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Vierzehntes Kapitel

Windstille, aber eine bewegte See und ein glühender Himmel, nach vorn unregelmäßige Reihen von Baumstümpfen, an einer Seite weißer Schaum, wo die See über verborgene Korallenriffen brandete, an der andern das glänzende, blaue Wasser des Golfs von Mexiko mit seinen gelben Klumpen schwimmenden Seetangs, und ein Dampfer, der sich mit knapp sechs Knoten Geschwindigkeit seinen Weg durch die Dünung bahnt.

Auf seinem Deck war ein Mann sichtbar, nur ein einziger. Sich an die Speichen des Steuerrades klammernd, stand er auf der Kommandobrücke und schwankte vor Müdigkeit. Seine Augen waren blutunterlaufen, matt und ausdruckslos, und doch war seine Aufgabe eine, die die höchste Anspannung seiner Geisteskräfte forderte. Er steuerte einen Dampfer von neunzehn Faden Tiefgang durch ein Fahrwasser, dessen bloßes Vorhandensein kein Mensch außer ihm selbst ahnte. Als er es vor wenigen Monaten entdeckt hatte, hatte er sich die Kompaßrichtungen auf der Rückseite eines zerknitterten Briefumschlages aufgeschrieben. Jetzt hatte er sie im Kopfe, aber sie waren eine schwache Stütze, und doch hing soviel davon ab.

Bei einer solchen Arbeit ist unausgesetztes Loten eine unbedingte Notwendigkeit, und das war an Bord der »Port Edes« eine unbedingte Unmöglichkeit. Die zwei andern Männer, die den Rest der Bemannung bildeten, waren genötigt, wie zehn zu arbeiten, wenn die Maschinen nur eben im Gange bleiben sollten. Patrick Onslow mußte sich auf Augen und Nase verlassen, wie das viele der alten Küstenfahrer thun, und im ganzen ließ ihn seine Erinnerung auch nicht im Stiche. Zweimal streiften die Bodenplatten des Dampfers Korallenzweige, die jedoch abbrachen und das Schiff nicht verhinderten, wieder in tiefes Wasser zu gelangen, und einmal lief er auf einen Streifen weißen Sandes auf. Allein Onslow gab den Befehl zum Stoppen der Maschinen und wartete, bis er aus dem Zischen des Dampfablaßrohres erkannte, daß Volldampf vorhanden sei. Dann ließ er, als das Schiff von einer ausrollenden Welle gehoben wurde, Gegendampf geben, und machte es so frei.

Unten im Maschinenraum fing der Kapitän an, zu fluchen, aber er hörte deswegen nicht auf, Kohlen zu schaufeln, ebensowenig der Oberheizer, außer wenn ihn die Telegraphenklingel ans Drosselventil oder die Dampfsteuerung rief.

So segelte die »Port Edes« langsam durch die schmale, unbekannte Einfahrt, und der erschöpfte Mann auf der Kommandobrücke steuerte mit stündlich wachsender Zuversicht, aber immer matterem Bewußtsein. Jetzt hielt er gerade auf eine anscheinend ununterbrochene Reihe brandender Sturzwellen ab, wo der Dampfer, wenn er aufgefahren wäre, innerhalb einer Stunde zum Wrack geworden sein würde, allein, als sein Bug schon fast in den Schaumwellen war, wurde eine Lücke in der Brandung sichtbar, wohindurch das Schiff in ein ruhiges, tiefes Wasser gelangte. Nun wand er sich mit dem Ruder bald hart Backbord, bald hart Steuerbord durch ein Gewirr namenloser Sandbänke, wo die ersten Mangrovebüsche an der Arbeit waren, die Korallenwucherungen in einen Teil des nordamerikanischen Festlandes zu verwandeln. Dahinter dehnte sich eine breite, glatte Lagune aus, worauf kleine, silberne Wellen tanzten, und jenseits dieser erhob sich eine Wand von Bäumen, die hinter dem Dickicht schlammiger Mangrovebüsche wuchsen, das sich am Rande des Wassers ausbreitete.

Der Dampfer setzte seine Fahrt über diesen friedlichen See fort und fuhr schnurgerade auf eine Stelle los, wo der Wald am dichtesten zu sein schien. Als er jedoch näher kam, löste sich eine vorspringende Landspitze vom grünen Hintergrunde ab, und gleich darauf wurde ein Strand von milchweißem Sande sichtbar, der von einem Flusse durchschnitten wurde.

