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In der Wildnis verraten

Kaviri und Mugambi, die beiden Wilden, hockten vor dem Eingang zur Häuptlingshütte. Zu Tode erschrocken blickte

Kaviri fragend auf.

Was ist das? stammelte er hervor.

Das ist Bwana Tarzan und sein Tiertrupp, entgegnete Mugambi. Wie soll ich wissen, was dort vorgeht? Kann sein, sie verschlingen einfach deine Leute, die sich gedrückt haben. Schaudernd und von Entsetzen gepackt wandten sich Kaviris Blicke nach der Dschungel. So lange er lebte, hatten noch nie solch markerschütternde Schreie seine Wälder durchzittert. Näher und näher kamen die furchtbaren Schreie, in die sich jetzt auch das Rufen und Jammern angstgepeitschter Männer, Frauen und Kinder mischten. Zwanzig Minuten lang, es schien kein Ende zu nehmen. Jetzt war man nur noch einen Steinwurf vom Dorfzaun entfernt. Kaviri suchte zu fliehen, doch Mugambi konnte ihn gerade noch packen. Er tat, wie Tarzan ihm geboten.

Schon im nächsten Augenblick strömten die Eingeborenen in das Dorf; sie rannten, was das Zeug hielt. Angstschweiß perlte von ihrer Stirn, und alle schienen nur darauf bedacht, die schützenden Hütten so schnell als möglich zu erreichen. Wie eine Schafherde, in die der Wolf eingebrochen, stoben sie auseinander, und ihnen nach drängten Tarzan, Sheeta und Akuts Affenschar.

Aber Tarzans Lippen huschte sein altes lustiges Lächeln, als er jetzt vor Kaviri trat.

Freund und Bruder, sagte er, da hast du deine Leute wieder! Nun bestimme die, die mein Boot rudern werden!

Mit schlotternden Knien wankte Kaviri davon. Doch so oft er auch rief, sie sollten zu ihm herauskommen, – er hatte keinen Erfolg.

Sage ihnen, bedeutete ihm Tarzan, daß ich meinen Stamm jetzt auf sie loslassen werde, wenn sie nicht auf der Stelle erscheinen!

Kaviri tat, wie ihm befohlen, und sogleich eilten sie alle herbei. Mit weitgeöffneten Augen musterten sie die wilden Eindringlinge, die sich mit drohenden Gebärden auf der Dorfstraße breit machten.

Rasch bestimmte Kaviri ein Dutzend seiner Krieger, die mit Tarzan weiterfahren sollten. Leichenblaß wurden die armen Kerle, als sie sich das enge Beieinandersein mit Leopard und Affen auf der bevorstehenden Wasserreise in Gedanken ausmalten. Kaviri schärfte ihnen indessen ein, daß jeder Fluchtversuch ihnen nur die ganze Horde auf den Hals jagen würde, – und so begaben sie sich denn mit halbverbissenem Groll zum Strom und in das Boot.

Dem Häuptling fiel ein Stein vom Herzen, als endlich das Boot hinter einer vorgeschobenen Hügelkette stromaufwärts verschwand.

In den nächsten drei Tagen drang die bunte Gesellschaft immer weiter und weiter in die unerforschten wilden Gebiete zu beiden Seiten des Ugambi vor. Drei von den zwölf Kriegern hatten sich in dieser kurzen Zeit davongemacht, doch fiel dieser Verlust nicht so ins Gewicht, da einige Affen endlich begriffen hatten, wie man die Ruder bedienen mußte.

Zweifellos wäre Tarzan auf dem Landwege viel schneller vorwärtsgekommen, doch erblickte er in dem festen Zusammenhalt des ganzen wilden Trupps, der nur innerhalb des Bootes gesichert schien, einen unschätzbaren Vorteil. Zweimal täglich ging man an Land, um Nahrung aufzutreiben, und nachts schlief man am Ufer oder auf einer der zahlreichen Strominseln.

Die Eingeborenen hatten überall, noch ehe die Tarzan-Horde auftauchte, ihre Ortschaften fluchtartig verlassen. Zu gerne wäre Tarzan irgendeinem Wilden aus den anliegenden Dörfern begegnet, doch immer bot sich bei seiner Ankunft dasselbe Bild.

