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» Mon héros quoique petit …«

Die Keime, von der kundigen Hand in das empfängliche Erdreich gepflanzt, schossen nach allen Seiten empor. Es fehlte ihnen an Betreuung nicht, ihr üppiges Wachstum belohnte die Gärtnerin. Was immer sie in den Bereich ihres Wirkens zog, verwandelte sich wie unter der Berührung eines Zauberstabes. Die Menschen verwandelten sich, die Dinge verwandelten sich; Altes wurde neu, Verbogenes wurde gerade, Gebrechliches räumte dem Unverbrauchten den Platz, Verblaßtes dem Glänzenden. Die gerufenen Helfer gehorchten dem Wink; dienende Arme streckten sich zahllos und in wetteifernder Hast, und gegen die Fülle des Geforderten stand aufreizend die Fülle des Gebotenen.

Ihr war wie als Kind, wenn sie sich auf der Landstraße müd gegangen hatte und stehen geblieben war, um eine Abrakadabra vor sich hinzusprechen; da war dann eine goldne Karosse mit betreßten Lakaien herangerollt, sie hatte sich hineingesetzt und war unter dem Staunen des Volkes davongefahren. Damals war die goldene Karosse ein Phantasiegebilde gewesen; jetzt hatte das beschwörende Abrakadabra eine greifbare Folge.

Auch das Staunen des Volkes war nicht bloß Einbildung. Die auffallende Umgestaltung des ehemals höchst bescheidenen Haushalts war zuerst das Gerede der Nachbarschaft, zog dann Kreis um Kreis und wurde die Neugier und das Aufmerken weithin. Die Kunde, daß die Familie das Chamfortsche Palais beziehen werde, erregte geradezu Sensation, und das schnellfüßige Gerücht übertrieb den Reichtum des Antiquitätenhändlers noch. Die Leute sprachen auf der Gasse und in den Kaffeehäusern davon. Manche wollten es immer gewußt oder wenigstens geahnt haben; manche zuckten die Achseln, als gehe es nicht mit rechten Dingen zu; manche schmeichelten sich mit wesenlosen Hoffnungen, zum Beispiel junge Leute der besseren Stände, die von drei heiratsfähigen Töchtern gehört hatten; andere wieder barsten vor Neid und Mißgunst.

Als sich Mylius solcherart zum Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gemacht sah, verlor er den Kopf völlig. Eben das war es ja, was er gefürchtet hatte, der Alb seiner Träume. Er wußte nicht mehr, wohin sich flüchten. Er hatte das Wesen eines Verfolgten. Wer ihn nicht kannte, mußte glauben, einen von unauslöschlicher Schande Gebrandmarkten vor sich zu sehen. Seine Miene war verbissen, sein Blick scheu und ingrimmig. In seinem Laden war er für niemand zu sprechen und sperrte sich im Kontor ein. Beim Hin- und Rückweg wählte er die entlegenen Seitengassen und schlich hastig an den Häusermauern entlang. Das Kaffeehaus in der Bäckerstraße wagte er nicht mehr zu betreten. Grüßten ihn Leute, so sah er weg; redeten ihn Bekannte an, so knurrte er wie ein böser Hund und ging weiter. Beim Nachhausekommen warf er donnernd die Flurtür hinter sich zu, beeilte sich, in sein Zimmer zu gelangen, drehte drinnen den Schlüssel um und verschlang rasch, vor dem Schrank stehend, die kalte Mahlzeit, die er dem Vorratsfach entnahm. Wenn ihm eines seiner Kinder begegnete, blickte er nicht einmal empor; um Christine kümmerte er sich nicht; Ulrike ging er seit der letzten Auseinandersetzung aus dem Weg, mit Wut, Verachtung, Rachsucht und geheimem Verlangen in der Seele.

Ulrike aber wartete ihre Zeit ab, denn besiegt, das wußte sie, gab er sich noch nicht.

Eines Mittags, kurz nach Tisch, stand er zum Schrecken der drei Kücheninsassinnen plötzlich auf der Türschwelle und sagte finster: »Man hat euch ohne meine Zustimmung in Dienst genommen, ich kündige euch hiermit. In drei Tagen will ich keine mehr von euch hier sehen.«

Sie schauten ratlos einander, dann ihn an, indessen war Ulrike hinzugekommen. Sie hatte sich, wie immer, wenn er zu Hause war, in Erwartung unangenehmer Zwischenfälle auf der Spähe befunden. Hinter Mylius stehend, gab sie den dreien Zeichen, winkte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, deutete mit dem Finger auf ihre Stirn. Dann trat sie vor und fragte: »Was machen Sie denn in der Küche, Herr Mylius?«

»Ich habe mir erlaubt, meine Hausrechte auszuüben«, antwortete Mylius dumpf, »ich habe den Damen da gekündigt.«

»Gekündigt?« rief Ulrike aus, indem sie sich äußerst verwundert stellte, »weshalb denn? Liegt eine Klage vor oder ein Grund zur Unzufriedenheit? Wir, Frau Christine und ich, sind zufrieden, und ich denke, das genügt. Aber Sie werden wohl so freundlich sein, mir Ihre Beschwerden unter vier Augen mitzuteilen. Ein Mißverständnis, ihr Mädchen«, wandte sie sich an die verblüfft dreinschauenden Dienstleute, »es hat nichts weiter auf sich.«

Sie nahm Mylius beim Arm und verließ mit ihm die Küche.

