnelein, nach meinem Schilde gefärbt, in den Ring ging da Niemand, aber zwei Thore gingen in den Ring, und nur wer tyostiren wollte, ritt herein, so konnte Niemand den andern dringen.

Wir stiegen ab und gingen in das Gezelt der Tafelrunde, um es zu beschauen, doch nur die, die Ritters Namen hatten. Die Ritter nahmen dann Urlaub von mir, ich sprach: nun fahret hin, und wer heut Ritterschaft pflegen will, der komme bald, denn der Abend nahet schon, auch heute noch wollen wir gern um die guten Weib tyostiren. Als sie fortgeritten, sagte ich: Gawan von Lichtenstein, Lanzelot von Spiegelberg und Herr Iwein von Landesere, Ihr sollt Euch schnell wappnen und den Ring ritterlich beschützen gegen alle, die zu Euch kommen.

Sie wappneten sich schnell. Da kam Herr Otte von Missowe, dem führte man wohl dreißig Speer, er war so geziemirt, daß ein Kaiser daran wohl genug gehabt hätte, auf dem Helme trug er einen großen Kranz von Federn, sein Schild war ganz roth von Gold, darauf war ein Einhorn zobelfarb, sein Wappenrock und seine Decke waren gut Seiden und Gold, darauf zobelfarbne Einhorn gestreut, sein Banner war wie sein Schild gefärbt. Da kam gegen ihn Herr Gawan von Lichtenstein, der führte auf seinem Helme eine Welle von Golde, jegliches Ort mit Pfauenfedern umwunden, der Biedre war mein Bruder, und ein Schild war dem meinen gleich, weiß, und zwo schwarze Bar schief nach dem Schwert zu Thal, darauf ein Buckel von Gold, sein Wappenrock und seine Decke waren grüner Sammt, darauf viel der Schilde gestreut, er führte ein starkes Speer, und sein Puneis war völlig lang, ihm kam Herr Otte von Missowe entgegen, und zwei Speere wurden da künstlich auf beiden Hälsen entzwei geritten.

Darnach kamen schöne geziemirt achtzehn Ritter in den Ring gerannt, da stachen an dem Abend schöne Tyoste Herr Lanzelot von Spiegelberg, Herr Iwein von Landesere und Gawan, bis die Nacht den Tag vertrieb. Wir zogen in die Gezelt, und die andern in die Stadt, sie versprachen aber am Morgen wiederzukommen.

Heimlich sprach zu mir Herr Chadolt Waise: König Artus, Ihr sollt mir gewähren, was ich bitte: daß Ihr mit mir Euer erstes Speer morgen verstecht. Ich sprach: Herr Waise, die Bitte ist Euch gewährt, Ihr habt um Ehre so viel erlitten, daß ich Euch gern morgen mit den Speeren zuerst bestehen will, nur meine Bitte, daß Ihr dann auch früh kommt. So schied er von mir.


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