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Neunzehntes Kapitel.

– Ich sendete nach Dir,
Daß Talbot's Nam' in Dir aufleben möge,
Wenn saftlos Alter und geschwächte Glieder
Gefesselt Deinen Vater an den Stuhl.
Doch ach! die tückischen, boshaften Sterne! –

Heinrich der Sechste, erster Theil.

Duncan und seine Leute waren noch nicht weit nach der Richtung fortgeschritten, wo sich die Zigeunerbucht befand, als sie einen Schuß hörten, worauf bald noch einige folgten. »Die verdammten Wilddiebe!« sagte Duncan; »drauf zu, Burschen!«

Dann vernahmen sie Schwertergeklirr, und als sie den Ort erreicht hatten, sahen sie, daß Butler und Staunton's Diener sich gegen vier Räuber wehrten. Staunton selbst lag am Boden hingestreckt, mit dem bloßen Schwert in der Hand. Duncan, der kühn war wie ein Löwe, feuerte sogleich seine Pistole auf den Anführer der Räuber ab, zog sein Schwert, und indem er seinen Leuten ein ermunterndes Hallo zurief, rannte er es jenem, den er bereits verwundet, durch den Leib. Es war Donacha selbst. Die andern Räuber waren bald überwältigt, bis auf einen jungen Burschen, der einen für sein Alter wunderbaren Widerstand leistete und nur mit Mühe endlich bezwungen ward.

Sobald Butler sich von seinen Gegnern befreit sah, eilte er Staunton vom Boden zu erheben, allein das Leben hatte ihn bereits verlassen.

»Ein großes Unglück,« sagte Duncan, »ich will nur vorangehen, es der guten Lady zu hinterbringen. – David, mein Sohn, Du hast heut in Deinem Leben zum erstenmal Pulver gerochen, nimm mein Schwert und haue dem Donacha den Kopf ab. Du willst ja Soldat werden, da ist es gut zur Uebung. – Aber Dein Vater scheint nicht damit zufrieden, so laß es nur. Es wird auch Lady Staunton vielleicht mehr Befriedigung gewähren, ihn ganz und gar zu sehen. Ich hoffe, sie wird mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich eines Edelmannes Blut schnell und gut zu rächen weiß.«

Dies waren die Aeußerungen eines Mannes, der zu sehr an die alten Sitten des Hochlandes gewöhnt war, um den traurigen Ausgang dieses Gefechtes im Geringsten zu bewundern oder zu betrauern.

Wir wollen nicht versuchen die verschiedene Wirkung zu schildern, welche dieses unerwartete Unglück auf Lady Staunton hervorbrachte, als der blutige Leichnam ihres Gatten zu dem Hause gebracht wurde, wo sie ihn frisch und lebend wiederzusehen erwartet. Alles Andere war vergessen, als daß er der Geliebte ihrer Jugend gewesen; und welches auch seine Fehler gegen die Welt sein möchten, daß er gegen sie selbst sich keiner andern schuldig gemacht, als eines Unmuths und einer Mißlaune, die seine bedenkliche Lage in ihm hervorgerufen. In ihrem lebhaften Schmerz gab sie sich der ganzen Heftigkeit ihres Gemüths hin. Jammergeschrei folgte auf Jammergeschrei, Ohnmacht auf Ohnmacht. Es bedurfte der ganzen liebevollen Wachsamkeit Jeanie's, um sie zu verhindern, daß sie in diesen wilden Ausbrüchen des Schmerzes nicht den größten Theil ihres wichtigen Geheimnisses verrieth.

Endlich folgte Schweigen und Erschöpfung diesem Wüthen des Schmerzes, und Jeanie stahl sich hinaus, ihren Mann zu Rath zu ziehen, und ihn zu bitten, durch Vermittelung des Hauptmanns in ihrer Schwester Namen die geheimen Papiere Staunton's in Beschlag zu nehmen. Zu Butler's großem Erstaunen erklärte sie ihm jetzt, welche Bande des Bluts sie an Lady Staunton knüpften und sie zu solchen Schritten berechtigten.

