Annette von Droste-Hülshoff, Levin Schücking
Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
Annette von Droste-Hülshoff, Levin Schücking

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Vielleicht im Januar 1841 geschrieben.

Mütterchen, ich wollte, ich könnte einmal in Ihres Bruders Bibliothek kommen, da fänd' ich gewiß viel. Es ist schlimm überhaupt, daß ich mich so beeilen muß mit meinem Westphalen; von Brenken ist ausgeblieben und wird wohl erst zum Landtage kommen, zu welchem gewiß noch manche prächtige lebende Quelle hierherkommt.

Die Jungfer Eli hab' ich schon in Kürze erwähnt; des Arnsbergers Tod ist wohl nicht begeisternd, er ist unästhetisch, so viel ich davon weiß. Was ist mit dem Dortmunder Bäcker? Wo steht was über ihn? Sagen Sie mir auch, liebes Mütterchen, was meinen Versen noch fehlt, mir schadet's nicht, ich kann mich danach verbessern; Junkmann dürfen Sie nicht auf Freiligrath, diesen nicht auf Junkmann weisen – obwohl Freiligrath ganz außerordentlich viel Victor Hugo nachmacht –, ich habe nur Talent, und das ist wie Wachs und läßt sich bilden, biegen, das Genie ist Cristall und bricht. –

Adieu, Mütterchen, morgen und übermorgen erzähl' ich Ihnen wieder was, wenn Sie die kindischen Reminiscenzen, die uns selbst so angenehm sind, aber Andren so langweilig scheinen möchten wie erzählte Träume, anhören mögen.

Ihr Levin.


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