Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Fünftes Capitel.


Das Riff Terror. – Seegrasstrecken. – Strömungen. – Die Schiffe trennen sich. – Orkane. – Ein Eisberg. – Stürme. – Magnetische Kraft. – Beobachtungen. – Wir passiren die Linie keiner Declination. – Ankunft in Derwent. – Magnetisches Observatorium. – Terminliche Beobachtungen. – Französische Expedition. – Americanische Expedition. – Bestimmung unsrer Route. – Vandiemens-Land. – Gesellschaft in Hobart-Town. – Magnetometrische Beobachtungen. – Lage des Observatoriums.


Am 20. Juli 8 Uhr 15 Minuten Vormittags lichteten wir bei einem frischen Nordwestwinde die Anker und stachen in See, wobei wir dicht am Terror-Riff vorbeikamen, über welches das Meer brandete und uns genügend vor der Gefahr warnte, obgleich wir wegen des dicken Wetters das Land aus den Augen verloren hatten und 2 oder 3 Meilen davon mit 50 Faden keinen Grund finden konnten.

Nachmittags nöthigte uns ein stärker werdender Wind mit dichtgerefften Marssegeln zu fahren, und da der Terror um dieselbe Zeit weit zurückblieb, mussten wir das Focksegel aufholen. Vor Einbruch der Nacht hatten wir das Land und die zahlreichen Klippen, die es in beträchtlicher Entfernung umgeben, ganz hinter uns. Einige derselben liegen tief unter dem Wasser, aber andere sind der Oberfläche sehr nahe, und wenn nicht die See sehr hoch geht, wo die Wellen über diese tückischen Klippen brechen, sind sie sehr gefährlich, um so mehr, da meistens wegen des tiefen Wassers kein Ankergrund in ihrer Nähe ist.

Wir erblickten einen Zug Meerschwalben und fuhren an vielen schwimmenden Massen Seegras vorbei, von denen einige mehr als eine Meile breit waren. Aus dem Winde war ein Sturm geworden, der mit häufigem Schnee am 21., 22. und 23. ununterbrochen wehte, wodurch sowie durch die langen und dunkeln Nächte dieser Jahreszeit es trotz den beständigen Signalschüssen und dem Anzünden blauer Lichter den Schiffen sehr erschwert wurde beieinander zu bleiben.

Während der Schneewehen fiel die Temperatur der Luft stets mehrere Grad und sank einmal bis auf 27 Grad, obgleich das Meer eine gleichförmige Wärme von 36° beibehielt; der Dunst, welcher aus so warmem Wasser emporstieg, fror fast sogleich ehe er eine beträchtliche Höhe erreichen konnte, und hüllte uns beständig in Schnee und Nebel ein. Die grossen Massen Seegras, denen wir begegneten, hätten uns etwas unruhig gemacht, hätten wir nicht früher bemerkt, dass der von den Ufern der Prinz-Eduards- und Marions- und; Crozet's-Gruppen losgerissene Tang nur östlich von diesen Inseln anzutreffen sei, während wir fast gar keine sahen, als wir uns ihnen von Westen näherten. Mich bestärkte der grosse Ueberfluss derselben in dieser Gegend in dem Glauben, dass das obere Wasser des Meeres hier im Allgemeinen nach Osten strömt, wahrscheinlich eine Ursache der Westwinde, welche wenigstens in dieser Jahreszeit fast so beständig sind wie die Passatwinde in der Aequatorgegend.

Einige Arten Sturmvögel waren die einzigen Vögel, welche wir sahen; aber diese und hauptsächlich die Captaube waren sehr häufig.

Am 24. Juli war der Wind mässiger, aber immer noch westlich. Die Temperatur des Meeres stieg von 37º um 1 Uhr Nachmittags auf 46° um 11 Uhr Abends, während die der Luft in derselben Zeit von 33° auf 31° gesunken war. Diese unerklärliche Zunahme der Temperatur des Meeres, die seit mehrern Tagen im Durchschnitt 35°,5 gewesen war, dauerte bis 7 Uhr Abends des nächsten Tages und erstreckte sich über einen Raum von 86 Meilen; dann sank sie auf 40°, während die Luft bei einem starken südwestlichen Wind und häufigem Schnee 29° war.

Am 27. Juli stieg das Barometer auf 30 Zoll, und um 8 Uhr Nachmittags brach ein Sturm los, der zwölf Stunden dauerte. Wir sahen immer noch grosse Strecken Seegras und in der Nacht wurde der Nordwind abermals zu einem Sturm; der Terror war so weit zurückgeblieben, dass wir ihn bei Tagesanbruch kaum sehen konnten, obgleich wir vorsätzlich wenig Segel geführt hatten, aber sehr zu unsrer Beschwerde, denn das Schiff stampfte heftig, weil die wenigen Segel es nicht gerade halten konnten. Gegen Mittag erschien unser Gefährte wieder und blieb bei uns, bis der wachsende Sturm uns auf ein dichtgerefftes grosses Marssegel und Focksegel beschränkte, welche jetzt nothwendig waren, um das Schiff vor der hochgehenden, von hinten kommenden See zu erhalten. Da der Terror schwer zu steuern war, überholten wir ihn und während der ersten Stunden des Nachmittags sahen wir sein Licht nur schwach. Der Sturm dauerte die ganze Nacht hindurch mit einer schweren Widersee, im Osten blitzte es häufig; zahlreiche Meteore zeigten sich in allen Richtungen und das ganze Aussehen des Himmels verrieth eine ungewöhnliche Störung der Atmosphäre; das Barometer sank sehr schnell und stand um 4 Uhr früh auf 28,88.