Onslow steuerte weiter. Er hatte sich auf die Planken gesetzt und hielt das Rad mit einer Hand an den unteren Speichen, während unten im Raume Kettle und der Oberheizer bei qualmenden Thranlampen schaufelten.

Der Dampfer, der jetzt auch von der Strömung des Flusses getroffen wurde, fand überall hinreichend tiefes Wasser, obgleich er manchmal, den Krümmungen folgend, den Ufervorsprüngen nicht rasch genug ausweichen konnte, so daß sein Vorderteil dann und wann an die Mangrovestämme stieß, die das Ufer umsäumten.

Knoten um Knoten blieb die Salzflut des Golfs von Mexiko zurück, und die Stimmen des Waldes und der Duft der Bäume und Sümpfe umfing die Reisenden. Die Wellen, die sich im Kielwasser des Dampfers fächerförmig ausbreiteten, benetzten die Alligatoren, die sich im Schilfe sonnten, und der Rauch seiner Schlote scheuchte die stelzbeinigen Wasservögel auf, die in den Tümpeln fischten. Er folgte dem Ufer eines Flusses mit schwarzem Wasser, das von ernsten Cypressen umrahmt war, und bog dann in einen andren ein, an dessen Ufer feinblätteriges Palmettogebüsch stand, worüber Kohlpalmen ihre anmutigen Wipfel erhoben. Und nun wandte er wieder an einer Stelle, wo der Fluß sich teilte, und folgte einem geraden Wasserlauf, der ins innerste Herz der Everglades führte.

Aber jetzt nahm die Fahrgeschwindigkeit des Dampfers ab, so daß er kaum noch gegen den Strom ankämpfen konnte, der ihn von Zeit zu Zeit erfaßte und mit unerwarteten Abgierungen gegen Mangrovegebüsche oder Uferabfälle trieb, und das lag daran, daß die Dampfspannung nachließ. Wie es auch schon bei andern Christen vorgekommen ist, vergaß Kapitän Kettle seine früheren Predigten, als es sich um ihre Nutzanwendung handelte, und er zeigte sich in der übernommenen Rolle als Heizer menschlich sehr schwach. Von der Hitze und der Anstrengung halb toll, trank er fortwährend in tiefen Zügen aus dem Wassereimer. Die Folge war, daß ihn endlich das prosaische Leiden, Magenkrampf genannt, ergriff, unter dessen Wirkungen er die unschönen Windungen und Krümmungen ausführte, worüber er so häufig wissenschaftliche Betrachtungen angestellt, wenn er sie bei andern gesehen hatte. Da aber niemand vorhanden war, der ihm die heroischen Mittel Chlorodine cum Rhabarber cum Opiumtinktur cum Pillen eingeben konnte, hatte es bei den Windungen und Krümmungen sein Bewenden.

Der Oberheizer versuchte mit einem kräftigen Fluche die Arbeit für zwei zu thun, allein seine Anstrengungen wurden nicht mit ungeschmälertem Erfolge belohnt. Jeder, der weniger dickköpfig gewesen wäre, hätte eingesehen, daß es über die Kräfte eines Mannes hinausgeht, zwölf Feuerungen zu unterhalten, selbst die dazu nötigen Kohlen aus den Bunkern zu holen und den Dienst des Maschinisten und Oelers zu besorgen, wie groß auch der Kraftvorrat sein mag, womit der Schöpfer ihn ausgestattet hat. Jedesmal, wenn er sich den in Strömen von seiner Stirn rinnenden Schweiß aus den Augen wischte und das Manometer ansah, fand er, daß es gegen das letzte Mal um einige Teilstriche zurückgegangen war, und ob er auch noch so wütend Kohlen auf die Glut schaufelte, der Zeiger kroch in der falschen Richtung weiter.

Die Bewegungen der Maschinen wurden langsamer und träger, und dann blieben die gewichtigen Kurbeln stehen, als ob sie Kräfte zu einer neuen Umdrehung sammeln wollten, aber dazu kam es nicht. Der Oberheizer fühlte plötzlich, daß sich die Platten unter seinen Füßen leise hoben, und dann legte sich das Schiff etwas auf die Seite, ohne sich wieder aufzurichten.