An der Wohnzimmertür blieb Mylius stehen und würgte angestrengt hervor: »Ich bin also nicht mehr Herr in meinem Hause? Sie sind also gesonnen, mir die Autorität abzustreiten und auf eigene Faust zu regieren? Das will ich bloß wissen. Ja oder nein?«

»Kaltes Blut, Herr Mylius«, erwiderte Ulrike gleichmütig. »Fressen Sie mich nur nicht. Ich habe Ihnen schon oft genug gesagt, daß Sie in dieser Tonart bei mir nichts ausrichten. Ihre ganze Methode ist falsch. Was die Autorität betrifft, die will kein Mensch antasten. Aber ich habe noch nie gehört, daß die Autorität eines Familienvaters sich darin zeigt, daß er die Leute, die seine Frau in Dienst genommen hat, ohne Ursache hinauswirft. Eine solche vernunftwidrige Handlung beweist nicht Autorität, sie untergräbt sie. Ich ersuche Sie nun zum letztenmal, die Verfügungen, die ich treffe, nicht zu durchkreuzen und auch meine Autorität gelten zu lassen.«

Mylius stand wie ein gescholtener Lehrjunge vor ihr. Er knirschte mit den Zähnen. »So; die Methode ist falsch, meinen Sie«, murmelte er nach einer Weile und zog die Brauen krampfhaft zusammen. »Schön; kommen Sie mal einen Augenblick in mein Zimmer, bitte.«

Sie folgte ihm, diesmal in ungeheuchelter Verwunderung. Er setzte sich breit auf einen Stuhl, verschränkte die Arme und ließ einen mißmutig-prüfenden Blick an ihr emporgleiten. »Verhandeln wir also«, sagte er; »verhandeln wir in der richtigen Methode. Ich bin bereit. Wieviel fordern Sie?«

Ulrike kniff ein wenig die Lider zusammen. »Ich verstehe kein Wort«, entgegnete sie; »worüber verhandeln? Was soll ich fordern?«

Mylius rückte ungeduldig die Achseln. »Aber Verehrungswürdigste«, krächzte er, »tun Sie doch nicht, als könnten Sie nicht bis drei zählen. Wir sind jetzt unter uns und wollen ein Geschäft abschließen. Sie wissen recht gut, was ich will. Beliebt es Ihnen, die Verschämte zu spielen, nun, so frag ich offen und ohne Umschweife: wieviel verlangen Sie, wenn Sie innerhalb vierundzwanzig Stunden das Haus und die Stadt verlassen, und zwar auf Nimmerwiederkehr? Überlegen Sie sichs, aber jetzt gleich, und nennen Sie einen zivilen Betrag.«

Über Ulrikes Gesicht blitzte ein haßvoller Strahl. Sie nahm sich aber zusammen und lächelte entgegenkommend. »Was ist Ihnen denn die Sache wert?« erkundigte sie sich vorsichtig.

Mylius rieb die Lippen geschmäcklerisch aufeinander. »Es kommt mich hart an«, erwiderte er bedächtig; »ich bringe da ein kolossales Opfer und eigentlich für nichts. Aber ich will Ihnen zuliebe sehr weit gehen, sagen wir bis zu dreitausend Gulden.«

Ein kleines gurrendes Lachen, wie von einer Taube, drang aus Ulrikes Kehle. »Knauser«, sagte sie neckisch.

»Ist Ihnen das zu wenig?« forschte Mylius unruhig; »hören Sie, das ist doch eine ganz beträchtliche Summe für Sie. Damit ist Ihre Zukunft doch ziemlich gesichert. Sträflicher Leichtsinn wäre es, ein solches Anerbieten von der Hand zu weisen.«

Abermals das halberstickte Taubenlachen. »Knauser« war alles, was Ulrike antwortete.