Schon seit mehrern Stunden hatte der Terror unsere Nachtsignale nicht mehr beantwortet, und als der Tag anbrach (29. Juli), war keine Spur von ihm zu erblicken. Da die See jetzt regelmässiger geworden, zogen wir das Focksegel ein und legten unter dichtgerefftem grossen Marssegel bei, um auf unsern Gefährten zu warten, in der Meinung, er habe ebenfalls während der Nacht beigelegt, oder er habe es für unmöglich oder unvorsichtig gehalten, vor dem Sturme zu lenssen. Wir blieben beigedreht so lange es Tag blieb, wo wir alle Hoffnung aufgaben, unsern Begleiter vor unsrer Ankunft im nächsten Rendezvous-Ort wieder zu treffen. Das Barometer fuhr fort zu sinken bis 3 Uhr Nachmittags, wo es auf seinem niedrigsten Punkte (28,29) stand, obgleich am Himmel kein Anzeichen von mehr als einem gewöhnlichen Sturme war; so sehr verliessen wir uns jedoch auf das Barometer, dass wir das Schiff unter wenig Segeln und in jeder Weise für Alles, was geschehen konnte, bereit hielten; und bald kündigten die dicken aufsteigenden Wolkenmassen die Nähe des Unwetters an. Wir kamen jedoch mit geringer Beschädigung davon, indem wir das Schiff gerade vor dem Winde hielten, obgleich die Wellen von beiden Seiten über unser Schiff stürzten, unser Deck mit mehr als zwei Fuss Wasser überschwemmten und uns nöthigten, die Stückpforten zu öffnen, um das Wasser ablaufen zu lassen und das Schiff von dessen Gewicht zu befreien. Von der Gewalt des Orkanes wurden die vorher berghohen Wogen niedergehalten und ihre Spitzen wurden in Wassermassen über uns weggetrieben; die Wuth des Unwetters war aber so gross, dass es sich bald austoben musste. Im Nordwesten beginnend war in 1¾ Stunden der Orkan zu einem gewöhnlichen Sturme aus Westen geworden und in dieser kurzen Zeit stieg das Quecksilber im Barometer fast um ½ Zoll.

Während der Nacht wurden Meer und Wetter ruhiger und wir hatten einen verhältnissmässig schönen Morgen. Voller Spannung sahen wir uns Alle nach dem Terror um, neugierig, wie er den Sturm ausgehalten habe, als wir einen hölzernen Fassreifen vor uns vorbeitreiben sahen. Dies überzeugte uns, dass unser Gefährte, während wir beigelegt und auf ihn gewartet hatten, vor uns vorbeigefahren und jetzt wahrscheinlich weit voraus sei; wir setzten deshalb alle Segel bei, um ihn womöglich einzuholen. Da das Wetter sehr gut war, benutzten wir die Gelegenheit, unsere Segel und unsere Kleider, die ganz und gar durchnässt waren, zu trocknen und die erlittenen Beschädigungen auszubessern.

In dieser und in vielen andern Hinsichten war uns das schöne Wetter sehr vortheilhaft; aber Nachmittags ereignete sich ein unerwarteter Unglücksfall: Mr. Roberts, der in der Takelage beschäftigt war, fiel über Bord und ertrank. Die Rettungsboje wurde ihm sogleich nachgeworfen und zwei Boote ins Meer gesetzt; sie erreichten die Stelle, wo wir ihn hatten sinken sehen, nur einige Secunden zu spät. An die Stelle der Trauer, welche der Verlust eines Mitglieds unsrer kleinen Reisegesellschaft verursachte, trat eine Zeitlang die peinlichste Angst und dann innige Dankbarkeit gegen Gott für die gnädige Erhaltung einer ganzen Bootsmannschaft, die in ihren menschenfreundlichen Bemühungen, ihren unglücklichen Schiffskameraden zu retten, fast selbst ums Leben gekommen wäre. Mr. Oakley, der Steuermann, und Mr. Abernethy, der Constabler, waren mit dem einen Boote nach dem Schiff zurückgekehrt, als eine grosse Welle das andere, das noch weit von uns entfernt war, traf und vier Mann über Bord riss. Sogleich stiess Mr. Abernethy wieder vom Schiff ab und es gelang ihm, sie aus ihrer gefährlichen Lage, schon ganz erstarrt und betäubt von der Kälte, zu retten. Wegen der hohen See liessen sich die Boote nur nach grossen Anstrengungen aufwinden und erst dann, nachdem noch ein zweites neben dem Schiffe sich mit Wasser angefüllt hatte.

Wir setzten unsere Reise mit vollen Segeln fort, obgleich diese unglückselige Verzögerung uns für immer die Hoffnung benommen hatte, den Terror einzuholen.

Ein kleiner Eisberg, den wir kurz vor Dunkelwerden in ziemlicher Entfernung erblickten, erinnerte uns die Wachsamkeit während der Nacht nicht zu vergessen, die in dieser Jahreszeit 15 Standen lang ist, was uns nöthigte, auf jede Gefahr hin die Nacht hindurch zu fahren oder die Reise über alle Maassen zu verzögern. Immer wirkt es günstig auf Diejenigen, denen die Pflicht des Aufpassens obliegt, und es ist selbst für die Aufmerksamsten ein nützlicher Stachel, zuweilen wirkliche Gefahren zu sehen; aber diesmal veranlasste der Eindruck, den sie auf uns zurückgelassen hatte, mehrmals falschen Alarm.

Die Nacht hindurch und den grösseren Theil des folgenden Tages (31. Juli) blieb das Wetter schön. Zahlreiche Sturmvögel verschiedener Art schienen die kurze Ruhe der Elemente geniessen zu wollen und suchten unter den Strecken schwimmenden Seegrases kleine Fische und Seethiere, die einen ungewissen Schutz vor den Verfolgungen ihrer Feinde in den dichtverschlungenen Zweigen suchten.

