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Dreizehntes Capitel.


Mord in der Inselbucht. – Abfahrt von Neuseeland. – Die Nimrod-Inseln. – Pinguine. – Wir erblicken Land. – Kreis mittlerer Temperatur des südlichen Oceans. – Wir sehen den ersten Eisberg. – Focus grösster Intensität. – Einfahrt in das Packeis. – Mikroskopische Seethiere. – Magnetische Beobachtungen auf dem Eise. – Wir werden von Packeis eingeschlossen.


Am 22. Nov. Abends waren wir bereit mit Anbruch des nächsten Morgens unter Segel zu gehen. Spät Abends brachte mir aber Commandeur Sullivan einen Brief, den er eben vom Chirurgen und Coroner von Kororarika empfangen hatte und in welchem er uns von einem grausamen Mord unterrichtete, den sich einige Maories hatten zu Schulden kommen lassen. Nachdem sie Mrs. Robertson, eine Europäerin, drei Kinder und ihren Bedienten ermordet, hatten sie das Haus in Brand gesteckt; jetzt baten die Bewohner der Stadt, die einen sofortigen Angriff fürchteten, eine Anzahl bewaffneter Matrosen zu ihrem Schutze ans Land zu setzen. Da diese Bitte nicht vom Friedensrichter unterstützt war, obgleich ihn der Constabler, den der Coroner an ihn schickte, darum gebeten hatte, so musste ich glauben, er halte ihre Befürchtungen für grundlos. Ich befahl dem Commandeur Sullivan eine starke Abtheilung sogleich nach dem Dorfe abzuschicken, um nähere Erkundigungen einzuziehen, und mir ohne Zeitverlust weitern Bericht abzustatten. Lieutenant Ellermann, der die Mannschaft anführte, kehrte bald nach Mitternacht zurück und berichtete mir, dass er die Einwohner in grosser Unruhe und Besorgniss gefunden habe, dass ihm von einem Zusammenrotten der Eingebornen in der Nähe nichts zu Ohren gekommen sei und dass mehrere Umstände vermuthen liessen, der Mord sei eine Handlung persönlicher Rache gewesen. Ich hielt es nicht für nothwendig, mich weiter in die Sache zu mischen ich befahl daher, die bewaffnete Macht wieder abziehen zu lassen, sobald die Furcht vor einem Angriffe verschwunden war, da die Civilbehörde Macht genug in Händen hatte, den Mörder zu verhaften, der natürlich in die Wälder geflohen war. Die Eingebornen hatten schon lange gedroht, sich des Eilandes, welches Mrs. Robertson's Gatte vor mehreren Jahren gekauft hatte, wieder zu bemächtigen; denn als sie es verkauften, hatten sie geglaubt, das Land werde nach dem Tode des Käufers wieder an ihren Stamm fallen. Mr. Robertson ertrank kurze Zeit vor diesem traurigen Vorfall im Angesicht seines eigenen Hauses und Mrs. Robertson war am Tage vor demselben vor der Commission zur Ordnung der Ansprüche auf Grundbesitz erschienen und hatte ihr Recht auf die fragliche Insel bestätigt erhalten. So unmittelbar folgte darauf der Mord, dass die Vermuthung, der Stamm, welcher Ansprüche auf die Insel machte, sei dabei betheiligt, sehr nahe lag. Aber der folgende Bericht über diesen schrecklichen Vorfall, den Mr. Marjoribanks in seiner Beschreibung von Neuseeland giebt, stellt ihn in sein wahres Licht. Nach ihm war Mrs. Robertson, die Wittwe des Capitains Robertson, aus Sidney und wohnte auf einem der zahlreichen Eilande, denen die Inselbucht ihren Namen verdankt. Es hatte ihrem Manne gehört und zu dieser Zeit waren sie und ihre Familie die einzigen Besitzer. Sie hatte einen jungen Häuptling, einen zwar nur sechszehnjährigen, aber merkwürdig kräftigen Burschen gemiethet, um ihrem weissen Diener Thomas Bull auf dem Felde zu helfen; und da Thomas zu Mrs. Robertson geäussert hatte, dass der Maorie faul sei, so wartete dieser die Gelegenheit ab und spaltete Thomas im Schlafe mit einem Beile den Schädel. Zufällig kam Mrs. Robertson dazu und er hielt es für rathsam, sie mit derselben Waffe zu erschlagen, sowie auch die beiden Mädchen. Mrs. Robertson's Sohn floh auf einen nahen Berg, aber das Ungeheuer holte ihn ein und stürzte ihn einen 200 Fuss hohen Felsen hinab. Eines der Mädchen war die Enkelin Nene's, des grossen Häuptlings des Negaphuistammes, der hauptsächlich Kororarika bewohnt; und ihre Ermordung, welche zu Feindseligkeiten zwischen Nene und dem bekannten Heki führte, verhinderte mittelbar die Zerstörung der Stadt Auckland und die Vernichtung ihrer Bewohner, welche Heki herbeizuführen geschworen hatte, und welche selbst die menschliche und weise Politik des Gouverneurs Fitzroy nicht hätte verhüten können.