»Gut, ich tue mein Äußerstes und sage fünftausend. Aber schlagen Sie ein, eh michs reut, ich rat es Ihnen.«

Da stemmte Ulrike die Arme in die Hüften und brach los. »Schau mir einer den Mann an! Eine Rarität, wie es keine in seinem ganzen Kramladen gibt! Kaufen will er mich! Für Geld will er mich kaufen! Feil soll ich ihm sein, und wohlfeil noch dazu! Dreitausend, fünftausend, wie auf der Auktion, zum ersten, zum zweiten, zum dritten! Zipp, zipp, mein Hühnchen, komm schön, friß das Würmchen! Da kann man ja Sittenstudien machen! Kassaschrank auf, mit dem Geld geklimpert! Münz im Sack, aha! Haben nur leider vergessen, daß ich keine verräucherte Truhe und kein verwittertes Grabmonument bin, sondern was ganz anderes, wovon der Herr allerdings wenig Ahnung zu haben scheint. Empfehle mich gehorsamst.«

Damit sauste sie aus dem Zimmer und ließ Mylius vollkommen vernichtet sitzen.

Er ahnte dabei noch nicht, wie unwiderruflich er sich durch diesen übereilten Schritt in Ulrikes Gewalt begeben hatte. Jetzt hatte er ein schuldbeladenes Gewissen vor ihr. Und sie, in seiner Sprache ausgedrückt, hatte ein Guthaben bei ihm stehen, und ein erkleckliches dazu.

Der Fehler, den er begangen, fing an, ihn zu wurmen. Er konnte das vor Entrüstung flammende Gesicht nicht vergessen. Es dünkte ihn sonderbar anziehend, dieses Gesicht, es hatte Züge edler Erhabenheit. Da sein Bestechungsversuch als mißlungen zu betrachten war, hatte er zum übrigen Leid auch noch den Verdruß gegen sich selbst.

Sein Bemühen war nun darauf gerichtet, sie zu versöhnen. Es war ja immerhin möglich, daß man noch auf gütlichem Weg zu einer Einigung mit ihr gelangte. Er überwand den Widerwillen gegen die Familie, der ihn seit der großen Rebellion erfüllte, und zeigte sich bisweilen unvermuteterweise im Wohnzimmer. Mit den roten, wimperlosen Augen blinzelte er Ulrike verlegen zu, suchte einen Blick von ihr zu erhaschen und nahm eine säuerlich bedauernde Miene an. Ulrike schien ihn jedoch nicht zu bemerken. Sie warf den Kopf zurück, wenn er in ihre Nähe kam, und schaute auf die andere Seite.

Der Gaumen ward ihm trocken. Sie stieg immer höher in seiner Meinung. Entweder ist sie eine ganz infernalisch verschmitzte Kreatur, räsonnierte er, oder sie macht sich wirklich nichts aus meinem Gelde. Gab es aber das? gab es einen Menschen auf der Welt, der solcher Lockung gegenüber taub blieb? einen Tugendhelden, uneigennützig und stolz? War es nur wahrscheinlich? Sprach es nicht aller Erfahrung Hohn? Alle hatte man kaufen können, so oder so. Dient sie am Ende wie Jakob ohne Lohn? grübelte er; wem aber? warum aber? Dann muß wenigstens etwas wie eine Rahel da sein; wer ist die Rahel, um die sie dient?

Dann kam ein Tag, an dem Ulrike zu milderer Auffassung seines Vergehens geneigt schien. Um sich in Gunst zu setzen, forderte er sie zum Pikettspiel auf, indem er sich erinnerte, daß sie ihn vor Wochen gefragt hatte, ob er dieses Spieles mächtig sei. Nach einigem Zaudern willigte sie ein. Ihre Miene drückte ungefähr aus: ich bin ein guter Kerl und trage keinem was nach. Er spielte schlecht. Nachdem er den ersten Rubber verloren und sechsundzwanzig Kreuzer bezahlt hatte, fing er an, über seine Nerven zu klagen und daß der Kopf benommen sei. Ulrike stellte ein umschichtiges Verhör an und ließ sich die Symptome schildern. Als er fertig war, sagte sie, das alles beweise nur die Richtigkeit ihrer ersten Diagnose. Sie brachte ein medizinisches Handbuch herbei, das sie besaß, schlug unter dem Artikel Leber nach und las ihm vor. Da er ihre Ansicht und Warnung durch eine fachgerechte Schrift bestätigt sah, wurde ihm angst und bang. Sie gab Verhaltungsmaßregeln und er versprach, sie zu befolgen.

Am Morgen hatte er das Heilwasser zu trinken, nach der Mittagsmahlzeit mußte er anderthalb Stunden liegen. Strenge Diät. Verging er sich gegen die Vorschrift, so wurde sie bitterböse, und er mußte ihre Verzeihung erbetteln.

