Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Siebentes Kapitel.
Daheim im Garten

Am nächsten Morgen saßen im Garten des Schlosses Jeneveldt zwei ehrwürdige Frauen mit weiblichen Arbeiten beschäftigt und schienen trotz des Ernstes, der auf ihren Mienen lag, sich inneren Friedens zu erfreuen.

Mutter Jeneveldt und Frau von Vollwarth hatten sich bald nach dem Frühstück ins Freue begeben, um ihr Lieblingsplätzchen aufzusuchen, welches ihnen den kühlen Schatten eines Kastanienbaume und die weite Rundschau nach jener Gegend gewährte, woher Jeneveldt bei seiner Heimkehr kommen musste.

Obwohl sie ihn heute keineswegs erwarten durften, so geschah es doch nicht selten, dass eine oder die andere der Frauen unwillkürlich ihr Auge nach der fernen Straße richtete.

Man redete sich gegenseitig ein, dass es gute Nachrichten sein müssten, welche Herr von Jeneveldt aus der Stadt mit heimbringen würde.

»Ich hoffe, Vater und Sohn haben sich gesehen und sich das Herz durch Mitteilungen erleichtert«, sagte Frau von Jeneveldt nach einer Pause einmal, indem sie eine Glasperle mit der Nadel fasste und sie am Seidenfaden hinuntergleiten ließ – »ach, hätte sich nur annähernd im Voraus ermessen lassen, wie weit unsern Vorstellungen Gehör gegeben würde, ich wäre nicht zurückgeblieben, um von all' den Schmerzen und Freuden des Wiedersehens mein Teil in Anspruch zunehmen!«

»Nun, meine Liebe«, erwiderte Frau von Vollwarth, einen Blick auf das Häkelmuster vor sich werfend, »ich hoffe, aus dem Nachgenuss dessen, was Dein Mann in der Nähe Deines Sohnes erlebt, soll uns Freude zuteilwerden. Lass' uns also zufrieden sein und das Gute mit Geduld und heiterem Herzen erwarten.«

Es trat eine Pause völligen Schweigens ein.

Dann blickte Frau von Vollwarth von ihrer Arbeit auf; ihr Auge suchte diesmal nicht die ferne Straße nach der Stadt, sondern forschte nach dem breiten Sandwege des Gartens, der bald offen und gerade, bald in Windungen hinter Gebüsch um das Schlossgebäude lief.

Auf diesem Wege gingen seit länger als einer Stunde zwei Personen hin und wieder, welche in ein Gespräch vertieft, keine Anstalt machten, zu ihrer früheren Gesellschaft, den beiden Frauen, zurückzukehren.

Diese Personen waren Friedrich Erbacher und Mathilde Vollwarth; sie hatten sich im Augenblicke tiefer als zuvor nach dem Garten verloren.

Frau von Vollwarth, vergebens bemüht, die Wandernden zu entdecken, ließ ihr Auge wieder auf die Arbeit fallen und sagte lächelnd:

»Nun, es scheint, dass wir heute auf die Gesellschaft der Kinder schon verzichten müssen. Denn sie scheinen über allerlei Gespräch warm geworden und uns ganz und gar zu vergessen.«

»Seien wir froh«, erwiderte Frau von Jeneveldt, unwillkürlich auch einen Blick nach dem Gartenpfade werfend – »Die Bekanntschaft und das Zutrauen der jungen Leute ist endlich in Zug gekommen und wird nach unseren besten Wünschen Früchte tragen. Deine Tochter ist seit gestern um vieles gefasster und heiterer als vorher; ich habe Dir ja gesagt, unser Fritz werde nicht nur uns, auch Deiner Tochter ein wahrer Tröster werden.«

»Ja, gewiss verdankte Mathilde ihre auffallende Erholung dem kurzen Umgang dieses trefflichen jungen Mannes«, sagte Freu von Vollwarth: »Wie ruhig, wie fest stand er am Verlobungsmorgen mitten im allgemeinen Jammer da! Wie schwer entschloss er sich, eine Klage laut werden zu lassen! Sein Charakter ist eine granitene Säule, an welcher sich das klagende Gemüt meiner Tochter halten und aufrichten kann. Anfangs – ich will es nur gestehen – war ich etwas zweifelhaft, was ich von der Zurückhaltung des jungen Mannes denken solle; nun aber ist mir alles klar. Er ist ein Feind der Phrase und geht selbst in den Tröstungen des Nächsten nicht weiter, als er soll.«

Frau von Jeneveldt nickte diesen Worten Beifall.