Nach vollbrachter That steckte der Mörder das Haus in Brand, um sein Verbrechen zu verbergen, und der Anblick der Flammen hatte die Besorgniss der Bewohner erregt und sie zu dem Glauben verleitet, der ganze Stamm der Maories sei im Anzuge. Den Mörder lieferte später der eigene Vater aus, der Nene's Rache fürchtete. Er wurde nach Auckland gebracht, vor Gericht gestellt, verurtheilt und am 7. März des folgenden Jahres mit grosser Feierlichkeit hingerichtet. Es war die erste Execution, seitdem die Insel im Besitz der englischen Regierung war.

Um 5 Uhr am nächsten Morgen lichteten wir die Anker und segelten aus dem Hafen, begleitet von der Favorite bis um 10 Uhr Vormittags, wo sie sich mit drei Hurrah's von uns trennte. Commandeur Sullivan begab sich nach Auckland, um dem Gouverneur Hobson von dem geschehenen Morde Nachricht zu geben und Verhaltungsbefehle von ihm einzuholen; denn wenn er es für rathsam finden sollte, Kororarika in Vertheidigungszustand zu setzen, so wollte die Favorite sogleich wieder dorthin zurückkehren.

Die Chathaminsel wünschte ich nicht blos magnetischer Beobachtungen wegen zu besuchen, sondern auch weil ihre Eigenschaften als Colonie oder als Station für die Wallfischfänger sehr wenig bekannt sind, obgleich ich zu letzterem Zwecke die Aucklandsinseln für geeigneter halte. Ich habe seitdem mit grosser Freude aus guter Quelle vernommen, dass die Regierung den unternehmenden Kaufleuten, Herren Enderby, deren Schiffe sie entdeckt haben, den ausschliesslichen Besitz der Aucklandsinseln gewährleistet hat und dass diese Herren die Bildung einer Gesellschaft beabsichtigen, um von dort aus den Wallfischfang in den Südpolarmeeren zu betreiben. Vom materiellen Gesichtspunkte aus ist sowohl in Betracht unsers maritimen als unsers commerciellen Uebergewichts ein Unternehmen dieser Art von der grössten Wichtigkeit. Sein Gelingen würde einem gewinnreichen, aber in Verfall gekommenen Zweig unsrer Rhederei wieder aufhelfen und eine grosse Menge unsrer tüchtigsten Matrosen der Handelsmarine der Vereinigten Staaten entziehen, wo sie jetzt Beschäftigung finden. In dem ganzen grossen südlichen Ocean ist keine Stelle zu finden, die so vollständig alle wesentlichen Erfordernisse einer festen Station für Südseefahrer besitzt.

Versehen mit den grossen natürlichen Vorzügen bequemer Häfen, reichlichen Vorräthen und gutem Wasser und Holz, von einer Bodenfläche von beinahe 100,000 Ackern und in der Nachbarschaft unsrer australischen und neuseeländischen Colonien gelegen, bieten diese Inseln die grössten Erleichterungen dar, um die Südseefischerei in dem von den Herren Enderby beabsichtigten grossen Maassstabe zu betreiben. Sie liegen ausserdem gewissermaassen im Mittelpunkte dieser Fischerei und auf dem Wege der Schiffe, die von den Niederlassungen in Australien und auf Van-Diemensland zurückkehren.

Die Americaner sind sich der vortheilhaften Lage dieser Inseln sehr gut bewusst und besuchen sie häufig, um ihre Schiffe auszubessern oder Vorräthe einzunehmen; zu ähnlichen Zwecken legen auch die Südseefahrer Frankreichs und anderer Flaggen daselbst an, während sie von der Nation, der sie gehören, bis jetzt nur zu sehr vernachlässigt worden sind.

Während des 25. sahen wir viele russbraune Albatros, den dunkelfarbigen und zierlichen blauen Sturmvogel, sowie die Captaube. Zu Mittag befanden wir uns unter 38° 17' südl. Br. und 179° 51' östl. L., und passirten den 180. Meridian um 2 Uhr Nachmittags. Bald nach 12 Uhr lief der Wind nach Süden um, mit sehr hohlgehender See, so dass das Schiff sich nicht auf seinem Curs halten konnte und stark leewärts abgetrieben wurde; der Wind wurde mit Einbruch des Abends frischer und um Mitternacht war er zum Sturm angewachsen.

Da wir in östlicher Richtung gesegelt waren, hatten wir 12 Stunden gewonnen, und wir mussten daher, als wir den 180. Grad passirten und in westliche Länge kamen, zwei Tage von demselben Datum auf einander folgen lassen, um so die Zeit, welche wir durch Ostwärtsfahren gewonnen hatten und noch gewinnen mussten, zu verlieren.

Wir hatten deshalb zwei Donnerstage und zwei 25. Nov. nach einander, so dass wir, nachdem wir den Meridian passirt und einen Tag eingeschoben hatten, nicht mehr vor der englischen Zeit um 12 Stunden voraus, sondern um dieselbe Zeit hinter ihr zurück waren. Dies glich sich jedoch allmälig aus, wie wir unsern Weg nach Osten weiter verfolgten, bis wir bei unsrer Rückkehr vollkommen übereinstimmten. Hätten wir diese Abänderung nicht getroffen, so wäre unser Weihnachts- und unser Neujahrstag einen Tag früher als in England gefallen. Es war ein Glück, dass wir an keinem dieser beiden Tage in westliche Länge übergingen, denn zwei solche Feste hinter einander wären noch seltsamer gewesen.

