Ulrich von Lichtenstein
Frauendienst
Ulrich von Lichtenstein

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Zwölftes Capitel.

Reise nach Feldkirchen und Sanct Veit.
Die zwölfte Tagereise zu Frisach.

In der Nacht hatte ich zu Villach gut Gemach, am andern Tage hörte ich eine schöne Messe, ich hatte wonnigliche Frauenkleid an mich gelegt, und so ging ich nach der Kirche, worüber mancher Mann lachte. Nachher wollte ich mich gut ziemiren, und so schaute ich alle meine Röcke an und fand einen fremden Rock darunter. Da sprach ich zu meinem Kammerer: Wer hat dir dieß gegeben? Er sprach: Fraue, das weiß ich nicht. – »Das wäre eine wunderlischicht, wenn dir einer dieß Röcklein ohne dein Wissen gegeben hätte.

Ich band das Röckel auf und fand einen Gürtel drinn, ein Schapel und ein Heftlein, die alle drei sehr schöne waren, auch lag ein deutscher Brief dabei. Darüber wurde ich sehr zornig, ich sprach: glaube mir, dieß Kleinod bringt dir Unheil! Er sprach: liebe Fraue, laßt Euer Zürnen sein, weiß ich, wer es mir gegeben hat, so laßt es an mein Leben gehen. Ich ließ mir den Brief schnell lesen, welcher so sprach:

Venus, viel edle Königein,
Gruß und all' den Dienst mein
Entbiet' ich Euch, gar sonder Wank,
Euch sollen alle Frauen wissen Dank,
Daß ihr durch unsre Würdigkeit
An Euch gelegt habt Frauenkleid,
Und damit ehret alle Weib,
Des wird getheuert Euer Leib.
Ihr sollt von mir empfahen
Mein Kleinod sonder Schmahen
Das ich zu Lieb' Euch hab' gesandt,
Ich will Euch bleiben unbekannt,
Um meine Ehre und um anders nicht,
Und wo Euch Ehre und Liebe geschicht
Des bin ich inniglichen froh,
Mein Muth der steht gegen Euch also,
Gott müsse Euch Leibes und Ehren pflegen
Auf Euern ritterlichen Wegen,
Mit Treuen geb' ich Euch den Segen.

Als ich den Brief vernahm, kam ein Bote, der sprach: edle Königin, Ihr sollt jetzt gewappnet sein, die Ritter sind schon bereit und ziehen auf das Feld. Ich wappnete mich alsbald in meine weißen Wappenkleid und zog auf das Feld, wo ich wohl vierzig Ritter fand. Herr Swikker von Frauenstein führte gegen mich ein starkes Speer, das er mir auf der Brust verstach, mein Speer blieb eben so wenig ganz. Da kam gegen mich ein biedrer Mann, Rudolf von Rase, ein edler Ritter, der nie Fußbreit aus der Bahn der Ehren trat, der reine Hochgemuthe stach mir meinen Helm ab, und ich verwundete ihn am Arm, das that mir sehr leid. Nun ward auf dem Felde hie und dort viel tyostiret, das Feld lag der Splittern voll. Ich verstach da funfzehn Speere, dann zog ich in meine Herberge und gab zwölf Fingerlein denen, die sie verdient hatten. Dann entwappnete ich mich und kleidete mich als ein Weib, in einem Fenster saß ich da, und vor mir erhub sich ein Ritterspiel, es wurden da wohl funfzig Speer vor mir verstochen, welches auf dem Markt geschah. Nun ward es Abend, und da sie vom Morgen bis zum Abend Ungemach gehabt hatten, sah mancher die Nacht sehr gern, welcher müde war, mancher wollte den Frauen gern noch mehr dienen, was der Abend da hinderte.

Als der dritte Tag erschien, zog ich nach Feldkirchen, und wohl zwanzig Ritter folgten mir. Die Ritter von dem Lande zogen mir entgegen, geziemirt und gewappnet, unter ihnen mein Herr Gotfrid von Havenenburg und auch sein Bruder Herr Arnold, von den beiden wurden zwei Fingerlein geholt. Dann kam von Treven mein Herr Chol, Herr Bernhard und auch Herr Ulrich, auch Herr Zacheus von Himelberg, weit von seinem Gesang bekannt, der hatte ein Mönchskleid über seinen Harnisch gelegt, eine schwarze Kappe, und hatte auf seinem Helm ein Haar, dem war eine breite Platte geschoren. Er hatte einen theuern Eid gethan, daß er die Königin niederstechen wollte.

Elf Ritter kamen da gegen mich, auf die ich zehn Speer verstach, ihrer jeglichen brach auch seinen Speer auf mich. Da das der Mönch gewahr wurde, kam er gegen mich auf den Ring. das war aber umsonst, mir ward der Helm abgenommen, und ich ließ ihm sagen, da er Mönchskleid an habe und auch Mönch statt Ritter wollte sein, so wollte mit ihm die Königin nicht Ritterschaft pflegen.

