Karl Kraus
In dieser großen Zeit – Aufsätze 1914-1925
Karl Kraus

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Was Herr Castiglioni umsonst erhalten konnte

Wie erinnerlich, ist Camillo Castiglioni im Sommer vergangenen Jahres vom Präsidenten Masaryk empfangen worden und auf Schloß Lana zu Gast gewesen. Einzelne tschechische Blätter hatten nun in den letzten Tagen im Zusammenhang mit den vielen Meldungen, die über Castiglioni kursierten, das Gerücht verzeichnet, Castiglioni habe für die Vermittlung dieser Audienz mehrere Millionen bezahlt. Dem gegenüber veröffentlicht die Kanzlei des Präsidenten heute folgende Erklärung :

»Die Kanzlei des Präsidenten kann nicht jede Pressenachricht richtig stellen, die unsinnig ist oder bei der das Tendenziöse jedem Einsichtigen klar sein muß. Castiglioni wurde vom Präsidenten der Republik empfangen, ebenso wie eine Reihe anderer einheimischer und ausländischer Volkswirtschaftler. Wir müssen dafür dankbar sein, daß wir einen Präsidenten haben, der es versucht, sich auch durch persönliche Bekanntschaft mit Männern, die mächtig in die öffentlichen Angelegenheiten eingreifen, zu informieren. Das persönliche Kennenlernen dieser Menschen ist für die Politik von der größten Bedeutung. Die Mitteilung von dieser Audienz ist ebenso wie dies bei allen übrigen der Fall ist, am 18. Juli 1923 amtlich der Presse zur Verfügung gestellt worden. Es bestand somit keine Absicht, irgend etwas zu verschweigen. Kein vernünftiger Mensch wird glauben, daß Castiglioni für etwas, das er umsonst erhalten konnte, Millionen bezahlt hätte. Damit fallen alle Gerüchte zusammen, die an das Zustandekommen dieser Audienz geknüpft worden sind.«

Gewiß hat es kein vernünftiger Mensch geglaubt und es liegt klarer Weise einer der tausend Fälle vor, in denen sich jene nachrevolutionäre Geistesverfassung des mitteleuropäischen Bürgertums zu erkennen gibt, die sich der während des Kriegs beobachteten würdig anreiht und die man wie diese mit Recht »Mentalität« nennt. Jedes Spießerhirn lebte und lebt der durch keinen noch so lückenlosen Gegenbeweis, durch keinen noch so eindeutigen moralischen Sachverhalt zu erschütternden Überzeugung daß, wo der Kaiser sein Recht verloren hat, nichts ist als Korruption, daß der Zugang zu jeglicher Amtlichkeit der Republik ein Sperrgeld kostet, daß jede Regierungshandlung der neuen Macht ein Versuch ministerieller Bereicherung ist, daß dem Seitz der Heinrichshof gehört und, wenn ein Masaryk Herrn Castiglioni empfängt, daß da nicht das Problem der sittlichen Persönlichkeit im Zwange der Staatsinteressen gegeben sei, sondern die Wahrscheinlichkeit der staatlichen oder gar der persönlichen Bestechung. Die unzähligen Versionen, die in solcher und ähnlicher Richtung seit den Umsturztagen verbreitet wurden, haben eine gesellschaftliche Atmosphäre geschaffen, in der es geradezu als ein Wunder erscheint, daß die giftigen Idioten, die aus ihrem ureigensten Gesinnungsdreck heraus die leibhaftige Niedertracht als das Opfer der Selbstlosigkeit produzierten, unerschlagen geblieben sind. Zumal in Böhmen hat die knirschende Wut einer um die Privilegien ihrer Engherzigkeit gebrachten Kaste Exzesse der Verleumdung gezeitigt, welche nur dem Mitleid mit einer Geistigkeit geringfügig erscheinen konnten, der eben noch die Beweggründe der eigenen Moral zur Erklärung weltgeschichtlichen Umschwungs erreichbar sind. Daß ein Mann wie Masaryk genötigt ist, eine solche Erklärung zu erlassen, zeigt, welche gesellschaftliche Lumpengesinnung dort noch immer die Macht hat, den ihrer würdigen journalistischen Ausdruck zu finden.