Während der vorigen Nacht liessen sich auf der See zahlreiche grosse leuchtende Flecken bemerken und heute sahen wir viele St. Petersvögel, junge Albatros und den kleinen schwarzen Sturmvogel in grosser Anzahl.

Gegen Abend legte sich der Sturm, aber da der Wind immer noch frisch aus Süden wehte, machten wir geringe Fortschritte; auch die beiden folgenden Tage blieb der Wind ungünstig, so dass wir den 27. Nov. Mittags immer noch 180 Meilen von der Chathaminsel unter 39° 16' südl. Br. und 177° 2' westl. L. waren. Um 1 Uhr Nachmittags warfen wir das Senkblei aus, ohne mit 600 Faden Grund zu finden. Es war Windstille und wir untersuchten die Temperatur des Meeres, wobei wir folgende Resultate erhielten: in 600 Faden fanden wir 44°,9; in 450 Faden 46°,85 in 300 Faden 49°,2; in 150 Faden 53°,5; auf der Oberfläche 58°; die specifische Schwere des Wassers auf der Oberfläche war 1,0274; in 150 Faden Tiefe 1,0272 und in 450 Faden 1,0268, stets bei einer Temperatur von 60°, woraus hervorgeht, dass das Wasser der Tiefe specifisch leichter ist als das der Oberfläche, sobald es auf dieselbe Temperatur gebracht wird; unsere fast täglichen Versuche bestätigten dieses Ergebniss.

Bald darauf erhob sich eine nördliche Brise; heftige Regengüsse und ein Sinken des Barometers begleiteten wie gewöhnlich den Nordwind; aber am meisten setzte uns in Erstaunen, dass die Temperatur der Luft innerhalb zwei Stunden von 63° auf 54° fiel, während die der Oberfläche des Meeres von der Veränderung des Windes nicht berührt wurde. Die Ursache dieser merkwürdigen Abweichung lag wohl darin, dass der Regen aus einer sehr grossen Höhe herabfiel und deswegen von sehr niedriger Temperatur war; aber leider hat man vergessen Wahrnehmungen darüber aufzuzeichnen.

Um 8 Uhr Abends den 29sten befanden wir uns nur noch 50 Meilen von den Schwesterinseln und einem Felsenriff, welches ungefähr 6 Seemeilen nördlich von der Chathaminsel liegt; da aber die Nacht hell und der Wind günstig war, setzten wir unsere Fahrt nach ihrer Nordwestspitze Point Allison fort, nur von Zeit zu Zeit beilegend, um das Loth auszuwerfen, als wir diesen gefährlichen und fast unbekannten Inseln näher kamen.

Während der Nacht wurde es sehr neblig, was diese Vorsichtsmaassregeln noch nothwendiger machte. Wir erblickten grosse Flecken Seegras und die Seevögel nahmen an Zahl und Mannigfaltigkeit bedeutend zu. Der kleinste Sturmvogel (der Stellvertreter des kleinen Alks der nördlichen Regionen und diesem sehr ähnlich), so wie die schwarzrückige Möve, die sich beide nicht weit vom Lande entfernen, und der Schnabeltümmler zeigten sich vorzüglich häufig; einen der letztern erlegten wir mit der Harpune und fanden in seinen gewaltigen Kinnladen die Zähne, welche die Neuseeländer als Schmuck sehr hoch schätzen und deren Ursprung zu errathen uns viel Kopfzerbrechen gekostet hatte.

Kurz vor 8 Uhr Morgens (30. Nov.) erblickten wir gerade vor uns, etwa eine Meile entfernt, Brandung, was uns nöthigte, unsern Curs ein wenig zu ändern. Diese Klippen heissen das nordwestliche Riff und liegen etwa 5 Meilen in dieser Richtung von den Schwesterinseln entfernt; sie haben blos 50 Yard im Durchmesser und werden nirgends über dem Wasser sichtbar. Der Nebel wurde jetzt so dicht, dass wir nicht weiter als eine halbe Meile sehen konnten; und obgleich wir ganz dicht an den Schwesterinseln, die 100 Fuss hoch sind, vorbeigefahren sein müssen, so erblickten wir sie doch nicht. In der Hoffnung, dass sich das Wetter gegen Mittag aufklären werde, steuerten wir gerade nach Point Allison und waren um diese Zeit noch 3 Meilen davon entfernt; eine halbe Stunde darauf fuhren wir daran vorbei, ohne das Cap sehen zu können, obgleich es nicht weiter als eine Meile von uns war. Nur durch beständiges Abfeuern von Kanonenschüssen sahen wir uns in den Stand gesetzt, mit dem Terror in Gesellschaft zu bleiben, und da ich die Unmöglichkeit des Landens einsah, so wollte ich mit dem Abwarten günstigern Windes nicht noch mehr Zeit verlieren, und wir setzten Nachmittags unsern Weg nach Südwesten fort.