An einem aufgefischten Tang fanden wir Entenmuscheln und eine schöne Art Serpula festsitzen.

Im Laufe dieses Tages sahen wir abermals zwei Eisberge; und wegen der niedrigen Temperatur der Luft und des Meeres während der letzten zwei Tage lebten wir in der beständigen Erwartung auf einen grossen Eisberg zu stossen. Wir fanden auch, dass uns der östliche Strom volle 30 Meilen vorwärts getrieben hatte.

Mehrere Tage lang folgte Sturm auf Sturm mit nur kurzen Zwischenräumen ruhigen Wetters. So oft der Wind nach Nordwest umlief, trat stets nebliges Wetter und Schnee ein; eben so sicher konnten wir bei südwestlichem Wind auf Kälte und klaren Himmel rechnen; das Barometer stieg stets bei dem letztern, während es bei dem andern fiel. Am 4. August 8 Uhr Abends sank es bei einer frischen Brise auf 28, 433; aber ein südwestlicher Sturm, der den ganzen nächsten Tag über herrschte, trieb es, ehe er um 8 Uhr früh am 6. sich legte, mehr als einen Zoll in die Höhe, worauf wir wieder ein Paar Stunden gutes Wetter hatten.

Trotz der Rauhheit des Wetters setzten wir bei jeder Gelegenheit unsere magnetischen Beobachtungen fort, die uns wegen des gänzlichen Mangels an Kenntniss über die magnetische Beschaffenheit dieser Gegenden doppelt wichtig waren. Wir vermutheten einen Focus grösster Intensität unter etwa 47° südlicher Breite und 140° östlicher Länge zu finden. Wir folgten daher dem Parallel dieser Breite so genau als möglich; und es gelang uns durch den vortrefflichen Fox'schen Apparat bei mässigem Wetter die drei magnetischen Elemente noch genauer an Bord zu bestimmen, als es am Lande wegen der unbekannten und unbestimmbaren Quantität örtlicher Anziehung möglich ist; und selbst während der heftigsten Stürme lassen sie sich, sobald man sich mit diesen Instrumenten ein wenig eingeübt hat, genau genug beobachten, um sehr nützliche und wichtige Auskunft zu geben. Auf der ganzen Reise von 2– 4000 Meilen von der Kergueleninsel nach Vandiemensland hätten wir mit dem gewöhnlichen Instrumente auch nicht ein einziges genügendes Resultat erlangt und dieser Theil des Oceans mindestens hätte vor der Hand auf unsern Karten eine leere Stelle bleiben müssen. Aber mit dem Fox'schen Apparat konnten die Beobachtungen über Inclination und Intensität in fast ununterbrochener Reihe angestellt werden.

Nachdem wir die Kergueleninsel verlassen, passirten wir nacheinander die isodynamischen Linien 1° 5', 1° 6', 1° 7'. u. s. w., bis am 6. August unter 46° 44' südlicher Breite und 128° 26' östlicher Länge die magnetische Intensität unter diesem Breitegrad den höchsten Punkt mit 2,034 erreichte, worauf sie allmälig wieder bis auf 1,824 in Vandiemensland sank. Das Wetter erlaubte uns nicht, die wahre Lage des Focus der grössten Intensität zu bestimmen; nach unsern Beobachtungen scheint er jedoch weiter südlich, als wo wir uns befanden, und auf einem Punkte zu liegen, zu dem wir dieses Jahr nicht gelangen konnten.

Die Beobachtungen über die Declination des Compasses während dieses Theils der Reise waren ebenfalls von nicht geringem Interesse; die westliche Declination nahm allmälig ab bis zum 8. August, wo wir unter dem 46. Grad südlicher Breite und 134° 30' östlicher Länge die Linie keiner Declination passirten und dann eine eben so schnelle Zunahme der östlichen Declination bemerkten. Wir fanden die Linie des Aufhörens der Declination weiter östlich als frühere Beobachtungen hatten vermuthen lassen, und im Widerspruch mit dem allgemein angenommenen allmäligen Vorrücken der isogonischen Linien in der südlichen Hemisphäre von Osten nach Westen. Professor Barlow bemerkt jedoch in seiner gründlichen Arbeit über diesen Gegenstand (Philosophical Transactions for 1837, p. 671), dass diese Linie keiner Declination, welche durch Australasien hindurch geht, sich während der letzten 60 Jahre in ihrer Lage sehr wenig verändert habe; und man scheint vermuthen zu dürfen, dass die Declination an dieser Stelle so feststehend sei, wie an der americanischen Küste. Jedenfalls wäre es jedoch wünschenswerth, unter günstigen Witterungsverhältnissen in regelmässigen Zwischenzeiten Beobachtungen über die Declination zu wiederholen, um zu erfahren, ob nicht in diesen Gegenden eine rücklaufende Bewegung der isogonischen Linien begonnen habe, wie unsere Beobachtungen zu zeigen scheinen und was, wie man recht gut weiss, vor 20 bis 30 Jahren in England geschehen ist.

Wir haben auch allen Grund zu glauben, dass am Cap der guten Hoffnung die westliche Declination, die seit dem Jahre 1600, wo die Linie keiner Declination hier durchging, im Durchschnitt 7–8 Minuten jährlich regelmässig zugenommen hat, 1840 ihr Maximum erreicht habe. Nach unsern Beobachtungen im April letztgenannten Jahres war sie 29° 40' westlich und die auf dem magnetischen Observatorium und bei meinem zweiten Besuche im April 1843 angestellten Beobachtungen zeigen blos 28° 58'.