Um ihren Augen, die von der Stickerei etwas angegriffen waren, einige Erholung zu gönnen, richtete sie sich empor und lehnte sich in ihrem Stuhle zurück.

»Wenn ich noch eine Bemerkung, die mir in der Stille zu schaffen macht, gerade heraus sagen soll«, fügte sie hinzu – »so ist es diese: Friedrich Erbacher war bisher beflissener, über Mittel und Wege zu Ottos Befreiung nachzudenken, als Trostesworte zu ersinnen, die, kaum heraus gesagt, wieder vergessen werden.«

Bei diesen Worten haftete das Auge der Sprechenden mit einiger Überraschung auf dem Randgitter der Plattform des Daches, wo das Windspiel mit lustiger Leichtigkeit sich so emporgerichtet hatte, dass es mit den Vorderbeinen auf der oberen Querstange des Gitters ruhte und frei umher in die Gegend blicken konnte.

»Ei!« sagte Frau von Jeneveldt bei diesem Anblick, »wenn ich nicht irre, so ist der eigentliche Bote erschienen, wo wir bald auch die liebe Jugend suchen sollen – sieh dort hinauf – das Windspiel nimmt sich wahrlich so lustig aus wie ein bloßes Spiel des Windes!«

Und richtig erschienen Friedrich und Mathilde bald darauf in lebhaftem Gespräche auf der Plattform; sie schienen die freie Aussicht über die Gegend nicht sofort zu suchen, denn sie gingen sprechend bin und wieder.

»Die liebe Rüstigkeit der Jugend!« rief Frau von Vollwarth, die Wanderer erblickend, »wohin wir nicht ohne Mühe uns versteigen würden, gelangt sie ohne Schwierigkeit unmerklich im Gespräch und atmet kaum lebhafter vor Beschwerde, als wenn sie ihre Wanderung auf ebenem Boden fortgesetzt hätte. Was mögen sie nur so lebhaft miteinander verhandeln?«

Ein Teil des Gespräches, den wir hören wollen, sei die Antwort auf die Frage …

»Nun denn«, sagte Friedrich eben, seine Begleiterin ermunternd, dass sie ihre Andeutungen über Geschichte und Architektonik des Schlosses, die sie hatte fallen lassen, weiter ausführe: »Sie haben meine Neugierde erregt und werden sie nicht mitten in ihrer Erwartung stecken lassen. Nun denn, die Anwendung, die Folgerungen!«

»Also« – fuhr Mathilde nach kurzem Bedenken fort, und eine fliegende Röte bezeichnete ihren Eifer wie ihre Befangenheit – »Ich scheide und erkläre die Perioden dieses Schlosses ungefähr so. Einige wesentliche Teile des Gebäudes stammen aus den Zeiten des alten Rittertums, und verlässliche, wenn auch färliche Traditionen melden, dass hier hundert Jahre lang ein und dasselbe Rittergeschlecht gehaust und einige Male durch große Tapferkeit, noch öfter durch grauenhafte Wildheit sich ausgezeichnet hat. In den Stürmen der Folgezeit ist dieses Geschlecht gleich hundert anderen von der Erde verschwunden, und von den Mauern dieser Burg blieben nur unbewohnte Trümmer zurück. Solange das Rittertum hier seinen Tummelplatz hatte: Was mochte wohl an der Stelle Ihres blühenden Dörfleins da unten gestanden haben? Höchst wahrscheinlich wenige arme Hütten, deren Bewohner in vollständiger Abhängigkeit, ja bezeichnen wir es besser, Sklaverei – zu den Rittern des Schlosses standen. Ihre Ansiedlung, ihren Unterhalt verdankten sie nur der Gnade des Herrn, die solche Sklaven brauchten, um sich ernähren zu lassen, und wenn es Fehde gab, in jenen Hütten tüchtige Fäuste für den Krieg zu finden. Um es kurz zu sagen, es war die Zeit – hier oben der unbeschränkten Freiheit ober besser schrankenlosen Willkür, dort unten vollendeter Sklaverei …«

»Ich stimme bei«, sagte Friedrich.

