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Siebentes Kapitel.

Zwischen Pickwick und Nickleby.
1837 und 1838.

In keinem entfernten Zusammenhang mit der Bühne stand jedoch die Arbeit, an welcher ich ihn bei seiner Rückkehr von Brighton beschäftigt fand, ein Resultat seiner befriedigenderen Beziehungen zu Bentley, wodurch er zu dem Versprechen veranlaßt wurde, für diesen das Leben des berühmten Clowns Grimaldi herauszugeben. Das Manuscript war nach autobiographischen Notizen von einem gewissen Egerton Wilks abgefaßt und enthielt mehrere Geschichten die so schlecht erzählt waren und eine bessere Erzählung so sehr verdienten, daß die Hoffnung, die Langeweile derselben auf Kosten von sehr wenig Arbeit zu beleben, eine Art Anziehung auf ihn ausübte. Mit Ausnahme des Vorworts schrieb er keine einzige Zeile dieser Biographie. Die Abänderungen und Zusätze welche gemacht wurden, diktirte er seinem Vater, den ich oft in dem höchsten Genusse des Amts seines Sekretärs antraf. Er dachte auch sehr gering über die Masse der Materialien, aus welchen das Buch zusammengesetzt war, die er als »Geschwätz« bezeichnete, und seine eigne bescheidne Schätzung des Buchs nach dessen Vollendung läßt sich aus der Zahl der Ausrufungszeichen (nicht weniger als dreißig) abnehmen, welche seine Anzeige von dem Verkauf, den das Buch in der ersten Woche nach seinem Erscheinen gehabt, begleiteten. »Siebzehnhundert Grimaldis sind bereits verkauft und die Nachfrage nimmt täglich zu!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!«

Dennoch sollte das Buch nicht ohne Widerspruch seinen Weg machen. Die Kritik entdeckte viele Fehler und ganz besonders wurde Dickens der Vorwurf gemacht, daß er einen solchen Gegenstand behandelt, ohne Grimaldi auch nur einmal gesehen zu haben. Dieser letzte Einwand veranlaßte ihn zu einer Erwiederung, die in Form eines Briefes »von dem Redakteur an den Unterredakteur« in dem Miscellany erscheinen sollte, schließlich aber zurückgehalten wurde, deren Anfang indeß noch jetzt nicht uninteressant sein dürfte. »Ich höre, daß ein unbekannter Herr in dieser Stadt umherwandert und insgeheim sämmtliche unzufriedene Damen und Herren benachrichtigt, daß er durch Vergleichung der Daten und Combinirung vieler kleiner Umstände die sich seinem großen Scharfsinn aufdrängen, die wichtige Entdeckung gemacht hat, daß ich Grimaldi, dessen Leben ich herausgegeben, nie gesehen haben könne und daß das Buch deshalb nothwendigerweise schlecht sein müsse. Obgleich ich nun in dem dunkeln Zeitalter von 1819 und 1820 aus entfernten Theilen des Landes nach London gebracht wurde, um den Glanz der Weihnachts-Pantomimen und den Humor Joseph's Joseph Grimaldi's. – D. Uebers. zu schauen, zu dessen Ehre, wie man mir mittheilt, ich mit großer Frühreife in die Hände klappte und obgleich ich ihn sogar in den entfernten Zeiten von 1823 spielen gesehen, so will ich doch, da ich damals, obschon durch einen mitleidlosen Vater in mein erstes Paar Stiefel hineingezwängt, zu der Würde eines Fracks noch nicht aufgestiegen war, um jenem ehrenwerthen Herrn fernere Zeit und Mühe zu sparen, zugeben, daß ich das Mannesalter nicht erreicht hatte als Grimaldi die Bühne verließ und daß zu meinem Leidwesen meine Erinnerungen an sein Spiel nur schattenhaft und unvollkommen sind. Dieses Bekenntniß lege ich jetzt öffentlich und ohne jeden geistigen Vorbehalt Allen die es angeht ab. Aber den Schluß dieses angenehmen Herrn, daß deshalb das Buch über Grimaldi schlecht sein muß, erlaube ich mir zu bezweifeln. Ich glaube nicht, daß um die Lebensbeschreibung eines Menschen nach dessen eigenen Aufzeichnungen herauszugeben, es wesentlich ist, daß man ihn gekannt hat, und ich glaube nicht, daß Lord Braybrooke mehr als in der alleroberflächlichsten Weise mit Pepys bekannt war, dessen Memoiren er zwei Jahrhunderte nach seinem Tode herausgab.«

