Charlot Strasser
Wer hilft?
Charlot Strasser

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VII.

(Am Sonntag Morgen)

Herr Inspektor!

Ich werde nie wieder spielen. Der Abend in der »Stadtbahn« hat's mir bewiesen. Ich werde nie wieder haltlos sein.

Am Lebensfelsen habe ich festen Grund erklammert. Meinen Glauben, meinen Gott habe ich mir errichtet aus des Menschen Kampf, aus der Menschen gütiger Hingabe.

Auch Sie, Einzelner, im Leben Festwurzelnder sind mir darum schon Halt, weil Sie – vielleicht begegnen Sie einem Schiffbrüchigen, wie mir, ohne es zu wissen, auch ungeschickt, zu ichbetonend – mich in Ihrer Weise freundlich aufnahmen, mir zu geben versuchten.

Sie haben mich, so sentimental es klingt, durch Ihr Zutrauen gestärkt. Ist es nicht unglaubhaft, daß Sie einen entlassenen Sträfling zum Aufseher im Lichtspieltheater empfahlen? Wo ich tagtäglich bei Diebstahl, Mord, Erpressung, Betrug durch der Gäste unverhohlenes Ergötzen in allen meinen gefährlichen Trieben aufgestachelt werden könnte.

Ich fege aber morgens das schmutzige Lokal. Ich geleite die Leute auf ihre Bänke. Ich sehe vorbei an den prickelnden Gräueln und Geschmacklosigkeiten der Filmkunst.

Sie haben mir geholfen, Herr Inspektor, weil die Erleuchtung über mich kam, daß ich meinen Platz in der Welt erkannte, unter den Vielen ersah. Weil ich reif dazu war, nach der Hülfe zu greifen. Weil Sie Vermittler waren zwischen genesenem Aussätzigem und den sich fürchtenden Gesunden.

Will schreiben. Dichter werden. Ein Menschenverbesserer, ich, der Verbrecher. Bin doch Abenteurer und Spieler. Trotz dem eben ausgesprochenen Vorsatz.

Fühle die Kraft in mir wachsen und wallen, vom Leid und der Fühllosigkeit zu klagen, in erschütternden, wilden Worten zu reden. Will Euch aufrütteln und von Euch fordern:

 

Erbarmt Euch unter einander!

Helft, wo Ihr könnt!

Tötet, beraubt und bestehlt Euch nie wieder!

Belügt Euch nicht selber!

Seid nicht abgeschlossen in Eures Ichs engwütigen Kreislauf!

Seid nicht feige, von Anderen anzunehmen, auf daß Ihr nicht geben müßt!

Erleidet Eure Ziele nicht, sondern prägt sie und glaubet!

Wagt es, zu helfen!

Helfet, Ihr Menschen!

Helfet einander!


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