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Kapitel 18.
Die Stiftungen für Universitäten und Erziehungszwecke, Kirchenorgeln und Pensionsfonds.

Die vierte meiner bedeutendsten Stiftungen war im Juni 1905 der 15 Millionen Dollar- Pensionsfonds für betagte Universitätsprofessoren (Carnegie-Stiftung zugunsten der Wissenschaft). Ihre Organisation erfolgte durch 25 Kuratoren, die aus den Rektoren der großen Institute der Vereinigten Staaten ausgewählt waren. Als 24 von diesen (Rektor Harper von der Universität Chicago war durch Krankheit verhindert) mir die Ehre erwiesen, zur Beratung in unserem Hause zusammenzukommen, knüpfte sich für mich dabei manche wertvolle Beziehung, von denen sich einige zur Freundschaft entwickelten.

Dieser Fonds ist mir besonders ans Herz gewachsen, da ich so viele kenne, die bald seine Früchte genießen sollen, und von ihrem Werte und der Wichtigkeit der Dienste, die sie der Menschheit geleistet haben, überzeugt bin. Von allen Berufen ist der Lehrerberuf der am wenigsten angemessen, ja sogar am schlechtesten bezahlte, obschon er eigentlich zu den am besten honorierten gehören sollte. Geistig hochstehende Männer, die ihr Leben der wichtigen Aufgabe der Ausbildung der Jugend weihen, erhalten geradezu jämmerlich geringe Gehälter. Als ich zuerst meinen Sitz im Kuratorium der Cornell-Universität einnahm, empörte es mich, daß die Professoren durchschnittlich weniger Gehalt bekamen als manche unserer Angestellten. Es ist für sie einfach unmöglich, etwas für ihr Alter zurückzulegen. Infolgedessen sehen sich die Universitäten, die keinen Pensionsfonds besitzen, veranlaßt, Männer noch im Amt zu belassen, die dazu eigentlich nicht mehr imstande sind und die man deswegen auch nicht mehr zur Ausübung ihrer Tätigkeit anhalten sollte.

Über die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieses Fonds Im Jahre 1919 belief sich der Fonds auf 29 250 000 Dollar. [Van Dyke.] kann also kein Zweifel bestehen. Die erste Liste der Benifiziaten, die veröffentlicht wurde, bewies das schon hinreichend, enthielt sie doch Namen von Weltruf, deren Träger der Erweiterung menschlichen Wissens unschätzbare Dienste geleistet hatten. Viele von ihnen sowie von ihren Witwen haben mir Briefe voll höchster Dankbarkeit geschrieben. Ich mag sie nicht vernichten, denn wenn mich einmal trübselige Stimmungen überkommen, dann ist es mein bestes Heilmittel, daß ich diese Briefe wieder durchlese. –

Mein Freund Mr. Thomes Shaw (jetzt Lord Shaw) aus Dunfermline hatte in einer englischen Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht, in welchem er darlegte, daß in Schottland viele weniger bemittelte Leute nicht mehr in der Lage seien, die Kosten für die Universitätsausbildung ihrer Söhne aufzubringen, obschon sie sich deshalb die größten Entbehrungen auferlegten. Als ich diesen Artikel las, kam ich auf den Gedanken, 10 Millionen in 5prozentigen Schuldverschreibungen zu stiften, von deren jährlichen Zinsen im Betrag von 104 000 Pfund die eine Hälfte zur Bezahlung der Kolleggelder für bedürftige, aber würdige Studenten, die andere Hälfte zur Förderung der Universitäten überhaupt verwandt werden sollte.

Die erste Versammlung des Kuratoriums dieser Stiftung für die schottischen Universitäten fand im Jahre 1902 im Edinburger Bureau des Staatssekretärs für Schottland unter dem Vorsitz des Lord Balfour of Burleigh statt. Es war eine Gesellschaft erlesener Männer: Premierminister Balfour, Sir Henry Campbell-Bannerman (der spätere Premierminister), John Morley (jetzt Viscount Morley), James Bryce (jetzt Viscount Bryce), der Earl of Elgin, Lord Rosebery, Lord Reay, Mr. Shaw (jetzt Lord Shaw), Dr. John Roß aus Dunfermline, der mit rührendem Eifer sich bei allem betätigte, was die Belehrung und Beglückung seiner Mitmenschen betraf. Ich erklärte ihnen, daß ich sie in Anspruch nehmen müßte, da ich den Fakultäten der schottischen Universitäten keinen Fonds anvertrauen möchte, nachdem ich kürzlich den Bericht einer Kommission gelesen hätte. Mr. Balfour rief sofort: »Keinen Penny, keinen Penny!« und auch der Earl of Elgin, der jener Kommission angehört hatte, war vollkommen dieser Auffassung.