Die Vollkommenheit, welche die Verfertigung der Chronometer erreicht hat, macht allgemeine magnetische Karten zu nautischen Zwecken fast unnöthig; aber unter einigen Meridianen verändert sich die Declination so schnell, dass man durch sie in Fällen, wo man sich nicht auf die Chronometer verlassen kann oder wo sie ganz fehlen, die Länge ziemlich genau bestimmen kann; hauptsächlich südlich von Australasien auf dem gewöhnlichen Wege der von England nach den Colonien fahrenden Schiffe und im Meridian des Caps der guten Hoffnung.

Der 10. August war ein schöner ruhiger Tag und gab uns während des Nachmittags Gelegenheit, die Temperatur des Oceans an verschiedenen Stellen bis auf eine Tiefe von 600 Faden, ohne jedoch Grund zu finden, zu untersuchen. Um 10 Uhr 50 Minuten sahen wir einen Hof um den Mond, dessen innerer Kreis 0° 53' und dessen äusserer 1° 50' von der Scheibe entfernt war, und welcher schöne prismatische Farben zeigte.

Um Mittag am 12. erblickten wir das südwestliche Cap von Neuholland 9 oder 10 Seemeilen entfernt von uns, und bald darauf wurden noch einige andere Theile der Küste sichtbar. So plötzlich verwandelte sich aber gerade zu dieser Zeit der Wind in einen Sturm, dass wir kaum die Segel rasch genug einziehen und in ein Paar Minuten kaum noch mit einem dichtgerefften grossen Marssegel fahren konnten. Abends um 8 Uhr riss die Schote des grossen Marssegels und in einem Augenblick war das Segel in unzählige Streifen zerrissen und bald darauf ganz verschwunden. Das einzige auf dem Schiffe noch übrige Segel, ein neues grosses Stagsegel, wurde bald darauf ebenfalls vom Sturm weggerissen – ein solcher Orkan duldet keinen Fetzen Leinwand. Um 10 Uhr Abends stand das Barometer auf 28,16 Zoll; und obgleich es jetzt wieder stieg, konnten wir doch nicht die geringste Abnahme des Orkans bis nach Mitternacht bemerken, wo er sich etwas legte und zugleich von Norden nach Westen umlief. Er dauerte als gewöhnlicher Sturm mit einzelnen wüthenden Windstössen den 13., 14. und 15, fort, wo wir, nachdem wir sehr weit südlich getrieben worden, wieder nach dem Lande zu fuhren und um 11 Uhr Abends mit 90 Faden Grund fanden. Bei dem hellen Schein des vollen Mondes sahen wir um 3 Uhr früh Tasmanien gerade vor uns, und nachdem wir in die Sturmbai lavirt hatten, gingen wir um 11 Uhr Abends bei dem Leuchtthurm an der Mündung des Derwent mit 13 Faden vor Anker, um das Tageslicht abzuwarten und einen Lootsen für den Fluss an Bord zu nehmen.

Sobald es am nächsten Morgen die Fluth erlaubte, lichteten wir die Anker und lavirten mit starkem Winde in den Fluss, wo ein Lootse an Bord kam und uns die frohe Nachricht, dass der Terror den Tag vorher angekommen sei, auch einen Pack Zeitungen mitbrachte, die zwar alt waren, aber für uns viele Neuigkeiten enthielten.

Es war ein sehr schöner Tag und wir genossen Alle die reiche und schöne Landschaft auf beiden Seiten der breiten und ruhigen Wogen des Derwent, die vielleicht einen um so mächtigern Eindruck auf uns wegen des Contrastes machten, den sie gegen das unwirthliche Land und das stürmische Meer bilden, die wir kaum verlassen hatten.

Um 5 Uhr Nachmittags gingen wir vor Fort Mulgrave vor Anker, wo Capitain Crozier mit genügenden Berichten vom Terror an Bord kam. Ich begab mich sogleich nach dem Gouvernementsgebäude und wurde von unserm Freunde Sir John Franklin auf das Herzlichste empfangen.

Da mir sehr viel daran lag, das permanente Observatorium so schnell als möglich einzurichten, so erfuhr ich mit grosser Freude von dem Gouverneur-Lieutenant, dass die Baumaterialien schon seit mehrern Monaten nach dem von England herübergeschickten Plane zugerichtet seien und zusammengesetzt werden könnten, sobald man sich über die Oertlichkeit entschieden habe; ich begleitete daher Sir John Franklin am nächsten Morgen nach mehreren Plätzen, die er für geeignet hielt; nachdem ich den passendsten darunter ausgewählt hatte, fingen 200 Strafgefangene noch denselben Nachmittag an Grund zu graben, die Quadern zu demselben und die Steinpfeiler, welche die Instrumente tragen sollten, zuzuhauen und das zugerichtete Zimmerholz aus den Regierungsniederlagen herbeizuholen.

Der für das Gebäude ausgewählte Platz liegt auf Staatsboden, nicht weit von dem projectirten neuen Gouvernementshaus, und hat eine herrliche Aussicht auf den schönen Fluss Derwent und dessen Umgebung. Sein Hauptvorzug als magnetische Station ist jedoch der Umstand, dass er auf einem dicken Lager Sandstein steht, was, da er bis zu einer Tiefe von 30 oder 40 Fuss ausgebrochen ist, keinen Zweifel über die geologische Beschaffenheit der darunterliegenden Schicht zulässt, eine Sache von grösster Wichtigkeit bei allen magnetischen Operationen und hauptsächlich in einem Lande, wo so deutliche Anzeichen vulcanischen Ursprungs vorhanden sind.