»Gott sei Dank!« rief er, »der alte Kasten sitzt endlich fest!«

Er schleuderte seine Schaufel in die matte Glut einer Feuerung und sah sich dann nach dem auf dem Boden liegenden kleinen Kapitän um.

»Oho!« sprach er, »der Olle sieht recht elend aus. Ich will ihn hinaufschleppen.«

Das that er denn auch. Er trug seinen Vorgesetzten in die Hauptkajüte, wo die Luft hell und rein, wenn auch kochend heiß war, und die Moskitos wie tolle Hunde bissen. Dann öffnete er den Deckel der Medizinkiste, betrachtete die Flaschenreihen mit bedenklicher Miene, öffnete ein paar und roch daran, schlug aber dann den Deckel wieder zu, als ob ihm etwas eingefallen wäre.

»Nein,« murmelte er, »das letzte Mal, wo ich einen Schluck Arznei verlangte, wollte mir der rote Kettle nichts geben, und nun kann er auch mal sehen, wie er ohne Medizin fertig wird. Ich will nur noch dem Steuermann Meldung machen und mich dann in die Klappe legen.«

Allein, als sich der Oberheizer mühsam auf die Kommandobrücke geschleppt hatte, fand er den Steuermann in einem so todesähnlichen Schlafe, daß kein Anrufen und Schütteln ihn zu wecken vermochte, und ihn selbst die Moskitos nicht zu einer Bewegung veranlaßten.

»He, Herr, aufwachen, sonst kriegen Sie einen Sonnenstich, wenn Sie nicht schon einen haben! Rütteln Sie sich auf! Hinunter kann ich Sie nicht schleppen, und einen Sonnenschirm habe ich auch nicht für Sie. Ich bin zu müde, viel zu sprechen; aber wenn Sie noch lange hier bleiben, werden Sie gebraten, und die Fliegen fressen Sie auf. He, he, ich will Sie mal mit meiner Fußspitze in den Rippen kitzeln. Na, Mann, wenn Sie absolut keine Vernunft annehmen wollen, dann gehe ich fort und lasse Sie in ihrer eigenen Brühe schmoren.«

Der Oberheizer stolperte die Treppe schwerfällig wieder hinab und ging mit schleppenden Schritten übers Brückendeck nach seiner Koje zu, allein am Rande des Achterdecks blieb er stehen, legte seine Ellenbogen auf die Regeling und stieß ein langes, leises Pfeifen aus.

»Na, da haben wir's,« sprach er bei sich. »Wir sind, wie der Kapitän sagte, in einem unbekannten Fahrwasser, wo menschliche Einrichtungen noch nicht eingeführt sind, und da kommt schon Besuch. Das war doch die Nase eines Gaffeltopsegels, was da eben durch die Bäume schielte, oder ich bin blind. Weißt du, mein lieber Sullivan, erster Maschinist der »Port Edes«, ich fange an, eine schwache Ahnung zu haben, daß du besser auf deine Rechnung gekommen wärst, wenn du die kleine Spazierfahrt mit den andern in den Rettungsbooten mitgemacht hättest. Freilich gibt's noch zwanzig Einpfundnoten und dann ein Kleinod von 'ner Bierreise, aber den Lohn hast du schon abgearbeitet, mein Söhnchen.«

Er öffnete die schwarze Höhle seines Mundes zu gewaltigem Gähnen.

»Du mußt dich in die Klappe legen, lieber Sullivan, oder du fällst hin und wirst von den verfluchten Moskitos und andern wilden Tieren bei lebendigem Leibe aufgefressen, und wenn die Naturforscher, die unter dem Gaffeltopsegel dort sitzen, hier an Bord kommen und sich unnütz machen wollen, so mögen sie's meinetwegen thun.«


Inzwischen segelte etwa eine Meile weiter unterhalb eine kleine Schaluppe den Fluß hinauf, kam aber nur langsam gegen den Strom an. Auf dem Vorderdeck rekelten sich drei Neger, auf dem Dache der kleinen Kajüte lag ein großer Weißer, und ein zweiter stand steuernd im Hahnenloch hinter der Kajüte.

