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Vierzehntes Kapitel.

Eine Zeitlang, nachdem Butler sich in dem Pfarrhause häuslich niedergelassen, und Jeanie auf der Meierei bei ihrem Vater gewohnt, ward dies würdige Paar, nach langer geprüfter Neigung, durch das Band der heiligen Ehe verbunden. Bei dieser Gelegenheit setzte der alte Deans sich steif und fest allem Geigen und Tanzen entgegen, zu großem Aerger des Hauptmanns von Knockdunder. Er wäre mit keinem Fuß hergekommen, sagte er, hätte er gewußt, daß es solch eine verdammte Quäkergeschichte sein würde.

Ueberhaupt fielen häufig Scharmützel zwischen ihm und David Deans vor, und es wäre vielleicht zu einer dauernden Fehde gekommen, hätte nicht ein Besuch des Herzogs von Argyle zu Roseneath die Sache wieder in's Geleise gebracht. Se. Durchlaucht benahmen sich bei dieser Gelegenheit mit so viel Achtung gegen Herrn und Frau Butler, und zeigten sich auch dem alten Deans so gnädig, daß Knockdunder es für gerathen hielt, sein Betragen gegen diesen zu ändern. Und so lebten sie denn, der Verschiedenheit der Gesinnungen ungeachtet, in ziemlich gutem Einverständniß mit einander.

Jeanie brachte in den Ehestand dieselbe muthige Entschlossenheit, das liebende Wohlwollen, den richtigen Verstand, die Thätigkeit, kurz alle jene schätzenswerthen häuslichen Eigenschaften mit, von denen sie früher die Beweise gegeben. Sie wetteiferte nicht mit Butler an Gelehrsamkeit; aber kein Weib verehrte ihres Mannes Kenntnisse mehr als sie. Und kein Pfarrer der Gegend hatte sein mäßiges Mahl so wohl zubereitet, seine Wäsche in so guter Ordnung, seine Zimmer so reinlich, und seine Bücher so gut vom Staube gesäubert.

Wenn er von gelehrten Dingen sprach, die sie nicht verstand – und er war dann zuweilen etwas sehr ausführlich – hörte sie ihn ruhig schweigend an. Wo es aber das wirkliche Leben betraf, und etwas, das im Bereich eines natürlichen guten Verstandes lag, sah sie schärfer und urtheilte richtiger als er. Wenn es in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen sie dann und wann erschien, auch ihrem Benehmen an erworbener Glätte fehlte, so hegte sie dafür den sichtbaren Wunsch, sich gefällig zu bezeigen, jene wahre natürliche Höflichkeit, die Frucht eines richtigen Verstandes und heitern Gemüths, die ihren Besitzern ein allgemeines Wohlwollen erwirbt.

In einem Zeitraum von fünf Jahren hatte Frau Butler drei Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, alle stark und gesund, mit schönem Haar und blauen Augen. Die Knaben nannte man David und Ruben. Das Mädchen wurde auf besonderes Verlangen der Mutter Euphemia getauft, und Deans und Butler gaben ihr hierin nach, obgleich es ihren eigenen Wünschen entgegen war. Man nannte sie jedoch niemals Effie, sondern Femie, nach einer andern in Schottland üblichen Abkürzung dieses Namens.

In diesem Zustand ruhigen anspruchslosen Glücks gab es nur Zweierlei, was Jeanie's Zufriedenheit störte. Ohne dieses, dachte sie oft bei sich selbst, wäre ihr Leben ein allzu glückliches; und es bedürfe einiges Kreuzes in dieser Welt, damit man erinnert werde, es gebe noch eine zukünftige bessere.

Das Erste waren Streitigkeiten über Kirchensachen, die zwischen ihrem Vater und Butler vorfielen, und sie oft völlig entzweiten. In solchen Fällen machte Jeanie die Vermittlerin. Sie hörte die Klagen Beider an und entschuldigte eher, als daß sie vertheidigte.

»Ihr mögt wohl Recht haben, lieber Vater,« pflegte sie nach einer langen Auseinandersetzung ihres Vaters zu sagen, »aber Ihr kommt doch heute zum Mittagessen herüber? Die Kinderchen sehnen sich recht nach Euch, und weder Ruben noch ich können ruhig schlafen, wenn Ihr böse seid.«

»Ei, böse nicht, Jeanie. Gott verhüte, daß ich auf Dich, oder Einen, der Dir lieb ist, böse sein sollte.« – Und er zog seinen Sonntagsrock an und ging zum Pfarrhause.

Ihrem Manne stellte sie mit zarter Schonung das Alter seines Schwiegervaters, seine beschränkte Erziehung, seine schwer zu besiegenden Vorurtheile, seine mannigfachen Leiden vor. Und Butler zu besänftigen, wurde ihr nicht schwer.

Jeanie's zweiter Kummer war die gänzliche Unbekanntschaft mit dem Schicksal ihrer Schwester. Beinahe fünf Jahre waren verstrichen seit jener nächtlichen Zusammenkunft an dem Ufer der Insel Roseneath. Effie hatte versprochen, wenn sie lebe und es ihr wohlgehe, wolle sie von sich hören lassen. So war sie denn todt oder im Elende, da sie ihre Zusage nicht gehalten. Ihr Stillschweigen war von übler Bedeutung, und gab Jeanie, welche die jugendlichen Jahre des schwesterlichen Zusammenlebens nie vergessen konnte, die peinlichste Besorgniß wegen ihres Schicksals. Der Schleier, der es bedeckte, wurde endlich aufgehoben.

Eines Tages, als Butler mit dem Hauptmann beim Trictracspiel saß, eine Zerstreuung, die er sich zuweilen erlaubte, erhielt Jeanie einen Brief. Da das Postzeichen York darauf stand, glaubte sie, er komme von der Wirthin zu den sieben Sternen, Frau Bickerton, mit welcher sie aus einem Gefühl der Dankbarkeit immer in einiger Verbindung geblieben war, so wie auch mit der guten Frau Glas im Dornbusch zu London.

Sie öffnete ihn. Ein Blick hinein zeigte ihr, daß er von einer andern Hand komme, und sie zog sich schnell in ihr Schlafzimmer zurück, um die für sie so bedeutenden Zeilen ungestört zu lesen.


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