Während der befohlenen Ruhestunden saß sie bei ihm, um ihn zu unterhalten. Seine Zustände boten den Stoff. Die Frage, ob ein Arzt beizuziehen sei, verneinte sie entschieden. Sie hatte, was innere Gebrechen betraf, die übelste Erfahrung mit Ärzten gemacht. Sie zählte die Erfahrungen auf. Abschreckendes Bild. So ein Doktor kuriere, was zu kurieren er sich vorgenommen. Er nehme sich eine Krankheit vor, und der Kranke habe sie zu haben. Und wenn er sich noch so erweislich getäuscht, er werde nie den Irrtum einbekennen, sondern verstockt weiterstümpern, da die Standesehre ihm nicht erlaube, sich vor dem Laien zu blamieren; lieber solle der Laie verrecken. Die Herren Kollegen müßten sich natürlich solidarisch erklären, und so würden Menschen herzlos geopfert, denen im Grunde nichts fehle, als daß sie an die offiziell bescheinigte Wissenschaft glaubten. Einen habe sie gekannt, einen sturen Gesellen, der beim Anblick des Patienten irgendwelchen tiefsinnig klingenden Kohl dahergeschwatzt habe, dann sei er nach Hause gerannt, um die Anzeichen im Büchel nachzulesen. Einen Rittmeister hätte einer an Krebs kuriert, und es sei der Bandwurm gewesen, und eine Gutsbesitzersfrau an der Wassersucht, die im achten Monat schwanger war. Die Berufenen wüßten es, aber Berufene seien auf jedem Gebiet selten; wenn nicht ein ganzer Kerl dahinter stehe, sehe es auch mit der Doktorei windig aus. Wozu also noch Geld an die Pfuscher verschwenden?

Das war Wasser auf Mylius' Mühle; erstens wegen der Verschwendung und dann, weil doch auch er den Menschen von Grund aus und in all ihren Betätigungen mißtraute. Die verwandte Saite erzitterte sympathisch. Er konnte nicht umhin, die tiefe Beherrschung des Gegenstandes zu bewundern, durch die Ulrike vor ihm glänzte, die Weisheit des Urteils, den klaren Blick. Was für ein Frauenzimmer! dachte er, wie gut wäre es, sie für sich zu haben!

Nach kurzer Zeit spürte er alle Übel, die sie an ihm wahrzunehmen behauptete, auch wirklich. Sie wußte, wie man Hypochonder erzieht, denn sie hatte eine ausgebildete Kenntnis von der Angst im andern und ein perfides System der Befragung, durch das jedes einzelne Organ des Leibes wie mit einem bösen Gewissen behaftet wurde. So häuften sich die Merkmale, als da sind: Unlust an Essen und Trinken, abwechselnd mit Heißhunger und verzehrendem Durst; Schwindelgefühl nach rascher Bewegung; unruhiger Schlaf mit quälenden Träumen; dumpfer Druck in der rechten Weiche; flatternder Puls; leichte Erregbarkeit und Neigung zu Wutausbrüchen.

Ulrike studierte sie liebevoll, und wenn sie zusammenfassend ihre Schlüsse zog, klang es nicht tröstlich. Aber sie verstand auch zu zerstreuen und abzulenken, und wollte gar nichts mehr gegen die düsteren Ahnungen und bresthaften Störungen helfen, so nahm sie ihre Zuflucht zum Pikettspiel, bei dem ihre Lustigkeit und ihr beflissener Ehrgeiz ihn aufheiterten und zum Schmunzeln brachten. Sie fing ihn damit gänzlich ein, und an den Abenden, wo sie keine Zeit für ihn hatte, erschien er sich verlassen und verloren.

Vor dem, was im Hause sonst geschah, schloß er gewaltsam die Augen. Das ameisenhafte Getriebe, Kommen und Gehen von Lieferanten, Briefträgern, Boten, Bittstellern und Besuchern wischte er von der Tafel seiner Wahrnehmung weg. Manchen Tag war ein Rumoren, daß es in keinem Raum ein stilles Fleckchen gab. Im Flur standen die Handwerker und schwatzten; in der Küche wurde gehämmert; Kisten wurden gepackt und fortgetragen; Vorhänge von den Fenstern genommen; Christine rief von links, Ulrike von rechts; eine Modistin fragte nach Fräulein Esther, ein Schneider nach Herrn Lothar; ein Juwelier ließ etwas Unerklärliches ausrichten; ein Möbelhändler bat um Frist für den Lieferungstermin; ein Monteur wollte Auskunft über die Beleuchtung einer Freitreppe haben; ein Fuhrwerksbesitzer machte zwischen Tür und Angel ein beredtes Angebot; Aimée kam mit einem jungen russischen Windspiel nach Hause, das sie gekauft hatte: es ging zu wie auf einem Bahnhof. Hundertmal hörte man den Namen Ulrike; an ihr hing alles, ihr Wort galt alles, sie hatte zu bestimmen, zu raten, einzuteilen, zu beschwichtigen und anzueifern.

