Andreas Gryphius
Papinian
Andreas Gryphius

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Der Cämmerer. Julia. Laetus. Die Diner der Käyserin.

So ists Princess' Ich liff in höchster eil voran.
Man bringt Jhr was Sie sucht. Wo Rach' erquicken kan;
Und deß Verräthers Blutt den heissen Zorn mag dämpffen/
Den Sie so grimmig fühlt mit Jhren Schmertzen kämpffen;
So gönne Sie der Welt der hellen Augen Licht
Und wisch umb was ergetzt' Jhr weinend Angesicht.

Julia.
O Götter! O! daß Wir zu sparsam vor gebeten!
Wir solten seine Zucht mit disen Füssen treten!
Mit seiner Kinder Blutt beflecken seine Brust /
Erröten seine Stirn' / erfrischen unsre Lust.
Doch scheint uns Titan noch! Wir hören das gedränge/
Das poltern und geräusch' hir abgeschickter menge /
Thut auff! das Wild ist dar! Treuloser! stehst du hir!
Da Ertz-Verräther du / voll wüttender Begir /
Hast mit Severus Blutt den frechen Mutt gekühlet /
Mit deines Fürsten Kopff und unsrer Macht gespilet /
Und durch deß Brudern Faust deß Brudern Hertz durchrennt/
Kind / Mutter / Bruder / Fürst / und Fürst und Reich zutrennt.
Befleckt das Recht der Welt / nach derer Qual gerungen
Durch welcher Beystand dir dein Will' und Wuntsch gelungen.
Jtzt schwebst du Segel-loß! jtzt splittert Mast und Schiff/
Das leider was zu früh' auff unser' Angst außliff.
Jtzt lodert dir die Glutt zu der du Pech getragen.
Der Donner der uns traff hat auff dich loß geschlagen.
Du sihst dein letztes Zil und kanst gar leicht verstehn;
Wie bluttig dir noch heut der Tag werd' untergehn.

Laetus.
Ich seh's! und ich versteh's! und bin bereit zu tragen
Was ein ergrimmtes Weib / durch Leid getrotzt / kan wagen.
Komm Löwin Syriens! schlag' hir die Klauen ein!
Ich poche Tod und dich. Der Leib / die Brust ist dein /
Nicht mein behertzter Geist / der sich zu leben schämet /
Nun ein verlockter Fürst sich deiner Gunst bequemet /
Und was Jhm einig treu' auff deine Thränen wagt /
Komm! Laetus den du suchst; gewehrt sich unverzagt.

Julia.
Hört wie das Unthir noch in seinen Banden rase!
Und grimmig Gall' und Gifft als Sinnen-loß außblase!
Erkennt er seine Schuld? Bemüht er sich durch Bitt
Zu lindern ein verletzt / doch tugendreich Gemütt?

Laetus.
Ich! solt Ich dir? Die du nicht eins verzeihen können/
Zu meiner letzten Schmach vil sanffter Worte gönnen?
Und schmeicheln deinem Haß? Nein! bilde dir nicht ein;
Daß Laetus dir noch werd' anjtzt fußfällig seyn!

Julia.
Fußfällig! nicht nur uns / auch unsers Fürsten Leichen!

Laetus.
Eh wirst du mit der Hand biß an die Sterne reichen.

Julia.
Wir haben vor den Trotz wol Mittel an der Hand /

Laetus.
Die hat jtzt Laetus selbst / gebt uns deß Fürsten Pfand!
Gebt sein geschencktes Gifft! gebt Strang und Dolchen wider!
Die freye Seel' ergrimmt und bricht der schwachen Glider
Verrathen Wohn-Haus ein!

Julia.
        Begehrst du denn den Tod?

Laetus.
Das Ende meiner Pein und hart-gespannten Noth.

Julia.
Der Mörder sucht numehr den Tod als ein Geschencke.

Laetus.
Er sucht / doch nicht von dir! Ich weiß dein wütten kräncke:
Daß mich der Menschen Recht nur einmal sterben läst /

Julia.
Den einfach-kurtzen Tod hält lange Marter fest.

Laetus.
Was hält dich denn zurück? Erfülle dein Beginnen!