So beschloß er, allein in das Land vorzudringen und seine Horde auf der Wasserstraße nachkommen zu lassen, Mugambi weihte er in seine Pläne ein und bedeutete Akut, den Weisungen des Schwarzen stets Folge zu leisten.

In wenigen Tagen werde ich wieder zu euch stoßen, sagte er. Jetzt will ich erst einmal sehen, was aus dem weißen Schuft geworden ist, den ich suche.

Beim nächsten Halt ging Tarzan allein davon. Bald war er den Augen seines Trupps entschwunden.

Die ersten paar Dörfer, die er berührte, waren verlassen: Die Kunde vom Nahen seiner schreckenbringenden Horde mußte also immer rasch von Ortschaft zu Ortschaft vorauseilen. Gegen Abend gelangte er jedoch zu einer entlegenen Siedlung. Die strohbedeckten Hütten waren zusammen durch eine starke Umzäunung nach außen abgeschlossen. Tarzan zählte vorerst etwa hundert Eingeborene. Er schwang sich sofort ins Geäst eines riesigen Baumes, dessen selten lange Zweige über den Zaun hinweg ein gut Teil des Dorfinneren beschatteten. Die Weiber waren gerade bei der Zubereitung der Abendmahlzeit, als Tarzan sich auf seinem Ausguck einrichtete.

Nun war es schwierig, die Verbindung mit den Leuten aufzunehmen, ohne sie in Schrecken zu versehen oder gar ihrer ewigen Kampflust mit einem Schlage zu wildem Ausbruch zu verhelfen. Nein, er hatte mehr vor, als sich mit diesen Schwarzen da herumzuschlagen.

Schließlich kam ihm auch der rettende Gedanke. Es war sicher, daß man ihn hier oben nicht sah, und so ahmte er das heisere dumpfe Geknurr eines beutesuchenden Leoparden nach. Sofort richteten sich aller Augen auf seinen dichtbelaubten Baum. Da es bereits stark dämmerte, vermochten sie auch nicht das Geringste zu entdecken. Wie hinter einer undurchdringlichen Wand schien der Affenmensch geborgen und, wie er nun alle so fest im Bann seiner unheimlichen Drohung sah, erhob er seine Stimme zu einem furchtbaren Leopardengebrüll, das ihm die Wege ebnen sollte. Immer lauter ließ er es anschwellen, dann sprang er diesseits der Umzäunung zur Erde und raste wie ein zu Tode gehetztes Wild rund um das ganze Dorf, immer am Zaune entlang.

Hart schlug seine Faust jetzt an das Tor, das aus Stämmen junger Bäume und allerhand Flechtwerk zusammengefügt schien und den einzigen Zugang zum Dorfe sperrte. In ihrer Sprache schrie er den Eingeborenen zu, er komme als Freund und wolle nichts weiter als Nahrung und Nachtlager.

Tarzan kannte die Natur der Schwarzen nur zu gut. Hatte schon das Knurren und Brüllen des vermeintlichen Leoparden oben im Baum ihre Nerven aufs äußerste gereizt, so bedeutete es nur noch eine weitere Steigerung ihres Schreckens, daß jetzt in der Dunkelheit einer mit wildem Rütteln und Pochen Einlaß begehrte.

Er war auch nicht überrascht, als er keine Antwort erhielt, denn die Eingeborenen fürchten sich stets, wenn bei Nacht draußen hinter ihrer Einfriedigung irgendeine Stimme sich vernehmen läßt. Sie meinen dann, es nahe ein Teufel oder sonst irgendein böser Geist ihren Hütten. – Doch Tarzan rief weiter:

Laßt mich hinein, meine Freunde. Ich bin ein Weißer, ich verfolge den weißen Schurken, der euch vor wenigen Tagen heimsuchte. Er soll büßen, was er euch und mir Übles getan. Ihr zweifelt an meiner friedlichen Gesinnung? Gut, ich will euch zeigen, daß ich euer Freund bin. Sheeta werde ich in die Dschungel zurückjagen, ehe er sich vom Baume auf euch niederstürzt. Versprecht ihr mir nicht, mich hereinzulassen und als Freund aufzunehmen, so soll Sheeta ungestört bleiben. Zerreißen soll er euch dann. – –

Immer noch blieb alles still. Dann brach endlich die Stimme eines anscheinend alten Mannes das Schweigen:

Wenn du wirklich ein Weißer und unser Freund bist, lassen wir dich herein. Aber erst mußt du Sheeta vertreiben!