Trotzdem muß gesagt werden, daß die Stilisierung dieser erklärenden Note nicht das Glück hat, auch dem Bedauern über die Tatsache der »Audienz« des Herrn Castiglioni entgegenzuwirken. Ohne Zweifel ist es Recht, Pflicht und vielleicht gar hübsch von einem großen Herrn, selbst den Castiglioni zu empfangen. Immerhin aber könnte sich die Reihe der einheimischen und ausländischen »Volkswirtschaftler« gegen die Komplettierung mit dem gleichen Rechte wehren, mit dem etwa Kriminalisten bestreiten würden, daß das berechtigte Interesse, einen großen Einbrecher kennen zu lernen, eine Anerkennung ihrer Wissenschaft bedeute. Wie doch wohl auch bei aller Möglichkeit, mit Haifischen Ressortfragen zu erörtern, die Auffassung nicht gut platzgreifen könnte, daß sie von der Marine seien. So mächtig sie in die öffentlichen Angelegenheiten eingreifen, so müßte doch die Ohnmacht des Staates, in ihre Angelegenheiten einzugreifen, nicht so sehr als Selbstverständlichkeit wie als tragischer Umstand gefühlt werden und die Repräsentanten dieser Ohnmacht weniger mit Respekt als mit Schauder erfüllen. Recht unglücklich ist die Folgerung, es habe keine Absicht bestanden, irgend etwas zu verschweigen, aus der Tatsache, daß die Mitteilung dieser Audienz »ebenso wie dies bei allen übrigen der Fall ist«, amtlich der Presse zur Verfügung gestellt wurde. Nicht die Audienz, sondern ihre Hintergründe wären verschwiegen worden, wenn es solche gegeben hätte, ja in diesem Falle hätte doch wohl gerade die Publizierung der Audienz eine Bedingung des Audienzwerbers gebildet. Keinesfalls könnte die Tatsache, daß aus dem Empfang kein Hehl gemacht wurde, einen Beweis für die Sauberkeit seines Zustandekommens abgeben. Auch Herr Castiglioni mag Wert darauf legen, den Präsidenten der tschechoslowakischen Republik persönlich kennen zu lernen – er hätte aber viel weniger davon, wenn es nicht gemeldet würde. Nicht über alle Empfänge wird ohneweiters der Presse eine Mitteilung zur Verfügung gestellt und wenn, wie mir bekannt, die Präsidialkanzlei an einen Geladenen die Frage stellt, ob ihm die offizielle Bekanntmachung genehm sei oder nicht, so tut sie dies gewiß mehr mit Rücksicht auf die Eigenart des Besuchers als wegen des Bedenkens, daß dem Empfang ein unlauterer Beweggrund unterschoben werden könnte. Wohl hätte die Audienz des Herrn Castiglioni ex officio verschwiegen werden sollen, weil sie als solche ja bedenklich genug ist. Aber die Frage nach seinen Wünschen betreffs der Publizierung, die an ihn wohl nicht gestellt wurde, hätte er sicherlich nicht ablehnend beantwortet, und wäre die Publizierung in jenem Moment nachträglicher Besinnung, da die vollbrachte Tat ein anderes Antlitz zeigt, unterblieben, der Besucher hätte nicht um Millionen, die man ihm geboten hätte, darauf verzichtet, für publizistischen Ersatz in weitestem Umfang zu sorgen. Allein selbst dieser Freimut, die Tatsache der Audienz zu bekennen, wäre kein Beweis gegen die Absicht gewesen, »irgend etwas zu verschweigen«, nämlich das, was jene entwertet hätte.

