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Vorwort des Übersetzers.

Seit dem ersten Jahrzehent dieses Jahrhunderts begann die Vertheilung der magnetischen Kraft über die Erde die Aufmerksamkeit ausgezeichneter Gelehrten Europa's und namentlich Humboldts auf sich zu ziehen, und schon die ersten Beobachtungen bestätigten die seit langem gehegte Vermuthung, dass die Abweichungen in der Richtung der Magnetnadel auf verschiedenen Punkten der Erde gewissen Gesetzen unterliegen. Bekanntlich bleibt nur an wenigen Orten der Erde die Magnetnadel in paralleler Richtung mit dem Meridian, d. h. sie zeigt fast nirgends gerade nach dem astronomischen Nordpol, sondern weicht mehr oder minder nach Osten oder Westen ab; ebenso behält die Magnetnadel ihre horizontale Lage nur auf dem magnetischen Aequator bei, der zwar in der Nähe des geographischen Aequators, aber nicht parallel mit demselben liegt, und neigt sich mit ihrer Süd- oder ihrer Nordspitze immer mehr, je näher sie dem entsprechenden Pole der Erde gebracht wird, wo sie eine senkrechte Stellung annimmt; zu diesen zwei Elementen, der magnetischen Declination und Inclination, tritt noch ein drittes, die Intensität, d. h. die Stärke der magnetischen Kraft auf einem gegebenen Punkt der Erde. Ausser diesen regelmässigen Variationen sind aber noch an der Magnetnadel tägliche Störungen zu bemerken, die oft an den entferntesten Punkten der Erde gleichzeitig stattfinden. Der Wunsch, die Gesetze, welche diesen Störungen zu Grunde liegen, zu erforschen, gab Anlass zur Gründung eines magnetischen Vereins unter Leitung des Prof. Gauss, auf dessen Veranlassung magnetische Observatorien in Altona, Augsburg, Berlin, Bonn, Braunschweig, Breda, Breslau, Cassel, Copenhagen, Dublin, Freiberg, Göttingen, Greenwich, Kasan, Krakau, Leipzig, Mailand, Marburg, München, Neapel, St. Petersburg und Upsala gegründet wurden, wo jährlich sechsmal und später viermal an bestimmten Tagen in Zwischenräumen von fünf Minuten gleichzeitige Beobachtungen angestellt wurden. So zahlreich auch diese Stationen sind, so verbreiten sie sich doch nur über einen verhältnissmässig kleinen Theil der Erde, und es konnte nur zur Förderung der Wissenschaft gereichen, dass die achte Versammlung der britischen Gesellschaft 1838 sich dieser Sache annahm und der Regierung die Errichtung von magnetischen Observatorien in Canada, Ceylon, St. Helena, Van-Diemensland und Mauritius oder auf dem Cap der guten Hoffnung, so wie die Absendung einer Expedition zur Erforschung der magnetischen Phänomene in den höhern südlichen Breiten zwischen den Meridianen von Neuholland und Cap Horn anempfahl. Mit ihrer gewöhnlichen Bereitwilligkeit beschloss sofort die englische Regierung diesem Wunsch zu entsprechen und rüstete zu diesem Zwecke die beiden Schiffe Erebus und Terror aus, deren Commando sie dem Capitain Sir James Clark Ross, dem Sohn des berühmten Nordpolreisenden, anvertraute. Die Geschichte dieser interessanten Reise in die höchste südliche Breite, die man bis jetzt hat erreichen können, legen wir hier dem Publicum vor. Die Entdeckung eines Continents und eines thätigen Vulcans an den äussersten Grenzen der Erde, die mannigfachen Fährlichkeiten in den von ewigem Eis starrenden Meeren, in welchen die Schiffe drei Sommer lang verweilten, und die Notizen über den Zustand von Van-Diemensland und Neuseeland werden gewiss das Interesse des mehr als flüchtige Unterhaltung suchenden Lesers anregen, während die bedeutenden wissenschaftlichen Erfolge der Reise in mehreren Zweigen der physischen Geographie, die Bestimmung des wahren magnetischen Südpols und die botanischen Notizen von Dr. Hooker mit höchst schätzenswerthen Nachweisen über die geographische Vertheilung der Pflanzen, die Aufmerksamkeit der Gelehrten von Fach auf sich ziehen werden.

Die Weglassungen, welche sich der Herausgeber glaubte erlauben zu müssen, beschränken sich auf vereinzelte geologische und meteorologische Details, welche der Mann von Fach vollständiger in besonderen auf Veranlassung der englischen Regierung herausgegebenen Werken finden kann, und die für das grössere Publicum ohne Interesse sind. Ebenso fand sich der Herausgeber veranlasst, die Form des Tagebuchs, welche im Original streng durchgeführt ist, zum Theil aufzugeben.

Noch muss bemerkt werden, dass die englischen Maasse und Gewichte durchgängig beibehalten wurden, und dass daher unter den Meilen, wenn nicht ausdrücklich Seemeilen angegeben sind, stets englische Meilen, etwas über 69 auf einen Grad, zu verstehen sind.

Schliesslich muss der Herausgeber noch seinen Dank gegen den Herrn Dr. Pritzel aussprechen, der ihn bei der Bearbeitung der botanischen Stellen des Werkes freundlichst unterstützte.


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