Die Schiffe wurden im Flusse weiter hinauf bugsirt und sicher vor Anker gebracht in einer kleinen Bucht, wo man leicht mit dem Observatorium verkehren konnte. Ich empfehle diesen Ankergrund allen Kriegsschiffen, welche Hobarttown besuchen, und es hat mich gefreut zu hören, dass er sehr häufig von den königlichen Schiffen, die neuerdings dorthin gekommen sind, benutzt wird. Während unsers Dortseins erhielt er den Namen Yachtbucht, aber auf neueren Karten finde ich ihn mit dem Namen Rosscove bezeichnet.

Die Untersuchung und Ausbesserung der Takelage und das Kalfatern, Ausbessern und Neumalen der Schiffe ging unter den günstigsten Verhältnissen vor sich, da uns die an der Spitze der verschiedenen öffentlichen Aemter stehenden Herren mit der groessten Bereitwilligkeit jede Erleichterung und jeden Beistand gewährten; besonders fühlte ich mich verbunden dem Generalcommissariats-Assistenten Georg M'Lean für seinen unermüdlichen Eifer im Hinwegräumen jeder Schwierigkeit und seine vielen Bemühungen, die ungewöhnlich zahlreichen Vorräthe, welche wir brauchten, in hinreichender Menge und von bester Qualität herbeizuschaffen.

Der Bau des Observatoriums schritt so rasch vor, dass es vollendet und gedeckt, die steinernen Pfeiler aufgerichtet, die Instrumente darauf angebracht und genau regulirt waren, als immer noch ein paar Stunden an der Zeit fehlten, wo die terminlichen Beobachtungen des 27. August beginnen sollten. So wurde der Bau des Observatoriums in der kurzen Zeit von neun Tagen vollendet, ein Beweis was gethan werden kann, wo sieh das Herz und die Energie Aller zu einem Zwecke vereinigen. Ich würde ungerecht sein gegen meine eigenen Gefühle, wenn ich es unterliesse, meine Bewunderung des freudigen Enthusiasmus auszusprechen, welchen die bei dem Bau beschäftigten Gefangenen während der Arbeit an den Tag legten; als Beispiel will ich anführen, dass sie, nachdem sie von 6 Uhr früh des Sonnabends bis 10 Uhr Nachts gearbeitet hatten und sahen, dass sie durch eine Arbeit von ein paar Stunden das Haus unter Dach bringen konnten, um Erlaubniss baten, es gleich fertig machen zu dürfen; wir schlugen ihnen jedoch die Bitte ab, um den Sonntagmorgen nicht zu stören. Dies ist nur ein einziger von verschiedenen Beweisen ihres uneigennützigen Eifers bei dieser Gelegenheit, denn bei ihrer unglücklichen Lage konnten sie durchaus keinen Vortheil von der Mehrarbeit ziehen, und bei der eben erwähnten Veranlassung mussten sie wegen ihrer ungewöhnlich verlängerten Arbeitszeit besonders müde sein.

Auf diese Weise waren wir in den Stand gesetzt, die Beobachtungen auf dieser Station einige Monate früher als unter gewöhnlichen Umständen zu beginnen und viel eher als ich hätte hoffen dürfen. Auch die tragbaren Observatorien des Schiffes hatten wir in geeigneter Entfernung von dem permanenten Observatorium aufgestellt; und durch Hülfe einiger freiwilligen Assistenten erlangten wir für den 27. und 28. August eine sehr vollständige und zufriedenstellende Reihe von Beobachtungen mit zweierlei Magnetometern, und zwar so, dass die drei Instrumente jeder Reihe alle 2½ Minuten während der 24 Stunden gleichzeitig beobachtet wurden.

Der grosse Vorzug des gleichzeitigen Beobachtens aller drei Instrumente vor der in meiner Instruction vorgeschlagenen und auf vielen fremden Observatorien befolgten Methode, wobei nur ein Instrument beobachtet wird, ward mir so deutlich, als ich meine Beobachtungen durchsah, dass ich beschloss, während meiner ganzen Reise bei dieser Methode zu bleiben; auf meine angelegentlichen Vorstellungen wurde sie später auch auf dem Observatorium von St. Helena, vom Cap der guten Hoffnung und von Toronto, sowie auf allen russischen angenommen.

Nach Vollendung der terminlichen Beobachtungen für den August liessen wir die zu dem permanenten Observatorium gehörenden Instrumente wieder wegräumen, um das Innere des Gebäudes einzurichten, ganz zu verschalen und grosse Veränderungen der Temperatur soviel als möglich zu verhindern. Das Haus, welches 48 Fuss lang und 16 tief ist, besteht ganz aus Holz und nicht das kleinste Theilchen Metall ist bei seinem Bau verwendet, da selbst die Nägel von Holz sind. Die Instrumente stehen auf Sandsteinpfeilern, die in den unterliegenden Fels desselben Gesteins befestigt und durch eine genau zusammengefügte Breterwand vor dem Einfluss, den die Körperwärme des Beobachtenden haben könnte, geschützt sind; der Beobachter liest das Resultat ab durch eine kleine Oeffnung in der einige Fuss vom Instrument entfernten Breterwand, mit Hülfe eines Teleskops, das ebenfalls auf einem kleinen Steinpfeiler befestigt ist.

Im astronomischen Observatorium wurde das Passageinstrument und die Uhren aufgestellt, und ich begann Beobachtungen mit den unveränderlichen Pendeln, um die Gestalt der Erde zu bestimmen. Die magnetischen Beobachtungen, die wir jetzt ununterbrochen Tag und Nacht jede Stunde fortsetzten und die den Offizieren der Expedition, die nichts anderes zu thun hatten, ausreichende Beschäftigung gewährten, hatte Commandeur Crozier unter seiner speciellen Aufsicht.

Die interessanteste Nachricht, die bei unsrer Ankunft in Vandiemensland unser wartete, bezog sich auf die Entdeckungen, welche während des vergangenen Sommers die französische Expedition, bestehend aus den Schiffen Astrolabe und Zelée, unter dem Capitain Dumont D'Urville, und die der Vereinigten Staaten unter dem Lieutenant Wilkes in der Fregatte Vincennes in den Südpolargegenden gemacht hatten.

