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Der Todestanz

Tiefe Nacht lag über der Dschungel. Auf weichen, samtenen Sohlen wand sich ein stattlicher Körper geschmeidig durch die üppige Fülle wild wuchernder Pflanzen und Bäume.

Ab und zu nur huschte ein Streifen aus dem Strahlenkranze des vollen Mondlichts durch das dichte Gezweig hinab und spiegelte sich im Funkeln zweier gelbgrünen Augen. Leise sang der Nachtwind im Schilfe.

Ab und zu machte das Tier Halt. Mit hocherhobener Nase schien es sich vergewissern zu wollen, ob es noch auf der rechten Fährte sei. Ein rascher Sprung in die Zweige nach oben, und sofort ging's in stetem Trott gen Osten weiter. Wohl mochten Spuren oder Witterung manch leckeren Vierfüßlers seinen Weg kreuzen und dem hungergepeitschten Tier verlockend in die Nase steigen –, es wich kaum einen Schritt von seiner Richtung ab und zwang die wilde Gier, die es zu jeder anderen Zeit mit grausig schnellenden Pranken seine Opfer zerreißen ließ.

Die ganze Nacht folgte das Tier seiner Fährte und erst am nächsten Tage machte es kurze Rast. Halbverhungert hatte es zufällig Beute gemacht und verschlang nun unter dumpfem Brummen und Geknurr hastig das Opfer.

Es wurde schon wieder Nacht, als es vor einem großen umzäunten Dorfe anlangte. Schnell und auf leisen Sohlen wie nahende Todesschatten kreiste es um das Dorf, die Nase immer am Boden. Jetzt hielt es dicht am Zaun, der mit der Rückseite mehrere Hütten gleichsam verwachsen schien. Einen Augenblick schnupperte es, dann wandte es den Kopf zur Seite und horchte gespannt mit aufgerichteten Ohren.

Menschen hätten es nicht vernommen, was jetzt das feine Gehör des Tieres auffing und mit einem Schlage das Feuer seines wilden Blutes entfachte. Wunderbar diese plötzliche Wandlung: Eben noch hatte das Tier wie aus Stein gemeißelt regungslos, nicht das leiseste Zucken in den Muskeln verharrt –, da schnellte es plötzlich wie eine entspannte Feder empor: Hinauf auf den Zaun, drüben hinab und Verschwinden war eines.

Leise, ganz nach Katzenart, zwängte es sich in den schmalen dunklen Spalt zwischen Zaun und Rückwand der nächsten Hütte.

Überall auf der Dorfstraße schürten die Weiber ihre kleinen Feuerstellen; mit Wasser gefüllte Kochtöpfe wurden herangeschleppt –, denn ein großes Fest sollte gefeiert werden, sobald die Nacht erst weiter vorgerückt war. Fast im Mittelpunkt der ringsum lodernden Feuer ragte ein starker Pfahl gen Himmel, hier und da vom Feuerschein grell beleuchtet. Schwarze Krieger standen dort tuschelnd beieinander. Ihre Körper waren in breiten, grotesken Schlangenlinien übermalt, weiß, blau, gelb, wie es jedem gefiel. Nicht nur Brust und Unterleib, nein, auch Augen und Lippen waren ringsum mit bunten Farben bestrichen, und auf den Köpfen flatterten Federbüsche, verziert mit langen blinkenden Drähten.

Das ganze Dorf rüstete sich zum Fest, und in einer Hütte abseits lag gefesselt das Opfer, dem all die Vorbereitungen galten. Auf sein Ende wartete es – – und auf was für ein Ende!

Der Affen-Tarzan suchte seine mächtigen Muskeln zu spannen, doch sie blieben wie mit eisernen Klammern zusammengepreßt. Der Russe hatte ihn doppelt und dreifach fesseln lassen: Selbst eines Affenmenschen dämonische Kräfte konnten die Riemen nicht sprengen.

Der Tod?

Oft, o wie oft hatte Tarzan diesem »großen Jäger« lächelnd in die Augen geblickt! Ja, er wollte ihm auch heute nur mit einem Lächeln begegnen, wenn er mit der Mitternacht rasch über ihn käme. Was ihm das Herz schwer machte? Nicht das Ich, an dem wenig lag –, die anderen, die nun um seinetwillen leiden sollten ...

