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Der Dichter und Amor.

Liebe wirket dieses
Alles und noch mehr.

Wieland.

 

Dichter.

Meine Lieb' muß ich verschweigen,
Oh, das thut dem Herzen weh!
Ihr kann ich sie nimmer zeigen,
Denn es trennt und Land und See.

Amor.

Auf! Kein Dichter je verzage!
Er hat Perlen, Silber, Gold!
Und der Geist siegt alle Tage,
Amor ist dem Dichter hold!

Dichter.

Ach! ich kann sie ja nicht sehen,
Lauschen ihrer Stimme Klang,
Kann nicht, wo sie weilet, gehen,
Flattern, wie das Vöglein bang.

Nähren meiner Hoffnung Triebe,
Schauen tief ihr in das Herz;
Nun vergißt sie meine Liebe,
Nun vergißt sie meinen Schmerz.

Amor.

Stärke deinen Muth nur wieder!
Wer ist glücklicher, als Du?
Sagen kannst du ja durch Lieder,
Was dir trübt des Herzens Ruh'.

Kannst der ganzen Welt vertrauen,
Was die Theure längst gewußt;
Niemand doch wird dich durchschauen,
Sie nur blickt dir in die Brust.

Alles kannst du drucken lassen;
»Sind nur Lieder« – sagt man sich;
Doch bei ihr – kannst du es fassen,
Wie beglückt du bist? – sprech' ich! –


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