Wir fuhren an dem Westriff so nahe vorbei, dass wir das Tosen der darüber brandenden Wellen hören konnten, aber dichte Nebel verhinderten uns es zu erblicken; und sobald wir alle bekannten Gefahren in der Nähe der Chathaminseln hinter uns hatten, richteten wir unsern Lauf nach Südosten, um eine magnetische Frage von grossem Interesse zu bestimmen. Man vermuthete den zweiten Punkt grösster magnetischer Intensität ungefähr unter 60° südl. Breite und 125° westl. Länge zu finden, da uns aber die Zeit nicht erlaubte, diese Stelle aufzusuchen, so richteten wir unsern Lauf so ein, dass wir die Linien des isodynamischen Ovales an Orten passirten, wo die genaue Bestimmung desselben sich am sichersten vornehmen liess. Am 2. Decbr. hatten wir wieder einen schönen Tag mit frischem Nordostwind. Nachmittags fuhren wir an einem grossen Korb und mehrern kleinen Stücken Holz vorbei, woraus wir schlossen, dass wir den Weg eines von Tasmanien heimwärts segelnden Schiffes gekreuzt hätten.

Durch nordöstlichen Wind von unserm eigenen Wege verschlagen, näherten wir uns allmälig der vermeintlichen Stelle einer kleinen Inselgruppe, der Nimrodsinseln, aber da man so oft ohne Erfolg nach ihnen geforscht hat, so würde ich sie eher östlich oder westlich von ihrer angeblichen Lage und in ziemlicher Entfernung von dem Curse anderer Seefahrer gesucht haben; Ungunst des Windes und Wetters verhinderten dies aber und ich blieb von der Stelle, wo die Karte sie angiebt, mehr als 200 Meilen entfernt.

Am Morgen des 3. Decbr. sahen wir mehrere Pottfische; während der Nacht hatten wir viele leuchtende Flecken bemerkt, und mit dem Schleppnetz fischten wir einige grosse Pyrosoma's auf. Nachmittags wurde ein Boot ausgesetzt, um die Strömung zu untersuchen, während wir die gewöhnlichen Beobachtungen über die Temperatur des Meeres anstellten; sie ging in südwestlicher Richtung 9 Meilen in 24 Stunden. Seegras mit Entenmuscheln daran wurde an Bord gebracht. Das Barometer zeigte die ungewöhnliche Höhe von 30,45'' bei einem mässigen Nordostwind und bedecktem Himmel. Nachts hörte man das Geschrei der Pinguine und die leuchtenden Flecke in der See zeigten sich wieder in grosser Anzahl und in lebhaftem Glanze.

Der Nordost dauerte jedoch sehr gemässigt bis zum folgenden Mittag fort, wo eine vollständige Windstille mit ganz glatter See eintrat, so dass wir, eine vortreffliche Gelegenheit zur Untersuchung der Meerestemperatur in grosser Tiefe erhielten. Es war zu diesem Zweck eine neue Lothleine verfertigt worden, an welcher alle 150 Faden ein Thermometer befestigt war; mit 1100 Faden fanden wir noch keinen Grund und weiter wagte ich die Thermometer nicht hinabzulassen. Als wir die Lothleine wieder heraufwanden, riss sie und zwei der neuen Thermometer, die mir zum Zweck von Tiefmessungen nachgeschickt worden, gingen verloren; wir hatten jedoch noch drei andere und die Gelegenheit war zu gut, als dass ich sie trotz des Unfalls hätte vorbeilassen sollen. Ich liess sogleich eine zweite Lothleine zurecht machen und die bis zu einer Tiefe von 1050 Faden hinabgelassenen Thermometer kamen, nachdem sie einen so ungeheuren Druck ausgehalten, unbeschädigt wieder herauf und wiesen in dieser Tiefe des Meeres eine Temperatur von 40° nach, also 13° weniger als auf der Oberfläche. Die Temperatur in 900 Faden Tiefe war 40°,2; in 750 Faden 41°; in 600 Faden 42°,2; in 450 Faden 44°,5; und in 150 Faden 48°,7, so dass die mittlere Temperatur des Meeres unter 49° 17' südl. Breite und 172° 28' westl. Länge sich mindestens 900 Faden unter der Oberfläche befindet.

Kaum waren wir mit diesen Experimenten, die uns fast fünf Stunden beschäftigt hatten, fertig, so erhob sich ein frischer Nordwind, vor dem wir mit allen Segeln weiter fuhren. Pottfische, Flecken Seegras und Heerden von Pinguinen sahen wir in so grosser Anzahl, dass ich sehr hoffte, bald Land zu finden. Obgleich wir keins sahen, so halte ich es doch nicht für unwahrscheinlich, dass man in dieser Gegend mit der Zeit einige kleine Eilande entdecken könne, so sehr auch die grosse Tiefe des Meeres gegen eine solche Vermuthung zu streiten scheint. Die Pinguine schwammen alle östlich, wahrscheinlich nach ihrem Brutort, der sich vielleicht auf den Nimrodsinseln befand. Ein wunderbarer Instinct setzt diese Geschöpfe in Stand, jeden Frühling mehrere hundert Meilen weit und meistens unter Wasser den Weg nach ihrem gewöhnlichen Brutorte zu finden.

Auch der 5. December war ein wunderschöner Tag. Ein Zug Butzköpfe spielte um das Schiff und begleitete uns mehrere Stunden weit. Im Meere sahen wir ein Stück Treibholz und mehrere Haufen Seegras schwimmen; grosse Schaaren von Pinguinen schwammen nach Osten; und wahrscheinlich weil wir alle erwarteten Land zu sehen, erhielten wir zu wiederholten Malen falsche Meldungen vom Top. Gegen Abend stiegen im Osten dichte Wolken empor, deren scharfe Umrisse das Aussehen von Land annahmen und die Ursache dieser häufigen Missverständnisse waren.