Jane würde um dies alles nicht wissen, Gott sei Dank. Das war ja noch das Tröstlichste, sie sicher daheim im Herzen der großen Weltstadt zu wissen. Geborgen bei guten lieben Freunden, die alles daransetzen würden, Janes Los zu erleichtern und ihr die trüben Stunden aufzuhellen.

Aber das Kind, sein Kind!

Er erschauerte bei diesem Gedanken. Und er, der furchtbare Herr der Dschungel, er, der Tarzan, der Affenkönig, er, der einzige auf der ganzen weiten Welt, der das Kind hätte finden und den schrecklichen Klauen jenes teuflischen Rokoff entreißen können – – in die Falle gegangen wie ein dummes törichtes Tier! Tot in wenigen Stunden und mit ihm die letzte Aussicht, dem Kinde je Hilfe zu bringen! ...

Am Nachmittag hatte Rokoff ihn ein paar mal besucht und mit den tollsten Schmähungen überschüttet. Tarzan hatte ihm jedoch nicht ein Wort wiedergegeben. Nicht die leiseste Klage oder Anklage war über die Lippen des gefesselten Riesen gekommen.

So hatte Rokoff schließlich mit seinen Quälereien aufgehört. Einen besonders qualvollen Bissen sollte sein Opfer schon noch zu schlucken bekommen, im letzten Augenblick würde das wirken. Ja, wenn die Speere der Kannibalen wild auf ihn herniedersausten, wenn man diese verhaßte Kreatur für immer unschädlich machen würde, dann erst wollte der Russe seinem Erzfeinde klar enthüllen, wie es eigentlich um sein Weib stand, das er in England geborgen glaubte.

Die Nacht warf ihre tiefen Schatten über das Dorf. Jeder Laut, der zu dem Affenmenschen drang, bestätigte ihm, daß die Vorbereitungen auf Folter und Fest in vollem Gange waren. Ganz deutlich sah er schon vor seinem inneren Auge den Todestanz, wie er ihn früher so oft erlebt. Heute galt er ihm. Er selbst würde am Pfahle stehen ...

All die Qualen eines langsamen Todes ..., das alles schreckte ihn nicht. Blut- und Folterqualen – ihm war das nichts, er würde es zu ertragen wissen ...

Andererseits war der Lebenswille in ihm keineswegs weniger lebendig. Mußte er schon leiden: Bis zum letzten Atemzug würden Hoffnung und Bereitschaft zu rascher Tat in ihm nicht ersterben. Nur eine Sekunde sollten sie ihn aus den Augen lassen: er würde alle erdenkliche List und Kraft aufbieten, sich den Weg zur Flucht zu bahnen ... zu Flucht und Rache!

Als er so über die Rettungsmöglichkeiten nachdachte, kam ihm mit einem Male eine Witterung in die feinempfindliche Nase. Schwach zwar nur, doch glaubte er sie zu kennen. Alle seine Sinne waren aufs äußerste gespannt, und schon im nächsten Augenblick fing sein scharfes Ohr ein Geräusch auf, das eigentlich kein Geräusch war und doch darauf hindeutete, daß etwas hinter der Hütte sein mußte.

Seine Lippen bewegten sich, und, wiewohl kein menschliches Ohr dies draußen an der Hütte hätte vernehmen können, glaubte er, gehört worden zu sein. Er wußte jetzt auch sofort, wer das da draußen war, denn sein Geruch hatte es ihm so sicher zu erkennen gegeben, wie unsere Augen auf den ersten Blick einen alten guten Freund erkennen, der uns bei helllichtem Tage auf der Straße begegnet.

Einen Moment später hörte er, wie sich ein weicher Körper über den Zaun schwang, und wie jemand an den Latten der Hüttenwand kratzte und zerrte: Ein großes Tier zwängte sich durch. Die kalte Schnauze streifte seinen Nacken.

Sheeta, sein Leopard!