Ungeheuer und ohne hörbaren Einwand von irgend einer Seite war inzwischen der Erfolg des vollendeten » Pickwick« gewesen, den wir durch ein Festmahl feierten, wo Dickens selbst als Vorsitzender und Talfourd als Vice-Vorsitzender fungirte und Jedermann in der allerbesten Laune war. Am 11. December erhielt ich von ihm ein Exemplar Pickwick's in dem luxuriösesten Einband, mit einem Briefe, der wegen der Anspielung am Schlusse mitgetheilt zu werden verdient. Die Stelle worauf er sich bezieht, war eine Bemerkung Leigh Hunts, in zartgewählten Worten, über die Inschrift auf dem Grabe in Kensal Green. Vergl. S. 94. »Chapman und Hall haben mir soeben, zusammen mit einer Abschrift unsres Contracts, drei ›extrasuperfein‹ gebundene Exemplare von » Pickwick« geschickt, wovon Du eine Probe in der Beilage findest. Das erste schicke ich Dir, das zweite habe ich unserm guten Freunde Ainsworth geschenkt und das dritte hat Kate für sich behalten. Empfange Dein Exemplar mit einem aufrichtigen und umfassenden Ausdruck meiner wärmsten Freundschaft und Achtung und einer herzlichen Erneuerung, wenn es einer Erneuerung bedarf, wo keine Unterbrechung stattgefunden hat, aller jener Versicherungen der wärmsten Neigung, welche unser inniger freundschaftlicher Verkehr seit langer Zeit jeden Tag bewährt hat. . . .  Die schöne Stelle, die Du so freundlich und theilnahmsvoll warst, mir zu schicken, hat mir das einzige der Befriedigung verwandte Gefühl gegeben (eine so schmerzliche Befriedigung es auch ist), das ich noch in Bezug auf den Verlust meiner theuren jungen Freundin und Gefährtin gehabt habe, für die meine Liebe und Anhänglichkeit sich nie vermindern werden und an deren Seite, wenn es Gott gefällt mich im Besitze der Fähigkeit zu lassen, meine Wünsche auszudrücken, meine Gebeine, wann und wo ich auch sterben mag, einst ruhen werden. Sage Leigh Hunt, wenn Du eine Gelegenheit findest, wie tief er mich gerührt hat, und wie tief ich ihm für das was er gethan hat danke. Du kannst es nicht zu stark ausdrücken.«

Der erwähnte Contract war während des verflossenen Monats ausgeführt, um ihm ein Drittel des Eigenthumsrechts an dem Buche zurückzuerstatten, welches bis dahin alle Betheiligten bereichert hatte, außer ihm selbst. Das ursprüngliche Uebereinkommen darüber stellt Edward Chapman dar wie folgt: »Es war in Bezug auf »Pickwick« nur eine mündliche Verabredung getroffen worden. Jedes Heft sollte aus anderthalb Bogen bestehen, wofür wir fünfzehn Guineen bezahlen sollten und wir bezahlten ihn für die ersten beiden Hefte auf einmal, da er das Geld zu seiner Verheirathung nöthig hatte. Wir sollten auch im Verhältniß zu dem Absatz des Buches mehr bezahlen und ich glaube, » Pickwick« kostete uns im Ganzen dreitausend Pfund.« Eine Bezahlung im Verhältniß zu dem Absatz würde viermal so viel betragen haben und über die wirklich bezahlten Summen besitze ich keine Aufzeichnung, aber wenn ich mich recht erinnre, schlägt Chapman dieselben zu hoch an. Meiner Meinung nach wurden über die erste Summe hinaus, die für jedes der zwanzig Hefte bezahlt werden sollte (wobei keine Rücksicht darauf genommen wurde, daß die Hefte nach dem ersten zweiunddreißig Seiten betrugen) mit dem Fortschritt des ungeheuren Absatzes, den das Werk allmälig erreichte, eine Reihe von Zahlungen gemacht, die sich schließlich auf eine Gesammtsumme von 2500 Pfd. St. beliefen. Ich hatte ihm jedoch die Wichtigkeit eines Antheils an dem Verlagsrecht immer so eindringlich vorgestellt, daß derselbe in dem erwähnten Contract endlich zugestanden wurde, obgleich der Heimfall des Rechts erst nach fünf Jahren stattfinden sollte; doch wurde dies Zugeständniß nur gemacht in Verbindung mit einem an demselben Tage geschlossenen ferneren Uebereinkommen, dem gemäß Dickens sich verpflichtete, »ein neues Werk zu schreiben, dessen Titel ihm überlassen bleiben sollte, von ähnlichem Charakter und von demselben Umfang, wie die nachgelassenen Papiere des Pickwick-Clubs«, dessen erstes Heft am 15. März 1838 und die folgenden an demselben Tage jedes der folgenden neunzehn Monate abgeliefert werden sollten, an welchen Tagen auch Chapman und Hall ihm zwanzig Summen von je 150 Pfd. St. für ein fünfjähriges Verlagsrecht bezahlen sollten, worauf dann das ganze Eigenthumsrecht an Dickens zurückfallen sollte. Der Titel dieses neuen Buches war, wie alle Welt weiß, » Leben und Abenteuer Nicholas Nickleby's« und zwischen dem April 1838 und dem Oktober 1839 wurde es demnach angefangen und vollendet.