Abgemacht, entgegnete Tarzan. Paßt auf! Ihr könnt es hören, wenn Sheeta vor mir ausreißt.

Rasch eilte der Affenmensch nach seinem Baum zurück. Diesmal krachte es in den Ästen, als er sich zu seinem alten Sitze hinaufschwang. Er versäumte auch nicht, das unheimliche Leopardengebrüll von neuem nachzuahmen: Sie sollten nur ruhig glauben, daß die Bestie noch oben in den Zweigen auf der Lauer lag.

Jetzt war er auf dem breiten Ast, der hoch über der Dorfstraße schwebte. Die Komödie begann: Wild rüttelte und schüttelte er mit beiden Händen das dichte Geäst über und neben sich und gleichzeitig rief er dem Leoparden mit wütender Stimme zu, er solle sich davonmachen, wenn ihm sein Leben lieb sei. Ab und zu unterbrach er seine drohenden Rufe mit dumpfem Gebrüll, in dem die nicht minder wütende Antwort des Leoparden täuschend nachgeahmt wurde.

Kurz darauf schwang er sich durch das krachende Geäst nach der anderen Seite des Baumes und dann hinab in die Dschungel. Man mußte es deutlich im Dorfe drinnen hören, wie das »Tier« in rasender Flucht die Baumstämme streifte, und wie sein Brüllen immer mehr und mehr in der Ferne der Wälder verebbte.

Nicht lange, da war Tarzan wieder am Tor.

Ich habe Sheeta verjagt, rief er den Eingeborenen zu. Nun macht auf und laßt mich herein, wie ihr versprochen habt!

Eine Weile wogte drinnen noch der Streit der Meinungen, aber schließlich wurde das Tor von ein paar Kriegern ein wenig geöffnet. Angst und Zweifel lag auf ihren Gesichtern. Wer mochte das sein, der zu so ungewohnter Stunde immer wieder Einlaß begehrte? Sie schienen trotz des Vorgefallenen hierüber vollkommen im Dunkeln zu tappen, und so war es kein Wunder, daß sie beim Anblick dieses nackten Weißen sofort erleichtert aufatmeten und ihn durch das inzwischen weiter geöffnete Tor ruhig hereinließen, zumal Tarzan in freundlichem Ton seine friedlichen Absichten erneut beteuerte.

Und als sie sich erst alle hinter dem fest verrammelten Tor geborgen sahen, schienen sie ihrer und ihres großen Mutes wieder ganz sicher zu sein.

Tarzan schritt geradenwegs auf die Hütte des Häuptlings zu, von einer Menge neugieriger Männer, Weiber und Kinder umringt.

Er erfuhr von dem Häuptling, daß Rokoff vor etwa einer Woche stromaufwärts weitergezogen sei. Er habe Hörner an seinem Kopfe gehabt, und tausend Teufel seien in seinem Gefolge gewesen. Einen ganzen Monat habe er sich übrigens hier im Dorfe herumgetrieben.

Diese Aussagen deckten sich ja nun keineswegs mit Kaviris Bericht, nach dem der Russe vor kaum drei Tagen aus dessen Dorf abgerückt sein sollte. Außerdem hatte er sicher nicht so viel Leute bei sich gehabt wie es jetzt hier hieß. Doch waren diese Widersprüche für Tarzan nicht überraschend, denn er wußte zu genau Bescheid, wie es mit dem Gedächtnis der Wilden überhaupt bestellt war.

Am meisten interessierte ihn die Richtung, die Rokoff eingeschlagen: Er hatte sich also weiter ins Innere des Landes vorgewagt, er sollte ihm nicht entrinnen – –!

Aus einem stundenlangen Kreuzverhör erfuhr der Affenmensch weiterhin, daß ein paar Tage vor Rokoffs Erscheinen drei andere Weiße, und zwar ein Mann mit Frau und kleinem Kind, zusammen mit einigen Mosula hier vorübergekommen seien.

Tarzan wies den Häuptling darauf hin, daß seine eigenen Leute ihm wahrscheinlich schon morgen hierher im Boot folgen würden. Er solle sie dann ebenso freundlich empfangen und ja keine Angst vor ihnen haben. Mugambi werde dafür sorgen, daß niemandem ein Leid geschähe. Voraussetzung sei allerdings der Wilden freundliches Verhalten.