Da ritt ich in meine Herberge, wo mir ein gutes Gemach bereitet war. Als der andere Tag erschien, schied ich von dannen und zog bis St. Veit. Als man dort meine Ankunft erfuhr, warteten die Ritter nicht lange, sie ritten mir entgegen, und ich ward als ein Freund von ihnen empfangen. Ich ritt in die Stadt und ließ den Rittern sagen, wer mit mir tyostiren wolle, der solle sich wappnen. Alle wappneten sich freudig, wohl fünfundzwanzig werthe Ritter. Auch ich ward mit Fleiß gewappnet, eine neue silberweiße Decke ward auf mein Roß gelegt, ein weißes Röckel war mein Wappenkleid, und so saß ich zu Rosse. Ich zog auf das Feld, da kam ein biedrer Mann gegen mich, mein Herr Rinher von Eichelsberg, wir fehlten nicht und ritten eine schöne Tyost, die Splittern flogen hoch. Dann bestand Herr Conrad von Lebnach, darnach Herr Chune von Bridberg, der immer mit dem Leibe Ritterswerk that, niemals aber mit dem Gute, wie mancher Landsmann von ihm sagt; dann von dem Berge Herr Jakob, und auch Herr Conrad von Teinach, mein Herr Rudelin von Musberg, Herr Gundacker von Frauenstein und auch Herr Heinrich von Greifenfels.

Es kam auch gegen mich Wulfing von Gurnetz und Herr Heinrich von Grauenstein, mit denen ich zwei Speere verstach; indem war auch der Mönch mit einem neuen Speer wieder gekommen, da ich ihn gegen mich halten sah, sprach ich in Ungemüthe: wahrlich, ich steche gegen Euch nicht! Sogleich band ich den Helm ab und fuhr in meine Herberge, wo ich die Nacht gut Gemach hatte.

Am andern Tage bereitete ich mich wieder auf die Fahrt und hieß die Ritter fragen, ob einer tyostiren wolle. Da waren am Morgen sechs bereit, sogleich nahm ich ein Speer, und gegen mich ritt Herr Ortolf von Osterwitz, die Splitter sah man fliegen, und die Speere brachen an beiden Hälsen. Herr Wichard von Carlsberg kam nur mäßlich gegen mich, wovon sein Speer auch ganz blieb, Engelram von Strasburg fuhr ritterlich gegen mich, und unser Tyost ging recht; da kam ein werther Ritter, Herr Engelbrecht von Strasburg, da kam auch Herr Sigfrid, den man den Sachsen nannte, und der zu Kärnthen wohl bekannt war, ein höf'scher Mann.

Der Mönch kam in Mönches Weise wieder und wollte an mir Preis erjagen, da sagte ihm mein Bote von mir, so lange er Möncheskleid führte, würde ich mit ihm nicht stechen. Der Mönch sprach aus hohem Muthe: so fahr ich ihr doch immer nach, wohin sie immer fährt, sie muß mit mir tyostiren, das kann nichts anders, als der Tod hindern. Da ritten die Ritter alle zu mir und sprachen mit Züchten: Fraue, Ihr sollt uns das gewähren, was wir Euch bitten, daß Ihr mit diesem Mönche hier ein Speer verstecht, welche Kleider er auch trägt, da sein Muth auf Ehre steht. Ich sprach: da Ihr es so züchtig begehrt, will ich es Euch gewähren. Ich ließ mir ein Speer geben und machte den Puneiz lang, denn ich war ihm von Herzen gehaß, ich hatte recht den Willen, ihm seinen Helm zu treffen. Er verstach sein Speer ritterlich, auch traf ihn meine Hand so, daß er hinter das Roß fiel und sinnlos da lag, der Fall that mir wenig leid, und der Biedre mußte noch Spott dulden. Ich hatte ihm durch den Helm gestochen und gab ihm und den andern vierzehn Fingerlein. Damit ritt ich mit Freuden von dannen und kam an dem Tage nach Frisach.

Dort war mancher gute Ritter, der meiner wartete; ich ward von ihnen minniglich empfangen, und schon vor der Stadt ritten sie mir entgegen. Sie fragten züchtiglich, ob ich des Tages da stechen wollte, ich sprach Ja, da baten sie mich allgemeine, daß ich bis zum Morgen früh warten möchte.

Was ihr geliebet, soll geschehen, sprach ich, und fuhr in meine Herberge, vor der großes Gedränge von einem Buhurt wurde, es wurde künstlich und ritterlich geritten, man sah viel Schilde brechen, das Spiel wurde bis auf den Abend getrieben, daß die Rosse schäumten. Als der Abend kam, mußten sie ihren Buhurt lassen.


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