Mylius preßte die Hände gegen die Ohren, und wenn es zu toll wurde, kürzte er seine Siesta ab und ging in den Laden. Aber er hatte keine Freude mehr an seinem Beruf. Die schönen alten, kostbaren Dinge hatten ihr verborgenes Leben eingebüßt. Der Kampf um sie reizte nicht mehr. Das verführerische und spannende Anschwellen ihres Wertes in der Nachfrage, das listige und alle Geisteskräfte beanspruchende Hinunterdrücken der Preise beim Kauf war nun ohne Lockung der nur von ihm allein gewußten Prämie. Er überließ die Geschäfte dem blaubebrillten Herrn Schmidt und erhob auch gegen dessen Vorschlag, eine Hilfsperson aufzunehmen, keinen Einwand. Ehedem hatte er sich jeden Tag stundenlang mit der Verwaltung des riesigen Vermögens, der Ordnung der Papiere, Bankausweise, Steuerverschreibungen und Führung der Bücher und offenen und verschleierten Konti beschäftigt; jetzt langweilte und ermüdete es ihn. »Ich bin dem nicht mehr gewachsen«, klagte er. Er hielt Umschau nach einem vertrauenswürdigen Mann, auf den er die Bürde von Arbeit und Verantwortung überwälzen konnte. Er dachte an Abtretung des Geschäfts mit verbleibendem Gewinnanteil.

Herr Schmidt, der in aller Verschwiegenheit und Treue eines zwanzigjährigen Dienstes manche der Geheimnisse seines Chefs erkundet hatte, vermochte nicht, seine Bestürzung über den veränderten Kurs zu verhehlen. »Haben Sie mal was von den Danaiden gehört, lieber Schmidt?« fragte ihn Mylius mit resignierter Miene; »diese Danaiden waren Leute, die mit Scherben ein Faß füllen sollten, aus dem unten alles herausrann, was sie oben mit vieler Mühe hineingegossen hatten. Bedauernswerte Leute, nicht wahr? Nun sehen Sie, so geht es mir. Seit es unten rinnt, macht mir das Schöpfen keinen Spaß mehr.«

Und außerdem, fuhr er für sich fort, hat es auch verdammt wenig Sinn, zu sammeln und sein Eigentum zu vermehren, wenn sich vielleicht schon der Tod in einem eingenistet hat. Mögen sie erben; mögen sie erben und lachen. Aber den einen Gefallen tu ich ihnen nicht, daß ich sie bei meinen Lebzeiten schalten und walten lasse nach ihrer Herzenslust. Was zu retten ist, muß gerettet werden. Das bringt der alte Mylius nicht fertig, daß er an sich selbst zum Dieb und Räuber wird.

So bäumte sich die angeborene Natur ungebrochen und unbrechbar wider alle Versuche, sie zu biegen, und Ulrike erfuhr es. Sie hatte sich ausgerechnet, daß Christine, um die laufenden Ausgaben des Jahres, die Kosten des Umzugs, der Anschaffungen, der Einrichtung, der Miete und der neuen Lebenshaltung decken zu können, eine Summe von hunderttausend Gulden zur Verfügung haben mußte. Bei genauerer Überlegung sagte sie sich dann, daß dieser Betrag wohl fürs erste zureichte, aber doch nicht genügte, um mit völliger Freiheit und Sorglosigkeit zu wirtschaften, und man in einiger Zeit von neuem gezwungen sei, mit Mylius zu verhandeln und seinen, wie vorauszusehen war, verzweifelten Widerstand niederzukämpfen. Deshalb entschloß sie sich zu einem großen Schritt, und bei einer Unterredung, die sie Mylius feierlich angekündigt hatte, forderte sie für Christine und im Namen Christines einen Bankkredit von dreimal hunderttausend Gulden.

Mylius brach in ein neurasthenisches Gelächter aus. Der Schweiß trat ihm auf die Stirn.

Sie begann nun auf ihn einzureden. Sie sprach und sprach eine Viertel-, eine halbe Stunde lang. Sie nahm all ihre Seelenkenntnis, all ihre Phantasie, all ihre Schlauheit, alle Geduld zu Hilfe. Sie berief sich auf seine Vater- und Gattengefühle; sie wies auf das ungenutzt schwindende Dasein hin und die berechtigten Ansprüche der Jugend; sie malte die wohltätigen Folgen seiner Großmut aus, den Hochrespekt der Mitbürger, der Liebe der Familie, ein mit Ehren überhäuftes Alter; im gleichen Atem beschwor sie die Schreckbilder des Siechtums und der Verlassenheit; sie überschüttete ihn mit Drohungen, Bitten, Sarkasmen, Beschuldigungen, Verachtungsausbrüchen und Beteuerungen ihrer Anhänglichkeit. Sie ergriff seine eiskalten Hände und streichelte sie, und als er noch immer stumm und steif und fahl auf seinem Stuhle saß, rief sie ihm zornbebend zu, er möge in seinem Geiz und Unflat verharren, sie gehe, sie habe genug, wozu solle sie sich für andere das Herz abhärmen und die Zunge wund reden, sie gehe und überlasse ihn seinem traurigen Jammer.