Und nun will ich mich schlafen legen, schloß er. Gleich hier unter dem Baum da, ich bin schrecklich müde. Daß mich ja niemand stört!

Der Häuptling wollte ihm eine Hütte zur Verfügung stellen, doch Tarzan lehnte schon aus Erfahrung ab: Das war kein Vergnügen, in so einer Hütte zu schlafen! Außerdem konnte er sich von seinem Lager unter freiem Himmel jederzeit rasch davonmachen. Dem Häuptling bedeutete er höflich, daß er lieber im Freien nächtige, um schnell bereit zu sein, falls Sheeta doch wieder auftauchen sollte. Mit dieser Erklärung gab sich der Häuptling denn auch völlig zufrieden und erlaubte ihm, unter dem Baume zu schlafen.

Tarzan fand es so erneut bestätigt, wie sehr es ihm zustatten kam, daß die Eingeborenen ihn für einen Mann mit unerhörten Wunderkräften hielten. Er wäre ja heute auch leicht, ohne das Öffnen des Tores erst abzuwarten, ins Dorf hineingekommen. Aber wie, wenn er jetzt ganz plötzlich verschwände? Das mußte einen unauslöschlichen Eindruck auf diese geradezu kindlichen Gemüter ausüben!

Gedacht, getan. Als das ganze Dorf in tiefem Schlummer lag, stand er auf, schwang sich in die Zweige seines Baumes empor und verschwand lautlos in der unheimlich schwarzen Dschungelnacht.

*

Den Rest der Nacht war er immer unterwegs; meist kam er in mittlerer Höhe der Bäume am besten voran, doch setzte er ab und zu auch die Wanderung in den höheren Baumregionen fort, weil ihm die Orientierung dort durch den hellen Mondschein wesentlich erleichtert wurde. Immerhin, seine Sinne waren so sehr an alles, was einem in dieser gefahrenschwangeren Urwaldzone begegnen konnte, von Kind auf gewöhnt, daß er sich sogar ganz unten am Boden in nahezu völliger Finsternis schnell und sicher vorarbeitete ...

Bei Morgengrauen nahm er etwas zu sich und schlief dann einige Stunden. Gegen Mittag ging es weiter.

Zweimal begegnete er Eingeborenen. Es war keineswegs leicht, sie in ein Gespräch zu verwickeln; doch gelang es ihm jedesmal, ihre Furcht und offensichtlich feindselige Haltung auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben, und er erfuhr so, daß er tatsächlich auf der Spur des Russen war.

Während der nächsten zwei Tage hielt er sich immer in Nähe des Stromes und gelangte schließlich in ein großes Dorf. Der Häuptling, ein finsterer Mann mit spitz zugefeilten Zähnen – ein charakteristisches Merkmal bei Kannibalen – empfing ihn durchaus freundlich.

Der Affenmensch war müde und wollte erst einmal acht bis zehn Stunden ruhen, damit er Rokoff in voller Frische und Kraft begegnen könne. Denn sicher war der Zusammenstoß mit ihm binnen kurzem unvermeidlich.

Der Häuptling erzählte gleich, der schwarzbärtige Weiße sei gestern früh erst weitergezogen, so daß er ihn bald einholen müsse. Von der anderen Reisegesellschaft wollte er nichts gehört oder gesehen haben.

Tarzan gefiel die ganze Art des Häuptlings nicht. Wenn er auch ganz den höflichen Gastgeber spielte, so merkte man doch, wie er ab und zu verächtlich die halbnackte Gestalt des Weißen musterte, der ganz allein und noch dazu ohne das geringste Geschenk sich hierher gewagt hatte. Tarzan fühlte aber, daß er jetzt unbedingt rasten müsse, nahm auch gleich an, was man ihm an Speisen darreichte, und war froh, sich auf diese Weise heute einen Beutezug in die Dschungel sparen zu können. Ob Mensch, Raubtier oder Teufel – er fürchtete nichts und sank unter dem schattigen Dach einer Hütte in festen Schlaf.

Des Häuptling war kaum allein, als er auch schon zwei seiner Krieger mit geheimen Befehlen versah. Im nächsten Augenblick stürmten die beiden Schwarzen am Strom entlang in östlicher Richtung davon.