Die unter Autorisation des Capitains D'Urville in den dortigen Zeitungen veröffentlichten Notizen berichteten, dass die französischen Schiffe Hobarttown am 1. Jan. 1840 verlassen und am Abende des 19. Land entdeckt hatten; am 21. landeten einige von den Offizieren auf einer kleinen in einiger Entfernung vom Hauptland liegenden Insel und nahmen ein paar Probestücke des Granitfelsens derselben mit. D'Urville folgte dem Lande in einer fortlaufenden Linie 150 Meilen weit, zwischen dem 136. und 142. Längengrade und ziemlich in der Breite des antarktischen Kreises. Es war ganz mit Schnee bedeckt und nirgends zeigte sich die geringste Spur von Vegetation; die Höhe wurde im Allgemeinen auf etwa 1300 Fuss geschätzt. D'Urville nannte es Terre Adélie. Westwärts segelnd entdeckten sie eine feste Eiswand von 150 Fuss Höhe, an der sie 60 Meilen weit hinsegelten und welche er, da er sie für die Decke einer festern Unterlage hielt, Côte Clairée nannte. Es muss einem unternehmenden Manne wie D'Urville sehr schmerzlich gewesen sein, eine weitere Durchforschung dieses neuentdeckten Landes aufgeben zu müssen; aber der geschwächte Gesundheitszustand seiner Schiffsmannschaft forderte ihn gebieterisch auf, ihren mühsamen Anstrengungen ein Ende zu machen und um die Genesung seiner Kranken möglich zu machen nach einem milderen Klima zurückzukehren, als er fand, dass der westliche Theil von Côte Clairée sich plötzlich nach Süden wandte. Er kehrte daher am 1. Febr. wieder um und erreichte am 17. desselben Monats Hobarttown nach einer nur siebenwöchentlichen Abwesenheit. Obgleich schon Balleny im Sommer vorher die westliche Spitze von Côte Clairée gesehen hatte, so hielt er sie doch für einen ungeheuern Eisberg und vermuthete in dem Lande, welches er dahinter zu sehen glaubte, später Wolken. Diese Umstände finden sich in dem Logbuch der Elisa Scott erwähnt, wir deuten jedoch hier durchaus nicht darauf hin in der Absicht, das unbestreitbare Recht der Franzosen auf die Ehre dieser höchst wichtigen Entdeckung im Geringsten in Zweifel zu ziehen.

Den Instructionen der Regierung gemäss blieben die Resultate der americanischen Expedition bei ihrer Rückkehr nach Sidney ein tiefes Geheimniss und über ihre Entdeckungen erschien in den dortigen Blättern nichts als ungewisse Vermuthungen und widersprechende Behauptungen. Ich fühlte mich daher dem Lieutenant Wilkes um so mehr verpflichtet für einen langen Brief über verschiedene Gegenstände, welchen er mir in der Meinung, ich werde auf einem der von ihm besuchten Meridiane weiter südlich zu dringen suchen, schrieb, so wie für eine den Brief begleitende Copie seiner Originalkarte, welche die grosse Ausdehnung seiner Entdeckungen darlegte und mich auf die Stellen der Küste aufmerksam machte, die er für die zugänglichsten hielt. Diese Documente hätten für mich gewiss einen unendlichen Werth gehabt, wenn ich mich genöthigt gesehen hätte, meine Instructionen buchstäblich zu befolgen, und ich weiss die Gründe, welche die Mittheilung dieser Papiere veranlassten, deshalb nicht weniger zu schätzen, weil sie mir zuletzt nicht so viel Nutzen gewährten, als der americanische Capitain gehofft und erwartet hatte; ich benutze bereitwillig diese Gelegenheit, um meine tiefgefühlte Dankbarkeit für sein freundschaftliches und höchst ehrenwerthes Benehmen gegen mich auszusprechen.

Dass die Anführer dieser beiden grossen National-Unternehmungen gerade diejenige Stelle zum Vordringen nach dem Südpol wählten, zu deren Erforschung, wie sie recht wohl wussten, meine Expedition dazumal schon ausgerüstet wurde, musste mich gewiss höchlichst überraschen. Selbst wenn keine höhere Rücksicht ein solches Zusammentreffen verhindern konnte, so hätte wenigstens ihr Nationalstolz sie bewegen müssen, lieber jeden andern Weg auf dem weiten Felde vor ihnen zu wählen, als den mir angewiesenen.

Sie hatten jedoch das unbezweifelte Recht, jeden ihnen passend scheinenden Punkt zum Ziel ihrer Bestrebungen zu wählen, ohne Rücksicht auf die Verlegenheit zu nehmen, in welche mich ihre Wahl versetzen konnte. Zum Glück liessen mir meine Instructionen bei unvorhergesehenen Ereignissen vielen Spielraum; und erfüllt von dem Gefühle, dass England den Weg der Entdeckung in den südlichen und nördlichen Regionen stets vorangegangen sei, hielt ich es für unverträglich mit dem Vorrang, den es immer behauptet hat, wenn es einer andern Nation in ihren Entdeckungen hätte nachtreten wollen. Ich entschloss mich daher schnell jede Berührung mit ihren Entdeckungen zu vermeiden, und wählte einen viel östlicheren Meridian (170° östlich), um diesem folgend zu versuchen nach Süden vorzudringen und wo möglich den magnetischen Pol zu erreichen.

