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Im Netz

Als ich nach Hause komme, empfängt mich meine Hausfrau besorgt. »Es ist ein fremder Herr hier«, sagt sie, »er wartet auf Sie schon seit einer halben Stunde, und ich hab Angst, etwas an ihm stimmt nämlich nicht. Er sitzt im Salon.«

Ein fremder Herr?

Ich betrete den Salon.

Es ist Abend geworden, und er sitzt im Dunklen.

Ich mache Licht.

Ach, Julius Caesar!

»Endlich!« sagt er und illuminiert seinen Totenkopf.

»Jetzt spitzen Sie aber Ihre Ohren, Kollega!«

»Was gibts denn?«

»Ich habe den Fisch.«

»Was?!«

»Ja. Er schwimmt schon um den Köder herum, immer näher – heut nacht beißt er an! Kommen Sie, wir müssen rasch hin, der Apparat ist schon dort, höchste Zeit!«

»Was für ein Apparat?«

»Werd Ihnen alles erklären!«

Wir gehen rasch fort.

»Wohin?«

»In die Lilie!«

»In wohin?«

»Wie sag ichs meinem Kinde? Die Lilie ist ein ordinäres Animierlokal!«

Er geht sehr rasch, und es beginnt zu regnen.

»Regen ist gut«, sagt er, »bei Regen beißen sie eher an.«

»Hören Sie«, schreie ich ihn an, »was haben Sie vor!«

»Ich erzähl alles, sowie wir sitzen! Kommen Sie, wir werden naß!«

»Aber wie kommen Sie dazu, den Fisch zu fangen und mir nichts zu sagen?!«

»Ich wollte Sie überraschen, lassen Sie mir die Freud!« Plötzlich bleibt er stehen, obwohl es jetzt stark regnet und er große Eile hat.

Er sieht mich sonderbar an und sagt dann langsam: »Sie fragen«, und mir ists, als betonte er jedes Wort, »Sie fragen mich, warum ich den Fisch fange? Sie haben mir doch davon erzählt, vor ein paar Tagen – erinnern Sie sich? Sie haben sich dann an einen anderen Tisch gesetzt, und es fiel mir plötzlich auf, wie traurig Sie sind wegen dem Mädel, und da war es mir so, daß ich Ihnen helfen muß. Erinnern Sie sich, wie Sie dort an dem Tisch gesessen sind – ich glaube, Sie schrieben einen Brief.«

Einen Brief?!

Ja, richtig! Den Brief an meine Eltern!

Als ich es endlich über mich brachte: »Gott wird schon helfen« – Ich wanke.

»Was ist Ihnen? Sie sind ja ganz blaß?« höre ich Caesars Stimme.

»Nichts, nichts!«

»Höchste Zeit, daß Sie einen Schnaps bekommen!«

Vielleicht!

Es regnet, und das Wasser wird immer mehr.

Mich schaudert.

Einen winzigen Augenblick lang sah ich das Netz.


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