Begünstigt von einer starken südwestlichen Brise machten wir während der nächsten beiden Tage gute Fortschritte, und den 9. Mittags befanden wir uns unter 52° 32' südl. Breite und 161° 20' westl. Länge. Die Inclination der Magnetnadel hatte sich auf 70° südlich vermehrt und die Declination war 15° 10' östlich. Nachmittags wurde die Brise zu einem Sturme mit Regen und Schnee, wodurch die Temperatur der Luft von 42° auf 34° sank, während das Barometer um Mitternacht rasch auf 29,1 fiel. Es war eine schlimme Nacht, deren Ungemach wir durch den schnellen Wechsel der Temperatur und des Wetters nur noch mehr fühlten. Da wir in so niedriger Breite nicht zu fürchten hatten, auf Eis zu stossen, so verfolgten wir unsern Curs gerade vor dem Sturme, obgleich der Schnee zuweilen so dicht fiel, dass wir blos ¼ Meile weit vor uns sehen konnten.

Nachmittags den 10. December lief der Sturm nach Südosten um und nöthigte uns blos mit dichtgerefften Marssegeln zu fahren; die Veränderung des Windes brachte helles Wetter, gestattete uns aber nicht, den Nimrodsinseln so nahe, als ich wünschte, zu kommen. Mittags befanden wir uns unter 53° südl. Breite und 157° 49' westl. Länge, also noch 212 Meilen von den eben genannten Inseln. Immer noch begegneten wir Flecken Seegras und den früher aufgezählten Vögeln. Heute erblickten wir mehrere Nordcaper und einige wenige Wallfische.

Da wir uns jetzt der Breite näherten, wo wir nach früheren Beobachtungen erwarten konnten, den Kreis gleichförmiger Temperatur des Meeres zu passiren, so stellten wir unsere Experimente zur Bestimmung dieses interessanten Punktes der physicalischen Geographie bei jeder Gelegenheit an. Nach unsrer Berechnung erreichten wir ihn am 13. unter 55° 18' südl. Breite und 149° 20' westl. Länge, leider aber war der Wind zu heftig, um uns zu gestatten, die Temperatur tiefer als 600 Faden zu untersuchen: sie war in dieser Tiefe 39°,7, in 450 Faden 39,6, in 300 Faden 39°,9, in 150 Faden 39°,6, auf der Oberfläche 39°. Ich bezweifle nicht, dass, wären wir im Stande gewesen, die Temperatur bis auf mehrere Fuss Tiefe zu messen, die Verschiedenheit derselben noch nicht einen Grad betragen hätte.

Der 14. December zeigte sich dem Experimente günstiger und wir liessen die Thermometer bis zu einer Tiefe von 1200 Faden hinab, wo wir in der ganzen Wasserschicht von 300 Faden an abwärts eine Temperatur von 39°,7 fanden; in 150 Faden war sie 38°, und die der Oberfläche nur 35°,8; die Wirkung der Wärmeausstrahlung aus dem Meere erstreckt sich daher bis zu einer Tiefe von mehr als 150 Faden, ein klarer Beweis, dass wir uns südlich von dem Kreise gleichförmiger Temperatur befanden. Die Mittagsbeobachtung zeigte 56° 20' südl. Breite und 148° 8' westl. Länge. Vormittags verriethen kurze gekräuselte Wellen in nördlicher Richtung eine Strömung, die wir aber wegen eintretenden starken Nebels nicht näher untersuchen konnten. Wir fuhren auch an einigem Seegras vorüber, die letzte Spur von Vegetation, die wir auf unserm Wege nach Süden sahen, und deshalb bemerkenswerth, um so mehr, da wir uns jetzt in der Breite befanden, wo wir treibendem Eise zu begegnen hoffen konnten.

Obgleich der Nebel diese Nacht hindurch sehr dicht war und der Wind nur schwach aus Nordost wehte, so gelang es uns doch durch Abfeuern von Flinten, Anschlagen des Gongs und Glockenläuten bei einander zu bleiben. Wir fanden dadurch zugleich Gelegenheit, den relativen Werth dieser drei gewöhnlich als Nebelsignale angewendeten Methoden zu beurtheilen. Uns war die Glocke das deutlichste Zeichen und der Gong gab ihr fast nichts nach, während ein Flintenschuss kaum vernehmbar war; aber grosses Erstaunen verursachte es mir, als ich den Terror durch ein Sprachrohr anrief, eine sofortige und so deutliche Antwort von dem wachhabenden Offizier zu erhalten, dass wir ein Gespräch hätten führen können.

Den ganzen folgenden Tag waren wir vom dichtesten Nebel umgeben, so dass wir zwar die Stimmen an Bord des Terror und jeden Befehl, welcher ertheilt wurde, vernehmen konnten, aber vom Schiffe nichts sahen. Trotzdem und obgleich wir schon fast 100 Meilen südlich von der Gegend waren, wo Cook und Biscoe Eisberge getroffen hatten, setzten wir doch unsern Weg getrost fort, da die Temperatur des Meeres keine Veränderung zeigte. Gegen Mitternacht aber sank sie ziemlich rasch noch unter 34° und um 5 Uhr 30 M. früh sahen wir zwei Eisberge, um 6 Uhr einen dritten gerade vor uns. Das Wetter hatte sich für kurze Zeit aufgehellt und gestattete uns die Eisberge zu sehen; als wir an dem grössten derselben vorbeifuhren, sank die Temperatur des Meeres noch etwas unter 33°.