»Wir gehen weiter«, fuhr Mathilde fort: »Dieser Rittersitz wurde endlich ein Opfer der Zerstörung, die Ruinen blieben stehen, Menschenalter lange ein Schrecken der Phantasie; wie ein Fluch lastete ein trübes Verhängnis über dieser Stelle und schien auch unten im Tale kein freudiges Leben blühen zu lassen. Da erhebt sich jenseits dieser Berge das Kloster Sankt Emeran, im weitesten Umkreis macht die Sorge des Mönches sich fühlbar und weiß sich Menschen und Ländereien dienstbar zu machen – auch dieser Platz behagt dem Auge und der nutzbringenden Absicht des Klosters; man weiht und reinigt diese Stelle der Barbarei und baut sich mit weiser Benützung alter Mauern hier ein Klosterschlösslein, die Gemächer werden wohnlich und die Keller weit; die Mönche Sankt Emerans wandern oft zu Fuß oder reiten auf Eselein herüber und freuen sich hier des Lebens besser als daheim in ihren Zellen, weshalb man dieses Haus auch Aderlassschlösslein nennt, um sich die alte Üppigkeit abzuzapfen, damit die neue Raum gewinne! … In dieser Zeit nun – wie mag es da um Ihr liebes Heimatdorf gestanden haben? Es ist anzunehmen, der Mönch verstand es besser als der Ritter, den Fleiß der Menschen zu fördern, aber er verschmähte es auch nicht, ihn ebenso gut, wenn auch in besserer Form und unter sanfteren Vorwänden auszubeuten. Sehr wahrscheinlich zog das Kloster Kolonisten her, baute Hütten und Häuser auf, schaffte Werkzeuge und Haustiere – aber behielt sich vor, den Pachtzins zu bestimmen, den Zehent zu nehmen und hundert fromme Forderungen und Gaben für alle Zeit sich zu bedingen. Eine neue Ära also brachte diese Klosterherrschaft – allein oben hauste doch die Willkür fort, und unten gab es – Pächter statt Leibeigenen, schwer bedrückt wie ihrer Zeit Sklaven!«

»Ganz gut, ganz gut«, bemerkte Friedrich, der in Gedanken seiner Nachbarin vorauszueilen sichte.

»Die Stürme der Reformation«, fuhr Mathilde fort – »machten endlich auch der Klosterherrschaft ein Ende, Sankt Emeran, der Muttersitz, ward verlassen, und die Tochter, dieses Klosterschlösslein, stand ohne Herrn. Schon hausten abermals Wind und Wetter in diesen Mauern, als sich spät erst ein neues Geschlecht hier zeigt und, ungewiss mit welchen Rechten, Besitz ergreift von diesem Hause, es wohnlich zurecht macht, neue Flügel baut und sich herrschaftliche Befugnisse anmaßt; die Zeit des Epigonen-Rittertums, des Adels, ist angebrochen. Zwar geht man nicht so weit, dem Dörflein unten, das durch die herrenlosen Jahre zu eignerem Leben gediehen ist, unter so nackten Vorwänden wie einst, das Recht des Eigentums zu bestreiten, allein man findet Namen, die sich milder hören lassen – man heißt nun Servitute, Frohnden, Mortuarien, was man nicht Sklavenleistung nennen will. Abermals gehen Jahrhunderte vorüber, und nebst vielen Rechten sind dem Dorfe jetzt auch Wald uns Fluss und ein freier Weideplatz genommen. Der Herr des Schlosses verkehrt mit den Bewohnern im Tale so rau wie der Eisenritter grauer Vorzeit, und wenn er mitten durch das Saatfeld des Untertans der Pferde seine Hasen jagt, so schlägt der Bauern gut sein Kreuz, als wäre ihm der Fürst der Unterwelt erschienen … Doch auch diese Zeiten sind vorübergegangen; ein bedeutsames Schicksal hat die von Unrecht sich nährenden Stammbäume hier nicht bleibend wurzeln lassen; von Hand zu Hand wanderte dies Haus, und was sich als Besitz dazu gefunden; mildere Zeiten sind gekommen, und ein redliches Gesetz hat die schlimmen Flecken der Menschheit vertilgt – die barbarische Ausbeutung fleißiger Menschen ist verschwunden – seit einem Jahrzehnt wohnen hier oben die Menschlichkeit und das Behagen, das glücklich abgegrenzte Recht und die Zufriedenheit mit dem, was man ehrlich gekauft und was der eigene Fleiß vermehrt; der Herr im Schosse oben ist nur ein reicherer Bürger als der Bauer im Dorfe des Tales und …«