Während aller dieser Anordnungen hatte er an »Oliver Twist« regelmäßig weiter gearbeitet. Viele Monate lang hatte dies Werk, das wir abschließen sehen werden bei dem Beginn von » Nickleby«, den Beginn seiner Laufbahn gleichzeitig mit dem Abschluß von »Pickwick« verfolgt, und die Erwartungen Derjenigen, die am festesten auf den jungen Novellisten gebaut hatten, wurden mehr als bestätigt. Man fand hier das Interesse einer einfach aber geschickt angelegten Erzählung und Charaktere, die denselben Stempel der Wirklichkeit trugen, aber sorgfältiger und geschickter gezeichnet waren. Nichts konnte niedriger sein als der Gegenstand, der Lebenslauf eines Armenhausknaben, nichts weniger niedrig als dessen Behandlung. Indem ein Heft dem andern folgte, wurden seine Leser sich allmälig mehr und mehr der Thatsache bewußt, die, wie wir gesehen, sich schon inmitten der ausgelassenen Lustigkeit von Pickwick enthüllt hatte, daß nämlich der Zweck nicht bloß war, zu belustigen; und noch weit entscheidender als sein Vorgänger zeigte das neue Werk, welches die nicht am mindesten wirksamen Elemente der noch immer zunehmenden Popularität waren, die den Verfasser umgab. Seine Eigenschaften konnten in fast gleichem Maße von allen Classen seiner verschiedenartigen Leser gewürdigt und empfunden werden. Tausende wurden durch ihn angezogen, weil er sie in die Mitte von Scenen und Charakteren versetzte, mit denen sie selbst schon bekannt waren, und Tausende lasen ihn mit nicht geringerer Begier, weil er sie in Natur- und Lebensverhältnisse einführte, von denen sie vorher nichts gewußt hatten, aber von deren Wahrheit ihre eignen Gewohnheiten und Erfahrungen sie hinlänglich überzeugten. Nur dem Genie werden so die Wahlverwandtschaften und Sympathieen von Hoch und Niedrig hinsichtlich der Gewohnheiten und Gebräuche des Lebens enthüllt und nur ein Schriftsteller ersten Ranges kann die Anwendung eines solchen Probirsteins bestehen. Denn wir Alle sind ebenso sehr durch das Band gemeinsamer Gewohnheiten als durch die Bande einer gemeinsamen Menschheit mit einander verknüpft und das Resultat ist so ziemlich dasselbe, wenn man über die Nothwendigkeit von andrer Leute Meinungen abzuhängen erhaben oder wenn man derselben unterworfen ist. Hoch und Niedrig werden auf gleiche Weise durch das Bewußtsein dessen, was diese enge Annäherung mit sich bringt, überrascht; aber für den gemeinsamen Genuß, von dem ich hier rede, ist ein solches Bewußtsein nicht nothwendig und vorläufig brauchen wir Fagin in seiner Schule praktischer Ethik mit dem Schlaukopf Charley Bates und andern viel versprechenden Schülern nicht zu stören.