Die Höhe dieses Berges war 130 Fuss und sein Umfang ¾ Meile. Die Spitze war tafelförmig und in den senkrecht abstürzenden Seiten hatte die Gewalt der Wellen tiefe Höhlen ausgewaschen. Ein langer Strich von Eisstücken streckte sich mehrere Meilen leewärts hinaus und viele grosse Stücke schienen auf dem Punkte zu stehen, in das Meer zu stürzen, um die Schollen zu ersetzen, welche der Wind von dannen trieb.

Mittags (16. December) befanden wir uns unter 58° 36' südl. Breite und 146° 43' westl. Länge. Die Inclination der Magnetnadel hatte sich auf 73° 23' südlich vermehrt und die Declination war 14° 40' östlich. Merkwürdiger Weise fingen wir zwar gestern mit dem Netz zahlreiche Mollusken, fanden aber erst in der Nähe der Eisberge den schönen kleinen Argonauten (argonauta arctica) der Polarmeere. Die Captauben wurden jetzt zahlreicher und der grosse Albatros seltener. Der russfarbige Albatros war noch häufig zu sehen, so wie auch der dunkle und der blaue Sturmvogel.

Nachmittags legten wir bei und untersuchten die Temperatur des Meeres in einer Tiefe von 600 Faden, worauf wir unter mässigen Segeln unsern Weg fortsetzten. Da der Nebel sehr dicht war, mussten wir während der Nacht sehr behutsam sein, um nicht auf Eisberge zu stossen und mit dem Terror zusammen zu bleiben.

Da wir jetzt den Meridian erreicht hatten, auf welchem ich in das Südpolarmeer vorzudringen gedachte, so wendeten wir uns gerade nach Süden, wodurch wir auch zugleich am besten die Lage der verschiedenen Linien gleicher magnetischer Intensität, welche wir auf diese Weise kreuzten, bestimmen konnten; unsere Beobachtungen hatten uns jetzt gezeigt, dass die Lage des zweiten Focus grösster magnetischer Intensität in dieser Hemisphäre viel weiter südlich war als man bis jetzt geglaubt hatte.

Mein Hauptgrund aber zur Wahl dieses Meridians war die Hoffnung, auf diesem Wege Land zu entdecken, was ich wegen der niedrigen Breite, in welcher frühere Seefahrer hier Eis angetroffen hatten, erwarten konnte. Jedenfalls hielt ich es für besser, auf einem Wege, der so weit als möglich von dem des vorigen Jahres abwich, das östliche Ende des grossen südlichen Eiswalles zu erreichen und dadurch die Strecke des von uns durchforschten Meeres auszudehnen.

Wir begegneten während der Nacht nur wenigen Eisbergen, aber mehrern sehr schweren Schollen, wahrscheinlich Bruchstücken von zerfallenen Eisbergen und gross genug, um jedes gewöhnliche Schiff zu zerschmettern, das mit derselben Schnelligkeit, wie wir segelten, dagegenrannte. Der Nebel hatte sich jedoch etwas aufgeklärt, und da es uns nicht schwer wurde, ihnen auszuweichen, so hatten wir eine gute Fahrt. Die gegen Morgen eintretenden Schneegestöber waren nur von kurzer Dauer und während der grossen Zwischenräume von hellem Wetter konnten wir von der Mastspitze sehr weit sehen. Mittags (17. December) befanden wir uns unter 61° 3' südl. Br. und 146° 3' westl. L.; wir waren also auf diesem Meridian über die von dem russischen Seefahrer Bellinghausen erreichte Breite hinaus gekommen und näherten uns jetzt schnell derjenigen, bis zu welcher vorzudringen 1774 Cook gelungen war.

Mehrere Wallfische, zahlreiche graue Sturmvögel und Captauben kamen uns zu Gesicht. Um 5 Uhr Nachmittags zeigte sich am Himmel in Südosten ein starker Eisschimmer, und die Temperatur des Meeres sank um Mitternacht auf 29°, Beides sichere Anzeigen, dass wir uns einer grossen Eismasse näherten; um 3 Uhr am folgenden Morgen sahen wir auch wirklich die Hauptmasse des Packeises sich von Osten nach Westen quer über unsern Weg hinstrecken. Um diese Zeit sahen wir 40 grosse Eisberge auf einmal.

Da alle Umstände sich günstig zeigten, drangen wir sogleich in das Packeis und machten Anfangs gute Fortschritte, da es ziemlich dünn und mit grossen Zwischenräumen versehen war; aber wie wir südlicher kamen, drängte es sich immer dichter zusammen, bis wir, nachdem wir fast 30 Meilen vorgedrungen waren, uns mehr westlich halten mussten, wobei wir aber jede Gelegenheit benutzten, sobald es das Eis gestattete, wieder nach Süden zu fahren. Zu Mittag befanden wir uns unter 60° 50' südl. Br. und 147° 25' westl. L.; die Inclination der Magnetnadel hatte sich auf 76° südlich vermehrt, die Declination war fast 19° östlich.