Im Dorf wurde für völlige Ruhe gesorgt. Der Häuptling verbot Singen und lautes Schwatzen. Niemand sollte sich auch nur einen Schritt dem schlafenden Gaste nähern. Man schien wirklich selten rücksichtsvoll zu sein!

Nach drei Stunden kamen einige Boote auf dem Ugambi in Sicht. Man merkte es schon von weitem an dem raschen kräftigen Ruderschlag, daß die Insassen es eilig hatten. Der Häuptling stand am Ufer und hielt seinen Speer wagrecht über dem Kopfe. Zweifellos war das ein mit den Bootsleuten verabredetes Zeichen: Er wollte damit sagen, daß der Fremde im Dorfe noch ganz friedlich schlafe.

Die Eilboten, die der Häuptling vor drei Stunden abgesandt hatte, waren auch in den Booten. Sie hatten diese ganze Gesellschaft zur Rückfahrt veranlaßt und waren sicher auch in die Bedeutung jenes Speerzeichens vor ihrem Abmarsch aus dem Dorfe eingeweiht worden.

Bald zog man die Boote an das grüne Ufer. Mit den Eingeborenen kamen ein halbes Dutzend Weiße, lauter wenig sympathische Gestalten. Kein geringerer als jener Schwarzbärtige schien der Wortführer zu sein.

Wo steckt der Weiße, von dem deine Boten mir berichteten? fragte er den Häuptling.

Dort drüben, Bwana, erwiderte der Eingeborene. Ich habe dafür gesorgt, daß Ruhe im Dorfe herrscht, damit du ihn noch schlafend findest. Zwar weiß ich nicht, ob er dich in böser Absicht verfolgt, doch erkundigte er sich bei mir sehr genau über dein Kommen und Gehen. Deiner Beschreibung nach sieht er übrigens genau so aus wie der, den du auf der Dschungelinsel für immer gefangen glaubst.

Hättest du mir nicht alles erzählt, würde ich ihn auch nie erkannt haben. Der hätte dich sicher erschlagen! Sollte er aber Freund und nicht Feind sein, Bwana: ihm ist kein Leid geschehen. Jedenfalls möchte ich dich als Lohn um ein Gewehr und um Munition bitten.

Brav gemacht, antwortete der Weiße. Ganz gleich, ob er Freund oder Feind ist, du sollst Gewehr und Munition haben. Vorausgesetzt natürlich, daß du dich bedingungslos auf meine Seite stellst.

Ich will zu dir halten, Bwana, sagte der Häuptling. Und nun folge mir in mein Dorf. Der Fremde schläft noch.

Er schlug auch sogleich die Richtung nach der Hütte ein, in der Tarzan ahnungslos schlummerte. Neben ihm der Schwarzbärtige, dann die übrigen Weißen mit einer Schar schwarzer Krieger. Mit hocherhobenem Zeigefinger gebot er ab und zu Ruhe.

Auf den Fußspitzen schlichen sie um die Hütte. Der Weiße lächelte höhnisch, als er mit einem Male die Riesengestalt des schlafenden Affenmenschen vor sich liegen sah.

Fragend blickte der Häuptling sich um. Der Weiße nickte nur kurz, um ihm zu bedeuten, daß sein Verdacht durchaus begründet gewesen sei. Mit einem Wink gab er dann seinen Leuten Befehl, den Schlafenden zu packen und zu fesseln.

Im nächsten Augenblick stürzten sich ein Dutzend dieser Kerle auf den Ahnungslosen. Alles schien das Werk einer Sekunde: Tarzan war gefangen, ehe er auch nur ans Fliehen denken konnte.

Sie warfen ihn gefesselt auf den Rücken nieder, und als er dann die Rotte, die ihn so schändlich überfallen hatte, musterte, fiel sein Blick mit einem Male auf Nikolaus Rokoff.

Mit einem schadenfrohen Lächeln trat der Russe dicht an Tarzan heran.

Du Hund, schrie er ihn an. Bist du immer noch nicht klug geworden? Unverschämtheit, mir immer wieder in die Quere zu laufen!

Dann gab er ihm einen Fußtritt ins Gesicht.

Das zum Willkomm, sagte er dabei.

Und noch eins! Meine schwarzen Freunde werden dich heute abend mit Vergnügen verspeisen. Vorher sollst du aber hören, wie es deiner Frau und deinem Kind ergangen ist, und was ich mit ihnen vorhabe – – – – –


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