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Sechstes Kapitel.

Von der Demuth und dem Gehorsame des heiligen Franziskus, und wie sich Alles seinem Willen fügt.


1) Die Demuth, Wächterin und Schmuck aller Tugenden, hatte sich dem Manne Gottes in reicher Fülle mitgetheilt. In seinen Augen war er nichts als ein Sünder, obschon er in Wahrheit der Spiegel und Abglanz jeglicher Heiligkeit war. Als weiser Baumeister suchte er das Gebäude christlicher Vollkommenheit auf jener Grundlage zu erbauen, die Christus ihn gelehrt hatte. Er pflegte zu sagen: der Sohn Gottes sei deshalb von der Höhe aus dem Schooße des Vaters zu unserer Armseligkeit herabgestiegen, damit er, der Herr und Meister, durch Wort und Beispiel uns die Demuth lehrte. Darum ging er als wahrer Schüler Christi stets darauf aus, in seinen und anderer Augen verächtlich zu werden, indem er sich an den Ausspruch des obersten Lehrers erinnerte: Was hoch ist bei den Menschen, ist ein Abscheu bei Gott. Auch diesen Spruch pflegte er im Munde zu führen: Was der Mensch in den Augen Gottes ist, das ist er und um nichts mehr. Darum hielt er es für Thorheit, sich zu erheben wegen der Gunst bei der Welt, freute sich über angethane Schmach, betrübte sich wegen des gespendeten Lobes. Er wollte sich lieber tadeln als loben hören, weil er wußte, daß Tadel zur Besserung führe, Lob aber in's Verderben stürze. Wenn demnach das Volk an ihm die Verdienste seiner Heiligkeit erhob, so ließ er sich von einem Bruder Schmähworte zurufen. Als ihn einst ein Bruder wider seinen (des Bruders) Willen einen dummen Bauern, unwissenden Kaufmann und unnützen Menschen schalt, erwiderte er mit frohem Geiste und heiterer Miene: Es segne dich der Herr, mein liebster Sohn, weil du die volle Wahrheit redest; solches zu hören geziemt sich für den Sohn des Peter Bernardo. –

2) Um sich vor anderen verächtlich zu machen, schämte er sich nicht, selbst in der Predigt vor allem Volke seine eigenen Fehler zu offenbaren. Einmal war er wegen schwerer Krankheit genöthigt, von seiner Bußstrenge etwas abzulassen, um die Gesundheit wieder herzustellen. Nachdem er aber die Kräfte seines Leibes in etwas wieder erhalten hatte, sprach er, ein wahrer Verächter seiner selbst, voll Begeisterung für die Schmach des eigenen Fleisches zu seinen Brüdern: Es geziemt sich nicht, daß mich das Volk für abgetödtet halte, da ich doch im Geheimen meinen Leib pflege. Jetzt erhebt er sich, vom Geiste der Demuth entzündet, ruft auf der Straße der Stadt Assisi das Volk zusammen und schreitet, von vielen Brüdern begleitet, feierlich zur Hauptkirche der Stadt. Hier entblößt er sich bis auf die Beinkleider und läßt sich an einem Stricke um den Hals vor den Augen aller bis zu dem Steine schleppen, auf den die Uebelthäter gestellt und bestraft wurden; dann besteigt er den Stein und hält mit großem Feuer eine Predigt, wiewohl er das viertägige Fieber hatte, sich schwach fühlte und die Kälte heftig war. In der Predigt versichert er vor allen Zuhörern, man dürfe ihn nicht wie einen geistigen Mann ehren, sondern vielmehr müßten alle ihn als einen fleischlichen Menschen und Schlemmer verachten. Die versammelte Menge wunderte sich über dies so unerhörte Schauspiel; und weil man des Heiligen Strenge allgemein kannte, so wurden alle von Andacht erfüllt und sagten, eine solche Demuth sei vielmehr zu bewundern als nachzuahmen. Wiewohl nun dieser wunderbare Zug mehr eine Weissagung als ein Beispiel zur Nachahmung ist, so gibt er doch einen wahren Beweis von der vollkommenen Demuth des Dieners Christi; diese Demuth lehrte ihn, den vergänglichen Ruhm zu verachten, stolze Prahlerei zu unterdrücken und lügenhafte Verstellung zurückzuweisen. Handlungen, wie die eben erzählte, vollbrachte er oft, auf daß er äußerlich wie ein unnützes Gefäß erscheine, innerlich aber den Geist der Heiligkeit besäße.