Es klang fast wie ein leises Wimmern, als das Tier den Gefesselten überall beschnupperte. Immerhin schien aber die geheimnisvolle Gedankenübertragung, die zweifellos zwischen diesen beiden möglich war, ihre Grenzen zu haben, denn Tarzan konnte keineswegs darauf bauen, daß er von Sheeta in allem, was er ihm beizubringen suchte, richtig verstanden worden war. Er lag gefesselt und hilflos da, soviel begriff Sheeta sicher.

Was mochte das Tier zu ihm getrieben haben? Gewiß, die Tatsache allein konnte schon eine gute Vorbedeutung sein. Aber als Tarzan jetzt Sheeta bedeutete, ihm die Fesseln zu zerbeißen, schien das Tier dies absolut nicht begreifen zu können: Es begnügte sich damit, ihm die Handgelenke und Arme abzulecken.

Ein Zwischenfall brachte plötzlich Störung. Es näherte sich jemand der Hütte. Sheeta schlich knurrend in die dunkelste Ecke. Offenbar hatte der nackte Schwarze den warnenden Ton überhört, denn fast unmittelbar darauf trat er ein und stieß Tarzan mit seinem Speer an.

Nur ein leiser, unheimlicher Laut kam von den Lippen des Affenmenschen, und blitzschnell kam die Antwort: Tod und Verderben aus dem Dunkel der Hütte. Von rasender Wut gepackt stürzte sich das Raubtier dem bemalten Wilden an die Brust.

Einen einzigen angstgepeitschten Schrei hatte der Schwarze noch ausgestoßen, als der Leopard mit furchtbarem Aufbrüllen über ihn kam. Dann war Ruhe.

Auch im Dorfe war plötzlich alles stumm. Erst allmählich wurde es wieder lebendig. Man schien zu beraten, was zu tun sei: Laute angsterfüllte Stimmen schwirrten durcheinander, dann entschied der Häuptling, leise und bestimmt, wie es schien.

Tarzan und der Leopard hörten bald nahende Schritte; man kam in großer Überzahl, das war sicher. Zu Tarzans Überraschung ließ das große Katzentier sofort von seiner Beute ab und verschwand lautlos durch dieselbe Öffnung, durch die es sich den Zugang zur Hütte vorhin erzwungen hatte.

Er hörte noch, wie es sich oben am Zaun anklammerte, dann war dort Ruhe. Von der anderen Seite kamen die Schritte der Wilden immer näher. Sicher wollte man sehen, was hier vorgefallen war.

Tarzan gab die Hoffnung auf Sheetas Rückkehr auf. Denn, wenn die große Katze ihn wirklich gegen seine nahenden Peiniger hätte verteidigen wollen, wäre es auch dann nicht einen Fuß breit von seiner Seite gewichen, als es die ersten, noch fernen Schritte hörte.

Er wußte auch genau, wie es in dem Hirn solch eines mächtigen Dschungeltieres zuging, wie unerschrocken und zäh er angesichts des sicheren Todes war und wie es umgekehrt oft durch irgend etwas ganz Geringfügiges erschreckt der vermeintlichen Gefahr scheu aus dem Wege gehen konnte. Zweifellos hatte gewissermaßen ein Mißton im Klang der nahenden Schritte den Leoparden nervös gemacht, und daran machte er sich Hals über Kopf in die Dschungel davon.

Der Affenmensch zuckte die Achseln. Gut also. Was tat das auch? Den Tod hatte er ja erwartet, und dabei blieb es. Was hätte Sheeta auch anderes für ihn tun können, als eine Handvoll seiner Feinde zu vernichten, bis ihm Rokoffs Gewehr doch den sicheren Garaus gemacht hätte!

Ja, wenn die Katze ihn wenigstens befreit hätte! Das wäre eine andere Sache gewesen. Doch diese kühne Hoffnung war ja an Sheetas begrenztem Begriffsvermögen gescheitert. Jetzt war das Tier über alle Berge – und damit auch die letzte Rettungsmöglichkeit.