Mein Hauptgrund, diesem Meridian den Vorzug vor allen andern zu geben, war der Umstand, dass Balleny auf demselben im Sommer 1839 die Breite von 69° erreicht und dort noch offenes Meer gesehen hat, und nicht, wie behauptet worden ist, eine Furcht von meiner Seite, in meinen Bemühungen eben so erfolglos wie die Americaner und Franzosen zu sein, die nicht einmal über den 69. Breitengrad hinausgekommen waren. Denn ich wusste recht gut, wie wenig ihre Schiffe zu einem derartigen Dienst geeignet waren; da sie nicht verstärkt waren, um den Stössen und dem Druck zu widerstehen, die sie jedenfalls leiden mussten, wenn sie ein grösseres Eisfeld zu durchdringen wagten, so wären ihre Bemühungen auf dem von mir gewählten Meridian eben so vergeblich gewesen, denn auch wir stiessen auf einen Eisgürtel von mehr als 200 Meilen Breite, der ihr Untergang gewesen wäre, hätten sie ihn getroffen; wir dagegen in unsern befestigten Fahrzeugen konnten uns hinein wagen und uns hindurchdrängen bis zum offenen Meere. Ohne diese Mittel ist es für Jeden, möge er auch noch so viel Muth oder Ausdauer besitzen, gänzlich unmöglich unter diesen Umständen eine südlichere Breite zu erreichen.

Die Colonie von Vandiemensland war während unsers Dortseins in einem wahrhaft blühenden Zustand, obgleich sie später wie die andern australischen Colonien, aber nicht in demselben Maasse, sehr von den verderblichen Folgen übertriebener mercantilischer Speculation gelitten hat. Unter der weisen und einsichtsvollen Leitung Sir John Franklins sind die Einnahmen der Colonie so gewachsen, dass die bei seiner Ankunft sehr bedeutende Staatsschuld ganz getilgt und ein Ueberschuss in der Einnahme eingetreten ist.

Beständige Beschäftigungen im Observatorium hinderten mich mehr von dem höchst interessanten und wichtigen Lande zu sehen; zwei kurze Ausflüge, die ich nach Beendigung der Pendelbeobachtungen mit Sir John Franklin machte, bestätigten Alles, was ich von seinen grossen Hülfsquellen gehört hatte, und zeigten mir auch, dass sein Klima nicht wie das der nördlichen Colonien des Landes eine nachtheilige Einwirkung auf den brittischen Charakter und die brittische Constitution des aufwachsenden Geschlechts hat.

Die Gesellschaft in Hobarttown ist durch und durch englisch und deshalb den Reisenden aus dem Mutterlande höchst angenehm. Selbst die den reichen Colonisten gehörigen Häuser sind kleiner und von anspruchsloserem Aussehen, als in England die Wohnungen der Personen von mässigem Einkommen; aber es fehlt nicht an den charakteristischen soliden Comforts einer englischen Wohnung, die oft an Eleganz und Luxus streifen; während die herzliche Gastfreundschaft, die uns während unsers langen Aufenthalts widerfuhr, der beste Beweis für uns war, dass diese kostbare Eigentümlichkeit unsers Vaterlandes hier so gut wie in jedem andern Theile des brittischen Reiches gedeihe; und die angenehme Erinnerung an die vielen glücklichen Stunden, welche wir unter ihnen verlebt haben, wird nie aus unsern Herzen verschwinden.

Einen grossen Uebelstand kann ich nicht umhin zu erwähnen, zumal da er in jedem Hause klar vor Augen tritt und schnelle und sofortige Aufmerksamkeit verlangt, damit seine nachtheiligen Folgen sich nicht dauernder und in weiterem Kreise erstrecken: ich meine den Mangel an hinreichenden Mitteln zur Erziehung des aufkeimenden Geschlechts. Den Unterschied zwischen den in England erzogenen Aeltern und ihren erwachsenen Kindern, deren Sitten und Ideen kaum mit den am wenigsten erzogenen Classen in England auf einer Stufe standen, zu sehen war wirklich traurig.

Diesem Uebel abzuhelfen war der Gouverneur fest entschlossen und er ruhte nicht, bis er von der englischen Regierung eine Stiftungsurkunde für ein Collegium erlangt hatte; die legislative Versammlung der Colonie votirte ebenfalls 2500 Pfd. zu diesem Zwecke. Auf die Empfehlung des verstorbenen Dr. Arnold von Rugby kam der ehrwürdige J. B. Gell aus England, um die Anstalt nach den Bedürfnissen hiesigen Orts zu organisiren. Nach langer Berathung bestimmte man einen Theil des Regierungslands in Neunorfolk für das Gebäude; und am 7. Nov. 1840 legte Sir John Franklin in Gegenwart der Mitglieder der executiven und der gesetzgebenden Versammlung und eines zahlreichen Publicums mit grosser Feierlichkeit den Grundstein; aber auf diesem Punkte, glaube ich, steht die Sache noch heute in Folge der Opposition und der Intriguen der unterlegenen, aber einflussreichen Partei, die das Collegium in Hobarttown gebaut wissen wollte, während die Forderungen der verschiedenen christlichen Secten, eine Stimme in dem Schulrath zu haben, so heftige Streitigkeiten zur Folge hatten, dass das Colonialamt zuletzt die Sache aufgab; und so wurden die wohlwollenden Absichten des Gouverneurs vor der Hand vereitelt.

Neuerdings aber hatte der Bischof von Tasmanien den alten Plan mit grossem Eifer wieder aufgenommen und versucht die nöthigen Fonds durch Privatsubscription zu sammeln. Wir können nur hoffen, dass dieser Plan, einer Bevölkerung von 60,000 Seelen Erziehung und Unterricht zu verschaffen, auch in England die nöthige Unterstützung finde.