3) Die Gaben Gottes suchte er im Schreine seines Herzens zu verbergen und wollte sich dem Ruhme nicht bloßstellen, weil dieses eine Gelegenheit zum Falle werden könnte. Wurde er von der Menge glücklich gepriesen, was oft geschah, so pflegte er zu sagen: Ich könnte noch Söhne und Töchter haben; lobet den nicht, der seines Heiles noch nicht sicher ist. Niemand darf gelobt werden, dessen glückliches Ende ungewiß ist. So sprach er zu seinen Lobrednern, zu sich selbst aber sagte er: Franziskus, hätte der Allerhöchste so große Gnade einem Räuber erwiesen, er wäre dankbarer denn du. Oftmals sprach er zu seinen Brüdern: Niemand darf sich verkehrter Weise wegen aller jenen Werke schmeicheln, die auch ein Sünder thun kann. Ein Sünder kann fasten, wehklagen, das eigene Fleisch abtödten; nur dieses Eine kann er nicht, nämlich treu sein gegen seinen Herrn. Darin müssen wir uns also rühmen, daß wir dem Herrn die Ehre geben, ihm treulich dienen und ihm aufrichtig zuschreiben, was er uns geschenkt hat. –

4) Damit aber dieser evangelische Kaufmann Franziskus auf mannigfache Weise Gewinn erziele und die ganze gegenwärtige Zeit zum Verdienste anwende, so wollte er lieber Untergebener als Oberer sein, lieber gehorchen als befehlen. Darum legte er auch sein Amt als General nieder und ließ sich einen Guardian als Oberen geben, dessen Willen er sich in Allem unterwarf. Er versicherte nämlich, so reichlich sei die Frucht des heiligen Gehorsams, daß diejenigen, welche seinem Joche ihren Nacken unterwürfen, gar keine Zeit ohne Verdienst verlören. Wenn er daher ausging, gelobte er immer dem ihn begleitenden Bruder Gehorsam und hielt denselben. Er sagte auch zuweilen zu seinen Genossen: Unter andern Gaben, welche die göttliche Güte mir zu geben geruhete, hat sie mir auch diese Gnade verliehen, daß ich mit demselben Eifer einem Novizen von einer Stunde gehorche, wenn er mir zum Guardian gegeben würde, als dem ältesten und klügsten Mitbruder. Der Untergebene, sagte er, darf in seinem Obern nicht den Menschen betrachten, sondern den, um dessen Liebe willen er Untergebener ist. Je niedriger der Obere, desto angenehmer die Demuth des Gehorchenden.

5) Als man ihn einmal fragte, wer für wahrhaft gehorsam zu halten sei, stellte er als Beispiel des Gehorsams einen Leichnam auf. Nimm einen Leichnam, sprach er, und stelle ihn, wohin du willst; bewegst du ihn, er wird sich nicht widersetzen; lässest du ihn liegen, er wird nicht murren; fällt er nieder, er wird nicht aufschreien; setzt man ihn auf einen Lehrstuhl, er schaut nicht nach oben, sondern nach unten; kleidet man ihn in Purpur, so wird er doppelt blaß. Dann sagte er noch: Wahrhaft gehorsam ist, wer nicht darüber urtheilt, warum man ihn bewegt; sich nicht darum kümmert, wohin man ihn stellt; nicht auf Aenderung drängt; der die frühere Demuth bewahrt, wenn er zu Aemtern befördert wird und sich für um so unwürdiger hält, je mehr man ihn ehrt. Einmal sagte er zu seinem Begleiter: Ich würde kein Minderbruder zu sein glauben, wenn ich mich nicht in der Verfassung befände, die ich dir jetzt beschreiben werde. Denke dir, ich als Oberer meiner Brüder gehe zum Kapitel, predige dort und ermahne die Brüder; aber am Ende sagt man mir: Du gefällst uns nicht, denn du bist nicht gelehrt und beredt, sondern unwissend und einfältig. Hierauf werde ich, von allen verachtet, mit Schande hinausgeworfen. Ich sage dir, ich wäre durchaus kein Minderbruder, wenn ich nicht mit unveränderter Miene, geistiger Freude und dem entschiedenen Willen, nach Heiligkeit zu streben, diese Worte anhören würde. Dann fügte er hinzu: Oberer sein ist eine Veranlassung zum Falle; gelobt werden ist eine Gefahr, jählings und tief herabzustürzen; aber demüthiger Gehorsam ist Gewinn der Seele. Warum sollten wir nun mehr nach Gefahr als nach Gewinn trachten, da wir doch die Zeit erhalten haben, uns Verdienste zu sammeln? –