Bei dieser unglücklichen Begebenheit zeigte sich Jeanie's thäthige und unerschrockene Seele von Neuem. Während der Hauptmann eine ziemlich lange Zeit damit zubrachte, sich zu erfrischen und dann die Gefangenen sowohl als andere Zeugen des Vorfalls in englischer und gälischer Sprache zu verhören, ließ sie den Leichnam ihres Schwagers entkleiden und besichtigen. Das Crucifix, der Rosenkranz und das härene Bußhemd an seinem Leibe zeigten, daß das Gefühl seiner Schuld ihn bewogen, sich einem Glauben zu weihen, der die Missethat der Seele durch Kasteiung des Leibes abzubüßen meint.

In den Schriften, die der Eilbote von Edinburg Staunton überbracht hatte, fand Butler neue Berichte, die sein Erstaunen erregten.

Durch die verheißene Belohnung angespornt, war es Ratcliffe bald gelungen, einige Spur jenes unglücklichen Kindes aufzufinden. Die Frau, welcher Margarethe Murdockson es verkauft, hatte es bei ihren bettelnden Wanderungen mit sich geführt, bis es sieben oder acht Jahr alt war, und es dann an Donacha verkauft. Dieser Mann, mit allem Bösen vertraut, unterstützte gelegentlich einen schrecklichen Handel, der damals zwischen Schottland und Amerika stattfand. Die Pflanzungen mit Sclaven zu versorgen, stahl man Männer und Weiber, besonders aber ganz junge Kinder und schickte sie hinüber. Ratcliffe hatte den Knaben hier aus dem Gesicht verloren, zweifelte aber nicht, Donacha würde Auskunft über ihn geben können. Aus diesem Grunde hatte Staunton's eifriger Geschäftsführer sogleich einen Verhaftsbefehl gegen Donacha ausgewirkt und ihn nach Knocktarlitie geschickt.

Von den schlimmsten Ahnungen erfüllt, ging Butler zum Hauptmann, und was dieser auf sein dringendes Verlangen ihm von den Untersuchungen mittheilte, bestätigte nur allzu sehr, was Butler gefürchtet.

Donacha hatte in der That Effie's unglückliches Kind gekauft, um es den amerikanischen Menschenhändlern wieder zu verkaufen. Allein es fand sich eine Zeitlang keine Gelegenheit dazu, und der Knabe, den sie Pfeifer nannten, machte sogar einigen Eindruck auf das Herz dieses rauhen Wilden, weil er Blitze eines ebenso rachsüchtigen und wilden Geistes als der seine in ihm bemerkte. Wenn Donacha ihn schlug, oder ihm drohte, ein sehr gewöhnliches Ereigniß, so antwortete er nicht mit Klagen und Bitten wie andere Kinder, sondern mit Flüchen und Bemühungen sich zu rächen. Er konnte freche Lieder singen und seinen Branntwein trinken, kurz, wie Donacha sagte, der Pfeifer war ein gebornes Satanskind, und sollte ihn deshalb nimmer verlassen. So wurde er denn von seinem elften Jahre an der Bande einverleibt, und hatte bereits bei der Ausführung mancher Gewaltthat geholfen. Die letzte derselben war durch die eifrigen Nachforschungen seines wirklichen Vaters veranlaßt worden. Donacha, durch diese Maßregeln in Furcht gesetzt, hatte sich entschlossen, das Land zu verlassen und sich auf einer der Schaluppen, die jenen Menschenhandel trieben, nach Amerika einzuschiffen; doch wollte er zuvor einen kühnen Streich ausführen.

Die erhaltene Kunde, daß ein reicher Engländer im Pfarrhause erwartet werde, erregte des Räubers Habgier. Auch hatte er weder den Bericht des Pfeifers von Lady Staunton's Geldbörse, noch seinen alten Schwur vergessen, sich an dem Pfarrer zu rächen; und er hoffte sich der Erbschaftsgelder zu bemächtigen, welche dieser, dem allgemeinen Gerüchte nach, von Edinburg zurückbrachte.