Mathilde nahm ihr Halstuch von den Schultern, da ihr warm geworden …

»Und«, fuhr sie fort, »der Sohn des Schlosses verkehrt jetzt mit dem Sohne des Landmannes, Hass und Argwohn sind verschwunden – unter einem Gesetzte große geworden und einer Bildung zugänglich, werden Bündnisse, Freundschaften geschlossen, eine Erquickung selbst für höhere Wesen! … Wahrlich, Erbacher – wenn etwas unser milderes Jahrhundert schön bezeichnet, so ist es die Betrachtung, dass nun hier oben und dort unten gleichberechtigte Menschen wohnen – dass zwischen Ihnen, dem Sohne des Dorfes, und Otto, dem Sohne des Schlosses, eine Freundschaft möglich war, die Ihresgleichen sucht! …«

Friedrich schwieg eine Weile, dann sagte er:

»Mein Fräulein, Sie hätten mir nicht besser beweisen können, wie würdig Sie die kurze Zeit Ihres Hierseins angewendet haben, Ihr schöner Enthusiasmus für Recht und humanen Fortschritt muss den Hörer freuen und bewegen … Was Ihre Schlussanwendung anbelangt, so erlauben Sie mir, einige Bemerkungen zu machen … Es ist nicht notwendig, dass eine Zeit der Rechtsgleichheit und Aufklärung eingetreten sei, damit, was zu den Grundeigenschaften unseres Wesens gehört, wie die Liebe und Freundschaft, im Leben zur Geltung komme. Denn wir haben Beweise genug, dass gerade die Zeiten der traurigsten Rechtsverhältnisse oft die erhabensten Beispiele von Freundschaft wie funkelnde Sterne aus dem Dunkel der Geschichte hervorleuchten, wir finden römische Kaiser und hervorragende Weise des Altertums so im Bunde der Freundschaft mit ihren Sklaven, dass wir sie als Muster aller Zeiten anführen können. Die Gesetze sind es also wenigstens nicht allein, welche den Menschen die schönen Seelenverbindungen möglich machen, denn die besten Gesetze haben den Menschen leider oft nur zu wenig in ihrer Macht, aber auch die schlechtesten Gesetze vermögen ihn, Gott sei Dank, nicht immer ganz zu entwürdigen. Aber indem schlechte Gesetze ein Zeitalter im Allgemeinen herunterbringen, verengen sie den Kreis schöner Menschlichkeit, töten im Keime tausend Sprossen der Tugend und reiner Leidenschaft, zerstören das allgemeine Saatfeld des Guten und Schönen und lassen nur einzelne Halme in versteckten Furchen zurück, während gute Gesetze Wohlstand und Bildung verbreiten, den Boden des Guten und Schönen pflegen, aber auch nicht hindern können, dass unbestimmbare Verhältnisse hier einen trefflichen Keim, dort eine erwachsene Ähre verderben. Noch haben wir auf Erden lange Wege der Gesetzlichkeit und Bildung zurückzulegen, bis wir sagen können, das Glück und die Nächstenliebe seien durch Bürgerfreiheit allgemein geworden; so schön und gerecht auch die Grenze des Rechts abgesteckt, so groß und allgemein die Ermunterung zum Guten sein mag, die Neigung der Menschen zueinander, die Harmonie der Seelen werden ihre Selbstbestimmung nie aufgeben, und der Hass wird seinen Schauplatz finden in den herrlichsten Zeiten des Lichtes, wie die Liebe uns entgegen leuchtet aus Zeiten tiefster Finsternis … Darum, mein Fräulein, ist es wohl nicht gerade ein bloßes Zeichen unseres aufgeklärten Jahrhunderts, sondern vielmehr eine seltene Gunst der Umstände, ein glückliches Verhältnis zweier Familien zueinander, dass eine Freundschaf zwischen Otte und mir zu Stande kam. Weil man im Schlosse, statt mit Stolz, mit Freundlichkeit entgegen kam, war man auch im Hause des Landmanns nicht von Trotz und Vorurteil befangen; die Kinder – ach, was will bei Kindern Standesunterschied besagen, wenn er nicht mit Absicht beigebracht wird – die Kinder fanden sich zuerst in ihren Spielen, Freud und Leid, der gleiche Bildungsgang vollendeten die Neigung zweier Herzen, die für einander geschaffen waren … Aber«, fügte er nach einer Pause hinzu, »der Maßstab für den wahren Wert einer Freundschaft – unserer Freundschaft – mag für jetzt noch schwerlich anzugeben sein …«