Julia.
Was soll man auff die Schuld vor eine Straff ersinnen?

Laetus.
Ersinnen? Geh allein hirauff mit dir zu Rath.
Wie strafft dein Vaterland Leib-eigner Missethat?

Julia.
Für solche Knecht' in Rom sind Creutzer zu geringe.
Und glüend Blech / und Hartz und Brand die Pest der Dinge.

Laetus.
Diß alles fühlt wer dich unröm'sche Sclavin siht.

Julia.
Du sihst uns nur zu lang' indem die Freyheit blüht.

Laetus.
O daß Sever dich nie / Rom nimmermehr gesehen!

Julia.
Rom siht uns stets! du jtzt! bald wird es nicht geschehen!

Laetus.
Wol Augen fast zu letzt ein schrecklich Ebenbild
Deß grimmsten Weibes ein; wie blickert Sie so wild /
Auff dis' auf jene Seit'? Als wenn die Blutt-Cometen
Mit überhäufftem ach und Jammer / Mord und tödten/
Bedräuen Land und See / das Wang' jtzt blaß / jtzt roth /
Entdeckt deß Hertzens-Gifft / daß ungeheure Noth /
Durch alle Glider prest / schaut wie die Lippe zitter!
Wie sich die Grausamkeit auff jedem Haar erschütter!
Wie Arm und Hand erbeb! und Knie und Fuß sich reg!
Wie hitzig sich die Brust auff kurtze Lufft beweg!
Erzörnte Julie! versöhne dein Gemütte!
Das Opffer ist schon hir! komm! komm Princeß! ich bitte
Geuß mein begehrtes Blutt auff deiner Seelen Brand!
Du göldnes Licht ade! reiß nun mit strenger Hand
Die starrend Augen auß / die nichts zu sehn entschlossen/
Biß du dein Trauer-Kleid mit meinem Blutt begossen.

Julia.
Wie? Soll dein schändlich Blutt besprützen unser Hand?
Beflecken diesen Arm / und unser Traur-Gewand?
Nein Götter! solt jemand sich mit vergifften Drachen
An reiner Opffer-Stadt zu eurem Tempel machen?
Nein! schleuß die Augen nicht! du sollst noch etwas sehn/
Das weil der Erden Grund geleget / nicht geschehn.
Wir wollen dir den Sitz der ärgsten Boßheit zeigen.
Denn magst du / wo du kanst / die frechen Augen neigen.
Stracks Diner! macht jhn fest!

Laetus.
        Unnöthig! last mich stehn!
Last aller Marter Macht auff meine Glider gehn!
Es zeuge wer es siht! daß Ich mehr Qual zu tragen
Behertzt: Denn Julie gefast mir vorzuschlagen.

Julia.
Entblöst die tolle Brust / drinn keine Redli[ch]keit/
Je einen Sitz erkor.

Laetus.
        Zertrennt! zersprengt diß Kleid!
Beschaut! die Brust ist bloß! doch überdeckt mit Wunden/
Durch die Sever den Thron / und du die Cron gefunden.

Julia.
Rückt deß Verräthers Hertz auß dem zuschlitzten Leib!

Laetus.
Seyd munter! rückt es hin! diß heist ein rasend Weib!
Laß in der Adern Brunn / laß (weil ich so soll sterben!)
Laß Sclavin Syriens dir neue Purpur färben.

Julia.
Entweiche Phaeton! diß Hertze kömmt ans Licht /
In dem der gantze Styx! verdeckt eur Angesicht
Jhr Kertzen jener Welt! Diane lauff zurücke
Ob disem Greuel-Nest! du einig! du erblicke
(Wo du noch etwas kanst /) was Reich und Land verflucht.
Er athemt! er vergeht! die tolle Seele sucht
Selbst sich von disem Sitz der Boßheit wegzumachen.
So müss' es allen gehn die mit vergifftem Rachen
Begeyfern Thron und Cron / vergällen See und Welt /
Zertrennen was das Band so nahen Blutes hält /
Zerrütten Hof und Stat / zerdrümern Reich und Stände/
Zersplittern so Paläst' als die verachten Wände
Verhetzen Kind auff Kind / erbittern Haus auff Haus
Und kehren grosse Reich' in Funcken / Asch und Graus /
So müss' es allen gehn! seyd Götter! seyd gebeten
Last uns mit disem Fuß auff aller Scheitel treten /
Als auff deß Mörders Hertz / die zu der Missethat
Deß Fürsten je gedint / mit Vorschub / Mut und Rath.
Jhr die gerechter Rach' habt eure Faust gelihen:
Heist die beschimpffte Leich' in scharffen Hacken zihen /
Wo ewig stete Schmach / die grause Staffeln baut
Dem / dem vor keiner Schand' und keiner Unthat graut.
Deß Ertz-Verräthers Hertz / gebt (damit all erkennen
Was solch' Anstiffter werth) Nachrichtern zu verbrennen.