Die Eingeborenen mußten am Hütteneingang sein. Man merkte, wie die Furcht ihren Fuß lähmte. Zwei tappten voran, Fackeln in der Linken und in der Rechten wurfbereit den Speer. Sie hielten ängstlich dichte Fühlung mit den anderen, von denen sie gleichsam vorgeschoben werden mußten. Der Todesschrei ihres Kameraden und das wütende Gebrüll der Bestie mochten ihnen schon stark auf die Nerven gegangen sein, doch schien die unheimliche Stille des Hütteninnern jetzt ihren Mut auf eine noch höhere Probe zu stellen.

Ein rettender Gedanke blitzte in einem der beiden auf, die man wider ihren Willen an die gefährlichste Stelle befohlen hatte: Wie, wenn er erst einmal genau feststellte, welche Gefahren hinter dieser Totenstille lauerten? Mit raschem Schwung schleuderte er die brennende Fackel nach der Mitte der Hütte, und für ein paar Sekunden war das ganze Innere taghell erleuchtet; dann verlosch die Flamme am Boden.

Der weiße Gefangene lag noch immer völlig gefesselt, das hatten sie gerade noch gesehen. Aber nahe der Mitte: Ihr Kamerad – regungslos – zerrissen – und ...

Der grauenvolle Anblick erfüllte die Vordersten der sowieso schon abergläubischen Wilden mit größerem Entsetzen als wenn Sheeta selbst ihnen jetzt an den Hals gesprungen wäre; denn so konnten sie ja eben nichts weiter als das bedauernswerte Opfer eines tückischen Überfalls erkennen ...

Das Unheimlichste blieb das große Rätsel von dem Wie und Wohin des Übeltäters. Kein Wunder, daß ihre aufgeregte Phantasie ihn in die Welt der Teufelsgeister versetzte, und daß sie wie von Furien verfolgt und schreiend aus der Hütte stürzten, wobei sie die weiter Zurückstehenden fast über den Haufen rannten. Alles stob davon.

Eine Stunde lang hörte Tarzan nur vom anderen Ende des Dorfes noch erregtes Stimmengewirr. Offenbar versuchten die Wilden, ihren beträchtlich zusammengeschmolzenen Mut wenigstens wieder soweit zu steigern, daß sich ein erneuter Erkundungsvorstoß nach der Hütte ohne Bedenken wagen ließ; denn ab und zu ertönten die gleichen gellenden Schreie herüber, mit denen sie sich auch im Kampfe gegenseitig anzufeuern pflegten.

Es waren aber nur zwei Weiße, die sich zuerst mit Fackeln und Gewehren in die Hütte wagten. Tarzan war durchaus nicht überrascht, daß Rokoff fehlte. Er würde ja auch seine Hand dafür ins Feuer gelegt haben, daß keine Macht der Erde diesen Feigling als ersten in diese immerhin unheimliche Gefahr hineingelockt hätte.

Als die Eingeborenen sahen, daß die Weißen unbehelligt blieben, strömten auch sie ins Innere, wo sie unter dem Banne ihres entsetzlich verstümmelten Kameraden sofort in tiefes Schweigen verfielen. Vergeblich suchten die Weißen aus Tarzan irgendeine Erklärung des Vorfalles herauszubekommen: Er schüttelte bei allen Fragen nur immer mit einem spöttischen und wissenden Lächeln den Kopf.

Zuletzt kam Rokoff.

Er wurde leichenblaß, als seine Blicke auf den zerfetzten Toten fielen.

Los! fuhr er den Häuptling an, wir wollen mit dem Teufel da drüben Schluß machen, ehe es ihn gar noch gelüstet, dieselbe Geschichte an ein paar anderen deines Stammes zu wiederholen.

Der Häuptling ordnete auch sofort an, Tarzan zum Pfahl zu schleifen, doch dauerte es immerhin einige Minuten, ehe er ein paar Leute so weit hatte, daß sie den Gefangenen auch nur anfaßten.

Vier jüngere Krieger schleppten ihn schließlich aus der Hütte, und – einmal draußen – schien auch der Schrecken zu weichen.

Eine Meute johlender Schwarzer stieß den Gefangenen die Dorfstraße entlang vor sich her und band ihn an den Pfahl. Ringsum im Kreise loderten zuckende Flammen unter den dampfenden Kochtöpfen.