Nachdem die Bestimmungen der Stiftung verlesen worden waren, äußerte der Earl of Elgin seine Bedenken, einen Vertrauensposten zu übernehmen, dessen Aufgaben nicht bestimmt umschrieben wären; er möchte doch genau wissen, worin seine Pflichten beständen. Ich hatte nämlich dem Kuratorium das Recht eingeräumt, durch Mehrheitsbeschluß die Bestimmungen über den Zweck und die Art der Verwendung des Fonds abzuändern, falls man später etwa einmal zu der Überzeugung käme, daß die für die schottischen Universitäten vorgeschriebenen Ziele und Methoden nicht mehr zeitgemäß seien. Balfour of Burleigh pflichtete dem Earl bei, ebenso Premierminister Balfour, der sagte, er hätte noch nie von einem Stifter gehört, der dem Kuratorium solche Macht zubillige; er bezweifle, daß das richtig sei. »Schön«, sagte ich, »Mr. Balfour, ich habe noch nie eine Körperschaft gesehen, die imstande gewesen wäre, vernünftige Gesetze für die nächste Generation aufzustellen; mitunter sollen sogar diejenigen, deren Sache es ist, ihrer eigenen Generation Gesetze zu geben, nicht immer ganz erfolgreich sein.« Das rief ein vergnügtes Gelächter hervor, dem sich auch der Premierminister anschloß. Dann sagte er: »Sie haben recht, sehr recht sogar; aber ich glaube, Sie sind der erste große Stifter, der diese vernünftige Ansicht vertritt.«

Ich hatte für jenen schwerwiegenden Beschluß nur eine einfache Majorität vorgesehen, Lord Balfour aber trat dafür ein, daß es eine Zweidrittelmehrheit sein müsse. Der Earl of Elgin schloß sich dem an, und alle anderen billigten es auch. Ich bin überzeugt, daß diese ganze Bestimmung eine sehr kluge Maßnahme ist, wie sich erst später erweisen wird. Sie gilt jetzt bei allen meinen großen Stiftungen, und ich bin und bleibe überzeugt, daß sich die wichtige Bedeutung dieser Bestimmung in der ferneren Zukunft einmal offenbaren wird. Der Earl of Elgin aus Dunfermline nahm nun den Vorsitz des Kuratoriums ohne Bedenken an. Als ich dem Premierminister gegenüber die Hoffnung geäußert hatte, Elgin für diesen Posten zu gewinnen, hatte er mir zur Antwort gegeben: »Einen geeigneteren Mann könnten Sie in ganz Großbritannien nicht finden.« Darüber sind wir uns heute alle einig. Der Earl ist übrigens ein Nachkomme des Königs Bruce; das Erbbegräbnis seiner Familie befindet sich in der alten Abtei von Dunfermline, in der sein großer Vorfahre unter der Klosterglocke ruht.

Es ist ein seltsamer Zufall, daß die vier zur Zeit lebenden Ehrenbürger der Stadt Dunfermline alle vier mit dem Kuratorium für die schottischen Universitäten in Verbindung stehen: der damalige Parlamentsvertreter für Dunfermline und spätere Premierminister Sir Henry Campbell-Bannerman, der frühere Vize-König von Indien und spätere Kolonial-Sekretär Earl of Elgin, Dr. John Roß, der unermüdlich für das Wohl und Gedeihen der Stadt gewirkt hat, und ich. Heute freilich gehört auch noch eine Dame zu unserem Kreis, die einzige Frau, die jemals von Dunfermline zur Ehrenbürgerin gemacht worden ist: meine Frau, deren Liebe zu meiner Heimatstadt ebenso groß ist wie die meine. –