Die Vollendung des Rossbank-Observatoriums schritt zufriedenstellend vor und lange vor dem zweiten Termintag waren die Magnetometer wieder aufgestellt, so dass ich auch am 23. Sept. an einem Orte zwei vollständige Serien Instrumente beobachten lassen konnte.

Dazu bedurften wir jedoch der Unterstützung von Freiwilligen unter Sir John Franklin, der in seinem Eifer für die Förderung der Wissenschaft einen Theil der Obliegenheiten des Tages übernahm, die für ihn in Beobachtungen in Zwischenräumen von 2½ Minuten, 12 Stunden lang fortgesetzt, bestanden. Die Beobachtungen in dem Observatorium des Schiffes stellten Capitain Crozier, die Offiziere beider Schiffe und ich an, die in dem permanenten Observatorium Se. Excellenz und die folgenden Herren, die sich vorher längere Zeit in dem Lesen der Instrumente geübt hatten: Ehrw. John Philip Gell, M. A., Trin. Coll., Cambridge; Ehrw. Dr. Turnbull, Mr. Henslowe, Lieut. Bagot, Mr. Cracroft, Mr. Nairne, Lieut. Kay, vom Terror, und zwei Steuermänner. So hatte ich die Freude, Zeuge der Arbeiten des Observatoriums nach dem von mir entworfenen erweiterten Plane zu sein, der auch durch den unermüdlichen Eifer der Freiwilligen bei jedem spätem Termine befolgt wurde.

Die regelmässigen Stundenbeobachtungen begannen jetzt unter Lieutenant Kay, den ich zur Leitung der magnetischen und meteorologischen Experimente auf dieser wichtigen Station ausgesucht hatte. Zur Unterstützung gab ich ihm Mr. Scott, Steuermann vom Terror, und Mr. Dayman vom Erebus bei, und ein Matrose von. jedem Schiff vervollständigte das Personal des Observatoriums.

Damit eine vollständigere Vergleichung zwischen den Beobachtungen in Hobarttown und den auf den südlichen Stationen, welche die Expedition besuchen sollte, gemachten angestellt werden könne, sollte Lieut. Kay seine Beobachtungen nach dem bis jetzt angewendeten ausgedehnteren Systeme fortsetzen. Da aber diese Perioden gleichzeitiger Vergleichungen so selten eintraten und mir kaum hinreichend zu sein schienen, um mehrere der seltsamen Phänomene zu entdecken, die sich wahrscheinlich bei häufigeren Beobachtungen in noch kürzeren Zwischenräumen zeigen würden, so bestimmte ich noch eine Stunde mehr in jeder Nacht, wo fortlaufende Beobachtungen angestellt werden sollten; und die zu diesem Zweck gewählte Zeit war zugleich die günstigste für die Beobachtungen des Südpolarlichts, welches eine so mächtige Wirkung auf die Magnetometer ausübt. Ich gab Lieut. Kay und seinen Gehülfen besondere Instructionen, während unserer Abwesenheit auf die Häufigkeit, die Richtung, die Gestalt, die Höhe und alle Veränderungen in der Erscheinung der Südpolarlichter zu achten, so wie sie auch, hätten wir in den antarktischen Regionen überwintern können, der Gegenstand correspondirender und fortlaufender Beobachtungen geworden wären, wodurch vielleicht manche Unregelmässigkeiten, die sich in den Sommerbeobachtungen in dieser Breite zeigen, wo das Sonnenlicht die Entdeckung des Südpolarlichts verhindert, aufgeklärt worden wären. Obgleich wir leider keine Gelegenheit fanden, in hohen südlichen Breiten correspondirende Beobachtungen zu machen, so wurden die Arbeitsstunden von Lieut. Kay's Partei dennoch nicht umsonst vermehrt; denn durch den bereitwilligen Eifer Mr. Caldcott's, des Vorstehers des Observatoriums in Trevandrum, wurden an diesem Orte gleichzeitige Beobachtungen angestellt, und ihre Vergleichung wird, wie ich glaube, sehr interessante Resultate ergeben.

Ausser den magnetometrischen und meteorologischen Instrumenten erhielt Lieut. Kay noch einige astronomische; und noch vor unserer Abfahrt aus Hobarttown sahen wir Vorbereitungen zum Bau eines passenderen und bequemeren Wohnhauses für die Zurückbleibenden in geeigneter Entfernung vom Observatorium treffen. Dem Observatorium legte Se. Excellenz Sir John Franklin den Namen Rossbank bei. Es liegt unter 42° 52' 27,4" südl. Br. und unter 147° 27' 30" östl. Länge und 105' über der Meeresfläche bei mittlerer Fluth. Die mittlere Inclination der Magnetnadel ist 70° 40' südlich und die Declination (im Mai 1841) 10° 24' 24" östlich.

Da die geeignete Jahreszeit für unsere südliche Reise sich näherte, wurden die Schiffe zur Abfahrt bereit gemacht. Alle Beschädigungen waren ausgebessert, und als wir die Segel aufsetzten, konnten wir uns der wohlthuenden Ueberzeugung erfreuen, dass die Schiffe und das Volk in besserem Zustande waren, als bei unserer Abreise aus England. Wir hatten den Verlust eines unserer besten Matrosen, Edward Bradley, zu beklagen, der am 24. Oct. verunglückte, und mussten vor unserer Abreise den Steuermann des Terror, Mr. Molloy, verabschieden, den Kränklichkeit zwang nach England zurückzukehren. Am 5. Nov., wo Sir John Franklin den Grundstein zu einem neuen Gouvernementsgebäude legte, schmückten wir die Schiffe mit Flaggen und feuerten eine Ehrensalve ab. Der Mangel eines der erhöhten Bedeutung der Colonie und der Würde des Gouverneurs angemessenen Gebäudes war schon seit lange gefühlt und anerkannt worden.


 << zurück weiter >>