Da regte er sich. Er versuchte wieder zu feilschen. »Nichts da«, fuhr ihm Ulrike ins Wort, »nicht ein Zehntel Heller wird abgehandelt.« Nun stellte er die Bedingung, daß ihm am Ende jedes Quartals genaue Verrechnung vorzulegen sei und er, falls er finde, daß die Geldgebarung das annehmbare Maß überschreite, sein Zugeständnis widerrufen könne. Darein willigte Ulrike.

Uff, sagte sie zu sich selbst, als es soweit war und er unter ihren Augen den Auftrag an die Bank geschrieben hatte.

Mylius stützte mit der Gebärde eines gebrochenen Mannes den Kopf in die Hand. Er fing an, leise vor sich hinzuwimmern, daß er ruiniert sei. »Wozu das alles, wozu!« rief er schmerzlich, »doch nur, um zu fressen, zu saufen und sich zu putzen. So niederträchtig kann doch kein Mensch sein, daß er von mir verlangt, ich soll mit ansehen, wie mein eigen Fleisch und Blut Orgien feiert, sich dem Laster in die Arme wirft und den Ausschweifungen ergibt. Von meinem Gelde, von meinem schwer verdienten Gelde! Lasten Sie es nicht zu, gute Ulrike«, er packte ihre Hände und rüttelte an ihnen; »verhindern Sie dieses Verbrechen. Lassen Sie mich alles zurücknehmen, ich will Ihnen dankbar sein bis an mein Lebensende.« Und der alte Mann brach in Schluchzen aus, das wie das rostige Knarren einer Tür klang.

Ulrike versicherte sich zunächst des unterschriebenen Briefes, dann sagte sie strafend: »Wenn Sie sich so aufregen, ist meine ganze schöne Kur für die Katz. Nach dem Abendessen nehmen Sie Brom und im Bett einen Dunstumschlag um den Bauch. Das beruhigt. Denken Sie doch ein wenig nach. Was will man denn von Ihnen? Zinsen. Kein Mensch will sich an dem heißgeliebten Kapital vergreifen. Kapital ist ein Heiligtum, das begreif ich. Aber Zinsen? Zinsen sind wie junge Salatblätter. Man rupft sie ab und verzehrt sie, und die Wurzeln bleiben stehen. Wer wird denn da heulen und die Hände ringen! Schämen Sie sich.«

Mylius sah gepeinigt zu ihr empor. »Versprechen Sie mir, schwören Sie mir, liebe Freundin, daß kein Mißbrauch getrieben wird«, sagte er; »ich sehe ja ein, daß ich in der Angst und Sparsamkeit zu weit gegangen bin und daß Ihre Absichten edelmütig sind. Ich habe mir selbst das Messer an die Kehle gesetzt, bin selber schuld. Aber halten Sie sie ab von Verschwendung, von unnützem Aufwand, von Prunksucht und Völlerei. Ich könnt es nicht überleben. Ich hatte nie kostspielige Bedürfnisse, Sie wissen es. Ich habe nie Wein getrunken, bin auf Reisen dritter Klasse gefahren, habe mir nie einen Wagen spendiert; ich besitze zwei Paar Stiefel, einen Sonntags- und einen Werktagsanzug, und wenn irgendwo Eintrittsgeld zu zahlen war, wo ich gern hineingegangen wäre, hab ich mir gesagt: du kannst getrost warten, es kommt gewiß der Tag, wo man auch umsonst hineinkann. Und so war es auch; kam er nicht, nun, so ließ ichs eben. Es sind ja Einbildungen: man genießt, und es ist vorbei. Ists doch immer nur ein Bröckchen, das auf den einzelnen kommt, und hat er nach was besonders Gleißendem gegriffen und schaut in seine Hand, so ist nichts drin. Der Wunsch, den ich erfüllbar weiß, bleibt mir warm in der Brust, der erfüllte ist Schutt. Zwischen Rausch und Katzenjammer gibt es keine Leistung; der Mensch muß nüchtern sein. Wer verzichten kann, dem winkt der Kranz. Meinen Kindern fehlt der Begriff von der Würde des Erworbenen, Josephe vielleicht ausgenommen; Christine ist ein schwankes Rohr; also muß ich mich an Sie wenden. Wachen Sie über mein Gut, Ulrike; schwören Sie mir, daß Sie sie in Zucht und Vernunft halten.«

Es lächerte Ulrike, daß sie immerfort vor alten Männern schwören sollte, und für die finstere Komik dieses Sichanklammerns an ihre Person hatte sie Verständnis. Sie sagte: »Sorgen Sie sich nicht. Ich kenne meine Pflicht. Es braucht keinen Schwur. Und jetzt machen Sie einen dicken Strich unter die Vergangenheit und fangen Sie mit uns allen ein neues Leben an.«