Indem er über die Mittel nachsann, seine Absicht am besten zu erreichen, erhielt er von einer Seite die Nachricht, daß das Schiff, auf welchem er zu entfliehen dachte, unverzüglich von Greenock absegeln solle; von einer andern, daß jener reiche Engländer und der Pfarrer am nächsten Abend ankommen würden; und von einer dritten, daß er seinen gewöhnlichen Schlupfwinkel ohne Aufschub verlassen müsse, weil der Hauptmann ein erlesenes Häufchen bestellt, um mit Anbruch des nächsten Tages das Gebirge nach ihm zu durchsuchen.

Donacha's Entschluß war schnell gefaßt. Mit dem Pfeifer und noch zwei Andern schiffte er in einem Boot nach der Zigeunerbucht, um in dem anstoßenden Gehölz bis zur Nacht zu lauern, dann in Butler's friedliche Wohnung einzubrechen, und seine Raubgier und seinen Rachedurst zu gleicher Zeit zu befriedigen. Nach der Vollführung dieses Frevels sollte das Boot ihn und seine Gefährten zu dem Schiff führen, das nur seiner wartete, um davonzusegeln.

Vermuthlich wäre dieser Plan gelungen, hätten nicht Staunton und Butler auf ihrem Wege von der Zigeunerbucht nach dem Pfarrhause die lauernden Räuber entdeckt. Da Donacha seine frühere Absicht dadurch vereitelt sah, und zugleich bemerkte, daß Staunton's Diener einen Geldkasten trug, so warf er sich ohne Zeitverlust auf die Reisenden. Auf beiden Seiten fielen Schüsse und wurden Schwerter gezogen. Staunton leistete den tapfersten Widerstand, bis er zuletzt durch die Hand seines Sohnes fiel, den er so lange gesucht, und nun zu seinem Unglück gefunden hatte.

Butler war wie betäubt von dieser schrecklichen Entdeckung, und Knockdunder's rauhe Betheuerung, er wolle das räuberische Gesindel morgen aufknüpfen lassen, erhöhte seine Bestürzung. Es würde ein großer Trost für Lady Staunton sein, meinte Duncan, wenn sie die Schurken alle drei in einer Reihe unter ihrem Fenster hängen sähe, und wüßte, daß ihrem Manne die gebührende Rache geworden.

Auf Butler's wiederholte Vorstellungen gegen dieses willkürliche Verfahren, entschloß er sich endlich, zwei von den Gefangenen nach Glasgow dem Gericht zuzuschicken; den jungen Kerl aber, den sie den Pfeifer nannten, würde er am Stricke pfeifen lassen, damit es nicht heiße, ein Freund des Herzogs sei in seinem Lande ungerächt getödtet worden.

Butler beschwor ihn, das unglückliche Schlachtopfer, zur Rettung seiner Seele, zu verschonen. Es war Alles vergeblich, und Duncan gab seine Befehle zur morgenden Hinrichtung. Das Kind der Schuld und der Sorge war von seinen Gefährten getrennt, stark gebunden, und in ein besonderes Zimmer gebracht, zu welchem der Hauptmann den Schlüssel behielt.

Die Nacht war gekommen, und Alles still im Hause, als Jeanie sich von ihrem Lager erhob, um das Schicksal, welches ihrem Neffen drohte, abzuwenden, oder wenigstens zu verzögern; besonders wenn sie im Gespräch mit ihm finden sollte, daß Besserung möglich sei. Sie öffnete die Thür mit einem Hauptschlüssel, und in der Stille der Mitternacht stand sie vor dem erstaunten jungen Wilden, der, fest mit Stricken gebunden, auf einem Haufen Flachs lag, womit das Gemach angefüllt war. In seinem schwarzgelben, schmutzigen, von rauhem schwarzen Haar verdunkelten Gesicht suchte Jeanie vergebens eine Aehnlichkeit mit seinen schönen Aeltern zu entdecken. Und doch, wie konnte sie einem so jungen und so unglücklichen Wesen ihr Mitleid versagen, unglücklicher bei Weitem als er selbst es ahnen konnte, da der Mord, den er aller Wahrscheinlichkeit nach mit eigener Hand begangen, oder an dem er doch Theil genommen, ein Vatermord war. Sie setzte Speise auf einen Tisch neben ihn, half ihm in die Höhe und machte die Bande seiner Arme lockerer, damit er essen könne. Er streckte die Hände, noch mit dem Blut seines Vaters besudelt, nach der Speise aus und aß begierig und schweigend.

