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Achtes Kapitel.
Der Festraum

Der für die Versammlung der Jubilare bestimmte Raum hatte früher als Hauskapelle des Klosters gedient, war im gotischen Stil erbaut, hoch und fest gewölbt und für den Zweck des Festes ausnehmend geeignet. Von Altar, Hol- und Steinbildern fand sich keine Spur mehr in diesem Raum, nur ein besser ausgeführtes als gedachtes Deckengemälde, das Jüngste Gericht darstellend, war noch ziemlich gut erhalten, und an der Wand, wo einst der Altar gestanden, fanden sich noch zwei wohlerkennbare Apostelgestalten, davon die eine, mit Schlüssel und Kirche, Petrus darstellte. An den Seitenwänden erschienen hie und da erblasste Farbenstellen, welche bei einiger Aufmerksamkeit als Teile von Mönchshabiten und verzückten Heiligenköpfen zu erkennen waren. Die Kanzel, ein rechts vom Altare nach dem Mittelschiff gezogenes Emporium, ferner eines über dem Haupteingang in die Kapelle, wo sich einst die Orgel befunden hatte, waren noch in gutem Stande, wogegen die Steinarabesken der Fenster ganz zerstört und die früher sehenswerten Glasgemälde derselben verschwunden waren. – Hilarius hatte durch schicksame Arbeiter aus Thalbrücken Decke und Wände sorgfältig säubern, den stellenweise gehäuften Schutt von dem leidlich erhaltenen Steinfußboden entfernen lassen; dann wurden die Fensteröffnungen mit frischem Blättergrün geschmückt und dabei für das nötige Licht und einen der warmen Jahreszeit entsprechenden Luftzug Raum gelassen, die Emporien und die Kanzel erhielten Einfassungen von Festons. Da die Wände in der Nähe des Fußbodens schadhaft waren, mussten junge Fichten nebst Buchen- und Birkenästen herbeigeschafft und rundherum in hübscher Abwechslung aufgestellt werden, zwischen denen stellenweise eine Blumenpyramide sich erhob, die mit der nächsten Pyramide rechts und links durch Blättergewinde in Verbindung blieb. Die Wandstelle des einstigen Altars bis zur Höhe des Tabernakels hatte Hilarius mit Blättergrün in der Art schmücken lassen, dass die Umrisse eines Altars zum Vorschein kamen, welche einen eigentümlichen Hintergrund bildeten zu einem Baumheiligen, einer Ulme, welche vor dem Altare gerade da, wo der Priester einst bei der heiligen Handlung sich bewegte, aus dem zerklüfteten Boden zu Manneshöhe wundersam aufgewachsen war. Vor der Ulme erhob sich eine geschmückte Rednerbühne, darunter der Präsidentenstuhl, von welchem aus sich eine lange Tafel durch den Festraum zog, geziert mit frisch gebundenen Blumensträußen. – Am Festmorgen, kurz vor der Katastrophe im Garten, war auch die von Hilarius bald nach seiner Ankunft verfasste und einem Schriftenmaler in Thalbrücken übertragene Festinschrift fertig geworden, die, an der Rednerbühne angebracht, also lautete:

Den Pilgern, die aus Kämpfen und Gefahren
Des Lebens siegreich wiederkehren,
Treu ihrem Ideale wie vor Jahren:
Willkommen! Heil! Und Sieges-Ruhm und Ehren!


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