Ein hervorragendes Ereignis meines Lebens ist meine im Jahre 1902 erfolgte Wahl zum Ehren-Rektor der St. Andrews-Universität Bei den schottischen Universitäten wird der Rektor (Lord Rector) von den Studenten auf jedesmal 3 Jahre gewählt. Es ist eine Ehrenstellung, für die die Professoren nicht wählbar sind, sondern meist eine politisch hervorragende Persönlichkeit gewählt wird. Der als Rektor in unserem Sinne amtierende Professor heißt dort Principal. Wir haben unserer deutschen Gewohnheit gemäß Lord Rector mit »Ehren-Rektor« und Principal mit »Rektor« übersetzt. – Die Universität zu St. Andrews ist die älteste Schottlands (1411 gegründet); sie umfaßt nur eine philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät und ein theologisches College.. Dadurch fand ich Zugang in die Welt des Universitätslebens, der ich bis dahin ferngestanden hatte. Wenige Ereignisse haben mir einen so tiefen Eindruck gemacht wie die erste Fakultätssitzung, als ich in dem alten Sessel Platz nahm, den in den fast 500 Jahren, die seit der Gründung der Universität verflossen sind, so viele erlesene Männer in ihrer Eigenschaft als Ehren-Rektor innegehabt haben. Zur Vorbereitung auf meine Antrittsrede las ich die Sammlung der Rektorenreden. Der bemerkenswerteste Satz, den ich darin fand, war der Rat, den der Dekan Stanley den Studenten gab: »Wenn Ihr Theologie lernen wollt, dann geht zu Burns.« Daß ein hoher kirchlicher Würdenträger und besonderer Günstling der Königin Viktoria dies den Studenten der Universität des John Knox John Knox (gest. 1572), der Reformator Schottlands, war 1547 der Prediger der protestantischen Adligen, die sich im Kastell von St. Andrews festgesetzt hatten und verteidigten, nachdem die Katholiken während der Regentschaft für Maria Stuart wieder die Oberhand gewonnen hatten. zu sagen wagte, ist ein sehr interessanter Beleg dafür, daß sich auch die Theologie mit den Jahren bessert. Bei Burns findet man in der Tat die besten Lebensregeln. Da ist zunächst der Satz: »Fürchte allein deine eigenen Vorwürfe!« Dieser Spruch wurde schon in früher Jugend mein Motto. Und dann:

Die Furcht der Hölle ist die Sklavenpeitsche,
Die den Feigen nur im Banne hält;
Der Freie aber denkt an seine Ehre,
Sie ist ihm Richtschnur seines Tuns.

Auch John Stuart Mills Rektoratsrede an die Studenten der St. Andrews-Universität ist bemerkenswert. Er wollte ihnen offenbar sein Bestes geben. Es ist höchst interessant, wie hoch er den Einfluß der Musik auf die Veredlung der Lebensführung und ihre Bedeutung als Quelle des reinsten und feinsten Genusses einschätzt. Das stimmt durchaus zu meiner eigenen Erfahrung.

Eine große Freude bereitete meiner Frau und mir eine Einladung, die wir an die Rektoren der vier schottischen Universitäten ergehen ließen, mit ihren Frauen und Töchtern eine Woche lang in Skibo unsere Gäste zu sein. An diesem ersten Beisammensein nahmen auch der Earl of Elgin, der Vorsitzende des Kuratoriums für die schottischen Universitäten, sowie Lord Balfour of Burleigh, der Staatssekretär für Schottland, mit seiner Gattin teil. Von da an ist die »Rektorenwoche« zu einer alljährlich wiederkehrenden, ständigen Einrichtung geworden. Die Herren schlossen sowohl mit uns, als auch untereinander gute Freundschaft, und aus diesem herzlichen Einvernehmen haben die Universitäten manchen Nutzen gezogen. Die Lust zu gemeinsamem Planen und Schaffen erhielt hier starke Anregung. Beim Abschied, nach dem ersten dieser jährlichen Besuche ergriff Rektor Lang meine Hand und sagte: »Fünfhundert Jahre haben die Rektoren der schottischen Universitäten gebraucht, um für ihre Zusammenkünfte einen richtigen Anfang zu finden. Eine Woche gemeinsam verleben, das ist die richtige Lösung.«