Er schüttelte schwermütig den Kopf. Ulrike aber enteilte, flog in Christines Zimmer und hielt ihr triumphierend den von Mylius unterzeichneten Brief vor Augen. Christine stammelte: »Ich hätte es nie für möglich gehalten« und fiel der tapferen Freundin um den Hals. Esther, Aimée und Lothar waren nebenan; der rührende Auftritt zog sie herbei; Esther warf einen Blick auf das Blatt Papier, das ihre aller Zukunft in Gold tauchte, und stieß einen Jubelschrei aus; Aimée schlotterten die Knie vor Entzücken; Lothar ergriff die Schwestern bei den Händen, und zu dritt umtanzten sie Ulrike, die sich bewegt in ihr Taschentuch schneuzte. Eben war Josephe heimgekommen und konnte die freudige Entwicklung von der Schwelle aus wahrnehmen; der Abend war schon vorgeschritten, sie war müde, auch ihre Verwunderung hatte etwas Müdes, aber nicht bloß deshalb wirkte ihre Gegenwart erkältend. Die Geschwister betrachteten sie schon wie eine Fremde; es trat verlegenes Schweigen ein, und sogar Christine wußte nicht recht, was sie sagen sollte.

Doch hatte sich Josephe innerlich bereits mit solchen Erlebnissen abgefunden. Es ging so vieles vor, was sie nicht ganz zu fassen vermochte, daß sie das Staunen beinahe verlernt hatte. Oder sie vergaß zu erstaunen, auch das war möglich bei ihr. Das Ziel der Begebenheiten war ihr ja bekannt, aber die einzelnen Stufen der Veränderung hatten zuviel Verwirrendes, als daß sie mit ihrer gelassenen Aufmerksamkeit immer hätte beurteilen können, wo man stand.

Heute zum Beispiel waren die meisten Zimmer leer. Am Morgen war der Möbelwagen dagewesen, und statt der vertrauten Dinge sah man die nackten, ein wenig abgescheuerten Wände. Gleichwohl war beschlossen worden, daß der eigentliche Umzug erst in vierzehn Tagen, Mitte Mai, vor sich gehen sollte, denn Ulrike hielt dafür, daß in der neuen Welt alles bis auf den letzten Hammerschlag und Pinselstrich fertig sein mußte, ehe man die alte verließ.

Die lieben Räume, dachte Josephe, indem sie versonnen von Tür zu Tür ging; hier ist man geboren, hier hat man die ersten Menschenlaute gelallt und ist mit ungelenken Schritten der Mutter in die Arme gewankt, die alles war, Himmel, Erde, Licht und Schall. Nun geht man fort wie von einer Brandstätte und andere werden kommen und ein unbekanntes Leben führen.

In jeder Ecke lags wie ein versteinerter Kindertraum, und die ungeschmückten Fenster starrten wie tote Augen. Es ist nicht gut, dachte Josephe und zog fröstelnd die Schultern zusammen, es kann auch nicht gut werden. Sie erinnerte sich, daß Ulrike einmal gesagt hatte: Stadtkinder haben keine Heimat; das Wort fiel ihr jetzt aufs Herz.

Am nächsten Abend, als sie nach Hause kam, waren Gäste im Eßzimmer. Daran war sie bereits gewöhnt; seit Wochen hatte sich lebhafte Geselligkeit eingenistet, und schon beim Öffnen der Flurtür hatte sie stets das heitere Durcheinander von Stimmen gehört. Sie kannte die Leute nicht und hatte auch keine Lust, sich unter sie zu mischen; dazu war sie viel zu müde. Aber wenn sie in der Küche ihr Essen holte, verriet ihr Nanette die Namen, einige mit ehrfürchtiger Betonung, einige mit gleichgültiger. Graf Lex war am häufigsten genannt; dann ein Herr von Pillersdorf; dann ein Baron Althann. »Warum gehen Sie nicht hinein?« fragte die freundliche Nanette stets, »sie sind so lustig drinnen.« Und Josephe antwortete: »Ich bin zu müde.«

Im Vorraum hingen die Mäntel und steife schwarze Hüte und feindselig aussehende Stöcke und Schirme. Der Vater schritt in Filzschuhen über den Flur und schälte im Gehen einen Apfel. Dies erschien Josephe außerordentlich bedrückend, sie wußte nicht warum. »Guten Abend, Vater«, flüsterte sie. Er nickte ihr zu, ohne zu antworten. Sie hielt einen Teller mit Spargeln in der Hand, da ertönte von drinnen Musik, das Klavier, unverkennbar von einem Meister gespielt. »Das ist Fräulein Ulrikes Bruder«, wurde Josephe von Nanette belehrt, die sich an ihre Seite geschlichen hatte, um ebenfalls zu lauschen.