Als er nun endlich festgebunden und ohne die geringste Aussicht auf Rettung am Pfahle lehnte, schwoll Rokoffs Mut mit einem Male wieder zu jener stolzen Höhe, auf der man ihn stets nur entdeckte, wenn jede Gefahr ausgeschlossen schien. Er, Nikolaus Rokoff, wollte jetzt beginnen ..., er trat dicht an den Affenmenschen heran und stach ihn mit dem Speer, den er einem Wilden aus der Hand gerissen, leicht in die Seite. Tarzan blutete, doch zuckte er mit keiner Wimper, kein Schmerzenslaut entrang sich seiner Brust.

Das gelassene Lächeln seines Opfers machte den Russen rasend. Fluchend stürzte er sich auf den Wehrlosen, schlug ihm mit geballten Fäusten ins Gesicht und versetzte ihm Fußtritte. Dann erhob er den wuchtigen Speer zum Todesstoß ... und immer noch spielte jenes verächtliche Lächeln um Tarzans Lippen.

Doch, noch ehe der Speer todbringend vorschnellte, sprang der Häuptling hinzu und zerrte Rokoff von dem Opfer weg, das er für sich selbst bestimmt hatte.

Halt, weißer Mann! brüllte er. Nimm uns diesen Gefangenen und unseren Todestanz – dann sollst du selber am Pfahle stehen!

Die Drohung zog. Der Russe ließ sofort von weiteren Tätlichkeiten ab, um so mehr suchte er ihn mit Worten zu treffen. Und hart und scharf trafen diese ins Herz des Affenmenschen:

Stelle dir einmal vor, was aus deinem verschleppten Sohn wird, und dann, mein Lieber – du glaubst deine Frau in England geborgen? Du Narr! Ich habe sie längst in die Gewalt eines Mannes gegeben, der nicht gerade aus bestem Hause stammt und bei dem sie die Hölle haben wird. Weit weg von London ist sie und nirgends findet sie dort eine schützende Hand ...

... Der Tanz hatte begonnen, und im gellenden Lärm seines wilden Wirbels wurde jeder weitere Versuch Rokoffs, sein Opfer mit quälenden Worten bis ins Mark zu treffen, erstickt.

Rings um den Marterpfahl die Wilden in verzücktem Tanze, Flammenschein grell auf buntbemalten Leibern ... Eine ähnliche Szene stand Tarzan mit einem Male deutlich vor Augen: Im letzten Augenblick, als schon der letzte Speerstoß drohend und doch befreiend d'Arnot nahte, da hatte er den Freund retten können ... Und wer sollte ihm jetzt noch Rettung bringen? Wer? Niemand auf der ganzen Welt konnte den schweren Tod ihm jetzt ersparen ...

Die Tanzenden kamen immer näher.

Es konnte nicht lange mehr währen ... der Affenmensch war bereit, ja er sehnte den letzten wilden Vorstoß seiner Peiniger herbei. Dann würde die Qual zu Ende sein ...

Doch da klang von weit drüben aus den unermeßlichen Dschungelwäldern rollendes Gebrüll ...

Einen Augenblick hielten die Tanzenden inne, und von den Lippen des am Pfahl gefesselten Weißen kam die Antwort, furchtbar und schreckengebietend, ein gewaltig-unerhörter Schrei, der jäh die plötzliche Stille durchschnitt.

Immer noch hielten die Schwarzen inne, doch auf Rokoffs und des Häuptlings energisches Drängen setzten sie sich wieder in Bewegung, um endlich mit Tanz und Opfer zum Ziele zu kommen. Aber ehe noch ein Speer die braune Haut auch nur von neuem berührt hatte, sprang ein lohfarbenes Etwas mit grünlichen, haßfunkelnden Augen wütend aus der Hütte, in der Tarzan gefesselt gelegen hatte: der Leopard stand knurrend bei seinem Herrn ...

Einen Augenblick lang waren Schwarze und Weiße starr vor Schrecken, ihre Blicke bohrten sich gleichsam nur in den weitgeöffneten Rachen des Raubtiers.

Und nur der Affen-Tarzan sah, was sich noch aus der dunklen Hütte heranwälzte ...


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