Gleich nach der Einfahrt in das Eis fanden wir die Temperatur des Meeres 28°, die der Luft 32°, und zum ersten Male erblickten wir den schönen schneeweissen und den Riesensturmvogel, so wie einige Finnfische, und mehrere kleine Robben sonnten sich auf dem Eise.

An mehreren Stellen zeigte sich das Eis sehr fleckig und wir fanden bei näherer Untersuchung, dass die Ursache dieser Flecken ein Stoff von gelblicher Farbe war, ähnlich demjenigen, welchen wir schon in der Nähe des Berges Erebus gesammelt hatten und den ich für kleine aus diesem Vulcan geworfene alaunhaltige und andere Krystalle gehalten. Seitdem hat der grosse Naturforscher Ehrenberg, dessen wunderbare mikroskopische Beobachtungen in grossen mineralischen Massen und ganzen geologischen Formationen nur ein Conglomerat mikroskopischer Thierchen entdeckt haben, gefunden, dass dieser färbende Stoff aus zahllosen Myriaden einer ganz neuen und unendlich kleinen Form organischen Lebens besteht, die er 1844 noch lebendig in Berlin untersuchen konnte, und von der fast jedes einzelne Atom ein selbstständiges kieselschaaliges Geschöpf ist. Wir entdeckten diesen färbenden Stoff auch im Magen der kleinen Beroe und anderer Mollusken, denen also die Infusorien zur Nahrung dienen.

Abends sahen wir viele Wallfische zwischen dem Eise, die so wenig scheu waren, dass das Schiff über einen wegsegelte und auf ihn stiess, ohne ihm Schaden zu thun, obgleich wir eine Erschütterung fühlten; ob diese aber von der Gewalt, mit der das Schiff ihn getroffen, oder von einem Schlage seines Schwanzes herrührte, konnten wir nicht wissen.

Der Wind wehte mässig aus Südosten und das Wetter war klar, aber das Eis gegen Süden so dicht, dass wir uns weiter westlich, als wir wünschten, halten mussten. Wir arbeiteten uns von einer Lache im Eise nach der andern, wie wir sie von der Mastspitze erblickten, und hielten uns so südlich als möglich, bis gegen Mittag, wo wir wegen der Dichtigkeit des Packeises nicht weiter konnten. Ich benutzte diese Gelegenheit, um auf einer grossen Eisscholle magnetische Beobachtungen anzustellen und zu erfahren, ob die wegen der Einwirkung des Eisens auf dem Schiffe angewendeten Correctionen noch immer verlässlich seien. Wir befanden uns unter 63° 23' südl. Br. und 149° 58' westl. L. und waren fast 100 Meilen in südwestlicher Richtung in das Packeis eingedrungen. Die magnetischen Beobachtungen auf dem Eise stimmten befriedigend mit den auf dem Schiff angestellten überein; nach ihnen betrug die Inclination der Magnetnadel 77° 23' südlich und die Declination 20° 2' östlich; an Bord des Erebus war die Inclination 77° 25' südlich, die Declination 20° 14' östlich.

Das Eis wurde Nachmittags lockerer und wir arbeiteten uns mit den Schiffen bis Mitternacht fast 20 Meilen weiter nach Südsüdwest, blieben aber dann wieder festsitzen.

Am nächsten Morgen (20. December) kamen wir ziemlich weit vorwärts, indem wir jede sich zeigende Oeffnung sogleich benutzten trotz des starken Nebels, der sich frühzeitig einstellte und auch den Tag über blieb. Wir sahen zahlreiche Wallfische, Robben, Captauben und weisse Sturmvögel, und zwei oder drei Züge einer zierlichen kleinen Seeschwalbe flogen nach Südwesten. Mittags waren wir unter 63° 47' südl. Br. und 151° 34' westl. L.; im Laufe des Nachmittags ging das Eis wieder zu und gestattete uns nicht weiter zu fahren. Wir warfen das Senkblei aus und fanden in 1700 Faden Grund. Die Temperatur des Meeres in 900 Faden Tiefe war 39°, 8; in 750 Faden 39°, 6; in 600 Faden 40°; in 300 Faden 38°, 4; in 150 Faden 35°, 6; und auf der Oberfläche 30°. Das Experiment in 450 Faden Tiefe schlug fehl durch einen zufälligen Stoss, den das Thermometer erhielt, aber nach dem in 300 Faden Tiefe erlangten Resultat ist es klar, dass die mittlere Temperatur des Oceans in dieser Breite ungefähr 600 Faden unter der Oberfläche ist. Wir wiederholten das Experiment nicht, da das Eis wieder aufging und ein wenig weiter nach Süden vorzudringen gestattete; überhaupt müssen wir denen, welche durch ein ausgedehntes Feld von Packeis gelangen wollen, rathen, auch die geringste Gelegenheit weiter zu kommen nicht zu versäumen, da man nie wissen kann, wie weit sie uns führen oder wie unwiederbringlich der Schaden sein kann, wenn man sie versäumt. Während wir beigelegt hatten, wurden auf dem Eise drei Robben getödtet und an Bord gebracht; sie leisteten keinen Widerstand und schienen nichts Böses zu fürchten von unsern Leuten, die sie nahe genug herankommen liessen, um sie mit Knitteln todtzuschlagen. In dem Magen einer derselben fanden sich fast 9 Pfund Granitsteine vor, die unserm Vermuthen nach vom Treibeis sein mussten, denn auf 1000 Meilen im Umkreis wussten wir kein Land; im Magen einer andern entdeckten wir die Reste eines Fisches von der Grösse eines Härings, und bei allen grosse rothe Krabben in beträchtlicher Anzahl, die ihre Hauptnahrung zu sein scheinen.