Man kann sich kaum wundern, wenn er mit einer solchen Arbeit beschäftigt, wie er war, als die Zeit herankam »Nickleby« zu beginnen und im Gedanken an sein Versprechen für den November, »die Empfindung hatte, als laste etwas wie ein häßlicher Alp über ihm.« Er fühlte, daß er sein Versprechen, den Roman »Barnaby Rudge« bis zum November des Jahres zu beenden, nicht erfüllen könne und daß die Verpflichtung, die er würde brechen müssen, ihn für Verpflichtungen untauglich machte, die er sonst erfüllt haben könnte. Er hatte unternommen was in Wahrheit unmöglich war. Die Arbeit an der Redaktion des Miscellany und der Herstellung monatlicher Abschnitte von »Oliver Twist« für dasselbe nahm mehr als die volle Zeit in Anspruch, die ihm von andern absolut nothwendigen Arbeiten übrig blieb. »Ich bringe mich kaum ins Trockne« schrieb er mir, »um ›Oliver ‹ mannhaft anzugreifen, so rauschen die Wogen der allmonatlichen Arbeiten gegen mich heran und treiben mich in ein Meer von Manuscript zurück.« Es blieb weiter nichts übrig, als noch einmal an Bentley zu appelliren. »Ich habe«, schrieb er ihm am 11. Februar 1838, »seit einiger Zeit viel an »Barnaby Rudge« gedacht. Grimaldi hat einen so großen Theil der kurzen Pause ausgefüllt, die ich zwischen der Vollendung »Pickwick's« und dem Beginn des neuen Werkes hatte, daß ich sehe, es wird ganz unmöglich für mich sein, es um die beabsichtigte Zeit mit Gerechtigkeit gegen mich selbst oder mit Nutzen für Sie zu Stande zu bringen. Ich bitte Sie daher zu erwägen, ob es nicht eben sowohl weit mehr in Ihrem Interesse sein als innerhalb der Grenzen meiner Fähigkeit liegen würde, wenn »Barnaby Rudge« unmittelbar nach dem Abschluß von »Oliver Twist« in dem Miscellany anfinge und während derselben Zeit darin fortgesetzt würde und dann in drei Bänden heraus käme? Ziehen Sie diese einfachen Thatsachen in Erwägung. Soll das Miscellany sich halten, so muß es eine fortlaufende Erzählung von mir bringen, wenn Oliver« aufhört. Wenn ich »Barnaby Rudge« in die Hand nehme und etwas daran arbeite (und bei allen meinen andern Arbeiten würde es nothwendigerweise sehr lange Zeit dauern, ehe ich es auf diese Art beenden könnte), so würde es offenbar unmöglich für mich sein, eine neue Reihe von Artikeln in dem Miscellany anzufangen. Die gleichzeitige Durchführung drei verschiedener Erzählungen und die allmonatliche Herstellung eines großen Theils von jeder würde selbst die Kräfte Scott's überstiegen haben. Wenn wir dagegen »Barnaby« für das Miscellany haben, könnten wir unverzüglich die Lücke füllen, welche das Aufhören »Olivers« hervorbringen muß, und Sie würden den ganzen Vortheil der durch dies Werk erweckten günstigen Meinung haben, was jedenfalls den Werth »Oliver Twist's« beträchtlich erhöhen würde. Ich bitte Sie, sich dies mit aller Muße zu überlegen. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, sowohl für Sie als für mich das Beste zu thun und in diesem Falle muß der pecuniäre Vortheil ganz auf Ihrer Seite liegen.« Nichtsdestoweniger führte dieser Brief, der auch um einen überfälligen Bericht über den Absatz des Miscellany gebeten hatte, zu Meinungsverschiedenheiten, die nur nach sechsmonatlichem Hader beigelegt wurden, und ich war an dem schließlichen Uebereinkommen betheiligt, demzufolge »Barnaby« unter anderm auf den gewünschten Fuß gesetzt wurde und nach dem Abschluß »Olivers« beginnen sollte.