6) Aus Liebe zur Demuth wollte Franziskus, das Vorbild der Demuth, seine Brüder Minderbrüder und die Obern seines Ordens Diener genannt wissen. Auch bei dieser Benennung wollte er sich der Worte des Evangeliums bedienen, und aus dem Namen selbst sollten seine Schüler lernen, daß sie in die Schule des demüthigen Jesus gekommen seien, um Demuth zu lernen. Sagte ja Jesus Christus, der Lehrer der Demuth, zu seinen Jüngern, die er zur vollkommenen Demuth heranbilden wollte: Wer immer unter euch groß werden will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht. Math. 20, 26. Einst fragte ihn der Cardinal von Ostia, ein vorzüglicher Beschützer und Beförderer des Minderbrüder-Ordens und später, nach der Voraussage des Heiligen, zur päpstlichen Würde erhoben und Gregorius IX. genannt: ob es ihm genehm sei, daß seine Brüder zu kirchlichen Aemtern befördert würden. Franziskus erwiederte: Mein Herr! Minderbrüder wurden meine Brüder deshalb genannt, damit sie nicht mit Anmaßung trachteten, groß zu werden; wenn Sie wünschen, daß meine Brüder in der Kirche Gottes Frucht bringen, dann mögen Sie dieselben in ihrem demüthigen Stande erhalten und niemals erlauben, daß sie zu kirchlichen Würden befördert werden.

7) Da nun Franziskus sowohl bei sich als auch bei seinen Brüdern die Demuth allen Ehren vorzog, so hielt ihn Gott, der Liebhaber der Demüthigen, des höchsten Ehrengipfels würdig, wie ein himmlisches Gesicht einem Bruder, einem Manne von ausgezeichneter Tugend und Frömmigkeit, anzeigte. Als er nämlich einmal den Mann Gottes begleitete, gingen sie beide in eine verlassene Kirche und beteten mit glühender Andacht. Hierbei geräth der Bruder in Verzückung und schaut unter vielen Sitzen im Himmel einen von ganz besonderer Schönheit, geschmückt mit kostbaren Edelsteinen und strahlend in aller Pracht. Während der Bruder sich wundert über den Glanz dieses herrlichen Thrones und ängstlich bei sich denkt, wer wohl auf denselben erhoben werde, vernimmt er eine Stimme zu ihm sprechend: Dieser Sitz gehörte einem der abtrünnigen Geister und wird jetzt dem demüthigen Franziskus aufbewahrt. Wieder zu sich gekommen, folgt er dem heiligen Manne, der die Kirche verläßt, in gewohnter Weise nach. Während sie aber unterwegs mit einander über Gott sprachen, fragte ihn der Bruder vorsichtig, was er von sich halte. Hierauf erwiderte der demüthige Diener Christi: Ich halte mich für den größten Sünder. Als nun der Bruder bemerkte, daß er (Franziskus) dies mit gutem Gewissen weder sagen noch denken könnte, antwortete der Heilige: Hätte Gott dem größten Verbrecher so große Gnaden erwiesen als mir, so wäre er gewiß viel dankbarer als ich. Durch diese Antwort von so wunderbarer Demuth ward der Bruder über die Wahrheit des gehabten Gesichtes bestärkt. Versichert ja auch das Evangelium, daß der wahrhaft Demüthige zu dem Gipfel der Ehre erhoben, von dem der Stolze herabgestürzt wird.