Die Zusammenkunft in Skibo im Jahre 1906 war dadurch denkwürdig, daß Miß Agnes Irwin, die Dekanin des Radcliffe College Das an die Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts, angeschlossene Radcliffe College wurde 1879 für den akademischen Frauenunterricht gegründet. und Urenkelin Benjamin Franklins, die Rektorenwoche mit uns verlebte; wir waren alle entzückt von ihr. Franklin Benjamin Franklin (1706-90), Vorkämpfer der amerikanischen Unabhängigkeit, Vater der amerikanischen Presse, berühmt durch seine gemeinnützige Tätigkeit und seine physikalischen Entdeckungen (Blitzableiter). hatte vor fast 150 Jahren sein erstes Doktordiplom von der St. Andrews-Universität bekommen. Als die zweite Jahrhundertfeier seines Geburtstages in Philadelphia festlich begangen werden sollte, schickte die St. Andrews-Universität, wie zahlreiche andere Universitäten der ganzen Welt, eine Glückwunschadresse und verlieh gleichzeitig seiner Urenkelin das Doktordiplom. Als Ehren-Rektor wurde ich beauftragt, es ihr zu übergeben und sie mit dem Ornat zu bekleiden. Das geschah am ersten Festabend, wo mehr als 200 Adressen überreicht wurden, vor einer großen Zuhörerschaft. Es machte natürlich auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck, daß die St. Andrews-Universität, die als erste dem Urgroßvater das Diplom verliehen hatte, nun 147 Jahre später der Urenkelin die gleiche Ehre erwies (und zwar in Würdigung ihrer eigenen Verdienste als Dekanin des Radcliffe College) und daß sie das Diplom über den Atlantischen Ozean sandte, um es durch den Ehren-Rektor überreichen zu lassen – den ersten, der nicht britischer Untertan, aber wie Franklin geborener Brite war und wie dieser amerikanischer Bürger wurde. In Philadelphia, wo Franklin begraben ist, fand die Gedenkfeier in Gegenwart einer glänzenden Versammlung statt. Es verlief alles vortrefflich und ich schätzte mich glücklich, bei solch einer stimmungsvollen und eigenartigen Feier als Deputierter mitwirken zu dürfen. Es war ein guter Einfall des Rektors Donaldson von der St. Andrews-Universität, das alles so einzurichten.

Daß mich die Studenten der St. Andrews-Universität einstimmig wiedergewählt haben, ohne daß ich für eine zweite Amtsperiode kandidiert hätte, habe ich freudig begrüßt. Ich liebte die Rektorenabende, an denen die Studenten den Rektor ganz für sich haben wollen und kein Mitglied der Fakultät eingeladen wird. Wir verlebten da reizende Stunden. Nach dem ersten derartigen Abend erzählte mir Rektor Donaldson, was ihm der Sekretär als Urteil über mich gesagt hätte: »Rektor Soundso redete zu uns, der vorige Rektor redete auf uns los, beide vom Katheder; aber Mr. Carnegie setzte sich mitten in unseren Kreis und redete mit uns.«

Die Frage der Unterstützung unserer amerikanischen Hochschulen ging mir auch oft durch den Kopf. Aber ich war der Ansicht, daß unsere Hauptuniversitäten, wie die Harvard und Columbia mit ihren 5-10 000 Studenten Im Jahre 1920 zählte die Columbia-Universität in Neuyork alles in allem in ihren verschiedenen Abteilungen 25 000 Studenten. [Van Dyke.], schon groß genug wären und daß ihr ferneres Wachstum nicht wünschenswert erschiene. Viel nötiger brauchten die kleineren Universitäten, besonders die » Colleges« Unterstützung, und es schien mir eine bessere Verwendung überschüssigen Reichtums zu sein, wenn man sie förderte. Demgemäß beschränkte ich mich später auf diese Institute und kann mit Befriedigung sagen, daß ich klug daran tat. Als sich dann später zeigte, daß der Umstand, daß Mr. Rockefellers großartiges Unterstützungswerk ( The General Education Board) und ich ohne Fühlung miteinander auf demselben Gebiete wirkten, oftmals zu unerwünschten Folgen führte, bat mich Mr. Rockefeller, seinem Ausschuß beizutreten, welcher Einladung ich gern folgte. Wir fanden bald, daß das gemeinsame Arbeiten uns und der Sache nur zum Vorteil gereichte, und seither gehen wir Hand in Hand.

Bei meinen Stiftungen für Universitäten habe ich eine ganze Anzahl meiner Freunde in gleicher Weise geehrt wie meinen Teilhaber Charlie Taylor. Die Conway Hall im Dickinson-College ist nach Moncure D. Conway freisinniger amerikanischer Prediger und Schriftsteller (1832-1907), erst Methodist, dann unter Emersons Einfluß Unitarier, ging während des Bürgerkrieges nach London, um dort für die Sache der Union zu wirken, blieb daselbst als Prediger an der South Place Chapel 1863-84, seitdem in Amerika schriftstellerisch tätig. Seine Selbstbiographie, 2 Bde., erschien 1900. genannt, dessen Autobiographie kürzlich von der [englischen] Zeitschrift Athenaeum folgendermaßen gerühmt wurde: »Die beiden Bände leuchten wie Edelsteine aus der Masse der jetzt erscheinenden autobiographischen Makulatur hervor.« Das ist übrigens eine recht nette Ermunterung für jemand, der im Begriff steht, die autobiographische Literatur noch etwas vermehren zu helfen!