Ueber den Fortschritt »Olivers« und die Art von Dickens' schriftstellerischer Thätigkeit zu jener Zeit ist es wohl der Mühe werth, aus seinen Briefen vom Jahre 1838 noch einige charakteristische Züge anzuführen. »Ich dachte gestern bis »zur Tischzeit über ›Oliver‹ nach,« schrieb er am 9. März, Ich finde noch eine frühere Anspielung in einem Briefe vom Januar, die ich hier hersetzen will, weil eine kleine Schrift darin erwähnt wird, die nicht in die Reihe der von ihm anerkannten Werke aufgenommen ist. »Es geht mir ebenso schlecht als Dir. Ich habe weder die » Young Gentlemen« fertig, noch das Vorwort zu »Grimaldi« geschrieben, noch an »Oliver Twist« gedacht, oder auch nur einen Gegenstand für den Kupferstich geliefert.« Die » Young Gentlemen« war der Titel eines kleinen Skizzenbuchs, das er anonym, als Seitenstück zu einem ähnlichen (nicht von ihm geschriebenen) Buch » Young Ladies« für Chapman und Hall abfaßte. Später fügte er noch einen ähnlichen Band mit dem Titel Young Couples hinzu, gleichfalls ohne seinen Namen. »und grade als ich mich mit aller Gewalt über ihn hergemacht hatte, wurde ich hinaufgerufen, um Kate Gesellschaft zu leisten. Ich schrieb jedoch acht Seiten und hoffe es heute Morgen bis auf fünfzehn zu bringen.« Drei Tage vorher war ihm ein kleines Mädchen geboren worden, die meine kleine Pathin wurde, bei welcher Gelegenheit (er hatte seine Ankündigung mit der Nachschrift geschlossen: »Ich kann heute Morgen Nichts thun. Wann willst Du ausreiten? Je eher, je besser, einen tüchtigen langen Ritt«) wir drei Meilen auf die große Straße nach Norden hinausritten und nachdem wir auf unserm Rückwege in dem rothen Löwen in Barnet dinirt hatten, den schon denkwürdigen Tag dadurch auszeichneten, daß wir beide Miethpferde todtlahm nach Hause brachten.

Eine Woche später (Montag, 13. März) machte er, nachdem er sich selbst beschrieben als »geduldig zu Hause sitzend und »Oliver Twist« erwartend, der noch nicht gekommen sei« (eine euphemistische Form für die Thatsache, daß seine Phantasie an diesem Morgen in Trägheit verfallen war), einen nicht weniger erfreulichen Zusatz hinsichtlich einer jetzt vergessenen schmerzlichen Nachricht, die ich ihm übersandt hatte. »Ich habe die Zeitung noch nicht gesehen und Du versetzest mich in fieberhafte Aufregung. Mein Trost ist, daß alles Seltsame und Schreckliche an die Oberfläche dringt und daß das Gute und Angenehme so reichlich mit jedem Augenblick unsrer Existenz verwoben ist, daß wir uns kaum darum bekümmern.« Am Ende des Monats war seine Frau wohl genug, ihn nach Richmond zu begleiten; denn die Zeit für die Veröffentlichung »Nickleby's« war jetzt herangekommen und da er nicht in London gewesen war, als das erste Heft von »Pickwick« erschien, wurde es eine Art Aberglaube bei ihm, sich auch bei allen künftigen ähnlichen Gelegenheiten aus der Stadt zu entfernen. Der Magazintag jenes Aprilmonats fiel, wie ich mich erinnre, auf einen Sonnabend, und der Abend vorher hatte mir die peremtorische Aufforderung gebracht: »Triff mich am Sonnabend Abend um acht in dem »Shakespeare-Kaffeehause; bestelle Dein Pferd zu Mitternacht und reite mit mir zurück.« Was demgemäß geschah. Die kleinste Stunde erscholl von der Paulskirche in die Nacht hinaus, ehe wir aufbrachen und die Nacht war keine der angenehmsten; aber wir brachten eine Nachricht, welche jeden Theil des Weges aufhellte, denn von » Nickleby« war an jenem Tage die erstaunliche Zahl von fast fünfzigtausend Exemplaren verkauft! Er arbeitete mit ungewöhnlicher Heiterkeit an »Oliver Twist«, als ich zwei Tage später das »Star- und Garter-«Hôtel verließ, nachdem ich an dem vorhergehenden Abend mit beiden Freunden einen Jahrestag Vergl. S. 87. gefeiert, der uns Alle anging (ihren zweiten und meinen sechs und zwanzigsten) und den wir seitdem zwanzig Jahre lang immer an demselben Orte feierten, ausgenommen wenn sie nicht in England waren. Es war sowohl ein Theil seiner Liebe für Regelmäßigkeit und Ordnung, als seiner gütigen Natur, freundschaftliche Zusammenkünfte wie diese den Regeln der Gewohnheit und der Fortdauer zu unterwerfen.

 

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