8) Während er einmal in einer verlassenen Kirche betete, die in der Provinz Massa beim Berge Kasa stand, erkannte er im Geiste, daß sich dort heilige Reliquien befänden. Mit Trauer sah er sie schon lange der gebührenden Ehre beraubt und befahl daher seinen Brüdern, dieselben ehrfurchtsvoll an einen gewissen Ort zu bringen. Gleich darauf hatte er eine nothwendige Reise zu machen, und die Brüder vergaßen des Vaters Befehl und ließen das Verdienst des Gehorsams außer Acht. Als man aber eines Tages die heil. Messe lesen wollte und die Brüder das oberste Altartuch wegnahmen, fanden sie zu ihrem Erstaunen sehr schöne und wohlriechende Gebeine und sahen die Reliquien, nicht von eines Menschen Hand, sondern durch das Wirken Gottes dorthin gebracht. Nach seiner Rückkehr erkundigte sich der gottesfürchtige Mann eifrig, ob das geschehen sei, was er in Bezug auf die Reliquien geboten habe. Die Brüder bekennen nun demüthig ihre Schuld wegen Vernachlässigung des Gehorsams, erhalten eine Buße und Verzeihung. Der heilige Mann aber sprach: Gepriesen sei der Herr, mein Gott, der selbst gethan hat, was ihr hättet thun müssen. Betrachte nun die große Fürsorge Gottes für unsern Staub und erwäge des demüthigen Franziskus ausgezeichnete Tugend in den Augen Gottes; denn wo Menschen seine Befehle nicht vollzogen, gehorchte Gott seinen Wünschen.

9) Einmal kam er zum Bischofe der Stadt Imola und bat ihn demüthig, er möge gütigst erlauben, das Volk zur Predigt zusammenzurufen. Der Bischof erwiderte etwas hart: Es genügt, Bruder, daß ich dem Volke predige. Der wahrhaft demüthige Mann verbeugt sich und geht hinaus, kommt aber nach einer kleinen Stunde wieder. Als ihn nun der Bischof etwas erregt fragt, was er denn nochmals wolle, antwortete der Heilige mit demüthigem Herzen und demüthiger Stimme: Mein Herr! wenn der Vater seinen Sohn zur einen Thüre hinaustreibt, so muß er durch die andere wieder herein kommen. Von dieser Demuth ward der Bischof besiegt, umarmte ihn mit freundlicher Miene und sprach: Du und alle deine Brüder haben von jetzt an die allgemeine Erlaubniß, in meinem Bisthume zu predigen; denn dieses hat die heilige Demuth verdient. –