Das letzte Kapitel in Mr. Conways Selbstbiographie schließt mit den Worten: »Bitte um Frieden, lieber Leser, von dem ich nun Abschied nehme. Bitte um Frieden, nicht eine Gottheit, die über Donnerwolken thront, sondern jeden Mann, jedes Weib, jedes Kind, das dir begegnet. Bete nicht nur ›gib uns Frieden‹, sondern tue selbst dein Teil, um das Gebet zu erfüllen! Dann wird, wenn auch die ganze Welt im Streite liegt, doch in dir Friede sein.« Mein Freund hat da unsere wunde Stelle berührt. Der Krieg muß unter Kulturvölkern bald abgeschafft werden.

Der Stanton-Lehrstuhl für Nationalökonomie am Kenyon College, Ohio, wurde begründet zum Andenken an Edwin M. Stanton, den Mann, der in meiner Jugend in Pittsburg immer so freundlich gegen mich war, wenn ich ihm Telegramme brachte, und der mir auch in Washington so herzlich entgegenkam, als ich Minister Scotts Assistent war. Der Hanna-Lehrstuhl an der Western Reserve-Universität in Cleveland, die John Hay-Bibliothek an der Brown-Universität, der zweite Elihu Root-Fonds für Hamilton, die Mrs. Cleveland-Bibliothek für Wellesley, alle diese Stiftungen tragen die Namen meiner Freunde. Ich hoffe, es werden ihnen noch viele folgen zum Gedächtnis derjenigen, die ich gut gekannt, geliebt und hoch geehrt habe. Ich wollte mit meinen Schenkungen auch eine General Dodge-Bibliothek und eine Gayley-Bibliothek gründen, aber die Universitäten, die diese Freunde besucht hatten, hatten ihnen bereits eine ähnliche Ehrung erwiesen.

Meiner erste Stiftung für das Hamilton-College [in Clinton, NY.] sollte den Namen Elihu-Root amerikanischer Staatsmann, geb. 1845 in Clinton, NY., und Rechtsanwalt daselbst, 1899-1904 Kriegsminister, seit 1905 Minister des Auswärtigen, geschickter Diplomat, Hauptvertreter der panamerikanischen Idee.-Stiftung bekommen; aber dieser unser tüchtigster Minister, den Präsident Roosevelt »den klügsten Mann, den er jemals kannte«, genannt hat, hat sich, wie es scheint, gehütet, der Leitung des Instituts meine Absicht mitzuteilen. Als ich ihm seine Unterlassungssünde vorwarf, erwiderte er lachend: »Schön! Bei der nächsten Stiftung, die Sie uns machen, verspreche ich Ihnen, Sie nicht wieder zu betrügen.«

In der Tat wurde bei der nächsten Stiftung dieser Fehler gutgemacht; diesmal war ich nämlich so schlau, die Sache nicht wieder ihm selbst in die Hand zu geben. Der Root-Fonds [von 250 000 Dollar] in Hamilton besteht jetzt, und er kann nichts mehr daran ändern. Root ist ein großer Mann und, wie nur die größten es können, erhaben in seiner Einfachheit. Präsident Roosevelt hat gesagt, er würde auf allen vieren vom Weißen Hause bis zum Kapitol kriechen, wenn er damit Roots Aufstellung für die Präsidentschaftskandidatur fördern könnte. Diese galt als wenig aussichtsreich, besonders weil Root jede Anlage zum Volksredner und Demagogen fehlte; er war zu sehr der ruhige, zurückhaltende Staatsmann, um den Leuten nach dem Munde reden zu können. Törichterweise faßte die [republikanische] Partei den Entschluß, Roots Kandidatur nicht zu wagen Bei der Gedenkfeier, die am 25. April 1920 zu Ehren Carnegies im Hause der Ingenieurgesellschaft in Neuyork stattfand, hielt Mr. Root eine Ansprache, in welcher er über Mr. Carnegie sagte: »Er gehörte zu denen, die durch ihre geniale Mitwirkung an der Entwicklung Amerikas die Welt in Erstaunen gesetzt haben … Er war einer der liebenswürdigsten Menschen, die mir begegnet sind. Der Reichtum hatte sein Herz nicht verhärtet und ihn die Ideale seiner Jugend nicht vergessen lassen. Er war gütig, liebevoll, milde im Urteil, großzügig in seiner Sympathie, edel in all seinen Regungen; ich wünschte nur, daß alle Leute, die ihn nur als einen reichen Mann kennen, der sein überflüssiges Geld verschenkte, von den Hunderten von Wohltaten wüßten, die er im stillen der Welt erwies.« [Van Dyke.].