Hingegen wäre ferner zu sagen, daß, so einleuchtend der Schluß ist, einer werde doch nicht für etwas Millionen bezahlen, »das er umsonst erhalten konnte«, doch auch das Bedauern vorhanden bleibt, daß er es umsonst erhalten konnte. Es wäre zum Beispiel gar nicht übel gewesen, den Dank für ein Erlebnis, das nebst dem ehrenhaften Informationsdrang des Staatsoberhauptes auch leider dem Ansehen des Herrn Castiglioni geholfen hat, vor aller sehenden Öffentlichkeit die tschechischen Kriegsblinden ernten zu lassen. Schließlich wäre aber noch auf eine Lücke der amtlichen Erklärung hinzuweisen, indem sie unerwähnt läßt, was eigentlich Herr Castiglioni vom Präsidenten Masaryk umsonst erhalten hat, und hier wäre zu erinnern, daß ein persönliches Kennenlernen der Erscheinungen, die es in der heutigen Welt gibt, so nützlich und notwendig es dem Staatsmann erscheinen mag, doch nicht unbedingt zu einem »Lunch« ausarten muß und daß ein solcher keineswegs zu jenen Gaben gehört, welche mächtig in die öffentlichen Angelegenheiten eingreifende Männer umsonst erhalten können. Die Erklärung, die sich damit begnügt, eine »Audienz« zu rechtfertigen, verletzt die Pflichten einmal erwiesener Gastfreundschaft, indem sie sie vergessen machen will. Sie widerlegt die törichte Infamie, daß der Zutritt zu einer der wenigen sittlichen Gestalten der Kriegs- und Nachkriegswelt zu erkaufen sei, sie beseitigt aber nicht das Unbehagen einer Vorstellung, daß ein solcher Mann, für dessen Gesundheit die Nation mit Recht besorgt ist, an einem Tisch mit Herrn Castiglioni zu Mittag gespeist hat. Die Umgebung des Präsidenten, die es unterlassen hatte, ihn, den das Streben ehrt, sich zu informieren, ihrerseits auch über die Grenze zu informieren, bis zu der die Befriedigung solchen Strebens noch möglich ist, sie hat es gleichermaßen unterlassen, den von ihr verschuldeten Mißgriff zu bekennen. Als mich die Nachricht von der Einladung des Herrn Castiglioni zum Lunch bei Masaryk zu einer Absage zwang, wiewohl ich mir doch des ehrenvollen Unterschieds bewußt war, daß es ihm genügt hatte, mich persönlich kennen zu lernen, und daß es in meinem Fall weder nötig würde, einen Lunch zu melden noch zu verschweigen, da wollte ich nicht den ehrwürdigen Mann, sondern ein republikanisches Zeremoniell treffen, das, wie in den tschechischen Belangen militärischer und jagdlicher Aufmachung mit dem Inhalt der Persönlichkeit unvereinbar, noch den Umriß der Staatsfigur verzerrt. Daß Herr Castiglioni etwas umsonst erhalten hat, konnte nur der böseste Wille bezweifeln. Aber der beste muß bedauern, daß er umsonst erhalten hat, was er mit Millionen hätte bezahlen müssen, und daß er erhalten konnte, was nicht mit Millionen zu bezahlen war.