»Welches ist Dein erster Name?« fragte Jeanie, um ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen.

»Der Pfeifer.«

»Doch Dein Taufname.«

»Ich bin niemals getauft worden, so viel ich weiß. Ich habe keinen andern Namen als Pfeifer.«

»Armer unglücklicher Knabe!« sagte Jeanie; »was würdest Du thun, wenn Du diesem Orte und dem Tode, der Dir morgen droht, entfliehen könntest?«

»Mich zu Rob Roy oder zum Hauptmann More Cameron schlagen, und Donacha's Tod an Allen und Jedem rächen.«

»O Du Unglücklicher,« sagte Jeanie, »weißt Du auch, was aus Dir wird, wenn Du stirbst?«

»Dann fühle ich weder Kälte noch Hunger mehr!« sagte der Jüngling verstockt.

»Ihn in diesem furchtbaren Seelenzustande hinrichten lassen, hieße Leib und Seele vernichten – und ihn entfliehen zu lassen, darf ich auch nicht wagen – was soll ich beginnen? – Aber er ist meiner Schwester Sohn, mein leiblicher Neffe, unser eigenes Fleisch und Blut, und seine Hände und Füße sind so fest geschnürt, als Stricke sie nur binden können. – Pfeifer, die Stricke schmerzen Dich wohl?«

»Gar sehr.«

»Wenn ich sie Dir nun löste, würdest Du mir kein Leid thun?«

»Nein, Du thatest ja mir und den Meinen nichts zu Leide.«

»Es ist doch vielleicht noch einiges Gute in ihm,« dachte Jeanie, »ich will versuchen, was die Milde über ihn vermag.«

Sie löste seine Bande – er stand aufrecht da, sah mit wild frohlockendem Lächeln umher, schlug die Hände zusammen und sprang in die Höhe, wie außer sich vor Freude, daß er frei war. Er sah so wild aus, daß Jeanie vor dem, was sie gethan, zitterte.

»Laß mich hinaus,« rief er.

»Nicht eher, als bis Du mir versprichst« –

»So sollst Du bald Dich und mich gern hinauslassen wollen.«

Er nahm das brennende Licht und warf es in den Flachs, der sogleich in Flammen stand. Jeanie schrie und lief aus dem Zimmer. Der Gefangene eilte an ihr vorüber, riß ein Flurfenster auf, warf sich hinunter in den Garten, sprang über den Zaun, rannte durch den Wald und erreichte das Seeufer. Das Feuer wurde indessen gelöscht, der Gefangene aber vergebens gesucht. Da Jeanie ihr eigenes Geheimniß nicht verrieth, blieb ihr Antheil an seiner Flucht verborgen. Sein Schicksal erfuhren sie einige Zeit nachher, es war ebenso wild, wie sein Leben bisher gewesen.

Durch eifrige Nachforschungen erfuhr Butler, daß der Jüngling das Schiff erreicht habe, worauf Donacha sich einschiffen wollen. Doch der habsüchtige Schiffscapitain, durch seinen verbrecherischen Handel an jede Art des Verraths gewöhnt, und um die reiche Beute gebracht, welche Donacha an Bord zu bringen versprochen, bemächtigte sich des Flüchtlings und führte ihn gefangen mit nach Amerika, wo er ihn an einen virginischen Pflanzer als Sklaven verkaufte. Auf diese Nachricht schickte Butler eine hinreichende Summe nach Westindien, um ihn loszukaufen; allein diese Hülfe kam zu spät. Der junge Mensch hatte sich an die Spitze einer Verschwörung gestellt, bei welcher sein grausamer Herr um's Leben kam, und war dann zu einem nahen Stamm wilder Indianer geflohen. Man hörte nie wieder von ihm. Vermuthlich lebte und starb er unter diesem rohen Volk, da seine frühere Erziehung ihn so ganz geeignet machte, sich zu demselben zu gesellen.

