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24.

Die Leute, die auf den heißen Feldern arbeiteten und des alten Schorys Wägelchen so gar gemächlich auf der Landstraße dahinschleichen sahen, sagten kopfschüttelnd zueinander: »Schau', der Böswirt schlaft schon wieder amal auf sein'm Fuhrwerk. Wenn ihn 's Landgericht verwischet', nachher kostet's halt wieder drei Gulden. Ging' unsereiner hin, es traget' vielleicht ein paar Sechser, vielleicht auch nix, denn der Alt' is net zum verwecken; und bringt's am End' wirklich einer zustand, was hilft's? im nächsten Augenblick liegt er doch wieder da wie r' a Sack.«

So zog denn der führerlose Gaul Schritt für Schritt seinen gewohnten Weg ungestört, bis er, durch ein anderes Gefährt eingeholt, aus seiner Gemächlichkeit aufgeschreckt wurde. Es war des Grubenbauers Seph, der mit dem leeren Sandwagen heimtrollte.

»Willst gleich z'ruckgehn, Spitzbub', rotkopfeter?« schrie dieser, als er auf dem starken Teil der Deichsel einen kleinen frechen Jungen rutschen sah, der sich mit seinen vier Pfoten alle erdenkliche Mühe gab, dem Gaul so nah' als möglich zu kommen, und so jeden Augenblick Gefahr lief, unter die eigenen Räder zu purzeln. »Gehst z'ruck, oder ich jag' dich mit der Geißel!«

»I mag net,« erwiderte trotzig ruhig der Kleine, »und wenn d' mi net gehn laßt, nachher sag' i's mein'm Großvater. Der haut di.«

»Wer is denn dein Großvater, du Schlingel?« gab jener zur Antwort, während er's für seine Pflicht hielt, vom Bock zu steigen und den selbst dirigierenden Braunen zum Stehen zu bringen.

Aber kaum hatte er in die Wagenecke geblickt, als sich seine Züge schreckhaft verfärbten.

»Schory!« schrie er aus Leibeskräften. »Wirt! Alter! auf! he! auf!«

Aber kein Schreien von Menschenstimmen, kein Schütteln irdischer Fäuste konnte den Böswirt mehr zum Aufwachen bringen. Der schlief seinen letzten Schlaf.


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