Weltgericht

Der bis zum letzten Hauch von Mann und Roß beschworene Glaube, daß die Welt Gott behüte am deutschen Wesen genesen werde, ist begraben. Die Hoffnung, daß sie vom deutschen Wesen genesen werde, lebt auf. Und gottlob auch die Hoffnung, daß es von sich selbst genesen werde, zurückfinden von dem seinem Wert und seiner Sprache ungemäßen Wahn zu sich selbst und seinen guten Geistern, vom Export zu dem Platz an der Sonne seiner Naturgaben. Ehre einem verunglückten Volk, das sich bis zur Erkenntnis aufgeopfert hat – Schande seinen Verleitern, mag nun Tücke oder Dummheit das größte aller weltgeschichtlichen Verbrechen begangen, das größte aller weltgeschichtlichen Opfer bewirkt haben! Das Erlebnis aber, daß eine Anschauung, zu der man sich als einer von den wenigen bekannt hat, von den vielen geteilt wird und fast gefahrlos geworden ist, und daß es nicht mehr den Kopf kostet, ihn behalten zu wollen; dieses überraschende Abenteuer eines völligen Kurssturzes der Phrase, des Eintretens in das letzte, bitterste und doch beglückende Stadium der Nibelungenreue; diese rapide Verwandlung des Kühnsten in das Selbstverständliche – enthebt mich nicht der Pflicht, es zu bekennen. Man bleibt doch immer der, der schon bei einem Durchbruch von Gorlice und noch früher, ja am ersten Tag dieses Spießrutenlaufs durch das Spalier der mechanisierten Phantasiearmut, an all diesen kriegverlängernden Siegen vorbei, entlang dieser Tobsucht einer Quantität, die nicht den Mut hatte sich selbst zu berechnen – geahnt, nein gewußt hat, daß mit einer von keinem Shakespeare zu erreichenden tragischen Folgerichtigkeit die Befreiung aus dem Zwang des Idols erfolgen und daß eines Tages, leider noch vor dem leiblichen Jammer, die größere geistige Not beendet sein werde, die da geboten hat, aus der Verächtlichkeit eine Tugend, aus der Verhaßtheit einen Erfolg, aus der Nichtswürdigkeit eine Ehre zu machen. Wollte man in den Gespensterreichen dieser Lebensmittelmächte gespensterhaft deshalb, weil hier Börseaner die Sprache der Grüfte redeten, und weil darin Macht war, Grüfte zu füllen, die Macht von Technik und Romantik in Einem, die Macht der sich automatisch entzündenden Phrase – wollte man heute hier eine Abstimmung veranstalten, welcher Mitteleuropäer wohl am weitesten von der Möglichkeit entfernt war, einen Wehrmann zu benageln oder gar einem eisernen Hindenburg etwas ins Auge zu stoßen oder dem Geschmack jener Tage sonst was zuliebe zu tun, wo Fibel und Chemie, Ornamentik und Organisation, Schwachsinn und Bestialität Schulter an Schulter ihre unnennbaren Offensiven gegen die Menschenwürde unternahmen – wohl wäre ich einer unter den wenigen, die in die engere Wahl kämen und denen nachgesagt werden müßte, daß sie sich weigernd und wehrend der heiligen Pflicht, diese unheilige Zeit zu vertreiben, entsprochen haben. Man wird mir, wenn man mir in diesen zweitausend Seiten der Kriegsfackel – einem Bruchteil von dem, was technische und staatliche Hindernisse mir begrenzt haben – keine positivere Leistung zuerkennt, immerhin das Zeugnis ausstellen, daß die schmutzige Zumutung der Macht an den Geist: Lüge für Wahrheit, Unrecht für Recht, Tollwut für Vernunft zu halten, von mir tagtäglich mühelos abgewiesen wurde. Denn der bessere Mut war der meine, im eigenen Lager den Feind zu sehen! Und wer die Furcht vor der wirkenden Macht nicht gekannt hat, dem, nur dem, steht es auch zu, kein Mitleid mit der gebrochenen Macht zu kennen. War doch die Gemütsverfassung, mit der ich mich vor das Angesicht dieser höchst subalternen Gewalttäter gestellt habe, durch alle Trauer hindurch, durch allen Schmerz und alle Scham hindurch stets die einer unbesiegbaren Heiterkeit. Und solche Zeugenschaft ist opfervoll genug. Denn gäbe es ein schwereres Durchhalten als lachen zu müssen, wo man aufschluchzend in den letzten Wald rennen möchte, den dieses organisierte Verhängnis noch nicht vergast hat? als das Unvermögen, einer Glorie, die in einer verelendeten, verhungerten, verlausten, verluderten Welt umging und in Rucksäcken ihre Lorbeern trug, die Glorie zu glauben? als den Fluch, standzuhalten diesem elenden Komplott von Schindern und Schiebern, das ein Volk mit dem Fusel des Schlachtruhms besoffen gemacht hat, um es abzuschlachten, und abgeschlachtet hat, um es auszurauben! Diesen Allerhöchstverrätern, die keinen Vorwand vaterländischer Ehre gescheut haben, um sich selbst zuliebe den schuftigen Griff in die fremden Lebensgüter zu begehen; die mit jedem Atemzug jene abgelebten Vorstellungen geschändet haben, in deren Namen sie über Leben, Glück, Jugend, Gesundheit, Freiheit, Ehre, Recht und Besitz der andern verfügten; hinter Fahnen ihr Diebsgeschäft betrieben und, herzlose Verwalter des feigen Maschinentods, die Menschheit an das Vaterland verraten haben und das Vaterland an ihre Niedertracht. Nun aber welche Wendung durch Gottes Fügung! Nun aber welche Atempause! Welch ein Lauschen auf den großen Hammer am Tor dieser Zeit; welch ein Spähen nach dem Licht, das in die Nacht dieser geistigen Burgverließe dringt; welch ein Beben in den Basalten, die nicht zu haben, Amerika es besser hat! Wenn dies keine Wende ist, hat der Planet noch keine erlebt! Wenn hier kein Fortinbras naht, hat es nie Trümmer einer Herrschaft gegeben, war nie eine aus den Fugen gegangene Zeit einzurichten. Wie Horatio empfange ich ihn:

Und laßt der Welt, die noch nicht weiß, mich sagen,
Wie alles dies geschah; so sollt ihr hören
Von Taten, fleischlich, blutig, unnatürlich,
Zufälligen Gerichten, blindem Mord;
Von Toden, durch Gewalt und List bewirkt,
Und Planen, die verfehlt zurückgefallen
Auf der Erfinder Haupt: dies alles kann ich
Mit Wahrheit melden.

Und werde, da sie alle schon, diese Macht- und Unrechthaber in der Nachbarschaft ihres Schicksals leben, dazu helfen, daß auch ihre Helfer, ihre Verführer, die Handlanger ruchlosesten Tagewerks, die journalistischen Rädelsführer dieses blutigen Betrugs, die Dekorateure des Untergangs, die Rekommandeure der Leichenfelder, die unfaßbaren Berichterstatter dieses tragischen Karnevals dingfest gemacht werden. Auch verbürge ich mich dafür, daß es dahin kommen wird, daß alle jene, die, soweit das Gehirnweichbild dieser Stadt sich dehnt und solange die Belange dieses Reiches reichen, eine der Blutpressen noch halten, für ehrlos erklärt werden. Weh dem, der den anonymen Henkern das neue Geschäft fördern wollte, ihnen, die nun, weil der wortgeborne Mord nicht mehr Gewinn, sondern Gefahr bringt, schon daran sind, die Menschlichkeit in eine Phrase zu verwandeln! Der panikartige Übergang ganzer Divisionen von Tellerleckern zu Wilson, die elende Bereitschaft, die Konjunktur des neuen Weltgefühls auszunützen, wird weder die Parasiten des entthronten Ideals noch deren ganzen Anhang davor schützen, erkannt und nach den Verdiensten ihrer doppelt gezählten Kriegsjahre behandelt zu werden – und so wahr mir Gott helfe, ich werde es mir angelegen sein lassen, daß alle jene, denen vierzehn fernhintreffende Punkte heute fast so imponieren wie gestern ein Hundertzwanzig-Kilometer-Geschütz, für eine Auszeichnung bei der nun weltmaßgebenden Stelle "eingegeben" werden. Gewaltiger als die Reue über die Tat fasse uns der Ekel am Wort und nehme so Besitz von den Gemütern, daß wir uns nie wieder Gut und Blut von jenen unverantwortlichen Organen herauslocken lassen, die den Ruf des Vaterlands mißtönender wiedergaben und die sich nun unter den Stimmen des ewigen Friedens verstecken möchten. Wenn die große Zeit, die in unserer Zone die niedrigste war, nun endlich daran ist, eine große Zeit zu werden, so wird sie es uns sein, wenn wir dem unbrauchbaren politischen Hausrat mit einem zweiten Ruck auch allen geistigen Unrat nachwerfen, allen Trödel ausrangierter Vorstellungen und alles Inventar der professionellen Wortverbrecher und sie selbst! Es kommt der Tag, wo die Embleme und Ornamente der überstandenen Glorie uns zu übernächtigem Grauen anstarren werden wie Faschingsmasken und fahle Schminkgesichter bei Sonnenlicht. Aber wenn wir, großmütig wie wir Menschenkinder sind, weil wir um eines Strahles der Freiheit willen gern alle Fieberträume der Nacht vergessen, die staatlichen Träger und Diener jener tödlichen Ideale pardonnieren möchten, und weil wir Mitleid mit ihrer Dummheit haben – Gott schütze uns vor der Gnade, die wir an die publizistischen Zwischenträger und Nutznießer vergeuden würden, an die Schriftgelehrten, die es schwarz auf rot gaben, als die Menschheit gekreuzigt wurde. Feder für Feder, Schuft für Schuft sollen sie uns das Blutbad, das sie uns gerüstet und gepriesen haben, ausgießen!


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