Da nun alle Hoffnung vorüber war, den Jüngling wiederzusehen und zu bessern, glaubten Butler und Jeanie ihrer Schwester verhehlen zu dürfen, auf wie schreckliche Weise ihr Sohn sich wiedergefunden hatte. Länger als ein Jahr nach jener traurigen Begebenheit blieb sie bei ihnen, und brachte den größten Theil dieser Zeit in tiefem Gram zu. In den letzten Monaten nahm ihre Betrübniß mehr den Charakter des Unmuths und der üblen Laune an, welche die Einförmigkeit des friedlichen Landlebens nicht zu zerstreuen vermochte. Von ihrer frühesten Jugend an genügte es Effie nicht an einer stillen, demüthigen Zufriedenheit. Sehr verschieden von ihrer Schwester, bedurfte sie der gesellschaftlichen Zerstreuung, sich im Leiden zu trösten oder ihre Freude zu erhöhen. Sie verließ Knocktarlitie's Einsamkeit mit den Thränen aufrichtiger Liebe, und überhäufte dessen Bewohner mit Allem, wovon sie glauben konnte, daß es einigen Werth in ihren Augen habe. Allein sie verließ es doch, und als der erste Schmerz der Trennung vorüber war, empfanden beide Schwestern diese Abreise als eine Wohlthat.

Die Familie im Pfarrhause zu Knocktarlitie hörte in ihrer stillen ruhigen Glückseligkeit, wie die reiche schöne Lady Staunton ihre Stelle in der vornehmen Welt wieder eingenommen. Sie empfingen auch bald thätige Beweise davon, denn David erhielt eine Officierstelle, und da der kriegerische Geist des Bibel-Butlers in ihm wieder aufgelebt zu sein schien, machte ihn sein gutes Betragen bald zu höheren Beförderungen geschickt. Ruben widmete sich der Rechtswissenschaft, und stieg langsamer zwar, aber sicherer; Euphemia Butler, deren Schönheit und gute Ausstattung, durch die Großmuth ihrer unbekannten Tante vermehrt, ihr viele Bewerber verschafften, heirathete einen hochländischen Lord, der nie nach dem Namen ihres Großvaters fragte; und so wurde sie bei dieser Gelegenheit von Lady Staunton mit Geschenken überhäuft, welche ihr den Neid aller Schönen in Dumbarton- und Argyleshire zuzogen.

Nachdem Lady Staunton noch etwa zehn Jahre in der vornehmen Welt geglänzt, und wie viele ihrer Genossen ein blutendes Herz unter einem fröhlichen Aeußern verborgen hatte; nachdem sie verschiedene, sehr ehrenvolle Anerbietungen zu einer zweiten Heirath ausgeschlagen, verrieth sie endlich ihre innere Wunde, indem sie sich auf das Festland und in das Kloster zurückzog, wo sie ihre Bildung erhalten. Sie nahm niemals den Schleier, lebte und starb jedoch in strenger Abgeschiedenheit und in der genauen Ausübung des katholischen Glaubens, mit allen seinen Fasten, Bußen und Kasteiungen.

Jeanie besaß so viel von ihres Vaters Geist, daß ihr dieser Abfall bittern Kummer verursachte, und Butler theilte ihr Bedauern. Doch jede Religion, sagte sie, so unvollkommen sie auch sein möge, sei besser als kalte Zweifelsucht oder der betäubende Lärm eines wild zerstreuten Lebens, welcher die Ohren der Weltlichgesinnten erfülle, bis sie für nichts Anderes mehr Sinn hätten.

Glücklich in ihrer gegenseitigen Liebe, in dem Wohlergehen der Ihrigen, und in der Achtung und Freundschaft Aller, die sie kannten, lebte dieses bescheidene Paar von Allen geliebt, und starb von Allen betrauert.

 

Ende des dritten und letzten Theils.

Druck der C. Hoffmann'schen Officin in Stuttgart.


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