Von dem ganzen Quintett war dieser der einzige, bei dem Zeichen von Thatkraft zu bemerken waren. Er bot einen unschönen Anblick, denn er war bucklig, hatte ein rotes Auge, während das andre fehlte, dazu lange, haarige Affenarme, und war mit einem Zungengebrechen behaftet, das jedes zweite Mal, wenn er die Lippen öffnete, einen Wutanfall hervorrief. Einige Male, wenn ihn dieses Leiden mitten in einem Satze befiel und stumm machte, lachte der andre Weiße, und wenn dann dem Steuermann die Zunge wieder gelöst war, brach dieser in einen Sturm giftiger Flüche aus.

Endlich schloß er diese mit einem Schimpfworte, das kein Amerikaner hinnimmt, und nun raffte sich der Mann auf dem Kajütendach aus seiner Schlaffheit auf und hatte den andern am Kragen, ehe er Widerstand leisten konnte. Der Angreifer war ein ruhiger Mann und schüttelte den andern wie ein Hund eine Ratte, und da die Schaluppe luvgierig war, wenn die Ruderpinne nicht festgehalten wurde, fiel sie in den Wind ab, und ihre Leinwand flatterte wild.

»Du giftiges kleines Stinktier! Das sagst du mir? Das? Eins von deinen Augen hat schon vor einem Monat dran glauben müssen, und wenn du deine stotternde Zunge nicht besser hütest, so drücke ich dir auch das andre aus.«

Die Schwarzen auf dem Vorderdeck grinsten und lachten; aber der große Mann warf mit dem kurzen Befehl: »Maul gehalten!« einen eisernen Eimer nach ihnen. Dann kehrte er mit einem trägen Recken der Arme und Beine auf seinen Ruheplatz zurück, und der Steuermann konnte die Herrschaft über die Schaluppe wieder gewinnen.

Abgesehen vom Knarren des Takelwerks beim Wenden wurden die nächsten drei Schläge schweigend zurückgelegt.

»W–w–w–weißt du bestimmt, daß es kein Regierungsbo–bo–bo–boot war, Hank?«

»Ach was, hol der Henker die Regierung! Das sah man schon an seiner Bauart, daß er das nicht war; und dann, wenn die Regierung etwas von dieser Wasserstraße wüßte, ständ's in allen Zeitungen, darauf kannst du jede Wette eingehen, aber die auf dem Dampfer kannten sie, oder sie wären nicht so mir nichts dir nichts mit sechs Knoten Fahrt, ohne zu lotsen, vorbeigewischt. Mir scheint da was nicht richtig zu sein, und ich glaube, es ist so'n verdammter Engländer, der unser Spiel spielen will.«

»Du langweilst mich mit deinem Gerede. Vogelbalgjagen ist nach den Schutzgesetzen verboten, ebenso wie das Verkaufen von Schna–na–na–na–naps an die Indianer. Wir haben Mühe genug, uns in dieser Nu–nu–nu–nußschale ein- und auszuschleichen; wie kannst du also denken, daß sie es in einem Tausendtonnendam–«

Hier versagte dem Manne infolge seines Zungenleidens mehrere Minuten die Sprache.

Die Schaluppe kam nur langsam vorwärts, und die Sonne stand schon ziemlich tief, als sie um eine Landspitze fuhr, und nun hatten die an Bord Befindlichen den Eindringling vor sich. Der Dampfer lag quer im Strom auf einer Sandbank, aber die goldenen Buchstaben am Heck waren erst zu erkennen, als sie ganz nahe waren.

»B–b–b–b–beide Rettungsbote futsch? Komisch!«

»›Port Edes‹ von London,« las Hank. »›Port Edes‹? Der Name klingt mir bekannt.« Damit schwang er seine langen Beine nach rückwärts vom Kajütendach hinunter und starrte seinen Gefährten mit vor Verwunderung offenem Munde ins Gesicht.

»Holla, Nutt,« sprach er, »was ist nu los? Diese Sorte Gesicht hast du ja noch nie aufgesetzt. Du könntest nicht lustiger aussehen, wenn ich dir sagte, dein reicher Onkel sei gestorben. Sind doch keine Freunde dort an Bord?«

Im Gesicht des Einäugigen leuchtete eine teuflische Freude.