Als das Stück zu Ende war, setzte sich Josephe auf die Bank im Flur wie eine Bettlerin und biß von den Spargeln die Köpfe ab. Drinnen entstand ein vielfaches Gutenachtsagen, sie wollte flüchten, merkte aber dann, daß es die Mutter war, die sich in ihr Zimmer zurückzog; gleich darauf schellte sie auch nach Nanette. Josephe blieb sitzen, lehnte den Kopf an die Mauer und hörte den plaudernden Stimmen zu. Es dauerte nicht lange, so schallten wieder die Töne des Klaviers, diesmal präludierend, und nach wenigen Takten setzte eine Singstimme ein. Es war Ulrikes Stimme, ein tiefer, nicht ganz reiner, aber wohlklingender Alt. Sie sang ein französisches Scherzlied; Josephe verstand die Worte, deren Verfänglichkeit, wie man deutlich unterscheiden konnte, durch das soubrettenhaft Herausfordernde des Vortrags wirksam unterstützt wurde. Sie erinnerte sich plötzlich, wie Ulrike damals vor dem Vater das Gedicht vom Storch rezitiert hatte, und wie sie trotz des harmlosen Inhalts etwas an Ulrikes Haltung oder nur das Durchtriebene des Mienenspiels verletzt hatte.

Ulrike sang:

» Mon héros quoique petit
est mutin comme un grand diable;
sa bravoure et son esprit
L'ont rendu considérable.
Mais à table, mais à table
il vaut encore mieux qu'au lit.
«

Josephe hätte an dem Text nichts Auffälliges gefunden, wäre das Gelächter nicht gewesen, das nun folgte; dieses machte sie erröten. Sie ging in ihre Kammer, legte sich zu Bett und grübelte lange über Ulrike nach. Wenn sie sich Ulrike vorstellte, hatte sie eine warme und vertrauende Empfindung; doch wenn sie bloß dachte, wenn sie dies und jenes zusammenhielt und Schlüsse daraus zu ziehen versuchte, wollte keine Harmonie entstehen, und je mehr sie sich bemühte, je unkenntlicher wurde das Bild und je banger wurde ihr zumut.

Es steigerte sich bis zur Qual, aber mitten im Sinnen und Zweifeln schlief sie ein. Zwei oder drei Stunden mochte sie wie unter einer Faust geschlummert haben, da wachte sie auf, und wieder war die Qual da. Gewohnt, wenn sie nachts erwachte, Ulrikes Atemzüge von der andern Wand her zu vernehmen, glaubte sie auch jetzt den starken rhythmischen Hauch zu hören, aber als sie dann angestrengter lauschte, schien es ihr, als sei die Schläferin drüben auch aufgewacht, denn es kam kein Laut.

»Ulrike!« rief sie gedämpft.

Sie erhielt keine Antwort.

Da zündete sie ein Streichholz an und machte Licht. Ulrike lag nicht im Bett und das Bett war unberührt. Sie sah auf die Uhr. Es war halb vier. Vor den Fenstern dämmerte es. Die Gäste können doch nicht mehr da sein, sagte sie sich; vielleicht ist etwas passiert. Sie sah nun, daß Ulrikes Kleider und Strümpfe auf dem Stuhl neben dem Bett lagen, ein wenig unordentlich, wie es stets der Fall war. Angst regte sich: wenn der Mutter etwas zugestoßen wäre? Vielleicht war sie krank geworden und hatte Ulrike gerufen. Diese Furcht trieb sie empor; sie schlüpfte in den Schlafrock und ging hinaus, um an der Tür der Mutter zu horchen. Kaum hatte sie, auf Zehen, ein paar Schritte gemacht, als sich die Tür von Lothars Schlafzimmer öffnete und Ulrike im Nachtgewand auf der Schwelle erschien. Das Gesicht war zurückgewendet; Kerzenschein fiel auf die gazellenhaft bewegliche Gestalt; die Hände waren im Scherz drohend erhoben, und sie flüsterte, die Melodie nur andeutend: » Mon héros quoique petit …« Unter leisem Lachen schloß sie behutsam die Tür; da stand Josephe vor ihr.

Mit einem wahren Panthersprung hatte sie sie an der Schulter gepackt. »Gehst du spionieren, Mädel?« zischte sie.

Doch als sie das erstaunte, blasse, in der Dämmerung des Flurs übermäßig blasse Gesicht Josephes mit dem kindlich unbegreifenden, kindlich grübelnden Ausdruck aufmerksam und nah betrachtete, ärgerte sie sich über ihre Aufwallung und das selbstverräterische Wort. Sie schüttelte unmutig das entbundene dichte, wie Gras aufsässige Haar und mit einer Kopfneigung gegen Lothars Kammer sagte sie in ihrer gewöhnlichen flotten Art: »Er hat Halsschmerzen und fiebert ein bißchen; ich hab ihm Kamillentee gekocht.«

Josephe spürte, daß sie log. Und sie spürte, obwohl sie zu Boden schaute, den Blick unversöhnlichen Hasses aus Ulrikes Augen. Sie wünschte etwas sagen oder tun zu können, das diesen ihr unverständlichen Haß milderte, aber es war alles stumm und gefesselt in ihr.


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