Mathilde hörte die letzten Worte kaum, ihr Herz war voll!

Sie lenkte ihre Schritte, die langsamer wurden, dem Gitter der Plattform zu, als wolle sie den Schauplatz, dessen geschichtlichen Umriss sie eben gezogen, überblicken, allein es war ihr nur darum zu tun, eine Träne unbemerkte zu zerdrücken.

Friedrich folgte ihr und schien die Sehnsucht nach einem Blick in die Gegend zu teilen; er merkte die Bewegung seiner Nachbarin wohl, allein er wusste, dass sie geschont sein wolle, und leitete das Gespräch auf einige Charakterformen der Gegend und von diesen auf die tiefe Wechselwirkung zwischen einer Landschaft und deren Bewohnern.

Mathilde versank tiefer in Gedanken und hörte nur halb, was Friedrich sprach.

Sie dachte an die Worte ihrer Mutter während ihrer Ankunft am Verlobungsmorgen –

»Mutter, Mutter«, sprach es in ihrem Herzen, »bedeutet die wundersame Regung, die ich beim ersten Anblick dieser Gegend empfand, nun noch die schönen Tage der Zukunft, die ich hier verleben werde? …«

Aber als erschrecke sie plötzlich über solche Gedanken, suchte sie schnell ihre Fassung wieder und sagte, als Friedrich eben eine Bemerkung beendet:

»Ja, ja, Sie haben recht, Erbacher, ganz recht – der Liebe und Freundschaft, jeder höheren Empfindung war und wird es jederzeit möglich sein, sich geltend zu machen, wie auch die Verhältnisse von außen widerstreben!«

Friedrich lächelte über den verspäteten Beifall seiner Worte, und da er eben nach dem Garten sah und bemerkte, dass der Postbote unten stand, welcher eben einen Brief übergab, so ließ er jede Bemerkung fallen und sagte nur:

»Ei, während wir hier unseren Philosophien nachhängen, ereignen sich unten Dinge, die vielleicht von Wichtigkeit sind! Wollen wir hinab, mein Fräulein, und sehen, was gekommen ist?«

»Freilich, freilich! Vielleicht ein Brief von Jeneveldt …«

»Jedenfalls eine Nachricht von Interesse, da ich Ihre Mutter den Brief uns zeigen und mit demselben winken sehe!«

Der Zwischenfall war den beiden schon deshalb willkommen, weil sie Zeit gewannen, mancher dringenden Gefühle wieder los zu werden.

Munter und neugierig eilten sie denn die breiten Steintreppen hinunter – das weiße Windspiel mit leichten, unhörbaren Sätzen voran …


 << zurück weiter >>