 

Reyen der Hofe-Leute.

Erster Satz.

Verirr'te Seelen sprecht! sprecht mehr daß freche Sünden/
Nicht Straff' und Richter finden.
Ob gleich die Themis nicht
Stracks Hals und Haubt abspricht /
Wenn der verlockte Geist
Durch alle Schrancken reist /
Und mit getrotztem Mut die Götter scheint zu pochen /
Die ernste Rach' erblickt
Und martret und zerstückt
Ein Haubt das Frevel-voll und sonder Furcht verbrochen.

Erster Gegen-Satz.

Wahr ists! der schnelle Blitz bricht stracks nicht durch die Lüffte /
Wenn man mit Mord und Giffte
Nach Cron und Zepter ringt /
Wenn man / was recht / verdringt /
Wenn man mit falschem Rath
Befördert eine That
Ob der der Himmel-Baw muß zittern und erkrachen /
Astree kennt das Zil /
Wenn sie (O Trauer-Spil!)
Sich soll mit Donner-Knall und Sturm zur Rach' auffmachen.

Erster Abgesang.

Indessen wird der Mensch der durch die Schuld beschwertzt.
Durch sein erhitzt Gewissen /
Gefoltert und gerissen
Wie munter sein Gesicht / wie hoch er auch behertzt.
Er zittert vor sich selbst und bildet stets ihm ein
Die nächste Morgen-Röt' erfoder jhn zur Pein /
Die süsse Nacht die all erquicket /
Hab jhm schon Netz und Garn gestricket.
Jhm rückt der schweren Träume Hauff /
Unendlich sein Verbrechen auff /
Und mahlt jhm Räder vor / und Zang und Glut und Pfal /
Und grause Werckzeug herber Qual.

Der Ander Satz.

Bestürtzte! diß sind Träum': Ob euch itzt Dornen stechen!
Es wird ein Licht anbrechen /
An dem ein glantzend Schwerdt /
Ein glüend eisern Pferd /
Und Pech / und Bley und Hohn /
Als längst verdinter Lohn;
Euch auff dem Schaw-Gerüst soll aller Welt darstellen.
Wenn bey der Sonnen steht
Den Laster hat erhöht
Muß jhn die Straffe doch in tiffste Noth verfallen.

Der Ander Gegen-Satz.

Doch pflegt das Weter offt in frische That zu schlagen /
Daß wir den Rath beklagen /
Den zu Schmertz und Gefahr
Der falsche Geist gebar.
Wer andern Netz aufstellt
Verwirr't sich und verfällt
Offt in die selbte Klufft / die er hiß frembden graben.
Wer mit dem Laetus läufft /
Der jtzt in Blutt vertäufft
Lern' auff dem Glätt-eiß heut umb etwas sänffter traben.

Ander Abgesang.

Gesetzt auch daß allhir (wo es zu glauben steht)
Wer schuldig ernster Straff entrinne /
Und lange Jahr in Ruh gewinne /
Und herrsche wenn was fromm und heilig gantz vergeht!
So lehrt uns dessen Glück das noch vil grösser Pein
Wo Minos Urtel spricht vor jhn müß übrig seyn.
Der bösen stetes wol gedeyen /
Kan Menschen von dem Wahn befreyen /
Daß alles faul' in seiner Grufft /
Daß Seelen nichts als Rauch und Lufft.
Die hir das Recht erwischt die strafft es kurtze Zeit;
Dort quält die ewig' Ewigkeit.


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