Eine andere Quelle freudiger Befriedigung war für mich meine Verbindung mit den Instituten von Hampton und Tuskegee, die für die Hebung der Negerrasse, die wir früher in Sklaverei gehalten haben, arbeiten; besonders die Bekanntschaft mit Booker Washington geb. 1859, der geistige Führer der amerikanischen Neger und Vorkämpfer für die geistige, soziale und sittliche Hebung seiner Rasse. ist für mich äußerst wertvoll. Wir alle sollten den Hut ziehen vor dem Manne, der nicht allein sich selbst aus der Sklaverei emporgearbeitet hat, sondern auch Millionen von Angehörigen der schwarzen Rasse zu einer höheren Stufe der Zivilisation emporzog. Mr. Washington besuchte mich wenige Tage, nachdem ich 600 000 Dollar für Tuskegee gestiftet hatte, und fragte mich, ob er mir einen Vorschlag machen dürfte. Ich antwortete: »Natürlich.« – »Sie waren so freundlich, einen Teil Ihrer Stiftung zur künftigen Unterstützung für mich selbst und meine Frau auf Lebenszeit zu bestimmen. Wir sind Ihnen dafür sehr dankbar, aber, Mr. Carnegie, diese Summe übersteigt bei weitem unsere Bedürfnisse und wird meinen Rassegenossen wie ein Vermögen vorkommen. Diese könnten auf den Gedanken kommen, daß ich nun kein armer Mann mehr sei, der ihnen seine Dienste widmet, ohne an Geldvorteile zu denken. Würden Sie wohl etwas dagegen haben, wenn wir die betreffende Stelle Ihrer Stiftungsurkunde abänderten, indem wir die Summe ausstreichen und dafür setzen ›ein angemessener Betrag‹? Ich habe volles Vertrauen zu dem Kuratorium. Meine Frau und ich sind in unseren Ansprüchen sehr bescheiden.«

Ich nahm seinen Vorschlag an und die Stelle wurde abgeändert. Mr. Baldwin bat sich aber doch den Originaltext wieder von mir aus, um ihn an die Stelle der abgeänderten Fassung zu setzen, mußte mir aber dann erzählen, daß der edle Mensch dies nicht zuließ. Das ursprüngliche Dokument wurde diesem ausgehändigt und sollte dauernde Gültigkeit haben, aber er legte es zur Seite und veröffentlichte die zweite Fassung.

Das beweist am besten, welch vornehmen Charakter der Führer der Negerrasse besaß. Es hat nie einen aufrichtigeren, sich selbst aufopfernderen Helden gegeben: er vereinigt wirklich alle Tugenden in seiner Person. Wenn man solch reine und edle Seelen kennen lernt (die menschliche Natur in ihren höchstentwickelten Vertretern stellt etwas Göttliches auf unserer Erde dar), so wird man selbst besser. Wenn einmal die Frage aufgeworfen würde, welcher Mann unserer Zeit, ja sogar der ganzen Vergangenheit, von der niedrigsten zur höchsten Stufe aufgestiegen ist, so gibt es keine andere Antwort als: Booker Washington. Er stieg vom Sklaven auf bis zum Führer seines Volkes – ein moderner Moses und Josua in einer Person, der sein Volk vorwärts und aufwärts führte.