»Weißt du's nicht mehr?« stotterte er. »Es hat ja in allen Zeitungen gestanden. Das Dampfboot dort sollte eine halbe Million Sovereigns rüber bringen. Sein Bestimmungshafen war New Orleans, und nun ist es hier. Ich glaube, sie bilden sich ein, sie könnten das Gold allein ste–te–te–tehlen.«

»Stehlen? Was willst du damit sagen?«

»O, du unglaublicher Schafskopf! Weshalb hätten sie sich denn hierher bemüht, wenn a–a–a–alles in Ordnung wäre?«

»Wer sind denn ›sie‹?« fragte Hank.

»Da–da–da–da–das werden wir wohl bald herausbringen,« entgegnete der Einäugige mürrisch. »He, ihr Nigger da vorne, vorwärts! Ihr werdet wohl in euren Taschen Rasiermesser versteckt haben?«

»Du, hör mal,« näselte sein Freund, »es wäre vielleicht besser, wenn du diese Geschichte ein bißchen vorsichtig anfaßtest, Mr. Billy Nutt. Der Dampfer sieht aus, als ob er schliefe, aber wenn du zu frühe anfängst, dich mißliebig zu machen, wacht am Ende jemand auf und schießt auf uns.«

»Es ist schon oft an mir vorbe–b–b–b–beigeschossen worden.«

»An mir auch, mein Jüngelchen; um so mehr Aussicht haben wir, diesmal getroffen zu werden. Immer langsam voran, Billy Nutt, immer langsam. Wenn jemand deine Fratze sieht und dich sprechen hö–hö–hö–hö–hö–hört, schießt er, so wahr ich Hank heiße.«

»Ob sie schießen oder nicht, ist mir schnuppe,« antwortete der Mann am Ruder, ohne die Verhöhnung seines Gebrechens zu beachten; »ich will etwas von ihrem Zeug haben, ehe ich ein Dutzend Stunden älter bin, oder ich bin ein toter Mann. Eine solche Gelegenheit habe ich nie im Leben gehabt und werde auch keine zweite kriegen.«

»Da kannst du deinen Hals drauf wetten,« stimmte sein Freund zu, »und ich auch nicht. Deshalb werde ich in dieser Sache zu dir halten, solange noch ein Funken Leben in mir ist. Ich glaube, dies ist die schöne Gelegenheit, worauf ich mein ganzes Leben gewartet habe. Du und ich, Billy, wir werden entweder mit dem Kopf oben aus diesem Spiele herauskommen, oder wir sterben in unsern Stiefeln. Hörst du wohl? Ich glaube, wir können uns auch auf die Nigger verlassen,« fuhr er leise fort. »Sonntagsschüler sind es ja gerade nicht; es sind geriebene Jungen, denen dieses kleine Geschäft ebensogut gefallen wird als Hühnerstehlen.«

Er teilte den Negern den Plan mit, und die beweglichen afrikanischen Gesichter veränderten sich, wie die von Kindern: sie wurden wild und tierisch. Einer von ihnen, der eben noch ein geistliches Lied sehr gefühlvoll vorgetragen hatte, hatte kaum noch etwas Menschliches an sich. In einem Augenblick war er in ein blutgieriges wildes Tier verwandelt. Mit rollenden, gelben Augäpfeln schwang er in einer Hand ein Messer, während die andre bereit war, sich in alles zu krallen, was ihr in den Weg kam. Selbst Hank war etwas erschrocken über die Wut, die er entfesselt hatte.

»Seht euch vor, ihr Kerls, wo ihr hintretet, wenn wir an Bord kommen,« sprach er, »und hütet euch, Billy Nutt oder mich anzurempeln. Nutt und ich sind mit Schießeisen so fix wie kein andrer hier in diesem Teil von Florida.«

»Schon gut, Herr, unbesorgt,« sprach der mit dem Messer.

»Das wollte ich mir auch ausgebeten haben,« erwiderte der große Mann. »Und nun ruhig. Wenn wir uns an Bord schleichen können, ohne daß uns jemand anruft, wird das für uns viel zuträglicher sein, wenn's auch vielleicht für andre schädlich ist.«

Wieder waren die Stimmen des Waldes und das gelegentliche Knarren des Takelwerks die einzigen hörbaren Laute. Der Neger, der das geistliche Lied gesungen hatte, saß auf dem Verdeck und zog sein Messer auf der nackten Sohle seines Fußes ab, und die beiden Weißen luden ihre Revolver frisch.



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