Während der nächsten Tage machten uns Nebel und leichte Winde hauptsächlich aus Osten viel zu schaffen und wir machten in der gewünschten Richtung nur wenig Fortschritte, so dass wir uns am 25. December unter 66° südl. Br. und 156° 14' westl. L. befanden und unsern Weihnachtstag dicht eingeschlossen von Packeis in der Nähe einer Kette von elf oben abgeplatteten Eisbergen und in einem dichten Nebel mit nichts weniger als erheiternden Aussichten zubrachten; wir liessen aber trotz alle dem dem vaterländischen Essen, welches wir für diese Gelegenheit aufbewahrt hatten, volle Gerechtigkeit widerfahren.

Am frühen Morgen des 26. sprang der Wind nach Norden um und wurde gegen Abend zu einer starken Brise, von Nebel und Schnee begleitet; wir befanden uns gerade in einer grossen Lache von klarem Wasser, konnten aber nach Süden keinen Ausweg finden; und da dieses ungünstige Wetter mehrere Tage lang fortdauerte, blieb uns weiter nichts übrig, als vorsichtig von einer Seite nach der andern zu laviren oder an dem Rand der Lache hinzusegeln, damit die Schiffe nicht vom Eis eingeschlossen würden, und uns jeden Augenblick bereit zu halten, bei der ersten günstigen Veränderung weiter nach Süden vorzudringen. Am Abend des 30sten legte sich der Wind ganz und das Eis breitete sich so weit aus, dass die Lache, in welcher wir uns befanden, ganz davon bedeckt wurde, ohne uns zu gestatten hindurch zu dringen, als sich ein schwaches Lüftchen aus Norden erhob. Wir befestigten daher unsere Schiffe an die grösste Eisscholle, deren wir habhaft werden konnten, ankerten sie zwischen den Schiffen fest, damit wir nicht zusammenstiessen, und liessen von unseren Leuten unsere Wasserbehälter mit Eis füllen, da die kleinen Wasserpfützen, die wir hier und da fanden, zum Trinken zu salzig waren.

Der Nordwind war von einem merkwürdigen Steigen der Lufttemperatur begleitet und das Thermometer zeigte zu Mittag 40°. Wir befanden uns jetzt unter 60°[muss vermutlich 66 heissen] 30' südl. Breite und hatten daher den Südpolarkreis noch nicht passirt. Während der letzten Woche waren wir in der Länge von 156° 19' westlich nur 30 Meilen nach Süden vorgedrungen; die Inclination der Magnetnadel war 80° 26' südlich und die Declination 25° 36' westlich.

Die Windstille dauerte mit dichtem Nebel und Schnee den folgenden Tag fort und die Schiffe blieben an der grossen Scholle festgeankert; an den Eisbergen konnten wir sehen, dass wir sehr langsam südwärts trieben, und das Jahr ging mit den allertrostlosesten Aussichten, die man sich denken kann, zu Ende. Während des Tages kamen uns viele Robben und weisse Sturmvögel, ein Paar Riesensturmvögel und ein ganz weisser und ein Paar Skuamöven zu Gesicht.

Wir benutzten diesen unerwarteten Aufenthalt, um eine genaue Vergleichung der magnetischen Instrumente beider Schiffe anzustellen, und hatten die Freude zu finden, dass sie noch mit ihrer gewöhnlichen Genauigkeit übereinstimmten.

Experimente über die Temperatur und die specifische Schwere des Meeres in verschiedenen beträchtlichen Tiefen wurden ebenfalls angestellt; und da sie unsere Schiffsmannschaft beschäftigten, so dienten sie einigermaassen zur Unterhaltung in den langweiligen Stunden unsrer Gefangenschaft und Unthätigkeit. Das Packeis, in welchem wir festsassen, bestand meistens aus schweren Schollen, die vielfach zerbrochen, zusammengedrängt und übereinandergehäuft waren, so dass sie in den allerunregelmässigsten Gestaltungen erschienen. Der Druck musste zu einer Zeit sehr gewaltig gewesen sein, denn nicht eine einzige ebene Scholle war zu sehen und nur selten fanden wir eine, die mehr als ¼ Meile im Umfange hatte. Darin unterscheiden sie sich wesentlich von dem Packeis des Nordpolarmeeres, wo Schollen von mehrern Meilen im Durchmesser nicht selten sind und »Felder«, deren Ende sich von der Mastspitze des Schiffes nicht ersehen lässt, fast häufig vorkommen.

Die Ursache dieses Unterschiedes liegt in dem Umstande, dass das Eis der südlichen Regionen den gewaltsamen Bewegungen des Meeres weit mehr ausgesetzt ist, während das Nordpolarmeer von verhältnissmässig ruhigem Charakter ist.


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