Im Zusammenhang mit diesen Instituten kam ich auch in Berührung mit ihren Beamten und Kuratoren – Rektor Hollis B. Frissell aus Hampton, Robert C. Ogden, George Foster Peabody, V. Everit Macy, George McAneny und William H. Baldwin –, lauter Männer, die selbstlos zum Wohle anderer arbeiteten. Es war eine Wohltat, sie näher kennenzulernen. Die Cooper-Union, die Gesellschaft für Techniker und Kaufleute, wie überhaupt alle Institute, für die ich mich interessierte, besaßen zahlreiche Männer und Frauen, die ihre Zeit und Arbeit nicht dem eigenen selbstsüchtigen Ich widmeten, sondern hohen Idealen, die darauf abzielten, ihren weniger vom Glück begünstigten Mitmenschen Hilfe und Erhebung zu bieten.

[Die Zahl der Universitäten, höheren Schulen und sonstigen Erziehungsinstitute, denen Mr. Carnegie Stiftungen in Geld oder Bauwerken zuwandte, ist etwa 500, und die Gesamtsumme der für sie errichteten Stiftungen beträgt 27 Millionen Dollar. Notiz von Prof. Van Dyke.] –

Meine Stiftungen von Orgeln für die Kirchen begannen schon frühzeitig. Die erste schenkte ich der kleinen, kaum 100 Mitglieder zählenden Swedenborgischen Gemeinde in Allegheny, welcher mein Vater angehört hatte, nachdem ich es abgelehnt hatte, Geld zum Bau einer neuen Kirche für eine so kleine Gemeinschaft zu geben. Bald wurde ich mit Bittgesuchen von anderen Kirchen bestürmt, von der großen katholischen Kathedrale in Pittsburg bis herunter zu der kleinsten Dorfkirche. Immer hielt man mich in Atem. Jede Kirche schien auf einmal eine bessere Orgel nötig zu haben. Da ich den vollen Preis des neuen Instrumentes bezahlte, verdienten die Gemeinden noch obendrein durch den Verkauf der alten Orgel. Einige bestellten sich für ganz kleine Kirchen so mächtige Orgeln, daß sie beinahe das Balkenwerk gesprengt hätten, wie es bei der ersten Orgel für die Swedenborgianer der Fall gewesen war; andere hatten schon Orgeln gekauft, ehe sie sich an uns wandten, aber mein Scheck kam ihnen gerade recht, um den Betrag zu bezahlen. Schließlich blieb doch nichts übrig, als ein straffes System für solche Stiftungen einzuführen. Jetzt muß ein gedruckter Fragebogen ausgefüllt werden, ehe die Sache in Angriff genommen wird. Die Abteilung funktioniert jetzt vorzüglich, da wir die Höhe der Stiftung von der Größe der Kirche abhängig machen.

Die strenggläubigen schottischen Hochländer erhoben den Vorwurf gegen mich, daß ich den christlichen Gottesdienst entwürdige, wenn ich den Kirchen Orgeln schenkte. Noch heute halten dort die orthodoxen Presbyterianer es für eine Sünde, wenn man »Gott mit einer Kiste voll Pfeifen zu dienen« glaube, denn man dürfe im Gottesdienst nur die menschliche Stimme gebrauchen, die einem ja der Schöpfer zu seinem Lobe verliehen habe. Ich beschloß also, mir für meine Sündhaftigkeit noch einen Gefährten zu suchen, und ersuchte daher jede Gemeinde, ihrerseits zu der gewünschten neuen Orgel die Hälfte dazuzugeben. Auf dieser Grundlage arbeitet die Orgelabteilung immer noch, und da die Nachfrage nach besseren Orgeln unverändert andauert, blüht ihr Geschäft. Übrigens werden in der Tat durch die Zunahme der Bevölkerung viele neue Kirchen nötig, zu denen natürlich auch Orgeln gehören.

Das Ende ist noch nicht abzusehen. Dadurch, daß die Gemeinde die Hälfte der Kosten für das neue Instrument tragen muß, ist wenigstens dafür gesorgt, daß nur wirklich nötige und begründete Ausgaben uns zugemutet werden. Aus eigener Erfahrung bin ich der Meinung, daß es für die Gemeinde gut ist, im Gottesdienst etwas geistliche Musik zu hören und dann langsam unter dem Klange der ehrfurchtgebietenden Orgel auseinanderzugehen –, namentlich wenn man eine Predigt gehört hat, die oft genug recht wenig vom »lieben Vater im Himmel« handelt. Ich meine also, das Geld für die Orgeln ist wohl angebracht. [Die »Orgelabteilung« hatte bis zum Jahre 1919 7689 Orgeln für ebenso viele Kirchen im Werte von über 6 Millionen Dollar gestiftet. Notiz von Prof. Van Dyke.] –