10) Auf seinen Reisen kam der Heilige einmal nach Arezzo, als eben die ganze Stadt durch Bürgerkrieg hart heimgesucht, dem Untergange nahe war. Seine Herberge hatte er in der Vorstadt, von wo er die Teufel voll Jubel über der Stadt schweben und die verwirrten Bürger zum gegenseitigen Morden antreiben sah. Um nun jene aufrührerischen Geister der Luft zu vertreiben, sandte er gleichsam als einen Herold den Pater Silvester, einen Mann von Taubeneinfalt, mit den Worten: Gehe vor das Stadtthor und befiehl den Teufeln im Namen des allmächtigen Gottes und in Kraft des Gehorsams, daß sie eiligst von dannen ziehen. Der wahrhaft gehorsame Sohn beeilt sich, des Vaters Befehl zu vollziehen, kommt, Loblieder dem Herrn singend, vor das Thor der Stadt und ruft mit starker Stimme: Im Namen des allmächtigen Gottes und auf Befehl seines Dieners Franziskus fliehet weit von hier, ihr Teufel alle. Sogleich kehrt Friede ein in die Stadt, und der gesetzliche Zustand unter allen Bürgern wird in großer Ruhe wiederhergestellt. Nachdem nämlich die wüthenden und stolzen Teufel vertrieben, welche die Stadt gleichsam umlagert hatten, gab die demüthige Weisheit des armen Franziskus der Stadt den Frieden zurück und rettete sie vom Untergange. Denn durch die erhabene Tugend des demüthigen Gehorsams hatte er eine solche Gewalt über die aufrührerischen und verkehrten Geister erlangt, daß er ihr schamloses Treiben zügeln und ihre stürmischen Angriffe zurückschlagen konnte. Die stolzen Teufel fliehen ja vor den erhabenen Tugenden demüthiger Seelen, es sei denn, daß die Güte Gottes solche Seelen zuweilen von bösen Geistern plagen läßt, um ihre Demuth zu schützen. Einmal ward der Heilige vom Kardinal Leo vom heiligen Kreuze gebeten, er möchte eine Zeitlang bei ihm in der Stadt bleiben; aus Ehrfurcht und Liebe zu demselben fügt er sich demüthig seiner Bitte. Als er sich aber in der ersten Nacht nach dem Gebete schlafen legen will, kommen böse Geister herbei und machen einen wüthenden Angriff auf den Diener Christi, schlagen ihn lange und heftig und lassen ihn zuletzt halb todt zurück. Nach ihrem Verschwinden ruft der Mann Gottes seinen Begleiter herbei, erzählt ihm den Hergang der Sache und fügt hinzu: Ich glaube, mein Bruder, daß die Teufel, welche doch nichts können, als was die göttliche Vorsehung zuläßt, deshalb über mich so wüthend hergefallen sind, weil mein Aufenthalt an den Höfen der Großen keine guten Früchte bringt. Hören meine Brüder, welche in armen Hütten wohnen, daß ich bei Kardinälen lebe, so könnten sie den Argwohn fassen, ich mischte mich in weltliche Dinge, fände Freude an Ehren und schwelgte in Vergnügungen. Darum halte ich es für besser, daß derjenige, welcher Andern zum Beispiel aufgestellt wird, die Höfe fliehe und unter demüthigen Männern in demüthigen Hütten wohne, damit er Mangel leidend jene stark mache, welche in Mangel ihre Tage verbringen. In der Morgenfrühe entschuldigen sie sich demüthig beim Kardinal und gehen von dannen.

11) Der heilige Mann verabscheute den Stolz als die Quelle aller Uebel und den Ungehorsam als dessen schlimmsten Sprößling; desto mehr aber liebte er die demüthige Buße. Einmal ward ihm nun zur Bestrafung ein gewisser Bruder vorgestellt, der sich gegen den Gehorsam verfehlt hatte. Da aber der Mann Gottes aus offenbaren Zeichen den Bruder wahrhaft zerknirscht erkannte, wollte er ihm aus Liebe zur Demuth verzeihen. Damit jedoch die Leichtigkeit, Verzeihung zu erlangen, andern keine Veranlassung zu Uebertretungen werde, so ließ er dem Bruder die Kapuze abnehmen und sie mitten ins Feuer werfen, auf daß alle erkenneten, welch ein Fehler die Verletzung des Gehorsams sei, und welch eine Strafe ihm gebühre. Nach einer Weile läßt er die Kapuze, die mitten im Feuer lag, heraus nehmen und dem Bruder wieder geben. Nun siehe Wunder! Die Kapuze hatte auch nicht die mindeste Brandspur. So wollte Gott durch ein und dasselbe Wunder die Tugend des Heiligen und den Werth der demüthigen Buße zeigen. Die Demuth des heiligen Franziskus ist also wohl der Nachahmung werth, da sie ja schon auf Erden eine so wunderbare Würde erlangte, daß sie Gott selbst seinen Wünschen willfährig machte, den verkehrten Sinn des Menschen zum Guten umwandelte, die bösen Geister vertrieb und die verzehrenden Gluthen des Feuers durch bloßen Wink bändigte. Fürwahr, die Demuth ist jene Tugend, welche die ehrt, die sie besitzen, die allen Ehrfurcht erweiset und zugleich bei allen Menschen Ehre verdient.


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