Von all meinen Werken im Dienste der Menschheit gewährt mir meine Privatpensionskasse die edelste Befriedigung. Kein Gefühl gleicht der tiefen Zufriedenheit, die man darüber empfindet, daß man Leuten zu einem sorgenfreien Alter verhelfen kann, die man seit langem als gute, treue Seelen und in jeder Ansicht tüchtige Menschen kennt, die aber ohne eigene Schuld nicht genügend Mittel besitzen, um ohne Sorgen um ihren Unterhalt anständig leben zu können. Mit kleinen Summen kann man sie von drückenden Sorgen befreien. Ich war überrascht, wie groß die Zahl derer ist, bei denen schon eine kleine Unterstützung ihr Alter aus einem sorgenschweren zu einem glücklichen macht. Einige derartige Fälle waren mir schon vor meinem Austritt aus dem Geschäft begegnet, und ich war von Herzen froh gewesen, da helfend eingreifen zu können. Ich habe nie einen Menschen auf die Pensionsliste gesetzt, der die Hilfe nicht wirklich verdiente; alle meine Pensionäre sind wahrhaft würdig. Die Angelegenheit wird vollkommen diskret behandelt; keiner erfährt, wer etwas empfängt; nicht ein Wort darüber wird andern gegenüber geäußert. [Die Privatpensionskasse zahlte mehr als 250 000 Dollar jährlich aus. Van Dyke.]

Ähnlicher Art ist die Eisenbahnpensionskasse. Sie sorgt für viele der alten Gefährten von der Abteilung Pittsburg oder aber für ihre Witwen. Im Laufe der Jahre hat sie sich allmählich zu ihrer jetzigen Gestalt und Größe entwickelt. Sie kommt jetzt den würdigen Eisenbahnbeamten zugute, die unter mir arbeiteten, als ich bei der Pennsylvaniabahn Direktor war; auch ihre Witwen werden unterstützt, wenn sie dessen bedürfen. Ich war noch ein halbes Kind, als ich zuerst mit diesen Eisenbahnern arbeitete und sie bei Namen kennen lernte. Sie kamen mir damals alle mit großer Freundlichkeit entgegen. Die meisten von denen, die heute aus der Pensionskasse unterstützt werden, habe ich persönlich gekannt. Ich betrachte sie als meine guten Freunde.

Obwohl von der Stiftung von 4 Millionen Dollar, die ich zugunsten der Arbeiter in den Stahlwerken machte ( Unterstützungsfonds), Hunderte von Leuten Vorteil ziehen, die ich nie gesehen habe, so ist doch auch ein gut Teil darunter, deren ich mich erinnere, und hierdurch ist mir auch dieser Fonds wertvoll. –

Die Frage: »Womit habe ich nur all mein Glück verdient?« bewegt gar oft meine Gedanken. Die liebste und beste Antwort auf diese Frage geben mir meine Freunde von den Pensionskassen. Diese Antwort befriedigt mich innerlich und hilft mir, wenn ich selbst der Aufrichtung bedarf. Ich habe viel mehr Glück im Leben gehabt, als mir zukam. Darum bitte ich den Ewigen nie mehr um irgend etwas. Wir stehen unter einem ewigen Gesetz und sollten schweigend das Haupt beugen und dem inneren Richter gehorchen, nichts fordern, nichts fürchten, nur unsere Pflicht tun, unbeirrt, ohne den Gedanken an Lohn im Diesseits oder im Jenseits.

Geben ist wirklich seliger denn Nehmen. Alle diese guten, lieben Freunde würden für mich und die Meinen das gleiche tun, was ich für sie tue, wenn wir einmal die Rollen tauschen sollten. Dessen bin ich sicher. Viele wertvolle Beweise von Dankbarkeit habe ich bekommen. Manch einer sagt mir sogar, daß er mich jeden Abend in sein Gebet einschließt und den Segen des Himmels für mich erfleht. Aber oftmals kann ich mich dann nicht enthalten, ihm daraufhin mein wirkliches Empfinden zu offenbaren: »Bitte, tun Sie das nicht! Erbitten Sie nichts mehr für mich. Schon jetzt habe ich weit mehr, als mir zukommt. Wenn ein unparteiisches Kollegium über mich zu Gericht sitzen sollte, so würde es mir mehr als die Hälfte meines Glücks wieder wegnehmen.« Das sind nicht nur Worte; ich empfinde das auch so, wie ich es sage.


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